reon Eigensinn von — geistiger Bescyrann-e« zu reden.
Vom Stumpfsinn unbedeutender Menschen, von dem Panzer, der geistig Beschränkte umschließt, prallt jeder Beweis ab. Dieser Eigensinn, der meist mit dem Satz beginnt: Ich habe aber meine eigene Ansicht, der Geschmack ist ja verschieden, usw., und immer nur auf das eine zurückkommt, diese eigene Meinung für allein maßgebend zu halten und in ihr blindlings durch die Wand zu rennen, ist gleichbedeutend mit der Unfähigkeit der Intelligenz, die Gründe des Gegners zu verstehen und zu würdigen, ändere Menschen sind eigensinnig aus — ,Ehararter- anlage. Diese Gattung begreift wohl, daß der Gegner im Recht ist, verharrt aber aus falschem Heroismus trotzdem aus ihrer Meinung statt einfach zu sagen: Ich will aber anders! Das Selbstgefühl, der Starrsinn gilt ihnen als Tugend. Sie werfen mit „Grundsätzen" um sich und richten sich lieber zugrunde, als daß sie nachgeben. Dieser ziellose Eigensinn erstrebt, was er haben will, ohne zu bedenken, daß es vielleicht das Hundertfache von dem Wert des Erstrebten kostet. Der Vorwurf solchen Eigensinnes trifft Karl XII. von Schweden, der nicht einer großen Idee, sondern um Recht zu behalten, so unendlich viel opferte. Brutalität des Eigensinnes kann unermeßliches Elend über ganze Völker heraufbeschwören, und Folgen schaffen, die im schroffen Gegensätze zu dem Werte des Erreichten stehen.
Es gibt Menschen, die, wenn sie im Uebermut behaupten, das Wasser sei schwarz, diesen Satz aus „Charakterstärke" zu verteidigen suchen. Charakter beweisen aber nur jene, die in dem, was sie für das wahrhaft Rechte erkennen, in großen Linien, auf denen sich ihr Handeln bewegt, unerschütterlich und konsequent sind, daneben aber den Mut und den Heroismus finden, ihre Ansichten zu korrigieren, wenn sie fühlen, daß sie sich im Irrtum befinden, und zwar mindestens es sich selbst offen eingestehen, wenn sie falsch gehandelt. Ein eigensinniges Festhalten allzukleinlicher Grundsätze ist keine Charakterstärke, keine Standhaftigkeit, sondern ganz erbärmlicher Eigensinn.
vermischter.
* Hannover, 31. Aug. 1906. Infolge Ueb erfahrens des Haltesignals stieß beim Einfahren in den hiesigen Bahnhof der von Minden um 2 Uhr , eintreffende Personenzug mit einem Ran- gicrzugc znsammen. Mehrere Wagen wur- , den-zertrümmert, der Zngfiihrer und ein Packmeister • verletzt.
* Nürnberg, 31. Aug. 1906. Für die Witwe des bei den bekannten Streikvorgängen ums Leben gekommenen Schlossers Melchior Fleischmann wurde in der organisierten Arbeiterschaft der Metallbranche eine Sammlung veranstaltet, die bis jetzt über 30,000 Mk. ergeben hat.
* Kleine Nachrichten. Groß-Umstadt. Als das Feldartillerie-Regiment Nr. 25 am Donnerstag ausriickte, entlud sich ein ungesichertes Geschütz, wodurch der Kanonier Wagenbach aus Burkardk'feldeu getötet wurde. — Ludwigshafen. Das vierjährige Töchterchen des Fabrikarbeiters Hoffelder trank aus einem auf dem Tische stehenden Fläschchen, welches Salzsäure enthielt, Das Kind ist kurz darauf g e st o r b e n. — Venedig. Dein Wiederaufbau des Markus t u r m e s stellen sich neue Schwierigkeiten entgegen. Der Sachverständige, der im Auftrage der Stadt die Ziegelsteine untersuchte, konstatierte einen starken Gehalt von Schwefelverbindungen und erklärte das Material für unbrauchbar. Das
"bereits ausgeführte Turmstück mutz jetzt wieder abgerissen werden. — T o d t m o o s. Von hier wird berichtet, daß ein Briefträger irrtümlicherweise einem Adressaten, der nicht mehr ausfindig zu machen war, bei Geldbeskellung 100 Mark zu viel ausbezahlt habe. Der Briefträger war fiir den Verlust haftbar. Um nun diesen Fehlbetrag auszugleichen, veranstalteten die K u r- gästeeinKonzert. Es wurden über 100 M eingenommen und dem armen Briefträger war geholfen. Diese edle Tat verdient wärmste Anerkennung. — Münsteri. W. Aus Anlaß seines goldenen Professorenjubilänms stiftete Geh. Rat Prof. Tr. H i t t o r f 25 000 "<M, deren Zinsen zur Förderung naturwissenschaftlicher Arbeiten verwendet werden sollen. — Augsburg. Der Herbst setzt heuer ungewöhnlich früh ein. Hier sank das.Thermometer in der Nacht zum Donnerstag auf 1 Grad C. — Aus Kempten i. A. wird gemeldet, daß in derselben Nacht dort der erste Reif fiel. — Saarbrücken. Mit erstem geladenen Revolver in,der Hand raufte' der 13 Jahre alte Schüler Georg Daub in Wehrden mit dem gleichalterigen August Weib. Dabei entlud sich die Schießwaffe und die Kugel traf den Weib so unglücklich, daß er an der Verletzung starb. Daub wurde heute dieserhalb von der Siraf- kamnier zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. — Ludwigshafen. Das 7 Jahre alte Kind der Witwe Krug geriet durch einen Spirituskocher in Flammen und verbrannte. — Miltenberg. Der Unternehmer Waßum war in der Nähe des Kranes damit beschäftigt, aus seinem Fuhrwerk Steine in ein an dem Mainwerst liegendes Schiff zu verladen. Beim Wenden fiel der Wagen in den Main und zog die beiden Pferde mit sich, sodaß sie an der dortigen tiefen Stelle ertranken.
* Eine seltene Gratulantin bei den Tauffestlichkeiten in der Kronprinzenfamilie hatte sich in der Person der Witwe Wilhelm aus Mülheim an der Ruhr in Potsdam eingefunden und beim Kaiser int Neuen Palais eine Audienz nachgesucht. Sie ist Mutter von 11 Söhnen und 3 von ihnen haben deutsche Kaiser als Paten, und zwar Kaiser Wilhelm L, Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilhelm II. Es ist dies wohl die einzige Mutter im deutschen Reiche, die alle 3 Kaiser als Paten ihrer Söhne nennen darf. Der inzwischen verstorbene Mann der Frau war Polizeisergeant in Mülheim,
* Eine Marke fiir 200000 rJt gesucht. Wer besitzt eine in den Umschlag eingedruckte Marke von Annapolis aus dem Jahre 1846? fragt der Figaro. Er wäre ein gemachter Mann, denn ein reicher amerikanischer Sammler bietet soeben dafür 200 000 <M. Die Marke ist rund und trägt als Aufdruck einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln ,der im Schnabel einen Oelzweig hält. Die teuerste Marke war bisher eine Zwei-Pence-Mau- ritius, die das Berliner Postmuseum für 36 000 M angekaust hat. Für eine andere Marke der Insel Mauritius (1 Penny) hat der Prinz von Wales 29 000 c« gezahlt.
* Was Könige an Trinkgeld geben! Der König von England, Eduard VII. gibt bei kurzem Aufenthalt für gewöhnlich 5000 Franks Trinkgeld an die Dienerschaft. Ist die Bediemmg aber besonders zahlreich, so werden 8000 Franks verteilt. Während seines dreitägigen Aufenthalts in Wien hat er 25 000 Franks verteilen lassen. Dieselbe Summe hat er in Berlin verteilen lassen, als er sich zwei Tage zum Begräbnis seiner Schwester, der Kaiserin Friedrich, dortselbst aufbielt. Sehr generös ist'auch der deutsche Kaiser. Bei jedem Besuch in England hat er der Bedienung 25 000 Franks überwiesen. Bei dem Begräbnis der Königin Viktoria sogar,50 000 Franks. Am splendidesten allerdings scheint der Zar zu sein. Er hat vor einigen Jahren bei seinem achttägigen Aufenthalt in England 75 000 Franks an die Dienerschaft verteilen lassen.
* Eine gefährliche Fahrt im Unterseeboot wird in den nächsten Tagen in Toulon unternommen werden. Siebzehn Angehörige der französi
schen Marine, Offiziere und Manuschasteit, werden mit dem Unterseebot Cignon in eine Tiefe von 30 Metern hinabtauchen. Es hat zwar schon ein ähnlicher Versuch mit den Booten Thon und Alose stattgefunden, aber in diesen Fällen waren die verhältnismäßig kleinen Fahrzeuge nicht mit Mannschaften besetzt, sondern an ungeheuren Kränen aufgehängt, die sie nach Belieben emporziehen konnten. Ein ähnliches Verfahren ist bei Cignon ausgeschlossen, da dieses Schiff 172 Tonnen faßt. Außerdem können die Türen nur von innen geschlossen werden. Jttfolgedessen muß dieses Schiff bewohnt sein, wenn es tauchen soll. Die Mannschaft hält sich fiir das Experiment bereit. Sie hat das feste Vertrauen zu der Konstruktion. Indessen wird noch eilt besonderer Befehl vom Kriegs- nünisterium abgewartet, denn jeder, der dort in die Tiefe geht, muß auch mit einem unglücklichen Ausgang rechnen.
* Der lenkbare Luftballon des Majors von Parseval wurde am Donnerstag abend dem Generalinspekteur der Verkehrstruppen, Excellenz von Werneburg vorgeführt. Der Ballon bewies wiederum feine Lenkbarkeit. Wenn der Versuch auch nur kaum fünf Minuten dauerte, so erfüllte Major von Parseval doch die Aufgabe, die er sich selbst gestellt hatte.
* Seltenes Tedenm. Die „Frankf. Zeitg." nimmt Notiz von dem Begräbnis des hochw. Bischofs Ignatius von Senefttey, registriert den Beginn der kirchlichen Trauerfeier um 91/» Uhr und die Trauerrede des Domkapitulars Schlegelmann und fchreibt dann wörtlich: „Das feierliche Te- denm leitete Erzbischof Dr. b. Stein."
* Gegen die Sonntagsjäger. Einen eigen- artigen Antrag hat sich ein Mitglied des Gemeinderats von Mörchingen geleistet. Er, verlangte nämlich, den Jägern solle die Ausübung der Jagd an den Sonntagen verboten werden. Der Antrag wurde aber abgelehnt, zumal eilte derartige beschränkende reichsgesetzliche Bestimmung nicht existiert. Außerdem Will Mörchingen nicht den Fluch aller Sonntagsjäger: auf sich laden.
* Dir Bevölkerung des Deutsche» Reiches ist im Statist, Jahrbuch f. d. Deutsche Reich nach dem Stande um Mitte d. I. auf 61102 000 Köpfe berechnet. Da die Volkszählung vom 1. Dezember 1905 nach der vorläufigen Feststellung eine Bevölkerungszahl von 60 605 183 ergeben hatte, hat in den letzten sieben Monaten eine Zunahme um nahezu eine halbe Million stattgefunden. In zehn Jahren hat sich die Bevölkerung des Deutschen Reiches um 8,35 Millionen vermehrt, in 20 Jahren hat sie um 13,47 Millionen zugenominen. Seit der Gründung des Deutschen Reiches hat die Be- völkeruitgszuuahme 20,1 Millionen Köpfe oder 49 v. H. betragen.
* 55 Millionen für Rundreisehefte. Der sogenannte Rundreiseverkehr des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen hat im Jähre 1905 eine Einnahme von 55148 741 M gebracht, das sind über 4 einhalb Millionen mehr als im Vorjahre. Am 1. Juli d. Js. waren 194 Verwaltungen an dem Verkehr beteiligt. Es bestehen 139 Ausgabestellen. Die Zahl der Fahrscheine ist jetzt auf 7664 angewachsen. Außerdem werden noch 1194 Verbindungsstrecken im Verzeichnis aufgeführt, für die es besondere Scheine nicht, gibt. Die Zahl der Reisenden oder Hefte ist auf 836 000 gegen 774,919 int Vorjahre angewachsen. Jedes Heft bringt also im Durchschnitt rund 65 'M. In den Vereinsverkehr einbezogen sind bis jetzt 175 306 Kilometer gegen 163110 Kilometer im Jahre 1904.
Literarisches.
Zum 25jährigen Bischofs-Jubiläum (25. September) des in ganz Deutschland als einer der hervorragendsten kirchlichen Würdenträger bekannten Bischofs Dr. Michael Felix Korum hat die Zeitschrift „Nach der Schicht "(Korrespondenzblatt des Kathol. Kolportage-Vereins in Neunkirchen Bez. Trier) eine Festschrift herausgegeben. Die- selbe, ein stattliches Heft in violettem, dem Anlaß
ztlr Herausgabe entsprechendem Umschlag», hat daS Format der Wochenschrift „Nach der Schicht" (Großquart), deren Nummern 34 und 35 sie bildet. Die Ausstattung der Festschrift ist, trotz deS beispiellos billigen Preises von nur 30 Pfg., überaus ansprechend und würdig. Den reichhaltigen und interessanten Inhalt schmücken 54, größtenteils eigens für die Festschrift angefertigte Bilder irr feinem Autotypiedruck. Aus dem Inhalt fei neben dem eigentlichen umfangreichen Festartikel, der ein getreues Abbild des ganzen Lebenslaufes des hohen Jubilars bietet, besonders noch ein Aufsatz aus der Feder eines Priesters der Diözese Straßburg hervorgehoben, der speziell über die Tätigkeit Bischofs Komm in feiner Heimat, dem schönen Elsaß, interessante Einzelheiten bringt. Der übrige Inhalt reiht sich den genannten beiden Artikeln abwechslungsreich und würdig an. Niemand, der Bischof Korum als edlen, frommen Priester nach dem Herzen Gottes kennt, oder der Interesse für die, alte Bischofsstadt, das heilig» Trier und die Diözese, den ehemaligen Kurstaai, bekundet, wird die schöne Festschrift unbeachtet lassen.
Neueste Nachrichten und Telegramme.
W. Düsseldorf, 1. Sept. 1906. Heute früh 6 Uhr fand auf dem Hose des hiesigen Zellen» gesängniffes die Hinrichtung der beiden Brüder Adolf und Leonhard Bloemers, welche von» hiesigen Schwurgerichte am 22. März ds. Js. wegen Ermordung des Oberstleutnants a. D. Roos in München-Gladbach zum Tode verurteilt worden waren, durch den Scharfrichter Schmieh» Breslau statt. Ueber das Schicksal der gleichfalls zum Tode verurteilten Ehefrau Anna Bloemers ist noch keine Entscheidung getroffen.
W. Madrid, 31. Aug. 1906. Aus Melilla wird berichtet, daß sich die Truppen des Roghi in der Stärke von 6000 Mann auf bent rechten Ufer des Muluya zusammenziehen und Verstärkungen erwarten. Die Truppen des Sultans zählen 4000 Mann und sind gut bewaffnet»
W. Madrid, 31. Aug. 1906. Die Bäcker von La Coruna beabsichtigen einen Generalstreik ins Werk zu setzen. Die gegenwärtige Trockenheit gefährdet die Gesamternte der Provinz Aragon.
W. Helsingfors, 31. Aug. 1906. Gestern wurde über den Rest der Aufrührer von Sveaborg das Urteil gefällt: 19 Soldaten und 3 Zivilisten wurden zum Tode durch Erschießen, 33 Soldaten zn Zwangsarbeit von 12 bis 15 Jahren, 33 zur Versetzung in die Strafabteilung auf 4 bis 5 Jahre, 195 auf 3 bis 4 Jahre und 298 Soldaten zn 3 bis 4 Monaten Gefängnis verurteilt.
voraussichtliche Witterung
Weilburger Wetterdienst
(Dienststelle Weilburg, Landwirtschastsschule)
für die Zeit vom Abend des 1. Septbr. bi- zum nächsten Abend:
Schwache östliche Winde, vorwiegend heiter, trocken« etwas wärmer.
Wafferwärme: Abends 19,0® Celsius, morgens 1S,5° Celsius.
Reklamen« nnd Anzeigenteil.
Frenud der Hausfrauen wird Dr. Thompson'- Seifenpulver, Marke Schwan, vielfach genannt. Man erzielt damit blendend weiße Wäsche unter Schonung! der Stoffe. Ueberall zu haben.
Kelmutinchuug.
Die Anfuhr des von dem Stadtbauamt in der Zeit vom 15. September 1906 bis cinfchl. 14. Septemb. 1907 benötigten Sandes aus der an der Haimbacherstraße gelegenen städt. Sandgrube soll öffentlich verdungen werden.
Angebotsformulare können von dem Sladtbauamt, woselbst auch die Bedingungen einzusehen find, bezogen werden.
Versiegelte und mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis
Freitag den 7. Sept. d. I. vormittags 10 Uhr, an das Stadtbauamt einzureichen.
Fulda, den 30. Aug. 1906.
Der Magistrat.
Bekanntmachung.
Donnerstag den 6. Sept., vormittags 9 Uhr, sollen im Landkrankenhause dahier eine Anzahl alter hölzerner nnd eiserner Bettstellen, altes Eisen nnd sonstige Gegenstände, gegen gleichbare Zahlung, öffentlich ^erkauft werden.
Fulda, den 31. Aug. 1906. Die LgMMkknhüllS -Vttwallnng: ________Schn eitler.________ Tchl-MirWst-Aeckl- $er|teigenmg.
Am Donnerstag den 6. September, von vormittags 10 Uhr ab in der Buchenauer Feldlage Hirtsberg und Häde- lich. Zusammenkunft am Hirtsberg.
Buchenau, 31. Aug. 1906.
Aumann, Kal. Revierkörfter a. v.'
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