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Rotali»nsdrnck » Verlag der Fuldaer Lv tiendmäerei in $#160, Zernfpre h« Nr. 9.
JV5 200.
Fulda, Samstag den 1. September 1906.
33. Jahrgang.
Erstes WLcrtt.
(:) Sontobart Kchm fix Lemrm.
Die Kolonie Kamerun wird nicht mehr das Vergnügen haben, den sektliebenden Herrn <v. Puttkamer als Gouverneur xviederzusehen. : Man mußte also von Seilen der Regierung aus ; einen Nachfolger sinnen, und wenn die Blätter .wahrheitsgemäß berichtet sind, ist diese Wahl auf eine Persönlichkeit gefallen, die die Oeffent- lichkeit bereits in recht unliebsamer Weise beschäftigt hat. Eine offizielle Bestätigung der Meldung, daß Legationsrat Dr. Seitz den Gouverneurposten von Kamerun einnehmen werde, ist bisher noch nicht erfolgt, und ehe dies nich geschehen ist, wollen wir zu Gunsten des Erbprinzen zu Hohenlohe annehmen, daß es sich nur um eine Anregung aus den Kreisen der alten Kolonial-Geheimräte handelt. Ein Berliner Blatt weiß allerdings zu melden, daß sich Legations- rat Dr. Seitz bereits seine neue Amtstracht bet der Firma Tippelskirch u. Cie. bestellt habe und fügt hinzu, daß diese Amtstracht in Kamerun eine ganz besondere Rolle spiele, denn die erste Verordnung, die seitens des Reiches über Kamerun ergangen, sei die über die Uniform des Gouverneurs gewesen. Diese Verfügung kennzeichnet mehr wie langatmige Erörterungen den Geist des Bureaukratismus, der in unseren Kolonien umgeht.
Was die Persönlichkeit des Herrn Dr. Seitz anlangt, so hat der Reichstag das Vergnügen seiner persönlichen Bekanntschaft recht vielfach gehabt, namentlich in der letzten Zeit, als dir Kolonialskandale zur Erörterung standen. Herr Dr. Seitz hat gar kein Hehl daraus gemacht, daß er den Reichstag lediglich als notwendiges Uebel betrachtet, dem man ab und zu Rede stehen müsse, über den aber ein richttger Geheimrat unendlich erhaben sei. Herr Dr. Seitz ist mit einer Nonchalance über die Anklagen, die fein Ressort betrafen, hinweggegangen, die darauf hinwies, daß er einer der eifrigsten Verfechter des Vertuschungssystems ist. Wir muffen dem,Berliner | Tagebl? recht geben, wenn es die eventuelle Er- I nennung des Dr. Seitz zum Gouverneur von Kamerun eine Herausforderung der öffentlichen Meinung nennt. Der Abgeordnete Dr. Bachem hat dreimal nach den Wellblechdächern von Bivale in Ostafrika fragen und sich im Reichstag über die Hinterhältigkeit der Regiernngskommisiare beklagen müssen, ehe er von Dr. Seitz Antwort erhielt Auch die Tatsache kommt auf seine Rechnung, daß dem Hoftat Drsch eine nicht etatsmäßige Zulage gegeben worden war. Unvergessen soll dem Herrn Dr. Seitz auch bleiben, daß er eifrig die Verträge mit der Firma Tippelskirch u. Cie. in Schuh genommen hat.
Wir haben bisher dem Herrn Erbprinzen zu Hohenlohe das Vertrauen entgegengebracht, daß er ernstlich gewillt fei, nach dem Worte des Herrn Reichskanzlers in der Kolomalverwaltung den eisernen Besen zur Anwendung zu bringen. Wenn wir positive Folgen bisher nur wenige gesehen haben, io haben wir das entschuldigt mit der Schwierigkeit der Materie, in die sich der neue stellvertretende Direktor des Kolonialamts erst einarbeiten mußte. Wenn sich die Nachricht von der Ernennung des HerrnDr. Seitz zum Gouverneur
Ei« Wille, em Weg.
Frei nach dem Engllschen von I. Nemo.
58] (Nachdruck verboten.)
„Was ich will? Dich in Nummer Sicher unterbringen, wenn Du Dich nicht wie der Wind davon- machst. Ich hätte große Lust, einmal in Deinen großen Taschen xrachzusehen, ob sich nicht eine fremde Börse darin findet", entgegnete er, mich roh schüttelnd und dann mit einem heimtückischen Stoße von sich schleudernd, so daß ich strauchelte und zur Erde stürzte. „Marsch mit Dirt"
Ich sprang auf, und halb erstickt, wie blind vor Angst und Zorn, rannte ich davon, immer gerade aus, ohne zu toiffen, wohin. Das war der letzte Tropfen gewesen, der das volle Faß zum Ueber- laufen brachte. O die Schmach! Wie durfte dieser Mensch es wagen, mir eine solche niederträchtige Beschuldigung ins Gesicht zu schleudern.
Endlich versagte mir Kraft und Atem; schwindelnd blieb ich stehen. Einige Schritte weiter, an der gegenüberliegenden Seite der Straße, war eine Art Torweg; dorthin schleppte ich mich, und, in einem dunkeln Winkel niedersinkend, brach ich in Tränen aus.
Eine halbe, vielleicht eine ganze Stunde saß ich dort, zu entmutigt, zu schwach, um meine traurige Pilgerfahrt fortzusetzen. Es war mir, als Iei alle Energie in mir erstorben. Die eine Viertel- Utttbe verfloß nach der andern; eine Turmuhr nicht weit von mir schlug zehn, und noch immer saß ich zusammengekauert da, ohne mich zu rühren, fast ohne zu denken.
Endlich machte sich mir das Gefühl der Kälte bemerkbar, schaudernd zog ich den dünnen Paletot, den ich trug, fester um mich.
„Wenn ich immer einen solchen Anzug tragen müßte, so würde ich im Winter sicher erfrieren", murmelte ich. Was gäbe ich jetzt nicht um -meinen warmen Rock!"
Der Wunsch brachte mir neben der traurigen -och auch die komische Seite meiner Lage zum Be-
von Kamerun aber bewahrheiten sollte, müßte da§ Verträum zu dem Herrn Erbprinz« recht stark beeinträchttgt roerben. Die Anklagen gegen Dr. Seitz sind dmch die gesamte Presse gegangen und können von dem Erbprinzen und auch von dem Herm Reichskanzler nicht unbemerkt geblieben sein. Wir hoffen daher, im Interesse des Erbprinzm zu Hohenlohe selbst, daß er baldmöglichst ein deutliches Dementi veröffmtlichen wird.
Deutsches Reich.
Berlin, dm 31. August 1906.
* Die Mitteilung der ,Köln. Volksztg." daß der Kaiser durch einen Flügeladjutanten an den Landwirtschaftsminister die Aufforderung gelangen ließ, sein Abschiedsgesuch einzureichen, wird von der,Deutschen Tageszeitung' mit der Bemerkung angezweifelt, sie glaube wiederholen zu können und zu sollen, daß der Kaiser weder durch ein Handschreiben, noch durch einen Flügeladjutanten den Landwirtschaftsminister zur Einreichung des Ent- laffungsgesuches aufgefordert habe. Ob ein beurlaubter Flügeladjutant des Kaisers zum Besuche bei dem Landwirtschaftsminister in der kritischen Zeit gewesen sei, entziehe sich der Kenntnis des Blattes. Es ist dies vorläufig eine Behauptung, für die die »Deutsche Tageszeitung' den Beweis schuldig bleibt. Nachdem am Freitag der Ministerrat stattgesunden, wird die Klärung der Affäre wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.
* Der Gnadenerlaß des Kaisers. Wie wenigen Personen verhältnismäßig die Wohltat der jüngsten Amnestie, die bekannlich einen Erlaß der wegen Majestätsbeleidigung verwirkten ©trafen vorsieht, zu gute kommt, erhellt aus dem Umstande, daß in dem bisherigen Landgerichtsbezirke Düsseldorf, dem nach Zahl der Strafsachen bedeutendsten der preußischen Monarchie, nur ein einziger Verurteilter dabei in Betracht kommt. Ebenso im Landgerichtsbezirke Elberfeld.
* Der Diensteintritt des Prinzen Oskar von Preußen, des zweitjüngsten Sohnes des Kaisers (geb. am 27. Juli 1888) beim 1. Garde - Regiment fand heute vormittag 10 Uhr im Lustgarten zu Potsdam statt. Der Kaiser begab sich zu Pferde mit dem Prinzen und dessen direkten Vorgesetzten in den Lustgarten, wo das 1. Garde- Regiment im Viereck aufgestellt war. Die Fahne, die Leib-Kompagnie und die direkten Vorgesetzten traten in die Mitte des Vierecks. Prinz Oskar leistete darauf den Fahneneid, den der Kommandant des Hauptquartiers, General - Leutnant v. Loewenfeld, vorsprach. Hierauf hielt der Kaiser eine Ansprache, worauf er dem Prinzen Oskar die Hand reichte. Der Kommandant des 1. Garde-Regimentes erwiderte und schloß mit einem dreifachen Hurra auf dm Kaiser, in das die Ehrengäste und das Regiment einstimmten.
* Der Reichskanzler Fürst v. Bülow empfing am Freitag vormittag den stellverttetenden Direktor der Kolonialabteilung des auswärtigen Amts Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg zu längerer Besprechung.
* Das Doppel-Dementi zur aitgeOlidjen Berliner Reise des Oberpräfibentexx von Schor- lemer erregt das Befremden der »National-Ztg/.
wußtsein; ich mußte natürlich lächeln, und jetzt war der Bann gebrochen. War ich nicht eine Törin, daß ich mich durch die Grobheiten eines übereifrigen Polizeidieners so vollständig ans dem Gleichgewicht bringen ließ, und das in einem Augenblicke, wo ich ganz Freude und Triumph fein sollte. Mein Ziel war erreicht; noch eine letzte kleine Anstrengung und ich würde mich unter Mark Christians Schutz in Sicherheit befinden.
Beschämt über meine kindliche Schwäche trock- nete ich meine Augen und meinen Hut fester auf meine Locken drückend, stand ich auf.
»Zuerst muß ich mich aber nach dem Wege er- kundigen," murmelte ich. „Vielleicht bin ich noch meilenweit von der Brownlowstraße entfernt. Ich will mich mit meiner Frage an eine Fran wenden, nicht an einen Mann. Soweit meine Erfahrung reicht, gibt es auf der Welt nur zwei gute Männer: Gerald und mein heutiger Beschützer. Die übrigen — ach, dxx lieber Gott, je weniger man von den übrigen sagt, desto besser."
Langsam wanderte ich weiter, scharf xxach einem Vertrauen einflößenden, weiblichen Gesichte Umschau haltend. Nach einer Weile kam eine alte, gutmütig aussehende Frau heran; hastig trat ich ihr zur Seite.
„Entschuldigeix Sie, können Sie mir vielleicht sagen, wo ich die Brownlowstraße finde?"
Die Angeredete bedachte sich einen Moment und schüttelte bann den Kopf. Sie erinnerte sich dunkel, den Namen früher schon gehört zu haben, doch weiter wußte sie nichts.
Genau so ging es mir noch zwei- oder dreimal; der folgende Versuch gelang besser.
„Brownlowstraße? Jawohl, die kenne ich. Sie ist ganz am andern Ende der Stadt, wenigstens noch eine gute Stunde von hier entfernt. Gehen Sie diese Straße nur weiter hinauf. Am Ende derselben kommen Sie auf einen freien Platz; wenn Sie dort rechts abbiegen und nur immer geradeaus gehen, bann stoßen Sie schließlich ganz bon selbst auf die Straße, bie Sie suchen."
Ich bankte unb machte mich auf ben Weg. Der freie Platz lag endlich hinter mir, doch während
Das Blatt schreibt: „In Berlin wird allen, die es hören wollen, mttgeteilt, Herr von Schorle wer sei „in Angelegenhetten seine- Ressorts* nach Berlin berufen worden, mit der Nachfolgeschaf Podbielskis habe seine Reise nichts zu tun. Natürlich würde man, auch wenn sie etwas damit zu tun haben sollte, den Oberpräsidenten unter irgend einem Vorwande berufen haben. Das also if nicht weiter Überraschmd. Anssallen dagegen muß, daß Herr von Schorlemer dies Dementi dementiert, mit der kategorischen Versicherung, er sei garnicht nach Berlin berufen worden. Wie stimmt das? Hat man ihn vertraulich sondiert und einen Korb bekommen? Es wäre schon denkbar, daß Herr von Schorlemer eS vorzöge, einstweilen noch Oberpräsidextt der schönen Rhein- ptzovinz zu bleiben, statt gerade Podbielskis Erbe anzutreten. Wenn man glücklicher Besitzer deS Lieserer Niederbergs und zahlreicher Millionen ist — Herr von Schorlemer ist mit einer geborenen Puttcelli verheiratet — und sich in der „schwarzen Stadt" Koblenz einer weitgehenden Unabhänigleit erfreut, fo hat die Aussicht auf einen Minister- Posten in Berlin vielleicht nur problematischen Reiz. Aber wenn der Sohn des »westfälischen Bauernkönigs" die Nachfolge Podbielskis audi verschmäht haben sollte — man wird gelegentlich wohl noch von ihm Horen. Der elegante, glatte und formgewandte Mann, der zudem beim Kaiser persona grata ist, gehört zu den Leuten, von denen man sich nur schwer denken kann, daß sie ihre Laufbahn auf dem verhältnismäßig stillen Posten eines Oberpräsidenten beschließen sollten. Auch sonst rauscht es im Blätterwalde. Die ,Tägl. Rundsch/ findet die freundliche Beurteilung des Herrn von Schorlemer seitens der Jlreujjtg.' sehr verdächtig. Eine Erklärung für das doppelte Dementi würde vielleicht darin zu finden sein, daß die Berliner Stelle die Tatsache dementieren wollte, daß Freiherr von Schorlemer als künftiger Landwirtschaftsminister nach Berlin berufen worden sei und daß dies offiziöse Dementi, wie dies öfter geschehen ist, in äußerst ungeschickter Form abgefaßt worden ist, sodaß nicht die ganze Reife, sondern nur der angebliche Zweck der Reise von den Offiziösen negiert wurde.
* Daß es politische schwarze Listen in Preußen gibt trotz aller offiziellen Ableugnungen, beweist ein amtliches Schriftstück, betreffend die Nebersiedelung des Bewohners eines vorpommerschen Kreises nach einem andern Kreise, das nach der . Freis. Ztg/ dem .Greifsw. Tagebl.' vorliegt. In dem Schriftstücke zeigt der Amtsvorsteher des Zuzugsortes an, daß eine bestimmte Persönlichkeit sich bei ihm angemeldet hat und ersucht diePolizei-Behörde des Abzugsortes, gemäß dem Erlasse des Ministers des Innern vom 16. Januar 1905, die Richtigkeit der Angaben des Zuziehenden zu bescheinigen, außerdem aber auch „etwaige Bestrafungen oder sonstige nachteilige Tatsachen über die Führung und das politische Vorleben der genannten Personen mitzuteilen." — Die Regierung wird nicht umhin können, sich über diesen Erlaß aus dem Jahre 1905 näher zu äußern.
* Die charakterisierten Postsekretäre, welche bis einschließlich 31. Juli 1904 die Sekretär- Prüfung bestanden haben, ober denen anderweit ein entsprechendes Rangalter beigelegt ist, werden dem Vernehmen der,Deutschen Verkehrsztg/ nach zum 1. Oktober 1906 in etatsmäßige Sekre
ich mich einersetts freute bei dem Gedanken, daß jeder Schritt mich jetzt meinem Ziele näher bringe, fingen andererseits diese Schritte an, immer langsamer und langsamer zu werden. Es war mit, als seien meine Füße von Blei und manchmal mußte ich mich axx einer Mauer ober an einem Laternenpfahl festhalten, weil der Boden plötzlich unter meinen Füßen auf- und abwogte.
Einen Wagen! Es fuhren deren genug an mir vorbei! — Aber ich besaß nur noch wenig Gelb mehr, nur noch etwa drei Pfund, ich mutzte also sparsam fein. Mark Christian toar vielleicht arm, Gerald hatte ihn ja ausdrücklich einen Mann aus dem Volke genannt. Mit meinen drei Pfund würde ich ohnehin bei Western nicht die Kosten der Seereise bestreiten können, um so weniger, als ich vorher iwch allerlei anzuschaffen hatte, einen vollständigen Anzug unter anderem. Nein, ich durfte kein Geld für einen Wagen ausgeben.
Ich taumelte weiter. Wäre ich nicht fo vollständig unerfahren gewesen, so würde ich einen der Omnibusse benützt haben, bie von Zeit zu Zeit an mir vorbeirasselten, aber ein solcher scheinbar naheliegender Gedanke stieg auch nicht einen Augenblick in mir auf.
„Ich kann xxicht mehr", murmelte ich endlich. „Ich muß mich zum Fahren entschließen. Dort 'oimnt ein Wagen, hoffentlich ist es ein leerer."
Ich blieb stehen und während ich mich mit der einen Hand auf das Geländer stützte, welches einen öffentlichen Brunnen umgab, suchte ich mit der anderen nach meinem Gelbe. Ich hatte dasselbe, ba ich keine Börse besaß, in einen Zipfel meines Taschentuches eingeknotet und dieses bann in bie Brusttasche meines Paletots geborgen. Zu meinem unsäglichen Schrecken entdeckte ich jetzt, daß i)ie Tasche leer war. Das Taschentuch samt dem Gelbe war verschwunben.
Ratlos starrte ich dem in diesem Moment an mir vorbeifahrenden Wagen nach. Was sollte ich anfangen? Vielleicht war ich noch eine ganze Meile, vielleicht gar noch weiter von meinem Ziele entfernt. Würde ich eine solche Strecke zurück- legen können?
tärstellen eixrrücken. Zu demselben Zeitpunkte sollen die Assistenten aus der Klasse der Zivilanwärter, die bis einschließlich 11. Juni 1901 die Assistenten - Prüfung bestanden haben, oder denen sonst das Dienst alter bis einschließlich 12. Juni 1901 beigelegt ist, als Post- oder Tele- graphen-Assistenten etatsmäßig angestellt werden.
* Der Albertus Magnus-Verein findet sogar im .Reichsboten' volle Billigung. Er spricht von dem guten Recht der katholischen Kirche, auch die akademisch-gebildeten Kreise immer enger an sich zu fesseln. „Gehet hin und tuet desgleichen", mahnt er die protestantischen Kreise. Gleichzeitig beschwert er sich dann bitter, daß, wenn in der evangelischen Kirche Aehnliches versucht werde, die liberale Presse sofort mit Verdächtigungen und Beschimpfungen es der Jugend zu verekeln suche. Hebet diese Unbefangenheit des Pastorenblattes quittieren mir mit besonderer Genugtuung.
* Drei Sextaner des Gymnasiums in Gnesen sind, wie man der,Gues. Ztg/ mitteilt, wegen Ungehorsam und wegen Verweigerung deutscher AMwotten im Religions-Unterrichte aus der Schulanstalt entlassen worden.
Ausland.
* Gegen den Beschluß des Agramer Gemeinderats, an ben Kaiser Franz Joseph die Bitte zu richten, daß Bosnien unv die Herzegowina mit Kroatien vereinigt würden, protestiert die gesamte Presse in Budapest und bezeichnet diesen Akt als utopistische Atl- maß un g.
* Der französische Kulturkampf und der Klerus. Auf verschiedenen Setten, nicht zuletzt infolge von Beeinflussung durch Artikel des Pariser „Temps", macht sich eine optimistische Stimmung über bie gegenwärtige kirchenpolitische Lage Frankreichs bemerkbar. In kirchlichen Kreisen Frankreichs ist man jedoch gegenteiliger Meinung, man erwartet eher eine Verschlimmerung als eine Verbesserung der Lage. Daß der Papst unter ben gegenwärtigen Verhältnissen fein letztes Wort gesprochen hat, fühlt jeher, der einigermaßen Verständnis für die Rechte der Kirche hat unb mit der Sachlage in Frankreich in etwa bekannt ist. Axxffällig, wenn nicht befremdend, erscheint vielleicht dem Fernstehenden die an Gleichgiltigkeit grenzende Ruhe, mit der die Katholiken Frankreichs, sowie der Ordens- und Weltklerus ben aus- gezwungenen Kampf aufnehmen. Es muß bet- stimmen, daß der Kulturkampf die zunächst betroffenen Kreise kaum aufzuregen vermag. Nach allen Anzeichen ist das sonst so impulsive Temperament des Franzofenvolkes einer unheilverhei- ßenden Lethargie verfallen — und diese Anzeichen treten nicht allein in Bezug auf ben Kulturkampf zu Tage, sie machen sich im bürgerlichen Leben nicht minder geltenb. „Die Gleichgiltigkeit ist der Feind!" Das Wort gilt in Frankreich ganz besonde rs für bas Orden s w e sen, die Ordensgeistlichkeit. Eine be« merfenStoerte Studie des P. Deodat Marie, O. F. M., gab uns vor einiger Zeit den Schlüssel zu der unbegreiflichen Untätigkeit der französischen Ordensleute angesichts der Verfolgung; denn in der Tat zerstreuten sisi die Ordensnieberlassungeir ziemlich leichten Herzens unb verhalten sich seitdem abtoartenb und untätig. Eine Ausnahme machen die Assmuptionisten, bie in der durch ganz Frankreich verbreiteten „Croix" mutig känxpfen und deren P. Bailly (unter dem Pseudonym Le moine) zu ben bestgehaßten Gegnern der Com-
Zufällig fiel mein Blick auf ein Schild, welches an dem mir gerade gegenüber liegenden Hause befestigt war. Sah ich recht? Kaum traute ich meinen Augen, denn dort las ich den Nanxen Brownlowstraße., Die Frau, welche mir den Weg beschrieb, mußte sich geirrt haben, als sie bie Entfernung auf eine Stunde Weges schätzte, baS konnte ich jetzt nicht mehr bezweifeln.
„Nur noch wenige Schritte, bann hat alle Not ein Ende", dachte ich, während ich mühfam, fchwan- kend, aber mit neuem Mut meinen Weg fortsetzte. Schon das siebente Haus trug bie gesuchte Nummer.
Mit klopfendem Herzen stieg ich bie Stufen hinan, welche zur Haustür führten, und schellte. Es bauerte ziemlich lange, ehe sich drinnen ettoaS regte, dann hätte ich endlich Schritte sich nähern, unb gleich darauf stand ich einem schläfrig aussehenden Dienstmädchen gegenüber.
„Ich möchte Herrn Christian sprechen — Herrn Mark Christian."
„Herr Christian ist nicht da", entgegnete bad Mädchen kurz unb augenscheinlich ärgerlich.
Ein xmartifulierier Laut entfuhr mir, während ich schwindelnd nach einer Stütze tastete. Irgendwo in der Ferne schlug es elf. Elf Uhr, unb ich tanb hungrig, erschöpft und ohne einen Pfennig Geld auf bet Straße.
.Das Dienstmädchen betrachtete mich mit einer Mischung von Verwunderung und Mißtrauen.
„Was sollen die Grimassen?" fragte sie rauh. Eine nette Zeit, um an fremden Häusern anzuschellen — beinahe Mitternacht!"
In meinen Schläfen hämmerte es; eine Glühhitze durchströmte meinen Körper und schien sich dann in mein Gehirn zusammenzuziehen; ich wollte sprechen, aber meine Zunge war wie geahmt. Dieser letzte Schicksalsschlag betäubte, zer- chmettette mich. Mark Christiaxr war meine einzige Hoffnung gewesen; hundett-, tausendmal hatte ich während der langen, qualvollen Tage unb Wochen, die ich in Cranhurst verlebt, seinen Flamen und seine Adresse wiederholt, damit nicht etwa im entscheidenden Augenblicke mein Gedacht-