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LrMiin tLgtt», w# «usnahm« der Soim« #nb Stit:tagt. Dttrttl« jährt, vezilgrprei, ohne vringerlohn unb venellgeldinZuldaunb auswärts t Mi. 50 psg.

Verantwortlicher Schriftleiter:L.wetzler für die »nzeiyen Z. Parzeller in Selbe.

Zuldaer W Zeitung

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Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Re» tienSruäerei in ^uida. Zernspreher Nr. 9.

Fulda, Frettag den 31. August 1906.

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33. Jalirqan >.

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* Anträge zum sozialdemokratischen Parteitag.

Zu dem am 23. September in Mannheim beginnenden sozialdemokratischen Parteitag sind von den Genossen nicht weniger wie 120 Anträge eingegangen, die der ,Vorwärts" heute auf 2 Vs Seiten veröffentlicht. Die meisten Anträge liegen vor zu den Rubriken „Bericht des Parteivor­standes", „Presse" und „Massenstreik". Auch die „internationalen Brüder", der in London be­stehende kommunistische Arbeiterbildungsoerein, haben es für nötig befunden, die deutsche Sozial­demokratie mit ihrer Weisheit zu beglücken. Der Arbeiterbildungsverein stellt zum Punkte Parteiprogramm einige lapidare Sätze auf, die sich mit dem Kamps der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ausbeutung befaffen und mit der hinlänglich bekannten Logik für die Arbeiterklassen den Besitz der politischen Macht fordern. Unter den zahlreichen Anträgen kommt natürlich auch der Humor zu seinem Rechte. So fordern die Genoffen in Kauf-Beuren die Einführung einer Weltsprache. Ein weiterer Antrag will den Reichstagsabgeordneten die Teilnahme an den Weinproben verbieten, da es sich mit der Würde eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten nicht vereinbare, sich zu Reklamezwecken gebrauchen zu lassen. Zwei hinausgeflogene Genossen haben anscheinend noch nicht genügend Erfahrungen ge­sammelt und beantragen Wiederaufnahme in die Partei.

Bös weg kommt die sozialdemokratische Presse, deren persönliche Zänkereien beseitigt werden sollen. Auch die illustrative Ausgestaltung der dies­jährigen Maifeier wird in einem Anträge kriti­siert. Einen großen Raum nehmen ein die An­träge, die sich auf den Maffenstreik beziehen. Zur Ausbreitung der Maifeier verlangen ver­schiedene Anträge, daß die nicht-feiernden Ge­nossen aus den Organisationen entfernt werden sollen. Von den Anträgen zum Massenstreik sprechen sich die meisten in zustimmendem Sinne aus. Vtelfach wird eine engere Verbindung zwi­schen Parteivorstand und Gewerkschaftsleitung gewünscht. Ein Antrag zahlreicher Lolälorgam- sationen verlangt, daß auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages die Alkoholfrage gesetzt werde. Auch über die Beeinflussung der Jugend durch sozialdemokratische Jugendschriften werden die Genossen in Mannheim zu reden haben.

Man sieht, eine recht reichhaltige Speisekarte. Es liegt aber auch viel Zündstoff in den An­trägen versteckt, und wenn alle in Mannheim zur Beratung kommen, dürften die verschiedenen Geister recht kräftig aufeinander platzen.

Ei« Wille, ein Weg.

Frei nach dem Englffcheu von I. Nemo.

37] (Nachdruck verböte«.)

Ich war halb ohnmächtig auf meinen Sitz zu­rückgesunken. Wie im Traume hörte ich, daß die Türe unseres Abteils sich wieder schloß. Gleich darauf beugte mein Gefährte sich über mich.

„Er ist gegangen und wird nicht wieder zn- riickkommen. Mut, mein Junge! Sie dürfen sich so nicht sehen lasten; wer sie jetzt sähe, könnte — könnte Verdacht schöpfen. Seien Sie tapfer, be­tragen Sie sich wie ein Mann!"

„O, Sie guter Mann!" rief ich, in Tränen ausbrechend. Gott segne Sie für das, was Sie für mich getan haben! Ich kann es Ihnen nie vergelten. Ohne Sie wäre ich verloren gewesen."

„Still, man könnte uns hören", entgegnete er mit bebender Stimme. „Sagen Sie kein Wort mehr. Ich weiß, daß Sie sich in irgend einer Verlegenheit, einer Schwierigkeit befinden, aber welcher Art diese ist, kann ich selbstverständlich mcht erraten. Ich stelle keine Frage. Bedürfen Ste eines Freundes uttb wollen Sie mir aus freten Stücken Ihr Vertrauen schenken, so ber- spreche ich Ihnen zum Voraus, Ihr Geheimnis treu zu bewahren und Ihnen nach bestem Ver- nwgen zu helfen. Sie allein können beurteilen, , ./ie ~ • rQ.6e' ’..n welcher Sie sich befinden, eine solche Hilfe wünschenswert macht oder nicht."

„ schwieg und sah mich erwartungsvoll an. Ich zögerte unenftchlosten; die Versuchung, einen ~ , wemer Sorgen auf die Schultern meines edelmuttgen Retters abzuwälzen war schwer, doch ich widerstand thr.

„Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Güte", entgegnete ich, seine Hand erfassend. „Sie meinen es gut, ich weiß das, und ich vertraue Ihnen vollständig. Aber trotzdem scheint es mir

Deutscher Reich.

। Berlin, den 30. August 1906.

* Der Kaiser traf heute vormittag in Berlin ein, wo mittags im Zeughause die feierliche Nagelung und Weihe von 28 neuen Fahnen und Stand arten stattfand. Die Majestäten und die Fürstlichkeiten betraten die Ruhmeshalle. Der Kaiser schlug den ersten Nagel ein, es folgten die Kaiserin, der Kronprinz, der auch für seinen Sohn einen Nagel einschlug, die Prinzen und Prinzessinnen und die fremden Fürstlich­keiten usw. Im Lichthofe vollzog dann der evangelische Oberpfarrer Goens in Gegenwart des katholischen Militäroberpfarrers Romunde die Weihe. Nach dem Tedeum folgte eine An­sprache des Geistlichen und die Einsegnung, während bereit die Leibbatterie des ersten Garde- Feld-Artillerie-Regiments 101 Schuß abgab. Nach dem Vaterunser und dem Segen.erklang das Niederländische Dankgebet.

* Der erste Kaiserenkel erhielt am Mittwoch bei der Taufe die Namen Wilhelm Friedrich Franz Joseph Christian Olaf.

[f] Der Zentrumsveteran, Abgeordneter Mooren, ist am Mittwoch in Bad-Wildungen, wo er vergeblich Heilung von einem langen und schweren Leiden suchte, gestorben. — Geboren zu Oedt im Rheinland am 20. April 1833 hat derselbe ein Alter von 73 Jahren erreicht. Der weitaus größte Teil seines Lebens gehört dem öffentlichen Wirken an. Im Jahre 1860 wurde er Bürgermeister seiner Heimatsgemeinde, im Jahre 1869 Bürgermeister der Kreisstadt Kempen und der Gemeinde Schmalbroich. Inzwischen war er von 1867—1870 Abgeordneter für den Wahlkreis Kempen—Geldern geworden. Als der Kulturkampf entbrannte,stellte sich Mooren als über­zeugungstreuer Katholik auf die Seite der katho­lischen Kirche. Wegen dieser kirchlichen Treue, und obwohl er ebensowenig wie der verstorbene Oberbürgermeister Kaufmann von Bonn sich als Kommunalbeamter irgend etwas hatte zu Schulden kommen lassen, wurde er 1876 vom Amte sus­pendiert, 1878 aus demselben entlassen. Ein Opfer des Kulturkampfes, obwohl er vorher rote nachher jeder „demokratischen" Richtung weitab geftanben hat, hat Mooren sich für immer ein dankbares Gedenken bes katholischen Volkes ge­sichert. Der Wahlkreis Bergheim—Euskirchen wählte ihn im Jahre 1879 zum Lanbtagsabge- orbneten und dieses Mandat hat derselbe bis zu seinem Tode treu ausgefüllt. Von 1887 — 1898 war Mooren auch Vertreter des Wahlkreises Aachen im Reichstage, seit 1888 Milglied des Kreistages Eupen und seit 1894 Mitglied des Provinziallandtags für die Rheinprovinz. Seiner Absetzung von"" dem Bürgermeisterposten in Kempen folgte im Jahre 1881 die Wahl zum Bürgermeister der Stadt Eupen, und diese Wahl wurde — bestätigt. Als Parlamentarier hat der nun verewigte Abgeordnete Mooren nicht nur in Kommunalangelegenheiien und in Budgetfragen wiederholt das Wort ergriffen, sondern auch in landwirtschaftlichen Fragen — er war seit 1880 Mitglied des Ausschusses im Kongresse deutscher Landwirte — sich als einen treuen und eifrigen Vertreter der Interessen der deutschen Landwirt­schaft erwiesen. Seine langjährigen Verdienste im öffentlichen Leben wie seine persönliche Liebens­würdigkeit sichern ihm ein treues und dankbares Gedenken. R. I. P.

besser, daß ich allein meinen Weg weiter gehe. Vielleicht sehen wir einander nie wieder, doch so lange ich lebe, werde ich dankbar an Sie zurück­denken und Gott bitten, daß er Ihnen tansendfach vergelten möge, was Sie heute für einen Ihnen völlig unbekannten Mitmenschen taten."

„Ich wollte, ich könnte mehr für Sie tun, ar­mes Kind", entgegnete er herzlich. „Sind sie voll­kommen sicher, daß ich nrich Ihnen in keiner Weife nützlich machen kann? In einigen Minuten wer­den wir in Rugby fein. Ich hatte vor, dort meine Reise zu unterbrechen und sie mit dem nächstfolgen­den Zuge oder vielleicht auch erst morgen fortzu­setzen. Wenn Sie es mir aber erlauben, so gebe ich diese Absicht auf und begleite Sie bis zu Ihrem Bestimmungsort. Glauben Sie mir, es ist nicht müßige Neugierde, was mich anheibt, Ihnen die­sen Vorschlag zu machen; ich tue es, weil ich sehe, daß Sie krank sind und außer stände, etwaigen neuen unangenehmen Zwischenfällen die Stirn zu bieten."

Er Ivar ein ehrlicher Mann — warum also sollte ich feinen Beistand zurückweisen? — Aber wenn Frau Blair — und wie leicht konnte das ge­schehen! — in Erfahrung brachte, welche Ein­käufe ich in Dunstall gemacht, würde dann mögli­cherweise gerade die Begleitung dieses gutherzigen, hilfsbereiten Mannes die Gefahr für mich ver- größern, indem sie meinen Verfolgern erleichterte, meine Spur zu entdecken?

Ich bot ihm die Hand. „Zehn Jahre meinet Le­besser, daß wir uns in Rugby trennen", sagte ich nach kurzem Besinnen. „Wenn Sie wüßten, wel­che» Gefahren, welchen Schwierigkeiten ich heute bereits getrotzt habe, so würden Sie mir mehr Kraft und Energie zutrauen. Es ist wahr, ich habe mich vorhin schwach gezeigt, doch das ist nun vorbei, und ich bin wieder zu mir gekommen."

„Dann müssen wir jetzt Abschied nehmen; dort ist schon die Station", entgegnete er sichtbar ent­täuscht.

* Den Personenwechsel in der Kolonial- Abteilnng bespricht die ,Deutsche Tagesztg/, in­tern sie schreibt: „DerGeh.Legationsrat Rose, der den Posten eines ersten Rates mit ber lieber« Weisung von Direktorial-Geschäften innehatte, hat einen sechswöchentlichen Urlaub angetreten. An seine Stelle tritt der Geh. Legationsrat D r. S e i tz, der 3—4 Wochen das Amt verwaltet und dann nach Kamerun als Gouverneur übersiedeln wird. Dann tritt der Wirkl. Legationsrat Dr. Goli- nelli an feine Stelle bis zur Rückkehr des Ge­heimrates Rose. Der Geh. Legationsrat v. K ö n i g befindet sich noch im Urlaub, er wird aber wohl nicht in die Kolonial-Abteilung zurückkehren, son­dern, wie man annimmt, im preußischen Staats­dienste eine Stellung erhalten. Die Kolovml- Äerwaltung muß jetzt aufs neue eine Periode durchmachen, die sie schon überwunden zu haben glaubte. Am Anfänge unseres Kolonial-Besitzes war es ein großer Uebelstand, der sich nach allen Seiten fühlbar machte, daß wir keine Kenner der Schutzgebiete hatten. Es mußten Beamte, die nur mit den heimischen Verhältnissen bekannt waren und höchstens fremde Länder als Konsuln kennen gelernt hatten, mit der Verwaltung betraut wer­den. Nach und nach besserte sich das Verhältnis, und in den letzten Jahren hatte man erreicht, daß alle Dezernentenstellen und viele andere mit Ken­nern der Schutzgebiete besetzt werden konnten. Das wird sich jetzt wieder ändern, die meisten älteren Beamten sind ausgeschieden oder werden noch ausscheiden. So beginnt die alte mühselige Arbeit von neuem." Diese Auffassung ist zum mindesten originell. Hoffentlich wird die „alte mühselige Arbeit" nicht das Ergebnis haben, daß eben solche Kräfte herangebildet werden, wie wir sie jetzt vollständig ohne Bedauern aus der Kolo­nial-Abteilung scheiden sehen. Kenner der Schutz­gebiete gibt es übrigens genügend, man darf sie allerdings nicht ausschließlich in den Kreisen der Bureaukratie suchen.

* Bekanntlich wurde die Grenzsperre damit begründet, daß bei Oeffnung der Grenzen der deutsche Viehbestand verseucht würde. Wie die ,Deutsche Fleischer-Ztg/ von zuverlässiger Seite erfährt, ist man von dem Ergebnis der statistischen Ausstellung über Viehseuchen im Landwirtschafts­ministerium sehr unangenehm überrascht. Die Arbeiten, die jetzt abgeschlossen wurden, haben ergeben, daß in diesem Jahre dreimal so viel Viehseuchen vorhanden wären, als im Vorjahre und demgegenüber waren im ganzen Ausland kaum ein Drittel soviel Viehseuchen, als im Deutschen Reiche, festgestellt. — Die Verant­wortung für die Richtigkeit dieser Mitteilung muß selbstverständlich der ,Dentschen Fleischer- Zeitungs überlassen bleiben.

* Zur Abänderung des Buchdrnckertarifs. Der Tarifausschuß, welcher über die Abänderungs­anträge zum Buchdruckertarif beraten soll, tritt vom 24. bis 29. September in Berlin zusammen. Die neuen Forderungen enthalten u. a. eine Er­höhung der Minimalsätze um 15 Prozent, Ver­kürzung der täglichen Arbeitszeit um Stunde (8Vs Stunden) und Abschluß des Tarifvertrages von Organisation zu Organisation.

* Sozialdemokratische Arbeitgeber und der Achtstundentag. Der,Saaleztg/ wird aus Gera geschrieben: „Der Neubau der sozialdemokrati­schen Zeitung ,Tribüne' ist dieser Tage gerichtet worden. Dabei hängten die Arbeiter neben dem üblichen Richtbaum, der mit roten Bändern ge­schmückt ist, eine große aus einer Girlande ber»

Ich bot ihm die Hand. Zehn Jahre meines Le­bens gäbe ich darum, könnte ich Ihnen anders als durch leere Worte meine Dankbarkeit beweisen. Ich darf nicht deutlicher sprechen, aber das Eine will ich Ihnen sagen: Ihre Dazwischenkunft hat mich vor meinem Schicksal behütet, welches schlim­mer als der Tod gewesen sein würde. Gott segne Sie unb die Ihrigen, und sollten Sie jemals in Not kommen, so sende er Ihnen einen solchen Freund unb Helfer, wie Sie es mir heute waren."

Er antwortete nur mit einem Blick, dann wandte er das Gesicht ab und sagte mit sichtlicher Verlegenheit:

„Darf ich Ihnen zum Abschiede noch einen Rat geben? Der Auftritt von vorhin hat Sie er­regt und erschreckt, und ich sehe ein, wie schwer e-3 Ihnen jetzt sei» muß, eine gleichgültige und un­bekümmerte Miene zur Schau zu tragen, llnb doch müssen Sie solches tun, wenn Sie nicht die Aufmerksamkeit der Beamten auf sich ziehen tool- len. Ein Mädchen darf schon ängstlich und ver­legen dreinschauen, ein junger Mann jedoch nicht."

„Sie haben Recht", sagte ich, während eine flammende Röte mein Gesicht überflutete. Ich ioeiß nicht, ob mein Gefährte meine Verwirrung bemerkte; er war taktvoll genug, unverwandt ans dem Fenster zu fehen.

Wieder durchschnitt ein gellender Pfiff die Luft; rechts und links wurden Gebäude sichtbar, und gleich darauf hielten wir am Bahnhofe von Rugby still.

Mein Reisegefährte sprang aus dem Wagen und bot mir die Hand, um mir beim Aussteigen behilflich zu sein; doch eingedenk der mir soeben zuteil gewordenen Warnung verschmähte ich seinen Beistand und stand im nächsten Moment neben ihm auf dem Bahnsteig.

Er nickte mir befriedigt zu.

„So ist's recht, mein Junge", sagte er leise. „In welcher Richtung reifen Sie jetzt weiter? Wenn Sie nördlich gehen, so müssen Sie rasch eine Fahrkarte lösen und einfteigen. Sonst hat man

gestellte „8" auf, eine Demonstration für den Achtstundentag. Die an dem Bau beschäftigten Arbeiter haben, abgesehen von den üblichen Pausen, eine Arbeitszeit von früh 6 bis mittags 12 Uhr und von mittags 1 bis abends 6 Uhr, also 11 Stunden."

Ausland.

* Zwischen Arbeitern aus Ungarn, die neu in die Fabrik von Endlinger in Wien aufgenom­men werden sollten unb Streikenden dieser Fabrik kam es am Mittwoch zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Ankommenden wurden mit Steinwürfen empfangen, so daß bis Wache einschreiten mußte. 27 Personen wurden verletzt, darunter eine schwer.

* Um die Vereinigung Bosniens und der Her. zogewina mit Kroatien bitten soll eine Abordnung, die der Gemeinderat von Agram an beit Kaiser Franz Joseph zu senben beschlossen hat, sobald er in Trebinje den Boden Bosniens betreten wirb. Der Agramer Gemeinderat hat auch die anderen kroatischen Städte aufgefordert, einen ebensolchen Beschluß zu fassen.

* Zur Lage in Rußland. Der Zar hat die Gouverneure der größeren russischen Städte nach Petersburg berufen, um ihnen Verhaltungsmaß­regeln gegenüber ber terroristischen Bewegung zu geben. Die Proklamation des Kriegszustandes empfahl der Zar als probates Mittel gegen Bom­benanschläge. — E i n kaiserlicher Ufa! verlängert die Wirkung der bestehenden Gesetze be­treffend den Schutz der öffentlichen Si­cherheit unb ben verstärkten außerorbentlichen Schutz auf bie Dauer eines Jahres. Ein zweiter Ukas bevollmächtigt ben Finanzminister, zur Deck­ung der Ausgaben für die Unterstützung der von Mißernte betroffenen Bezirke vierprozentige Rente im nominalen Betrage von fünfzig Millionen Rubel auszugeben.

* Wegen Mißhandlungen im französischen Heere hat der sozialistische Deputierte de Pres­se n s 6 dem Kriegsminister mitgeteilt, daß er ihn bei Wiedereröffnung der Kammerfesfion über die Behandlung ber Soldaten in den Strafba- taillonen interpellieren werde, da ihm als Präsidenten der „Liga der Menschenrechte" zahl- reiche unglaubliche Fälle von Solda­tenmißhandlungen zu Ohren gekommen feien.

* Der frühere Regent von Serbien, General B e l i m a r k o v i t s ch, ist am Mittwoch in Bel­grad gestorben. Der 1828 in ber serbischen Haupt­stadt geborene Offizier war eine zeitlang Professor an ber Kriegsschule in Belgrad. Nachdem er als Major in ben Generalstab getreten war, wurde er im Jabre 1868 Kriegsminister, ein Poften, den er bis 1873 inne hatte. Eine Kommission ber Skupschtina sprach ihn von ber Beschuldigung, daß er sich in diesem Amte in unlauterer Weise berei­chert habe, frei. Als General zeichnete er sich in den Kriegsjahren 1876 bis 1878 besonders bei bet Einnahme von Nisch aus, und im Jahre 1880 ver­ließ er den aktiven Dienst. Bei der Abdankugn des Königs Milan im Jahre 1889 wurde er neben Ristitsch unb Protitsch zum Regenten für ben min­derjährigen König Alexander ernannt. Am 13. April 1893 wurde er durch ben Staatsstreich Alexanders matt gesetzt.

* Heber die Erschießung eines Deutschen in Guatemala schreibt die offiziöse.Süddeutsch« Reichskorr.st der jetzt erst von der Presse näher aufgegriffene Fall sei schon feit einiger Zeit amtlich anhängig. Bereits vor mehr als zwei Wochen sei die diplomatische Vertretung des Reiches mit der ben Umständen gemäßen Weisung versehen worden. Die Einzelheiten des Vorgangs bedürften noch genauerer Aufklärung. Schon jetzt

Zeit genug, aber heute hatten wir unterwegs viel Aufenthalt, wie Sie wissen. — Dort steht der Zug."

„Ich banke Ihnen! Adieu! Gott segne Sie!" tief ich.

Zwei Minuten später hatte ich mir einen Platz in dem abgehenden Zuge erobert. Als lerfelbe sich fast unmittelbar darauf in Bewegung setzte, ließ ich rasch das Fenster herunter, um meinem neuen Freunde noch einmal zuzuwinken. Doch die­ser war bereits verschwunden.

Und erst jetzt fiel mir ein, daß ich ganz ver­gessen hatte, mir feine Adresse geben zu lassen. Wie hatte ich nur fo gedankenlos sein können!

„Das fehlte gerade noch", hörte ich eine der alten Damen flüstern, die jetzt meine Reisegefill- schaft bildeten. „Wir saßen hier so gemütlich zu­sammen! Und gerade einer von diesen halbwiiv> sigen Bengeln! Er wird jedenfalls rauchen wollen, um sich ein männliches Ansehen zu geben — alle diese Knirpse tun es heutzutage."

„Ich glaube nicht, daß wir das zu befürchten haben; ber arme Schelm ist krank, das siehst Du doch", flüsterte die andere zurück. „Los werden körmeu wir ihn auf keinen Fall mehr, beim dieser Zug hält zwischen Rugby und Liverpool nir­gends an.

„Aergerlich ist es doch, daß et sich gerade dieses Abteil ausgesucht hat", murmelte die erste wieder. „Der Zug ist nur schwach besetzt; er hätte überall Platz finden können. Und ich bin so schläfrig, daß ich kaum aus meinen Augen sehen kann."

Ihre Gefährtin kicherte leise.

„Wenn ich an Deiner Stelle wäre, so wurde ich mich seinetwegen nicht genieren", meinte sie bann. „Er scheint ein harmloser Junge zu fein, unb wenn mich nicht alles täuscht, so ist er ebenso schläfrig wie Du. Sieh nur, die Augen fallen ihm schon zu. — Armes Kind! Er hat etwas Sanftes, beinahe Mädchenhaftes an sich.

DaS Schnarchen Ihrer Gefährtin ließ sie ab- brechen: ich hörte, wie sie eine Weile unrubia auf