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Rotationsdruck u. Verlag der Huldaer Lc> ttendruckerei in Hulda. Heimsprecher Nr. 9.

M 197.

Fulda, Mittwoch den 29. August 1906.

33, Jahrgang.

Zweites MLatt

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Marttdericht.

1906.

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Roagenmeht, hiesiges, Nr. 0 24.25 1 22.50—23.00 M., Nr. 2 18.00 biS

Reklame«- und Anzeigenteil,

— aber er will auch in der kleinen Gesellschaft allein den Ton angeben. Kein Baum ist ihm zu hoch, kein Graben zu breit. Der Heranwachsende Choleriker fühlt sich tief gekränkt, wenn man ihn noch zu den Kindern rechnet. Der Choleriker liebt die Wahrheit, verachtet krumme Wege, verabscheut Täuschung und Anbequemung, ist voll Witzbegier und Tatendrang. Der cholerische Mensch hat zu diesen Lichtseiten nun auch die entsprechenden Schattenseiten. Sein Mut, sein Trieb zum Han­deln, führt ihn zur Anwendung von Gewalt. Kräf­tigen Gegnern gegenüber wird er heftig, zornig, eigensinnig und ungerecht; er wird rücksichtslos in der Durchführung seiner Pläne, gewissenlos in der Wahl seiner Mittel. Unter den Kindern sind ausgesprochene Choleriker weit seltener zu finden als Sanguiniker. Der Erzieher mutz ihnen gegen- iiber auf einer Höhe der Geistes- und Charakter­bildung stehen, die ihnen iniponiert. Sein Wille mutz stark, jede seiner Anordnungen reiflich über­legt, sein Wort unwiderruflich sein. An der Auto­rität der Eltern und Lehrer rüttelt das cholerische Kind gar zu gern, darum mutz man so fest stehen, datz kein Rütteln einen weichen oder wanken lätzt. Das scharf ausgeprägte Ehrgefühl des Cholerikers muß man berücksichtigen und mit ruhigen Worten anerkennen. Ist dem Choleriker der eingebildete Stolz gebrochen, dann kann er ein Muster edelster Tugenden werden. Man darf solchen Kindern die Zügel nicht schießen lassen, darf sie aber auch nicht mit unnatürlichen Schranken umgeben. Geschieht das erstere, so gibt es ungezogene Rangen, wilde Burschen, welche die unglaublichsten Einfälle ha­ben und die unglaublichsten Streiche machen, denen man jedoch kaum eine, gewisse Sympathie versagen kann, weil man auch in der barrocken Form Kraft und Leben sieht. Bleiben sie ungeschult und un­gezügelt, so können sie schwer mit dem harten Leben fertig werden."

Von dem Temperament des melancholischen Kindes entwirft der Autor folgende Zeichnung: „Wenn das sanguinische und das cholerische Tem­perament zur Tat nach außen drängen, so ziebt das melancholische sich in sein Inneres zurück. Die Erinnerung ist seine Tat; der Melancholiker ver- I halt sich der Außenwelt gegenüber kalt und gleich­gültig. Er ist schwer erregbar. Sein Gemüt, das charakteristische Mädchengemüt, ist fremden Ein­drücken gegenüber oft gelähmt und überwältigt, kann nicht sagen und kundgeben, was es empfindet, steht verwirrt und ratlos da. Wenn es. aber das Empfundene endlich verarbeitet hat, was aber nur in der, Stille geschehen kann, dann ist seine Er­kenntnis die gründlichste, seine Rede die tiefste, seine Tatkraft die nachhaltigste. So ist es das Temperament der stillen Dichter und Denker. Schattenseiten der melancholischen Sinnesart sind Schwerfälligkeit, Schwermut, Grübeln und Brü­ten, Unzufriedenheit und Bitterkeit infolge unge­stillter Sehnsucht. Unter den Kindern ist ein rein melancholisches Gemüt sehr selten anzutreffen. Kommt es vor, so vertieft es sich in das Geheim­nisvolle, Dunkle, verschließt sich den lärmenden Gespielen und Kameradinnen, lebt seiner Phan­tasie, entfremdet sich der Welt, wird in der Schule als „Träumer", als „dumm" verschrieen, wird gehänselt und verhöhnt. In der Schule zeigt das melancholische Kind oft tiefes und ruhiges Denken. । Läßt man aber den Melancholiker ohne rechte pä­dagogische Einwirkung anfwachsen, so entsteht ein kalter, abstoßender Egoist. Er denkt nur an sich, Weitz zu anderen nicht die rechten geselligen Ta­lente zu finden; wenn er grollt — und das tut i

immer grohartigen Eindruck hingerissen, von Ehre, Freiheit, Wahrheit. Diese Gefühle, au ' klare Vorstellungen gegründet, treiben ihn zum Wollen — mit dem Gelingen wächst das Selbst­gefühl. Ein unbesiegbarer Hang zur Tätigkeit ist die innerste Seele dieses Wesens; sein Verstand ist licht und klar, scharf, durchdringend, feurig, rasch auffassend, nicht lange grübelnd, nicht schnell abspringend, nicht gern über abstrakten Begriffen brütend, am liebsten mit Plänen und Taten be­schäftigt. Lauheit und Schlaffheit sind ihm in den Tod zuwider. Das cholerische Kind ist das warmblütige, feurige, kühne, verwegene Wesen. Der kleine Choleriker spielt leidenschaftlich gern

Die Temperamente und ihre Bedeu­tung für die Erziehung.

In jeder individuell gefärbten Erziehung mutz die Rücksichtnahme auf das Temperament des Kin­des an erster Stelle stehen: nur so kann seiner Eigenart Rechnung getragen und der Charakter in günstiger Weise beeinflußt werden, lieber die­ses wichtige Kapitel auf dem Gebiete der Päda­gogik gibt Rektor Theodor Paul Voigt in einem soeben erschienenen trefflichen Buche*) lesenswerte Ausführungen, von denen wir nachstehend einige wiedergeben.

Zunächst schildert Voigt die Wesensart des kleinen Sanguinikers. „Das sanguinische ist das leichtblütige, frohsinnige Kind. Es ist immer be­weglich mit den Augen, mft dem Munde, mit den Händen, mit den Füßen. Es kann nicht gehen, es muß hüpfen; wo andere Kinder laufen, muß

er im Innern ost — grollt er Jahre lang. Bei einem solchen Kinde daff man nicht mit typischer, grober Hand dareinfahren, sondern muß sich sei­nes Vertrauens versichern, so datz es sich als einem starken Führer anschmiegt. Man mutz das Ge­müt, den Willen anregen, es lustig und fröhlich mit anderen machen. Hinaus ins Leben, hinaus in die Gesellschaft lustiger Genossen, mit frohen sanguinischen Kindern muß es häufig spielen. Freude steckt an!"

Dem viel gescholtenen, phlegmatischen Teinpe- rament redet Voigt ein gutes und verständiges Wort. „Lebt der sanguinische Mensch in der Gegenwart, der Choliker in der Zukunft und der Melancholiker in der Vergangenheit, so besteht das eigentümliche des Phlegmatikers darin, sich „gleich­mäßig nach allen Seiten aufschließen zu können." Die positive Seite dieses glücklichen Temperamen­tes ist die stille Ruhe im Urgrund der Seele, jenes schöne Gleichgewicht des inneren Menschen und aller feiner Geisteskräfte, die Grundeigenschaft der männlichen Besonnenheit und der nüchternen Bedachtsamkeit. Er ist weder feurig begeistert noch tief ergriffen, dadurch aber gerade vor vielen Ver­irrungen geschützt. Das phlegmatische Kind ist in der Schule treu und ausdauernd artig, verübt keine groben Exzesse. Es ist das kaltblütige Kind; es läßt sich nicht so leicht aus seiner Fassung brin­gen. Man sieht es ihm an: es hat Zeit genug, immer und überall. Seine Toilette macht ihm wenig Sorge, seine Bücher liegen im ganzen Zim­mer umher; Tintenkleckse kennzeichnen jedes seiner Hefte. Selbst bei dem schärfsten Tadel und bei der fühlbarsten Zurechtweisung kommt es selten in die Versuchung, seinen Eltern und Lehrern sich zu widersetzen. Gegen seine Mitschüler und Ge­spielen ist der kleine Phlegmatiker friedlich und verträglich. Man darf ihm nicht mit zu großen Forderungen kommen, sonst erschrickt er und fin­det in sich gar keine Willenskraft. Beim phleg­matischen Kinde findet man die beste Gelegenheit, seine eigene erzieherische Geduld zu üben. Es be­weist wenig Ehrtrieb, fühlt selten den Tadel. In reger Tätigkeit muß der Phlegmatiker unausgesetzt erhalten werden; Müßiggang ist aller Laster An­fang. Die Spielstunden sind auf ein Minimum zu, beschränken. Dem Phlegmatiker gebührt eine geschäftige Ruhe, eine Ruhe mit Arbeit. Aus dem phlegmatischen Kinde kann bei rechter Behandlung ein langsamer, aber getreulich seine Pflichten er­füllender Mensch werden. Das Phlegma über- windet durch seine Beharrlichkeit und Ausdauer die größten Hindernisse in Schule und Leben als älteres Schulkind ist es oft ein Musterkind. Die negativen Seiten des phlegmatischen Menschen­kindes, seine Langsamkeit, Gleichgültigkeit, Faul­heit, Arbeitsscheu, Trägheit usw. lassen den er­wachsenen Phlegmatiker häufig zu Zynismus, zum Schmutz, zur Indolenz herabsinken. Einem phleg­matischen Kinde gegenüber darf man weder zu reigebig mit Belohnungen, noch zu verschwende­risch mit Rügen und Strafen fein. Unsere Auf­gabe ist es nun, das phlegmatische Kind aufzurüt­teln, es aus seiner behaglichen Ruhe durch ernste Arbeit aufzuscheuchen, dafür zu sorgen, daß es zu lebenssrischer Geistesmunterkeit erwache und einen Sprung nach dem andern ins volle Sehen hinein macht. „Selbst ist der Mann!"

* Frankfurt a. M., 27. Aua. l Wochenmarkt war das Angebot

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vermischter.

* Die Angst der Fahrgäste, lieber den Simplon- tunnet wird der Augsb. Adendztg. geschrieben: Aeußerft komisch wifft die Angst der Fahrgäste Sobald in Brig oder Jselle die Fenster geschlossen werden, fangen die Leute an, sehr unruhig zu werden und über drückende Hitze zu klagen, die aber tatfachlich gar nicht besteht, denn die Lüftung ist vorzüglich. Der Tunnel hat treffliche Beleuch­tung und von Kilometer zu Kilometer sind Beobachtungsstationen angebracht, die telephonisch miteinander in Verbindung stehen. Auch Knall­kapseln werden auf die Schienen gelegt. In der Mitte des Tunnels befindet sich em Bahnhof mit Ausweichegeleisen. Da hallen die Züge, und der Anblick dieses unterirdischen Bahnhofs, wo die Bediensteten sorglos und gelaffen arbeiten, wirkt beruhigend auf die Reisenden; sie erkennen, daß ihre. Angst nur eingebildet war. Der Verkehr im Tunnel war int Juli doppelt so lebhaft, wie im Juni. Im Juni wurden 1725 Tonnen Fracht durchgesührt, im Juli 3380, davon 2168 in die Schweiz und 1212 Tonnen nach Italien. Die Mailänder Ausstellung hatte darauf fast gar keinen Einfluß. Seit dem 1. ds. Mts. verkehren im Simplontunnel elekttische Lokomotiven, doch werden die Expreß- und Luxuszüge immer noch mit Dampf befördert. Erfreulicherweise hat sich auch der Ver­kehr an der Snnplonstraße gehoben; viele Touristen wandern sie entlang, und ein Lastautomobil ver­kehrt zwischen Brig und dem Simplonhospiz. In der ganzen Umgebung des Tunnels macht sich ein großer wirtschaftlicher Aufschwung bemerkbar.

* Unterschied. Oberkellner (zur Köchin): „Ich hatte doch einen ganzen Aufschnitt bestellt und Sie haben nur einen halben hergerichtet!" — Köchin: „Na. . . das ist schnell geändert!" — Da brauch ich ja nur die Sachen anders zu — legen!"

Schweiz mit 1,09 pCt., Oesterreich-Ungarn mit 0,93 pCt., Großbritannien mit 0,90 pCt., Spanien mit 0,88 pEt., Italien mit 0,69 pCt. und schließ, lich Frankreich mit 0,36 pCt. Frankreich besitzt überhaupt in Europa den geringsten Zuwachs und dürste in zehn Jahren schon mit einer Ab» nähme zu rechnen haben.

Sunt Schluß feiltet Ausführungen bemerkt Voigt: „Die Aufforderung, fein Temperament zu andern oder sich andere Anlagen zu geben, als man eben besitzt, wird jedermann als lächerliche zurückweisen, hingegen ist die erzieherische Ein­wirkung auf die Temperamentsfehler, damit sie verschwinden, eine lohnende Arbeit. Der sittliche Charakter soll und kann nur auf dem Boden der Temperamente aufgebaut werden, und dadurch bilden sich freie Persönlichkeiten! So erscheint der Charakter als das Produkt zweier Faktoren: der Naturbestimmtheit des Individuums und den Eitwrcklung des Willens. Jedes Temperament iffl an sich gleich gut und schön, keines steht der Lö ! ung der sittlichen Lebensaufgabe im Wege, viel-z mehr ist jedes gerade für diese geschaffen. Dasi——,——— __________

oll unser Trost fein, wenn wir an den Tempera-^7"7I, . Altbewährte Nahrung TTtTt"! mentseigentümlichkeiten unserer Kinder verzagen wll iVlNrrSN, txi'ZMKS.VSNeSSNaS. Verhütet müssen" j u.Deseitigtißiarrhoe, Brechdurchfall, Darmkatarrh.J

bis 24.75 M., Sir. 1 22.50—23.00 M,, Nr. 2 18.00 bis 19.25 M Alles per 100 Kilo in kl. Sack. — Futter­artikel unverändert. Weizen schalen 4.90—5.00M., Weizen­kleie 5.00—5.15 M., Roggenkleie 5.50-5.65 M., Futter- mehl 6.75—8.00 M., Biertreber, getrocknet, 5.40—5.70 M. je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effektiv loco hier.

. _ ....„____ in einhetmischen

Brotfrüchten stark, jedoch kontmt vorherrschend klamme Ware in Betracht, was die Mühlen im Kaufen zurückhälh Das Geschäft war deshalb klein bei abgeschwächten Preisen. Ausländische Brotfrüchte knapp und fest. Gerste noch ruhig. Hafer in alter Ware bei kleinen Beständen gut gefragt, neuer noch still. Mais ruhig. Es notierten: Weizen, hiesiger und Wetterauer 17.60—17.80 Mark, kurhessischer je nach Qual. 17.60—17.80 Mark, norddeutscher 00.00 bis 00.00 Mk., russ. 19.70—20.40 M., Redwinter 00.00- 00.00 Mk., Kansas 00.00—00.00 Mk., La Plata 19.25 -20.20 M., rumänischer 18.40—19.00 Mark. Roggen, hies. neuer, 15.50—15.75 Mk., bayer. 00.00—00.00 Mk., russischer 00.00—00.00 Mk. Gerste ohne Geschäft. Hafer, hiesiger, 15.50 bis 16.00 Mk., bayerischer 00.00—00.00 Mark, russischer 17.00 bis bis 18.50 M., rumänischer 00.00—06.00 Mk., amerika­nischer 00.00—00.00 M., Mais (Mixed) 00.00-00.00 M., Donaumais 13.35—13.65 M, La Plata 13.30—13.50 Mark, russischer 00.00-00.00 M. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier. — Mehl unverändert. Es notiert e nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 26.75 bis 27.75 M., feinere Marken 28.00—29.25 M., Nr. 1 24.75—25.75 M., feinere Marken 25.75 —27.25 Mark Nr. 2 24.25—24.75 M., feinere Marken 25.00—25.75

22.75-23.25 Mk., feinere Marken 23.25 b's 23.75 M., Nr. 4 20.75—21.25 M , feinere Marken 21.50—22.00 M. Roggenmehl, hiesiges. Nr. 0 24.25

es rennen. Eine halbe Stunde zu schweigen, ist ihm selten möglich. Es weint herzbrechend und lacht noch mit den Tränen im Auge. Das sangu­inische Kind, namentlich das Mädchen, sieht und hört alles; es will überall hinspringen, wo es das geringste zu hören und zu sehen gibt. Die komische und lächerliche Seite eines Dinges pflegt es in der Regel recht gründlich aufzufassen. Vorlaut über alle Maßen, hat es selbst in Gesellschaft er- tvachse^-l-r Personen seine liebe Not, um seiner unruhigen Zunge die nötige Ruhe zu gebieten. Das sanguinische Kind will alles lernen, was es noch nicht zu lernen braucht; aber was es gerade lernen soll, das macht ihm gar keine Freude. Der „Spaßvogel" einer Schulklasse ist stets Sangui­niker. Die positive Seite dieses Temperamentes ist das leichte Hingeben, das rasche Aufschließen der Seele für die verschiedensten Eindrücke. Schnell erregt, rasch im Effassen, aufmerksam bei Dar- j l'ietung interessanter Stoffe, begeistert für das Hohe und Ideale, rasch zufahrend im Handeln — das sind die Lichtseiten. Aber wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Die leichte Empfänglich­keit und die damit verbundene relativ schnelle Aus- tassungskraft führt sehr leicht zur Zerstreutheit und Flüchtigkeit, zur Oberflächlichkeit und zur Schwätzerei. Der Sanguiniker liebt es nicht, einen Gegenstand lange festzuhalten; Treue und Beständigkeit liegen nicht in seinem Blute. Das Streben, 311 gefallen, führt den sanguinischen klei­nen und großen Menschen leicht zur Eitelkeit und Putzsucht. Er ist, ohne inneren Halt, den Mächten der ihn fesselnden Erscheinungen preisgegeben, da die leichte Empfänglichkeit nicht nur dem Guten, sondern auch dem Bösen geöffnet ist. Die so er 'reuende, wohltuende Fröhlichkeit eines sangui­nischen Kindes artet leicht in triviale flegelhafte Lustigkeit aus, die sich in einem anhaltenden un- rnoli vierten Lachen und in dummer Schwätzerei 81t äußern pflegt. Wenn den sanguinischen Kin­dern gegenüber der Erzieher nicht fonfequent die Form des echten gutgearteten bewußten Phlegmas mit seiner unerschütterlichen Ruhe und Stetigkeit r.iizunehmen weiß, dann gehen sie unter in dem Sprühregen und Brillantfeuer reizender Eiu- drücke. Aus ihnen werden oft die blasierten früh- rerfen Menschen, die schon als Jüngling oder Jungfrau „über alles hinweg" sind. Ist daher das Kind ein ausgesprochener Sanguiniker, so muß man die Lichtse en dieses Temperamentes pflegen, den Schatte- eiten aber scharf wehrend und überlegen lehre« > entgegentreten. Ernst: Arbeit, kurze Leitung ohne viel Worte, Darbie­tung interessanter Arbeiten im Spiel, Vorsicht gegen herzliche Versprechungen und offene Be­teuerungen, große Vorsicht bei glatten Entschul­digungen: das sind so einige Fingerzeige für die Behandlung. Richt zu feierliche Würde, aber auch nicht spielende Tändelei darf dem Sanguiniker I entrn gengebracht werden. Mit änßeffter Konse- yueuz muß man auf Ordnung und Regelmäßig-1

1,1 ~en Dingen sehen; da darf dem Sangni- la.e. nicht-.», aber auch nicht die Kleinigkeit durch-1 gehen. Des Sanguinikers leichtfertige Rede, wohl gar d;e Neigung zur Lüge, muß scharf be­kämpft werden. Solche Kinder müflen lernen zu wollen, was^ sie sollen, und müssen das Kreuz der Arbeit .n Lelbstverleiignuiig tragen lernen, dann

kann sich bei ihnen ein starkes Willenszentrum kristallisieren. Versteht der Lehrer solch ein Kind tn i er schule zu fesseln, so wird es ihm ein am genehmer Schuler fein: bei einem trockenen Pe-

m fricJertruub sich langweilen."

6te sanguinische Charakterver- anlagung das „Temperament der Empfindung"! nennt, so besitzt nach ihm der Choleriker das „Tem perometü der Tat'^ „Der Choleriker hat die Em­pfänglichkeit des Sanguinikers, wird aber nicht wie dieser von vielen und ivechselndeu Kleinigkei- . reu angezogen, sondern meist nur von einem, aber

•) „Mein Kind." Ein Erziehungsbuch von Theodor ' Paul Boigt, Verlag von Theod. Thomas, Leipzig. Preis Fch. 3,50 W, geb. 4,50 Mk. j

und Frankreich je 73, in Spanien 37 Menschen auf den Quadratkilometer. In Rußland aber nicht ganz 6 Peffonen. Man sieht also, wie wenig Bäteutung zur Zett die anscheinend so große Bevölkerungszahl Rußlands hat. Interessant ist auch ein Vergleich der Bevölkerungszunahme der genannten Staaten. Hier maffchiert Deutsch­land mit 1,45 pCt. jährlicher Zunahme an der Spitze, Rußland folgt ihm mit 1,37 pCt., die

Wenn nicht, laden wir Sie zu einem M Probe-Abonnement für Sen Monat S September — 50 Psg. — höflichst ein. y Die ,Fuldaer Zeitung" ist ein reichhalliges, B gut unterrichtetes Blatt und erfreut sich fl 6 nicht nur in Fulda sondern auch auf dem 3 Lande eines stetig zunehmenden Leserkreises, g t Bestellen Sie sofort bet der Expeditton B § (Harmonie), den Zeitungsträgerinnen oder Q IS bei Ihrem Briefträger. fl

Unsere Statistik der Boden-Fläche und Bevölkerungszahl der europäischen Groß- staaten bringt zwar anscheinend den Beweis, daß Rußland, so wie es räumlich den meisten Platz in Anspruch nimmt, auch an Bevölke- rungszahl alle überragt. Diffe Zahlen aber beweisen lediglich die Tatsache, daß Rußland zur Zeit die meisten Einwohner hat. Efft daS Verhältnis der Einwohnerzahl zur Bo­denfläche ergibt den Aufschluß über die dem Lande mne wohnenden Starke. Denn altem Anschein nach müßte dasjenige Land die größte Nährkraft, die größte Blüte, den größten Wohlstand besitzen, in welchem die Menschen am dichtesten bei einander wohnen. Denn hier muß die Intelligenz der Ein­wohner sich betätigen, wenn er nicht wissen­schaftlich unterliegen will. Ob diese Voraus­setzung zutfffft, »lögen unsere Leser selbst entscheiden. Von den erwähnten Ländern ist Großbritannien am bichtesten bevölkert, in England und Wales kommen 215 Menschen auf den Quadratkilometer, im ganzen Lande 132. Dann folgt merkwürdiger Weise Italien mit 113 Menschen auf den Quadratkilometer, also ein Land, dessen Industrie doch nur gering ist. Aber Italien ist ein Land, dessen reiche Natur dem Einwohner das umsonst gibt, was in anderen Ländern dem Boden mit schwerer Arbeit abge­rungen werden muß. In Deutschland kommen 112, in der Schweiz 80, in Oesterreich-Ungarn

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