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Zuldaer W Zeitung
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Rotati ons druck u. Verlag der Fuldaer Ar« tiendruckerei in Zulda. Zernfprecher Nr. 9.
Fulda, Dienstag den 28. August 1906.
j J\ß 196.
33, Jahrgang.
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* Zum Amnestieerlatz.
Der anläßlich der bevorstehenden Taufe des Kaiserenkels ergangene Gnadenerlaß erstreckt sich, wie in der Presie allseitig hervorgehoben wird, lediglich auf Vergehen wegen Majestätsbeleidigung gegen den König und die Mitglieder der königlichen Familie. Diese Beschränkung wird von der linksstehenden Presse lebhaft krittsiert. Ein Berliner Blatt ist sogar so geschmacklos, den Kaiser darauf aufmerksam zu machen, daß er als gläubiger Christ jede empfangene Unbill immer zu verzeihen habe und dazu nicht erst auf besondere Auläste zu warten habe. Daß gerade das ,Berl. Tagebl/ sich mit den Pflichten eines gläubigen Christen befaßt, ist, in Paranthese gesagt, nicht nötig.
Gnadenerlasse sind nach der Verfassung Vorrechte der Krone, an denen nicht zu deuteln ist. In einem Lande mit so hochentwickelter Rechtspflege wie Deutschland, wo das Vertrauen zur Unabhängigkeit des Richterstandes Gott sei Dank noch keine berechtigte Einbuße erlitten hat, ist das Gnadenrecht der Krone, vom prinzipiellen Standpunkt aus wenigstens, nicht notwendig. Ihre Berechtigung erfahren Begnadigungen aus der Erwägung heraus, daß das höchste Recht ost das größte Unrecht in sich birgt. Ste sind weiter ein nicht zu unterschätzendes Moment bei dem Streben nach dem Schutze des Staatsgedankens, der sich in der Person des Monarchen verkörpert.
Der Kaiser hat sich lange Zeit gelüsten, ehe er von seinem Gnadenrechte Gebrauch machte. Es ist bekannt, welch hohe Austastung er von feinem Amte hat, und nur von diesem Standpunkte aus, wohl kaum aus persönlichen Motiven, hat er bisher der Gerechtigkeit nicht in den Arm greifen wollen. Mit der Zeit schleifen sich Härten im Charakter sowohl wie im Urteil ab. Wilhelm II. denkt heutzutage, wo er der Sammlung scharfer Saiyren eines Franzosen gegen seine Person für Deutschland den Weg ebnete, über Angriffe aus sich selbst sicher ganz anders als in der Zeit, da er als Jüngling den Thron bestieg. Es berührt sehr sympathisch bei dem ergangenen Gnadenerlaß, daß derselbe sich auf Majestätsbeleidigungen beschränkt, daß der Kaiser gerade gegen die Gnade walten läßt, die sich an seiner Person vergriffen haben. Es kommt darin zum Ausdruck, daß er sich nicht für befugt halte, der Justiz in den Arm zu fallen, außer wenn er selbst dazu sozusagen das moralische Recht hat.
Im Gegensätze zu der linksliberalen Presse hallen wir daher die Form des Gnadenerlastes für eine glückliche. Sie ist geeignet, die Auffassung von der Persönlichkeit des Kaisers nach der Richtung hin zu begründen, daß er, bei noch
Ein Wille, ein Weg.
Frei nach dem Englischen von I. Remo.
34] (Nachdruck verboten.)
„Wollen Sie ruhis hier sitzen bleiben?" wiederholte sie. „Wenn ich ihr etwas zu tun gebe, bann versteht sie mich vielllicht bester", fügte sie, zu sich selbst sprechend, hinzu. — Fräulein Hilda, hier haben Sie meinen Korb. Wollen Sie ihn festhal- hm, bis ich znriickkomine, gut festhalten?"
Das Herz drohte mir zu zerspringen; das war es, was ich während der letzten Minuten kaum zu hoffen gewagt hatte. Sie ließ den Korb zu- rück! O Gott sei Tank? Gott sei Dank!
Ich zählte bis sechzig; erst langsam, dann immer schneller, meine Ungeduld ivar so groß. Jetzt mußte sie das Haus erreicht haben; für den Mo ment war ich sicher. Noch ein rascher, scheuer Blick nach allen Seiten, dann flog ich mit dem Korb auf enr nahes Bosquet zu und verschwand zwischen den Strauchern.
- Siedel aufreißen, die Opiumtropfen in ,Saras Flasche schütten, war das Werk eines Augenblicks. Nasch verbarg ich das leere Fläschchen itnter einer breitblätterigen Staude und bahnte on Een Gliedern bebend, aber mit neu- ~a "€uer Hoffnung beseelt, einen Weg durch aufzusuchen^ Um Einen vorigen Platz wieder » '$m Aonwnt fuhr ich erschrocken zu-
fammen, Evelme Furber stand vor mir. Eine Se- fttnbe lang hatte ich gemeint, es sei Karoline ..taten Sie denn da zwischen dem Ge- vusch? fragte sie erstaunt.
Ich sank auf die Bank nieder; der plötzliche »Schrecken hatte mir die Sprache geraubt.
Eveline beugte sich zu mir nieder und legte fctn Arm um meine Schulter.
so stark ausgeprägtem Rechtsgefühl, soweit seine Person in Frage kommt, die Pflicht des Verzechens zu üben weiß. Dieser rein menschliche Zug im Wesen des Kaisers ist gewiß ein sympathisches Charakteristikum seiner starken Persönlichkeit.
Deutsches Reich.
Berlin, den 27. August 1906.
* Bezüglich des Amnestieerlafses wird nunmehr veröffentlicht, daß die Strafvollziehungsbehörden angewiesen sind, wegen Entlassung der begnadigten Strafgefangenen sofort das Notwendige zu veranlassen. Unter den Gnadenerlaß sollen auch solche Urteile fallen, welche bis zum Tage seiner Veröffentlichung nur den Verurteilten gegenüber rechtskräftig geworden sind. In etwaigen Zweifelfällen ist die Sttasvoll- streckung zu sistieren und an den Justizminister zu berichten. Ueber die Zahl der Personen, welcher die Amnestie zu gute kommt, sind Feststellungen bisher nicht möglich gewesen.
* Zum Essener Katholikentage veröffentlicht Max Lorenz einen nicht uninteressanten Artikel, dem wir folgendes entnehmen: „Die stärkste und einheitlichste, die klügste und kühnste Macht im öffentlichen Leben des modernen Deutschlands — das ist der Katholizismus. Wieder hat es der glänzend verlaufene Essener Katholikentag uns anderen greifbar vor Augen gestellt. Wir möchten es nicht glauben. Aber ich fürchte, wir werden es nicht nur glauben müssen, sondern wir werden auch „daran glauben" müssen, in dem Sinne, daß der organisierte Katholizismus die immer ausschließlicher herrschende Macht in Deutschland wird. Weil dem Geist unserer Zett die Vereinigung der organischen Gegensätzlichkeit vom materialistischen Naturalismus und romantffchen Mystizismus zu eigen ist, dämm ist auch der Katholizismus wieder besonders „zeitgemäß" geworden. Der Geist unserer Tage ist naturalistisch — romantisch: das aber ist der Geist des Katholizismus seit bald 2000 Jahren, und da sollte es dieser in der Tiefe von Jahrtausenden wurzelnden und in ungeheuren Schicksalen erprobten katholischen Weltmacht nicht gelingen, das bischen „modernen Geist" unserer Tage zu verschlingen? Man nehme einmal einen von den hypermodernsten Lyrikern, einen dieser in Mystizismus schwelgenden Stimmungskünstler und man vergleiche einmal, wessen Stimmungsgehalt und wessen Kunstkönnen mit dem der katholischen Kirche, wie es sich in Jahrhunderten angehäuft, und wie es in unsere Zeit aus dem Abgrund von Jahrhunderten herübergekommen ist! Erscheint dann der naturalistisch-romantische Geist unserer Tage mit feinen mystischen Spielereien in seiner Kleinlichkeit nicht lächerlich? Wir anderen sehen im Katholizismus immer nur das Aeußer- liche, den „Aberglauben", weil wir eben nicht die Fähigkeit haben, die im Katholizismus eingeschlossene Gefühlsmacht mitzuempsinden, welche die katholische Masse beherrscht und zusammen- hält, welche die Unterschiede des Allers und des Standes ausgleicht, welche alle ein Herz und eine Seele fein läßt und welche die Masse in einen Taumel bet Begeisterung versetzt, wenn der italienische und der deutsche Kardinal dem modernen Arbeiterführer voll Dank und Rührung die .Hände drücken".
* Erhebung über Kriegsveteranen. Infolge eines in der Budgetkommiffion des Reichstages
„Hilda, feien sie nicht so falt", flehte sie. Der bittende, unsäglich traurige Ton drang mir ins Herz und ließ mich die notwendige Vorsicht aus den Augen verlieren.
„Eveline", rief ich, ihr bleiches Gesicht wieder und wieder küssend, „vergib mir meine Selbstsucht! Ich hatte Dich vergessen, ich war im Begriffe zu gehen, ohne ein Wort des Abschiedes, ohne ein Versprechen für die Zukunft."
„Zu gehen?" wiederholte sie und erst jetzt sah ich ein, wie grenzenlos unvorsichtig ich gewesen war. „Nein, nein, Du darfst nicht gehen, Hilda! Bleibe bei mir, denn ich habe Dich lieb; ich kann Dich nicht auch noch verlieren. Gehe nicht, Hilda, 0 geh nichtl"
Erschrocken trachtete ich meinen Fehler wieder gut zu machen; ich versprach, ihrer immer eingedenk bleiben zu wollen, ich bat sie, guten Mutes zu fein, kurz, ich tat alles, um sie zu beruhigen, und sie zum Fortgehen zu bewege«, und noch war letzteres mir nicht gelungen, als ich plötzlich eilig näherkommende Schritte horte. Das war Karoline. Hastig machte ich mich aus Fräulein Fur- bers Armen los und als Karoline gleich darauf erschien, saß ich wieder auf der Gartenbank, in derselben Haltung, in welcher sie mich verlassen hatte. Eveline konnte sich augenscheinlich den plötzlichen Wechsel in meinem Benehmen nicht erklären.
„Hilda, was ist es? Zürnen Sie mir?" fragte sie niedergeschlagen.
„Fräulein Hilda ist krank," unterbrach Karoline sie. „Was machen Sie übrigens hier, Fräulein Furber? Weshalb bleiben Sie nicht bei den anderen? — Kommen Sie, Fräulein Humphries, wir wollen jetzt gehen."
„Sieh da, die kurze Ruhe im Schatten scheint ihr schon gut getan zu haben," murmelte Karoline, mich verwundert ansehend. „Sie hat wahrhafttg ganz rote Backen. — Na, na, nicht so eilig, Fräulein Hilda l Sie wollen doch nicht den ganzen Weg im Galopp zuriickleaen? Es nutzt übrioens
bei Beratung des AnttageS über Gewähmng von Beihülfen an Kriegsveteranen geäußerten Wunsches hat der preußische Minister des Innern Erhebungen angeordnet und die Landratsämter angewiesen, nach dem Stande vom 1. Okt. 1906 eine Statistik Über die Zahl der Kriegsteilnehmer aufzustellen, die aus Reichsmitteln weder Jn- validenpensionen noch Unterstützungen beziehen. Es soll erkundet werden, welcher von diesen Kriegsteilnehmern ein Einkommen von weniger als 600 bezw. 480 Mk., ferner eine auf weniger als ein Drittel herabgesetzte Erwerbsfähigkeit oder das 60. Lebensjahr vollendet hat. Ueber die Herabsetzung der Erwerbsfähigkeit auf ein Drittel soll lediglich das Dafürhalten der Gemeindebehörden maßgebend sein. Entsprechende Erhebungen finden auch in den anderen Bundesstaaten statt.
* Der Ostmarkenverein hat auf feinem „Deutschen Tage" in Marienburg auch eine Resolution angenommen, worin der Hauptvorstand des Vereins ersucht wird, bei dem Staatsministerium den Erlaß einer Bestimmung zu befürworten, daß der katholische Gottesdienst in den Provinzen Posen und Wesipreußen abwechselnd in deutscher und polnischer Sprache abgehalten werde. Eine zweite Resolution wünscht den Erlaß eines Gesetzes, das im preußischen Staate für Versammlungen, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen, die deuffche Sprache ausnahmslos oder wenigstens für alle Provinzen außer Posen, Ostpreußen, Westpreußen und Oberschlesien vorschreibt. — Wir wünschen selbstverständlich ebenfalls, daß den deutschen Kcttholiken auch Gelegenheit gegeben werde, eine deutsche Predigt zu hören und deutschen Andachten beizuwohnen. Aber das Staatsministerium wird hoffentlich die Finger von der Sache lassen. Es ist nicht seines Amtes, die Sprache beim Gottesdienste zu bestimmen. Was das Verbot der deutschen Sprache in Versammlungen angeht, so werden die Hakatisten damit wohl eher Glück bei der Regierung haben, aber im übrigen wird man kein Glück damit haben.
* Für den sozialdemokratischen Parteitag, der am 23. September in Mannheim beginnen soll, ist folgende vorläufige Tagesordnung festgesetzt wottren: Sonntag, den 23. September, abends 7 Uhr: Versammlung, Konstituierung des Parteitages, Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung, Wahl der Mandatsprüfungs- kommifsion; Montag, den 24. September und die folgenden Tage: 1) Geschäftsbericht des Vorstandes, 2) Bericht der Kontrollkommission, Berichterstatter: A. Kaden: 3) Parlamentarischer Bericht, Berichterstatter: G. Schöpflin; 4) Maifeier, Berichterstatter: A. Bebel; 5) Der internationale Kongreß 1907, Berichterstatter: P. Singer; 6) Sozialdemokratie und Volkserziehung, Berichterstatter: C. Zetkin und H. Schulz; 7) Strafrecht, Strafprozeß und Strafvollzug, Berichterstatter: H. Haase; 8) Sonstige Anträge; 9) Wahl des Vorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag fiattfinden soll.
* Eine „Genoffen"-Grüudnng vor dem Konkurs. Im September vorigen Jahres gründeten die nach dem großen Zigaretten-Arbeiterstreik nicht wieder angestellten Arbeiter und Arbeiterinnen in Dresden eine Zigaretten-Produktiv- Genossenschaft, um die Ausgesperrten unter« zubringen und den Unternehmern Konkurrenz zu
nichts, daß Sie so rennen; wir müssen ja doch warten, bis Wisson uns das Tor öffnet."
Wilson saß vor der Tür feines Häuschens, die Tonpfeife im Munde. Langsam und bedächtig zog er den Türschlüssel aus der Tiefe seiner Tasche hervor, anstatt uns aber hinauszulassen, fing er an, in aller Gemütsruhe seine Pfeife neu zu stopfen und von seinem Baby zu erzählen. Meine Angst, meine Aufregung wuchs mit jeder Minute, und als Karoline nun gar noch die Einladung annahm, ins Haus zu treten und dem jungen Erdenbürger und seiner Mutter einen Besuch abzustat- ten, da mußte ich mich mit Gewalt zurückhalten, denn die Versuchung, mich auf den Mann zu stürzen und ihm den Schlüssel zu entreißen, war beinahe unüberwindlich. Wie konnte meine Gefährtin die Warnung ihrer Freundin fo vollständig vergessen! Kam dort Jemand? Ich lauschte. Kein Zweifel; ich hörte deutlich Schritte. Mit einem Angstschrei ergriff ich Karolinens Arm. Erstaunt wandte diese sich um.
„Was ist's? Was ist's — O, da kommt Sara! Was mag sie wollen?"
Aus Leibeskräften winkend und gestikulierend, eilte Sara auf uns zu. Ich verstand sie augenblicklich. Frau Blair war im Anzuge und Sara forderte uns auf, keine Minute mehr zu verlieren. Doch Karolinens beschränkter Geist konnte die Sachlage fo schnell nicht erfassen; verblüfft und fragenb starrte sie erst Sara und dann den Torwärter an.
„Madame — sie kommt!" rief Sara jetzt mtt vorsichtig gedämpfter Stimme. „Sie schickt mich, um Dich zurückzurufen. Schnell, schnell, sonst fit es zu spät! Schnell!"
„O du meine Güte!" rief Karoline erschrocken. „Das Tor auf — rasch! Madame kommt! Rasch! rasch!"
„Aber das Baby — Sie wollten sich ia erst das Baby aäidien."
machen. Die Sozialdemokratie hat mit solchen Gründungen schon wiederholt Unglück gehabt, und deshalb warnten die Streikführer mit dem Hinweis auf die große Kapitalskraft der Fabrikanten sehr entschieden vor dem unbedachten Schritte. Vergebens! Es wurde gegründet, selbst nachdem das Gewerkschaftskartell und der Zigarrenarbeiter-Verband öffentlich erklärt hatten, daß sie ihre Hände fern hielten. Gerade ein Jahr hat die Genossenschaft sich mit Ach und Weh zu halten vermocht, jetzt steht sie vor dem Konkurs !
* Eine Bombenfabrik in Hamburg. Die Hamburger Nachrichten melden: In einem Hause der Sachsenstraße wurde ein junger Mann , aus Rußland verhaftet, der im Gesicht und an' den Händen schwere Brandwunden trug. Der Verhaftete verweigerte über feine Person jede Auskunft. Bei der Durchsuchung wurden eine Menge Revolver und auch Sprengstoffe, hauptsächlich Pikrin-Säure, gefunden, ferner Frachtbriefe, Rechnungen nfro., aus denen hervorgeht. daß Waffen und Sprengstoffe nach Rußland versandt worden sind. Die Sendungen gingen nach den russischen Ostseehäfen. Ein Komplize des Verhafteten wurde noch nicht angetroffen. Die Meldung wird von amtlicher Seite- bestätigt.
Ausland.
* Zum Attentat auf den russischen Ministerpräsidenten Stolypin. Es find vier Personen unter dem Verdacht, an dem Attentat beteiligt zu fein, verhaftet worden. Die Gesamtzahl der Opfer beläuft sich auf nahezu GO Per- fonen, von denen 30 getötet sind. Unter den Toten befindet sich das Mitglied des Ministerrats Chwostow und außer General Samjatin, dem Zeremonienmeister Weronin und Chwostow auch Fürst Nakas chidze, der Hauptmann der Gendarmerie Fedorow, der Polizeibeamte Ka- santzew, sowie Wachen, Diener und Boten. Sofort nach der Katastrophe statteten der Finanzminister, der Marineminister, der Kriegsminister, die Großfürsten und die Mitglieder des diplomatischen Korps dem Ministerpräsidenten Stolypin Besuche ab. Der Zar richtete nach dem Attentat an den Ministerpräsidenten Stolypin nachstehendes Telegramm:
Ich finde keine Worte, um meine Entrüstung aus- zndrückeu. Ich danke Gott, daß er Sie beschützt hat. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß Ihr Sohn und Ihre Tochter bald wieder hergestellt werden und ebenso auch die übrigen Verwundeten.
Nikolaus.
Durch die angefteUten Untersuchungen ist ermittelt worden, daß die Täter mit der Nikolai- bahn aus Moskau eingetroffen waren und sich in Petersburg in der Morskaja-Straße möblierte Zimmer gemietet hatten. Sie hatten air Abend vor dem Mordanschlag vieSonn meroper (!) besucht, wobei sie sich desselben Wagens bedient hatten, in dem sie vor der Villa des Ministers vorfuhren. Der Haupttäter, dessen Leiche von Militär bewacht wird, ist ein. ziemlich kräftig gebauter junger Mann von etwa 25 Jahren. Unter feiner ganz neuen Uniform befand sich eine Zivilweste und außerordentlich schmutzige Wäsche, wie es indem Berichte des .Wölfischen Bureaus' heißt, was aber bei Ruffen eigentlich nichts Besonderes ist. Bereits vor einigen Tagen wollte, wie jetzt bekannt wird, ein verabschiedeter Offizier namens Boborykin den Ministerpräsidenten vor einem
„Ihr Baby kann mir gestohlen werden", rief' Karoline, vor Ungeduld mit dem Fuße stampfend. „Die alte Katze sitzt uns auf den Fersen; schnell!"
„Ach so! Nun, dann müssen Sie ein anderes Mal zu uns kommen" meinte der Torwärter.
„Ja, ja!" . , k \
Das Tor ging auf und wir eilten hindurch Vielleicht zweihundert Schritte weiter hatte dir Buchenhecke, welche die Straße an der einen Seite; begrenzte, eine Lücke. In fliegender Hast stürzten wir daraus zu. Jetzt war das schützende Asyl erreicht. r'
„Da fit sie schon," rief Karoline im nach;rech Moment.
Ich lugte vorsichtig zwischen dem Gebüsch hrn-e durch. Mtt vorgebeugtem Oberkörper, die Augen: mit der Hand beschattend, stand Frau Blair auf^ der Straße und spähte nach rechts und links.- Dann ttat sie zurück und die Pforte schloß sich wieder.
XVII.
Der Himmel war blau, die Vögel sangen, alles' badete im Sonnenschein. In der Ferne winkten' die Hügel, sie schienen mich wie alte Bekannte zu grüfeen. Der Waldstreifen, der sich an ihrem Fuße hinzog, schien bitnfler und dichter zu fein, als vor» sieben Wochen. Waren wirklich erst sieben Wochenverflossen, feit ich an der Seite meines Onkels. ahnungslos die verhängnisvolle Fahrt nach Cran-1 hurst gemacht hatte? Damals blühte das Korn,: jetzt waren die Leute mit der Ernte beschäftigt.
Ich warf einen Blick rückwärts. Cranhurst war veffchwunden — ich war frei! Doch nein» »milche Schwierigkeit, manche Gefahr mußte verhütet werden, ehe ich mich dem Gefühle der Sicher- heit überlassen durfte. „Mut, Mut", flüsterte ich unhörbar. „Mit Gottes Hilfe muß und wird e5 mir gelingen."
„Hier wollen wir absteigen", sagte Karoline halblaut vor sich hin, während sie dem Worte di« Tat folgen liefe. „Der Fußpfad ist nicht fo stau-