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Maer K Zeitung
wochenbeiiaa^ „ Illustrierte §0 nntagrzeitung" aionetsMiage: „zuldaer Seschichtrblätter"
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Hetationrdruck u. Verlag der Zuldaer Aktiendruckerei in Hulda. Fernsprecher Nr. 9.
M 194,
Fulda, Samstag den 25. August 1906.
33. Jahrgang.
Krstes Matt.
Deutscher Reich.
Berlin, den 24. August 1906=
* Die so viel angefeindete Fahrkartensteuer findet in der ,Nationalztg/ folgende Verteidigung: „Bei allen berechtigten Einwänden, die man gegen diese Steuer erheben kann, sollte man doch nicht vergessen, daß ihre schroffe Ab- lehnung das ganze Werk (Finanzreform) gefährdet und auf unabsehbare Zeit unmöglich ge- macht hätte. Alles fließt, auch in der Politik. Darum wird man im Laufe der Zeit eine Linderung der Härten erwarten dürfen, die diese Steuer mit sich bringt, sei es gelegentlich der Personentarifreform, sei es gelegentlich einer allgemeinen künftigen Steuerreform. Zur Zeit haben wir sie und müsfen sie tragen. Warum und aus welchen Gründen sie in das Reichsfinanzreformprogramm ausgenommen wurde, läßt sich auf engem Raum nicht darstellen. Die Steuer bildet als Baustein eines großen Ganzen ein Glied int Ringe, dessen Plazierung nur bei Betrachtung auch der übrigen Bausteine und Glieder verstanden werden kann."
* In einer manchmal offiziösen Korrespondenz wird gesagt, es sei möglich, daß derReichstag im nächsten Winter sich mit der Frage de. Aenderung der Maischbottich-Steuer in der Branntwein - Brennerei befaffen werde. Hierzu schreibt die,Deutsche Tagesztg/: „Daß gewisse Stellen darauf hinarbeiten, die Angelegenheit möglichst zu beschleunigen, ist richtig; wir glauben aber gut unterrichtet zu sein, wenn wir der Vermutung Ausdruck geben, daß diese Beschleunigungs-Bestrebungen keinen Erfolg haben werden. Man ist sich m maßgebenden Kreisen der Schwierigkeiten, die auf diesem Gebiete liegen, wohl bewußt und deshalb nicht geneigt, die Angelegenheit über's Knie zu brechen."
* Der Fall Podbielski. Die .Staatsbürger Beifang' und das .Reich' halten ihre Mltteilungen, daß der Kaiser dem Herrn v. Podbielski durch direkten Boten zur Rechenschaft und zur Einreichung des Abschiedsgesuches aufgefordert habe, aufrecht. Der Aufschub der Entscheidung liege darin begründet, daß gegen den Minister ein ehrengerichtliches Verfahren mit oder gegen seinen Willen eingeleitet werden wird. Nach den genannten Blättern schweben auch Erwägungen neben dem Unterstaatssekre- lariat des "Kolonialamtes „über ein wesentlich höfjereS Amt» Es wird darauf hingewiesen, daß der Botschafter in Madrid von Radowitz in Wilhelmshöhe weilt". Dem ,Reichsboten' werden diese Meldungen als falsch bezeichnet. Dem Fürsten Bülow gehe es wieder ganz gut, an eine Berufung des Herrn v. Radowth als Reichskanzler oder in ein anderes Amt werde nicht gedacht. — Die amtliche Nachprüfung der Kontrakte des Reichs mit der Firma Tippels- kirch seitens der Behörden ist nach dem ,Lokal- anzeiger bereits soweit gediehen, daß die Auflösung des Vertrages nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. Gegenüber der Erinnerung dec .Reißer Zeitung' an das Gesetz von 1874, wonach es unmittelbaren Staatsbeamten verboten ist, ohne Genehmigung des vorgesetzten Ministers Mitglieder des Vorstandes, Auffichts-
I oder VerwaltungSrates von Aktien-, Kommandit- oder Bergwerksgesellschasten zu sein und in Komitees zur Gründung solcher Gesellschaften einzutreten, weist die »Deutsche Tageszeitung' darauf hin, daß die Firma Tippelskirch & Co. keine Aktiengesellschaft sei. „Als Herr von Podbielski sie mitbegründete, war er nicht mehr Brigadegeneral, sondem Offizier z. D., und er war noch nicht Staatssekretär, noch nicht Minister, noch nicht preußischer Staatsbeamter. Herr von Podbielski ist ferner, als er Staatssekretär wurde, nicht Mitglied der Erwerbsgesellschaft geblieben, sondern hat seinen Anteil bekanntlich seiner Gattin übertragen. Uebrigens ist die Mitgliedschaft bei solchen Erwerbsgesell- schasten nach dem angeführten Gesetze den Beamten nicht verboten, sondem nur die Zugehörigkeit zum Vorstande, zum Aufsichtsrate oder zum Verwaltungsrate." — Diese Beweisführung ist natürlich vollständig hinfällig: „Die Firma Tippelskirch & Co. ist eine Gesellschaft mit be- schränkter Haftung, die in dem Gesetz von 1874 nicht erwähnt ist. Die Form der Gesellschaften m. b. H. bringt es mit sich, daß man einfacher Gesellschafter sein und doch alleinbestimmenden Einfluß in der Gesellschaft haben kann. Es braucht in der Beziehung nur darauf hingewiesen zu werden, daß viele Privatuntemehmungen in den letzten Jahren lediglich aus steuerlichen Rücksichten in die Form der G. m. b. H. übergeführt worden sind.
* Das Revirement im Kolonial-Amte soll noch weiter gehen, wenn auch nicht sofort. Nach der.Deutschen Tagesztg.' verlautet, daß einige ältere Räte noch die arbeitsreiche Herbst- und Winter-Kampagne mitmachen werden, dann aber mit dem Beginne des neuen Etatsjahres fest entschlossen seien, die Kolonial-Verwaltung zu verlassen.
.-. Die Prinzessin Pauline zu Lippe ist heute gestorben. Sie stand int 73. Lebensjahre. Mit ihr ist die ehemals im Fürstentum Lippe regierende ältere Linie des lippe'schen Hauses ganz erloschen, nachdem sie mit den beiden letzten Fürsten Waldemar und Alexander bereits int Mannesstamme ausgestorben war. Die Prinzessin lebte im adeligen Damenstifte zu Kappel bei Lemgo und war dessen „Aebtisfm".
307000 Mark für die russische Revolution haben die Berliner „Genossen" int letzten Jahre aufgebracht, wie der Vorsitzende des Verbandes der Wahlvereine, „Genoffe" Liep- mann, in einer Versammlung int 5. Berliner Wahlkreise mitteilte. Im ganzen ist eine .halbe Million für Unterstützungszwecke von der Berliner Sozialdemokratie aufgebracht worden. Der Löwenanteil ist also den russischen Revolutionären zugefloffen. Da in Berlin bei den letzten Wahlen im ganzen 218238 Stimmen abgegeben sind, so entfielen danach auf jeden „Genossen" pro Kopf schon mehr als 2 Mark.
* Adlige Warenhäusler. Mit nicht unberechtigtem Stolz schreibt der Konfektionär über den neuen Kollegen der Herren Jandorf, Wertheim, Tietz usw. den Fürsten von Pleß: Warenhaus des Herzogs von Pleß, Hans Heinrich XI. Ein Herzog als Inhaber eines Warenhauses ist wohl bis jetzt der Rekord auf diesem Gebiete. Wir konnten schon mitteilen, daß ein General zum Leiter eines Warenhauses in Frankfurt a. M. berufen worden ist (Grand- Bazar G. m. b. H.), daß aber ein veritabler Herzog
Ei« Wille, ein Weg.
Frei nach dem Englischen von I. Nemo.
32] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
„Wenn das alles ist, dann will ich Dir schon helfen. Tom hat Rr m — er ist ehrlich daran gekommen — und er wird mir gerne ein paar Tropfen davon geben. Wenn ich morgen komme, um das Frühstücksgeschirr zu holen, bringe ich Dir die gefüllte Flasche mit. Denke aber daran, daß Du sie gut versteckst, damit Madame sie nicht erwischt, falls es ihr vielleicht morgen einfallen sollte. Dein Revier zu inspizieren, — gute Nacht! — Gute Nacht, Fräulein Humphries! Oder schlafen Sie schon?"
Nein, ich schlief nicht, obschon ich mit geschlossenen Augen dalag. Es war jetzt für mich nicht an der Zeit, zu schlafen, sondern zu handeln.
_ XV.
Die streng eingehaltene Hausordnung verbot Karolme, sich vor zehn Uhr zu Bett zu begeben, won meutern Lager aus konnte ich sie jetzt durch ote offenstehende Verbindungstür sehen, wie sie gefallenen Händen und tief herab- Kopfe schlafend auf ihrem Stuhle saß. Anna Letfn- sonders heftiger Donnerschlag das n SU erschüttern schien,
-Ä^nen Moment aus ihrer Ruhe auf- geschreckt, doch unmittelbar darauf nickte sie wieder em.
cn südlich schlug es zehn. Karoline hörte es nicht. Rach einet Weile jedoch erwachte sie, warf gähnend einen Blick auf die Uhr und ftarfb langsam
„Jetzt wird niemand mehr kommen", murmelte sie halblaut. „Es liegt wohl am Wetter, aber wahrhaftig, ich kann die Augen nicht offen -alten."
Mit der Lampe in der Hand betrat sie gleich darauf das Schlafzimmer. Erst wurde die Türe zwischen diesem und dem Wohngemache abgeschlossen, der Schlüssel abgezogen und unter ihrem Kopfkissen versteckt. Dann sah ich Karoline durch meine Wimpern hindurch von Bett zu Bett gehen, um sich zu überzeugen, daß ihre Pflegebefohlenen sämtlich schliefen. Befriedigend wandte sie sich jetzt ihrem eigenen Bette zu. Am Fuße desselben stand ein ziemlich großer, mit Leder überzogener Koffer. Diesen öffnete sie und entnahm ihm, leise vor sich hinkichernd, eine, wie es schien, schwere Blechfchachtel. Noch ein mißtrauischer Blick rechts und links, und dann folgte eine Szene, die mich schaudern machte und zugleich mit Mitleid erfüllte für die Arme, die, wie vernünftig sie auch in jeder anderen Hinsicht sein mochte, in diesem einen Punkte unter dem Einflüsse einer krankhaften Begriffs- und Gefühlsverwirrtmg dachte und handelte.
Die Schachtel enthielt Geld. Mit einer Vorsicht, als fürchte sie, ihr Schatz könne ihr unter den Fingern zerrinnen, legte Karoline die Münzen einzeln auf ihr Bett nieder. Ihre Angen glänzten, ihre ganze Gestalt bebte vor Freude. Endlich war die Blechschachtel leer.
„Morgeßl muß ich euch forttragen — nach Dunstall!" murmelte sie mit einem Seufzer, der fast ein Stöhnen war. „O, es ist hart, aber es geht nicht anders. Wenn ich euch bei mir behalte, so "tragt ihr mir nichts ein — keine Zinsen! — Drei Prozent ist wenig. Aber besser das, als nichts!"
Ihr Gesicht hellte sich wieder auf; eine Weile stand sie stumm da, unverwandt das auf ihrem Bett liegende Geld betrachtend, dann warf sie sich plötzlich mit einem halberstickten Aufschrei auf die Kniee nieder und fing an, in wildem, wahnsinnigen Entzücken das falte Metall an ihre Lippen zu pressen und mit ihren Händen darin zu wühlen.
„Mein Geld, mein liebes, liebes Geld! O, ich wollte, ich hätte mehr, viel, viel mehr. Es gibt
Leute, die eine Million haben — eine Million! O, ich würde sterben vor Freude, wenn ich auch so viel bäte. Eine Million — eine Million!"
„Jetzt will ich zählen!"
Die Arbeit nahm eine lange Zeit in Anspruch, da sie stets von vorne wieder anfing, in der Meinung, daß sie sich um einen halben Schilling verzählt haben müffe.
„Nein, es ist so, ich muß mich gestern verrechnet haben," murmelte sie endlich, und man hörte es dem Tone ihrer Stimme an, wie bitter entäuscht sie war. „Ein mageres Quartal! Außer Fräulein Humphries' sechs Pfund, sechs Schilling habe ich auch nicht einen roten Heller extra bekommen. — Die Tränen heute abend — sie gefallen mir ganz und gar nicht; hundert mal habe ich gehört, daß derartige Ausbrüche oft der vollständigen Genesung eines Patienten vorhergehen. Nun, Madame wird schon dafür sorgen, daß sie nicht gar zu wohl wird. Und ich halte die Augen ebenfalls offen. Eine Patientin, wie Fräulein Humphries, will ich nicht verlieren. — O lieber Gott, was bin ich doch für ein schlechtes Geschöpf!" rief sie plötzlich, die Hände zusammenschlagend. „Aber ich kann nicht dafür; o Himmel, ich kann nicht dafür! Geld muß ich haben, ich muß, ich muß; ich kann nicht leben ohne Geld. Es ist mein einziges auf der Welt!"
Langsam, mit augenscheinlichem Widerstreben barg sie endlich ihr Geld, um sich zur Ruhe zu begeben. Eine halbe Stunde später kündigte ihr regelmäßiges Atmen an, daß sie schlief. Jetzt galt es.
Mit einem Aufblicke nach oben und einer stummen Bitte um den Schutz des Himmels stand ich auf und glitt unhörbar bis vor das Bett der ahnungslosen Karoline.
Das Gewiter war noch immer nicht abgezogen, die Pausen zwischen den Donnerschlägen wurden jedoch allmählich länger und länger, obschon es noch immer stark blitzte und das Zimmer taghell er- leuchtst war. Der letztere Umstand kam mir
Besitzer eines Warenhauses ist, wird den übrigen Warenhaus-Besitzern gewiß „Hoffähigkeit" ver- leihen, denn der Herzog von Pleß gehört zu den Granden des preußischen Staates. Aus einer Notiz des,Reichsanzeigers' geht folgendes hervor: In unser Handelsregister ist heute unter Nr. 394: Warenhaus des Herzogs von Pleß, Hans Heinrichs XL, und als dessen Inhaber Se. Durchlaucht der Herzog von Pleß, Hans Heinrich XI. in Pleß, sowie die Erteilung der Prokura an den Generalbevollmächtigten, Königlichen Regierungsrat a. D. Gustav Keindorff zu Schloß Waldenburg eingetragen." — Das Warenhaus ist hauptsächlich dazu bestimmt, die Bedürfnisse der auf den Gruben des Herzogs beschäftigten Arbeiter zu befriedigen.
Ausland.
* Aus Rußland. General Skalon hat eine Verfügung erlasfen, wonach Augenzeugen von Attentaten auf Personen oder Eigentum anderer, die ihre Hülfeleistung versagen, einer dreimonatigen Gefängnishaft unterliegen, falls nicht Lebensgefahr oder andere triftige Gründe ein Eingreifen verhinderten. Der gleichen Strafe unterliegen Personen, die es unterlassen, alles, was ihnen über Verbrechen bekannt wird, zu melden.
* Das dänische Königspaar wird allen Dementis zum Trotz dem offiziösen ,Aftenposten' zufolge eine längere Reise in das Ausland unternehmen, wobei es den Höfen in Kopenhagen, London und Berlin Besuche abzustatten gedenkt. Der Zeitpunkt der Abreise sei noch nicht be- sttmmt: doch dürste sie nicht vor Eröffnung des Storthmgs, die Mitte Oktober stattfindet, erfolgen.
* Bom Bergarbeiterstreik in Bilbao in der spanischen Provinz Biscaya liegen nachstehende Meldungen vor: Die Aufrechterhaltung des öffentlichen Verkehrs wird durch Truppen gesichert. Zeitungen sind heute nicht erschienen. Es kam zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Ausständigen; in denen auf beiden Seiten mehrere Personen getötet und verwundet wurden. Alle Festlichkeiten sind verschoben worden. Die Arbeitgeber lehnen es ab, irgendwelche Zugeständniffe zu machen. Auf der Grube Montegni kam es zu einem Handgemenge, in dem mehrere Personen verletzt wurden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommen. Der Arbeiterklub ist geschloffen worden. Ausständige, die von Bilbao kamen, machten den Versuch, bei Castro Urdiales den Eisenbahnverkehr zu stören. Die Bürger wehrdie dies zu verhindern suchte, wurde mit Steinwürfen empfangen. Sie gab hierauf Feuer; zwei Personen wurden getötet und drei verletzt.
* Die Besserung im Befinden des Sultans ist dem,Hamb. Korresp.' zufolge nur vorübergehend. Es fei ein deutliches Fortfchreiten der Krankheit bemerkbar.
* Unter den Deutsch-Amerikanern der Bereinigten Staaten wird bekanntlich eine Bewegung ein geleitet, um einen Besuch des deutschen Kaisers in den Vereinigten Staaten herbeizuführen. Bürger von St. Louis werden ein Komitee bilden, das dem Kaiser persönlich eine Einladung der amerikanischen Deutschen überbringen soll. Wahrscheinlich werden andere
Städte ebenfalls Delegierte abordnen, um der Abordnung größeren Nachdruck zu verleihen. Boffchafter Speck von Sternberg erklärte, daß in diesem Jahre kein Mitglied der kaiserlichen Familie nach Amerika kommen würde.
* Indische „Menschenräuber." In den Gebieten nördlich Kalkuttas herrscht nach einer Neutermeldung große Erregung, da dort Gerüchte im Umlauf sind, nach denen eingeborene Jünglinge mit List für das Heer gepreßt werden sollen. Ein Europäer wurde arg verprügelt und ein Faßballteam im Pend- schab ernstlich angegriffen. Bei dem leisesten Rufe „Menschenräuber" greift die Menge blindlings sogar am Orte ansässige Eingeborenen an. So waiff der Wagen eines reichen Eingeborenen ein Kind um, worauf der Eingeborene halten ließ, um zu sehen, ob das Kind verletzt fei. Sofort erhob sich das Geschrei Menschenräuber. Der Eingeborene und fein Kutscher wurden tätlich angegriffen und ernstlich verletzt.
Bestellscheine.
Von Dr. jur. W. B r a nd i s, Berlin.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Bestellscheine sind allgemein üblich, wenn Geschäfte durch Vermittelung eines Reisenden abgeschlossen werden. Der Reisende mutz eine schriftliche Bestellung in Händen haben, teils der Firma gegenüber, die Sicherheit darüber verlangt, daß das Geschäft wirklich von dem Reisenden gemacht ist, teils dem Kunden gegenüber, der sich vielleicht nach einigen Tagen anders besinnt oder, wenn er die Ware erhält, der Meinung ist, eine andere Ware oder weniger davon bestellt zu haben. Die gleiche Sicherheit, die der Reifende von dem Kunden verlangt, verlangt nun umgekehrt auch der Kunde von dem Reisenden, da schon mehrfach Reifende größere Bestellungen ihrer Firma mitgeteilt haben, als der Kunde wirklich gemacht hat. Deshalb ist es üblich, dem Kunden eine Kopie des Bestellscheines zu hinterlassen.
Hiermit scheint nun alle denkbare Vorsicht erschöpft zu sein. Aber dem ist keineswegs so. Denn was steht auf dem Bestellzettel zuweilen alles vorgedruckt! Der Kunde liest das gewöhnlich gar nicht, da er, weil es gedruckt ist, der Meinung ist, daß es sich um die üblichen, selbstverständlichen Bedingungen handelt. Das ist oft weit gefehlt. Die Bestellscheine werden seitens der Firma mit Sorgfalt, ja zuweilen mit listiger Berechnung entworfen. Jedes Wort, welches bet dem Käufer irgendwie Mißtrauen erwecken könnte, wird vermieden oder anscheinend harmlos umschrieben, hingegen Worte wie „prompte Lieferung, gute Qualität, Ziel einen Monat", werden fett gedruckt. Lästige und bedeutungsvolle Bedingungen sind dazwischen versteckt ober stehen an unauffälliger Stelle, so z. B. „Erfüllungsort Berlin" (wenn der Verkäufer in Berlin wohnt), oder „Reklamationen werden nur binnen drei Tagen berücksichtigt". Das Gesetz gibt dem Käufer hierzu eine Frist von sechs Monaten, verlangt allerdings von ihm, wenn er Kaufmann ist, Untersuchung der Ware, sobald e§ nach ordnungsmäßigem Geschäftsgang tunlich ist. In manchen Geschäftszweigen hat die Lieferantin so viele Bedingungen über die Art der Lieferung und der demnächstigen Bezahlung zu machen, daß es auf der ersten Seite des Bestellscheins nur heißt: „Unterzeichneter bestellt zu den umstehenden Bedingungen". Auf der andern Seite stehen dann viele kleingedruckte Zeilen, die mit selbstverständlichen Bedingungen beginnen. So bestellte jemand einen Band eines über hundert Bände umfassenden Sammelwerkes. Auf der Rückseite stand die von
außerordentlich zu statten, da das kleine, auf dem Waschtisch stehende Nachtlicht nur einen schwachen, unbestimmten Dämmerschein verbreitete.
Den Atem anhaltend, beugte ich mich jetzt über die Schlafende, um das Schränkchen zu öffnen und mich des Opiumfläschchens zu bemächtigen. Vergebliches Bemühen; mein Arm war zu kurz; tote sehr ich mich dehnte und streckte, ich konnte daS Türchen nicht erreichen.
O, die Angst, die bittere Enttäuschung btefeS Augenblickes! Wieder und wieder erneuerte ich den aussichtslosen Versuch. Die Schweißtropfen rannen von meiner Stirn, während zur selben Zett ein tödlicher Frost mich schüttelte, und endlich kroch ich halb verzweifelt zu meinem Bett zurück und drückte das Gesicht in die Kissen.
Mußte ich alle Hoffnung fahren lasten? Gab es kein Mittel, keinen Weg, der zum Ziele führte?
Ich richtete mich auf und zwang mich zum ruhigen Ueberlegen. Der Koffer l Wenn ich mich auf den Koffer stellte . . . Ich wollte es ver- fuchen.
Wieder glitt ich leise aus dem Bette. Der Koffer knartte, als ich den Fuß darauf setzte, doch Gott sei Dank, Karoline schlief weiter. Behutsam, mich mit der linken Hand fest gegen die Mauer stützend, streckte ich die Rechte nach dem Schränkchen aus. Würde es gelingen? Eine Sekunde lang war ich in Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren, in der nächsten durchzuckte es. mich in freudigem Schrecken: ich hatte den Schlussel erfaßt ■ das Türchen flog auf. Jetzt mußte ich den folgenden Blitzstrahl erwarten, um die Opmmflasche von den anderen Flaschen und Fläschchen unterscheide« zu können. In weniger als einer Minute zuckte e8 mit blendendem Glanze am Himmel auf, und ich hielt meine Beute in der Hand. Vorsichtig legte ich sie auf das Bett nieder und wartete aufs neue. Meine Aufgabe war erst zur Hälfte gelöst; ich mußte noch eine leere Flasche haben, um die erforderliche Quantität des Opiums darin aufbewahren zu können — den ganze» Vorräten mich