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J# 191.

K«lda, Mittwoch den 22. August 1906.

33. Jahrgang.

Iweites Wlatt.

53. GeNeralverfamml««- -er Kathsliken Deutschlands

pl Wa a. W

(Nachdruck nicht gestattet.) Cpc. Essen (Ruhr), 20. Aug. 1906. Erste öffentliche Versammlung.

Präsident Landgerichtsrat Gräber eröffnet die Versammlung mit dem katholischen Gruße und führt dann aus: Solange es eine Generalver­sammlung der Katholiken gibt, sind die Sitzungen stets mit diesem Gruße eröffnet und auch geschlos­sen worden, mit diesem Gruße, der aus glaubens­treuem Herzen kommt und so lauten Widerhall findet. Dem Gottessohne gebührt unser erster und letzter Gruß. Möge der Heiland unserer Ver­sammlung seine Huld zuteil werden fofien, damit das, was wir hier verhandeln und beschließen, Gott zu Ehren, uns aber und unserem deutschen Vaterlande zum Wohle gereiche. (Großer Beifall.) Gilt unser erster Gedanke und unsere erste Bitte dem Gottessohne, so versteht es sich für uns Katho­liken von selbst, daß wir der Gottesmutter nicht vergessen dürfen. Durch die Mutter zum Sohne! Das ist der klare Gedanke der Sttarienber» ehrung. Der Himmelskönigin unsere Bitte vorzulegen, dazu mahnt uns auch die Geschichte der Stadt, in der wir tagen. Den Mittelpunkt dieser Stadt bildet die der Gottesmutter gewechte Münsterkirche, deren wertvollster Teil und Kir­chenschatz von jenen edlen Frauen aus dem Sach­sengeschlecht stammt, die hier die Marienverehrung gepflegt haben. (Beifall.) Darum: Maria, wir dich grüßen! Möge die Fürbitte Mariens, die wir heute im Hochamte erfleht haben, unserer Ver- sainmlung den Segen erflehen. Des weiteren grü­ßen wir ehrerbietigst den Herrn Kardinal und die Mitglieder des Episkopates, die in der Versamm­lung erschienen sind. Wir danken ihnen für ihr Erscheinen. Die Generalversammlungen haben stets dietreuesteAnhänglichkeitanden Heiligen Stuhl und den Episkopat gepflegt, erfüllt von der festen Ueberzeugung, daß das Laienapostolat der Versammlung nur dann erst rechte Früchte tragen kann, wenn es sich ent­faltet in dem engen Anschluß au die Kirche. Einen herzlichen Willkommgruß entbietsn wir auch der Stadt Essen, die unsere Generalversammlung so überaus freundlich ausgenommen hat, und beson­ders dem Stadtvorstande, der uns am gestrigen Abende einen so warmen Gruß entgegengebracht hat. Wir Katholiken wissen einen solchen herzli­chen Willkomm wohl zu würdigen; wir sind ja nicht verwöhnt hierin. Wir wünschen nichts sehn­licher, als daß die Katholiken im deutschen Vater­lande die Anerkennung als gleichberech- tigteSöhnedeseinen großenVater- l a n d e s finden. Bei allen Beschlüssen leitet uns der Gedanke, die Einttacht mit unseren Mitbür­gern zu pflegen und damit dem gemeinsamen teuren Vaterlands zu dienen. Ein herzliches Grüß Gott! allen Mttgliedern und Teilnehmern der Generalversammlung, die aus weiter Ferne herge- kommen sind; das terzlichste Grüß Gott! unseren lieben Freunden aus Oesterreich. Einen besonde­ren Gruß entbiete ich der lieben Jugend die in ver­schiedenen Vereinigungen organisiert ist, besonders der studentischen und der kaufmänni­schen Jugend. (Anhaltender Beifall.) Die katholische Jugend, die, begeistert für die Ideen des Wahren, Guten und Edlen, auf die General­versammlung gekommen ist, ist unsere Freude, unser Trost und unsere Hoffnung. Das gilt auch

Ei« Wille, ei« Weg.

Frei nach den« Englische«« von I. Rem».

27] (Nachdruck verboten.)

„Ja, ich hatte allerlei zu tun*, entgegnete diese. „Warm heute, nicht wahr?"

„Heiß", verbesserte Karoline. „Ich wollte, eS wäre Winter."

„Und wenn es Winter ist, so sagst Du: ich wollte, es wäre Sommer", sagte Sara. „Du bist nie zufrieden."

„Wenn Du statt meiner hier den lieben, lau­gen Tag fitzen müßtest, fb würde Dir auch zu- toeilen die gute Laune ausgehen."

„Möglich, es käme auf den Versuch an. Du host zwei neue Patienten, höre ich."

„Ja. Die dort" — eine Kopfbewegung deutete auf meine Wenigkeit, ist gestern abenb erst inS Haus gekommen. Sie ist eine von der richtigen Sorte; ich freue mich, daß Madame sie mir zu­geteilt hat. Die andere aber, Fräulein Furber, wäre ich gern genug wieder los."

.^ „Soge das nicht; sie ist ein so armes Ge- ütops," entgegnete Sara mitleibig. „Ich hoffe, wirst gut für sie sein. Es war eine Schande, behandelte, und darum freute es mich doppelt, als ich vorhin hörte, der Doktor hätte sie Dir geschickt. Wenn man bedenkt, was sie aus- üEanden haben muß, dann tut sie einem doch wirklich leid."

„Weißt Du ettoaS näheres von ihr?" fragte Karolme neugierig.

„Jawohl, aber das ist eine lauge Geschichte; ich kann sie Dir letzt nicht erzählen," entgegnete Sara, während sie Anstalt machte, das Tablett aufzunehmen.

„Komm', setze Dich ein paar Minuten," drängte Karoline. „Du weißt gar nicht, wie froh

von der Jugend der Arbeiter. Mögen Sie eifrig an den Versammlungen teilnehme« und lernen, welche Kämpfe Ihnen bevorstehen, damtt Sie der- einst in unseren Reihen mitkämpfen und die mü- den Kämpfer ablösen können. Ebenso begrüße ich noch besonders die Damen, bereu Anteilnahme von wachsender Bedeutung für unsere Versamm­lung ist. Sie wird erst recht ihre Bedeutung ge­winnen, je mehr die Organisation der k a t h o l i- scheu Frauenbewegung fortschreiten wird.

Endlich noch meinen besonderen Gruß den Verttetern der P r e f f e, ganz besonders den Ver­tretern der katholischen Presse, unseren lieben treuen Freunden, deren eifriger Mitarbeit ganz besonders der Aufschwung und die Blüte der Ge­neralversammlungen zu danken ist. Auch über die Anwesenheit zahlreicher Vertreter der n i ch t- katholischen Presse freue ich mich aufrich­tig. Die Teilnahme der nichttatholischen Presse zeigt auch, daß toir unsere Verhandlungen auch unter die Kontrolle der Nichtkatholiken stellen wol­len. Was wir von Ihnen verlangen, ist nichts mehr, als wahrheitsgetreue Berichte. Die Krittk daran ist Ihre Sache, möge jeder kritifieren, wie er will und kann.

Wir verhandln auf de» Katholikentagen ledig­lich die gemeinsamen katholischen Angelegenheiten, das hat vor allem das Gute, daß wir durch diese einfache Methode es vermeiden, mit Andersgläu­bigen in einen Konflikt zu gelangen. Wir über­lassen die Verhandlungen der Angelegenheiten der Andersgläubigen ihnen selber. So wird der kon­fessionelle Friede am besten getoahrt. Ich kann nur den Rat den anderen Konfessionen ge­ben, sie möchten auch nur ihre Angelegenheiten verhandeln. Von allen den katholischen Angele­genheiten ist die wichtigste und ersteste das treue und öffentliche Bekenntnis zum Glauben an die Gottheit Jesu Christi. Wenn eine gewaltige Versammlung in unserer Zeit des Un­glaubens sich zu einem solchen Bekenntnis ent- schließt, so können int Grunde genommen auch die Angehörigen der übrigen christlichen Bekenntnisse sich nur freuen über ein solches Bekenntnis zum Glauben an Jesus Christus. Die Kundgebung des Arbeiterfestzuges zeigte einen Idealismus so großartig, wie es nichts mehr auf der Welt gibt, und da sollten auch Nichtchristen ihre B e w u n d e- rungübereinensolchenJdealismus in unserer heutige«: Zeit aussprechen (Beifall). Hier int Kohlenrevier, wo die schwarzen Schätze tief aus der Erde hervorgeholt werden, wird in diesen Tagen noch ein anderer Schatz gehoben: das Gold des christlichen Glaubens aus den Herzen des katholischen Volkes.

Jede Generalversammlung hat übrigens noch eine besondere Aufgabe, die sie teils durch Vor­träge, teils durch Behandlung von Anträgen er- füllt. Auch dieses Mal ist ein einheitlicher Plan aufgestellt «norden. Der Präsident bespricht im einzelnen die Bedeutung dieser Einteilung und der einzelnen Vorträge und schließt dann mit der Bitte an Herrn Kardinal Fischer, er möge die Versammlung mit einer Ansprache beehren und ihr den oberhirtlichen Segen spenden.

Kardinal Erzbischof Dr. Fischer führt, von stürmischem Beifall begrüßt aus: Es ist mir, dem Oberhitten der Kölner Erzdiözese, eine Freude und eine Ehre, diese Versammlung auf dem Boden de§ Erzbistums, in der Stadt Essen zu begrüßen. Die Freude ist um so größer, als ich zu dieser Stadt in besonders engen Beziehungen stehe. Mehr als 25 Jahre habe ich hier als einfacher Priester getoirft, habe die Entwickelung der Stadt Essen mttgemacht und Einblick gewonnen in die religiö­sen, bürgerlichen und sozialen Berhättnifie, habe Anteil genommen an dem Leben btt katholische«« Gemeinde, bin hu Laufe der Jahre mit der Stadt und mit dem von ihr beeinflußten Gebiet rings­um so verwachsen, daß auch die Jahre der Tren­nung die Liebe zu der Stadt, die ich meine zweite

ich bin, wenn ich einmal ein Wort mit einem ver­nünftigen Menschen sprechen fann."

„Das glaube ich gerne. Nun ja, die alte Katze ist ja aus und kommt erst diesen Nachmittag zu­rück, und so kann ich schon einen Augenblick hier bleiben."

„Aus? Wohin?"

„Nach Dmtstall, um Kleider und sonstige Sa- «hen für Fräulein — wie heißt sie auch wieder — Fräulein Humphries zu kaufen. Du weißt doch, daß sie gar nichts mitgebracht hat, als war sie am Leche trug?"

„Nein, das wußte ich nicht. Wie kurios."

„Ja", flüsterte Sara so leise, daß ich mehr erriet, als verstand, was sie sagte, „Tom" der sie eingelassen hat, meint, die Geschichte müsse einen Haken haben. Nun, das ist Madame's Sache und die des Doktors, die beiden werden schon «wissen, was sie zu tun haben. Wenn Tom aber Recht hat, — und das wird wohl so sein — dann ist es sehr erklärlich, daß man chre Sachen nicht mit- bringen konnte."

Gewiß, mein Onkel wünschte alles Aussehen zu vermeiden. Ohne Zweifel wollte er verhindern, daß Gerald meinen Aufenthaltsort in Erfahrung brächte, und deshalb hiell er es für ratsam, auch seinen eigenen Haushalt in Unkenntnis über den­selben zu klsseu. Jetzt war es mir auch klar, «Des­halb er trotz seines Unwohlseins bat Kutscher zu Hause gelassen hatte. Ich mutzte verschwinden.

Während ich hierüber nachdachte, sah ich, daß Karoline und Sara sich am entgegengesetzten

Heimat nennen kann, nicht aus meinem Herzen reißen konnte. (Beifall.) Ich stehe hier auf denk­würdigem Boden, denkwürdig in seiner Vergan­genheit, nicht minder denkwürdig in der Gegen­wart. Auf diesem Boden «oohnt ein braves, bie­deres Volk. Es freut mich, bei dieser Gelegenheit feierlich es aussprechen zu können, daß die katho­lische Bevölkerung — nur von ihr bin ich als Ober- Hirt befugt zu reden — in der Stadt und im gan­zen Essener Gebiet sich auszeichnet durch tief­religiöse Gesinnung, durch eifrigen Be­such des Gottesdienstes und durch fleißiges Au- Hören des Wortes Gottes, durch rege Teilnahme an der verschiedenen Vereinstätigkeit auf religiö­sem, charitativem und sozialem Gebiete. Dieses Lob trifft ganz besonders auch die Männerwell, und namenttich auch die Spännet aus dem A r-- beiter stände. Dieses Volk, das treu zu sei­nem Glauben steht, steht nicht mindertreuzu seinem Vaterlande. Auf der Markscheide zweier deutscher Stämme verharrend, liebt es die Heimat; der von den Vätern ererbte«« Sprache und Sitte können auch die aus anderen Tellen des Vaterlandes Zugezogenen und seßhaft Ge­wordenen leicht und gern sich anschlietzen. Es ist deutsch in Gesinnung und Haltung und betvahrt die Treue gegenüber dem Schirmherrn des deut­schen Vaterlandes, dem Kaiser. (Großer Beifall.) Die Versammlung wird noch besonders ausge­zeichnet sein durch einen aus der ewigen Stadt kommenden Kardinal, Vincenco Vanutelli, der nach Essen kommt, um Essen und die Teilnehmer der Versammlung des Segens des Hl. Vaters zu versichern. (Beifall.) Kardinal Fischer schließt mtt Segenswünschen für den glücklichen Verlauf der Versammlung und erteilt den Teilnehmern den Segen, den die Versammlung knieend em­pfängt.

Großer Beifall begleitete die Worte des Herrn Kardinals. Der Präsident dankte mit dreifachem Hoch auf den Kirchenfürsten, das von den Zeh«- tausenden begeistert ausgenommen wurde.

Hieraus spricht Erster Vizepräsident des preußi­schen Abgeordnetenhauses Justizrat Dr. Porsch (gleichfalls lebhaft begrüßt über

Die Schulfrage).

Seit «ehr als entern Jahrhundert hat man in vielfachen Versuchen den Erlaß eines allgemeinen Unterrtchts-Gesetzes angestrebt. Redner geht auf diese Versuche eingehend ein, die dir zum Jahre 1801 zurückdatieren. 1888 erschien der damals vielgenannte Antrag Windthorst wegen Vor­legung eines Gesetzentwurfes über die Befugnisse der Kirche und ihrer Organe in betreff deS reli­giösen Unterrichtes in den Volksschulen. In die heißen Kämpfe um diesen Antrag traf im Herbste 1890 der Volksschul-Gesetzentwurf des Ministers Goßler, der im schneidenden Gegensätze zum Anträge Windthorst das Staatsschul - Monopol gegen Wortlaut und Sinn der Verfaffung etablierte, wie ein Redner des Zentrums sich ausdrückte. Er enthielt keinen gesetzlichen Schutz der konfessio­nellen Schule. Ein neuer Kultusminister, Graf Zedlitz, «klärte bald darauf dem Landtage, daß die Regierung auf die wettere Beratung des Ge­setzentwurfes in diesem Jahre »kein entscheiden­des Gewicht lege", und versprach, die Volksver­tretung erneut vor diese hochwichtige Aufgabe zu stellen. Scho« im Jahre 1892 unternahm er das gefährliche Wagnis, dem Abgeordnetenhause ein erschöpfendes christliches VolkSschul- Gesetz vorzulegen, das entgegen dem Goßler'scheu auch Bestimmungen über die Vorbildung und die Konfession der Lehrer, sowie über über das Pri- vat-Unterrichtswesen enthielt. Der Graf Zedlitz'sche Entwurf kam in diesen Beziehungen im ganzen

„Ich will mein Geld haben," beharrte ich.

„Nun denn, hier ist es", knurrte Karoline, einige Kupserstücke hervorholend. „Da haben Sie Ihr Geld."

So hatte ich es freilich nicht gemeint, doch da Karoline es als selHtverständlich zu betrachten schien, daß ich den relative« Wert der verschieden«» Geldforten nicht zu unterscheiden vermöge, so fand ich e4 klügtt, sie nicht über ihren Irrtum anfzn- klären. Ich nahm also schweigend die Pfennige in Empfang und ließ mich damit in der Nähe ber beiden Freundinnen nieder.

„Sie ist leidjt zufriedengestellt, das ist auf alle Fälle em Glück," murmelte Karoline, ihre Börse tvieder einsteckend. „8hm, Sara!"

Sara zögerte und wies auf mich.

,,£), sie achtet jetzt nidjt auf «ns. In meinem Leben habe ich so etwas nicht gescheut es ist bei ihr Geld, Geld und nichts als Geld!"

Sara hatte augenscheinlich mehr Sinn für Hu­mor, als die »reisten Personen ihres Bildungs­grades; einen Moment bekämpfte sie ihre Lach­lust, doch dann platzte sie heraus und lachte so laut und fe herzlich, daß selbst die beiden Blödsinnigen aufmerksam wurden und mit schläfriger Verwun­derung zu uns herüber sahen.

„Ich weiß nicht, wie Du das fpaffig finden kannst", rief Karoline nngcbulteg. „Meiner An­sicht nach ist es traurig, sehr traurig".

Sara's Augen funfdten vor Mutwillen, und in Karoline schien eine schwache Ahnung aufzu- dämmern, daß etwas ganz anderes, als meine an­gebliche Jdftftncrasie es «rar, was die Heiterkeit

Ende des Zimmers, möglichst weit von Fräulein Furber entfernt, nieder ließen. Kurz entschlossen folgte ich ihnen unb, vor Karoline stehen bleibend, hielt ich meine Hand hin.

„Gib mir

„Unsinn, Kind," entgegnete sie ärgerlich. „Sie brauchen Ihr Geld jetzt nicht."

Sava beobachtete die kleine Szene augenschein­lich mit großem Vergnügen, doch sie sagte nichts.!

ihrer Gefährtin in so hohem Maße erregte.

„Nun höre endlich auf", rief sie zornig. „Wenn Du Dich nicht anständig benehmen kannst, so mache Dich fort; tdj lasse mich nicht von Dir zum Nar­ren halten."

„Na, na, beiße mir nur den Kopf nidjt ab," stieß Sara, noch immer lachend, hervor. „Still,

unseren Auffassungen weiter entgegen, als einer der früheren Entwürfe. Aber auch er stand — um ein viel gebrauchtes Wort des Freiherrn v. Huene zu wiederholen — auf des Messet Schneide; er enthielt zuviel, um ihn abzulehnen und doch zu wenig, um ihm freudig zuzustiirrme«. Er legte im wesentliche« gesetzlich nur fest, was auf dem Volksschul-Gebiete in Preußen damals tatsächlich rechtens war, u«d doch entfeffelte er im Lande eine Agüatton von ungeahnter Heftig­keit, deren tteibende Kraft der damalige Minifter- präfident Graf Caprivi war. (Bravo!) Trotz­dem für den Graf Zedlitz'schen Entwurf im Ab­geordnetenhause eine große Mehrheit bereitstand, teilten Graf Zedlitz und sein Entwurf kaum nach Jahresfrist das Schicksal des Ministers v. Goßler. Die scharfen Gegensätze des Jahres 1892, welche im Lande zum Teil vielleicht noch schärfer und unvermittelter sich gegenüberstehen als damals, sind nicht zum Austrag gekommen. Die bestän­dig steigende Schullast, ihre ungleichmäßige und ungerechte Verteilung auf die veischiedenartigsten Läger, die teilweise grobe Nichtberücksichtigung konfessioneller Minderheiten veranlaßten von Jahr zu Jahr steigende Klagen im Lande unb in der Vol8mrrtretuug und zu einem immer dringenderen Verlangen nach gesetzlicher Regelung roenigftenS der Schulunterhaltungs-Pflicht. Diese führte zu dem bekannten Schul-Kompromiß, der auf der bisher viel zu roemg beachteten Verhandlung bei Abgeordnetenhauses vom 13. März 1903 beruht. Auf Grund der übereinstimmenden Partei - Er« Körungen in dieser Verhandlung wurde, nachdem inzwischen Neuwahlen stattgesunden hatten, 1904 in der ersten Session der neuen Legislatur-Periode der Dielgenannte Kompromiß-Antrag ausgearbei­tet, auf Grund dessen das Schulunterhal­tungs-Gesetz eingebracht wurde. Wir habe« unverdroffen mitgearbeüet, um am Gesetze zu bessern, wo wir eine Besserung erreichen konnten.

Von unferm katholischen Standpunkt aus be­trachtet, ist es ein großer Gewinn, daß nunmehr die konfessionelle Schule, also für die katholischen Äinber die katholische Schule, als Regel gesetzlich feftgelegt ist. Es ist das eine ganz wesentliche Verbesserung deS ms- herigen Rechtszustandes. Denn im Gebiete des preußsschen allgemeinen LandesrechtS war die konfessionelle Schule zrvar tatsächlich die Regel, aber die Sinmltanschule war rechtlich nicht aus­geschlossen. Die Staatsverwaltung hatte freie Hand, die eine ober die andere Art von Schulen einzurichten, sie hatte, wie die Judikatur des Oberverwaltungsgerichts anerkannt hat, das Recht, auch ohne Anhörimg und Zustimmung der Be­teiligten nicht blos neue Snnultanschulen zu gründen, sondern auch die bestehenden Konfesfions- schulen in Simultanschulen umznwandekn. Dieses Recht fällt nun fort.

Dieses wertvolle Zugeständnis konnte aller­dings nur erkauft werden durch die gleichzettige gesetzliche Feststellung, daß es bei den bestehen- den Simultanschulen auch in Zukunft sein Bewenden haben soll. DaS ist recht be­dauerlich. Aber selbst das Graf Zedlitzsche Schul­gesetz sicherte gleichfalls daS Fortbestehen ber da- mals vorhandenen Simultaklschulen.

Rach der letzten Statistik von 1901 gibt es in Posen 169, in Westpreußen 403 Simultan- schulen. In Nassau haben 780 Schulorte eigene Schulen, von denen nach der Denkschrift des Wahlvereins bet nassauischen Zentrun spart« 697 eigentlich als konfessionelle zu erachten sind.

ich höre ja schon auf. Und jetzt will ich Dir auch Fräulein Fchrber's Geschichte erzählen."

Eveline Furber toar, wie ich jetzt erfuhr, daS einzige Kind sehr reicher Eltern. Verwöhnt, um­schmeichelt, gefeiert, war ihr Leben lauter Sonnen- schein gewesen, bis plötzlich, tote ein Blitzstrahl, bas Umzlück über sie hereinbrach unb sie zu dem machte, was sie jetzt war. Sie reifte mit ihren Eltern unb ihrem Verlobten nach Italien. Gutes Tages hatte sie mit den Ihrigen einen kletnen Ausflug gemacht; auf dem Rückwege stieß chr Zug mit einem andern zusammen, eine Reihe Wa­gen wurden zertrümmert, unter diesen auch der, in welchem sie sich befaab. Einige unbedeutende Hautabschürfungen attSgawnunen, blieb sie, wie durch ein Wunder, unverletzt ; ihre Ettern und chr Verlobter dagegen tourben tot au# ten Trümmern hervsrgezogen. ,

Der Schlag toar em funbtbarer gerne)en; chr Geist konnte sich von demselben nicht mietet erho­len. Sie vermochte eS nicht zu fassen, daß sie hin­fort allem auf ter Wett dastand. Und ft verzehrte sie sich in schmerzlicher Sehnsucht nach ihren Sie­ben, an bereit Tod sie nicht glauben konnte, nicht glauben wollte.

Der einzige Bertvandte, bet ihr noch geblieben toar, ein kaltherziger, habsüchtiger Rann, kam nach Italien, um sie heimznholen. Ihr Zustand gab ihm die Handhobe, deren er bedurfte, nm das H«n- dernis zu entfernen, welches »wischen ihm und dem Besitz eines groß«« Bernwgens stand. Dre Anstatt des Herrn Bla« toar für feine ßtoerfe geeignet, und hier hatte Evtiine fetttem gelebt. Der Wtjig, den sie trug, toar ihr Serlebnnotemg. »canbatte ihr tenfelben anfänglich nehmen wollen, doch da die Unglückliche in Folge dn-ses Gewaltakts in einen stustand gekommen toar, ber für chr Leben fürchten ließ, sohatte man die Absicht sollen lassen. — Herr Blair und seine Gattin verstanden sich auf ihren Vorteil, und der Ning bannte ihnen ja schließlich doch nicht entgehen.

(Fortsetzung folgt.)'