Fulda, Montag den 20. August 1906.
JV3 189.
33, Jahrgang
Erstes Matt
53. General»erfamml««g
der Katholiken Deutschlau-s
Aesth«i«»»Lgttch, *tt «*sw*e* ött $o«b «ud.ist,erlag«. Vieri» jiihn vezagrpreir oha« Vringerlshn nl Beiieflgdbin Zulda tu* aurwSrti I Mi. 50 Psg.
Abg. Graf Praschma, Abg. Dr. Rügen, berg, Fürst Salm-Reiferscheidt, Alfred, Abg. v. Savigny, Abg.Dr. SchLdler, Frhr. Fritz v. S chorlemer-Ooechagen, Päpstlicher Geheimkämmerer Schweitzer-Köln, Abg. Dr. Spahn, Abg. Speck, Graf Anton Spee, Graf Franz Spee, Abg. Graf Strachwitz, Frhr. Klemens v. Rünefeld, Abg. Trim- born, Graf Adolf Waltersdorf, Freiherr Konrad Wendt, Graf Klemens v. Westphalen.
vteet» IpoMfg« petitzeile »er der«. Bannt 15 pfg. RtHamen dir prtitzeUr 25 Pfg.; bei wieder. Holungen wird enlspr. Rabatt gewährt.
12 Personen, einige lebhaft gestikulierend, andere stumm, mit herabhängendem Haupte, wie in tiefe Schwermut versunken, auf- und abschritten. Das Herz krampfte sich mir zusammen beim Anblick dieser Unglücklichen. Wie würde ich das Leben in einer solchen Umgebung ertragen können I Doch dann — ich sage es mit dankbarem Herzen — dann besiegte das Mitleid jedes andere Gefühl. Was war die Prüfung, welche der Himmel über mich verhängt hatte, im Vergleiche mit dem hoffnungslosen Elende dieser bedauernswerten Menschen I
Eine schwere, in der Mauer angebrachte Türe verband diesen Gang mit einem anderen, welcher, wie es mir vorkam, zum linken Flügel führte. Eine Frau, augenscheinlich eine der Angestellten des Hauses, beobachtete von hier aus die Bewegungen der auf und ab Spazierenden. Als sie uns sah, zog sie einen Schlüssel aus der Tasche und öffnete damit die Verbindungstüre, um sie unmittelbar, nachdem wir dieselbe passiert hattmr, wieder zu schließen. Wir gingen weiter. Plötzlich drang ein langgezogener gellender Ton zu uns, ein wildes Auflachen folgte, und dann brach — wie es schien, in einem dicht neben uns sich be- indenden Raume — ein grauenhafter Tumult los; ein Kreischen, eiu Zischen und Brüllen, das nichts Menschliches hatte; es war, als sei plötzlich die ganze Hölle losgegangen. Meine zitternden Glieder versagten mir den Dienst, doch glücklicherweise achtete in diesem Moment weder Martha noch Frau Blair auf mich.
„Halloh, was mag demi jetzt wieder los sein?" rief erstere.
„Ich will gehen und nachfehen", entgegnete Frau Blair heftig. — „Vortvärts! Was suchen Sie denn?"
Die letzten. Worte waren an mich gerichtet. Ich hatte, wie zufällig, die Geldstücke, die ich bis dahin in der Hand gehalten, fallen lassen und kroch jetzt auf Händen und Knieen eifrig suchend, umher.
Verantwortlicher W.
Schriftleiter: 2L wehler
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(Nachdruck nicht gestattet.) Cpc. Essen (Ruhr), 18. Aug. 1906.
Esten ist zum Empfang seiner Gäste gerüstet. . Inniger als durch den reichen Fahnenschmuck, den die Stadt aufweist, macht sich der den Gästen entbotene Willkomm in den Herzen der Bevölkerung bemerkbar. Katholiken rätb Prote- stauten sind bestrebt gewesen, den Teilnehmern an der 53. Generalversammlung ein gastliches Heim zu bereiten. Und wmn die Aussichten für den Verlauf der diesjährigen Katholikenoersamm- lung günstig zu nennen find, so gebührt der Dank dafür nicht in letzter Linie denjenigen An- gehörigen der protestantischen Konfession in Esten, welche frei von konfessioneller Befangenheit, mit einer richtigen Würdigung der Bedeutung der Katholikenversammlungen für die Lösung der Zeitaufgaben das Bestreben verknüpft haben, auch ihrerseits wenigstens zum äußeren Gelingen der diesjährigen Tagung beizutragen. In biefer Beziehung hat es uns besonders angenehm berührt, daß das Direktorium der Firma Krupp auf das Ansuchen des Lokalkomitees an die einzelnen Betriebe einen Erlaß hat ergehen lasten, wonach Urlaubsgesuchen von Arbeitern, welche an der Katholiken-Versammlung teilnehmen wollen, weitestgehende Berücksichtigung werden soll. In diesem Erlaß liegt eine Anerkennung der Ziele unserer Kotho- likenversammlung. Und diese Anerkennung ist gerechtfertigt, denn die aber- und abertausende von Arbeitern, die in diesen Tagen nach Essen konnnen werden, sind keine Feinde der heutigen Gesellschaftsordnung, sind nicht Umstürzler von Thron und Altar, sondern Männer, die treu zu Kaiser und Christentum stehend, die Stätte harter Arbeit verkästen, um sich in ihren Idealen, an denen der feindliche Anstttrm abprallte, neu zu stärken und zu beleben. Nicht verschwommener Idealismus und Utopismus erfüllt sie, sondern die klare Erkenntnis, daß menschliches wahres Glück nur erblühen kann auf dem Boden der ewigen Wahrheiten, welche in der christlichen Kirche niedergelegt sind, und daß demnach nur das Christentum die Zeitübel überwinden kann.
Aber von diesem christlichen Geiste sind nicht nur unsere Arbeiter erfüllt, sondern ein gleiches ist der Fall bei allen jenen vielen anderen Tausenden, die in diesen Tagen ihren Wirkungskreis verlassen, um im Verein mit ihren Glaubensgenossen Zeugnis dafür abzulegen, daß sie treu zum Christentum, treu zu unserer Staatsordnung und treu zu unserem Kaiserhause halten. Möge der Segen dem Werke nicht fehlen, möge auch der Verlauf der 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zum Wohle unseres Vaterlandes beitragen und der Erkenntnis weitere Bahn brechen, daß nur durch die Entfaltung aller Kräfte des posittven Christentums, mögen sie sich auf dieser oder jener Seite finden, die Krankhellen unserer modernen Zeit auf fitt- lichem, sozialen und religiösem Gebiete bekämpft werden können.
das Mädchen so vernünftig wie Du und ich. Nimm sie mit Dir; ich kann sie nicht länger ansehen."
„Jetzt hört aber alles auf!" rief seine Gattin zornig. „Daß Du kein Lumen bist, wußte ich schon ange, aber für einen kompletten Esel habe ich Dich bis jetzt doch nicht gehalten. — Komm, Martha, h)ir wollen den Herrn Doktor von der jungen Dame befteien, damit sein zartes Gewissen durch ihre Gegenwart nicht noch mehr beunruhigt wird.
„Welcher Wärterin willst Du sie zuteilen?" fragte Herr Blair, seiner Gattin unter den zusammengezogenen Brauen hervor einen wütenden Blick zuschlcudernd.
„Karoline. Warum?"
„O, ich dachte nur so. — Gut, ich bin einverstanden. Karoline ist von der ganzen Bande die einzige, welche noch ein Herz im Leibe hat."
„Was zum Henker ist denn heute in Dich gefahren?" rief Frau Blair. „Du bist doch sonst kein altes Weib. Was macht Dich auf einmal so empfindsam?"
„Ich habe vorhin mit Fräulein Furber gesprochen", entgegnete er, sich abweiidend.
„Und?"
„Nichts. Ich habe sie ebenfalls zu Karoline geschickt."
„Weshalb? Weil sie eine gut zahlende Patientin ist, vermute ich", entgegnete er, ohne sie anzusehen. „Je länger sie am Leben bleibt, desto bester für uns. Die Eva ist ein rohes Geschöpf,; ich bin überzeligt, daß sie Fräulein Furber mißhan- beite."
„Nun, meinetwegen," knurrte Frau Blair. — „Komm', Martha!"
Herr Blair wandte sich seinem Frühstück wieder zu, während seine Frau und Martha mich auf's neue zwischen sich nahmen und mit mir die Halle verließen. Erst ging es durch ein Labyrinth von Gängen, dann eine Treppe hinauf, noch ein Gang, und eine Treppe, und jetzt befanden wir uns in einem geräumigen Korridor, in welchem 10 bis
Ei« Wille, ei« Weg.
Frei nach dem Englischen von I. Nemo.
24] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
Herr Blair, welcher sich zu seinem unterbrochenen Frühstück zurücksehnte, gab bald seine erfolglosen Ueberredungsversuche auf und mich fest, jedoch nicht roh am Arme ergreifend, öffnete er mit Gewalt meine krampfhaft geschlossenen Finger, worauf er mit einem Ausruf der Ueberraschung das Geld an sich nahm.
Einen Augenblick war ich unsicher, was ich hüt fottte. Ich mußte gegen meine Beraubung protestieren, wenn ich nicht aus der Rolle fallen wollte. Ueverdies würde ich früher oder später doch mein bisheriges Schweigen brechen müßen und der gegenwärtige Moment schien mir dazu sehr ge- ergnet zu sein. Ich trat daher hastig auf ihn zu und streckte die Hand aus.
„Gib mir mein Geld!" rief ich schrill. „Gib nur mein Geld! Ich will mein Geld haben!" ... Herr Blair wurde leichenblaß. „Judith, das lst graylrch", nef er.
„Gib mir mein Geld!" wiederholte ich. „Mein Geld! mein Geld!"
Frau Blair, während ihr t bebenden Händen die wenigen Sil-
berstncke wieder zustellte, worauf ich augenblicklich rn meinen vorigen apathischen Zustand zurücksank. «Du bist em Narr, Peter! sentimentale Anwandlungen hatte ich bei Dir nicht gesucht."
„Ich habe nicht Deine eisernen Nerven", ent- tzegnete er geärgert.
»Das sehe ich", meinte sie geringschätzend.
„Und ich darf hinzufügen, daß ich Dich nicht vor um beneide", knurrte er. „Gestern abend war
Cpt. Esse«, 19. August 1906.
Erster Tag.
Der Himmel hat ein Einsehen gehabt, feine Schleusen haben sich geschloffen unb über der Stadt Essen lagert Sonnenschein. Sonnenschein lagert auch auf den vielen Tausenden von Menschen, die seit der Frühe aus allm Windrichtungen eintreffm. In beit Straßen stauen sich die Massen und immer noch ergießen sich neue Scharen aus den Zügen. Zahllose Vereine ziehen unter Musik in die Stadt ein, um sich zum Festzuge auftustellen. Die Begeisterung teilt sich auch Andersgläubigen mit, denn eine solche Volkskundgebung kann an ihnen nicht spurlos vorübergehen. Von kirchlichen Würdenträgern find zahlreiche Begrüßungs-Schreiben eingelaufen, so vom Kardinal Fischer-Köln, von dem inzwischm Der» storbenen Bischof von Regensburg, vom Bischof von 9tepi und Sutry, vom Erzbischo von Utrecht, vom Abt von Maria-Laach, vom Weihbischof von Ermland, vom Bischo von Luxemburg, vom Weihbischof von Münster, vom Weihbischof von Paderborn, vom Bischof von Mainz, vom Abt von München- Andechs, vom Bischof von Trier, vom Bischo von Eichstätt, vom Bischof von Passau und Triest, vom Weihbischof von Breslau, vom Weihbischof von Köln, Regensburg und Straßburg, vom Bischof von Linz und anderen Herren.
Aus dem Mitgliederverzeichnis heben wir folgende namhafte Persönlichkeiten hervor: Kardinal Fischer, Erzbischof Nörber von Freiburg, Bischof Dingelstad von Münster, Bischof Schneider vom Paderborn, Bischo Voß von Osnabrück, Bischof Bertram von Hildesheim, Weihbischof Müller-Köln, Weihbischof Gockel- Paderborn, Weihbischof Knecht- Freiburg, Weihbischof Freiherr v. Ow-Regensburg, Reichstaasabg. Aichbichler, Oberbürgermeister Dr. Antoni-Fulda, Graf Arco- Zinneberg, Prinz Arenberg (Franz), Prinz Arenberg (Johann), Freiherr v. Archin, Freiherr v. Aufseß, Abg. Dr. Bachem, Präsident des Reichstags Graf Ballestrem, Abg. Dr. Becker, Graf v. Bodmann, Freiherr v. Bodmann, Fabrikbesitzer Brandts- M.-Gladbach, der Präsident des vorjährigen Lokalkomitees Burguburu, Abg. Burlage, Abg.Busch, Abg. Cahensly, Abg. Dr. Dahlem, Abg. Dasbach, Frhr. v. Dörth, Graf v. Drechsel - Denfstetten, Erbdroste Graf Vischering, Graf Wilhelm und Max Droste, Abg. Engelen, Abg. Erzberger, Abg. Fervers, Frhr. v. Frankenstein, Abg. Fritzen-Düsseldorf, Weihbischof Graf G alen, Graf Friedrich Galen, Abg. Gersten- berger, Abg. Giesberts, Abg. Gröber, Abg. Hauptmann, Abg. Dr. Frhr. v. Hert- ling, Abg. Graf Hompesch, Prälat Hülskamp, Abg. Dr. Jaeger, Abg. Jtschert, Abg. Kaute, Prälat Dr. Keller, Frhr. von Kerk er ick, Abg. Leppe lmann, Frhr. v.Lat- n er-Hüttenba ch Max, Frhr. Georg u. Ewald v. Los, Erbprinz Löwenstein, Fürst Löwenstein, Abg. Dr. Marcour, Abg. Marx, Prof. Mansbach, Freiherr von Mentzingen, Abg. Metzner, Abg. Mies,
Im Anschluß an unsere bisherige Mitteilung über das Essener Redeprogramm teilen wir nunmehr die Rednerliste mit. ES werden in den öffmrtlichen Versammlungen sprechen: Prof. Dr. Einig- Trier: Gottesglaube, Offenbarungsglaube unb Wissenschaft. Prof. Seiler 8. ^.-Feldkirch: Die Kirche und die soziale Frage. Arbettersekretär Giesberts, Reichstagsabgeordneter aus M.- Gladbach: Aufgabe der Katholiken bei Lösung der sozialen Frage. Reichs- und Landtagsabge- ordneter, Landgerichtsrat de Witt: DerKatholi! im wirtschaftlichen und öffenllichen Leben. ®ra: Friedrich v. Galen, Haus Affen: Bonifatius- Vereine und ChantaS. Ritter v. Kralik-Wien: Volksbildungsbestrebungen. Reichstagsabgeord- neter, OberlandesgerichtSrat Burlage-Oldenburg : Die römische Frage. Seminarpräses Laus- bet g-Köln: Die Frauen frage. Universitätsprofeffor Dr. Zahn-Sttaßburg: Erziehung durch die Kunst. Kaufmann 9tic. Rackö-Mainz: Familienleben und gesellschaftliches Leben nach christlicher Anschauung. Landtagsabgeordneter, Justizrat Dr. Porsch: Die Schulsrage. In der Generalversammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland am Dienstag werden reden Oberlandesgerichtsrat Marx-Köln und Kaplan Druders-Münster i. W.
Außer den bereits erwähnten Kirchenfürsten wird auch der Weihbischof Müller-Köln an der Katholikenversammlung teilnehmen. Die Zah der Mitglieder, die bis jetzt an 4000 beträgt, ist dauernd im Steigen begriffen unb namentlic muß es als ein erfreuliches Ereignis bezeichnen werden, daß sich zahlreiche Arbeiter als volle Mitglieder haben eintragen lassen. Der Adel wird auch in diesem Jahre wieder ftar! vertreten sein. Verschiedene illustre Persönlichkeiten, darunter der Präsident der vorjährigen Katho- likenversammkung, Erbprinz Löwenstein mit Gemahlin und der Präsident des Zentralkomitees, Graf Droste zu Vischering Erbdroste. Das schöne Geschlecht bekundet in diesem Jahre ein besonderes Interesse für den Katholikentag, es sind bereits über 600 Damenkarten verkauft worden. Die Teilnahme an den Arbeiterfestzügen und Versammlungen hat sich nicht so beschränken kaffen, wie man beabsichttgte. Vielfach hat man den dringenden Sitten von auswärtigen Arbeitervereinen um Zulassung nicht widerstehen können, und so ist es nicht unwahrscheinlich, daß am Sonntag in 16 Sälen zu gleicher Zeit Arbeiter- veisammlnngen stattfinden, also noch einmal so viele wie in Straßburg. —
Ein Besuch bei Krupp. Was wenigen Sterblichen, wfern sie nicht zu illustren Staats- oder Militärpersonen gehören, vergönnt ist, ist heute in anbetracht der Essener Katho- likenveUammlung einer beschränkten Anzahl von Teilnehmern an derselben vergönnt gewesen: nämlich ein Besuch der Kruppschen Werke. Dank )en liebenswürdigen Bemühungen des Vor- rtzenden der Preßkommission, Herrn Ver- egers Eduard Buß-Essen hatte sich >as Direktorium der Krupp'schen Werke rereit erklärt, eine Anzahl Herren die Etab- iffements besichtigen zu lassen. An der Besich- igung nahmen teil die verschiedenen Herren des Zentralkomitees, so dessen Vorsitzender Graf Droste-Vischering-Erbdroste., ferner Graf Oppersdorf, Graf Galen, Erbprinz Löwen- tein, der Präsident der vorjährigen Katholikentagung. zahlreiche Abgeordnete, wie Landgerichtsrat Gröber, Justizrat Dr. Porsch, Oberandesgerichtsrat Burlage, Oberlandesgerichts
rat Wellstet«, Kommerzienrat Eahensly, I Abg. Müller-Fulda, Dr. Müller-Si- Geh. JustiMt Roer en u. a., sowie eine Reihe | monis, Graf v. Oppersdorf, Abg. Dr. von Vertteter« der katholischen Presse. .Opfergelt, Frhr. Max und Sigmund von
^Pfetten, Abg. Dr. Pichler, Generaldirektor ' Dr. Pieper, Graf Plettenberg-Lechhausen,
votatio«,druck u. Verlag der Zuldaer Ar-
Monatrbellage r „Krlöaer Geschichttblätter" zerusprecher Ur. 9.
, Generalversammlung des Augustinusvereins.
Derselben war eine längere Vorstandssitzung ! voraufgegangen, sie tagte vormittags 11 Uhr im ■ prächtigen Kruppsaale des städtischen Saalbaues ■ unter recht zahlreicher Beteiligung. Unter den i Anwesenden bemerkten wir den Prälaten Hüls- : kamp-München, die Reichstagsabgeordneten
, D asb ach, Dr. Erzberger, Gerstenberger, ■ die Mitglieder des Abgeordnetenhauses, Vizepräsident Dr. Porsch-Breslau, Marx-Elberfeld, Cahensly, Herold, Rentner Bach- . man n-Straßburg u. A. In seiner Begrüßungsrede betonte der Vorsitzende, Herr Otto, nachdrücklich, daß die Generalversammlung des Augustinusvereins mit der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands absolut nichts zu tun habe. Deshalb sei auch früher niemals die Anzeige der Generalversammlung des Augustinusvereins in das Programm des Katholikentages ausgenommen; gelegentlich sei sie später in das Programm der „besonderen Veranstaltungen" ausgenommen und auch diesmal versehentlich trotz des entgegenstehenden ausgesprochenen Wunsches. Der Augustinusverein tage — aus Bequem- lichkeit — nur zu der gleichen Zeit. Während die Katholikenversammlung unpolitisch sei, habe der Augustinusverein gerade sich mit politischen Dingen zu befassen." — In de« Vorstand wurde an Stelle des Herrn Kleinstreuer Herr Redatteur Hank am mer-Essen gewählt. Nach kurzer Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten erörterte man die politische Lage nach einer Ansprache des Abg. Justizrats Dr. Porsch- Breslau und einem Bericht des Abg. Oberlandesgerichtsrats Marx. Heber diese Beratungen wird im Vereinsorgan ausführlich s. Z. berichtet werden. An der Besprechung beteiligten sich die Herren 9tienkemper-Berlin, Abg. Dasbach und Dr. Hüsgen-Düffeldorf. Gegen Vr2 Uhr wurde die Versammlung mit den üblichen Dankes- roorten geschlossen. Daran knüpfte sich ein gemeinsames Mittagessen.
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B. Essen, 19. Aug* 1906. (Priv.-Telegr.). Der Festzug der Arbeiter-, Gesellen- und Knappenvereine, setzte sich heute nachmittag gegen 3 Uhr in Bewegung. An demselben nahmen 400 Vereine mit mehr als 45,000 Personen teil. Er bot ein hehres Bild der Prinzipientreue unserer katholischen Arbeiterschaft. Viele Musikchöre waren in dem außerordentlich langen Zuge, dessen reicher Fahnenschmuck im Winde flatterte, verteilt. Besonders schön nahmen sich die Bergknappen in Uniform und Grubenlichter in der Hand aus. Das Wetter ist trübe, ohne erheblichen Regen.
„Mein Geld!" murmelte ich.
„Stehen Sie auf!" herrschte Frau Blair mich an, mich rauh am Arme fassend.
„Erst muß ich mein Geld wieder haben", jammerte ich, mich losreißend. „Mein Geld! Wo ist mein Geld?"
„Ein eigensinnigeres Geschöpf ist mir noch nicht vorgekommen", lief Frau Blair zornig. „Hör' doch einmal den Spettakel!" fuhr sie in einem anderen Tone fort. „Martha, Du mußt sie nun allein weiter transportieren. Sorge dafür, daß ie etwas zu essen bekommt."
„Gut, Madame."
„Und gib Karoline einen Wink, daß es ihr Schaden nicht sein wird, wenn sie in dieser Sache zu uns hätt."
Em Wutgeschrei, lautet und durchdringender, als alle Ungeduld eilte sie davon. Etwa zwanzig Schritte weiter befand süh eine Tür. Frau Blair öffnete diese und verschwand.
Eine halbe Minute dauerte der Lärm noch fort und dann wurde es plötzlich totenstill, so still, daß es mir war, als könne ich die Schläge meine» Herzens deutlich hören.
„Das wußte ich", murmelte Martha bewun- oernd. „Ich glaube, sie würde es mit dem leibhaftigen Gottseibeiuns aufnehmen. Die rasende Reute würde den Doktor zerrissen haben, aber ie braucht sich nur zu zeigen, dann muckt keiner mehr. Sie ist eine wundervolle Frau — eine wundervolle Frau. — Nun, Fräulein Humpbries", fügte sie lauter hinzu, „haben Sie Ihr Geld jetzt wieder gefunden?"
Ich antwortete nicht, doch ich widersetzte urich ebensowenig, als sie mich vom Boden emporzog; ich fühlte, daß ich jetzt meinen Gesichtsausdruck wieder in meiner Gewalt hatte, und somit war ein weiteres Zögern überflüssig.
Wir fetzten also unseren Wog fort und machten kurz darauf in einem kleinen Vorzimmer Halt. Martha klopfte an eine Tür, welche der, durch die