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zuldaer W Zeitung

verantwortlicher

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33, Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 16. August 1906.

M 186.

Kotati onrdruS #. Verlag der 5«ldaer Ac> tiendrncterei in 8«lda Fernsprecher Nr. 9.

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rnonatsbeüage: „Fuldaer GeschtchUbMrr"

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Schriftleiter. A.we zier

Ä-Sft. w-chenb-ii°g--. „ZllustrierteSonntagrreitung

Zur Zusammenkunft des Kaisers Wil-

♦

Ein Wille, ein

eg.

Deutsches Reich.

Berlin, den 15. August 1906.

kommen."

* Der Kaiser über Nordamerika. Der Kaiser empfing am Dienstag in Wilhelmshöhe nochmals den Herausgeber der,New-Aorker Staatszeitung', Herrn Ridder. Er bekundete in der Unterredung mit Herrn Ridder großes Interesse für die amerikanischen Verhältnisse und erklärte, daß er selbst gern nach den Bereinigten Staaten käme, um' diese aus eigener Anschauung kennen zu fernen und den Präsidenten Roosevelt, den er bewundere, zu begrüßen.

* In der Angelegenheit des Major Fischer soll der Abg. Erzberger einem Vertreter der ,Deuischen Schuh- und Lederwelt' gesagt haben, die gegen den Major Fischer schwebende Unter­suchung habe, wie er positiv wisse, ergeben, daß Bestechungen vorgekommen seien. Die ,Deutsche Tageszeitung' ist der Meinung, der Abg. Erz­berger werde nicht umhin können, sich darüber auszusprechen, ob er das wirklich dem Vertreter des genannten Blattes gesagt habe. Und wenn er es gesagt habe, dann werde die Frage aufge­worfen und beantwortet werden müssen, woher er seine Kenntnis habe Die Untersuchung werde bekanntlich geheim geführt.

* Ein Postvertrag zwischen Deutschland, England und Belgien einerseits und den Nied er -

„Blair. Aber höre jetzt gefälligst mit Deinen Fragen auf; ich möchte eine Minute ausruhen."

Sich in einen der hochlehnigen Sessel nieder­lassend, nahm er eine auf dem Tisch liegende Zei­tung auf, hinter welcher sein Gesicht unmittelbar darauf vollständig für mich verschwand.

Ich beobachtete ihn einige Augenblicke im Stil­len. Er schien sich immer noch nicht ganz von sei­nem Ohnmachtsanfall erholt zu haben, denn feine Händen bebten so, daß er sicher nicht imstande war, auch nur ein Wort zu lesen. Wahrscheinlich gab er sich nur deshalb den Anschein, es zu tun, um mir die Gelegenheit zu weiteren Fragen abzu­schneiden.

Herr Blair ließ uns lange warten. Zum Zeit­vertreib wanderte ich langsam an den Wänden entlang, um mir die dort hängenden Gemälde an­zusehen. Verschiedene von diesen schienen wirk­lich nicht übel zu sein, aber sie hingen sämtlich so hoch, als solle ihr Anblick den Riesen oder den Engeln Vorbehalten bleiben. Selbst auf den Zehen stehend, war es mir unmöglich, mit der ausgestreck­ten Hand den Rahmen des am niedrigsten hängen­den zu erreichen, wie ich nach einem vergeblichen Versuche fand.

lieber meine eigene Torheit tn mich htnem lachend, wollte ich eben weiter schreiten, als ich zu meiner unsäglichen Verlegenheit und Verwirrung bemerkte, daß mein Tun nicht unbeachtet geblieben war. Mitten im Zimmer standen zwei Personen, ein Herr und eine Dame, und beide sahen zu mir herüber, nicht amüsiert, nicht spöttisch, selbst nicht unwillig, eiskalt. Eine Sekunde starrten wir ein­ander an, dann schritt das Paar, ohne weiter Notiz von mir zu nehmen, auf meinen Onkel zu. Dieser saß noch in derselben Haltung da; augenschienlich batte er den Eintritt unseres Gastherrn und seiner Ehehälfte eben so wenig bemerkt, als ich, denn er fuhr mit einem lauten Aufschrei von seinem Stuhle empor.

„Ich fürchte, wir haben Sie erschreckt, Herr Humvbries". saate der Hausherr bedauernd. Seine

welche ihrer Meinung nach von den Wählern gut geheißen werden würden. Eine ausreichende Fr- nanzrefonn hätte der Einsender in einer aus­reichenden Besteuerung des Alkohols gesehen. Daß iir eine solche Besteuerung die Mehrheit des Reichstags unmöglich zu haben war, wird wohl aber Graf Strachwitz selber wissen. Die „Deutsche Tagesztg." wirst in einer Nachschrift dem Zen­trum vor, daß es in der Kommission nicht auch dem Ausfuhrzoll auf Kali, der Biersteuer und einer Erhöhung der Börsensteuer zugestimmt habe. Dann hätte man auf den Fahrkartenstempel fast ganz verzichten ober ihn doch ganz erheblich er­niedrigen können.

Mit vielen Wenn und Aber läßt sich ja man- cherlei beweisen. Wenn die Besprechung der Reichsfiuanzreform in der Weise weiter geht, dann kommen wir schließlich zu einem circulus vitiosus, wobei schließlich immer eine Partei der anderen >ie Verantwortung für die neuen Steuern auf­bürdet. Selbst gegenüber den mancherlei Härten, die sich in der finden Zeit des Bestehens gezeigt haben und die wir durchaus nicht ableugnen, wird es wohl aber im Interesse der Sache selbst geraten ein, zunächst einmal für längere Zeit das Ge- ämturteil zurückzustellen.

ausreichender Zahl zur Verfügung. Die Ver- sendung von Karten wird Donnerstag abend ge- fchlofsen, wer die bestellten Karten nicht erhält, wird freundlichst gebeten, sie während der Tagung vom 18. d. Mts. an im Bureau der Anmewe-Kommission, städtischer Saalbau, Ein­gang links, in Empfang zu nehmen.

** Berlin, 15. August 1906. Das Kaifer - paar wird, wie der „Berl. Lokalanz." wissen will, der im Oktober d. I. stattfindenden Hochzeit des Fräuleins Bertha Krupp mit dem Legations­rat Dr. von Bohlen und Halbach beiwohnen. — Der katholische Divisionspfarrer der 11. Division Doeringist zum Oberpfarrer ernannt worden; er ist den Generalkommandos des 5. und 6. Ar­meekorps mit dem Amtssitz in Breslau zugeteilt. — Der Geheime Oberregierungsrat Professor Dr. Kofer in Berlin ist im Nebenamte zum Vor­sitzenden der Zentraldirektion der Monumenta ger- maniae historica ernannt worden. — Dem frühe­ren Handelsminister von Möller ist die Er­laubnis zur Anlegung des ihn verliehenen russi­schen weißen Adlerordens, dem Polizeiobersten K r a u s e zu Berlin die Erlaubnis zur Anlegung des russischen St. Annenordens 2. Klasse erteilt worden. — Dem früheren Gouverneur von Süd­westafrika, Generalmajor a. D. Leutwein, ist die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehe­nen bayerischen Militärverdienstordens 2. Klasse mit Schwertern und des Komturkreuzes 2. Klasse des sächsischen Albrechtordens erteilt worden.

mußte es drinnen ziemlich dunkel sein, da ein schweres Drahtgeflecht die untere Hälfte derselben bedeckte.

Augenscheinlich hatte man unser Kommen be­reits bemerkt, denn in dem Moment, wo wir an- hielten, öffnete sich die Haustüre, und ein Mann in einer Art Livree trat heraus, um uns beim Aussteigeu behilflich zu fein.

Wir standen in der Halle — ein weiter kahler Raum.

„Enstchuldigen Sie einen Augenblick. Es ist uns streng vorgefchrieben, die Türe immer ge­schlossen und verriegelt zu halten. In einem Hause, wie dieses, weiß mau natürlich nie, was geschehen kann."

Mein Onkel nickte stumm, und ich sah mit Er­staunen, wie ein schwerer Riegel nach dem andern vorgeschoben wurde, bis die Haustüre in einer Weise verbarrikadiert ward, als stehe eine feind­liche Armee sturmbereit vor dem Tore.

„Darf ich jetzt bitten?"

Wir folgten unserem Führer, der uns in ein anstoßendes Zimmer treten ließ und sich bann entfernte, um feine Herrschaft von unserer An­kunft zu benachrichtigen. Ich sah mich neugierig um. Der Raum, in welchem wir uns befanben, war burchaus in Uebereinftimmung mit dem Cha­rakter des ganzen Gebäudes: düster, kahl, ge­fängnisartig. Bei der Anschaffung der Möbef hatte man augenscheinlich nur die Dauerhaftig­keit berücksichtigt, ohne irgend welche Ansprüche an Zierlichkeit oder Eleganz zu stellen. Von Blu­men, Nippsachen und sonstigen Kleinigkeiten, wel­che man in einem Salon zu finden erwartet, nicht die Spur. Der Freund meines Onkels mußte ent­weder ein Sonderling ober ein Geizhals sein. Und wie totenstill war es in diesem großen Hausei

„Onkel, wer ist Dein Freund? " fragte ich mit einem unwillkürlichen Schauder. „Kenne ich ihn?"

Nein "

''Wie heißt er?"

anben andererseits ist nach der »Deutschen Wochen- tg. für die Niederlande' vereinbart worden und oll am 1. November 1907 in Kraft treten. Als )ie hauptsächlichsten Bestimmungen des Vertrages werden folgende bezeichnet: Das Gewicht der ge­wöhnlichen Briefe, welche von den Niederlanden aus nach einem der drei Staaten ober von bort jer nach den Niederlanben verfanbt werben, wirb von 15 Gramm auf 20 Gramm erhöht und das Porto von 25 Zentimes auf 20 ZentimeZ er­mäßigt. Auch bas Porto für Drucksachen ein­schließlich Zeitungen erfährt eine Herabsetzung. Das Gewicht ber nach ben Niederlanden zu ver- endenden Postpakete wirb von 5 auf 10 Kilo­gramm erhöht. England, heißt es, habe sich einen besonderen Vorteil dadurch zu verschaffen gewußt, daß es das Gewicht von einer englischen Inze — 28 Gramm für gewöhnliche, nach ben Niederlanben zu oerfenbenbe Briefe ohne Porto­erhöhung beibehalte.

* Der frühere bayerische Finanzminister Freiherr von Riedel ist in der Nacht zum Dienstag kurz 'nach einer Darmfisteloperation, welcher er sich in ber chirurgischen Klinik des Professors v. Angerer unterzogen hatte, ge­storben. Freiherr von Riedel war schon seit längerer Zeit krank. Als er am 24. Oktober 1904 sein Entlassungsgesuch einreichte und mit Gesundheitsrücksichten begründete, war dieser Grund tatsächlich zutreffend. Dazu kam auch fein vorgeschrittenes Alter in betracht, nicht minder ein arbeitsreiches Leben auf einem sehr verantwortungsvollen Posten. Der nunmehr Verewigte stand im 75. Lebensjahre. Von ber Zentrumspartei in Bayern ist ihm bet seinem Abschiebe vom Finanzministerium eine wohlver- biente Anerkennung ausgesprochen worden, wie auch seitens des bayerischen Hofes ihm bas ehrenvollste Zeugnis ausgestellt würbe, daß er „in bewegter Zeit vollste Hingabe an die Dynastie" bewiesen habe, worin zweifellos an das große Geschick hingewiesen wurde, mit dem Freiherr von Riedel nach dem Hinscheiben bes Königs Ludwig II. die damalige Finanzlage ber Krone geregelt hat. Bayern wird um seinen tüchtigen Finanzminister Frhrn. von Riedel mit Recht trauern.

* 53. Generalversammlnng der Katholiken Deutschlands. Von hohen geistlichen Wür- den trägem haben bisher ihr Erscheinen zuge­sagt: Seine Eminenz ber Hochwürdigste Herr Kardinal Fischer, Erzbischof von Köln, Seine Eminenz der Hochwürdigste Herr Kardinal Vincenzo Vanutelli aus Rom, Seine Exzellenz der päpstliche Nuntius C. Caputo (Erzbischof von Nicomedien) zu München, ferner die Hoch- würdigsten Herrn Bischöfe bezw. Weihbischöfe Hermann Dingelstab von Münster, Dr. Joseph Müller von Köln, V. M. van ben Branben be Reeth von Mecheln, ferner ber Hochwürdigste Abt D. H. M. Renzel ber Benediktiner-Abtei Merkelbeck. Vom katholischen Abel sinb in den letzten Tagen noch zahlreiche Anmeldungen ein­gangen. — Die Gesamtzahl der bisher angemel­deten Mitglieder beträgt 3600, darunter über 1800 ständige. — Es wird dringend gebeten, noch beabsichtigte Anmeldungen und_ Wohnungs­gesuche sofort einzureichen, damit sie noch vor der Versallunlung erledigt werden können. Adressen für die Anmeldungen: Buchhändler Körn gen, Effen-West, für die Wohnungs­gesuche Kaufmann I. van Gemmeren, Sleeler-Chaussee 57 I. Wohnungen stehen in

Frei nach dem Englischen von I. N e m o.

19] (Nachdruck verboten.)

Schweigend gehorchte ich.

„Nicht wahr, Du gibst jetzt die Absicht auf, dre- feit Herrn zu besuchen?" sagte ich, nachdem ich meinen Platz wieder eingenommen hatte.

„Um Himmelswillen, Hilda, verschone mich mit Deinen Ratschlägen", entgegnete er heiser. „Ich weiß selbst, was ich zu tun habe. Wenn Du mich nur eine Minute in Ruhe läßt, so wird s mir schon besser werden."

Eine Weile saßen wir schweigend da, banr brachte mein Onkel mit einem Ruck am Zuge das Pferd wieder in Bewegung, und wir setzten unseren Weg fort.

In der Ferne wurde eine Baumgruppe sichtbar, inmitten welcher sich ein ausgedehntes Gebäude erhob. Eine hohe Mauer umgab , die Besitzung, und als wir bald darauf vor dem eisernen Gitter­tor anlangten, bemerkte ich, daß auf demselben mt großen vergoldeten Buchstaben der Name Crau- hurst prangte.

Cranhurstl Wo hatte ich den Namen früher gehört? Ich konnte mich dessen nicht mehr er­innern, ich wußte nur, daß derselbe mir nicht ganz unbekannt war.

Ein schon ziemlich bejahrter Mann öffnete jetzi das Tor, und eine schattige Kastanienallee nahm uns auf. Der parkartige Garten war, soweit ich ihn übersehen konnte, sehr gut unterhalten und machte einen angenehmen, freundlichen Eindruck. Das Haus jedoch, welches jetzt sichtbar wurde, hatte entschieden etwas Gefängnisartiges. Es war von dunkelroten Bausteinen aufgeführt und bestand aus einem breiten Hauptgebäude, an wel- ches sich rechts und links mächtige Flügel an- schloffen. An Fenstern fehlte es nicht, trotzdem

Der Zündenbock für die neuen Steuern.

Die neuen Steuern sind im allgemeinen seit Mn 1. Juli d. I. in Kraft, abgesehen von der Fahrkartensteuer, die seit Anfang dieses Monats besteht. Die Zeit ist zu kurz, um schon jetzt Be­trachtungen über die finanziellen Ergebnisse an- stellen zu können, Wohl aber kann man im allge- meüten behaupten, daß durch die neuen Steuern die Volksseele durchaus nicht so stark ins Kochen gekommen ist, wie die Gegner der Reichsfiuanz- reform behaupteten. Neue Steuern werden ja immer mit nassen Augen begrüßt werden, all­mählich aber wird man sich, wie bei früheren Ge­legenheiten beruhigen. Die Fahrkartensteuer z. B. hat auf den riesenhaften Sonntagsverkehr Ber- lins, der sich zum großen Teil jenseits der steuer­freien Zone bewegt, bisher gar feinen Einfluß gehabt. Allerdings wird man sich mit dem ab­schließenden Urteil noch einige Ersahrungs- monate gedulden müssen. Es sind einige phan­tastische Pläne aufgetaucht, um die Steuer un­wirksam zu machen, wie die alleinige Benutzung der vierten Klasse. Und der Grimm gegen die Erhöhung des Ortsportos kam dadurch zum Aus­druck, daß große Geschäftshäuser ihre Postsachen, die nicht unter das Postregal fallen, von besonde­ren Boten bestellen ließen. Diese Art des Pro­testes hat nicht viel Anklang gefunden, und die Zeit ist nicht fern, wo die Gegenbewegung gegen den überwiegenden Teil der neuen Steuern voll­ständig einksefchlafen sein wird. Von der Brau­steuer kann man das ganz so bestimmt nicht be- hailpfen, es wird das Ende der Protestbewegung abhängig sein von dem Ausgange des Kampfes, der zwischen Wirten und Brauereien über die Frage entbrannt ist, wer die Braustener tragen soll. Daß einzelne Berufsgattungen unter den neuen Steuern mehr leiden als die Allgemeinheit im Durchschnitt, ist eine Eigentümlichkeit, die alle Steuern an sich haben, und daß diese Berufsgat­tungen in den ihnen nahestehenden Blättern nach dem Sündenbock für die Belastung ihres Geld­beutels fachen, liegt in der menschlichen Natur begründet.

Die „Post" hatte, wie wir schon,erörterten, die freisinnigen Parteien für die unbeliebtesten neuen Stellern veranwortlich gemacht. Jetzt konimt die „Kreuzztg." und konstatiert kurz und gut, daß das Zentrum und der Freisinn die Schuld daran trage, daß bei der Eröffnung neuer Steuerquellen auf das unbequeme und unpopuläre Objekt wie Fahr­kartensteuer und Erhöhung des Ortsportos, sowie auf Srböbung der vom Bundesrat vorgefchlagenen Erbschaftssteuer zurückgegriffen werden mußte. Nur mit schwerem Herzen haben die Konservativen, so sagt das Blatt, sich entschließen können, der jetzt so bitter beklagten Fahrkartensteuer zuzu­stimmen. Sie habe das Opfer ihrer Zustimmung bringen müssen, weil sie die Verantwortung an dem Fortbestehen der Reichsfinanznot und an dem Scheitern des Flotteugesetzes, sowie der Militär- pensionsgesetze nicht übernehmen konnte. Und dann betont das Organ der Konservativen, daß die Partei auf dem reckten Wege war, als sie den Schwerpunkt der Reichsfinanzreform auf die kräf­tige Brausteuererhöhung legte. Zu ganz anderen Auffaffimgen kommt das Mitglied des preußischen Abgeordnetenhaiises, Gras Strachwitz-Bertelsdorf, in einer Zuschrift an die „Deutsche Tagesztg.", der seinerseits wieder meint, nicht der Reichstag — bei seiner ausschlaggebenden Stellung also in erster Linie das Zentrum — trage die Verantwor­tung für die Art der Steuerreformen, sondern allein die Reichsregierung. Nicht der Reichstag habe die Fühlung mit dem Volke verloren, sondern die Reichsregierung. Graf Strachwitz meint, man dürfe es den Parteien im Reichstage nicht vor­werfen, daß sie Steuern vorgeschlagen haben,

Helm mit dem König Eduard von England in Friedrichshof bei Kronberg schreibt die ,Nordd. Allgem. 31g.': „Wir freuen uns, daß dieses Wiedersehen der beiden Monarchen wie in der englischen auch in der deutschen Presse fast überall mit Sympathie begrüßt worden ist. An ben hier und da laut gewordenen Vermutungen über be­sondere politische Gründe der Begegnung können wir uns nicht beteiligen. Der wirkliche Wert der Zusammenkunft erscheint uns auch ohne solche Kombinationen nicht gering. Wir hoffen, daß die Aussprache der Staatsoberhäupter Deutsch­lands und Großbritanniens der Festigung des Weltsriedens dienen werde. In Uebereinstimmung mit allen, die zu beiden Seiten des Kanals von entgegenkommenden Gesinnungen erfüllt sind, heißen wir Se. Maj. den König ehrerbietig will-

Aurland.

* An dem Ehrgeiz Kaiser Wilhelms zur See und seiner Minister Anstoß zu nehmen, er­klärt der in London erscheinende.Standard' in einem Artikel über König Eduard und Kaiser Wilhelm sei für die Engländer un­vernünftig. „Wir sind stolz darauf, verstän­dige und gutmütige Völker zu sein, und wir wollen damit warten, uns zu streiten, bifr wir etwas haben, um das wir streiten."

* Der Papst und das französische Tren­nungsgesetz. Der ,Offervatore Romano' ver­öffentlicht eine Note des hl. Vaters an die Bischöfe Frankreichs, worin er zunächst an ein früheres Versprechen erinnert, bei paffender Gelegenheit aufs neue das Wort zu ergreifen zur Verteidigung der kirchlichen Jntereffen Frank­reichs. Bis heute habe er gewartet nicht allein wegen der Wichttgkeit dieser schwerwiegenden Frage, sondern auch aus besonderer Liebe zu den Bischöfen und deren Interessen und wegen der unvergeßlichen Dienste der französischen Nation für die Kirche. Nach pflichtgemäßer Ver- utteilung des Trennungsgesetzes habe der Papst sorgfältig geprüft, ob die Artikel des GesetzeS eintge Mittel zuließen, das religiöse Leben Frank­reichs zu organisieren ohne Verletzung der kirch­lichen Prinzipien. „Wir hörten den Beschluß deS vereinigten Episkopats und mehrerer Kardinäle an und jetzt, nach vielem Nachdenken und Gebet entschließen wir uns vollständig, eure fast ein­stimmige Entscheidung gutzuheißm: KuktuS- Vereinigungen nach den gesetzlichen Vor­schriften können nicht gebildet werden ohne Verletzung der heiligen Rechte der Kirche." Abgesehen von diesen verbotenen Vereinigungen sei die Prüfung wünschenswert, ob an deren Stelle andere nach legalem kanoni­schem Rechte gebildete gesetzt werden könnten, um die Katholiken Frankreichs vor schweren Ver­wickelungen zu behüten. Der Papst spornt die Bischöfe an, ans Werk zu gehen mit Zuhilfe« Stimme war keineswegs wohllautend, überhaupt machte Herr Blair in seiner ganzen Erscheinung einen nicht weniger als gewinnenden Eindruck. Seine Gesichtsfarbe spielte ins Gelbliche; er hatte kleine, tiefliegende, pechschwarze Augen und weit vorstehende Zähne, die ihm etwas Raubtrerartige» gaben. Doch wie wenig günstig das Aeußere de» Herrn Blair fein mochte, das seiner Frau war noch unendlich abstoßender. Nicht, daß ihre Zuge an und für sich häßlich gewesen wären, im Gegen- teil, sie war sogar in gewissem Sinne eme schone Frau. Trotzdem rann es mir kalt durch alle Glie­der, als ich sie genauer betrachtete. Das farblose Gesicht, die dünnen, fest geschlossenen Lippen, da» seltsame Licht, welches in den Tiefen ihrer dunklen Augen brannte, alles an ihr flößte mir eine fast abergläubische Furcht ein. Wäre ich eine Orien­talin gewesen, so würde ich sie für einen Vampyr oder einen Ghaul gehalten haben.

„Erschreckt? So eigentlich doch nicht," entgeg­nete mein Onkel, sich zu einem Lächeln zwingend. „Das ist meine Nichte," fuhr er rasch fort. „Die junge Dame, über welche ich neulich mit Ihnen sprach."

Vier Augen wandten sich zu mir und betrachte­ten mich kalt forschend vorn Kopf bis zu den Fußen. Eine Erwiderung meiner Verbeugung wurde augenscheinlich für überflüssig gehalten.

„Ich hoffe, Sie werden mein kindisches ge­tragen von vorhin entschuldigen," sagte ich, wah­rend das Blut mir zu Kopf stieg, halb vor Unwil­len und halb vor Verlegenheit. .....

Frau Blair zog die Brauen hoch hinauf und warf ihrem Gatten einen vielsagenden Blick zu.

„Bitte, das hat nichts zu bedeuten. Was Sie taten, war durchaus harmlos. Uebngens sind wrr hier an dergleichen Dinge zu sehr gewohnt, um viel darauf zu achten."

Ich biß Mich geärgert auf die Lippen. Als ich mich umwandte, sah ich, daß mein Onkel und Herr Blair, in eifriger Unterhaltung begriffen, am Fenster standen.