Wh-I «ti-tich, mit Uarmch«« ter Somn im* Seiet tagt. Dtertrb jil.ri. vezugrprei» ohne Bringer le Ijw an* Befi eflgeto in Seite en* aasmärtr 1M. 50 pfg.
Verantwortlicher rchriftleiter: «.Wehlek snr *ie Xnjeigen J. PatjeUet in Seite.
Zuldaer
wochenbeuage:„Ivuftriette5onntagszettung"
Monatsbeilage: „Zuldaer Geschichtrblätter"
«n z eigen: Vie einspaltige Petitzelle oter beten Bannt 1» pfg. Refiamen die petitzelle 25 pfg.; bei mietet- Holungen wird entspr
Sadatt gewährt.
BotationsSruck ü. Verlag der Sulteer «<• tienbraderei in Selb«.
Sernsprecher Ur. 9.
185.
Fulda, Dienstag den 14. August 1906.
33, Jahrgang.
Kommende Zleischnot?
Der rn Königsberg stattgehabte deutsche Fleischerverbandstag hat eine Resolution ange- ,nommen, in der festgestellt wird, daß zur Zeit die Preise für Rindvieh und Schafe im Vergleich zum Vorjahre noch höher und die für Schweine gleich hoch gestiegen sind und voraussichtlich noch weiter steigen werden. Wenn sich diese Voraussage bewahrheiten sollte, dann stehen wir also in absehbarer Zeit vor einer Fleischnotkalamität in noch größeren! Umfange wie vor einem Jahre. Daß die Frage nicht ohne weiteres ins Reich der Fabel zu verweisen ist, beweisen die Preiszahlen. Rinder koste» jetzt pro Zentner 81 <#,, im Vorjahre 75,50, Schweine jetzt 69, im Vorjahre 66, Kälber jetzt 90, im Vorjahre 87,72 «M. Einen weiteren Beweis, daß die Frage einen ernsthaften Hintergrund hat, sehen wir in der Tatsache, daß man sich mit ihr auch im Landwirtschaftsmini st erium beschäftigt hat. Der Herr Landwirtschaftsminister hat bereits vor einiger Zeit an die Landwirt- fchaftskammern ein Rundschreiben gerichtet, in welchem er die Erwartung ausspricht, daß die Landwirtschaftskammern der Entwickelung der heimischen Viehzucht auf allen Gebieten die größte Aufmerksamkeit schenken und angestrengt daran Mitarbeiten, die im vorigen Jahre zutage getretene und auch jetzt noch nicht überall behobenen Schwie- rigkeiten in der Fleischversorgung zu beseftigen, um ähnlichen Vorkommnissen für die Zukunft vor- zubeugen. In der Tat, die Landwirtschaftskammern haben alle Ursache, dafür zu sorgen, daß nicht wieder als „vorübergehende Erscheinung" eine Preissteigerung des wichtigsten Nahrungsmittels eintritt, die das Budget jedes Einzelnen ganz ungebührlich belastet. Man hat seinerzeit von Seiten der Landwirte die Schlächter, von Seiten der Schlächter wieder die Landwirtschaft für die hohen Preise verantwortlich gemacht . Nach der Meinung des Landwirtschaftsministers scheinen aber doch die Ursachen mehr bei der Landwirtschaft gelegen zu haben.
In Sachverständigenkreisen sieht man übrigens die gegenwärtigen Preise durchaus nicht als erhöhte Normalpreise an, wie sie in den Monaten Juli, August und September immer notiert werden. Man ist von dem neuen Steigen der Fleisch- Preise überrascht, zumal man nach der guten Ernte des Vorjahres und da auch diesmal eine solche zu erhoffen ist, wenigstens ein Gleichbleiben der Preise erwartet hat.
Einen Grund für den gegenwärttg geringen Auftrieb an Vieh sieht man darin, daß angesichts der guten Heuernte die Landwirte ihr Vieh noch zurückhalten, um dieses zur Aufbesserung ihrer Bestände zu benutzen, die infolge der Dürre des Jahres 1904 herabgegangen waren.
Wir wollen hoffen, daß die gegenwärttgen Preise wirklich nur eine vorübergehende Erscheinung sind und daß nicht diejenigen recht behalten, welche meinen, daß die im vorigen Jahre veranstaltete Statistik über den Viehbestand Deutschlands gar kein richtiges Bild über die wirkliche Situation gegeben hat und daß unsere Landwirtschaft bei ihrer gegenwärtigen Zuchtmethode noch nicht imstande ist, den Bedarf für das gesamte Land allein zu decken.
* Lin ertragreicher landwirtschaftlicher Betriebszweig
ist der Obstbau; aber nut bann, wenn er rationell betrieben wird. Hier ist es neben dem Anbau vor allem die richtige Ausführung der Ernte, welche zum großen Teste den Gewinn bedingt, der aus dem Obstbau erhielt werden kann. Leider zeigt die Erfahrung, daß die Behandlung des
"frischen Liftes wohl in sehr seltenen Fällen bei der ländlichen Bevölkerung mit der erforderlichen Sorgfalt vor sich geht. Hierin besteht auch das größte Hindernis eines lohnenden Obstbaues und alle Klagen über geringe Rentabilität des Obstbaues werden nicht eher verstummen, bis die obstzüchtenden Landwirte selbst mehr Gewicht auf die Behandlung des Obstes und seine Verwertung legen.
Von der größten Bedeutung ist zunächst die richtige Wahl des Zeitpunktes der Obsternte. Eine zu frühe Ernte des Obstes verringert die Haltbarkeit der Früchte. Schon in kurzer Zeit beginnen sie zu fchrumpfen und zu faulen. Sie werden dadurch unansehnlich, und ihr Verkaufswert verringert sich natürlich sehr. Durch eine zu frühe Ernte leidet aber auch der Obstbaum selbst. Die Früchte lassen sich nur schwer abnehmen und hierdurch werden sehr oft große Mengen von Fruchtzweigen mit abgerissen, wodurch natürlich auch die Ertragsfähigkeit für die nächsten Jahre leidet. Dian unterscheidet beim Kernobste eine Baumreife und eine Lager- oder Genußreife. Läßt sich der Fruchtstiel leicht vom Holze loslösen, so spricht man von einer Baumreife. Zugleich nehmen die Samenkerne eine dunkle Farbe an, die bei den Aepfeln bräunlich und bei den Birnen schwarz wird. Sommeräpfel und Sommerbirnen nimmt man besser schon einige Tage vor der vollen Reife ab, um ihre Haltbarkeit zu erhöhen. Das Sommerobst beginnt man zu ernten, wenn die gewöhnliche grünliche Färbung ins gelbliche übergeht. Alle anderen Kem- obst-Sorten, das Herbst- und Winterobst, sollen möglichst lange am Baume bleiben, weil die Ausbildung dieser Früchte so lange fortschreitet, wie noch grünes Laub vorhanden ist. Dre Reffezeit für bestimmte Sorten angeben zu können, wird wohl unmöglich sein, weil sie durch die verschieden- sten Faktoren bedingt wird. Raffe, kalte Jahre haben eine spätere Reife zur Folge, wogegen wärmere, trockenere Jahre eine frühere Reife bewirken. In rauhen Lagen wird man natürlich später ernten können, als in den wärmeren südlichen Lagen.
Was die Obstverwertung anbelangt, so wäre es natürlich wohl das Vorteilhafteste, das Obst nach der Emte zu sottieren, noch Deckung des eigenen Bedarfs die erste Auswahl zu verkaufen, dagegen die geringeren Sorten anderweitig zu verwerten. Es liegt auf der Hand, daß eine gute Frucht eine vielseitigere Verwendung finden wird, als eine geringere, und deshalb sollte man immer mehr daraus bedacht fein, das beste zu bauen, was unter den gegebenen Verhältnissen erzeugt werden kann. Der Verkauf von frischem Obst empfiehlt sich wohl am ehesten; aber hier soll nicht alles auf einmal auf den Markt geworfen werden, um die Preise nicht zu sehr zu drückm. Die.Regulierung des Angebotes kann natürlich von dem einzelnen nicht geleitet werden, sondem dafür müffen Vereine und Genossenschaften sorgen. Mit dem Obstverkauf ist es ja wohl in den meisten Gebieten ziemlich schlecht bestellt. Mancher ländliche Obstzüchter hat ein gutes Obst geerntet und weiß nicht, wie er es an den Mann bringen soll. Hier muß eben in den Vereinen oder durch Zusammenschluß von unten auf danach gestrebt werden, Käufer und Verkäufer einander nahe zu bringen. In den letzten Jahren haben sich sowohl die Landwirffchastskammem wie die verschiedenen
M gezahlt worden. Diese Summe setzt sich zusammen aus 200 cM. für das Enthaupten, also 100 <M- für den Kopf. Diese Entschädigung ist stets gleich, ohne Rücksicht auf die Zahl der gleichzeitig zu vollstreckenden Todesurteile. Jeder Gehilfe erhält einen Lohn von 20 für den Tag; gerechnet werden, da sie bereits am Tage vor der Hinrichtung am Orte erscheinen müssen, stets zwei Tage. Dieselbe Entschädigung erhält neben der vorgenannten auch der Scharfrichter. Außerdem stehen allen Beteiligten Uebernachtungsgelder, freie Fahrt 3. Klasse und Reisetagegelder zu. Den Rest bilden die Kosten für die Verfrachtung des Richtzeuges, dessen Aufstellen und Reinigung.
* Wiener Presse. Ein amerikanischer Journalist macht auf der Durchreise einer Wiener Redaktion seinen Besuch; man stellt ihm die Herren vor: „Dr. Kohn — unser Leitartikler; Dr. Veilchenstrauch — leitet den lokalen Teil; Dr. Spitzer — unser Volkswirtschaftler; Dr. Lö'.vy — Feuilleton und Theater; Dr. Cohn mit C — Gerichtssaal und Vermischtes; und das hier ist Herr Woprzak — unser Redaktionschrist und Sitzredakteur."
Bauernvereine um den Obstverkauf sehr »erbienl gemacht, sei durch Uebernahme des Verkaufes selbst, indem sie von den Verkäufern eingegangene Angebote etwaigen Käufern vorlegen oder durch Abhaltung von Obstmärkten. Aber gerade von den Obstmärkten halten viele ländliche Obstzüchter sich zurück, und mitunter hat es den Anschein, als ob diese mehr den Händlern von Obst zu Gute tarnen, als den obstzüchtenden Landwirten, für die die Märkte geschaffen fein sollen.
Dort, wo der Obstbau vorwiegend von kleinen Besitzern betrieben wird, werden die Interessen des Einzelnen am besten gewahrt durch ben gemeinschaftlichen Verkauf, der sich auf dem Wege freier Vereine, durch Obstbauvereine, sogar für ganze Kreise durchführen läßt. Ohne Organisation der Obstzüchter und deren Unterstützung durch einen rührigen Handel geht es nicht. Ein Beispiel bietet uns alljährlich der Verkauf des amerikanifcheu Obstes, der bis in die abgelegensten Ottschaften von Deuffchland erfolgt. Allerdings werden hier nur wenige gute Sorten angeboten, wogegen in Deutschland noch die verschiedensten Sorten zum Verkauf kommen. $
vermischtes.
* Wieviel kostet eine Hinrichtung in Deutsch! land? Für die kürzlich erfolgte Hinrichtung bet| Raubmörder Rosinsky und Geppert sind an den! Scharfrichter Schwietz in Breslau insgesamt 478
Reklame- und Anzeigenteil.
für Kinder, Kranke,Genesende Verhütet! ubsseitigtiPrarmoe. ßrEcndurcl-FaH, Darmxetazrh. I
Altbewährte Mahn
Iur deutschen Kot'oniuLusscn-e.
(Nachdruck verboten!)
vJippgisKi rcta
Es vergeht kaum ein Tag, daß nicht neues Material zur Kolonialaffäre an den Tag gefördert wird. Der Herr Landwirtschaftsminister Podbielski hat sich interviewen lassen, aber was er auch gesagt hat, man wird das Gefühl nicht los, daß die Sache nicht rein zu waschen ist. Unser GruppenbiÜ» bringt unseren Lesern die Hauptakteure, den Major Fischer, der zunächst für die anderen die Kastanien aus dem Feuer holen soll, den famosen Herrn v. Tippelsknch selber, den Legationsrat Hellwig, der alle Anzapfungen in Sachen Fischer einfach durch Durch- streichen und Ueberfleben verhindert hat, und schließlich den Minister Podbielski, der allem Anschein nach am meisten bloßgestellt ist. Major Fischer, der angeblich die für die Firma TippelSkirch, an der Frau von Podbielski mit 40 Prozent interessiert ist, so günstige Verträge auf Lieferungen für unsere Truppen in Ost- afien und Südwestasrika abgeschloffen haben soll und dem Teilhaber und Freunde dieser Firma die Privaffchulden bezahlt hat, sitzt in Untersuchungshaft. Herr von TippelSkirch selbst erscheint, falls der Vorwurf, daß die gelieferten Waren zu schlecht und vor allem zu teuer gewesen ist, widerlegt werden kann, als der am wenigsten Schuldige. Er ist ein ge
schickter Geschäftsmann gewesen, der alle Wege benutzt hak, die sich ihm bieten, der sich aber durch die ihm gebotene Gelegenheit leider auf Wege hat leiten lassen, die ein vornehmer Geschäftsmann nicht wandelt. Der Legationsrat Hellwig darf ebenfalls die Einleitung eines Verfahrens erwarten. Er hat Ausstellungen an den Verträgen und Anzeigen in dieser Angelegenheit einfach kassiert, statt sich auf eine Untersuchung einzulaffen. Und was Herr von Podbielski tun wird, entzieht sich zur Zeit noch der Kenntnis.
MM
" • <c;k
Ein Wille, ein Weg.
Frei nach dem Englischen von I. Remo.
17] (Nachdruck verboten.)
Jane versprach es. Ich hatte mich inzwischen angekleidet und überlegte jetzt, wie ich es anzu- fangen habe, um den Brief — an Mark Christian noch heute zur Post gelangen zu lassen. Da ich mit meinem Onkel ausfahren mußte, so konnte ich ihn nicht persönlich besorgen — es blieb mir also nur die Wahl, entweder bis zum folgenden Tage zu warten ober Jane ins Vertrauen zu ziehen. Nach kurzem Schwanken enffchloß ich mich für letzteres.
„Jane, ich habe einen Brief zu schreiben, bet heute noch abgeschickt werden muß", sagte ich, die Hand auf ben Arm meiner Gefährtin legend und Le so zwingend, mich anzusehen. „Ich kann aber diesen Nachmittag nicht selbst zum Dorfe gehen, freie sie wissen. Wollen Sie mir helfen?"
„Gern, Fräulein Hilda. "
„Aber niemand darf etwas von der Sache erfahren, auch mein Onkel nicht — er am aller- tzvenigsten," fuhr ich nicht ohne Verlegenheit fort.
Jane starrte mich einen Moment zweifelnd an.
„Fräulein Hilda, ich kann nicht glauben, daß Die etwas Unrechtes von mir verlangen", sagte sie ^zögernd.
„Nein, ich verlange nichts Unrechtes, Jane", versicherte uh. „Sie können mir mit gutem Gewissen diesen Dienst erweisen, darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Wollen Sie es tun und darf ich mich auf Ihre Verschwiegenheit veriassen?"
Jane gab das verlangte Versprechen, <q»fMt sich aber dann zurückzuziehen, wie ich eS erwartet hatte, fing sie an, die Bücher auf meinem Bücherbrett anders zu ordnen. Staub abzuwffchen, wo absolut kein solcher vorhanden war, und aHeriei Derartige Dinge zu tun. Ich wurde ungeduldig.
„Ich möchte jetzt allein fein, Jane", sagte ich endlich freunblidj, aber dringend. „Ich habe nur noch zwei Stunden Zett; wenn ich jetzt nicht schreibe, so werde ich meinen Bries nicht mchr ah- schicken können."
„Fräulein Hilda, ich — ich möchte lieber hier bleiben," stammelte Jane, ohne mich anzusehen.
„Ich kann Sie aber jetzt nicht brauchen", entgegnete ich ärgerlich. „Wenn ich schreibe, mutz ich allein fein. Gehen Sie also."
„Seien Sie nicht böse, Fräulein, es ist ja nicht meine Schuld", entgegnete Jane bittend. „Der gnädige Herr hat mir befohlen, bei Ihnen zu bleiben; ich bin sicher, daß er mich ohne Weiteres fortjagen würde, wenn er bei seiner Zurückkunst hörte, daß ich ihm ungehorsam gewesen sei."
Ich sah, wie ihre großen blauen Augen sich mit Tränen füllten, und ich schämte müh übet meine Heftigkeit.
„Sie haben meinen Onkel mißverstanden, Jane, aber da Sie seine Worte nun einmal so aufgeftrßt haben, so werde ich mich wohl in Geduld ergeben müssen," sagte ich, mein Schreibputt wieder schließend. „Ich werde meine Briefe morgen schreiben, einen Tag früher oder später macht schließlich auch keinen Unterschied."
Janes Gesicht erhellte sich. Sie rmhm ihre Näharbeit wieder auf, während ich mich ans Fen-
von meinem Vermögen leben, hatte er gesagt, doch damals ahnte et noch die Gefahr nicht, in welcher ich schwebte.
Jane nähte emsig wettet. Ich nahm ein Buch und versuchte zu lesen, doch meine Gedanken irrten stets wieder ab. Immer überlegte ich, in welcher Form ich meine Mitteilung an Gerald kleiden, welche Ausdrücke ich wählen müsse, um nicht mißverstanden zu werden. Et hielt meinen Onkel für einen Ehrenmann; es würde schivet fein, ihn zu der Ansicht zu bringen, daß nicht meine Aengst- lichkett mir die Sachlage in einem falschen Lichte erscheinen ließ.
Die Stunden glitten vorbei, und endlich ließ sich die Tischglocke vernehmen; der Lunch wat aufgetragen. Jane rollte ihre Arbeit zusammen und folgte mit die Treppe hinab, um sich zum Dienst- botenzimmer zu begeben, während ich dem Speffe- saal zuschtitt.
Mein Onkel wat bereits dort. Ich erschrak förmlich, als ich ihn sah. Sein Haar, welches bis dahin nut an ben Schläfen einige wenige Silber- fäden aufwies, wat plötzlich ergraut; seine Augen lagen tief in den Höhlen; neue Furchen zogen sich über seine Stirn; er schien in ben zwei Tagen, während welchen ich ihn nidjt gesehen hatte, um zehn Iahte gealtert zu sein. Atmet Onkel l Ich hätte die Welt darum gegeben, meinen Arm um seinen Hals legen und ihn trösten zu dürfen; wat er doch augenscheinlich des Trostes, der Sympathie so sehr bedürftig.
„Bist Du krank, Onkel?" fragte ich unsicher.
„Nein. Ich habe während der letzten Nächte nicht geschlafen; Sorge und Verdruß halten mich wach."
„Das tut mir leid", entgegnete ichckeilnehmend. „Worte find billig; auf Taten kommt es an." Ich schwieg, was konnte ich sagen?
rSSte geht es Drt denn, Hilda?" fragte er nach
gut .Mache Dir meinetwegen keine
stet stellte und mich im Stillen über ihren Eigen- firm ärgerte. Ich hatte beschlossen, Gerald rückhaltlos die Lage bloßzulegen, in welcher ich mich befand. Er mußte zurückkommen unb mich retten. Ich wat jetzt vollständig überzeugt, daß meine Verwandten selbst nicht vor einem Verbrechen zurückschrecken würden, wenn fie sahen, daß kein an- betet Weg zum Ziele führte. Gerald mußte also zurückkehren. Was schadete es, wenn er feine Stelle verlor I Ans meinen Buchern wußte ich, daß es Leute gab, welche gegen ^»he Zinsen Gelber vor- „C.. 2______I.
streckten — an diese konnten wir uns ja wenden, einer Pause in freundlicherem Tone.
„Du meinst — Hilda, mein Kind, ist es möglich, daß Du Dich befonnen hast?" rief er, mit beide Hände entgegenstr eckend. „Willst Du nachgeben — willst Du tun, was ich wünsche?"
„Ich kann es nicht, Onkel; Du hast mich miß- berftanben", entgegnete ich gepreßt. „O bitte, bitte, laß ben Gegenstand fallen l Ich kann Dir in diesem Punkte nicht gehorchen." ,
„So sei es", versetzte er, während bet Freudenschimmer, bet einen Moment lang seine Züge erhellt hatte, plötzlich erlosch. „Ich will nicht mehr darüber sprechen, die Sache ist abgemacht und ent- schieden. Du willst es so. Jetzt komm' und iß. Es ist bereits halb zwei; um drei Uhr wirb bet Wagen Vorfahren."
Schweigend setzten wir uns zu Tische. Ein paar Bemerkungen, bie ich während bet Mahlzeit zu machen wagte, würben kurz unb barsch beantwortet, daß ich jeden wetteren Versuch aufgab, eine Unterhaltung in Gang zu bringen.
Niemand von uns zeigte viel Appettt, doch ich sah, nicht ohne Verwnnberung unb Unruhe, daß mein Onkel, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, bet Weinflasche ungemein eifrig zusptach. Glas auf Glas stürzte er hinunter; fein Gesicht nahm allmählich eine immer dunklere Farbe an, seine Hände bebten, er schien meine Anwesenheit ganz vergessen zu haben.
Endlich erhob et sich. Ich folgte dankbar seinem Beispiele.
„Wohin?" fragte et scharf, al» ich mich bet Tüte zuwandte.
«Nach oben, Onkel. Apropos", fuhr ich fort, da er sich mit einem unverständlichen Brummen abwandte, „ich möchte noch mit Dir über Jane sprechen. Willst Du si> freundlich sein, ihr zu sagen, daß gar kein Grund für sie vorliegt, ben ganzen Tag auf meinem Zimmer zuzubringen unb mich wie eine Gefangene zu bewachen. Sie behauptete, Du hättest ihr daS befohlen."
(Fortsetzung folgt)