33, Jahrgang
Fulda, Dienstag den 14. August 1906,
M 185.
Ketatlonsbrud u. Dalag btt $ttlbaet Ac- tkebmderei in Mlba. $tntfpred?tr Nr. 9.
veraMwottlichee rcheiftleit«e:r.wehl«
Äi elge*: Die ei» Wattig« Petitzeile ober bete* Saum 15 PfS- Nettame* bie Petitzeile 25 Pfg.; bei wieber- Holungen wirb entspr.
Rabatt gewährt.
Urschet« täglich, Mit Snruahnre bet So*» iiwb 'S eiet tage. Dted* jährt vezngtptei, ohne Sringerlohn nutz velteLgetbinZnlbannb anrwärtr 1 Ml. 50 psg.
8uldaerWZeitung
w»ch«i>-ii^: „IlluftrierteSoimtagrzeitnug" monatebdioge: „Mbaer GeschichtrblAtef
Krstes Wlcrtt.
Wegen des Feiertags Maria Himmelfahrt wird die nächste Nnmmer unserer Zeitung erst am Donnerstag ausgegeben.
Deutscher Reich.
Berlin, den 13. August 1906.
* Kaiser Wilhelm und König Ednard von England werden am 15. d. Mts. auf Schloß Fried- richshof bei Homburg eine Zusammenkunft haben. Fürst Bülow erfreut sich inzwischen noch der nervenstärkenden Ruhe in Norderney und wird erst nach dem Zusammentreffen der beiden Monarchen dem Kaiser Vortrag halten. Der Zusammerckunst selbst aber werden der englische Botschafter in Berlin und der deuffche Gesandte von Rücker-Jenisch, von dem man sagt, daß er das besondere Vertrauen des Kaisers habe, beiwohnen. So ganz inoffiziell und undiplomatisch, wie die englischen Blätter es darstellen, wird also der Besuch kaum verlaufen. Stoff zu Besprechungen haben die diplomatischen Vertreter Deuffchlands und Englands ja mindestens in dem gleichen Maße wie die Herrscher der beiden Länder. Der lang zerrissene Draht zwischen Onkel und Neffen scheint wieder repariert worden zu sein. Zudem kommen auch Friedenstauben von jenseits des Kanals. Das deuffche Volk wird die eingeleitete Friedensaktion nur mit seinen besten Wünschen begleiten.
* Gegen das passive Berhalteu der obersten Reichsbehörde in der Kolonialsache wendet sich nach der,Freis. Ztg/ der durchaus kolonial- freundliche .Hannoversche Courier^ mit reichlichen bissigen Seitenhieben auf die leitenden Personen. Das nationalliberale Blatt verlangt eine Klarlegung der verschiedenen bei dem Fall Fischer aufgedeckten sonderbaren Beziehungen von Regierungsbeamten zu der Firma Tippelskirch & Co., indem es u. a. schreibt: „Irgendwo wird sich doch wohl eine verantwortliche Stelle finden, die Rede stehen kann. Jst's nicht das Oberkommando der Schutztruppe, so die Kolonialabteilung; ist's die nicht, so das Auswärtige Amt; will das partout von diesen Dingen nichts wissen, so ist der seebadende Herr Reichskanzler in Person zu bemühen — aber irgend einer muß uns schließlich Auskunft geben. Es handelt sich — man wolle das freundlichst nicht übersehen — darum, unserer kolonialen Betätigung den letzten Rest von Sympathien zu erhalten. Sie sind in diesen Wochen rapid herabgegangen. Und auch die Aussichten Ernis, des Kolonialprinzen, haben sich erschreckend vermindert. Seit er trotz des Lärms seelensruhig, als ob ihn all' das nichts anginge, in seinem sommerlichen Tusculum verharrt und Herr Rose in der Kolonialabteilung den general managet (höchsten Beamten) spielen darf, mehren sich die Stimmen der zweifelnd Fragenden: Ist er nun wirklich der rechte Mann am richtigen Platze?"
* Den Landwirtschaftsminister v. Podbielski, welcher wegen seines Verhältnisses zur Finna Tippelskirch den Gegenstand zum Teil sehr heftiger Angriffe in der Presse bildet, versucht die „Deutsche Tageszeitung" reinzuwaschen. Sein Verhalten wäre durchaus korrekt. Das Verlangen, daß ein. Staatsminister beim Eintritt in sein Amt alle Brücken zum praktischen Leben abbreche, sei unsinnig, besonders im Munde solcher Leute, welche
Ein Wille, ein Weg.
Frei nach dem Englischen von I. Remo.
18] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
„Schon gut, sie wird Dich nicht mehr belästigen", entgegnete mein Onkel mit abgwandtem Gesichte. Und jetzt gehe und setze Deinen Hut auf."
„Es ist erft halb drei", warf ich ein.
„Tue, was ich Dir sage", schnarrte er mich an. „Hole Deinen Hut!"
Er trat zum Tische und schenkte sich noch ein Glas Wein ein, welches er wieder mit einem Zuge leerte. Ich ging.
Als ich zehn Minuten später herunterkam, stand mein Onkel bereits wartend in der Halle.
„Wirds bald?" rief er mir entgegen . „Der Wagen ist schon da. Spute Dich!"
Sein Auge glänzte sonderbar und seine (Stimme klang heiser. Konnte das die Wirkung des Meines sein, oder war er krank? Ich hatte ihn noch nie in einem solchen Zustande gesehen.
Ich. nahm meinen Sitz auf dem kleinen offenen Magen ein, und mein Onkel ließ sich an meiner Seite nieder.
„Du willst doch nicht selbst kuffchieren?" fragte ich ängstlich, als ich sah, daß der Stallknecht ihm dre Zügel reichte und sich anschickte, zu seiner Ar- Hert zurückzukehren.
„Allerdings. Hast Du etwas dagegen?" klang !e§ zornig.
„Gewiß nicht, ich meinte nur, daß es vielleicht Lesser sein würde, wenn Du William mitnähmest", stammelte ich.
„Ich tue, was mir beliebt, und ich dulde kein (Dreinreden", knurrte er, dem Pferde einen Schlag versetzend, daß es auffprang und wie toll davon- fchoß
* In Sachen des Disziplinarverfahrens gegen den früheren Gouverneur von Puttkamer veröffentlicht die „Germania" folgende Zuschrift des Untersuchungsrichters Strähler: „In einer der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes spricht ein Jurist die Befürchtung aus, daß meine bevorstehende Reise nach Kamerun die Disziplinarunter- suchung gegen den Gouverneur von Puttkamer verzögern würde. Diese Annahme trifft nicht zu. Bei der beschräntten Postverbindung mit Kamerun beansprucht die Erledigung eines Ersuchens um Vernehmung von Zeugen, die sich im SchuHgebiete aufhalteu, annähernd die gleiche Zett, die für meine Reise bestimmt ist. Der Zeitpunkt des Antritts fällt mit dem Zeitpuntt zusammen, in dem das erste Ersuchen nach Kamerun hätte abgehen können. Die Rückkehr erfolgt mit dem ersten Dampfer, der nach Beendigung der Beweiserhebung abgeht. Es sind wichtige Zeugen, auf die nicht verzichtet.werden kann, in der Kolonie zu verhören. Ihre Aussagen werden, wie mit Bestimmtheit anzunehmen ist, die Vernehmung weiterer im Schutzgebiet sich aufhaltender Zeugen notwendig machen. Erfolgt die Reise nicht, so bedarf es eines wiederholten Ersuchens und das Ende der Untersuchung ist mindestens drei Monate hinausgeschoben. Dabei ist nicht ausgeschlossen, daß sich immer noch später die Notwendigkeit einer Reise nach Kamerun herausstellt. Ueber den Schluß an den Ort der dienstlichen Tätigkeit des angeschuldigten Beamten zu gehen, waren natürlich nur Gründe bestimmend, die der Gegenstand der Untersuchung lieferte. Dieser Entschluß wurde aber durch die Ueberzeugung erleichtert, daß seine Ausführung nicht blos am sichersten, sondern auch am schnellsten zum Ziele führt. Die vernommenen Zeugen sind dem Gesetz entsprechend sämtlich vereidigt.
* Der Kriegsminister von Einem veröffentlicht int ,Reichsanzeiger' eine Bekanntmachung, wonach den Unteroffizieren und Mannschaften erneut dienstlich jede Beteiligung an Vereini- gungen ohne vorherige dienstliche Erlaubnis und jede andere erkennbar gemachte Betätigung revolutionärer oder sozialdemokratischer Gesinnung, sowie das Halten und die Verbreitung „sozialdemokratischer Schriften verboten wird. Sämtlichen Angehörigen des akffven Heeres wird dienstlich befohlen, von jedem zu ihrer Kenntnis gelangenden Vorhandensein revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften in Kasernen oder anderen dienstlichen Lokalen sofort dienstliche Anzeige zu erstatten. Diese Befehle und Verbote gelten auch für die zu Hebungen eingezogenen und die für Kontrollversammlungen ein berufen en Personen des Beurlaubtenstandes, die den Vorschriften des Militärstrafgefetzbuches unterstehen.
* Die Abgötterei des falschen Ehrbegriffs ist wieder durch einen krassen Fall von Duellunfug grell beleuchtet worden. Der,Berl.
und dann schießt er mich nieder." Daraus entwickelte sich eine weitere Forderung des Welsch gegen einen hiesigen Rechtsanwalt. Das Gericht brachte in der Urteilsbegründung zum Ausdruck, daß das „Ehrengericht" den Zweikampf mitbet- schuldetchabe, und bestrafte Welsch, dessen Tun als frivol bezeichnet wurde, mit acht Monaten und Hauff mit sechs Monaten Festungshaft.
* 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Um der Wohnungskommission die Arbeiten unmittelbar vor und während der Tagung möglichst zu erleichtern, ist es geboten, Gesuche um Beschaffung geeigneter Unterkünfte sofort an den Vorsitzenden der Wohnungs- kommisfion, Herrn Kaufmann Joseph von Gemmern, Esten, Steeler-Chauffee 57, gelangen zu lasten. Gesuche können bis jetzt noch bestimmt auf Berücksichtigung rechnen. Die Legitimationskarten für den Wohnungsnachmeis sind von denjenigen Teilnehmern, die sie nicht durch die Post zugestellt erhalten, im Wohnungsbureau (Städtischer Saalbau) in Empfang zu nehmen. Die beteiligten Kommissionen entfalten die regste Tätigkeit, um den weitgehendsten Anforderungen in jeder Beziehung gerecht zu werden. Bestellungen auf bte Fest- z eitung zum Preise von 1 Mark nehmen alle Postanstalten und Briefträger entgegen; Bestellung bei der Verlags anstatt (Fredebeul u. Koenen in Essen-Ruhr) muß neben dem Abonne-
Volk^ta/ wird au« Halle unterm 11. August geschrieben:
Aus was für Gründen ein Jünger der Rechtswissenschaft zur Pistole griff, darüber belehrte eine heut» vor der Straffammer stattgehabte Verhand- lunL<-gegen den 29jährigen Referendar Alfred W<msch und den 28jährigen Agronomen Bruno
kampfes mit tödlichen Waffen angeklagt. Welsch hatte den Hanff im Monat März gebeten, ihm 300 zu borgen. Hanff war gutwillig und borgte dem Welsch sogar 500 M, und zwar unter der Bedingung, daß die erfte Hälfte am 1. Mai, die zweite Hälfte am 1. Juni zurückzuzahlen sei. In der Nacht vom 2. bis 3. Mai zahlte Welsch die erste Rate zurück. Als aber Hanff am 6. Juni die zweite Rate nicht erhalten hatte, schrieb er an Welsch einen Mahnbrief, in dem er unter anderem sagte, er hafte Welsch im Gegensatz zu anderen Herren, die ihn angepumpt hätten, für einen Ehrenmann; Welsch möge deshalb seiner Verpflichtung nachkommen, da er, Hauff, augenblicklich in Verlegenheit fei. Welsch fühlte sich durch den Mahnbrief beleidigt. Er antwortete dem Hauff, er solle revozieren und um Rückzahlung der zweiten Rate bitten, da vereinbart worden sei, daß diese Rate nicht am 1. Juni, sondern am 1. Juli zurückzuzahlen sei. Hanff antwortete darauf, Welsch glaube wohl selbst nicht, daß er, Hanff, um Zurückzahlung des Geldes auch noch bitten werde. Darauf forderte Welsch den Hauff auf Pistolen. Das „Ehrengericht" verlangte von Hanff dann eine Erklärung, ob der 1. Juni oder der 1. Juli als Zahlungstermin vereinbart worden sei. Als Hauff auf Ehrenwort den 1. Juni als den Zahlungstermin bezeichnete, sagte Welsch, das Ehrenwort sei falsch. Nunmehr glaubte Hanff zur Forderung schreiten zu sollen. Da er aber wußte, daß Welsch ein guter Schütze ist, der sich schon wochenlang vorher in der Heide eingeübt hatte, forderte er Welsch auf Säbel. Das „Ehrengericht" entschied aber für die „P ist o l en f o r d e r uu gl! Bedingung war: Zehn Schritt Distanz, dreimaliger Kugelwechsel. Hauff wurde bei dem ersten Gauge uiedergekuallt. Der Schuß traf die Lunge und streifte den Herzbeutel. Trotzdem ist er wieder hergestellt worden. Nach dem Geschehnis hatte Hauff gesagt: „Erst pumpt der Lump mich an,
immer forderten, daß ein Minister in Fühlung mit dem geschäftlichen Leben bleibe. Herr von Podbielski habe vollkommen offen, ehrlich und korrekt gehandelt. Einen Vorwurf könne man ihm nur bann, wenn er feine Beziehungen zur Firma Tippelskirch in irgend welcher unlauteren Weise für sich, oder wenn er sein Amt z» einer____ __________________ .
sachlich unbegründeten Förderung der Firma aus- -Hanff. Beide von Berlin waren wegen Zwei- genutzt hätte. DaS sei aber keineswegs geschehen. ' - -
Die Sachwalter, die sich des Herrn von Podbielski jetzt in so uneigennütziger Weise annchmen, »erben diesem mit ihren Verteidigungsauslassuugen kaum einen Gefallen tun. Der Hauptpunkt wird mit derartigen Redensarten nicht aus der Welt geschafft. Herr von Podbielski wird schon so liebens- würdig sein müssen, selbst zu einer klipp und klaren Darstellung das Wort zu ergreifen.
Als das Parttor hinter uns lag, schaute ich zurück. Dort lag das Haus, in welchem ich meine Jugendjahre verlebt hatte. . Warum hielt ich meinen Blick so unverwandt auf dasselbe gerichtet, warum betrachtete ich jeden Baum, jeden Hügel, an welchem wir vorbeikamen, mit einem Gefühle der Anhänglichkeit, welches mir bis jetzt fremd gewesen, welches ich wenigstens nie in diesem Grade empfunden hatte; war es Instinkt, Ahnung? Gab es ein etwas in mir, welches mir sagte, daß ich diese wohlbekannte Gegend erst nach Jahren und unter ganz anderen Verhältnissen Wiedersehen würde?
Weiter und weiter ging es; wir mußten bereits Meilen von Beachfield entfernt fein. Der anfängliche Uebermut unseres Pferdes hatte sich längst verloren; in einem ruhigen, gleichmäßigen Trabe ging es jetzt die Chaussee entlang. Die Gegend, in welcher wir uns befanden, war mit vollständig fremd. Sie war gut bebaut, aber sehr einsam. Während der letzten halben Stunde war uns buchstäblich kein Mensch begegnet.
Ich zog meine Uhr hervor. Fünf Uhr! Konnte es möglich sein! Zwei Stunden waren wir also schon unterwegs!
Ich warf einen Blick auf meinen Onkel. Die hochrote Farbe, welche mir erst eine so lebhafte Besorgnis eingeslößt hatte, war verschwunden; statt rot sah er jetzt geisterhaft bleich aus, und schwere Tropfen standen auf seiner Stirn. Es schien mir, als koste es ihm Mühe, die Zügel festzuhalten. Unwillkürlich faßte ich seine Hand. Er zuckte zusammen und riß sich mit einem halberstickten Ausrufe los.
„Was toiöft Du?"
Seine Barschheit tat mir wehe, doch ich ließ mich nicht abschrecken.
„Onkel, wo sind wir?"
Er öffnete den Mund, um zu antworten, doch feine Zunge versagte ihm den Dienst,
„Mein Gott, was fehlt Dir, bist Du krank?"
„Es ist nichts," stieß er mit Anstrengung hervor. „Was — was sagst Du?"
„Ich fragte, ob wir noch weit zu fahren haben würden," entgegnete ich, ihn besorgt betrachtend.
„In zehn Minuten sind wir da. "
Ich sah erstaunt um mich. Wir befanden uns auf einem breiten, einsamen Wege. Rechts und links dehnten sich weite Kornäcker aus. In der Ferne zeichnete sich ein spitzer Kirchturm gegen bett bläulich-weißen Himmel ab; an der gegenüberliegenden Seite zog sich ein langer, dunkler Streifen Wald dahin, über welchen hier und da kahle Hügelspitzen hervorsahen.
„Onkel, Du mußt eine falsche Richtung eingeschlagen haben," rief ich. „Es ist ganz unmöglich, daß wir uns so nahe bei Haus befinden sollten. Hier bin ich noch niemals gewesen; die ganze Ge- gend ist mir fremd. Bitte, halle das Pefrd an und laß uns überlegen, was zu tun ist. Wir sind vorhin durch ein Dorf gekommen — sollen wir nicht dahin zurückfahren? Die Leute werden uns sagen können, wo wir sind. Vielleicht ist dort auch ein anderes Pferd zu haben; der arme Sultan scheint kaum mehr weiter zu können. "
„Unsinn! Wir brauchen kein anderes Pferd, und ich weiß, wo wir uns befinden."
„Aber —"
„Schwätze nicht fo viel", unterbrach er mich. „Ich sage Dir, daß ich den Weg kenne. Die Wohnung meines Freundes liegt ganz in der Nähe."
„Die Wohnung des Freundes?" wiederholte ich.
„Jawohl, jawohl. Ein Freund, dem wir einen Besuch abstatten werden."
Seine Stimme wurde immer undeutlicher, und zu meinem unaussprechlichen Schrecken sah ich ihn plötzlich mit kreideweißem Antlitz und geschloffenen Augen zusammensinken. Hätte ich ihn nicht gehalten, so würde er unfehlbar von seinem Sitze herabgeglitten fein. Die seiner Hand entfattenen Zügel lagen auf dem Rücken des Pferdes, welches noch eine kurze Strecke Wetter trabte, dann seine
mentsbettag von 1 Mark das Porto für Kreuz bandsendung im Bettage von 0,50 Mark beige- fügt werden.
Ausland.
♦ Hebet bte „rote Garde" in Finnland wird dem „H. K." aus Helfingfors geschrieben: Die Vorgänge in Sveaborg haben endlich mit aller Deutlichkeit gezeigt, weß Geistes Kind die „rote Garde" ist. Diees Truppe wurde gelegentlich der finnischen „Revolution" im Oktober vorigen Jahres gebildet und hatte die Aufgabe, für Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen, denn damals kam es den Finnländern nur auf Wiedergewinnung ihrer politischen Freiheiten an. Nach Wiedereintritt ruhiger Zustände wurde die aus Arbeitern bestehende „rote Garde" indessen nicht aufgelöst, sondern im Gegenteil in ganz Finnland organisiert, angeblich, um für „Ruhe" zu sorgen. Aber jetzt hat sie die Maske abgeworfen. Sofort nach Ausbruch der Militärrevolte nahm sie für die Aufrührer Partei, zerstörte Eisenbahngleise und forderte zum Generalstreik auf. Es sollte auch in der finnischen Bevölkerung ein Aufruhr ange- zettelt werden, vermutlich, um schon jetzt bie geheimen Pläne der roten Garbe zu verwirklichen Diese gehen, kurz gesagt, darauf los, Finn l a ni z u einer kommuni st isch-anarchi st r> schenRepublikzumachen. Sind die Ver hältnisse in Rußland dem Umsturz günstig, so sok der finnische Senat abgesetzt und eine National Versammlung einberufen werden. Zum Teil rührt der Haß der „roten Garde" und der Sozialdemokratie gegen den Senat gerade daher, weil die nun in den Hafen gebrachte Landtagsreform nicht einer Nationalversammlung, sondern den gegenwärtige» Ständen übergeben worden war. Von der Nationalversammlung soll, wenn alles klappt, eine neue Verfassung ausgearbeitet werden. So ungeheuerlich auch dieser ganze Plan klingt, wäre es doch keineswegs ausgeschlossen, daß die finnische Arbeiterschaft gegebenenfalls den Versuch zur Durchführung macht. Finnland hat längst kein einheimisches Militär mehr, und russische Truppen sind nur in geringer Zahl vorhanden. Die „rote Garde" ist aber recht zahlreich. Sie zählt allein in Helfingfors etwa 15 000 (?) Mann, und alle anderen größeren Plätze haben ebenfalls ihre Garde. Oberkommandierender ist Hauptmann Kock, der einst als Offizier dem finnischen Heere angehörte, und in Helsingsors den Befehl führt. In den übrigen Städten wird die „rote Garde" von ehemaligen Soldaten geführt. Mit Gewehren und Revolvern ist diese gefährliche „Schutztruppe", wenigstens in Helfingfors, gut versehen, und wa? noch fehlt, sucht man einzuschmuggeln.
* Die englandfeindliche Bewegung in Egypten hält, wie man aus Kairo berichtet, mit unverminderter Stärke an. Sie wird durch einigeren Eingeborenen geleitete Zeitungen, welche darin ein leichtes Mittel zur Erhöhung ihrer Volkstümlichkeit finden, insbesondere von der „Lewa", dem Blatts des bekannten Kam-el Mustafa Pascha, genährt, der jetzt in England eine von geringem Erfolge begleitete Fhede gegen die von der Okkupationsmacht in Egypten befolgte Politik führt. Diese Blätter nehmen die beschlossene Vermehrung der britischen (Streitfrage in Egypten und im Sudan zum Anlaß für die heftigsten Angriffe gegen bas von Lord Cromer vertretene System. Obgleich sich die englische Vertretung in Egypten den Anschein gibt, der panislamitischen Strömung in der egyp- tischen Presie vorläufig keine besondere Beachtung zu schenken, verlautet, daß sie sich schon feit einiger Zeit mit der Untersuchung der Frage befaßt, in welchem Maße diese Erscheinung auf Einflüsse Konstantinopeler Kreise zurückzuführen ist. Diese Nachforschungen sollen ergeben haben, daß die von Konstantinopel nach Egypten gelangenden Unter- Gangart mehr und mehr verlangsamte und endlich mitten auf der Straße stehen blieb.
Ich war ratlos. Soweit meine Augen reichten, war kein lebendes Wesen zu erblicken. Was konnte ich tun, um den Ohnmächtigen zum Bewußtsein zu bringen? Oder war es keine Ohnmacht, war es etwas Schlimmeres — befand ich mich hier mitten im Felde allein mit einem Sterbenden?
„Onkel!" rief ich. „Mein Gott, mein Gott, er stirbt!"
Mit zitternder. Hand bemühte ich mich, seine Kravatte zu lösen, um ihm das Atmen zu erleichtern. Während ich damit beschäftigt war, berührte ich zufällig die Tasche seines Ueberrockes und entdeckte, daß er seine Jagdflasche bei sich hatte. Ein inbrünstiges Gott sei Dank! zum Himmel empor- sendend, schraubte ich den silbernen Stöpsel ab, und vorsichtig das Mundstück zwischen seine blauen Lippen hängend, gelang es mir, ihm einige Tropfen Wein einzuflößen. i
Die Wirkung war eine fast augenblickliche. Das, mich so beängsttgende Röcheln hätte auf, ein Hauch von Farbe kehrte in seine Wangen zurück. Dadurch ermutigt, brachte ich aufs neue die Flasche an seinen Mund, und einige Minuten später hatte ich bie Genugtuung, zu sehen, baß bas Leben langsam in ihn zurückkehrte. Er holte tief Atem unb öffnete die Augen.
„Onkel, fühlst Du Dich besser?" fragte ich.
Ein Zucken lief über seine Züge, und er versuchte, sich aufzurichten, was jedoch erst nach einigen vergeblichen Versuchen gelang.
„Es ist nichts. Ich habe — diese Anfalle - oft," stammelte er. t r„,
„Soll ich absteigen und das Pferd fuhren, fragte ich. , , ,
„Nein, nein, unterbrach er mich mit nervowc Gereiztheit. „SBie kommt es — ah, ich sehe!"
„Kannst Du — die Zügel erreichen?"
„Von hier aus nicht. Soll ich absteigen unb sie Dir geben?"
„Ja." (F- f.)