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Fulda, Freitag den 10. August 1906.
33, Jahrgang.
Ei« Wille, ein
eg.
Vertrages mit der Kolonialverwaltung errichtet sei, so könne die Darlegung des ,Berliner Lokal- anzeigerS", von der auch wir Notiz nahmen, nicht von Herrn von Podbielski autorisiert sein. Der Legationsrat von Bumiller welcher mit Genehmigung des Kolonialamts in die Firma Tippelskirch eingetreten sein soll, ist nach den
Beihilfen für Kriegsteilnehmer. Im nächstjährigen Reichshaushalts - Etat wird man wohl wieder mit einer Erhöhung des an die Bundesstaaten und an Elsaß-Lothringen zur Gewährung von Beihilfen an hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer aus dem Feldzuge von 1870/71 und aus den von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriegen zu rechnen haben. In den letzten Jahren ist der Fonds stets um rund 2* 1/« Millionen Mark erhöht worden. Die Erhöhung von 1906 auf 1907 dürste sich in der Nähe derselben Summe bewegen.
* Aus Deutsch-Ostafrika. Eine amtliche Meldung besagt: Nach einem Telegramm des Gouverneurs aus Dar-es-Salaam vom 8. August traf Major Johannes am 25. Juli mit dem Hauptmann v. Kleist zusammen. Er hält die Lage in Upangwa noch nicht für geklärt. Im Bezirke von Sfongea schritten die Unterwerfungen fort, letztens unterwarfen sich die drei ältesten Söhne von Schabruma. Auch aus Irak« werden Unterwerfungen gemeldet, jedoch wurden die Führer noch nicht ausgeliefert. Die fünfzehnte Kompagnie ist van Kikoffa nach Ussum« bura abmarschiert.
in meinem wunderlichen, halbbetäubten Zustande I konnte ich mich bald mit diesem, bald mit jenem
Dinge nicht zurechtfinden. Endlich war ich fertig und gerade im Begriffe, das Zimmer zu verlassen, I als jemand an die Türe klopfte und Jane, eines der Dienstmädchen, über die Schwelle trat.
„Weshalb haben Sie mich nicht, wie sonst, um siebe« Uhr geweckt?" fragte ich ungnädig, ohne sie zu Wort kommen zu lassen. „Es ist beinahe Mit- tag, und ich habe den ganzen Morgen verloren!"
„Aber ich habe Sie geweckt, Fräulein Hilda!" verteidigte Jane sich. „Ich habe geklopft und geklopft, doch Sie hörten nicht. Und da Sie gestern Abend so — so kurios waren, wissen Sie, da bin ich ängstlich geworden, aber der gnädige Herr, den ich fragte, was ich tun sollte, meinte, es sei nichts, ich solle Sie nur ruhig ausschlafen lassen, das würde am besten sein."
„Wo siird meine Hunde?" fiel ich ein. Die Ab- I Wesenheit meiner Lieblinge war mir plötzlich zum Bewußtsein gekommen, und in meiner augenblick-
I lichen reizbaren Stimmung ärgerte ich mich über dieselbe.
„Ich weiß es nicht; ich glaube, daß Herr Ralph sie heute morgen mitgenommen hat, als er ausging. Die Tiere haben die ganze Nacht furchtbar geheult. Der gnädige Herr hatte sie in die Wafch- küche einsperren lassen".
„Wie? Warum?" rief ich.
„Sie waren gestern abend so unwohl und so schläfrig, Fräulein Hilda" entgegnete Jane zögernd. „Ihr Onkel fürchtete, die Hunde würden Sie stören, wenn sie bei Ihnen blieben. Ich hoffe. Sie fühlen sich jetzt bester, Fräulein."
„O ja, danke!"
„Sieh da, ich vergesse ganz, Ihnen zu sage», weshalb ich eigentlich heraufgekommen bin", rief Jane plötzlich. „Es ist Besuch für Sie da. Herr Andrews und noch ein anderer Herr wünschen I Sie zu sprechen. "
„Andrews? Wer ist das?"
„Aber Fräulein Hilda!" rief Jane mit weit 1
Deutscher Reich.
Berlin, den 9. August 1906.
* Der Kaiser besichtigte heute die Krupp'schen Werke in Rheinhausen auf das Eingehendste unter Führung des Direktors Gillhausen. Der Kaiser richtete dabei an eine Reihe von Arbeitern Ansprachen, und fuhr darauf im Automobil durch die Arbeiterkolonien, allenthalben von Ar- bestern und deren Familien aufs allerherzlichste begrüßt. Der Kaiser hörte später den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts v. Lucanus. — Der Kaiser verlieh Fran Krupp den Wilhelms- orden.
* Der Zentrumsabgeordnete, Geheimer Ober-Justizrat Dr. Rintelen begeht am 17. August seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar, derfich überraschender Frische des Körpers und Geistes erfreut, wird diesen Ehrentag in aller Stille in der Familie seines Sohnes, der Bankdirektor zu Goslar am Harz ist, verbringen. Das deutsche katholische Volk wird sich an diesem Tage dankbar der Verdienste erinnern, die sich der Jubilar in langjährigem parlamentarischen Wirken um die Sache der Katholiken Deutschlands erworben hat.
* Die Angelegenheit Fischer - Podbielski- Tippelskirch. Die ,Germaniw resümiert die Mitteilungen über die Affäre Fischer-Tippelskirch und stellt als Schlußfolgerung folgende Fragen: 1) Hat sich der damals aktive Legationsrat Bumiller mit Erlaubnis der Kolonialabteilung an einem Unternehmen beteiligt, das von dieser Behörde so bevorzugt worden ist? Dr. Bumiller hat sich nach eigenen Mitteilungen mit insgesamt l1/» Millionen an den kolonialen Unternehmungen beteiligt. 2) Wer hat dem verhaft teten Major Fischer die fehlenden 93 000 Mark
Aur Rirche und Schule.
* Rom, 9. Ang. 1906. Aus Anlaß de» Jahrestages der Krönung des Papstes fand in der Sixtinischen Kapelle des VatttanS feierlicher Gottesdienst statt, dem der Papst, die Kardinäle, die in Rom anwesenden Bischöfe und Mitglieder des diplomatischen Korps und des Adels beiwohnte».
* Rom, 9.Aug. 1906. Der Gesundheitszustand des Kardinals Rampolla gibt zu dm schwersten Bedenken Veranlassung. Der Kardinal leidet seit einiger Zeit schon an fort- fcauernbct Nervenschwäche, welche ihn zur Arbeit unfähig macht. (Kardinal Rampolla, der Staatssekretär Papst Leo's XIII., ist nahezu 64 Jahre alt.)
kein Herz, kein Mitleid. Was sollte aus mir wer- I den? Ich war so verlassen, ich hatte niemand. . . .
Ach! Geralds Freund! Der Papierftrerfen, auf welchem der Name desselben stand, lag wohlverwahrt in der Lade meines kleinen Schreibpultes.
„Mark Christian; 115; Browelowstreet, Liverpool", las ich eine Minute später, und die fast erstorbene Hoffnung blitzte plötzlich wieder in meiner Seele auf. Dieser Mann war Geralds Freund: er mußte deffen Adresse kennen. Ich konnte mich an rhn wenden und einen Brief an Gerald einschlie» ß.en. Noch war nichts verloren. Es würde mir ein Leichtes sein, mein Schreiben im Dorf unbemerkt zur Post zu geben. Gleich morgen solle das geschehen; heute war es mir nicht mehr möglich- ich fühlte mich zu schwach und elend.
„Mark Christian; 115; Browelowstreet, Liverpool!" wiederholte ich, während ich meinen Schatz wieder in sein Versteck zurücklegte. „Ich wollte, ich wüßte mehr von ihm. Es muß in guter Mann' sein, denn Gerald vertraute ihm und hat ihn lieb. Welch' ein Glück, daß mir diese Idee gekommen ist!"
„Mark Christian; 115; Browelowstreet, Liver-1 Pool!"
Immer wieder sagte ich diese Worte her. Ich wurde ärgerlich über mich selbst, ich wollte mich zwingen, an etwas anderes zu denken, aber es ging nicht; wider meinen Willen kehrten meine Gedanken stets zu der eben gelesenen Adresse zurück und murmelte ich dieselben Worte aufs Neue. War das die Nachwirkung des genossenen Schlaftrunkes oder stand ich auf dem Punkte, ernst-1 lich krank zu werden?
Wie wunderbar find die Wege der Vorsehung! I Den Papierstreifen mit Mark Christians Adresse sah ich nie wieder. Was würde mein Los gewesen sein, hätte letzterer sich nicht infolge dieser anscheinend zweck- und sinnlosen Wiederholungen unauslöschlich meinem Gedächtnis eingeprägt!
Das Geschäft des Ankleidens nahm heute eine unverhältnismäßig lange Zeit in Anspruch, denn I
aufgerissenen Augen. „Erinnern Sie sich des Herrn Andrews nicht mehr?"
„Wie könnte ich mich seiner erinnern! Ich kenne den Mann nicht!" entgegnete ich ungeduldig.
„Er hat ja gestern abend iher diniert! Und Sie schienen so gut Freund mit ihm zu sein, Fräulein Hilda; Sie erzählten ihm allerlei, von Ihren Hunden und alles, bis Sie auf einmal so schläfrig wurden."
Die großen, blauen Augen meiner Gefährtin ruhten mit einem eigentümlichen Ausdrucke auf mir; es lag etwas in demselben, was wie Mitleid aussah. Hielt Jane mich vielleicht für sehr krank?
„Ah so, jawohl, ich erinnere mich allerdings unseres gestrigen Gastes; nur wußte ich nicht, daß er Andrews hieß," stammelte ich verwirrt. „Es ist ein Freund meines Onkels. Sie werden sich übrigens geirrt haben, als Sie meinten, er sei gekommen, um mich zu sprechen. Melden Sie meinem Onkel, daß er da sei; der Besuch gilt Metern."
„Der gnädige Herr ist nicht zu Hause und Herr Andrews fragte ausdrücklich nach Ihnen, Fräulein Hilda. Er sagte, er habe Ihnen etwas wichtiges j mrtzuteilen."
„Sagen Sie ihm, ich sei nicht wohl und könne unmöglich herunterkommen."
Jane ging, doch kam sie nach wenigen Augenblicken zurück und mit dem Bericht, daß Herr Andrew darauf bestände Mich sehen und sprechen zu wollen. Die Sache fei dringend, und wenn ich mich zu krank fühlte, das Zimmer zu verlassen, so würde er sich erlauben, mich, dort aufzusuchen.
Mein Erstaunen über eine derartige Zudringlichkeit übertraf selbst meinen Unwillen. Was konnte dieser mir bis vor wenigen Stunden noch unbekannte Herr Andrews von mir wollen? Sollte ich feinem Verlangen entsprechen oder bei meiner Weigerung bleiben? Er war der Freund meines Onkels . . .
„Gut, Jane; ich werde kommen," sagte ich nach kurzem Bestnnen.
' (Fortsetzung folgt.)
«»deren Kräften geleistet werden kann, sich fernzuhalten." Es kommt bann der bekannte Hinweis auf die Straßenbahn, die den Vororts-Verkehr regeln müßte. Die Gemeinden müßten den Bau von Straßenbahnen nach den Vororten aufnehmen, sie könnten dies umsomehr tun, als die Aufwendungen dazu ebenso werbendes Kapital seien wie die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke. Daß die Eisenbahn - Verwaltung als äußerst kapitalkräftiger Faktor viel leichter in der Lage ist, den Vorortverkehr auf sich zu nehmen, als die oft leistungsschwachen Gemeinden, die viel dringendere Aufgaben haben, verschweigt der Herr Verfaffer. Zum Schluffe des Artikels wird unnötiger Weise der Minister bezüglich seiner Haltung in Schutz genommen. Er habe in mehr als 25 jährigem Eisenbahndienst die umfassendsten Kenntnisse im Eisenbahnverkehr zu etiuetben^ gewußt, er sei mehr unterrichtet auf diesem schwierigen der öffentlichen Kritik besonders ausgesetzten Gebiete, um den äußeren Schein von dem wirklichen Bedürfnis zu unterscheiden und das letzte in sachgemäßer Weise zu
Frei nach dem Englischen von I. Nemo.
14] (Nachdruck verboten.)
IX.
Was war mit mir vorgefallen?
Ich versuchte, mir die Ereignisse des verflossenen Tages ins Gedächtnis zurückzurufen, doch es war mir unmöglich, meine Gedanken auf einen bestimmten Punkt zu konzentrieren . Eine geraume Weile lag ich halb träumend da. Wie mein Kopf schmerzte! Wenn ich eine kalte Kompresse auflegte vielleicht würde das helfen!
Ich erhob mich, warf einen Morgenrock über und band mir ein nasses Tuch fest um die Stirne. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten: ich fühlte mich erfrischt und erquickt.
Wie sonderbar doch, daß ich alle Erinnerungen an den vorhergehenden Abend verloren hatte! Der Trank, den mein Onkel mir aufgedrängt hatte, schien mich vollständig betäubt zu haben. War es ein Schlaftrunk gewesen? Höchst wahrscheinlich, hatte ich doch selbst in diesem Augenblicke noch Mühe, die Augen offen zu halten.
Welchen Zweck aber konnte mein Onkel dabei verfolgt haben? Oder war es nur ein Irrtum seinerseits gewesen — hatte er sich vergriffen?
. Gerald, Gerald!" murmelte ich. „Du bist am« b^?ren * Erch kann Dir nicht schreiben, und Worr weist, welche Lügen man ersinnen wird, um Mich m Demen Augen als eine Unwürdige er- ■Jajcinen zu.lassen und mit Deine Liebe zu rauben."
All wem Mut, all'meine Tatkraft schien mich derlassen zu Habern Wie kurz war mein Glücks- "?um gewesen. . «.icht einmal ein Andenken war mir geblieben an mein entschwundenes Glück eine Zelle von der Hand des Geliebten, irgend etwas M ich hätte aufheben und heilig hallen können' j Wieder durchlebte ich im Geiste den gestrigen Mustritt. Mein Onkel war unerbittlich; er hatte
gepumpt, wenn es richtig ist, daß dieser 110000 Mark Schulden hat? Ist es Herr Reichest, Herr Podbielski, sind es andere Teilhaber der Gesellschaft Tippelskirch, vielleicht sichere gewesen? Sind es Mitglieder des Immobilien-Syndikats oder wer sonst? — Ueber das Verhältnis des Ministers von Podbielski zur Firma von Tippelskirch wird der ,Germania' von angesehener parlamentarischer Seite geschrieben, daß dasselbe sich nicht auf die Firma Tippelskirch beschränke, sondern auch zur Bildung eines sogenannten Immobilien-Syndikats gefühtt habe, welches begründet sei, um eine neue Fabrikanlage für die Firma Tippelskirch zu errichten und zu diesem Zwecke mehrere Grundstücke in der Lehrterstraße erworben habe. Auf Grund dieses Erwerbes und des Neubaues sei dann erst der Firma Tippelskirch ein längerer Monopol- vertrag zugestanden. Als Teilhaber des Jmmo- bilienverttages fei aber nicht die in Gütettrennung getretene Ehefrau Herrn von Podbielskis, sondern dieser selbst eingetreten. Da es ansschließ- lich für den Zweck der Erlangung eines längeren
Ausland.
* England und Frankreich. Die englische Handelskammer in Paris hat hier und in London eine Agitation eingeleitet, welche die Vermehrung der Telephonlinien zwischen Paris und London und gleichzeitig die Herabsetzung der Telegraphen- und Portogebühren im Verkehr mit England und Frankreich bezweckt.
* In England hat nach dem Handelsausweis im Monat Juli die Einfuhr eine Zunahme von 3,867,836 Pfund Sterling, die Ausfuhr eine Zunahme von 5,621,911 Pfund Sterling gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen.
* Im französisch-türkischen Streitfall erklärt jetzt auch die französische Regierung ihrerseits, daß sie gegen eine militärische Besetzung der Oase Djanet durch türkische Truppen in geeigneter Weise protestieren werde, genau so, wie vor einigen Tagen die Pfotte gegen eine französische Okkupation protestierte.
* Ein neues chinesisches Ministerium wird nach einer Meldung der ,Frkf. Ztg/ aus Tientsin geschaffen werden, und zwar für die Verwaltung der Bah neu, der Post, der Telegraphen und Telephone und des Seezolles. Chef de- Ministeriums wird der Herzog von Pulung,
* Der Vorortverkehr.
Die ablehnende Haltung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten in der Frage der Einführung des Vorortverkehrs in den preußischen Großstädten nach Berliner Muster hat viel böseS Blut gemacht und zu längeren Erörterungen Anlaß gegeben. Der Herr Minister stützte fich bei seinem ablehnenden Bescheide hauptsächlich auf Gründe der Fiskalikät. ES ist ihm bereits nach- geynesen worden, daß seine Darstellung vo« der Unrentabilität des Vorortverkehrs, speziell des Berliner Vorortverkehrs, eine Aenderung erfahren würde, wenn die Eisenbahnverwaltung bei diesem Vorortverkehr nach moderneren und praktffcherm • Gesichtspunkten verfahren würde. Jetzt entsteht deni Herrn Minister in der ,Nordd. Allg. Ztg/ ein Verteidiger, der von besonders hohem Pferde ’.erab diejenigen abkanzelt, die fich der höheren Einsicht der Eisenbahnverwaltung nicht ohne weiteres fügen wollen. Der Einsender an die »Nordd. Allg. Ztg/ meint, die lleberraschung über die ablehnende Haltung des Ministers würde weniger groß gewesen sein, wenn über das Wesen des Vorortverkehrs, seine Einrichtungen und technifche Durchführbarkeit, sowie über die Gr enzen seiner Wirkungen mehr Klarheit verbreitet wäre. Das ist der Standpunkt des selbstbewußten Bureaukraten, dem kein anderer Mensch in sein Ressort hineinsprechen darf. Die technischen SchwierigkeitensiehtderEinsender namentlich darin, daß neue Zugverbindungen nach Vororten sich nur auf befonberen, neben der Hauptstrecke bis zu in Stadtbahnhofe herzustellenden Geleisen möglich fein würden. Es würden aber Unsummen aufzuwenden sein, um diesen neuen Bahnkörper durch das hochwerttge Stadtgelände einzuführen und die heute schon beengten Bahnhöfe entsprechend zu erweitern. Also die leidige Geldfrage! Ganz sonderbare Ansichten über die Pflichten der Eisenbahn - Verwaltung dem Verkehr gegenüber entwickelt der Einsender der ,Nordd. Allgem. Ztg/, wenn er unter Berufung auf den in sprunghafter .Weise wachsenden Eisenbahn-Verkehr die Ansicht uAsspricht, daß die Staatseisenbahn-Verwaltung die Pflicht habe, „mit weiterem Blick in die Zukunft ihre Anlagen und Kräfte stets bereit zu halten, für die Anforderungen des Betriebes im weiteren Sinne und jedem Kleinbetriebe, der von
befriedigen. Die effenbahntechnischen Kenntnisse des Herrn Minister hat bisher noch me» wand bezweifelt. Aus feiner Mehnenden Haltung in der Vorortfrage aber wird man leider den Schluß ziehen müssen, daß er den groß- zügigen Fragen des Verkehrs eine kleine Auf- rf* UnQ r',^e9cnbtingt, * und an biofer unerfreu». juu, »uur ue«
hajen Tatsachen vermögen auch schönklingende Angaben des Blattes an dem Jmmobiliensyn- Phrasen und Lobredereien mchts zu ändern. dikat nicht beteiligt. Nach diesen Mitteilungen, die offenbar aus sicherer Quelle stammen, erscheint es immer notwendiger, daß Herr von Podbielski sein vornehmes Schweigen bricht und endlich der Oeffentlichkeit reinen Wein einschänkt.
Ein neuer Kolonialskandal ist auf dem Fleischertage in Königsberg andeutungsweise erwähnt worden. Einer der Redner erklärte, von „den Tippelskirch" könne auch er „etwas erzählen", z. B. was man im Kolonialamt mit verbranntem Speck gemacht habe. Bedauerlicherweise wollte der Redner nähere Angaben nicht machen, „denn er sitze ja nicht im Kolonialamt". Hoffentlich sagt der Redner doch noch, was er weiß, denn es ist doch nicht gerade notwendig, daß man im Kolonialamt sitzt, um Mißstände, deren Befestigung im allgemeinen Jntereffe liegt, aufzudecken.
* Ei« großer Streik droht in Berlin auS- zubrechen. Der Verband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter verlangt für seine Mitglieder eine Lohnerhöhung, cmderweite Regelung der Arbeitszeit und der Ueberstunden. Wenn bis Ende dieser Woche ein zufriedenstellender Bescheid nicht gegeben ist, soll eventuell der Streik beschlossen werden. Ob die Arbeiter mit einem eventuellen Streik den gewünschten Erfolg erzielen, bleibt abzuwarten.
* Lieber rot als schwarz. Das Zusammenhalten aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten unter vorwaltendem Einfluß des Zentrums erörtert an den Beispielen der Nachwahlen in Iserlohn-Altena und Hagen- Schwelm Professor Hans Delbrück im Augustheft seiner Preußischen Jahrbücher. „Ist die Idee tatsächlich realifierbar?" fragt er und antwortet mit einem runden Nein:
Der Ausgang der Iserlohner Wahl zeigt, daß jede solche Möglichkeit, selbst wenn sie wirklich vorhanden sein sollte, jedenfalls noch in weitem Felde liegt. Die nichtkatholische Bevölkerung ist von einem viel zu starken Argwohn, viel zu tief gewurzelter Abneigung gegen das Zentrum erfüllt, um sich unter seine Führung zu stellen. Lieber wählt sie einen Sozialdemokraten.
Und das, obwohl, wie Delbrück hervorhebt, [ das Zentrum eine absolut konfessionelle Partei niemals habe sein wollen und es tatsächlich auch nie gewesen sei. Mit Vorbedacht habe es den Namen der „katholischen Fraktion", die in den fünfziger und sechziger Jahren existierte und deren Nachfolger es geworden sei, nicht ausgenommen und durch die Heranziehung der protestantischen hannoverschen Welken seinen Kreis „wenigstens um ein geringes über die spezifisch- katholische Well hinaus erweitert." Im übrigen ist Delbrück der Meinung, daß infolge der I Zentrumsscheu weiter protestantischer Kreise I die Sozialdemokratie bei den nächsten Wahlen zunehmen werde. In vielen Wahlkreisen braucht es nur einiger Prozente der bürgerlichen Wähler, die lieber einen Sozialdemokraten wählten, so habe dieser das Mandat. — Man wird diesen Ausführungen unbedingt zustimmen müssen.