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M ISO,

Fulda, Mittwoch den 8. August 1906.

33, Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berrin, den 7. August 1906.

* Zum Fall Fischer-Tippelskirch gehen dem „Lo­kalanzeiger" aus „Bad Neundorf" längere Mittei­lungen zu, denen wir, lediglich referierend, folgen­des entnehmen: Es wird zunächst erzählt, daß die Lieferungen für die Kolonien zunächst dem Deut­schen Offiziersverein übertragen waren. Als im Reichstag Stimmen laut wurden, die die Lieferung bont. Offiziersverein getrennt wissen wollten, weil sic mit dem ursprünglichen Zweck des Vereins im Widerspruch ständen, taten sich der General z. D. van Podbielski und Herr von Tippelskirch zusam­men, um ein Ausrüstungsgeschäft für afrikanische .Kolonialzwecke zu begründen. Jeder Teilhaber Zahlte 30 000 ein. Die Haupttätigkeit bestand

.Als das Gesetz vom Jahre 1904 infolge der Combistischen Tatkraft zur Annahme gelangte, wurde es von den Sakristanhelden mit verschmitzter Ironie begrüßt. Sie wußten aus

* Die Etatsarbeiten werden, wie eine offi­ziöse Korrespondenz betont, nicht vor dem Dez. zum Abschluß zu bringen sein und der Etat werde demgemäß erst wieder im Dezember dem preußischen Abgeordnetenhause unterbreitet werden. Ein so umfassendes und kompliziertes Werk, wie es der preußische Staatshaushalt darstelle, der zudem in einem wesentlichen Teile auch vom Reichshaushaltsetat beeinflußt werde und demgemäß erst nach Fertig­stellung des letzteren durch den Bundesrat zum Abschluß gebracht werden könne, brauche drei bis vier Monate Zeit zur Erledigung. Und schließlich würde es auch weder für die Finanzen des Staates, noch für die Verhand­lungen im Landtage gut sein, wenn die Etats­aufstellung überstürzt würde. Die Folge werde lediglich eine weniger sorgfältige Arbeit sein, und dann würde wohl bald in der Erscheinung, daß die von der preußischen Regierung im Land­tage vorgelegten Etats von letzteren nur ganz geringen Umgestaltungen' unterworfen werden, eine Aenderung eieintreten. Dies aber könne als- wünschenswert durchaus nicht angesehen werden.

* Sozialdemokraten als Arbeitgeber. Zwi­schen der Geschäftsleitung des Konsum­vereins in Halle a. S. und den dort be­schäftigten Bäckergesellen ist es zu Differenzen gekommen. Die Gesellen verlangten die Kündigung des Bäckermeisters, da er nicht organisiert war. Statt dessen ist aber den Gesellen gekündigt worden, und sie sind nun in den Ausstand getreten. Der Bäckereibetrieb ist dadurch voll­ständig stillgelegt worden. Daraus kann man wieder ersehen, daß die sozialdemokratischen Arbeitgeber den „Herrn im Hausen-Standpunkt, den sie bei anderen Arbeitgebern aufs schärfste verurteilen, für sich in Anspruch nehmen.

* Die Zahl der sozialdemokratische Zen­tralverbände hat sich nach einem Bericht des Reichstagsabgeordneten Legier über die Ge- werkschastsorganisationen Deutschlands im Jahre 1905 im Jahresdurchschnitt um 292695 ver-. mehrt, das bedeutet gegenüber dem Vorjahre bei einer Gesamtmitgliederzahl von 1344804 eine Zunahme von 27,8 Prozent. Eine Mitglieder­abnahme hat bei dem Verband der Kürschner und zwar mit 59 stattgefunden. Ueber 100000 Mitglieder hatten von den Zentralverbänden folgende: Metallarbeiter, Maurer, Bergarbeiter und Holzarbeiter, erstere erreichten die höchste Zahl mit 233323. Die Einnahme der 64 ge­werkschaftlichen Zentralverbände überstieg 27,8 Millionen, die Jahresausgabe stellte sich auf 25,2 Millionen, davon für Streiks mehr als 9,6 Millionen.

tige Spekulation unternimmst, so sei vorsichtiger und sprich nicht so verächtlich oder gehässig von dec betreffenden Dame, ohne Dich zu überzeugen, ob sie sich nicht etwa innerhalb Hörweite befinde."

Ralph wechselte die Farbe und auch mein Onkel erschrak sichtlich, obschon doch beide auf etwas der­artiges vorbereitet sein mußten. Im nächsten Mo­ment jedoch ging mit letzterem eine seltsame Ver­änderung vor. Die Leidenschaft, welche soeben noch aus jeder Linie seines farblosen Antlitzes sprach, wich einem Ausdruck innigster Teilnahme, die zornbebende Stimme wurde sanft, es schien, als sei er plötzlich ein ganz anderer geworden.

„Ralph, mein Sohn, sprich nicht! Ueberlaß es mir, mit Deiner Kusine zu reden. — Meine liebe I Hilda, setze Dich und versuche. Deiner Aufregung Herr zu werden. Hier, mein Kind, befeuchte Deine Stirne mit etwas Kölnischem Wasser; das wird Dich erfrischen."

Instinktiv tat ich, was er mir riet; das gairze Zimmer schien sich abwechselnd mit mir zu heben und zu senken, und einen Augenblick war ich einer Ohnmacht nahe. Dem Zorn meines Onkels hatte ich getrotzt; dieser plötzliche, unerklärliche Wechsel in seinem Benehmen jedock, erfüllte mich mit einem ahnungsvollen Grauen.

Eine Weile sprach niemand, dann fragte mein Onkel in ruhigem, freundlichen Ton: „Hast Du Dich hinreichend erholt, um meinen Worten folgen zu können, Hilda?"

„Onkel, wozu dient es, diese Unterredung fort­zusetzen?" entgegnete ich bitter. „Ich habe genug gesagt, um Dich zu überzeugen, daß das, was Du wünschest, nicht geschehen wird, noch geschehen kann. Laß uns jetzt abbrechen."

„Nein, meine Liebe, abbrechen wollen wir jetzt nicht. Die Fortsetzung unseres Gespräches ist mir zwar nicht weniger peinlich, als Dir, aber da Du die Ehre meines Sohnes angre-^ so ist es meine Pflcht, eine Erklärung zu verlangen. Was be- rechtigt Dich, Deinen Vetter einer niedrigen, ebr-

Seele verachte! — Ich weiß, daß es nach diesem Auftritte für mich nicht länger möglich ist, länger unter Deinem Dache zu leben; ich werde eine Stelle aunehmen und mein eigenes Brot verdienen, bis — bis ich später in der Lage bin, Dir alles zu er­tasten, was Du auf meinen Unterhalt und meine @r8te§ung verwendet hast," fügte ich mit einem vielsagenden Blicke hinzu. „Halte mich nicht für undankbar, Onkel; ich werde nie vergessen, daß Du Barmherzigkeit an mir geübt hast, als ich nach öem Tode meiner Eltern hülflos und verlassen zn- rückblieb. Aber von heute an muß ich auf eigenen Füßen stehen!"

„Schweige! Kein Wort mehr!" rief mein On­kel Zornig. „Du beleidigst mich. Die Folgen hast Du Dir selbst zuzuschreiben. Mein Haus kannst Du nicht verlassen — ich bin Dein Vormund, und bi? zu Deinem vollendeten einundzwauzigsten Jahre unterstehst Du meiner Autorität. Und nun was bedeuten Deine beleidigenden Ausdrücke in Bezug auf meinen Sohn? Ich verlange eine Erklärung! — Ah, da ist er ja selbst!" unterbrach er sich, als die Tür aufging und Ralph eintrat. „Jetzt wie­derhole, was Du vorhin sagtest, wenn Du den Mut dazu hast!"

Ohne mich einen Moment zu besinnen, wandte ich mich meinem Vetter zu.

„Dein Vater zwang mich, ihm die nackte Wahr­heit zu sagen — Du kannst sie ebenfalls hören, wen» Du willst. Ich habe gesagt, daß ich Deine niedrige Gesinnung, Deine gemeine Heuchelei aus iefster Seele verachte und daß ich lieber sterben würde, als Deine Frau werden. Jetzt weißt Du, wie ich über Dich denke; ich nehme kein Wort, keine Silbe davon zurück."

„Hilda!" rief er mit einem mißlungenen Ver­stehe, schmerzlich überrascht zu erscheinen.

„Du bist kein so guter Schauspieler, als Dein Vater, Ralph," sagte ich bitter. „Dein Heiratsan­trag war eine Beleidigung, eine Schmach für mich. Wenn Du nächstens vielleicht eine andere derar- ■

)( Theorie mb Praxis.

Die schöne sozialdemokratische Redensart von der Freiheit wird von den Genossen in der Praxis bekanntlich dahin ausgelegt, daß sie für sich das möglichst vollständige Freibleiben von allen Ver­pflichtungen staatlicher, wirtschaftlicher und reli­giöser Natur fordern und dafür von den Anders­denkenden verlangen, daß sie unbesehen die phan­tastischsten Dogmen und Grundsätze der Sozia - demokratie annehmen. Innerhalb der Partei selb t herrschen allerdings über das Maß an Freiheit, das den einzelnen Genossen gut tut, recht ver­schiedenartige Ansichten, und wer nicht so will, wie die Oberhäuptlinge beschließen, dem kann es passieren, daß er einfach „fliegt". Ein recht drasti­sches Beispiel der Freiheit, wie sie die Sozialdemo­kratie meint, wird wahrscheinlich baldigst dieGerichte beschäftigen. In dem Vororte Zehlendorf bei Berlin existiert ein großes Lokal, der „Fürstenhof", dessen Besitzer sich von dem Glück der sozialdemokratischen Lehren, möglicherweise auch von dem voll­kommen einwandfreien Benehmen der Herren Genossen noch nicht hat überzeugen lassen können und deshalb sein Lokal für sozialdemokratische Versammlungen nicht hergibt. Ein normaler Mensch macht nicht bei Leuten Besuch, denen er nicht willkommen ist, und man sollte meinen, daß den Sozialdemokraten in Groß-Berlin 8.0. viele Lokale zur Verfügung stünden, daß es ihnen nicht darauf ankommen könnte, wenn sich der Besitzer des „Fürstenhof" ihre Anwesenheit höflich verbittet. Aber nein. Im Namen der Freiheit verlangen die Herren Sozialdemokraten, daß er ihnen sein Lokal öffnet, und da der Besitzer sich immer noch weigert, greifen sie zu Mitteln, gegen die jetzt der Inhaber des Lokals die Gerichte um Hilfe angerufen hat. Sie betreiben nämlich daS Streikpostenstehen vor dem Lokal und die Beeinflussung derer, die das Lokal besuchen wollen, in einer solch schroffen und belästigenden Weise, daß dem Besitzer ein be­deutender Schaden erwächst. Ehe man sich in die Gefahr begibt, von einem der Herren Genossen in mehr oder weniger feinfühlender Weise über die 'Notwendigkeit der von ihm getroffenen Streik­postenmaßregeln sich belehren zu lassen, vermeidet man eben lieber den Besuch des Lokals. Der Leidtragende ist natürlich der Wirt. Vorläufig haben ihn die Genossen noch nicht auszuhungern vermocht und hoffentlich sehen die deutschen Ge- richte in dem Vorgehen der Genossen ein Ver­fahren, das in die gesetzlich gewährleisteten Rechte des Staatsbürgers und Gewerbetreibenden in schroffster Weise eingreift und deshalb Ahndung verdient.

Ausland.

* DaS französische Kulturkümpferorgan, die ^anterne' jubelt darüber, daß die Regierung in letzter Zeit im ganzen 842 Kongregation?» schulen geschlossen hat und beglückwünscht Clemenceau zu seiner „Rührigkeit" und seinem „demokratischen Eifer". Das radikalsozialistische Organ Pelletanescher Färbung läßt u. a. folgen- den Erguß los:

wurde aber in das Auswärtige Amt, in die Zentralstelle, berufen und hat seine Karriere als Afrikaner in Berlin gemacht. Stets aber ge­hörte der Major nicht der Armee, sondern der Kolonialabteilung an, in der er seine Dienste tat, von der er gehalten und befördert und unter­stützt wurde, ein Zeichen, daß es hier durch „Konnexionen" möglich war, selbst fragwürdige Persönlichkeiten zu halten und zu fördern. Nun aber steht man vor der Frage: Wie ist es mög­lich, daß eine solche Person, deren Vergangen­heit natürlich bekannt fein mußte, in dieser Weise gehalten, beschäftigt und befördert werden konnte? Während man im Regiment den Leut­nant, der einige hundert Mark Schulden als junger Mensch leichtsinnig gemacht hat und sie nicht bezahlen kann, „springen" läßt, kommt der Major trotz gepumpter 100000 Mark und 8000 Mark festen Einkommens nicht aus seinen Geld­verlegenheiten heraus. Das war bekannt, aber man behielt ihn, bis die Katastrophe eintreten mußte. Wer sind die Personen, die dahinter stecken?

.-. Kammergerichtsrat Strähler, der die Disziplinaruntersuchung gegen den Gouverneur von Puttkamer führt, begibt sich noch im Laufe dieses Monats nach Kamerun, um an Ort und Stelle den gegen den Gouverneur erhobenen Vorwürfen auf den Grund zu gehen. Herr I Strähler hatte ursprünglich die Absicht, den am 10. ds. Mts. abgehenden Dampfer zu benutzen, nimmt aber, da er mit seinen Vorarbeiten bis dahin noch nicht fertig wird, das nächste Schiff.

* Worüber der Kaiser manchmal Reue empfindet, glaubt die /Deutsche Tagesztg/ berichten zu können. Das Blatt schreibt am Sonnabend am Schluß eines Artikels: „Wie der Kaiser spricht", wörtlich:

„Daß der Kaiser selbst wohl weiß, wie nahe die Gefahr liegt, im freien Worte die Grenze des Gewollten zu überschreiten, das bezeugt ein Aus­spruch von ihm, der ihn vielen in einem anderen Lichte zeigen mag, als sie ihn zu sehen gewöhnt sind. Es war vor wenigen Jahren auf dem Som­merschlosse eines mitteldeutschen Bundesfürsten, des abends nach der Tafel, und die Runde der An­wesenden beim Glase Bier und der Zigarre war ganz klein. Irgendwie kam die Unterhaltung auf philosophische Themata allgemeiner Art — | und man sprach von dem Gefühl der Reue. Da fagte der Kaiser, der an der Konversation in der ungezwungensten Weise teilnahm: auch ihm sei dieEmpfrndungderReuenichtfremd, und manchmal habe ihm schon das Bewußt - fein schlaflose nächtliche Stunden bereitet, in einer des Tages gehaltenen Rede nicht das Maß des Inhalts und des Ausdrucks gewahrt z u haben, das er sich zuvor gesetzt batte."

Der ,Reichsbote^ hatte sich darüber auf­geregt, daß der neuernannte Präsident des Reichsversicherungsamtes, Geheimrat Dr. Kauf­mann, katholisch sei. Das Blatt mußte es sich gefallen lassen, sogar von der ,Berl. Volks­zeitung" dieserhalb zurechtgewiesen zu werden. Jetzt tritt der ,Reichsbote' den Rückzug an. In der Feststellung, daß Kaufmann in seiner Er­scheinung nach dem ersten Präsidenten Bödiker schlage, eine Herabsetzung des letzteren zu sehen, sei tendenziös. Das Amt sei seinerzeit eine be­vorzugte Heimstätte für katholische Mitarbeiter geworden und das möchte er (der ,Reichsbote0 unter seinem zweiten Nachfolger vermieden sehen, weil mit ihm diese Gefahr wiederkehre.

mit verschmitzter Jrom

_ r „ Erfahrung, daß schon so

manche Laisierungsgesetze zuvor schon fast ebenso schnell vergessen als votiert worden waren. Sie

rechneten mit dem Wechsel der Regierungen und losen Gesinnung zu beschuldigen? Aus den Wor­ten, die Du soeben fallen ließest, habe ich geschlossen, daß Du ihn bei irgend einer Angelegenheit be> lauscht hast, und daß Du Dich durch das damals Vernommene beleidigt fühlst. Ist das richtig?"

„Onkel, hast Du denn kein Herz, kein Mitleid? ' rief ich. „Wozu nützt es, diese Schmach breit zu treten! Du weißt so gut wie ich, was et sagte und was Du antwortest. Ich stand dicht neben dem offenen Fenster; ich verstand jedes Wort. Latz es jetzt gut fein; es hat keinen Zweck, darauf ein« zugehen."

„Doch ich will Klarheit haben. Halbe Worte und Andeutungen beweisen nichts. Was hast Du verstanden, oder glaubst Du, verstanden zu haben? Sprich klar und deutlich!"

Er war augenscheinlich entschlossen, mich zum Sprechen zu zwingen, und so sagte ich denn alles; ch wiederholte ihm jedes Wort, welches er oder Ralph gesagt, ich erinnerte ihn daran, daß dieser meinen Tod herbeigewünscht hatte, um so in den Besitz meines Vermögens zu kommen, ohne daß ihm der Genuß desselben durch meine Gegenwart vergällt würde. Ich berfdfanM-e nichts; mein On- i!el sowohl wie auch fein Sohn sollten endlich zur Einsicht gebracht werden, wie vollständig zweck- und nutzlos jeder weitere Versuch fein würde, mich ür ihre Pläne $u gewinnen.

Stumm hörten beide mich bis zu Ende an. Als ich endlich schwieg, stand mein Onkel mit einem tiefen Seufzer von seinem Stuhle auf und, sich über mich beugend, berührte er zu meinem un­aussprechlichen Staunen meine Stirn mit seinen Lippen.

„Wie Dein Kopf glüht! Aber kein Wunder — fein Wunder!" fügte er wie zu sich selbst spre­chend hinzu. „Hilda, mein armes Kind, ist es denn möglich, daß Du noch immer in diesem Traum be­äugen bist?"

„DaS war kein Traum; es war aber bittere Wirklichkeit!" rief ich. „Onkel. Du kannst doch

Ein Wille, ein Weg.

Frei nach dem Englischen von I Nemo.

11] (Nachdruck verboten.)

„Hilda, Kind, der Himmel ist mein Zeuge, daß Tu mir teuer bist, und daß ich nur mit schwerem Herzen zu harten Maßregeln meine Zuflucht nehmen werde. 11m Deiner selbst willen tue, was ich von Dir verlange! Du kannst Dich mir nicht widersetzen, mein armes Kind; ich bin stärker als Du. Glaube mir, Tu wirst als Ralphs Gattin nicht unglücklich fein. Und was mich betrifft, ich werde Dir ans jede mögliche Weise das Opfer zu vergelten suchen, das Du mir bringst; nichts wird mir zu diel oder zu schwer sein, wenn es gilt, Dir eine Freude zu machen. Kind, Kind, höre auf mich, höre auf die Stimme der Vernunft; gtoinge mich nicht, znm Aeußersten zu schreiten. Du weißt nicht, was Du über Dich selbst heranf- vep.bwörst, wenn Du eigensinnig bei Deinem Ent- 'chlufse verharrst. — Hilda, sprich, willst Du ge­horchen?"

. kann Nicht, Onkel", schluchzte ich. „Ber- nffeS 1,011 nur, was es auch sei, ich will es e§ in meiner Macht steht, aber sterben^"'" kann ich nicht werden — eher Din'a?"als Ä ^n Acht! Es gibt schlimmere finiter. &er entgegnete mein Onkel am meine momentane Weichlot mÄe aufs mm der Empörung Raum. '

Ädj fürchte Dich nicht; Gott wird mir bei- ftefcit entgegnete .ch fest. „Ich werde niemals ote <5uube begehen, dre Du mir ansinnst Wie ■ konnte ich im Angesicht Gottes einem Manne Treue schwor.?», dessen niedrige Gesinnung ich in tiefster

in der Herstellung von Kaki-Drellanzügen, die bis­her von England bezogen werden mußten, wie überhaupt die ideelle Seite des Geschäftes (Das ist wirklich sehr gut gesagt. Die Red.) in dem Bestre­ben lag, die deutsche Kolonialabteilung vom Aus­lande unabhängig zu machen. Nachdem die Liefe­rungen für Afrika auf Jahre gesichert waren, wobei Major Fischer mittätig war, der aber damals von Tippelskirch pekuniär noch nicht abhängig war, wurde das Geschäft nach der Potsdamer Straße verlegt. Nunmehr trat Podbielski in den Staats­dienst zurück; infolgedessen mußte fein Verhältnis zur Firma anders geregelt werden. Anstelle ihres ausscheidenden Mannes trat Frau von Podbielski. Als weitere Teilnehmer traten ein Kommerzienrat Hecht, Wißmann und Kaufmann Reichel. Im Laufe der Zeit hat Major Fischer Herrn von Tip­pelskirch angeborgt. Wie weit ein Einfluß auf die staatlichen Verträge ansgeübt wurde, entzieht sich der Beurteilung. Zweifellos hat aber weder Frau von Podbielski noch ihr Gatte von den Dar­lehen etwas gewußt. Auf die Zeitungsnachrichten unterbrach der Landwirtschaftsminister feinen Ur­laub und forderte von Herrn von Tippelskirch Aufklärung, die ihm in derselben Weise gegeben wurde, wie sie von Seiten Tippelskirch in der Presse erfolgte. Der Minister war als Mann der Firmateilhaberin sehr zurückhaltend. So hat er niemals von irgend einem Vertrag der Firma Tippelskirch mit der Regierung Kenntnis genom­men oder Einfluß auf Geschäftsabschlüsse geübt. Er war niemals in der Kolonialabteilung und verkehrte auch nicht im Hause des Herrn von Tip­pelskirch. Bezüglich der vom Reiche gezahlten Preise liegt ein Gutachten der Berliner Handels­kammer vor, das sie als angemessen bezeichnet. Herr von Podbielski hat, um ganz korrekt zu ver­fahren, im Jahre 1900 die Gütertrennung mit feiner Frau eintragen lassen. Der Minister dürfte die Hineinziehung feiner Person mehr als einen Ausfluß der Antipathie gewisser Kreise gegen feine Person auffassen, was ihn indessen kaum ab­halten wird, die weitere Entwickelung der Air­gelegenheit in aller Ruhe abzuwarten. Von einem Darlehn von 100 000 Mark an Fischer ist nach der Auskunft des Herrn von Tippelskirch an Herrn von Podbielski nicht die Rede. — Diese Aus­lassungen rühren anscheinend von Herrn von Pod­bielski selbst her. Wir wollen nur kurz bemerken, daß sie nicht imstande sind, die Bedenken gegen die indirekte Beteiligung des Landwirtschafts­ministers an der Firma Tippelskirch zu ent­kräften.

lieber die Persönlichkeit des Majors Fischer macht die ,Deutsche volkswirtschaftliche Korrespondenz" folgende Angaben: Major Fischer ist int preußischen Kadettenkorps erzogen, kam als charakterisierter Portepeefähnrich in die Armee und wurde Ende der siebziger Jahre nach mancherlei Fährlichkeiten Sekondeleutnant im da­maligen 8. Pommer'fchen Infanterie-Regiment Nr. 61 zu Thorn. Im Jahre 1880 schon, als ganz junger Leutnant also, mußte er den Ab- fchied Schulden halber nehmen. Damit war seine Karriere in der preußischen Armee beendet. Fischer trat nach einiger Zeit in die sächsische Armee ein. Aber auch hier ist er nur ganz kurze Zeit geblieben und ging Mitte der achtziger Jahre zur Ostafrikanifchen ' Gesellschaft. Also vor zwei Jahrzehnten hat Fischer die Armee ver- ,affen. Die Ostafrikanische Gesellschaft war be­kanntlich ein Privatunternehmen, das, weil es ich gegen die Aufstände nicht halten konnte, vom Reich übernommen wurde. Die Offiziere wurden ebenfalls übernommen, und so ist mancher, der, tatt wie früher nach Amerika, jetzt nach Afrika gegangen, wieder in den Staatsdienst gekommen. In Afrika war Fischer nur ganz kurze Zeit. Er