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Rotationrbrnck n. Verlag der Fuldaer Ac« tienbrnckerei in Sulba. zernsprecher Nr. 9.

M 175.

Fulda, Frettag den 3. August 1906.

33, Jahrgang.

Deutsches Keich.

Berlin, den 1. August 1906.

* Ein neuer Besuch des Kaisers beim Reichskanzler steht, wie das ,Berliner Tageblatt' hört, bevor. Der Besuch des Kaisers beim Fürsten Bülow soll Mitte August stattfinden.

Unsere Blicke begegneten sich, und mit einem Jubelruf sank ich an seine Brust und verbarg mein erglühendes Gesicht an seiner Schulter.

V Minister in Privatbetrieben.

Die überaus rührigen Leiter der Firma Tippelskirch u. Cie. haben es bekanntlich verstanden, sich in der Person des nunmehr ver­hafteten Major Fischer erneu eiifflichrei- chen Agenten zu verschaffen, indem ste nach be­rühmtem Rezepte mit der Wurst nach der Speck­seite warfen. Die Firma steht noch mit entern anderen Herrn in Verbindung, dessen Stellung ihm einen noch viel weiterreichendm Einfluß sichert, als es bei Major Fischer der Fall war. Wir meinen den Herrn Landwirtschaftsminister. Ueber seine Beziehungen zu der Firma Tippcls- kirch u. Cie. ist Authentisches allerdings bisher nicht bekant geworden.

Nach der „Germania" hat Herr vonPod- b i e l s k i einem Abgeordneten gegenüber sich dahin ausgesprochen, daß er au der Firma iridjt .mehr mit Kapital beteiligt, wohl aber an ihrem Gewinn in irgend einer Form in­teressiertsei. Von anderer Seite wird be­hauptet, daß nicht der Landwirsschaftsminister, wohl aber einige feiner Familenmftglieder an der Firma noch beteiligt seien. Auf die Art vcr Beteiligung kommt es übrigens durchaus nicht an; es kann jedenfalls festgestellt werden, daß der Herr Landwirsschastsminister an dem ge­schäftlichen Wohlergehen der Firma Tippelskirch u. Cie. stark interessiert ist. Und das halten wir, zumal nach den Erfahrungen der letzten Tage, nicht für angebracht.

Die Person des Herrn Landwirsschafts­minister scheidet bei diesen Betrachtungen selbst­verständlich vollständig aus, seine persönliche Un­bescholtenheit wollen wir über jeden Zweifel er­haben hinstellen. Aber zur Sache selbst können wir nur betonen, daß eine Verquickung von Staatsgeschäften und Privatgeschäften, wenn die Verhältnisse so liegen, wie bei der Firma Tip- pelskirch u. Cie., nicht Vorkommen darf. Es wird natürlich keinem vernünftigen Menschen einfallen zu verlangen, daß die Minister bei ihrer Ernennung sofort jede geschäftlichen Beziehun­gen, die sie vor ihrer Ernennung eingegangen, lösen. Es wäre das ein Eingriff in die persön­liche Bewegungsfreiheit, die sich auf rechtliche und moralische Gründe nicht stützen könnte. Man wurde dann zu dem Extrem kommen, einem Minister schließlich den Besitz von Immobilien z. B. überhaupt untersagen zu müssen.

Wenn jetzt in der Presse dem Herrn Land- wirtschaftsminster angsraten wird, seine Be-1 ziehungen zu der Firma Tippelskirch u. Cie. zu lösen, so geschieht das vor allem aus dem Grunde, weil die Firma Lieferungen für den S t a a t besorgt. Das ist der springende Punkt. Die Firma erhält Staatsausträge, und da sollte sich Herr von Podbielski doch fragen, ob er nicht in seinem eigenen Interesse auf eine Beteiligung an der Firma verzichten solle, um so allen Ver- mutungen von vornherein den Boden zu ent­ziehen.

I In welche Worte wir unsere Gefühle kleideten, was wir uns in diesem ersten Moment unseres neuen Glückes anvertrauten, ich könnte es nicht sa- gen, selbst wenn ich es wollte; ich weiß nur, daß mein Herz überströmte vor Dank und Freude und unnennbarer Seligkeit. Ich vergaß alles, was mich drückte und bekümmerte, meine Entdeckung von vorhin, die Unsicherheit der Zukunft. — Ger­ald liebte mich, sein Herz gehörte mir, was konnte ich mehr vom Leben fordern!

Hand in Hand wanderten wir jetzt am Weiher entlang auf und ab.

»Du weißt, daß ich arm bin, Hilda," sagte Gerald eben, „ich kann Dir nur eine sehr beschei­dene Existenz bieten. Schreckt Dich der Gedanke

! nicht zurück, mein Liebling?"

„An Deiner Seite werde ich immer reich fein, trotz aller Armut," rief ich. „Und überdies, ich hasse das Geld. Es ist die Wurzel alles Uebels und aller Sünde."

„Aber man kann es leider im Leben nicht ent­behren, Kind", fiel Gerald ein. „Glaubst Du nicht, daß ich Dir langst das Geheimnis meiner Liebe verraten haben würde, wenn nicht der Ge- danke an den von Dir so geschmähten Mammon mich zurückgehalten hätte? Aber beim Anblicke Deiner Tränen verlor ich all meine Selbstbe-! herrschung, und das Wort entschlüpfte mir, ehe ich es nur wußte."

„Bereust Du Deine Uebereilung?" fragte ich, mit einem glücklichen Lächeln zu ihm aufsehend.

„Nicht meine Uebereilung, sondern mein bis- heriges Zögern. Ich war ein Tor, Hilda." Ich antwortete nur mit einem Blick.

„Mein Salair ist verhältnismäßig mager, aber mit dem nächsten Quartal wirb das anders und I bester werden," fuhr Gerald nach einer Pause fort. |

Ein Wille, ei« Weg.

Frei nach dem Englischen von I. Nemo.

6] (Nachdruck verboten.)

Es dauerte lange, ehe ich mich einigermaßen fassen konnte, doch allmählich legte sich der Sturm in meinem Innern. Ich wußte jetzt, daß mein Onkel mich betrogen und getäuscht hatte, daß feine Liebe, seine Zärtlichkeit Lug und Trug gewesen war, daß ich allein stand auf der Wett, ganz allein. Doch tote tief mein Herz auch verwundet sein mochte, wie unsäglich verlassen ich mich fühlte, die Entdeckung, die ich gemacht, sie brachte mir doch auch zugleich die Freiheit, sie enthob mich der Ver­pflichtung, die ich meinem Onkel gegenüber still­schweigend eingegangen war.

.Ich holte tief Atem bei diesem Gedanken. Eine Heirat zwischen Ralph und mir war jetzt unmög­lich- gewordeit. Harte Kämpfe standen mir un­zweifelhaft bevor, doch wie auch mein Los sich ge- statten mochte, vor dem Schicksale, an Ralphs Seite Jnetn Leben zubringen zu müssen, war ich jetzt wenigstens gesichert.

cvV’J?1!6 Lawrence! Jetzt durste ich an ihn denken I xsaj liebte ihn — o, ich liebte ihn!

. .^^e Tränen füllten meine Augen, Tränen be$ Schmerzes der Wehmut und doch auch zugleich 4“, Sreube. drängte sie nicht zurück, erleich- ^"on ste doch mein gepreßtes, übervolles Herz.

„Hllda! — Geliebte, was ist Dir?"

Erstaunt, erschreckt sah ich auf. Lawrence stand por nur. '

„Hilda!" wiederholte er.

. Der Ton seiner Stimme durchzitterte mich mit «nein Schauer unendlichen Glückes. , Kein Wort von Liebe war bis dahin zwischen uns gefallen und doch wußte ich in diesem Moment mit um .Zweifelhafter Sicherheit, daß meine Ahnungen mich -nicbi betrogen, daß ich ibm teuer war, wie er mfc. |

„Wenn das ter Fall ist, dann soll sie bald den Gebrauch ihrer Gliedmaßen wieder erlangen," tief ich. „Wie stolz würde ich sein, wenn ich mir ägen dürste," daß ich zu ihrer völligen Wider- Herstellung das meinige beigetragen hätte!"

Gerald seufzte. „Eine Pflege, wie ihr Zu­stand sie erfordert, ist eine kostspielige Sache. Du wirst nun auch besser als vorhin einseheu, warum mir die Geldfrage als eine so wichtige erschien."

„Gerald," flüsterte ich, mich fester an ihn schmiegend, „würdest Du Dich nicht freuen, wenn ich Dir helfen könnte, anstatt Deine Sorgen noch zu vermehren?"

„Nein, Kind, ich bin froh, daß Du arm bist," entgegnete er lächelnd. „Weißt Du noch, daß Du mir bei unserem ersten Zusammentreffen sagtest. Du gehörst zu den Schmarotzern, zu den Leuten, die auf Kosten ihrer reichen Verwandten leben? Das gab mir den Mut, Dich zu lieben. Wärest Du das gewesen, wofür ich Dich hielt, die Tochter meines vermögenden Prinzipals, so würde ich mein Möglichstes getan haben, die in meinem Herzen aufkeimende Liebe zu ersttcken — ob es mir ge­lungen wäre, ist allerdings eine andere Frage."

Ich schwieg einige Augenblicke. Gerald mußte erfahren, daß er sich in Bezug auf meine Vew mögensverhältnisse im Jrrtume befand, aber eS war so schwer, das rechte Wort zu finden.

„Du hast mich noch gar nicht gefragt, weshalb ch vorhin weinte", sagte ich endlich. „Soll ich eS Dst erzählen?"

„Ja, sage es mir. Vielleicht kann ich Dir heb­en oder Dir wenigstens einen guten Rat geben. Das preßte Dir diese bitteren Tränen aus?"

„Das, was ich schon vorher sagte, die Grund­ursache allen Elends in der Welt ist das Geld," rief tdj. „Ich bin nicht arm, Gerald; ich bin reich, und gerade dieser Reichtum war es, der mich 0 unglücklich machte."

,^ilda!"

„Es ist wahr, so seltsam es klingen mag, ent­gegnete ich, unwillkürlich lachend beim Anblicke deS erstaunten Gesichtes meines Gefährten. JSd) habe

schrilles der Reformen. Die Zustimmung Eng­lands zu der vorgeschlagenen Z 0 Ilerhöb - u n g dürfe nicht erteilt werden, bis die englische Regierung hinreichende Bürgschaften erhalten habe, daß das Geld nicht verschwendet, sondern ordnungsgemäß gesammelt, und zu dem Zwecke verwendet wird, die Reformen in Mazedonien zu sichern. Wenn die englische Regierung Erfül­lung dieser Bedingungen nicht erreichte und die türkische Zollerhohung nicht genehmigt würde, so fürchte er, der Redner, daß der Ausblick für Mazedonien sehr schlecht sei. Er sei der lleocr« zeugung, daß die gegenwärtige Lage der türki­schen Finanzen derart fei, daß, falls nicht eine derartige Nachhilfe gewährt werde, Gefahr be­stehe, daß der ganze Finanzreformplan zu Fall gebracht werde.

* Zwischen Persien und der Türkei sind ' abermals Grenzstreitigkeiten entstanden, indem eine türkische Truppenabteilung ein als persisch geltendes Gelände besetzt hat.

* Ans Marokko. Die Aufftändischen unter Kaid Azus in Lailu wurden gleichzeitig von re­gulären Truppen und von einer andern Seite durch Leute vom Stamme der Beni Snasen an­gegriffen. Der vereinte Angriff führte zur voll­ständigen Niederlage der Aufftändischen, unter denen die Sultanstruppen ein Blutbad anrich­teten. Die Aufständischen zogen sich in wilder Flucht teils bis Zeluan, teils bis Kebdana zu­rück. Die Sultanstruppen schlugen in Lailu ein Lager auf. Von maurischer Seite in Fez, die sich bisher als bestens unterrichtet erprobt Hal, erhält der Korrespondent der „K. Ztg." in Tan­ger die Bestätigung der schon seit einigen Tagen in Fez umlaufenden Gerüchte, daß franzö­sische Truppen vier Stunden vor Tafilett erschienen seien. In Kreisen, die dem Machsen nahe stehen, wird erklärt, daß der für die vor einiger Zeit stattgehabte franzö­sische Expediton nach Debdu, 200 Kilometer über die algerische Grenze hinaus, gewählte Vorwand, diese Expedition sei auf Grund des durch Ver­trag von 1845 gewährten Rechtes der Perfol- -; gung erfolgt, im Falle von Tafilelt schwerlich abermals herangezogen werden könnte. Gewisse Mitglieder des Wachsen, die mit der Unterzeich­nung der Akte von Algeciras wenig zuftieden waren, meinen, daß der Machsen sich nur an die Akte zu halten und darauf zu bestehen habe, daß diese von der andern Seite, besonders in Bezug auf die Integrität Marokkos, ftrift geachtet würde.

* Am Kongo sind am untern Jturi und bei den Fällen des Kassaiflusses Unruhen aus- gebrochen, zu deren Unterdrückung 500 Mann Truppen kommandiert wurden.

* Zur Uebergabe von Port Arthur. Da General Stössel die Untersuchungskommisston des Generals Roop wegen Befangenheit abge­lehnt, besteht in der höheren Militärverwaltung die Absicht, einem Gesuche Stössels insofern nachzugeben, als eine Revision feiner Angelegen­heit vorgenommen und die von Stössel vorge­schlagenen Zeugen vernommen werden sollen.

* Samoa. Die amerikanische Regierung hat nunmehr endlich den auf sie entfallenden Anteil an der Entschädigung für die in den samoanischen Unruhen von 1899 geschädigten Europäer im Betrage von 20000 Dollar bezahlt. Somit ist diese Angelegenheit, die sich von 1899 durch endlose Verhandlungen bis jetzt hingezogen hatte.

I Man geht wohl nicht fehl, wenn man diesen Besuch mit der bevorstehenden Begegnung des Kaisers mit König Eduard und ebenfo nut den Vorgängen in der Kolonialverwaltung in Zu­sammenhang bringt.

* Das neue deutsche Unterseeboot, welches vor kurzem vom Stapel gelassen ist, wird bei einem Deplaeem«t von 180 Tons eine Be­satzung von etwa 16 Mann erhallen. Das Tauchboot ist etwas größer als die älteren beut« scheu Hochfeetorpedoboote. Als Uebungsgebiet ist die Eckernförder Bucht ausersehen. Der Er­bauer des Bootes ist der Ingenieur d' Egne- villep-Monjustin, welcher fein Projekt zuerst dem ftanzösischen Marineministerium angeboten hatte, aber von diesem abgewiesen wurde. Der Axionsradius des Fahrzeuges ist auf mindestens 3000 Seemeilen berechnet. Das Boot kann unter Wasser 12, über Wasser 9 Seemeilen in der Stunde zurücklegen.

Die Nachrichten des ,Berlluer Lokalanz/ über die Kolonialskandale kritisiert der,Reichs- bote' in folgender Weise: „Eine besonders an­fechtbare Rolle fällt dabei dem ,Berliner Lokal- anzeiger' zu, welcher sich aus einem Widerspruch in den anderen stürzt; bald bringt er offiziös angehauchte Beschönigungen, bald Mitteilungen aus den angeblichen Ergebnissen der Unter­suchung, bald wieder die Verteidigung des Gou­verneurs v. Puttkamer, und wenn man bann alle seine Behauptungen zusammenstellt, so finb ste ein wildes Durcheinander von sich gegenseitig aufhebenden Tendenzausstreuungen. Es muß dies Verfahren in einer ernsten und weittragen­den Angelegenheit, bei welcher das persönliche Schicksal höherer Beamten mit auf dem Spiele steht, als ein öffentlicher Unfug bezeichnet werden, der in die geordnete Arbeit der Jusllz und ihre Untersuchng ebenso wie in das Volk und die öffentliche Moral nur Verwirrung tragen kann."

* Als Geheimorgan scheint die sozial- demokratische Parteikorrespondenz ge­dacht zu sein. Der ,Vorwärts' veröffentlicht nämlich folgende Zuschrift des sozialdemokratischen Parteibureaus: „Aus den Kreisen der Parteige­nossen sind bei uns zahlreiche Ansuchen um Zu­stellung der Parteikorrespondenz eingelaufen, die wir nicht berücksichtigen können, well sonst der Kreis der Genossen, für den die Korrespondenz bestimmt ist, weit überschritten werden müßte. Wir wollen deshalb noch einmal darauf Hinweisen, I daß die Korrespondenz nut den in der Agitation hervorragend tätigen Genossen und zwar den Reichstags- und Landtagsabgeordneten der Partei, den Redakteuren der Partei- und Gewerkschafts- preffe, den Leitungen der Bezirks- und Kreis- organisationen und den in der Agitation für die Partei rednerisch tätigen Genossen und Genossinnen zugestellt werden kann. Die hierbei in Betracht kommenden Genossen müffett sich von nun an mit ihrem Ansuchen an die zuständigen Bezirks­organisationen wenden. Durch ein Zirkular er­halten die Organisationsleitungen in den nächsten Tagen noch nähere Informationen." DemPartei- bureau scheint sehr viel daran zu liegen, die Oeffenllichteit von diesem neuen Parteiorgan fern« zuhalten.

** Eine Boykottklage gegen die sozial- demokratische Parteileitung steht in Sicht. Seit mehreren Wochen ist über ein Restaurant in dem Berliner Vorort Zehlendorf

Ausland.

* Im englischen Unterhaufe betonte am Mittwoch im Laufe einer kurzen Debatte über die mazedonische Frage der Staats­sekretär des Auswärtigen Sir Edward Grey die Bedeutung der Erhaltung des europä- i s ch e n K 0 n z e r t s zur Sicherung des Fort- „Glänzend ist allerdings selbst dann mein Ein­kommen noch nicht, aber es wird reichen für uns beide und für — eine andere Person noch dazu."

„Eine andere Person!" wiederholte ich erstaunt. „Ich habe eine Schwester," entgegnete er ernst. „Wußtest Du das nicht?"

„Nein. Weshalb hast Du mir nie von ihr er­zählt?" rief ich.

„Ich war wiederholt im Begriffe, von ihr zu sprechen, aber — meine Feigheit schloß mir stets den Mund. Doch nein, Feigheit ist nicht das rechte Wort; es war mehr ein unbestimmtes, halb un­bewußtes Zurückscheuen vor der Berührung eines Gegenstandes, der vielleicht früher oder später zu peinlichen Erörterungen, wenn nicht zwischen uns beiden, so doch zwischen Deinem Onkel und mir führen konnte. Du verstehst mich nicht? Nun, dann will ich Dir die Sache erklären. Meine Schwester ist ganz von mir abhängig. Wäre ich reich, so würde das wenig zu bedeuten haben — jetzt wird dieser Puntt Deinem Vormunde schwer­lich als unwichtig erscheinen. Und überdies bin ich keineswegs blind für die Taffache, daß die Ge­genwart des armen Mädchens in meinem Hause meiner künftigen Gattin als eine Last erscheinen

I seitens bet Sozialdemokratie der Boykott ver­hängt worden, welche mit den rigorosesten Mitteln durchgefühtt wird. Der Besitzer deS Lokals beabsichtigt, gegen die Urheber der Verrufserklämng auf Schadenersatz zu lagen.

* Gegen die Agitation des Berliner sozial­demokratischen Lehrlings - Vereins soll fettens der Handwerker-Korporationen eingeschritten wer­den. Die von dem Vereine verteilten Flugblätter 1 werden nicht nur als eine Belästigung der Lehr­linge angesehen, sondern sie stören auch das gute Verhältnis zwischen dem Lehrmeister und seinen Untergebenen. Auf Grund des gesammelten Mate­rials soll die Aussichts-Behörde veranlaßt werden, gegen den Verein einzuschreiten. In der letzten General-Versammlung des Vereins wurde berich­tet, daß bie Mitgliederzahl um ca. 400 Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen gewachsen ist. Gegen die Lehrer, die sich dem Treiben des Vereins entgegenstellen, wurden scharfe Angriffe gerichtet, den auf ihre Veranlassung verhafteten Flugblatt-Verteilern sollte bie Unterstützung des Vereins zuteil werden. Die Lehrer der Pflicht- Fortbildungsschulen haben, wie erinnerlich, die Hilfe der Polizei angerufen, weil der Unterricht durch die Flugblatt-Verteiler gestört wurde. Im Monat August wird der Verein der Lehrlinge eine Rednerschule einrichten, um Agitatoren aus - zubilden. Die Beschwerdestelle des Vereins so erweitert werden.

** Berlin, den 2. August 1906. Dem Unter­staatssekretär im Auswärtigen Amt, Wir lichen Geheimen Rat Dr. von Münchberg, i die Erlaubnis zur Anlegung des vom König von Serbien ihm verliehenen Großkreuzes des Weißen Adlerordens erteill worden. — Dem Direktor der Rheinischen Provinzialfeuer­versicherungsanstalt Friedrich Vorster in Düsseldorf ist der Charakter als Geheimer Regierungsrat verliehen worden. — Dem Ersten Geschäftsinhaber des Schlesischen Bank­vereins Emil Berve in Breslau ist der Cha­rakter als Kommerzienrat verliehen worden. — Die 58. Hauptversammlung des Gustav AdoIph- ver eins wird vom 25. bis 27. September in Aus- burg stattfinden. — Die 19. Generalversammlung des Evangelischen Bundes zur Wahrung der delttsch-protestantischen Interessen findet in der Zeit vom 7. bis 10. August in Graudenz statt. — Die evangelischen Arbeitervereine Deutschlands umfassen rund 120000 Mitglieder, die in 633 Einzelvereinen zusammengeschlossen find. — Ein Gedenkstein zur Erinnerung an die silberne Hochzeit des Kaiserpaares wird tm Park des Jagdschlosses Hubertusstock errichtet werden. Der Stein wird als einzigen Schmuck das aus An­laß der Silbernen Hochzeit gestiftete Erinnerungs­zeichen in vergrößertem Maßstabe tragen. — Mit der Errichtung einer Chemischen Reichs­anstalt wird sich die 11. ordentliche Hauptver­sammlung des Verbandes selbständiger öffentlicher Chemiker Deuffchlands beschäftigten, welche Ende September in Dessau tagen wird. — General­major Leutwein, der früher Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika hat sich mit der Vorsteherin seines Haushalts Fräulein Mielinz verlobt.

muß."

„Eine Last!" rief ich vorwurfsvoll, „0, Gerald!"

„Sie ist gelähmt, Herz," sagte Gerald leise. „Sie fft ein Krüppel."

„Dann bedarf sie doppelt Deiner Liebe und Deiner Sorge und hat folglich auch ein doppelles Anrecht darauf. Hältst Du mich für so setbstsüch- ttg, Gerald? Sie ist Deine Schwester; sie wird auch die meinige sein. Zusanunen wollen wir ihr hartes Los zu erleichtern suchen. Wie heißt ste?"

„Alice. Sie ist sechzehn Jahre alt."

«War sie von jeher lahm?" fragte ich.

„Nein, sie ist es erst sett einem Jahre. Sie war damals schwer krank, und dieses Uebel scheint ein­fach eine zurückgebliebene Schwäche zu sein. Die Aerzte meinen, daß es sich bei guter Pflege all­mählich verlieren wird."