ttWluttlflltd!, mtt zhunabnte eet Sonm uud>,eteUage. Dterttl- jähki Vezugspreis ohne vrinaerlohn und veilellgeldinZuldaund auswärts 1 Mk. 50 pfg.
Verantwortlicher Schriftleiter:Z. Baum für die Anzeigen
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__» M » t Botationsoruck u. Verlag der Fuldaer A«. tiendruckrrei in Fulda. Fernsprecher Nr. 0.
M 171.
Fulda, Samstag den 28. Juli 1906.
33, Jahrgan g.
Drittes Matt.
e) Gesuche um Preßkarten an den Vorsitzl den der Preßkommisiion, Verleger Ed. Bi
benutz,
Karten (siehe unten zu 3) an den Vorsitzenden der Anmeldekommission, Buchhändler Körngen, Essen-West, Altendorferstraße 297;
d) Wohnungsgesuche, die aber nur berücksichtigt werden können, wenn die Anmeldung als Mitglied erfolgt ist oder gleichzeitig erfolgt, an den Vorsitzenden der Wohnungskommission Kaufmann I. van Gemmeren, Esten, Steeler- Chaussee 571. Die Angabe, in welcher Preislage die Wohnung gewünscht und ob Hotel oder Privatquartier bevorzugt wird, wird an- heimgestellt. Billigere Quartiere stehen besonders in unseren leicht zu erreichenden Vororten zur Verfügung;
Bemerkungen znm Programm.
1. Es sind zu richten:
a) Anfragen und Mitteilungen allgemeinen Inhalts an den Vorsitzenden des Lokalkomitees, Landgerichtsdirektor Dr. Laar- mann, Essen, Hofstraße 41;
b) Anträge, die bei den Versammlungen zur Beratung kommen sollen, an den Vorsitzenden der Rednerkommission Rechtsanwalt und Notar Dr. Bell, Essen, Akazienallee 9, bis spätestens zum 1. August;
c) Anmeldungen von Mitgliedern und Geldsendungen für die vorher zu versendenden
la) Die Mitgliedskarte zu 7,50 di berechtigt zur Teilnahme an allen Sitzungen, Veranstaltungen und Unterhaltungen der Generalversammlung (mit Ausnahme des Volksunterhaltungsabends, der Bahnfahrt bei der Wallfahrt nach Werden und des Festmahles), ferner zum kostenfreien Bezüge 1. des Führers durch Essen und 2. des stenographischen Berichts über die Verhandlungen der Generalversammlung. Für die besonderen Veranstaltungen gewährt die Mitgliedskarte keine Berechtigung;
b) Die nur den Mitgliedern zustehende Gesamt- z u s ch l a g s k a r t e für einen n u me r i e r - t e n Platz bei der Begrüßungsfeier und in allen 4 öffentlichen Versammlungen ist, falls eine solche gewünscht wird, mit 4 dl besonders zu vergüten. Die nicht benutzten numerierten Plätze werden nach der ersten Rede durch die Ordnungskommission anderweitig besetzt;
c) Di «Tageskarte für Herren ju 1 Jü berechtigt zum Besuche der Begrüßungsfeier am Abend des 19. August, beziehungsweise zum Besuche der am Tage der Ausgabe stattfindenden öffentlichen Versammlung in der Festhalle. Die Tageszuschlagskarte für einen numerierten Platz (soweit verfügbar) kostet 1,50 -/(;
d) I. Die Teilnehmerkarte für Damen zu 6 dH und II. dieTageskartefürDa- men für den Begrützungsabend zu 2,50 dl und für jeden der übrigen Tage zu 1,50 dl. Die erstere berechtigt zum Besuche des Begrüßungsabends, der vier öffentlichen Versammlungen (Damentribüne in der Festhalle mit numerierten Plätzen) und der Galerie im gro- ßen Saale des städtischen Saalbaues während des Festmahles. Die Tageskarte gewahrt die gleiche Berechtigung wie die Tageskarten zu c (Damentribüne);
Essen, Logenstraße 17.
Es wird dringend gebeten, bei den Anmeldungen Vor- und Zuname, Stand und Wohnort recht deutlich zu schreiben. Die Beifügung einer Visitenkarte ist erwünscht.
2. Während der Versammlung befinden sich die Bureaus der Finanz-, Anmelde-, Wohnungsund Altar-Kommission, ebenso auch die Auskunftsstelle, im städtischen Saalbau, links vorn Hanpt» eingang, an der Kettwiger-Chaussee; sie sind ge- ! öffnet: Samstag, den 18. August, von 2 Uhr nachmittags, Sonntag den 19. August, von vormittags 10 Uhr und an den folgenden Tagen von vormittags 8 Uhr jedesmal bis 9 Uhr abends. Daselbst werden auch sämtliche Karten ausgegeben. Die Herren Geistlichen werderr gebeten, sich dort bei der Altar-Kommission zwecks Zuweisung eines Altars und Empfangnahme einer entsprechenden Karte zu melden. — Ein Posten der Auskunftsstelle befindet sich am Hauptbahnhof. P o st, Telegraph und Fernsprecher in der Festhalle ist geöffnet vor vormittags 8 bis abends 9 Uhr. — Die Kassen an der Festhalle für die Tageskarten sind von nachmittags 4 Uhr an, die Verkaufsstände daselbst von vormittags 8 Uhr bis abends 9 Uhr geöffnet.
3. Folgende Karten werden ausgegeben:
An die ständigen Mitglieder*) werden die Mitgliedskarten ohne weiteres übersandt und zwar gegen Nachnahme von 7,50 dl zuzüglich Porto, falls nicht vorherige Einsendung des Betrages erfolgt. Die Zuschlagskarte für den numerierten Platz (siehe oben zu 3b) haben noch die ständigen Mitglieder besonders zu bestellen und zu vergüten.
4. Für die Inhaber von Mitglieds- und Studentenkarten ist während der Däner der Katholikenversammlung der Besuch des Münster- s ch a tz e s. des städtischen Museums mit Sonderausstellung von Erzeugnissen der niodernen kirchlichen Goldschmiedekunst und der Girardetschen Kunstsammlung, Kettwiger-Chaussee 51, gegen Vorzeigung ihrer betreffenden Karte unentgeltlich. Die Besuchsstunden werden im Festblatt bekannt gegeben.
5. Die „Geschichte der General-Versamnilungen der Katholiken Deutschlands 1848—1905" (im Auftrage des Zentralkomitees dargestellt von I. May, Pfarrer; 2. Auflage mit den Bildnissen der bisherigen 40 Präsidenten). Vorzugspreis für die Mitglieder 4,50 dH. Liegt zum Verkauf nv-V vom 18. bis 23. August im Anmeldebure-'", in den Buchhandlungen von Fredebcul &■ Koenen, Kibbelstraße, Körngen, Essen-West, Altendorfcr- 'traße 297, Hoeves & Oebbecke, LindÄwllee 101, Voß, Rottstraße, sowie auch in den V^kkaufsstän- den der Festhalle.
6. In das F e st b l a t t der GenerattVersamm- lung, welches 10-mal, und zwar am Sonsttag, den 19. August in einer Auflage von 30 000 Stück, an den übrigen Tagen von 10—15 000 Stü<k erscheint, und für den Preis von 10 Pfg. die Nrttnmer verteilt wird, werden Anzeigen ausgenommen. In- teressenten wollen sich dieserhalb mit Herrn Ver- eger Ed. Buß, Essen, Logenstraße 17, in Verbindung setzen. Postabonnement für 1=#.
Mittwoch, den 22. August:
Vorni. ?y2 Uhr: Männer-Wallfahrt zum Grabe des hl. Ludgerus in der Abteikirche zu Werden. Sonderzug hin und zurück.
Vorm. 11 Uhr: Dritte geschlossene Versammlung im großen Saale des städtischen Saalbaues.
Nachm. 3 Uhr: Sitzungen der Ausschüsse in den oberen Sälen des städtischen Saalbaues.
Nachni. 5 Uhr: Dritte öffentliche Versammlung in der Festhalle.
Abends 8 Uhr: Gartenfest int Stadtgarten.
Donnerstag, de« 23. August:
Vorm. 7 Uhr: Heilige Messen in verschiedenen Kirchen.
Vorin. 8 Uhr: Vierte geschlossene Versammlung in der Festhalle.
Vorm. 10% Uhr: Vierte öffentliche Versammlung I in der Festhalle.
Nachiu. 2 Uhr: Festmahl im großen Saale des städtischen Saalbaues.
Hülfsvereine des BorromäuSvereins Hotel Hansa (am Steelertor).
Abends 8 Uhr: Festkommers der Verbandes der katholischen Studentenvereine Deutsch- । lands (nicht farbentragend) im großen Saale des städtischen Saalbaues (Eingang: Kettwiger-Chaussee).
Abends 8 Uhr: Festkommers des katholischen deutschen Verbandes farbentragender Stu- denten-Korporationen im großen Saale des Kriegerheims (Bahnhofstraße).
Abends 8 Uhr: Feftkommers des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine „Unitas" in dem Kruppsaale des städtischen Saalbaues (Eingang: Straße „Am Stadt- I garten").
Abends 8 Uhr: Festversammlung derVincenz- v e r e i n e im großen Saale des Alfredushauses (Frohnhauserstraße Nr. 21).
Abends 8 Uhr: Festversammlung des katholischen Gesellenvereins Essen im großen Saale des katholischen Gesellenhauses (Steeler-Chaus- se 12).
Abend 8 Uhr : Versammlung des Vereiils a b st i - nenter Katholiken Deutschlands im kleinen Musiksaale des ftädt. Saalbaues (Part.).
Abends 8 Uhr: Zusammenkunft ehemaliger A n i- ma-Priester im Stimmsaal des städtischen Saalbaues (1 Treppe).
Abends 8% Uhr: Festversammlung des Verbau-1 des der Windthorstbunde Deutschlands im Co-1 losseum (Kopstadtsplatz).
Dienstag, den 21. August:
Programm
der 55. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Esten a. d. H.
vom 19. bis 23. August 1906.
Samstag, den 18. August:
Abends 6 Uhr: Feierliches Glockengeläute von allen katholischen Kirchen der Stadt.
Sonntag, den 19. August:
Vorm. 9% Uhr: Pontifikalamt zur Anrufung des heiligen Geistes in der M ü n st e r k i r ch e (Burgplatz).
Nachm. 2U Uhr: Festzug der katholischen Arbeiter-, Gesellen- und Knappenvereine; anschließend hieran öffentliche Festversammlungen dieser Vereine in 15 verschiedenen Sälen.
Abends 8 Uhr: Begrüßungsfeier in der Festhalle.
Montag, den 20. August:
Vorm. 8 Uhr: Ponftfikalamt zu Ehren der aller- seligsten Jungfrau in der St. Gertruds s-! k i r ch e (Viehoferplatz).
Vorm. 9y2 Uhr: Erste geschlossene Versammlung im großen Saale des städtischen Saalbaues (Eingang Kettwiger-Chaussee).
Nachm. 3 Uhr: Sitzungen der Ausschüsse in den 4 oberen Sälen des städtischen Saalbaues.
Nachm. 5 Uhr: Erste öffentliche Versammlung in der Festhalle (Friedrichstraße).
Dienstag, den 21. August:
Vorm 8 Uhr: Pontifikal-Requiem für die verstör-1 denen Mitglieder der früheren General-Ver-1 sammlungen in der St. Joseph skirchel (Ottilienstraße).
Vorm. 11 Uhr: Zweite geschlossene Versammlung! im großen Saale des städtischen Saalbaues. I
Nachm. 3 Uhr: Sitzungen der Ausschüsse in den I oberen Sälen des städtischen Saalbaues.
Nachm. 5 Uhr: Zweite öffentliche Versammlung I in der Festhalle.
Abends 81/2 Uhr: Volksunterhaltungsabend in der I Festhalle.
s) Die Studentenkarte zu 4 "dl. Studenten erlangen damit dieselben Berechtigungen wie die Mitglieder, nur nicht zum freien Bezüge des Führers und des stenographischen Berichts. Für die Studenten ist eine besondere Tribüne eingerichtet;
f) Die Karte zum Gartenfest im Stadt- gar t e n am Abend des 22. August (Mittwoch) zu 0,50 dl. (Für Mitglieder frei.) Für die Terrasse wird ein Zuschlag von 0,50 dl er- hoben, auch von den Mitgliedern;
e) Die Karte zum F e st m a h I e am Nachmittage des 23. August (Donnerstag) zu 4,50 dl muß spätestens bis Dienstag den 21. August, abends 9 Uhr, gelöst sein; es wird aber dringend gebeten, sie möglichst schon an den vorhergehen- denTagen zu lösen;
h) Die Karte für die Hin- und Rückfahrt nach Werden (Wallfahrt) am Morgen des 22. August (Mittwoch) zu 0,60 dl;
i) Die Karte für den Volksunterhaftungsabend am Abend des 21. August (Dienstag). Preis wird noch bestimmt.
Die Karten zu 3a, b, dl und g (Mitglieds-, Zuschlags-, Damen- und Festmahlkarten) werden auf besonderen Wunsch gegen Einsendung des entsprechenden Betrages nebst Porto und Bestellgeld (Inland 30 Pfg., Ausland 60 Pfg.) oder gegen Postnachnahme schon vorher zugesandt. Bei vorheriger Zusendung der Mitgliedskarte wird der „Führer durch die Stadt Essen" beigefügt. Im übrigen werden die sämtlichen Karten während der Versammlung von Samstag den 18. August er. an nebst dem Führer in dem Bureau der Anmelde- und Finanzkonimission im städtischen Saalbau (links vom Eingang) ansgegeben. (Siehe oben zu 2.)
Programm derbesonderen Veranstaltungen.
Sonntag, den 19. August:
Vorm. 11 Uhr: Generalversammlung des August i n u s v e r e i n s im Kruppsaale des städtischen Saalbaues.
Montag, de» 20. August:
Vorm. 111/2 Uhr: Versammlung des deutschen Lourdes-Vereins im oberen Saale B des städtischen Saalbaues.
Nachm. 2% Uhr: Versammlung der Vorstände der
I Vorm. 91/2 Uhr: General-Versammlung des I Volksvereins für das katholische Deutsch- I land in der Festhalle.
I Nachm. 2y> Uhr: General-Versammlung der afa- dem. Bonifatiusvereine im großen Saale des
I kathol. Gesellenhauses (Steeler-Chaussee 12).
I Nachm. 3 Uhr: Geschäftliche Versammlung des Verbandes kathol. kaufmännischer Vereinigungen Deutschlands im kleinen Musiksaale des städtischen Saalbaues.
Abends 8 Uhr: Fesiversammlung des katholischen Lehrerverbandes Deutschlands im großen Saale des Kriegerheims (Bahnhofstraße).
Abends 8 Uhr: Festkommers des Verbandes der katholischen deutschen Studenten- Verbindungen (farbentragende (im großen Saale des städtischen Saalbaues (Eingang: Kettwiger-Chaussee).
Abends 8 Uhr: Festversammlung des Verbandes der kathol. kaufm. Vereinigungen Deutschlands im Colosseum (Kopstadtsplatz).
Abends 8 Uhr: Versammlung des kathol. K r e u z b ii n d n i s f e s im kleinen Musiksaale des städt. Saalbaues (Eingang: Straße „am Stadtgarten").
Mittwoch, den 22. August:
Vorm. 9% Uhr: General-Versammlung des Unio Piana (Verband der akademischen Pius-Vereine I Deutschlands) im großen Saale des Hotels I Hansa (Steelertor).
Nachm. 2i/, Uhr: Kathol. Missionskongreß im großen Saale des städtischen Saalbaues (Ein-1 gong: Kettwiger-Chaussee).
Wer sich als ständiges Mitglied (§ 4 Abs. 3 d« Statuten) schriftlich anmeldet, erhall jedes Jahr vom Lokalkomitee ohne weiteres seine Mitgliedskarte gegen eine Nachnahme von 7,50 Mark (zuzüglich Porto) durch die Post zugestellt und später sämtliche Drucksachen, auch den stenographischen Bericht. Weitere Verpflichtungen entstehen durch die Anmeldung nicht.
Em Wille, ei» Weg.
Frei nach dem Englischen von I. Nemo.
11 (Nachdruck verboten.)
I.
Die Kinderjahre sind die schönsten Jahre des Lebens, sagt man. Im Durchschnitt mag solches richtig sein; daß es jedoch nicht immer zutrifft, weiß ich leider aus eigener Erfahrung nur zu gut. In materieller Hinsicht ging mir allerdings nichts ab: ich lebte in einer geräumigen, gut, ja luxuriös eingerichteten Villa, ich bekam gute, wohl zubereitete Nahrung meine Kleidung mochte vielleicht nicht gerade zierlich oder modern fein, sie war aber anständig und zweckmäßig, kurz, ich litt weder Hunger noch Kälte doch trotz alledem war ich ein armes, unglückliches kleines Geschöpf, und mein Herz blutet noch immer, wenn ich mich in Gedanken in jene längst verflossene Zeit zurückversetze.
Als ich vier Jahre alt war, verlor ich meine Eltern: der Dampfer, auf welchem sie sich befan- b«n, ging auf eine, noch immer unaufgeklärte Weise unter, und beide fanden ihr Grab in den Wellen. Vermögen war nicht da, und so würde ich vermutlich wohl in irgend einem Waisenhause untergebracht worden fein, wenn nicht mein Onkel Humphrles sich meiner angenommen hätte.
önfel Humphries war der einzige Bruder meines Vaters und ein Witwer. Er stand an der Sp'.tzeemer Firma, deren Namen damals in der Handelswelt einen Klang hatte, und war oder galt doch für reich. Da nun ein goldener Schlüssel nicht hur Türen, sondern auch Hrezen öffnet, so hatte Manches schöne Auge ihn nach dem Tode seiner Gattin sehnsüchtig und ermunternd augebliht und S suche liebende Mutter sich bestrebt, ihn für eine rer Töchter einzusangeii. Aber all diese Liebes
mühe war vergeblich gewesen; Herr Humphries hatte sich sogar mehr und mehr aus dem geselligen Verkehr zurückgezogen, und fo war es denn nur natürlich, daß man schließlich, enttäuscht und entmutigt, ihn seiner selbstgewollten Einsamkeit überlasten hatte. Zur Zeit, als ich ein Glied seines Haushaltes wurde, und während all der Jahre, die ich bei ihm zubrachte, lebte er ausschließlich seinem Geschäfte und seinem einzigen Sohne.
Letzterer war sein Abgott. Was Ralph auch tun mochte, alles war in den Augen des zärtlichen Vaters gut und recht; seine Wünsche wurden erfüllt, ehe er sie ausgesprochen hatte, sein Wille war Gesetz; die Dienstboten schmeichelten ihm und flogen auf seinen Wink; er war der eigentliche Herr des Hauses. Was mich betrifft, ich fürchtete mich vor meinem Onkel, aber noch unendlich mehr vor meinem Vetter. Wie oft habe ich mich mit meinem einzigen Freunde, meinem Hunde Tom, in irgend einem abgelegenen Winkel versteckt, um vor seinen boshaften Streichen sicher zu sein und mich ungestört ausweinen zu können.
Ich war kein hübsches Kind, und diese Tatsache, welche mir unter anderen, glücklicheren Verhältnissen wohl erst viele Jahre später zum Bewußtsein gekommen sein würde, war feiner Schatten über mein ganzes, ohnehin wenig sonniges Dafein. Mein Onkel ärgerte sich über meine dunkele Hautfarbe und meinen großen Mund, und mein Beter Ralph fand in meinem Mangel an Schönheit stets neuen Stoff, mich zu hänseln und zu verspotten.
„O Tom, ich wollte, daß ich rote Backen und blaue Augen hätte wie das Gärtnermädchen!" flüsterte ich oft unter Tränen meinem schweifwedelnden Vertrauten ins Ohr. „Vielleicht würde man mich dann lieb haben. Niemand hat ein häßliches Kind lieb, Niemand, als du, Tom, und sie sagen, daß du nur ein Hnud bist und keinen Verstand hast. Aber das stt eine Lüge. Sie kennen dich nicht, sie wissen gar nicht, wie klug und wie gut du bist. Du bist besser, als sie alle "
Ich kann zu jener Zeit höchstens sechs Jahre alt gewesen sein, aber ich war mir bereits meiner Abhängigkeit von meinem Onkel nicht nur bewußt, sondern ich litt auch tief darunter. Ich kann mich nicht erinnern, daß er selbst mir diese Abhängigkeit jemals in einer absichtlich verletzenden Weise vorgehalten hätte, aber mein Vetter Ralph — er war etwa zehn Jahre älter als ich — und die Dienstboten sorgten genugsam dafür, daß ich derselben nicht vergaß.
„Du kannst Gott wohl auf Deinen bloßen Knie- en danken dafür, daß Dein Onkel sich über Dich erbarmt hat", pflegte Eva, meine Kinderfrau, zu sagen. „Das Brot, das Du in Deinen großen Mund steckst, und die Kleider, die Du trägst, alles gehört ihm. Die meisten Leute würden sich wohl zweimal bedacht haben, ehe sie eine so häßliche Fratze, wie Du bist, in's Hans genommen hätten, sie würden Dich einfach der Gemeinde überlasten haben."
Was sie mit den letzten Worten meinte, war mir nicht recht klar: ich hatte die vage Idee, daß es etwas Schreckliches fein müsse. Eine Frage zu stellen, wagte ich nicht: Eva liebte es nicht, solche zu beantworten.
Wie ich lesen gelernt habe, ist mir selbst ein Rätsel, denn Unterricht empfing ich nicht. Vermutlich wird Eva mir gelegentlich diesen ober jenen Buchstaben gezeigt haben, mit sieben Jahren kannte ich jedenfalls fließend lesen.
Ungefähr um diese Zeit verließ Eva das Hans: mein Onkel war der Ansicht, daß ich groß genug sei, um keiner besonderen Beaufsichtigung mehr zu bedürfen. Von jetzt an war ich vollständig mir selbst überlassen. Kein Mensch kümmerte sich darum, was ich tat oder womit ich mich beschäftigte, so lange ich sorgte, niemandem im Wege zu fein. Halbe Tage brachte ich jetzt hoch oben unter dem Dache zu, wo ich mir, wohl verborgen hinter einem alten, wurmstichigen Riefenschrank, ein gemütliches Nest eingerichtet batte. Hier las ich die heimlich
der Bibliothek meines Vetters entliehenen Bücher, und manchmal vertiefte ich mich so in die haarsträubenden Abenteuer der darin auftretenden Helden und Heldinnen — letztere waren allerdings wenig zahlreich — daß ich die Wirklichkei gänzlich aus den Augen verlor und erst wieder zum Bewußtsein meines eigenen Jchs kam, wenn die ein- fallende Dunkelheit mich zwang, mein Buch zu schließen.
So vergingen zwei oder drei Jäher. Ich hatte mir inzwischen die Kunst des Schreibens angeeignet, das heißt, ich malte die gedruckten Buchstaben nach und brachte auf diese Weise die in meinen Augen sehr interessanten Produkte meiner kindlichen Einbildungskraft zu Papier. Meine Erzählungen behandeln in allerlei Variationen immer wieder dasselbe Thema: die Schicksale eines armen, von hartherzigen Verwandten verfolgten und unterdrückten Mädchens und ihrer Hunde, welch letztere selbstverständlich alle möglichen und unmöglichen guten Eigenschaften besaßen und ihrer Herrin in allen Gefahren treu zur Seite standen.
Es war ein derartiger Herzensgenuß, der endlich meinem Onkel die Augen öffnete und ihn einsehen ließ, daß er mich doch unmöglich ohne allen Unterricht aufwachsen lassen könne. Die Haushälterin, Frau Wyn», fand nämlich eines Tages zufällig eins meiner Manuskripte und eilte, von Entsetzen über die darin zutage tretende heillose Ketzerei ergriffen, zu ihrem Herrn und Gebieter. Ich muß gestehen, der Inhalt und besonders der Schluß meines literarischen Meisterstücks war verblüffend genug. Die Vierfüßler, welche darin eine Rolle spielten, zogen nämlich zu guter letzt unter Musik und Freudengeschrei in den Himmel ein, während ihre ehemaligen menschlichen Quäler sich verurteilt sahen, der Gemeinde überlassen zu werden -- die schwerste Strafe, die ich ersinnen konnte, obschon ober vielmehr gerade weil ihre Natur für mich noch immer in ein geheimnisvolles Dunkel gehüllt war (F. p