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Uotati onrdrul' u. Verlag der Fuldaer Ak« tiendrnaerei in XuM Fernsprecher Nr. 9.

M 170.

Fulda, Freitag den 27. IM 1906.

33, Jahrgana.

„(Ein Vorschlag zur Güte "

Das bekannte „Schweineglück" der So­zialdemokratie, das die Partei der Genoffen, wenigstens was die Ersatzwahlen sett den letzten allgemeinen Wahlen anbetrifft, verlast«» zu haben schien, hat sich bekanntlich bei der Wah von Altena-Iserlohn wieder eingestellt. Durch die Uneinigkeit — so wollen wir höflich sagen — im Lager der staatserhaltenden Parteien hat die Sozialdemokratie ein Mandat erobert, deffen Ge­winn ihr am meisten überraschend gekommen stt. Die Tatsache hat zu langen Erörterungen in den Blättern der bürgerlichen Parteien Veranlaffung gegeben, die sich jetzt in einem konservativen Or­gan zu einem positiven Vorschläge ver­dichtet haben.

Wenn wir den Vorschlag erwähnen, so wissen mir wohl, daß ähnliche Gedanken schon ost er­örtert wurden, daß ste schöne Versprechungen zeitigten und daß dann schließlich doch die rauhe Wirklichkeit die schönsten Träume zerstörte. Wir meinen aber, daß gerade nach den letzten Lehren und angesichts der Tatsache, daß die allgemeinen Wahlen von 1908 immer näher rücken, die Idee einer Verständigung zwischen den bürgerlichen Parteien immer wieder erörtert werden muß, wenn sie bis zu dem entscheidenden Tage der Wahl bei den Wählern wirklich Wurzel schlagen und sich in Taten auflösen soll.

Diesmal ist es der konservative ,Reichsbote', ßet mit einem Verständigungsplane hervortritt. Das Blatt weist darauf hin, daß die bürgerlichen Parteien im Kampf gegen die Sozialdemokratie auf die Regierung nicht zu rechnen haben, die sich auf gute Lehren beschränke, die meist auf dem Papier der,Nordd. Allg.Ztg/ blieben. Nicht in die Hände der lokalen Vor­stände und Gelegenheitsmacher, die meist mehr verwirren, dürfe ein Ausgleichsverfuch der gegen» festigen Interessen auf dem Boden des gegen­wärtigen Besitzstandes gelegt werden, sondern er müßte in aller Aufrichtigkeit und Objektivität von den offiziellen Patteivorständen vereinbart werden und dann auch den örtlichen Wählern zur ernsten Pflicht gemacht werden. Das Matt konstatiert dann die ja namentlich irr letzt« Zeit bei gewissen Parteien bervorgetretene Tatsache, daß leider zwischen den Zentren der Parteileitung und ihren lokalen Abzweigungen nicht immer der wünschenswerte Zusammenhang vorhanden ist. Wenn aber das Matt dabei auf Hagen-Schwelm hinweist, wo der örtliche Zentrumsvorstand eine laue und unsichere Parole für die Stichwahl ausgegeben habe, so stimmt das nicht mit den Tatsachen. Die- zwei Punkte der offiziellen Zen- trumsparale sind unseres Erachtens so klar wie nur möglich.

Die Geschichte der Zentrumspartei zeigt, Last sie sich dem Gedanken eines Zusammen­gehens der bürgerlicheit Parteien gegen die Sozialdemokratie immer freundlich gegenüber» gestellt hat. Wenn in einzelnen Zentrnmsblättern in der letzten Zeit dieser Grdante weniger zum Durchbruch gekommen ist, so liegt das daran, daß das Zentrum üble Ersah r um gen gemacht hat, die feinen grundsätzlichen Standpunst nicht verschieben, aber doch im Herzen der Wähler, die auch nur Akenfchen find- einen gewissen Stachel zmüÄaffLN. Falls die Hoffnung des Michsbotem auf ein eurmütiges Zusammengehen der stvarserhaltenden Elemente bei den allgemeinen Wahlen von 1998" sich bewahchetten soll, müßte

Vie tzexe ooir Üttingen.

Eine kuLurgefchichtlicho Erzählung aus den hohen- zollerischen Landen.

Van Ernst $ ettinffec.

271 (Nachdruck verbaten.)

(Schluß.)

@tn drohender Blick des jungen Mannes fiel auf den Vizekanzler, dann fragte- er:

„Es ist also wahr, daß wir zu spät kommen? Die Köhlerin, die Baderann ist schon--*

„Hak schon ihr reich verdientes Los gefunden", entgegnete Kirsi,iger.

„Das ist eine. Lüge I" schrie Endritz mit weithin schallender Stimme; „die Baderann war unschul­dig, war keine Hexe!"

„Wer sagt' das?" fragte Kirsinger spöttisch.

„Der Bogt Nestle; der zu Sigmaringen auf den Tod liegt, selber. Er hat falsch geschworen, und Noch ein- anderer."

Nach- diesen Worten überreichte Fritz Endritz' dem erbleichenden Vizekanzler das Blatt, nicht aber ohne eä vorher laut zu lesen.:

„Die Baderann ist sogleich in Freiheit zu setzen, Bachgayer iw den Turm zu werfen. Meinrad, Fürst."

Da ging eine merkwürdige Bewegung durch die Menge, wahrend der Vizekanzler mit zitternder Hand das Blatt hastig ergriff und sich selbst über­zeugte, das der fürstliche Bote richtig gelesen. Die Mehrzahl der Versammlung glaubte sogleich an die Unschuld der Gerichteten und äußerte sich miß­billigend über das schwere Unrecht, das man ihr zugesiigt, und die Eile, mit der man die Hinrich­tung betrieben. Finstere Blicke richteten sich auf den Vizekanzler, der kurz vorher noch Gegenstand **Pr Bewunderung und scheuer Ehrerbietung ge-

die gesamte Linke zunächst einmal ihren Groß­machtsdünkel aufgeben, wie er erst in der letzten Zeit wieder in den Schwärmereien von der allfiegenden liberalen Idee" hervorgetreten ist und dem Zentrum bei den „Ausgleichsversuchen" die Rolle zu erteilen, die es seiner Bedeutung nach verdient.

Deutsches Reich.

Berlin, den 26. Juli 1906.

** Der Bundesrat hat beschlossen, daß die Uebergangsabgabe für das in die norddeutsche Brausteuergemeinschaft .aus Bayern, Württem­berg, Baden und Elsaß-Lothringen eingeführte Bier vorläufig und bis zur emheitlicheu Regelung der Uebergangsteuerftage für sämtliche Brausteuer­gebiete mit Wirkung vom 1. Juli d. I. ab auf 2,75 Mk. für 1 Hektoliter festgesetzt wird.

.'. Heber die bekannten Vorgänge bei der beim Abg. Erzberger vorgenommenen Haus­suchung ergeht sich die ,Deutsche Tageszeitung' in längeren Auslassungen. Das Blatt ist der Ansicht, daß der Untersuchungsrichter in allen Punkten richtig gehandelt habe. In der Reichs­verfassung sei mit keiner Silbe davon die Rede, daß ein Abgeordneter nicht als Zeuge in einer gegen ®ritte gerichteten Strafsache vernommen werden könne, ebensowenig sei die Rede davon, daß bei einem Reichstagsabgeordneten während der Sitzungsperiode eine Haussuchung in einer gegen Dritte gerichteten Strafsache nicht vorge­nommen werden dürfe. Bei dieser Sachlage sei es klar, daß der Abg. Erzberger zwar ohne Ge­nehmigung des Reichstages nicht persönlich in Untersuchung gezogen oder verhaftet werden könne, daß er aber verpflichtet sei, sein Zeugnis in der anhängigen Straffache abzugeben. Mit diesen Ausführungen scheint uns unser gegen­teiliger Standpunkt noch lange nicht erschüttert zu sein. Im weiteren tritt die ,Deutsche Tages­zeitung' der Forderung der ,Germania', daß der Reichstag gegen jede Untersuchung und Durch­suchung seine Gebäude durch ein Gesetz schützen müsse, entgegen. Dem unerhörten Mißbrauche, daß Beamte unter Bruch ihrer Amtsver­schwiegenheit einzelnen Reichstagsabgeordneten Spitzeldienste leisteten, müsse gesteuert werden. Die.Germania' geht bei ihrer Forderung, wie alle Einsichtigen zugeben werden, niche von „an­fechtbaren" Grundlagen, sondern von dem Sinne des Gesetzes aus, wie er jedenfalls dem Gesetz­geber seinerzeit vorgefchwebt hat.

** Die Vorarbeiten für den neuen Zivil- Penfions-Gesetzentwurf sind, wie ein Berliner Blatt meldet, auf der Grundlage begonnen wor­den, daß die Reichsbeamten mit den Militär- personell bis zum 30. Dienstjahr» gleichgestellt werden, mit diesem Zeitpunkte also zwei Drittel ihres Gehalts als Pension bekommen sollen. Vom 30. Dienstjahre ab aber soll der Pensionssatz sich nicht um 1/60, sondern nur um 1/100 aufwärts bewegen, so daß die Reichsbeamten den Höchst­satz der Pension (drei Viertel des Gehalts) erst mst dem 40. Dienstjahre,, wie bisher, erreichen würden, während bekanntlich die Milttärpersonen den Höchstsatz jetzt schon mit 35 Dienstjahren erreichen.

** Der Artikel „Der evangelische Bund hilft der Sozialdemoiftatie" in der .Allgemeinen Rundschau' geht dem Organ des Evangelischen Bundes sehr gegen den Strich. Das Blatt geht wesen. Andere aber, die tiefer blickten und sich so eicht nicht hinter das Licht führen lassen wollten, lästerten einander zu:

„Wer weiß, was dahinter steckt! Da ist noch lang nicht alles richtig!"

Aber aus einem Teile der großen Menschen­menge-erschollen laute, fast stürmische Zurufe:

„Da schaut her, der Jörgbauer, unser Jörg- bauer hat's alleweil gesagt: Die Baderann ist ■ feine Hexe net. Der Jörgbauer, das ist ein Mann, auf den können wir stolz sein/'

Das waren die Hermentinger, die Dorfgenossen des Jörghauern.

„Aber wo ist Aasgayer? Hassan muß Aas- gayer", wandte sich der Mohr zu Endriß.

„Du hast recht, Hassan, der soll uns nicht ent­wischen. Wo ist der Bachgayer? Der Bachgayer? Wo ist er?" rief er nun laut.

„Der Bachgayer! Der Bachgayer! Wo ist der Kerl?" schrien viele Stimmen wild durcheinander.

Der aber hatte sich schon ftiffe und unbemerkt, nichts Gutes ahnend, als er die zwei Reiter gesehen, davongeschlichen. Ihn parkte das böse Gewissen und das Praffeln des lodernden Scheiterhaufens ward ihm unerträglich,

Und wieder rief Endriß:

«Wer hat den BachMyer gesehen?"

Da erscholl eine Stimme und ihr folgten zwan­zig, fünfzig, hundert nach:

„Dort drüben, da springt er!"

In weiten Sätzen eilte Bachgayer in südlicher Richtung dem Höhenzuge zu, auf welchem die Ruine lag. Was chn gerade nach dieser Gegend hin Rettung und Schutz suchen ließ, war unklar, ihm selber nicht bewußt. Er hatte schon einen wei­ten Vorsprung und wenn es ihm gelang, ohne bet- olgt zu werden, die Höhe zu erreichen, dann war er in der Tat für das erste geborgen .

„Teufel hat Vogt geholt! Teufel holt auch Aas- gauet!" rief Hassan, und schon flog „Fatme" über das weite Tal dahin. Aber Endriß blieb Hassan zur Seite. Das Volk hatte das Interesse für den

inhaltlich auf den Artikel gar nicht ein, sondern begnügt sich, aus demselben einzelne Sätze wieder­zugeben und begleitet dieselben mit schmückenden Beiworten wie: verleumderische Ueberfchrist, un­wahre Behauptung, denunzierender Zweck der Stilübung. So etwas nennt man dann „sach­liche" Polemik."

* Gne Aenderung des Militär-Tarifs für Eisenbahnen und der Militär-Transport-Ordnunc macht der Stellvertreter des Reichskanzlers, Gra von Posadowsky, bekannt. Danach erhält die besondere Bestimmung (8) zum Abschnitt 1 des Militärtarifs die folgende Fassung: „Im Mobilmachungsfalle sind die Einberufenen der bewaffneten Macht (Heer nnd Marine) und des Landsturms vom Feldwebel (Deckoffizier) abwärts ohne Lösung von Fahrkarten zu befördern; die Transportvergütung ist besonders geregelt.

* Spiel und Wetten widmen die Ausfüh­rungsbestimmungen zum neuen Reichsstempel­gesetz einen besonderen Abschnitt. Behufs Be­rechnung der Abgabe von Lotterielosen sind alle für den Erwerb eines Loses zu leistenden Zah­lungen zum Preise des Loses hinzuzurechnen. Bei inländischen Losen wird die Stempelabgabe nach dem planmäßigen Preise sämtlicher Lose gerechnet und zwar in der Art, daß ein bei Be­rechnung des Gesamtertrages sich ergebender Er­trag von weniger als 5 Pfennig außer Ansatz bleibt. Bei ausländischen Losen beträgt die Ab­gabe 25 Prozent vom Preise der einzelnen Lose in Abstufung von 1 Mark von je 4 Mark oder einem Bruchteil dieses Betrags. Wer im Bundes­gebiet Lotterien ober Ausspielungen veranstalten will, bei welchen der Gesamtpreis der Lose 100 Mark übersteigt, hat der zuständigen Steuer­behörde spätestens am 30. Tage nach dem Empfange der obrigkeitlichen Erlaubnis über die Art, den Ort und die mit dem Vertrieb der Lose betrauten Personen eine ausführliche An­meldung zu machen. Hinsichtlich der von den Verwaltungen der Totalisatoren ausgegebenen Bescheinigungen über die gezahlten Einsätze wird von der Vorlegung eines bestimmten Lotterie- planes abgesehen und gestaltet, daß die Ver­steuerung der Spielausweise nach Maßgabe des Bedarfs bewirkt werde. Die Veranstalter der Ausspielung dürfm nur versteuerte Ausweise zur Ausgabe bringen, doch kann auf Antrag die Abgabe bis zum Schluffe des jeweiligen Rennens gestundet werden. Wird Befreiung von der Abgabe in Anspruch genommen, so ist mit der Anmeldung der Nachweis zu führen, daß der Erlös des Unternehmens zu ausschließlich mild­tätigen Zwecken verwendet werden soll. Als mildtätiger Zweck ist lediglich die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen anzusehen. Auf Ver­losungen zu gemeinützigen und religiösen Zwecken z. B. zu Kirchenbauten oder Miffionszwecken er« streckt sich die Befreiung nicht.

* Für die öffentliche Wafferversorgung hat der Reichsgesundheitsrat eine ausführliche An­leitung geschaffen, die der Bundesrat den Re­gierungen als Richtschnur zu empfehlen beschloffen hat. Die Anleitung bildet eine Art von klassi­schem Lehrbuch über diesen wichtigen Zweig der Gesundheitspflege. Sie enthält genaue Vor­schriften über die Einrichtung, den Betrieb und die Ueberwachung solcher Anlagen, soweit sie nicht ausschließlich technischen Zwecken dienen. Das Wasser, heißt es darin, soll möglichst farblos, klar, gleichmäßig kühl, frei von fremdartigem Geruch und Geschmack, kurz von solcher Beschaffen­

brennenden Scheiterhaufen mit der Leiche der Ba­derann verloren. Mehr als tausend Augen schau­ten gespannt der Jagd zu, die sich da so plötzlich entwickelt. Das gehetzte Wild war ein Mensch, mit dem auf einmal niemand mehr etwas zu tun haben wollte, niemand Mitleid empfand.

Bachgayer hatte das Tal, das zwischen dem Gal­genbühl und dem Burgberg lag, beinahe schon überwunden. Als er um sich schauend gewahrte, daß die Reiter ihn verfolgten, verdoppelte er seine Anstrengung, um möglichst bald den Abhang des Berges zu erreichen, der so stell anstieg, daß das Pferd nirgendwo Fuß fassen konnte. Aber die Reiter näherten sich mehr und mehr. Mll gierigen Blicken verfolgte die Menge das aufregende Schau­spiel, die Menschenjagd. Schon kletterte Bmhgaycr die Anhöhe hinan. Die Verzwieflüng gab ihm un- gewöhnliche Kräfte.

Doch die beiden Reiter hatten auch schon den Fuß des Burgberges erreicht. Mit einem Satz war Hassan- aus dem Sattel, warf Fritz die Zügel zu und rief:

„Hassan holt Aasgayer!"

Behend« tote eine Katze kletterte er die Anhöhe hinan Das Beifallsgeschrei der Menge drang Wohl an fein Ohr, aber er schaute nicht um. In dem Mohren erwachte das wilde Blut feiner Rasse. Seine Augen glühten und die weißen Zähne tratet leuchtend hervor, so fest preßte er die Kinnlade auf- einander. Er kannte die Gegend nicht, aber er ahnte fürchtend, daß, wenn Bachgayer erst die Höhe und die Ruinen erreicht habe, er ihm entschlüpfen könnte. Einen wilden Schrei stieß er aus, als be­fände er sich auf der Jagd hinter einem Raubtiere her in den Urwäldern seiner afrikanischen Heimat. Da gebrauchte Hassan eine Kriegslist. Er schrie, seine Stimme möglichst rauh herausstoßend:

„Teufel hat diese Nacht Vogt geholt! Teufel holt jetzt Aasgayer!"

Da blickte Bachgayer zu seinem Verderben über die Schultern zurück und ein Schrei des Entsetzens entfuhr feiner keuchenden Brust, als er in das ihm

heil sein, daß es gern genossen wird. Krank­heiten, die durch Wasser verbreitet werden, sind Typhus, Cholera, Ruhr, Weylsche Krankheit und tierische Schmarotzer. Die Verbreitung von Brech­durchfall wird zum Teil bestritten. Der Betrieb und die Umgebung der Anlage ist dauernd zu überwachen. Jnteresfant ist die Bemerkung, daß ein Dorf auf den Kopf weniger Waffer gebraucht als eine mittlere Stadt und diese im allgemeinen weniger als eine große. Mittlere Städte mögen bei einer anzulegenden Wasserversorgung unge­fähr 100 Liter im Durchschnitt auf den Kops und Tag in Ansatz bringen.

* Aus Südwestafrika liegt folgende amtliche Meldung vor: Nach den letzten Nachrichten waren die Hottentotten, nach ihrem Vorstoß aus Warmbad und Gabis und den sich hieran an- fchließenden Gefechten vom 20. und 21. Juni, vor den verfolgenden deutschen Truppen in die Oranjeberge östlich Außenkehr zurückgewichen. Die Abteilung des Majors von Freyhold griff am 23. Juli bei Uhabis die feindlichen Haupt­kräfte an. Diese bestanden aus den vereinigten Banden von Morris und Johannes Christiam Nach hartnäckigen Gefecht floh abends der Feind nach allen Richtungen auseinander. Bei diesem Kampfe fiel Oberleutnant Barlach, früher im Füsilier-Regiment Nr. 86, zwei Reiter wurden schwer, Leutnant Schmink und ein Reiter leicht verwundet. Die Verfolgung der Hottentotten wird fortgesetzt. Am 21. Juli überschritt eine Bande von etwa 30 Hottentotten, von Norden aus dem Bethanienlande kommend, denBayweg bei Garunarub, südwestlich von Keetmanshoop. Sie traf hier mit einer Patrouille zusammen, von der ein Reiter getötet und Leutnant Block schwer verwundet wurde. Es handelt sich an­scheinend bei dieser Hottentottenbande um einen Rest von Bethanierleuten, die sich Johannes Christian anschließen wollen. Die Verfolgung dieses Gegners wurde gleichfalls sofort einge­leitet.

(:) Die mucken Wirren in Kuhinnd.

lieber die Gründe, die zur Auflösung des russischen Parlaments führten, istjetzfl chre offiziöse,Petersburger Telegraphen-Agentur' in der Lage, folgende Mitteilungen zu machen:

„Vom ersten Tage ihres Bestehens an hat die Duma alle Grenzen des Gesetzes überschritten. In der Antwortadresfe aus die Thronrede verlangte sie eine Abänderung der Grundgesetze durch die Forderung der Abschaffung des Reichsrates und der Schaffung eines verantwortlichen Kabinetts. Durch ihr auf die Expro­priation des Landbesitzes gegründetes Agrarprogramm hat sie unerfüllbare Hoffnungen erregt und die schon geringe Achtung vor fremden Eigentum verringert. In ihre» Reden haben die Mitglieder der Duma be­ständig die Regierung diskredittert, indem sie diese so­gar der Veranstaltung von Judenhetzen und Unruhe« beschuldigten. Indem die Duma Delegierte nach Bielostok entsandte, hat sie offen danach gestrebt, sich die Macht der Exekutive anzumaßen. Vierzehn Abgeordnete habe« sich an das Volk gewandt und es zu Unruhen aufge­rufen; dieser Schritt hat keine Mißbilligung in der ReichSduma hervorgerufen. In den letzten Tagen ihres Bestehens hat die Duma dann erklätt, daß die Regie­rung ungesetzlich handelte, indem ste der Bevölkerung die Natur des von der Duma vorgelegten AgrargeseA entwurfs auseinandersetzte. Die Duma hat dann den Beschluß gefaßt, sich mit einer Erklärung an das Voll zu wenden, in der sie dies überrebet, der Regierung m dieser Angelegenheit keinen Glauben zu schenken und die Lösung der Frage durch die Duma abzuwarte«. Schließlich haben mehrere Abgeordnete Agitationsreise« in das Innere Rußlands unternommen, und ihr Er­scheinen hat ein Wiederzunehmen von Unruhen, Juden­hetzen und Ausständen zur Folge gehabt."

furchtbar erscheinende Gesicht des Schwarzen sah. Wohl wandte er sich wieder zur Flucht, aber so kurz auch der Aufenthalt gewesen, Hassan hatte ihn schon ausgenutzt.

Mit einigen mächtigen Sätzen erreichte er vor Bachgayer das Plateau und schnitt formt dem Ver­folgten den Weg ab. Hohnlachend streckte Hassan die schwarzen Hände aus, um Bachgayer zu fassen. Doch der wich zur Seite, aber verlor den Halt. Hilfesuchend warf er die Arme in die Luft. Seine Füße verloren den Boden und er stürzte und stürzte, hier auf einen Felsen aufschlagend, dort einen Dornenstrauch knickend, dessen Dornen ihn ritzten ,immer rascher und rascher der Tiefe zu. Ein dumpfer, schwerer Ausschlag und der Körper lag geschunden, zerschlagen, leblos am Fuße des Berges. Als man ihn auf einer Tragbahre durch das Städtte trug, um ihn borerft im Turm zu bergen, folgten ihm viele Verwünschungen, teils auch aus bän Munde solcher, die noch vor kurz« Zeit seinen geschickt und boshaft ausgestreuten VerleumdnngM der Baderann gierig gelauscht hatten.

Nestle entging zum Teil dem Atme der irdi­schen Gerechtigkeit. Er genas nur kümmerlich. Am ganzen Körper gelähmt, schleppte er sich nur mühsam wenige Schritte wett. Sein Geist um- dunkelte sich. Sein Vermögen wurde eingezogen und zunächst damit die Hälfte der Kosten des Pro­zesses gedeckt. Die andere Hälfet seiner nicht ge­ringen Habe wurde den beiden Kindern der Bader­ann zugesprochen.

Ein Jahr später, nachdem der herbste Schmerz über das grausame Geschick der Mutter sich ge­legt hatte, wurden Fritz Endriß und Liese ein Paar. Mulley Hassan Schönes aber war es, von dem sich Liese Schönes, wie der Mohr stets sie zck nennen pflegte, gerne ihren Bräutigam am Hoch­zeitstage zuführen ließ. Sie hatte sich mit sein« chwarzen Farbe ausgesöhnt, nachdem sie genugsam erkannt, daß unter der schwarzen Haut ein braves, treues Herz schlage.