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Rotationsdruck u. Verlag der Sulbatr Ar> tiendrnckerei in ^ulda. Zerniprecher Nr. 9.

M 168.

Fulda, Mittwoch den 25. Juli 1906.

33, Jahrgang.

Krstes l^latL

*. Vie folgen der vumaaufiöjung aus die Börse.

Die Auflösung der russischen Reichsduma hat natürlich den Faktor, der am empfindlichsten die politischen Ereigniffe mitfühlt, die Börse, in besonders starke Mitleidenschaft gezogen. Das Hauptinteresse der Börsenbesucher in den letzten Tagen konzentrierte sich in Berlin auf die Kurs­notierungen der Russen-Papiere. Gegenwärtig steht die in Berlin am meisten gehandelte An­leihe von 1902 auf zirka 70, das bedeutet seit etwa zwei Monaten eine Einbuße von 10%.

Es war seinerzeit, wie sich jetzt herausstellt, ein kluger Schachzug der Berliner Hoch­finanz, sich nicht an der letzten großen ruffi- scheu Milliardenanleihe zu beteiligen. Andern­falls würde jedenfalls an der Berliner Börse und damit an den von ihr abhängigen Provinz­börsenplätzen jetzt eine geradezu ungeheuerliche Aufregung herrschen und der Tag nach der Dumaauflöfung zu einem „schwarzen Tage" im schlimmsten Sinne des Wortes entwickelt haben. Die Aufregung ist am Pariser und Londoner Platz entschieden viel größer als bei uns, was eben seinen Grund dann hat, daß in Frankreich und England bei weitem höhere Summen in Ruffenpapieren angelegt sind als in Deuffchland. Es wird wohl nicht geleugnet werden, daß die Warnungen der letzten Monate an das deutsche Kapitalisten-Publikum, wie sie auch von uns in der ,Fuldaer Zeitung' wiederholt ausgesprochen worden sind, dazu beigetragen haben werden, daß vor allen Dingen der Kleinkapitalist sich zu einer Zett, wo es noch ohne große Verluste ge­schehen konnte, sich seines Besitzes an ruffffcheu Werten entäußert hat.

Unvermutet trifft der jetzige scharfe Rückgang daher nur die Optimisten und die Spekulanten, die um jeden Preis mit dabei sein wollen. Ein erfreuliches Zeichen ist es, daß im Gegensätze zu ftüheren „schwarzen Börsentagen", die übrigen Gebiete sich von dem Niedergang der Ruffenwerte ziemlich sreigehalten haben. Ein gewisser Einfluß auf die Gesamttendenz wird sich allerdings nicht vermeiden lassen, er bewegt sich aber, soweit bis jetzt zu übersehen ist, in ziemlich engen Grenzen, und von einem allgemeinen Niedergange des Marktes infolge der Vorgänge in Rußland kann man bei uns wenigstens nicht sprechen.

Ein Berliner Blatt hatte sogar schon wissen wollen, daß die „Preußische Seehandlung" die Erklärung abgegeben habe, daß sie russische Werte als Lombardunterlage nicht mehr an­nähme. Von offizieller Seite wird darauf hin­gewiesen, daß die Nachricht unzutreffend ist; sie habe nur in einzelnen Fällen für die Erhöhung laufender Kredite mit Rücksicht auf die Zusammen­setzung des bestehenden Lombardunterpfandes entsprechend den allgemeinen Bestimmungen ver­langt, für den erbetenen höheren Kredit tunlichst anderweite Unterlagen als Russenwerte zu be­schaffen. Eine gewisse Vorsicht spricht sich auch in diesem Vorgehen der preußischen Staatsbank aus. Die Erklärung läßt aber zugleich erkennen, daß man bei uns an maßgebender Stelle die Sachlage noch keineswegs so auffaßt, daß die Lombardfähigkeit der russischen Werte überhaupt in Frage gestellt sei.

Die hexe von veringen.

Eine kulturgeschichtliche Erzählung auS den hohen- zollerischen Landen.

Von Ernst Hetlinger.

■25] (Nachdruck verboten.)

„Um des Himmels willen, das muß verhütet werden!" rief der Erbprinz, währen- die beiden anderen, Rehling und der Leibarzt, erbleichten.

„Was ist da zu tun?" klagte der letztere.

„Gehandelt muß werden und zwar sofort. Has­san, jetzt gehst Du nicht zu Kohler und seiner Schwester, sondern läufst zu Endriß, er solle so­gleich den „Ajax" satteln und sich fertig machen, nach Veringenstadt zu jagen. Ich werde unter- dessen zum Fürsten gehen und —" f

„Halt!" rief Rehling dem schon davonspringen- s-en Mohren nach, „halt Hassan!"

Der Erbprinz sah Rehling fragend an.

„Verzeihung, gnädiger Herr, ich rate, nicht ,etnen reitenden Boten zu senden, sondern zwei. Wie leicht könnte einem etwas zustoßen und —"

„Recht, ganz recht; aber wen schicke ich noch?"

Da gewahrte der Erbprinz den flehend auf ihn gerichteten Blick des Mohren.

„Jawohl, Hassan ,Du reitest mit Endriß. Nun jgber laufe, was Du laufen kannst, und lasse für Dich die „Fatme" satteln. Es find meine beiden ^ausdauerndsten Reitpferde."

Mit einem Satze war Hassan davongeeilt, dies- qpal ohne auf ein Hindernis zu stoßen.

„Reitet Hassan gut?" fragte Rehling.

„Wie ein Centaur", entgegnete der Erbprinz Md eilte zu den Gemächern seines Vaters.

Kaum eine Viertelstunde später sausten die bei­den Reiter zu dem Stadtore hinaus, durch welches der Jörgbauer und Liese eingezogen waren. Wie ein Sturmwind jagten die Dferde dahin. Als sie

Von diesem Gesichtspunkte möchten auch wir vor übereilten Veräußerungen russischer Werte warnen. Der Kurs würde dadurch nur auf einen so niedrigen Stand gedrückt werden, den er schließlich denn doch nicht verdient, und da die Hoffnung auf eine Gesundung der inneren Verhältnisse in Rußland durchaus noch nicht ge­schwunden ist, würden den Verlust die kleinen Leute zu tragen haben und bei voraussichtlicher Besserung der Zustände den Gewinn die Groß­banken einstecken.

Deutscher Reich.

Berlin, den 24. Juli 1906.

.'. Der Kronprinz als Retter bei einem Bootsunfall. Während der Kronprinz am Sonntag mit seiner Jacht auf der Havel kreuzte, bemerkte er ein Segelboot, welches infolge eines Mastbruches in Gefahr schwebte. Der Kronprinz entsandte die ihn begleitende Pinasse, um das Boot in Schlepptau zu nehmen und nach seiner Anlegestelle zu befördern.

... Dem verstorbenen japanischen General­stabschef Baron Kodama widmet die ,Nordd. Allgem. Ztg.' einen warm empfundenen Nachruf. Mit Baron Kodama habe Japan einen seiner bedeutendsten Heerführer verloren, dessen hervor­ragende militärische und staatsmännische Be­gabung auch in Deutschland hohe Wertschätzung genossen habe.

* Der Kaiser hat auf eine Kundgebung der im Süden von Deutsch-Südwestafrika an­gesiedelten Deutschen an den Gouverneur von Lind e qu ist ein Antwort - Tekgramm gerichtet, in welchem er denselben beauftragt, der deutschen Bevölkerung des Südens des Schutzgebietes für die Bekundung ihrer patriotischen Gesinnung seinen Dank auszusprechen und hinzuzufügen, daß er der Wohlfahrt und den Interessen der Bevölke­rung auch fernerhin seine Fürsorge widmen werde.

* Die Stichwahlparole des Zentrums für Hagen-Schwelm unterzieht die ,Kreuzzeitung' einer Besprechung und kommt zu dem Schluß, daß die Zentrumswähler aus dem bestimmten Verbot der Stimmabgabe für den sozialdemo­kratischen Kandidaten den Schluß ziehen würden, daß die Wahl des Freisinnigen -ganz im Sinne der Partei liege. Danach könne man die Ent­scheidung in Hagen-Schwelm in Ruhe abwarten. — Zur Erklärung, wie die Entscheidung des Wahl­komitees der Zentrumspartei für den Wahlkreis Hagen-Schwelm zustande gekommen ist, schreibt die in Dortmund erscheinende ,Tremonia': „Cuno, erster Bürgermeister von Hagen, war nun mal die denkbar ungeeignetste Persön­lichkeit, um bei der Stichwahl die widerstrebenden Elemente zu versöhnen. Er hat auch im Wahl­kampfe das Zentrum wie die Naüonalliberalen derart vor den Leib getreten, daß es sehr zweifelhaft erscheint, ob in der Stichwahl auch von den Nationalliberalen nur ein erheblicher Teil, trotz der entgegengesetzten Parole der Führer, für ihn eintrrten wird. Und die letzte Kommunalwahl in Hagen, bei der man den noch einzigen Vertreter des Zentrums, Herrn Dr. Schnettler, seitens des Freisinns nicht wieder­wählte, hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Das Zentrum hatte wiederholt dem Freisinn resp. dem verstorbenen Eugen Richter im Kampfe mit der Sozialdemokratie treue Heeresfolge geleistet, so daß es erwarten konnte, von dem Hagener

über die hölzerne Donaubrücke sprengten, dröhnte das Balkenwerk. Die feurigen Pferde scheuten, aber ihre beiden Reiter trieben sie mit unwider­stehlicher Gewalt weiter. Eine Staubwolke entzog sie den Neugierigen, die ihnen nachschauten.

Das Blatt, welches der Erbprinz seinem Be­reiter übergeben, trug von der eigenen Hand des Fürsten die Worte:

„Die Baderann ist sogleich in Freiheit zu setzen. Bachgayer in den Turm zu werfen. Meinrad, Fürst."

Von dem Turme zeigten helle Glockenschläge an, daß es acht Uhr sei.

Ein herrlicher Frühlingstag! Die Wälder und die weiten Wiesen prangten in frischem, saftigem Grün. Tiefblau spannte sich der wolkenlose Him­mel über Berg und Tal. Zwischen dem jungen Buchenlaub erschienen die Nadeln der Tannen­bäume noch dunkler und erzeugten prächtige Far­bentöne. Soweit die Donau zu übersetzen war, glitzerte und blitzte sie, als flösse nicht Wasser, son­dern Silber in ihrem Bette.

Die beiden Reiter hatten bald die steile An­höhe, die zunächst zu überwinden war, erreicht. Bon der Höhe des Brunnenberges bot sich rück­wärts ein herrliches Bild, das große, weite, an­mutige Tal mit der hochragenden Burg als Mtt- telpunkt. Aber sie schauten nicht um; sie trieben die feurigen Pferde immer wieder an, wiewohl es bei den edlen Sterne kaum erforderlich schien. Es war, als sei auch in ihnen das Bewußtsein rege ge­worden, daß es sich um ein Menschenleben handle.

Nun waren sie aus der Hochebene. Jetzt konn­ten die Rosse erst recht ausgreifen. Die beiden Reiter sprachen kein Wort miteinander. Ihr ra- fender Ritt führte sie an einigen allein liegenden Bauernhöfen vorbei. Wohl heulten die Hunde und zerrten rasselnd an ihren Ketten, aber neugierige Menschen zeigten sich keine.

Jetzt lag eine schnurgerade Straße vor ihnen und am Ende derselben ein Dorf, Jungnau, das erste auf ihrem Wege. Rechts im Otte ragte ein

cwreiftnn respektiert zu werden. Aber anstatt Dank erntete man stets Fußtritte aus allen Wegen. Das kann sich eine Partei, die aus sich etwas hält, aus die Dauer nicht bieten lassen. Es ist zu erwarten, daß nun nach dieser beschlossenen Parole des Zentrums von allen Seiten gegen unsere Freunde in Hagen-Schwelm losgeschlagen wird. Sie sind darauf gefaßt, aber sie sagen, daß sie nicht anders gekonnt haben. Sie sind sich einig, daß der Soziawemokrat der größere Feind ist, daß kein Zentrumsmann einem Sozialdemo­kraten seine Stimme geben darf, aber sie sind sich auch einig dann, daß kein Zentrumsmann in Hagen-Schwelm von Parteiwegen gezwungen werden kann, diesen Freisinn und ihren Ver­treter Cuno herauSzuhauen, mag kommen, was da will. So werden wir also wohl am 27. Juli erleben, daß ein „Roter" das Erbe Eugen Richters im Wahlkreise Hagen-Schwelm antritt. Wie lange das dauern wird, hängt davon ab, ob nun endlich die Freisinnigen in Altena-Jser- lohn und Hagen-Schwelm zur Einsicht kommen, ob die „Liberalen" allerwärts einsehen, daß das Volk der infamen konfessionellen Hetze gründlich satt ist. Trotz oder gerade wegen dieser Sachlage haben wir die Hoffnung, daß diese Wirrnisse unter den bürgerlichen Patteien klärend für die Zukunst wirken.

* Die Steuerpolitik der Zentrumsfraktion hat der Abg. Dr. Jäger in einer Schrift: „Die Reichsfinanzreform von 1906 und die neuen Steuern" (Verlag des Volksvereins in M.-Glad- bach) glänzend gerechtfettigt; wir können diese Schrift nur jedermann dringend empfehlen. Wie gut und treffend sie ist, beweist nämlich der vor­wärts' der dieser Broschüre eine ganze Seite widmet und sie sehr scharf mit Phrasen bekämpft; aber irgend etwas von Bedeutung weiß das sozialdemokratische Organ nicht zu sagen. Die ganze Schrift gefällt fihm eben nicht.

* Eine deutsche Reichsunterstützung für die Bukarester evangelische Gemeinde. Aus Bukarest meldet man, der ,Tgl. Rdsch.' zufolge: Die hiesige deutsch-evangelische Gemeinde wurde von der deutschen Gesandtschaft amtlich dahin ver­ständigt, daß ihr aus deutschen Reichs­mitteln eine Jahreshilfe von 16000 Mark bewilligt wurde. Zugleich wurde der ganze Be­trag für das laufende Jahr flüssig gemacht. — Wir haben noch nie davon gehört, daß auch katholischen Gemeinden im Auslande eine ähnliche Reichsunterstützung zuteil wird, wie hier der evangelischen Gemeinde in Bukarest.

* Heber den Besuch des Untersuchungs­richters im Reichstage bringt das Stuttgarter .Deutsche Volksblatt' eine Darstellung, welche in wesentlichen Punkten von der auch von uns wiedergegebenen Mitteilung des ,Berl. Tagebl.' über den Vorgang abweicht. Das ,Berl. Tagbl.' bemerkt dazu, daß, wenn die Schilderung über den Vorgang zulreffe, zweifellos ein krasser Fall der Verletzung der Immunität eines Reichstags­abgeordneten und des Reichstages vorliege, gegen welchen das Parlament in schärfster Form Ein­spruch erheben müsse. Wir haben keine Veran­lassung, an der Richtigkeit der Darstellung des ,Deutschen Volksblattes' zu zweifeln und können uns der Auffassung des .Berliner Tageblattes' nur anschließen. Die ,Nationalztg.' findet für die oben angegebene Tatsache keinen weiteren Kommentar als die deplaciette Bemerkung: „Man denkt jetzt schon mit Grauen der kommenden Reichstagsverhandlungen, in denen alle diese

stattlicher Bergfried auf steilem Felskegel empor. Die Retter hatten kein Auge dafür. Aber was war das? Hatte die Pest das Dorf verödet? Nicht eine erwachsene Person zeigte sich, nur ein paar halb­nackte Kinder spielten vor den Haustüren. Das Dorf lag still und verlassen. Die Einwohner wa­ren schon in der Frühe des Tages, festtäglich ge- schmückt, gen Veringenstadt ausgezogen, die halb­erwachsenen Kinder meist mit sich führend.

Und weiter rasten die Reiter. Das Tal wurde enger. Die Lauchert durchfloß es mit ihrem fisch­reichen Wasser. Und wieder ein Dorf, ein statt­licher Ort, Veringendorf. Gleich am Eingang links lag die alte, auffallend schöne Kirche, eine der ältesten des Landes. Umgeben von lauschigen Bamnfchlag, bot die kleine aber wohlerhaltene Ba- fiüffi, ein Werk längst dahingeschwundener Zeiten, ein ungemein friedliches Bild.

Tie Brücke über das Flüßchen schwankte, als der dröhnende Huf der galoppierenden Pferde über sie dahinraste. Die wild dahinsprengenden Reiter brauchten nicht zu befürchten, daß sich ihnen ein Hindernis in den Weg stellte; denn auch hier lag die Straße öde und still, die Häuser geschlossen, Veringenstadt war ja so nahe, und das heute sich dott zeigende Schauspiel so verlockend.

Und weiter flogen die Reiter, immer noch schweigend, den Blick nach vorne gerichtet, als müßte dieser das Ziel näher heranziehen. Zahl­lose Windungen der Straße verhinderten weite Ausschau. Fritz Endriß kannte den Weg. Bei dunkler Nacht hätte er jeden Punkt genau angeben können. Und jetzt bohrten sich seine Augen über den Hals des Pferdes hinaus, fragend, suchend. Noch nie war ihm der Weg so weit vorgekommen.

Und abermals ein Bogen. Jetzt umritten sie den mächtigen, weißgrauen Jurafelsen, der sich ttotzig in das Tal hineinschob. Dieses ertoeiterte sich. Da, wo es sich wieder verengte, lag ihr Ziel. Es konnte nimmer weit fein.

„Veringenstadt! Dott liegt es!" hörte Hassan feinen Mitreiter rufen und als er der zeigenden

Dinge von Herrn Erzberger sicherlich nach be­kannter Manier bis zum Ueberdruß breit getreten werden würden."

* Zur Ausdehnung der Alters- und Jn- validitätsversicherung auf die Privatbeamten. Wenngleich für die nächste Zeit kaum an eine wesentliche Umgestaltung der Alters- und Inva­lidenversicherung zu denken ist, wird doch die Agi­tation, die eine beträchtliche Erweiterung des Kreises der Versichetten zur Folge haben könnte, auch gegenwärtig eifrig fortgesetzt. Es handelt sich um die Einbeziehung der Privatbeamten in die Versicherung. Die ,Berl. Pol. Nachr.' berichten hierüber: Man wird sich erinnern, daß in weiten Kreisen der Handwerker eine zeitlang der Wunsch auf Einziehung in die Versicherung rege war. In den zuständigen Regierungskreisen ging man auf den Wunsch nicht ein, einmal, weil ein noch größerer Teil des Handwerks von der staatlichen Versicherung nichts wissen wollte, und sodann, weil mit der Einbeziehung des Handwerks in die Versicherungspflicht das bisher ihr zu gründe liegende Prinzip der Versicherung nur von Angestellten, im Gegensatz zu selbständigen Gewerbetreibenden, durchbrochen worden wäre. Man hat auch nicht gehört, daß im Handwerk über diese Endentscheidung eine be­sondere Betrübnis Platz gegriffen hätte. Viel energischer wird der Versicherungszwang von dem großen Kreise der Privatbeamten angestrebt. Sie passen sich als Angestellte auch durchaus dem Kreise der bisher schon versicherten Personen an. Es ist bekannt, daß diese Erweiterung des Kreises der Versicherten von der Regierung als erwägenswert bezeichnet ist, und daß nur vor einer Entscheidung in der Angelegenheit mit vollem Rechte eine Einsichtnahme in die Verhält­nisse der Privatangestellten als notwendig erachtet wurde. Zu diesem Zwecke wurde eine Erhebung veranstaltet, deren Ergebnisse gegenwärtig der Bearbeitung unterliegen. Nach dem Stande dieser Arbeiten ist anzunehmen, daß eine Denk­schrift über die Verhältniffe der Privatange­stellten dem Reichstage schon im nächsten Tagungsabschnitte zugestellt werden kann, damit auch das Parlament sich auf gründ sicherer Unter­lage im Prinzip über die in Rede stehende Frage enffcheiden kann. Man darf also annehmen, daß spätestens im nächsten Jahre Re­gierung und Parlament zu einer Verständigung über die Versicherungspflicht der Prioatangestellten gelangen werden. Wenn sie ein positives Ergeb­nis haben sollte, würden die Vorarbeiten aber wieder einige Zeit in Anspruch nehmen. Also auch im besten Falle würde die Einbeziehung der Privatbeamten in die Jnvalidenversicherungs- pflicht nicht schon bald bevorstehen.

* Die Gleichstellung der Gerichtssekretäre, mit den Sekretären der anderen staatlichen Ver­waltungen ist bekanntlich vomAbgeordneten- hause mit großer Majorität beschlossen worden Die Staatsregierung, welche dem Beschlüsse in vollem Umfange nicht zustimmen konnte, will den Wünschen der genannten Beamtenkategorie in der Weise nachkommen, daß in dem Etat pro 1907 ungefähr 2000 „gehobene Stellens einge­richtet werden, womit für stark ein Drittel der Sekretäre eine Besserung des Höchstgehalts von 3800 auf 4200 Mark verbunden ist. In Frage kommen für diese neuen Stellen zuerst die Ober- sekretäre, Rendanten, Kontrolleure usw. Den hiergegen von mehreren Abgeordneten geltend ge­machten Bedenken hat der Herr Justizminister

Hand folgte, sah er zwar noch keine Häuser, wohl aber auf der Höhe die wettausgedehnten Ruinen einer mächtigen Burg.

Und näher und naher kamen sie dem Ziele. Jetzt erkannten sie schon die einzelnen Häuser, das Stadttor und die Stadtmauer. Weiter! Weiter!

Plötzlich stieß Endriß einen Schrei aus uni hielt unwillkürlich sein Pferd an. Eine jähe Blässe überzog fein Gesicht, während feine Augen zu der Höhe des Bergrückens emporstarrten, auf welchem die Burgtrümmer lagen. Hinter diesem Berg­rücken stieg eine mächtige Rauchwolke empor, häß­liches Grau in der sonnenhellen, lichtüberstrahlten Landschaft verbreitend.

„Vorwärts! Vorwärts!" keuchte er und gab seinem „Ajax" so heftig die Sporen, daß das edle Tier, einer solchen rauhen Behandlung unge­wohnt, einen mächtigen Satz machte, der einen weniger erfahrenen Retter aus dem Sattel ge­worfen hätte.

Aber warum sollte Fritz fürchten, zu fpät zu kommen? Die Baderann war ja vom Feuertod« begnadigt; das Schwett mußte ihr den Tod brin­gen. Also stand wohl auch die Rauchwolke in keinem Zusammenhang mit der Baderann. Un- weiter rasten die Retter.---

Es war kein Grund, sich über die Stille un­scheinbare Ausgestorbenheit der durchrittenen Ge­gend zu verwundern; denn sobald man Geringen- stadt betrat, löste sich das Rätsel. Schon am frü­hen Morgen zogen Männer, Weiber und Kinder, letztere wurden mitgenommen, daß ihnen ein ab­schreckendes Schauspiel für zeitlebens vor Augen geführt werde, dem Städtle zu. Aus allen Ort- schasten des Lauchertales, von den Höhen der Schwäbischen Alb, linksseitig des Tales und von der Scherer Hochebene des rechten Users strömten die Neugierigen herbei; denn die Nachricht von der Verlegung des Todestages der Baderann von Samstag auf Freitag war mit unbegreiflicher Schnelligkett von Ort zu Ort geflogen. Und bei einem solchen nicht allzu häufigen Ereignis durfte