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rnonatsbdlage: „grtdaer GeschichkblStter".
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Sotationsdruck u.
Verlag der Fuldaer Ar. tieadruckerei in.Halda. Zerafprecher Rr. 9.
M 167.
Fulda, Dienstag den 24. Juli 1906.
33. Jahrgang.
* Vie Zttchwahlparole der Zentrums- Partei in Hagen-Zchwelm
Das Wahlkomitee der Zentrumspartei für die Stichwahl im Wahlkreise Hagen-Schwelm 'hat am Sonntag einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „1) Kein ZentrumSmann darf einen Sozialdemokraten wählen. 2) Im übrigen stellt es die Leitung der hiesigen Zentrumspartei 'einem jeden Wähler frei, sich an der Stichwahl zu beteiligen oder nicht." Es ist selbstverständlich, daß das Lokalwahlkomitee die beste liebet« sicht über die Verhältnisse im Wahlkreise hat, und die Tatsache, daß der oben genannte Beschluß einstimmig gefaßt worden ist, läßt erkennen, daß der Beschluß den Ausdruck der Willensmeinung der gesamten Wählerschaft der Zentrumspartei in Hagen-Schwelm darstellt. Das Kreiswahlkomitee der nationalliberalen Partei hat seinen Wählern empfohlen, in der Stichwahl für den Oberbürgermeister Cuno zu stimmen. Den gleichen Beschluß haben die Christlichsozialen gefaßt. Eine sichere Wahlvoraussage erscheint demnach nicht möglich. Wenn auch die Zentrumswähler ihrer Lokalorganisation nicht die Ueberraschung bereiten dürften, wie seinerzeit im Wahlkreise Altena-Iserlohn die Freisinnigen ihrem Wahlkomitee, so kann man immerhin nur von einer Wahrscheinlichkeit reden, daß der sreisinnige Kandidat mit geringer Majorität gewählt wird.
Der Beschluß des Wahlkomitees der Zentrumspartei ist anscheinend erfolgt mit Rücksicht auf die erbitterte Stimmung in der Wählerschaft des Kreises, die bei einer offenen Wahlparole für den Kandidaten Cuno vielleicht dazu geführt hätte, daß viele Wähler in einen Konflikt zwischen ihrer persönlichen Ueberzeugung und der offiziellen Wahlparole gekommen wären. Deswegen erscheint uns der Ausweg, wie er getroffen worden ist, nach beiden Seiten hin der denkbar beste. Es ist zwar bedauerlich, meint die ,Post', vaß die Partei sich nicht zu der edlen Rache, welche die ,@ermania' vorgeschlagen hatte, aufgeschwungen und die Parole für den bürgerlichen Kandidaten ausgegeben hat, indessen sei es schon anerkennenswert, daß es wenigstens feine Anhänger auf die Pflicht aufmerksam gemacht hat, jedenfalls keinen Sozialdemokraten zu wählen. Diese Anerkennung des Vorgehens des lokalen Wahlkomitees unter Würdigung der Tatsache, daß eine andere Taktik garnicht möglich war, finden wir auch in anderen gegnerischen Blättern.
Der Beschluß des Hagen-Schwelmer Wahlkomitees entspricht auch den Ansprüchen, die man bezüglich Selbstachtung und Würde an eine große Partei stellen muß. Die Freisinnigen und ssiationalliberalen reden ja so viel von der siegenden Macht der liberalen Ideen, und ein großes nationalliberales Organ hält den Sieg der Freisinnigen in Hagen-Schwelm für so gesichert, daß es schreibt: „Die Zentrumsherrschaften brauchen nur zu Hause zu bleiben und die ganze Sache ist gemacht." Der Freisinn wird zeigen können, ob er ohne die offiziell zugesagte Hilfe einer großen Partei, die ihm in so vielen Wahlkreisen die Krücken zum Einzug in den Reichstag lieferte, den Sozialdemokraten wird aus dem Felde schlagen können.
Die hexe von veringen.
Eine kulturgeschichtliche Erzählung auS den hohen» zollerifchen Landen.
Von Ernst Hettinger.
24] (Nachdruck verboten.)
„Erl Erl Der mich holen sollte, wenn ich — bei lebendigem Leibe. Da ist er gestanden! Da, da!"
Der Vogt wollte die Stelle zeigen, wo die Erscheinung geftanben, aber er strengte sich vergebens an, die Hand und den Arm zu heben. Er war am ganzen Körper gelähmt.
„Den Pfarrer rufen! Rust den Pfarrer l" keuchte der Kranke.
„Recht so, Dogtl Er will beichten. Es ist besser; denn man weiß nicht, tote die Sache ausgeht", meinte der Arzt.
Das Gesicht des Kranken verzerrte sich tote in Wut und Ingrimm. Wieder wollte er mit bett .Armen seinen Worten Ausdruck geben. Aber tote« "der vergebens. Mühsam stieß er die Worte heraus: L, »Nein, nicht beichten! Der Pfarrer her mit -Weihwasser und Kreuz! Dann kann er nimmer Kerem! Dann muß er draußen bleiben." L »WEN meint Er, Vogt?" stagte der Leibmedi-
Egte sich dicht zum Kranken hin. Der flüsterte:
stand er und wollte mich Honen, ^ch hatte es gesagt, bet lebendigem Leibe sollte er mich holen."
k. Den Arzt schüttelte es. Der Mann da schien Mne schwere Last auf dem Gewissen zu haben Er Poandte sich zu dem Hirschwttt und flüsterte:
L „Schicke Er sofort zum Pfarrer; ich laste ihn Mtten, bald zu kommen. Mir bünfet, hier ist es zweifach notwenbig."
. Die Turmuhr schlug sieben, als der Leibarzt "nkenvoll den Schkoßbera btnauffttea. _ Der.
Deutsches Reich.
Berlin, den 23. Juli 1906.
* Die ,Rordd. Allgem. Ztg/ weist die noch immer verbreiteten Gerüchte von einer beabsichtigten Intervention Deutschlands gegenüber den Ereignissen in Rußland, wie nicht anders zu etroarten war, als durchaus haltlos zurück. Das offiziöse Blatt schreibt: „Ein Teil der ausländischen Presse sucht noch immer die Gerüchte von einer beabsichtigten Interventions-Politik benachbarter Länder gegenüber den Ereignissen im ausfischen Reiche zu stützen. Wir setzen diesem haltlosen Gerede nochmals die Feststellung entgegen, daß alle Angaben über eine Einmischung Deutschlands, sei es auf Grund von Verabredungen mit fremden Höfen oder Regierungen, fei es ohne solche Abreden, ausnahmslos tendenziöse Erfindungen sind. Wir machen diese Feststellung nicht in der Hoffnung, diejenigen bekehren zu können, die sich nicht überzeugen lassen wollen, weil sie ein Interesse daran haben, die deutsche Politik zu verdächtigen und die öffentliche Meinung Europas irrezuführen. Wir wenden uns aber an alle, die gegenüber unredlichen Treibereien die Stimme der Wahrheit hören wollen. Es wäre erfreulich, wenn bei uns alle poli- üschen Kreise die Entwickelung der russischen Angelegenheiten mit derselben loyalen Zurückhaltung und Vermeidung einseitiger Parteinahme begleiten möchten, die sich unsere Politik zur Pflicht gemacht hat. Wir können angesichts der Vorgänge in Rußland nicht besonnen genug bleiben, so lebhaft wir auch wünschen, daß es der russischen Regierung und dem russischen Volke gelingen möge, einen Ausweg aus den inneren Schwierigkeiten zu finden."
* Die Quelle, aus welcher der Abgeordnete Erzberger das Material für feine Enthüllungen geschöpft haben soll, wollten die ,Hamburger Nachrichten" endgültig entdeckt haben. Sie tischten ihren Lesern eine Erzählung auf, daß „eine Art Komitee" existiere, welches aus den früheren Kolonialbeamten Pöplau und Wistuba sowie einem „klerikalen Journalisten" namens Schwinn bestanden habe. Das „Komitee" habe aus der Registratur der Kolonialabteilung das „Material" beschafft, und Schwinn die jour- nalistifche Verarbeitung und Veröffentlichung übernommen. Auch habe es den Abgeordneten Erzberger mit dem „Stoff zu seinen Enthüllungen" vcrsorgt. Das,Berliner Sägeblatt' veröffentlicht jetzt Zuschriften der drei Ange- schuldiglen, welche sich auf das entschiedenste gegen die Verdächtigungen des Hamburger Blattes verwahren und alle seine Mitteilungen als unwahr bezeichnen. Schwinn erklärt aus- drücksich, daß er den Abgeordneten Erzberger überhaupt nicht kenne. Was an der Sache ist, läßt sich zur Zeit noch garnicht übersehen. Tatsächlich ist inzwischen auch gegen die Herren Pöplau und Wistuba, wie das ,Berliner Tageblatt^ erfährt, eine Untersuchung eingeleitet. Auch sind bei den genannten Herren sowie dem Herrn Schwinn Haussuchungen und Beschlagnahmen vorgenommen, die allerdings zu keinem Resultat geführt haben: außerdem ist über Pöplau und Wistuba die Briefsperre verhängt worden.
* Der deutsche Konsul in Genua Dr. Jrmer
sollte einer Blättermeldung zufolge zum Unter«
Erbprinz war nicht allein. Er hatte Professor Rehling gebeten, damit er dabei fei, wenn Nachricht über das Befinden des Vogtes käme.
Hassan lief geschäftig, aber geräuschlos hin und her und ordnete mit geschickter Hand das Frühstück. Eine innere Unruhe dämpfte die sonstige Heiterkeit des Schwarzen. Die Geschichte der verflossenen Nacht wollte ihm nicht aus dem Kopfe. Allerdings war der Vogt nach der Erzählung des Jörg- bauern ein solcher Schurke ,daß er verdiente, was ihm zugestoßen. Aber Hassan sorgte doch sehr, ob fein Herr es billigen würde, daß er das Strafgericht übernommen.
Jetzt trat er wieder in das Zimmer und meldete.
„Der Herr Leibmedikus ist draußen."
„Sogleich eintretenI" befahl der Erbprinz.
Mit dem Arzte kam aber auch Hassan und machte sich am Anrichttisch zu schaffen. Er wollte hören, was der Arzt berichtete.
„Nun! Wie steht es mit dem Vogt?" rief der Erbprinz dem Eintretenden entgegen.
„Das ist eine ganz merkwürdige, schier unglaubliche Geschichte", begann der Arzt.
„Lebt der Vogt noch?"
„Jawohl, gnädiger Herr, und es kann fein, daß er mit dem Leben davonkommt."
Nur Professor Rehling vernahm den Seufzer der Erleichterung, der Assans schwarzer Brust entftieg.
„Aber es steht schlimm mit ihm und gesunden wird er nie mehr vollständig. Doch das ist nicht das Merkwürdigste an der Sache. Ich halte ihn nicht für getfteSgeftört; fein Geist ist ganz klar. Und doch spricht er unverständliche Dinge. Er toiff in dieser Nacht den Teufel an feinem Bett gesehen haben, der ihn lebendig holen wollte. Erst wollte er nichts von dem Pfarrer wissen, aber der hat ihm die Hölle heiß' gemacht und ihm inS Gewissen geredet. Endlich fft es herausgekommen: Er habe vor Gericht einen falschen Schwur getan, und ein SKann namens Bachgayer habe auch falsche Aus- saaen aemacht. Mit dem Bachgayer habe et den
staatssekretär beim künftigen Reichskolonialamt ausersehen sein. Dr. Inner erklärt jetzt in einer Zuschrift an das ,Berlir.er Tageblatt', daß ihm von einem Rücktritt seinerseits in das Kolonialamt nicht das geringste bekannt war und bittet das Blatt, „seiner armen Person" in Verbindung mit der Kolonialabteilung nicht wester zu gedenken, da er in seiner jetzigen Stellung ein ihm willkommenes reiches Arbeitsfeld gefunden habe.
* Die Vorarbeiten zur Aufstellung einer Novelle zum Vereinszollgesetz, die bereits vor längerer Zeit begonnen sind, sollen dem ,Berliner Tageblatt' zufolge jetzt soweit gefördert sein, daß es nicht unwahrscheinlich sei, daß der Entwurf dem Reichstag bereits in seiner nächsten Tagung unterbreitet werde
Die vollständige Erhebung der Automobilsteuer bezweckt eine Ministettalverfügung über das Zusammenwirken der Polizei- und Steuerbehörden bei Erteilung von Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge. Die Zuteilung von Kennzeichen für Kraftfahrzeuge darf fortan nur gegen Vorlegung der ordnungsmäßig oerfteuerten Erlaubniskarten erfolgen. Die Polizei hat alle derartigen Anträge der Steuerbehörde rnitzu- teilen. Die Polizeibehörden sollen ferner die zu ihrer Kenntnis gelangenden Aenderungen, welche in der Person des Eigentümers eines Fahrzeuges, in der Umwandlung eines Lastfahrzeuges in ein Personenfahrzeug und umgekehtt, ferner in die Betriebsart oder der Anzahl der Pferdekräste eintreten, sowie Aenderungen in der polizeilichen Kennzeichnung eines Personenfahrzeuges der Steuerbehörde mitteilen. Wird eine neue Erlaubniskarte nicht rechtzeitig gelöst, so soll die Polizei auf Antrag der Steuerbehörde das amtlich ausgegebene Kennzeichen beschlagnahmen. Die Polizei hat vierteljährlich einen Auszug ihrer Liste der Kraftfahrzeuge der Steuerbehörde zu übersenden.
* Folgen der Raubanfälle in Eisenbahnwagen. In einem Erlasse an die königl. Eisenbahndirektion Berlin würdigt der Eisenbahn- Minister Breitenbach die vielfachen Vorschläge zur Einführung von Sicherhertseinttch- tungen. „Die meisten Vorschläge", so heißt es in dem Erlasse, „sind nicht neu und schon wiederholt auf ihre Ausführbarkeit und Zweckmäßigkeit geprüft worden, und zwar nicht allein bei der preußischen Staatsbahnverwaltung. So hat diese Frage u. a. in Frankreich zu lebhaften Erörterungen gefühtt, als dort vor 40 Jahren in einem Eisenbahnzuge der Präfekt des Euredepartements ermordet wurde, lieber das praktische Ergebnis der vom französischen Eisenbahnminister eingeleiteten Untersuchung ist seinerzeit von der Zeitung des Verbandes deutscher Eisenbahnvereine berichtet worden. Die früheren und die auch jetzt wieder gemachten Vorschläge haben meist nur den gerade vorliegenden Fall im Auge und laffen zum Teil außer acht, daß bei einem anders gearteten Falle die Sicherheitseinrichtung zu einer Behinderung der Hilfe führen kann. Vor allen Dingen aber wird nicht berücksichtigt, daß mit den vorge- schlagenen Einrichtungen vielfach llnzuträglich- keiten verbunden sind, die zu Betriebsstörungen und Belästigungen der Reisenden Veranlasfung geben." Die gemachten Vorschläge faßt der Erlaß in folgende vier Hauptpunkte zusammen: 1. Verbindung der Abteile untereinander oder auch vollständiger Abschluß gegeneinander; Oeff- nungen in den Wänden zwischen den Abteilen
Prozeß gegen die Baderami zu Geringen zustande gebracht. Er habe nie an die Schuld der Bader- ann geglaubt, aber aus Haß habe er ihr nachgestellt, und nun sei in verwichener Nacht der Gottseibeiuns leibhaftig in feine Stube getreten, um ihn abzuholen."
lieber das Schwarze Gesicht Hassans zuckte es trotz dem Ernste der Sache von mühsam verhaltenem Lachen. Auch das war Rehling nicht entgangen.
„Aber, um Himmelswillen ,das ist ja die unzweifelhafte Hilfe Gottes!" rief der Erbprinz und erhob sich. „Und Er. Rehling, Er hat ja den Nagel auf den Kopf getroffen. He, Hassan, springe was Dich Deine schwarzen Beine tragen können, zu dem Georg Kohler und zu feiner Schwester und sage ihnen, ihre Mutter werde heute noch aus dem Gefängnis entlassen; sie fei unschuldig, der Vogt habe alles gestanden."
Noch selten war der flinke Bursche so rasch gewesen, wie diesmal. Mehr noch als das wohltuende Gefühl, den beobachtenden Augen RehlingS entwischen zu können, gab ihm die Freude, Georg Kohler und Liese die so überaus glückliche Nachricht bringen zu können, Behendigkeit. Aber kaum war er mit einigen Sprüngen hinausgestürmt, als draußen ein in diesen Räumen ungewöhnlicher Lärm hörbar wurde. Die im Zimmer Zurückgebliebenen vernahmen zwei laute, ächzende Ausrufe, einen dumpfen Schlag, als wenn zwei schwere Körper aneinanderschlagen, dann ein Krachen und Brechen und dann ein Dröhnen, daß die Teller und Gläser auf dem Anrichttische zufammenklirrten.
„Jft denn da draußen jetzt auch der Gottseibeiuns los?" rief der Erbprinz. Und schon waren Rehling und der Leibmedikus aufgesprungen, rissen die Türe auf und schauten in das Vorzimmer. Es eignet sich wahrlich nicht für zwei so gesetzte und gelehrte Männer, wie der Ingolstadter Professor und der fürstliche Leibmedikus waren, und auch nicht für den herben Ernst des noch unaufgeklärten Vorfalles, der sie so früh am Morgen schon zusammengeführt, daß sie beide da standen und
oder Anbringung von Glasscheiben. 2. Vorhandensein von Alarmvorrichtungen neben der Notbremse; entsprechende Druckknöpfe über jedem Sitz; Einrichtungen, wodurch beim Oeffnen der Tür ein Geläute ertönt oder auch sogleich die Bremse in Tättgkeit gesetzt wird. 3. Vorhandensein von innern Türverfchlüffen, die von außen nur durch einen besonderen Schlüffe! geöffnet werden können; Verriegelung der Türen von auf?en durch den Schaffner für jeden Wagen/ oder durch den Lokomottvsührer für den ganzen Zug. 4. Beseitigung aller Griffe an den äußeren Wagenfeiten; Unterbrechung der Trittbretter; Anbringung von Scheinwerfern zur Beleuchtung der, Trittbretter und des Zuges überhaupt. Ange-' sichts der Bedeutung, welche der Sicherheit in den Eisenbahnzügen beizumessen ist, hält der Mi- nister eine eingehende Prüfung der Frage, ob Einrichtungen getroffen werden können, die den angestellten Zweck sicher erreichen, ohne ander- weite schwerwiegende Nachteile herbeizusühreu, für unerläßlich. Hierbei sollen nicht nur die angedeuteten Vorschläge, sondern auch sonstige einen Erfolg versprechende Maßregeln eingehend erörtert und auf ihre Ausführbarkeit, Zweckmäßigkeit und Rückwirkung auf die Betriebsführung und die Reisenden untersucht werden. Zu diesem Zwecke beauftragt der Minister die Eisenbahn- direttion Berlin, die Angelegenheit alsbald durch den Personenwagen-Ausschuß, der durch betriebe und verkehrstechnische Mitglieder verstärkt werden soll, eingehend beraten zu lassen. Die eingegangenen Vorschläge, Preßäußerungen und sonstiges Material sollen der Berliner Direktion überwiese» werden. Ueber das Ergebnis der Beratungen wird dem Minister demnächst zu berichten sein.
** Berlin, 23. Juli 1906. Der Kaiser ist auf feiner Nordlandsreife am Samstag Abend in Molde eingetroffen. Während der Fahrt von Drontheim dorthin, die bei gutem Wetter statt- fand, hörte er einen Vortrag des leitenden Ingenieurs über Dampfturbinen. Vor Molde, wo die Ankunft abends 7 Uhr erfolgte, ankerten die Schiffe des 1. Geschwaders, deren Besatzung bei der Einfahrt der Hamburg paradierte. Abends kam Prinz Adalbert an Bord. Am Samstag Vormtttag hielt der Kaiser Gottesdienst ab und begab sich sodann zum Frühstück auf das Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." — Der „Reichsanzeiger" meldet die Ernennung folgender Herren zu Wirklichen Legationsräten und zu Vortragenden Räten in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes: des Ersten Referenten beim kaiserlichen Gouvernement von Kamerun Geh. Regierungsrat E b e r m a i e r, des Regierungsrats in der preußischen Verwaltung des Innern Dr. v o n d e r Groeben, des ständigen Hilfsarbeiters im Auswärtigen Amte (Kolonialabteilung) Legationsrats Dr. Schnee und des Konsuls in Kiew Legationsrat Dr. v o n I a c o b s. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht in einer Beilage seiner Nummer vom 23. Juli den vorläufigen Entwurf eines Gesetzes betreffend die Erleichterung des Wechselprotestes nebst Erläuterung. — Gegen die Ueberflu- tung des Berliner Marktes mit amerikanischen Schuhwaren fetzen die Berliner Händler und Fabrikanten sich jetzt energisch zur Wehr. Der Zentralverband der Deutschen Schuhwarenhändler hat in Gemeinschaft mit dem Verbände Deutscher Schuh- und Schäftefabrikanten ein energisches Vorgehen in diesem Sinne begonnen.
unwillkürlich in ein lautes Lachen ausbrachen. Und als der Erbprinz neben sie trat, da mußte auch er lachen.
Auf dem Boden lagen zwischen den Trümmern eines Tischchens und eines Stuhles zwei verdutzt dreinschanende Menschen, unten Mulley Hassan und auf ihm der dicke Hirschwirt, letzterer schwerfällig vergebliche Anstrengungen machend, sich zu erheben, während er mit seiner nicht gewöhnlichen Körperlast den geschmeidigen Hassan am raschen Aufstehen hinderte.
Just in demselben Augenblicke, als Hassan wie ein Pfeil durch das Vorzimmer schoß, hatte sich die Türe geöffnet, und mit keuchendem Atem, das perlengestickte Hauskäppchen in der Hand, war der Hirschwirt hereingestolpert. Mit unwidrestehlicher Gewalt waren die beiden auseinander geprallt, wobei jeder von ihnen die Arme um den andern schlang, um Halt zu gewinnen. Aber der Zusammenstoß war so heftig; sie kamen ins Schwanken, wollten sich aufrecht halten, verloren das Gleichgewicht und stürzten, aber nicht sogleich aus den Boden, sondern erst auf das Tischchen, welches diesem Anprall nicht stand hielt, dann über den dabei- ftehenden Stuhl und hieraus zu Boden. Die Gesichter der beiden waren in dieser Sage so unsäglich dumm, daß die drei Herren in Lachen ausbrechen mußten.
Endlich entwirrte sich der Knäuel, und mit verlegener Miene starrte der Hirschwirt, feine Gedanken sammelnd, die Herren an.
„Was führt Ihn denn hierher?" fragte der Erbprinz den Wirt nicht ohne Strenge im Tone.
„Ö, gnädiger Herr werden doch nicht glauben' daß ich die Frechheit hätte, hier so hereinzufallen, wenn nicht etwas gan^ Absonderliches geschehen. Der Vogt", — dem dicken Hirschwirt versagte der Atem.
„Was fft mit dem Vogt?"
„Er schreit in voller Verzweiflung, die Bader- ann zu Veringenstadt werde nicht, wie vorher bestimmt gewesen, am Samstag, sondern heute am Freitag, und schon am Morgen gerichtet."