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ZuldaerKZeitung

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Zenisprecher Nr.

M 165.

Fulda, Samstag den 21. Juli 1906.

33. Jahrgang.

Zweites Matt

81]

(Nachdruck verboten.)

zu

I

und bei etwas sanftem Druck seitens Nordamerikas wird die Versöhnung der feindlichen Brüder Wohl nicht lange auf sich warten lassen.

„Was war das?" wandte sich der Erbprinz Rehling.

das können wir uns schon gestatten, denn ich ver­diene ja so und so viel und habe die besten Aus­sichten usw. Da muß die sorgsame Hausfrau die Bremse anziehen und dem lieben Männchen klar machen, das sei ja alles wunderschön, aber sie wollte doch lieber warten, bis das Geld wirklich im Ka­sten klinge, dann könnten sie sich ohne alle Sorge die Neuanschaffungen oder die Vergnügungsreise re. erlauben.

Borgen macht Sorgen, sagt das Sprichwort. Sind denn die Sorgen angenehni? Wahrlich nicht. Wie schön ist es, wenn man abends in voller Ge­mütsruhe sein Haupt auf das Kissen legen kann, ohne durch die Frage gepeinigt zu werden: Wie wird das gehen? W rde ich bezahlen können, wenn die Mahnung komiut? Was werden die Dienst­boten und die Nachbarn sagen, wenn der Gläubiger ungemütlich wird oder gar der Gerichtsvollzieher kommt? Wie werde ich ausgenommen werden, wenn ich zu den Verwandten oder Freunden gehen muß, um de- und wehmütig einen Pumpversuch zu machen?

Wer in Schulden steckt, muß sich d e m ü t i- g e n. Er muß gute Worte geben, um Ausstand oder neuen Kredit zu erlangen. Leute, die sonst ihren Rücken nicht steif und stolz genug tragen können, klappen zusammen wie ein altes Taschen­messer, wenn die Schulden auf i^e Schultern drü­cken. Es ist eine wahre Ironie des Schicksals, wenn einer Schulden macht, um „standesgemäß" auftre­ten zu können, und dabei vor Leuten sich verbeu­gen muß, die weit unter seinem Stande stehe». Nebenbei verbreitet sich dann auch bald in seiner Umgebung das Gerücht, daß die ganze „standes­gemäße" Herrlichkeit nur auf Pump beruht.

Wer in Schulden steckt, muß schwindeln. Oho, sagt da vielleicht ein Kreditbeflissener, ich brauche mich doch nicht Betrüger schimpfen zu lassen! Nein, Betrug ist ein hartes Wort aus dem Strafgesetz­buch, das man sich für die schlimmen Fälle auf­sparen kann. Aber etwas Schwindel läuft bei der Schuldenmacherei fast immer unter. Wer eine An­leihe losmachen will, stellt natürlich seine Lage und seine Aussichten möglichst vorteilhaft dar, da wird nun gar zu leicht eine Schönfärberei betrieben, die vor einer strengen Gewissenserforschung nicht ganz bestehen kann. Man verspricht auch heilig und treu, daß man zu der und der Zeit die Sache abzahlen will; ob man das Versprechen wirklich einhalten kann, ist oft sehr zweifelhaft; ja manch­mal gibt man das Versprechen schon mit dem Hin­tergedanken: Na, wenn es etwas später werden sollte, so wäre das auch noch nicht so schlimm.

Schulden haben Aehnlichkeit mit dem Torf­moor. Wer mit den Füßen hineingerät, der sinkt bald bis an die Knie, bis an den Leib, und je mehr er zappelt und ringt, um herauszukommen, desto schneller sinkt er in die Tiefe. Die Schulden stür­zen den Menschen in immer neue Verlegenheiten und Nöte; in der Angst greift man nach allen Strohhalmen; Gewissen und Ehrgefühl werden zurückgedrängt, die Notlügen werden immer zahl­reicher und gröber, man sucht sich durchzuschwin­deln, so gut oder so schlecht es eben geht. Auf diese Weise kann ein von Natur braver und ehrlicher Mensch zu einem schändlichen Betrüger werden.

Die Ehre und die Gewissensruhe, das häusliche Glück und die Wohlfahrt der Kinder und alles wird aufs Spiel gesetzt, wegen dieses verlockenden Plun­ders, den inan auf Borg nimmt. Das sollten ver­nünftige Menschen nicht tun.

In der Regel brauchen sie nicht einmal dauernd zu verzichten auf die Herrlichkeiten, die sie reizen, andern nur die Sache etwas zu vertagen. Näin- ich auf solange, bis das Geld, womit sie die etwai­gen Schulden zu bezahlen dachten, wirklich vor­handen ist. Dann können sie gegen baar den Luxus und die sonstigen Genüsse sich gestatten. Bei der Barzahlung folgten der Rose die Dornen der Sorge. Nebenbei ist bei Baarzahlung auch

durch das Dunkel. Ein weiter, langer, roter Mau­el, der seine ganze Gestalt einhüllte, machte seine Erscheinung nicht anheimelnder. Wie er jetzt, ohne ich zu bewegen, dastand, verzog sich sein tiefschwar­zes Gesicht zu einem grinsenden Lachen. Der Mohr konnte zu dieser Stunde auch einem bekwrz- tcn Manne Furcht einflößen.

(Fortsetzung tolat.l

Dieser zuckte die Schulter.

„Ich bin mir nicht einmal klar, ob es ein Mensch oder ein Tier war", entgegnete er.

„Wir wollen bis zum Kirchberg gehen, viel­leicht, daß wir etwas erfahren. Mir scheint es, ass ob der Schrei von dort hergekommen sei", lud der Erbprinz ein­

ein weiter, umfassender Fernblick über die Berge zogen, lag eine große, breite Terrasse, von der sich und das nach Osten zu offen hinziehende Donau­tal bot. In der Natur war ein Umschwung ein­getreten. Der Sturm, der zwei Nächte vorher die Unruhe des Vogtes noch vermehrt hatte, war ver­stummt. Er hatte die Luft gereinigt und am wol­kenlosen Himmel glänzten die Sterne, während der Mond in ruhigem friedlichem Gange die Land­schaft, Schloß und Stadt mit sanftem Lichte über­goß. Die Wellen der Donau, die den Fluß des gewaltigen Felsens, auf welchem die alte Sigmars- burg vor Jahrhunderten erbaut worden, umspiel­ten, glitzerten und gleißten im Lichte des Nacht­gestirnes. Ab und zu verschwand der Fluß vor den Blicken, wenn er seine Wasser allzu nahe an | dunkle Felsen drängte, welche das Mondlicht nicht bis in das Flußbett Vordringen ließen. Dann tauchte an anderer Stelle wieder ein silberglän­zendes Stück auf, bis endlich Fluß und Tal mit dem tiefblauen Himmel in einander überzugehen schienen.

In dem Städtchen, das sich, wie Schutz suchend, mit seinen hochgiebeligen, großen Häusern dicht um den Schloßberg schmiegte, herrschte Stille. Da schien alles schon zu ruhen. Glück und Leid, Schmerz und Freude, Hoffnung und Zagen, Liebe und Haß, Ergebenheit und trotzige Auflehnung. O, herrliches Geschenk der Vorsehung, so manchem gequälten Gemüte und blutendem Herzen im Schlummer der Nacht für einige Stunden Verges­sen zu schenken.

In ernstem Gespräche gingen die beiden Män­ner auf und ab. Jetzt blieb Erbprinz Maximilian an der Brüstung der Terrasse stehen und blickte sinnend auf die Häuser hinab.

„Wäre die Nacht nicht so weit fortgeschritten, so hätte ich gerne dem Kohler und seiner Schwester noch die gute Nachricht mitteilen lassen", wandte er sich zu Rehling.

„Um ein Glück zu erfahren, ist zwar keine Stunde ungelegen, aber es geht auf Mitternacht, und hoffentlich bat die Aussicht, das Schicksal der

In Frankreich ist mit der Freisprechnng des Exkapitäns Dreyfus ein Prozeß zu Ende ge­gangen, der einst die ganze Welt in Atem gehalten hatte. Wie immer bei den Franzosen hatte das Schlußkapitel des Riesenprozetzes einen stark dra­matischen Einschlag, der allerdings mitunter ans kommödienhaste grenzte. Natürlich durste nicht das unvermeidliche Duell fehlen, ohne daß die Franzosen nun einmal eine öffentliche Angelegen­heit nicht behandeln können, und ebenso wenig in der Kammersitzung die selbstgefällige Bemer­kung, daß wieder einmal die Augen der ganzen Welt auf Frankreich gerichtet seien. Der @n5etfol(: für den Verurteilten auf der Teufelsinsel bestehe darin, daß er zum Major ernannt und dem 12. Artillerieregiment in Vincennes zugeteitl wurde. Der an seiner endgiltigen Freisprechung hauptbe­teiligte Oberst Picquart wurde zum Brigadegene­ral ernannt und erhält ein Kommando im Bezirk des Pariser Militärgouvernements. Einen sym­pathischeren Eindruck als früher macht das Verhal­ten des Helden der Geschichte, der augenscheinlich bemüht ist, seine Person möglichst aus der Oeffent- lichkeit und der öffentlichen Besprechung verschwin­den zu lassen und mit seiner Frau nach England abgereist ist.

- I n R u ß l a n d hat die D u m a endlich ein­mal positive Arbeit geleistet, indem sie das erste verfassungsmäßig zustande gekommene russische Gesetz aimahm. Hoffemlich wird dieser Weg wei­ter beschritten und die unfruchtbare Methode des Schimpfens und des Kritisierens verlassen. Die innerpolitischen Verhältnisse Rußlands haben natürlich nichts von ihrer Verworrenheit eingebüßt. Zum Ueberflusse streiken jetzt in Pe­tersburg sogar die Schutzleute. Unter den überaus zahlreich gemeldeten Morden und Ueberfällen er­regt besondere Aufmerksamkeit die Erschießung des Generals Koslow, der einer Personenverwechs- limg mit dem viel gehaßten Generalgouverneur Trepow zum Opfer fiel. In Anbetracht dieser Ver­hältnisse hat sich die englische Regierung entschlos­sen, den geplanten Besuch der britischen Flotte in russischen Häfen fallen zn lassen. Es ist dieF der englischen Regierung von der russischen nahege­legt worden, weil man Wohl mit Recht befürchtete, daß die Anwesenheit der englischen Schiffe zu miß­liebigen Kundgebungen der so wie so nicht mehr taktfesten russischen Soldaten und Matrosen An­laß geben könnte. Eine Folge des Nichtbesuches der englischen Flotte in den russischen Häfen ist auch, daß nunmehr die englischen Schiffe die d e u t- s ch e n Ostseehäfen nicht anlaufen werden.

Das kleine Holland feierte mit großer Begeisterung den 300-jährigen Geburtstag eines feiner größten Söhne, des Malers Rembrandt. Der Glanzpunkt der Festlichkeiten, an denen auch Vertreter Deutschlands teilnahmen, bestand in der Einweihung eines großen Saales im Amsterdamer Reichsmuseum, bei welcher Gelegenheit Prinz Heinrich der Niederlande in geschickter Werse den großen Sohn des holländischen Volkes feierte. Tie K ö n i g i n hat der Feier nicht beiwohnen können, da sie sich in Erwartung eines freudigen Ereig­nisses Schonung auferlegen muß.

„Hinten weit in der Türkei", nämlich in Mit­telamerika, hat es zur Abwechselung einen frischen, fröhlichen Krieg gegeben. Die Republik San Salvador hat wegen Grenzstreitigkeifen die Republik Guatemala angegriffen und be­reits verschiedene Erfolge zu verzeichnen. In einer Schlacht bei Platana verloren die Guatemalaner 2000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefange­nen. Der Streit, der übrigens nur lokale Be­deutung hat, ist nach den letzten Meldungen auf dem besten Wege beigelegt zu werden. Der große Bruder, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, haben beiden Staaten ihre Vermitt­lung zur Schlichtung der Streitfragen angeboteu

Mutter sich wenden zu sehen, den Armen Schlaf gebracht. Dem Mädchen ist Ruhe nötig; es sieht sehr angegriffen aus", meinte Rehling.

„Ich werde in aller Frühe hinunterschicken und denke, der Jörgbauer, der wackere Mensch, wird es sich nicht nehmen lassen, mit seinem Schützling elbst sofort die gute Nachricht nach Beringen zu 'ringen. Wird das ein Jubel fein!" fetzte der Erbprinz, sich im Geiste an der Freude der schwer Geprüften ergötzend, lächelnd hinzu.

Von dem mittleren Turme des Schlosses, der mächtig über alle Teile desselben emporragte und in seiner altersgrauen Würde wie altväterlich auf die übrigen Türme und Giebel der Burg herab­schaute, fetzte das Räderwerk der großen, eisernen Uhr schnarrend und knarrend ein und meldete die Mitternachtsstunde.

„Wahrhaftig, schon zwölf Uhr, da ist es wohl Zeit, schlafen zu gehen", meinte der Erbprinz. Aber nochmals hemmten die beiden Männer die Schritte des Heimweges. Ein neues Gespräch ses- selte sie abermals. Da erscholl aus einem der nächsten am Schloßberge liegenden Häuser ein gellender, furchtbarer Schrei. War es die Nacht, die späte Stunde, die herrschende Stille, daß er so entsetzlich klang? Aber es mußte der Aufschrei eines unsagbaren Schreckens sein. War es über­haupt eine menschliche Brust, die ihn ausgestotzen? Er klang so wild, so gellend, so verzweifelt, als gelte es viel mehr, als nur das Leben.

Erschrocken schauten sich die beiden Männer an. Hastig waren sie wieder dicht an die Brüstung der Terrasse getreten, beugten sich weit vornüber und lauschten. Aber es blieb stille.

Die beiden Männer durcheilten den inneren Schloßhof, durchschritten den langen, dunklen, ge­wölbten Gang, der sich unter dem südlichen Teile der Burg hinzog und zum Kirchberge führte. Der ren erkannte und beeilte sich, das schwere Tor zu Torwächter blickte erstaunt, als er die beiden «©er­öffnen.

„Hast Du nichts gehört?" fragte der Erbprinz den Torwächter.

„Nein, Herr!" entgegnete dieser erstaunt.

„Du kannst auf uns warten und das Tor offen lassen; wir werden bald zurückkommen.

Auf dem Kirchberge, auch unterer Schloßberg genannt, lagen außer der großen, geräumigen Schloßpfarrkirche, die mit dem Schlosse in Haus­höhe durch einen gedeckten Gang verbunden war, eine Reihe Gebäulichkeiten, die zum Schlosse ge­hörten: Stallungen, Wagenhaus, Dienerwoh­nungen und mehrere Häuser für höhere Beamten. Hier herrschte Ruhe und Stille; nichts verriet, woher der Schrei gekommen.

Gerade in dem Augenblick, wo der Erbprinz dem Torwächter seinen Auftrag gab, sprang eine ; dunkle Gestalt in hastiger Eile die kurze Stiege hinauf, welche vom Hirsch zum Kirchberg hinauf- ührte. Als der Mann die Stimme des Erbprin­zen vernahm, prallte er zurück und suchte mit \ pähendem Auge ein Versteck.

„Gnädiger Herr, nicht lieben, wenn Diener nachts Herumstrolchen", murmelte Mulley Hassan « und schlüpfte unhörbar und gewandt in eine Ecke, » die ihn verschwinden ließ.

In dem fahlen Lichte des Mondes sah der s Mohr unheimlich aus. Das Weiße ferner Augen * und das blendende Gebiß, leuchtete gespensterhast

wochen-Rundschau.

X Fulda, den 21. Juli 1906.

Die innere Politik der Woche trug ein ruhiges Gepräge. Der Kaiser erholt sich in den Fjorden Norwegens von den Anstrengungen der Regierungsgeschäste, und auch die meisten Mini­ster und sonstigen leitenden Persönlichkeiten haben das heiße Berlin verlassen und sind in die kühleren Sommerfrischen geeilt. In Ermangelung eines anderen Themas mußte wieder das beliebte Frage- und Antwortspiel: Wird König Eduard mit Kai­ser Wilhelm eine Zusammenkunft haben? den Stoff für politische Vermutungen hergeben. Eine hochoffiziöse Verlautbarung hat jetzt den verschie­denartigen Meldungen den Garaus gemacht. In dieser heißt es, daß die Gerüchte über eine Zu­sammenkunft des Kaisers und des Königs Eduard in Deutschland dem Gange der Ereignisse voraus­eilen. Die vertrauliche Fühlungnahme zwischen London und Berlin über die Möglichkeit einer Zu­sammenkunft der beiden Herrscher sei keineswegs schon so weit gediehen, daß sichere Angaben über den Ort und die Zeit der Zusammenkunft gege­ben iverden könnten.

Der Tod zweier Parlamentarier macht drei Neuwahlen erforderlich. Durch das Hinscheiden des Abg. S a 11 l e r hat die national- liberale Partei einen schweren Verlust erlitten. Auch die politischen Gegner werden den verhält­nismäßig frühzeitigen Tod eines Mannes bekla­gen, der mit großer Arbeitskraft und Wissen urbane Lebensformen verband und den politischen Tagesstreit in , möglichst conzilianter Weise, frei von Gehässigkeiten, führte. Durch seinen Heim­gang sind im Landtagswahlkreise Hannover und im Reichstagswahlkreise Stade parlamentarische Sitze freigeworden. Durch den ebenfalls dieser Tage erfolgten Tod des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Grünberg wird auch im 10. sächsischen Reichstagswahlkreise (Döbeln) eine Ersatzwahl notwendig. Namentlich im letz­teren Kreise dürfte der Wahlkampf fehr heftig werden, da die sozialdemokratischen und bürgerli­chen Stimmen sich annähernd gleich stehen.

In England erregt die ägyptische Frage fortgesetzt starke Beklemmungen. Wir ha­ben schon vor acht Tagen hier daraus hingewiesen, daß sich unter den Anhängern des Islam eine Be­wegung geltend macht, die sich für Aegypten in der Parole äußert: Das Land den Eingeborenen, fort mit der Fremdherrschaft! Dem Namen nach ist ja Aegypten noch ein Vasallenstaat der Türkei, in Wirklichkeit aber britische Besitzung, und die Engländer tun alles, um das Land auch förmlich ihrer Herrschaft einzuverleiben. Es ist schon da­rauf hingewiesen worden, daß die Zeit nicht mchc fern sei, wo dieSchulden Aegyptens, die unter Garantie Englands aufgenommen wurden ,vom ägyptischen Schatzamte gekündigt werden kön­nen und daß in diesem Augenblicke für die Türkei die Möglichkeit bestehe, die englische Vormundschaft a bz u s ch ü 11 e I n. Es ist auch behauptet wor­den, daß aus diesem Grunde die Erregung in Aegypten künstlich von den Engländern in das Land hineingetragen worden sei, um einen Vor­wand zu haben, die englischen Streitkräfte daselbst zu verstärken. Wir glauben nicht, daß diese Dar­stellung Anspruch auf Wahrscheinlichkeit hat, denn ttn solcher Versuch bedeutete ein Spielen mit dem Fcuer, das bei dem religiösen Fanatismus der | Muhammedaner gar leicht schwerwiegende Folgen nicht nur für England, sondern für die ganze Welt haben könnte.

Die hexe von Heringen.

Eine kulturgeschichtliche Erzählung aus den hohen- zollerischen Landen.

Von Ernst Heitinger.

Unpolitische ZeitlSuse.

® Berlin, 19. Juli 1906.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Schulden verderben den Charakter. Oder deutsch gesagt: Pumpen macht Lumpen. Das i die kurze Lehre des langen Prozesses Zander, über den die Zeitungen vier Wochen hindurch berichte haben. Der Major v. Zander hatte nicht einma selbst das Schuldenmachen betrieben, sondern seine Frau kaufte unablässig auf Borg und der Mann bemüht sich krampfhaft, das Geld zur Bezahlung der unsinnigen Schulden feiner Frau aufzubrin­gen. Dabei kam er zu gefährlichen Geschäften und bedenklichen Schiebungen, und das Ende vom Liede war, daß der Herr Major, der früher ein so ge­nügsamer und braver Soldat gewesen, wegen Be­trugs, falschen Offenbarungseides und betrügeri­schen Bankerotts auf die Anklagebank kam. Die Geschworenen fällten ein sonderbares Urteil: die Frau sprachen sie ganz frei, vermutlich wegen Un­zurechnungsfähigkeit, und den Major erklärten sie nur in einem einzigen Betrugsfalle, der längst nicht der Schlimmste war, für schuldig. So kam der Major mit 300 M Geldstrafe davon, aber er ist Loch wegen Betrugs verurteilt und hat also feine Ehre verloren, um deren Rettung er so ver­zweifelt gerungen hatte. Er weinte bitterlich bei der Verkündigung des milden Urteils, weil er ge­hofft hatte, ganz freigesprochen zu werden. Er begreift anscheinend gar nicht recht, wie er unter die Betrüger kommen konnte; denn er hat doch immer die Absicht gehabt, die Gläubiger zu be­zahlen, und nach seiner Ansicht waren seine Ge­schäfte auch so aussichtsvoll, daß er zur Bezahlung gelangen konnte. Warum hat man ihn verhaftet und angeklagt? Warum hat man ihm nicht Zeit gelassen, um alles in schönste Ordnung zu bringen? So frägt er vorwurfsvoll und stellt sich als die verfolgte Unschuld hin.

Der Mann verdient ein gewisses Mitleid, da er nicht durch eigene böse Triebe zu Fall gekommen ist, sondern nur durch die Tollheit feiner Frau. Sein verhängnisvoller Fehler war der Mißgriff bei der Brautwahl. Die Auserkorene war schön, gebildet, geistreich, eine Salon- und Weltdame ersten Ranges. Der verliebte und ehrgeizige Mann vergißt die prosaische Frage, ob sie auch das haus­wirtschaftliche Rechnen verstehe. Nachher merkt er mit Entsetzen, daß die Frau keine Ahnung von dem Wert des Geldes hat. Während der Gerichtsvoll­zieher schon Hausfreund ist und der Mann sich die Hacken abläuft, um die notwendigsten Gelder auf« zutreiben, bestellt sie kostbare Möbel fuhrtveise und zugleich für 1000 M Kaviar, Hummern rc. Das ist Verrücktheit, sagt man. Es gibt aber viele Frauen, die ähnlich tun, allerdings in etwas klei­nerem Maßstabe. Sie nehmen auf Borg, was ihnen gefällt; nicht gerade für tausende Mark, weil sie keine adeligen Majors- und „Gutsbe- ihers"-Gattinnen sind, aber für Zehner oder Hun­derter, und durch diese Borgerei kommt die .Haus­wirtschaft aus dem Lot. O, die Frau kann ihren Mitschwestern imponieren durch einen modernen Hut, eine fesche Bluse, eine neue Saloneinrichtrmg, eine feine Gasterei rc. es geht nur das häusliche Glück dabei zum Teufel.

Auch Männer machen Schulden. Gewiß, wir wollen durchaus nicht das eine Geschlecht schlechter machen, als das andere. Die beste Ordnung im Hause aber ist die, wenn der Mann für den flotten Erwerb sorgt und die Frau für die sparsame Ver­wendung. Im allgemeinen hat der Mann mehr Wageinut, Er sagt: Was kann da sein? dies und

Der Erbprinz richtete seine Augen fragend, fast bittend auf den Fürsten. Dieser verharrte einige Minuten schweigend, dann reichte er Rehling die Hand und sagte herzlich: „Ich danke ihm, lieber Rehling. Er hat mir eine schwere Last vorn Her­zen genommen. Morgen soll ein Bote nach 'Ber­ingen hinaus, der der Baderann die Freiheit bringt. Vielleicht sendest Du Deinen Bereiter, den Endriß, der wird die Botschaft gerne übernehmen", wandte er sich zu feinem Sohne .

Die Uhr im Zimmer schlug. Es war die elfte Stunde.

„Nun, Brücker", wandte sich der Fürst lächelnd zu dem eintretenden, besorgt blickenden Kammer­diener, „hast nicht nötig, den Herrn Professor so böse anzusehen. Der hat mir einen gor guten Schlaftrunk gegeben. So gut, wie ich diese Nacht schlafen werde, habe ich feit mehreren Nächten nicht geschlafen. Gute Nacht, Max, gute Nacht, mein «e6er Rehling. "

„„fj“ Erbprinz küßte dem fürstlichen Vater ehr- hPrr^lSsUnb die Hand und Wange und Zimmer "" mtt ^einem ehemaligen Erzieher das

6nn*nf^änöcrr Ahlten, trotz der späten Stm.de, noch ferne Lust, ihre Lagerstätte aufzu- suchen, vielmehr empfanden sie das Bedürfnis, noch em werng draußen zu plaudern. Und dazu lud tue milde schone Maiennacht verlockend ein

inneren Schloß- baue§ zwischen diesem und den ausgebreiteten turmreichen Teilen der älteren Burg, die sich den ■ “erg hinab fast bis zu den Häusern der Stadt!