«kschsat tSgli ch, wtt Avrnahme der Sonn« ,nd.Feiertag«, viertel« jährt. Bezugrprei« tzhne Snngerlohn nnd veilellgeldinZuldannd answSrt; t Mi. 50 pfg.
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33, Jahrgang.
Fulda, Samstag den 7. Juli 1906.
M 153.
Zweites Wtatt
standen und beschloß ein Referendum gegen das
in Kraft.
Lebens.
stellte. Die „völkerbe- fteiende" Sozialdemokratie war natürlich mit einem
Der Storch und der Tod sind Demokraten. Sie handeln ohne Rücksicht auf Stand und Steuerstufe. Die Hohen und die Niedrigen kommen allzumal
Die Großen dieser Welt rücken unserem Herzen näher durch die Gleichmäßigkeit der Freuden und Leiden in der Wiege, am häuslichen Herd, am
Abend des Lebens.
Das erste Kind in der jungen Ehel Freilich, die vorbereiteten Windeln sind im Palast etwas feiner als in der Hütte; aber in der Hauptsache ist alles gleich. Ein Gemisch von Sehnsucht und Furcht, von Stolz und Angst lagert auf den angehenden Eltern. Alle Macht und alle Kunst kann nicht die Schmerzen und die Gefahren bannen, die seit dem Fluch vom Paradiese mit dieser Krönung des häuslichen Glückes verbunden sind. Besonders groß ist die sorgenvolle Spannung, wenn das erste Kind erwartet wird. Keine Rose ohne Dornen; auch im höchsten Schlosse der Welt nicht.
Wird es ein Knabe oder ein Mädchen sein? Niemand weiß es vorher; alle müssen geduldig abwarten, bis sich die Fügung der Vorsehung offenbart, und alle müssen zufrieden sein mit dem, was ihnen beschieden wird.
Und überall das gleiche Aufatmen, das gleiche Dankgebet, der gleiche Stolz und Jubel, wenn die Gefahr vorbei, die erste schwere Probe glücklich ! überstanden ist. Und noch höher wallt das Glückgefühl auf, wenn als erste Frucht der Ehe ein gesundes Knäblein beschert ist, das man als tüchtigen Stammhalter begrüßen kann.
Gerade in den höchsten Familien legt man besonderen Wert darauf, daß die männliche Erbfolge in gerader Linie möglichst bald gesichert wird. Wie lange hat zum Beispiel das russische Kaiserpaar nach einem männlichen Sprößling geseufzt und ge- beketl Wie herbe war die Enttäuschung, wenn I immer wieder ein zwar holdes und liebes, aber nicht thronfolgefähiges Prinzeßlein die Wiege füllte. Im Hohenzollernhause dagegen finden die Wünsche der Eltern, der Angehörigen und des ganzen Volkes schnelle und volle Erfüllung. Wie sein Vater und sein Großvater, so hat auch der Kronprinz das Glück gehabt, daß die erste Frucht seiner Ehe sogleich ein Prinz, ein Stammhalter, ein
Kron- und Thronerbe ist.
Im Jahre 1882, als die jetzige Kaiserin, da- mals Prinzessin Wilhelm, ihrer ersten schweren Stunde entgegensah, soll der angehende Großvater, der damalige Kronprinz und spätere Kaiser Friedrich III., auf dem Hofe des Palais der Nachricht geharrt haben, bis Prinz Wilhelm, der jetzige Kaiser, ein Fenster im Nebenzimmer von der Wohnstube öffnete, und in Heller Freude hinunterries: Papa, es ist ein Junge! So eine unmittelbare Botschaft in einem elementaren Jubelru " konnte diesmal dem Großvater nicht zuteil werden. Die Nachricht mutzte ihm telegraphisch, ja sogar durch das neueste Hilfsmittel des Funkenspruches übermittelt werden, da der Kaiser sich an Sonntag von seiner Schwiegertochter verabschiede hatte,- um nach Beruhigung über ihr Befinden die längst geplante Nordlandsreise anzutreten, und zur Zeit des fteudigen Ereignisses auf hoher See gen Norwegen fuhr. So genietzt denn der Kaiser seine ersten Großvaterfreuden vorläufig par distance, in räumlicher Trennung. Aber es find Großvaterfreuden erster Klasse, da dem Kaiser gewiß sein einstiger Ausruf im Ohr geklungen hat: Papa, es ist ein Junge! Er wird wohl gedacht haben: Gott sei Dank, mein Geschlecht gedeiht weiter! Und da er erst 47 Jahre alt ist und sich der besten Gesundheit erfreut, so toapt er gewiß auch weiter zu denken: Warum sollte ich es nrc : i mit Gottes Hilfe noch zum Urgroßvater bringen.
groß, daß die 30,000 Unterschriften, die nötig sind, um eine Volksabstimmung herbeizuführen, nicht zusammen kamen. Da die Frist für das Referendum dieser Tage abgelausen ist, tritt das neue Gesetz
begleitet . r „
„Alles wie bei uns!" Schön; nur sollten totr aus dieser Gleichheit und Brüderlichkeit auch eine gute Lehre ziehen. Das Familienleben im Kaiserhause ist gesegnet, reich und andauernd gesegnet. Doch der Segen ist auch verdient worden. Das Kaiserpaar gibt dem Volke das Muster und Vorbild eines Familienlebens in deutscher Zucht und deutscher Gemütlichkeit. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen; denn gerade in diesen hohen Regionen sind die Versuchungen zu einem „freieren" Lebensgenuß noch viel größer, als tn den Volkskreisen, und wir sehen ja mit Schrecken, daß neuerdings in den anderen Schichten, namentlich nn Mittelstände, der Familiensinn zu schwinden droht, das geordnete Glück am häuslichen Herde mißachtet wird. Das ist ein sehr schlimmer Zug der Zeit. Wollen wir nicht klüger sein und unser Glück da suchen, wo unsere braven Vorfahren es gesucht haben und wo unser Herrschergeschlecht es noch sucht und findet: am warmen häuslichen Herde, in der deutschen Häuslichkeit, in der liebevollen und pflichttreuen Lebensgemeinschaft der Eltern und der Kinder und der Kindeskinder.
„Ausleben" heißt die moderne Parole, mit der alle Tollheiten gedeckt werden sollen. E i n l e b e n — das ist ein besseres Wort: sich einleben und die Kinder sich einleben lassen in einen rechten Familiensinn, der zugleich echt christlich und echt deutsch ist. Wer sich leidenschaftlich „austobt , der I hat bald sich und sein Geschlecht aus dem Gluck und dem Leben herausqelebt. Aber wer sich em- lebt in die heilsame Ordnung der Familie, der sichert sich ein behagliches und andauerndes Erden-1 wallen. Als viertes in der Reihe der 10 Gebote haben wir ja das Familiengebot mit einer merkwürdigen Verheißung, wie sie bei keinem anderen Gebote steht: „. . . Damit es Dir wohlgehe und Du lange lebest auf Erden." Das soll nicht bloß von dem Gehorsam der Kinder gegen die Eltern gelten, sondern von der gesamten Familientreue: von der Liebe und Treue der Eltern untereman- der, der opferwilligen Sorgfalt für die Kinder, der dankbaren Liebe und Folgsamkeit der Kinder, der Eintracht und Hilfsbereitschaft aller Familien- glieder untereinander. Wo so die Famrlre em Reich Gottes im Kleinen ist, da wird Wohlfahrt, Gesundheit und langes Leben erblühen.
Die Modernen sprechen aufhetzend von der Familienzucht. Die Zucht ist leicht, weil, sie von Liebe beseelt ist, und sie beeinträchtigt dre Frer- heit nicht, weil sie auf der Vernunft und auf per göttlichen Ordnung beruht. Es ist eine glückliche Zucht, denn sie bringt die süße Frucht emes frred- lichen, frohen, gesunden, tüchtigen, lohnenden
im Heere jetzt auch auf die zarentteue Garde übergesprungen ist, der die Sicherheit des Herrschers und seiner Familie obliegt. Das gesamte erste Bataillon deS Presbraschenski-Regiments meuterte mit seinen Offizieren, darunter zwei mit bekannten fürstlichen Namen, und mußte entwaffnet und in das Innere des Landes verbannt werden. Das Presbraschenski-Regiment ist daS vornehmste Regiment der rusiischen Armee und hat im preußischen Heere etwa ein Analogon im 1. Garde-Regiment zu Fuß. „Wann wird der Retter kommen diesem
[] Line gefallene Gröhe.
Seit einigen Tagen ist die Mehrzahl der neuen Steuern in Kraft getreten, mit denen uns der Reichstag in der verflossenen Session so reichlich beglückt hat. Freiherr v. Stengel hatte! kein Geld mehr für die Bedürfnisse der Frau Germania, und so mußten die Volksvertreter wohl oder übel in den sauren Apfel beißen.. Am 1. Juli haben die neuen Steuerquellen zu fließen begonnen. Zugleich ist ein alter guter Freund, der sich viele Anhänger erworben hat, um die Mitternacht des 30. Juni sang- und klanglos verabschiedet worden: die blaue Zw e ip f en n ig k a r t e. Es gibt eine ganze Anzahl Menschen, die so toentg Interesse an neuen Steuern haben, datz sie am letzten Sonntag noch von Ausflügen aus ihre An- sichtspostkarten mit nur zwei Pfennigen frankier- ten. Am Montag kamen dann die Briefträger tn schlimme Kalamitäten. Obwohl die Zahl der Karten gegen sonsttge Festtage eine Abnahme er-
Unpolitische Zeitkäufe.
® Berlin, 5. Juli 1906.
(Nachdruck verboten.)
* (Etwas von Regensburg und Umgebung.
Plauderei von M. Herbert.
Wenn du die alte Ratisbona in ihrer ganzen majestätischen Herrlichkeit kennen lernen willst, dann fahre mit der Bahn hinaus nach dem wunderlieblich an der an Spiegelungen reichen, schwarzen Naab gelegenen Eiterzhaufen und von dort kehre an einem stillen schönen Abend den Weg an der Donau entlang zurück.
Zuerst wird dich der Frieden eines weltfernen Waldtales umfangen, dann erfreut den Blick etne herrliche Felsformation und schließlich öffnet sich vor dir eine weite gesegnete Landschaft. In der ! Ferne blauen schön geschwungene, malerisch gelagerte Jurahügel und im Vordergrund breitet sich die gewaltige Wassermasse der doppelarmrgen Donau — sie breitet sich wie ein großer, blauer See vor dem ragenden Dome, der von hier gesehen von dem ganzen mittelalterlichen -stabte- bild umgeben, einen königlichen Anblick gewahrt. Wundervoller, alter Baumbestand der Donau- gärten tragt dazu bei, der Landschaft das Kahle zu nehmen, das sie außer mit so vielen südlichen Gegenden teilt. Und dann, wenn du deme Augen an diesem reichen und stolzen Bilde gesättigt hast, wirst du eine Ahnung haben von der hohen, histo- rischen Vergangenheit dieser nun verlassenen und halb vergessenen Stadt, dieser Stadt.der Könige und Heiligen, durch deren verödete Straßen einst der Strom der SeiLichte und des Handels i flutete.
Vier Kaiser zugleich hat es von 1882 bis zum I fahren hatte, konnten die Briefträger die ihnm Schicksalsjahr 1888 gegeben; es kann auch so un- vorgeschriebene Bestellzeit nicht innehalten, da die gefähr von 1930 ab wieder vier Kaiser geben! Einziehungdes Strafportos und dre Auseinander. — Vaterfreude, Großvaterfreude, Urgroßvater- Som <s*nhfrtrtrt,,r rntmprp Sett tn 8tn*
Hoffnung — das baut sich gleichmäßig im Palast wie in der Hütte aufeinander auf.
Die Kaiserin ist bei den ersten Anzeichen des Ereignisses, frühmorgens um 4y2 Uhr, zu der Kronprinzessin geeilt. Alles wie bei uns: m der schweren Stunde, namentlich in der ersten schweren Stunde, ist der Zuspruch und die Hilfe der erfahrenen Schwiegermutter von höchstem Werte. Die angehende Großmutter hat mehr Sorge und Last, dafür genietzt sie aber die großelterliche Freude eher und inniger, als der angehende Großvater, der draußen die Nachricht abwarten muß.
„Was wird aus dem Kinde werden?" Dieses Thema gilt an der fürstlichen wie von der Arbeiter- wiege. In diesem Fall scheint ja die Antwort sehr leicht zu fein: ein Prinz, ein Kronprinz, ein König und Kaiser! Ach, die Berufswahl, die macht m der Wiege den Eltern und Angehörigen den Kopf noch nicht warm. Zunächst handelt es sich darum, daß das schwache Menschenpflänzchen gehegt und gepflegt wird, datz es körperlich wachse und ge-! deihe, datz Ernährungsstörungen und sonstige Krankheiten abgewehrt oder geheilt werden. Ein so kleines, zartes Wesen ist vielen Gefahren aus- gesetzt. Den hochgeborenen Kindern fehlt es freilich nicht an Pflegerinnen und Merzten, aber das Unheil kann durch alle Kunst- und Machtmittel nicht unbedingt abgeschlossen werden. Alle Kinder sind Sorgenkinder. Auch die prinzuchen Eltern und die kaiserlichen Grotzeltern müssen das häusliche Glück sich durch Sorgen und Mühen erkaufen. Auch für die höchsten Kreise gilt das Wort des Dichters: Des Lebens ungemischte Freude wird keinem Sterblichen zuteil. Alle Eltern im ganzen Reiche wissen aus Erfahrung, was es heißt, ein jubelnd begrüßtes Kindchen zu einem kräftigen, braven und tüchtigen Menschen heranzuziehen. In diesem Gefühle der Gleichmäßigkeit der Freuden und der Hoffnungen und der Sorgen und der Mühen wurzelt die Herzlichkeit, mit der das ganze Volk die Familienereignisse im regierenden Hause
setzungen mit dem Empfänger längere Zeit in Anspruch nahmen als sonst die Bestellung einer doppelt so großen Zahl von Sendungen. ,
Die Postverwaltung hat sich zu dem einzigen Zugeständnis bequemt, daß für den Monat Juli als Uebergangszeit bei nicht genügend frankierten Postkarten von dem Empfänger nicht das doppelte Strafporto, sondern nur das fehlende Porto nachgezahlt werden soll. Das ist aber auch alles. Auf Eingaben, Proteste, Resolutionen, mochten sie noch so geharnischt sein, hat sie nicht reagiert. Einige gute und viele schlechte Witze haben auf sie gar keinen Eindruck gemacht. Es ist nur natürlich, daß die am meisten betroffenen Kreise auf Gegenmittel sinnen, um das geplante Attentat gegen ihren Geldbeutel abzuschlagen. Man schreibt einfach keine Karten mehr und benutzt dafür das Telephon. Schön kann man diesen Ausweg allerdings nicht nennen, denn das „Anklingeln" ist schon jetzt, namentlich tn den Großstädten, zu einer Plage geworden. Große Geschäfte sind darauf verfallen, besondere Boten anzustellen, die, mit Fahrrädern ausgenistet, Rechnungen, Prospekte, Zirkulare, kurz alles austragen, was nicht unter das Monopol der Post fällt. Diese Einrichtung soll die betreffenden Firmen nicht stärker belasten als die Portoerhöhung. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß letztere 150 Prozent beträgt. Sie hat auch manche Kuriosa gezeitigt. Wenn Sie z. B. heute ein lahmes Bein haben und Ihren Freund Müller, der 20 Häuser I weiter wohnt, mit einer Postkarte bitten wollen, er möge Sie einmal besuchen, so ist das teurer, als wenn Sie etwa auf dem gleichen Wege von ! Berlin aus Ihrer Schwiegermutter in Budapest einen freundlichen Gruß schicken wollen. Letzteres Vergnügen kostet nämlich nur 5 Heller, das sind 41/2 Pfennige, für Ihre Karte an Müller aber müssen Sie ganze 5 Pfennige blechen.
Zu bedauern ist, daß von der Portoerhöhung eine Klasse von Menschen in Mitleiden- schäft gezogen wird, die schwer um das tägliche Brot zu kämpfen hat: die Zimmer der Mieterinnen, die oft 100 und mehr Karten auf Mietsgefuche loslassen müssen, ehe ein Mieter anbeißt. Auch die Prozesse werden verteuert werden. Die Zustellung zwischen Anwälten geschieht überwiegend unter Ausschaltung des Gerichtsvollziehers durch die Post, wenigstens im Zivilprozeß. Ebenso erfolgt die Bestätigung des Erhalts durch die Postkarten. Die Portoerhöhung wird nach einer Berechnung für Berlin allem die Prozesse um 180 000 <M verteuern. Leider ist aber von dieser Verteuerung eine Verminderung der Prozesse nicht zu erwarten.
Die blühende deutsche Ansichtspostkart e n - I n d u st r i e, die beinahe die ganze Welt versorgt, hat sich selbstverständlich schon seit langem gerüstet, dem drohenden Ausfall im Jn- lande zu begegnen. Sie forciert den Absatz nach dem Auslände und wird hoffentlich dadurch den Minderverbrauch in Deutschland, der sicher ein- । treten wird, wieder wettmachen. Uebrigens wollen i wir andererseits gar nicht leugnen, daß uns eine I Einschränkung des Vertriebs gewisser Ansichtspostkarten gar nicht so,unerwünscht erscheint. | Viele dieser Karten sind direkt geschmacklos und | unter der Flagge „Künstlerkarten", segelt manches Erzeugnis eines Geschäftsmannes, der auf die niedrigsten Instinkte der Menge spekuliert.
Großes Gaudium erregt es, daß bei der Neuordnung zunächst einmal der Postfiskus der Leid- । tragende gewesen ist, indem ihm die Kleinigkeit \ von 20 Millionen blauer Karten aus dem Halse geblieben ist. Es geht nicht gut an, diese 20 Millionen einfach als Makalutur einstampfen zu lassen, denn dann würde der finanzielle Ertrag der Steuer im ersten Jahre gleich Null fein. So wird man denn Württemberg, das noch für eine Zeit den alten Portosatz beibehält, damit beglücken, oder aber durch Aufdruck den Karten einen höheren Wert geben. Letzteres Mittel ist schon in verschiedenen Staaten zur Anwendung gelangt, bei uns in Deutschland aber noch nicht. Man würde mit diesem Ausweg wenigstens — den Briefmarkensammlern eine Freude machen.
«ergißt Italien nicht, daß es das wirtschaftliche Erstarken, wodurch allein eine so große, tief em» »reifende finanzielle Operation ermöglicht wurde, Kinzig und allein dem Verbleiben im Dreibund zu verdanken hat, der es als eine Art Rückversicherung Por übermäßiger Anspannung seines Kredits für Dtüstungszwecke bewahrt hat.
f In Rußland geht das Verderben fernen Dang werter. Raub und Mord und Plünderung And an der Tagesordnung. Der Zar ist vollständig Ävillenlos und schwantt von einem Extrem ins an» vere. Die Reichsduma entwickett sich immer mehr Hiach der radikalen Richtung hin. Das kam auch Dadurch zum Ausdruck, daß sie einstimmig einen Antrag auf sofortige Abschaffung der Todesstrafe ennabm. Wenig beneidenswert ist die Rolle, die eie Minister und deren Vertreter vor der Duma kielen- „Verräter, Henker und Mörder", das sind eie Bezeichnungen, die die Volksvertreter auf «e Minister des Selbstherrschers anwenden. Als Plnfang vom Ende erscheint es, daß die Meuterei
In Frankreich hat wieder einmal der Drei- fusprozeß im Vordergrund des Interesses gestanden. Er findet heute ein weniger erregtes Publikum als seinerzeit die Verhandlungen in Rennes. Die Zeit hat die Gegensätze gemildert und alte erbitterte Gegner von der Schaubühne verschwinden lassen. Ueber dm Ausgang des Prozesfes herrscht kein Zweifel. Der Gefangene der Tmfelsinsel wird
Wochen-Runöschau.
X Fulda, den 7. Juli 1906.
Die letzte Woche hat sowohl für das deutsche Kaiserhaus wie für ganz Deutschland ein erfreuliches Ereignis gebracht. Dem deutschen Kronprinzen wurde der erste Sohn geboren. Das deutsche Volk ist sich einig in dem Wunsche, daß dem jungen Prinzen, der nach menschlicher Voraussicht dereinst die deutsche Kaiserkrone tragen wird, Gottes Segen tn reichem Maße beschieden sein möge. Wenige Tage vor dem Ereignisse hatte sich der deutsche Kaiser auf seine Nordlandsreise begeben, die er m den letzten Jahren regelmäßig zu seiner Erholung unter»
nimmt.
m «Mbm 5ÄenIX?”„*°in S' I rebabiiitiert~äü§ ^n Verhandlungen hervorgehen, „nen Woche bie Öffentlichkeit noch beschäftigen, denn der Generalstaatsanwalt selbst erklärte: „Die Kn Mott pMm EwdruZ nÄ!n bie Dreifus ist ebenso erwiesen, wie bie
Enthüllungen über bie Verwendung des sogen. Wohl- Schuld Esterhazys fes^estellt ist. ~ -
lÄ+infoUa für Sübmeftafrifa Jeder der sich Die gesetzgebende Körperschaft der Schwerz, ÄSÄ Beitrag die Bundesversammlung, hatte im Dezember vorigen
in der selbstverständlichen Erwartung, daß das Geld Jahres neun Gesetz erlassen, das bie anard)ifttfd)e zugute Propaganda unter Strafe stellte. Die „volkerbe- kommen werde un? nun muß man erfahren, daß freiende" Sozialbemokatie waruatürlich ^itemern aus diesem Fonds u. a. Beihilfen an Offiziere zum Strafgesetz gegen ben ^brauch des Asylrechts Besuche von Bällen und Remunerationen an Hei- durch dre anarchistischen Mordbubennichtemver matsbeamte gezahlt worden sind. Wenn nicht eine standen und beschloß em Referendum gegen das gründliche Auskehr in der Kolonial - Abteilung ge- Gesetz. Die Erbitterung der Schweizer über die hatten werden wird, so wird es der Regierung nicht Mngsten anarchistischen Mordtaten war„ aberfo leicht fein, bas Vertrauen bet Bevölkerung roieber —c """""
zu gewinnen. Der Reichskanzler scheint ja erfreulicherweise mit Energie bie verworrenen Zustande in der Kolonial-Abteilung beseitigen zu wollen. Heißt es doch sogar, daß bis auf zwei Räte sämtliche Rate der Kolonial-Abteilung ihren Abschied nehmen würden. Ein derarttge Aenderung ist wohl bisher m Deutschland noch nicht zu verzeichnen gewesen.
In Preußen ist der Landtag am Montag zu seiner letzten Tagung in der gegenwärtigen Session zusammeugetteten. Den Hauptgegenstand seiner Verhandlungen bildete das Volksschulunterhaltungsgesetz. Das Herrenhaus ist in mehrfacher Beziehung von den Beschlüssen ftmer !Kommission abqewichen, u. a. hat es auch Beschlüsse. • —- -•- ----- •- . . ,
tzeiaßt, welche die Regierung rundweg als unan- als kleine, nackte hilflose, schreiens Kinder auf hcbmbar erklärt hat. Ob die Regierung die letzten die Welt und verlassen allzumal als kalte, starre, Konsequenzen aus dieser Erklärung ziehen wird, ohnmächtige Leichen den irdischen Schauplatz, inuß vorläufig dahingestellt bleiben, zumal da ÄPT
die Vorlage an das Abgeordnetenhaus zurück-1 Lehm muß, und man damit rechnen muß, daß bortfelbft wieder Aenberungen an den Beschlüssen des Herrenhauses vorgenommen werden. .In welchem Umfange dies der Fall fern wird, läßt sich noch nicht übersehen, da die Fraktionen des Abgeordnetenhauses am Donnerstag noch erst Stellung zu den Beschlüssen des Herrenhauses nehmeil werden. Das Abgeordnetenhaus Hal sich vorwiegend mit Petitionen beschäftigt. Von Vorlagen größerer Bebeuttmg ist nur das Gesetz betreffend die Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes zu erwähnen. Das Plmum sttmmte den -Beschlüssen der Kommission bei und nahm etne Resolution an, nach der die Genossenschaften zu den Versuchm der Durchführung der Entschuldung heranqezogen werden sollen. , , a
In Oe sterreich-Ungarn blüht trotz des Hochsommers noch immer die hohe Politik. Das 'Festhalten am Dreibund und bie Haltung Oester- 'reichs bei der Marokkokonferenz lasten dort manche -Politiker immer noch nicht schlafen. Bei der Beratung des Ministeriums des Aeußeren tarnen diese Fragen wieder ausgiebig zur Sprache. Graf Goluchowski mußte wiederholt auf die Schanze, um (bie bisherige auswärtige Politik Oesterreich-Ungarns zu verteidigen. Er betonte, daß der Dreibund tn den 80er Jahren die ernsteste Feuerprobe bestanden 'und sich als wirklicher Friedensfaktor erwiesen habe. Wenn man eine so bewährte Basis ver- laffen wollte, um einer unsicheren Kombination Mchzulaufen, so sei dies eine Politik der Unstetig- 5eit und des Abenteuers. Ob diese logischen Deduktionen des Ministers die Gegner überzeugen werden, steht freilich dahin. Eine indirekte Stärkung erfaßen diese durch das geradezu jammer- We Auftreten der „Alldeutschen" nn Reichsrat, dre so wenig Anstandsgesühl haben, daß sie ihr Vaterland offen verleugnen. .
* Italien ist gegenwärtig mit einer wichtigen [inneren Angelegenheit beschäftigt: der Umwandlung ■feiner hochverzinsttchen Anleihen in niedriger zu verzinsende. Es handelt sich um em Kapital von über 8 Milliarden Lire, die bisher chren Inhabern 4 und 5 pCt. brachten und vorläufig auf 3,75 pCt. herabgesetzt werden sollen. Im Jahre 1912 soll bann der Zinsfuß automatisch auf 3,50 pCt. fallen. Man berechnet die Ersparniste, die der Staat durch diese Zinsreduktion macht, auf jährlich 20 Millionen, von 1912 ab auf jährlich 40 Millionen. Hoffentlich