Lrschei«tS-liL, *<t rinrnahm« der Son*« «ndzrieitag«. Dtertel» jäh«, vezugrprei, ohne Vringerlohn »nd tzesekgeldi« Mdaund auswärts 1 Mit. 50 Pfg.
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monatsbtilage: „zuldaer Geschichtsblätter".
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Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Ra tiendruckerei in Fulda. Kernsprecher Nr. 9.
M 153.
Fulda, Samstag den 7. Juli 1906.
33, Jahrgang.
Erstes Matt.
deutsches Keich.
Berlin, den 6. Juli 1906.
* Als Pate des jungen Prinzen wird in mehreren Blättern der König Eduard von England genannt. Der König werde sich bei der Taufe nicht vertreten lassen, sondern persönlich erscheinen. ES bleibt abzuwarten, ob sich diese Nachricht bestätigen roirb. Unter den gegenwärtigen Umständen würde eine Reise Königs Eduards nach Potsdam ein wichtiges politisches Ereignis sein.
.'. Amnestie? Die ,RH. W. Ztg/ hört von angeblich gut unterrichteter Seite, daß aus Anlaß der Geburt des jüngsten Thronerben ein königlicher Gnadenerlaß für militärische und politische Vergehen in Aussicht genommen worden sei. Der, Erlaß, der sich auch auf kleine Haft- und Geldstrafen erstreckt, wird voraussichtlich am Tage der Taufe des jungen Prinzen veröffentlicht werden. Warten wir es ab! Es ist in den letzten Jahren schon wiederholt eine Amnestie angekündigt worden, aber regelmäßig ausgeblieben.
* Der nationalliberale Abg. Dr. Paasche ist lange Zeit als künftiger Unterstaatssekretär im Reichskolonialamt genannt worden. Die Tatsache steht auch fest, daß mit Dr. Paasche selbst hierüber durch einen Vertrauensmann des Reichskanzlers verhandelt worden ist. Erbprinz Hohenlohe allerdings scheint nicht besonders erfreut gewesen zu sein, daß er einen Parlamentarier zur Seite erhält. Nunmehr kann er alle Sorgen los werden. Abg. Dr. Paasche gehört schon seit geraumer Zeit dem Aufsichtsrat der Nationalbank an; nach unseren Informationen ist er jetzt in den geschäftsführenden Ausschuß des Aufsichtsrats ein getreten, wo er erheblich höhere Bezüge hat, als er sie im Reichsdienst je erhalten kann. Abg. Dr. Paasche hat dieses Angebot schon vor langer Zeit erhalten, er zögerte aber mit seiner Antwort, weil er die Reorganisation der Kolonialabteilung erst abwarten wollte. Nachdem er nunmehr dem Angebot nachgab, ist daraus zu entnehmen, daß er nicht in den Dienst der Kolonialverwaltung zu treten gesonnen ist.
... Keine Flottenvorlage in Sicht. Auf eine Anfrage der in Geestemünde erscheinenden »Provinzial-Zeilung' ist derselben aus dem Reichsmarineamt dis amtliche Erklärung zugegangen, „daß hier von einer angeblich für den kommenden Herbst geplanten neuen Flottenvorlage nichts bekannt ist".
(!) Die Aussichten der technischen Berufe. In Berlin hat sich vor einiger Zeit ein Bund der technisch-industriellen Beamten gebildet, der bemüht ist, den bestehenden Verbänden von Angestellten Konkurrenz zu machen. Dieser Verband hat kürzlich eine Schrift erscheinen lassen, in der er die hinreichend bekannte Ueberfüllung der technischen Berufe in den düstersten Farben schildert. Der Besuch der technischen Hochschulen Deutschlands sei von 5482 im Jahre 1820 auf i 15 866 im Jahre 1905 gestiegen. — Das mag richtig fein, entmutigt darum aber doch noch nicht. Es kommt nur darauf an, daß die vorhandenen Kräfte an die richtigen Stellen geleitet werden. Wäre bei uns nicht die Angst vor dem freien Wettbewerb im Leben so überaus stark ausgebildet, so würde man darin wahrlich nichts finden
Die hexe von Vertagen.
Eine kulturgeschichtliche Erzählung aus ben hohen- zollerischen Landen.
Bon Ernst Hetlinger.
10] (Nachdruck verboten.)
„Was weiß er von der Baderann zu sagen?" fragte Kirsinger.
•„£) Herr, da könnte ich gar viel sagen. So ein böses Weib gibt es auf Gottes Erdboden nimmer. Ich habe ja das Unglück, neben ihr zu wohnen. Was habe ich da alles erlebt! "
Wie ein Wasserfall floß die Rede des schlimmen Mannes; sie floß so reichlich, daß Nestle seine Freude hatte, Wurmb aber biß ungeduldig an seinem Gänsekiel. Der Vizekanzler unterbrach endlich den Redefluß und ermahnte: „Jetzt sage er uns, was er weiß von der Baderann ihrem heimlichen Tun als Hexe."
„Wenn die feine Hexe ist, dann hat's nie keine gegeben. Im vorigen Jahr bekam mein armes Weib, Gott habe sie selig, einen Beize! am Kopfe, wie eine rote Erbse. Der wurde immer größer und größer; um Michaelis war es schon bis zum Hals gewachsen, dann hat's ihr die Rede genommen und zwei Tage später war sie tot. Unser Bruder, der Hansmichel, hat den Kopf geschüttelt und gemeint, das sei kein natürliches Wesen, das iäme von böser Hand. Mein Weib aber hat von lnfang an gesagt, es müsse ihr von der Baderann Ungetan worden fein. Auch ist mir allerlei schlirn- ine§ an meinem salva venia Vieh geschehen, was cher Abdecker auch auf schlimme Leute zurückgeführt hat. Und wer kann baS anders fein, als die Baderann?"
„Was habt Ihr auf diese Dinge zu sagen?" fragte der Vizekanzler die Angeklagte scharfen Tones
können. Das Ausland hat andauernd einen überaus starken Bedarf an deutschen Ingenieuren und Technikern, besonders die Bereinigten Staaten. Wenn unsere jungen Techniker mit größerem Selbstvertrauen ins Leben treten würden, würden sie ganz gewiß nicht das Bestreben haben, sich von der Beendigung der Hochschulzeü in feste Beamtenstellen zu verkriechen, sie würden vielmehr auch die im Ausland gebotenen Chancen in größerer Zahl wahrnehmen und sich dadurch vor einem zu engen Gesichtskreise und der damit verbundenen Existenzunsicherheit bewahren.
* Einfuhr von Waffen nach Rußland. Der»Reichsanzeiger' meldet: Nach einer amt- lichen Mitteilung des hiesigen russischen Botschafters hat die russische Regierung die zoll- amtliche Ueberwachung der Grenze in der Ostsee und ihren Meebusen verschärft, um die Einfuhr von Waffen und Munition nach Rußland auf dem Seewege, enffprechend dem für bestimmte Teile Rußlands erlassenen Einfuhrverbote wirkfamer als bisher zu verhindern. Zu diesem Zweck haben die russischen Kriegsschiffe den Befehl erhalten, den Zollkreuzern der russischen Grenzwache bei der Verfolgung und Befchlagnahme von Konterbande Hilfe zu leisten. Die Kommandanten der Kriegsschiffe sind nach Maßgabe der ruffischen Zollgesetzgebung und des internationalen Seerechts mit der Weisung versehen. Die Zollzone an der ruffischen Seegrenze erstreckt sich auf drei Seemeilen von der Küste.
* Aus Dentsch-Südtvestafrika wird amtlich gemeldet: Bekanntlich waren die Hottentotten nach einem Vorstoß auf Warmbad Gabis in den Gefechten vom 20. und 21. Juni wied.r in südwestlicher Richtung zurückgeworfen. Die Abteilung des Majors Sie berg hatte die Verfolgung ausgenommen, mußte aber, nachdem sie drei Tage ohne Wasser geblieben war, an den Orange heranrücken. Major v. Freyhold nahm von Violsdrist aus die Verfolgung auf, und drängte die Hottentotten, die sich wieder in den Oranje-Bergen festsetzen wollten, nordwärts in die Berge östlich von Außenkehr. Major v. Freyhold hat mit den Hauptkräften Außenkehr erreicht und die wichtigeren Wasserstellen im Oranje-, Fischfluß-- und Uhabis-Revier besetzt. Er bleibt am Feinde. Ein kleiner Hottentottentrupp hatte mit dem gestohlenen Vieh nördlich von Violsdrist die Grenze überschritten. Die englische Grenzpolizei nahm unverzüglich in Steinkopf eine Bande von 33 Köpfen beim Viehverkauf fest, gab das Vieh den deutschen Truppen zurück und führte die Hottentotten nach Springbock ab. Unter diesen befindet sich der Unter» kavitän Joseph Christian, ein Neffe des Häuptlings Johannes Christian, der nach Morengas Gefangennahme die Hottentotten führt.
* Essen, 6. Juli 1906. Die Festhalle für die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ist nunmehr im großen und ganzen vollständig fertiggestellt. Als Termin der Fertigstellung war der 15. Juli bestimmt worden. Die Festhalle ist gelegen an der schönen Friedrichstraße. Vom Bahnhof aus führt der Weg über die schöne breite Kettwiger Allee in etwa acht Minuten zur Festhalle. Ein imposantes Bauwerk ist es, das in diesem Jahre den Katholikentag beherbergen wird; es ist 80 Meter lang, 41 Meter breit und 15 Meter hoch. Die vier Ecken der Festhalle sind mit vier Türmen geschmückt. Ein mächtiges 24 Meter emporragen-
„Daß ich dem Bachgayer fein Weib nichts Böses getan habe und auch nichts seinem Vieh. Wie sollt' ich das auch können?"
„Wenn man den richtigen Helfer hat, so kann man alles," warf Bachgayer boshaft ein.
„So glaubt er, daß die Angeklagte einen Helfer hat?" fragte der Richter.
„Ob ich das wohl glaube!" rief der Zeuge und schlug heuchlerisch ein Kreuz. „O Herr, mein Weib und ich haben oft nachts vor Angst nicht schlafen können, weil bei der Baderann ein unheimliches Geräusch war. Da hat's oft so grausig gelacht, daß wir schier entsetzt sind."
„Er meint, die Angeklagte habe zu nächtlicher Zeit Besuche empfangen?"
„Das ist ganz sicher, wenn sie nicht selbst auswärts war," antwortete Bachgayer mit Betonung.
„Hört nur mal, was der Jakob Häberle, der Bruder des Nachtwächters, hierüber zu sagen weiß."
Der Vizekanzler befahl, den Genannten hereinzurufen.
„Er ist Jakob Häberle?" fragte der Richter den Mann, eine trübselige, armselige Gestalt.
„Der bin ich, gnädigster Herr Kanzler. Euer Gnaden sehe ich gar oft."
„Wo steht er mich denn? "
„Ich bin im Siechenhaus zu Lainz, und wenn Euer Gnaden von Sigmaringen herauskommen, ehe ich Euch oft durch unser Pfarrdorf kommen."
„Wenn er im Siechenhaus zu Lainz ist, was kann er dann von der Angeklagten wissen."
Der Sekretarins Wurmb nickte zufrieden mit dem Kopfe. Diese Frage gefiel ihm.
„Vor fünfzehn Jahren war ich noch hier in Veringenstadt und da bin ich an einem Morgen sehr früh in den Stall der Baderann gekommen und —"
Der Zeuge stockte und warf einen scheuen, furchtsamen Blick auf die Baderann.
des Turmwerk krönt das riesige Hauptportal. Die Bedachung ist kupferrot gefärbt. Im Innern der Halle befindet sich ringsum eine geräumige Galerie. Der Jnnenraum umfaßt 5000 Quadratmeter. Die Zugangswege zur Festhalle find breit und bequem angelegt. Der Vorplatz wird durch gärtnerische Anlagen, Tannenpflanzungen und Springbrunnen geschmückt. Die Baukosten werden fich insgesamt auf etwa 60000 Mark belaufen. Die Halle wird elektrische Beleuchtung erhalten. Die Straßenbahngesellschaft plant die Erweiterung des Straßen- bahnneheS durch Errichtung eines Geleisstranges Hauptbahnhof—Holsterhausen. Die Arbeiten zur Erbauung der Festhalle die etwa zwei Monate in Anspruch genommen haben, und die die Firma Hawia in Rüttenscheid ausgeführt hat, sind ohne Unfall verlaufen. Bereits am nächsten Sonntag wird die Festhalle in Benutzung genommen durch Veranstaltung eines großen Konzertes des Essener Männergesangvereins und des städtischen Orchesters. Das Festzelt ist in der Akustik vorzüglich. Bis in die entlegenbften Teile des umfangreichen Gebäudes sind die Redner zu verstehen. An dem Festzuge der Arbeitervereine werden sich 37000 Personen in 330 Vereinen beteiligen.
* Krefeld, 6. Juli 1906. Heute vormittag wurde der neue Krefelder Rheinhafen in Anwesenheit des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Breitenbach, des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und des Regierungspräsidenten von Düsseldorf, des Landeshauptmanns Renvers und zahlreichen anderer Ehrengäste sowie einer überaus großen Volksmenge feierlich eröffnet. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben, der durch Inanspruchnahme im Parlament am Erscheinen verhindert war, sandte ein Glückwunschtelegram m. Der Akt vollzog sich unter strömendem Regen auf dem Lagerplatz am Hafengelände. Nach einer Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Oehler hielt Beigeordneter Stadtbaurat Hentrich die Festrede, in der er die Entwickelungsgeschichte des Häsens schilderte. Baurat Voß gab der Hoffnung Ausdruck, daß auf dem weiten Gelände bald eine neue gewerbfleißige Stadt erstehen möge zum Segen für das wirtschaftliche Leben Krefelds; daß bald der Tag anbrechen möge, wo, fußend auf dem Erfolge des Hafen- unternehmens, ein neues großes Unternehmen eröffnet werden könne, der Kanal vom Rhein zur Schelde, von Krefeld nach Antwerpen.
Aus dem Landtage.
Abgeordnetenhaus.
80. Sitzung vom 6. Juli 1906.
Eröffnung IO1/) Uhr.
Der Präsident v. Kroccher teilt mit, daß von Seiten des Kaisers und des Kronprinzen Dank- telegramme für die Glückwünsche des Hauses aus Anlaß der Geburt des Kronprinzensohnes eingegangen sind.
Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung des Antrags der Geschäftsordnungskom- nn'sion, betr. die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung der verantwortlichen Schriftleiter Louis Stange und Robert Dornheim in Erfurt, des Redakteurs Hugo Schotte in Düsseldorf und der etwa sonst verantwortlichen Personen wegen Beleidigung des Hauses der Abgeordneten.
Nach kurzer Debatte wurde der Antrag dec Kommission angenommen. (Das Haus ging diesmal von seiner Gepflogenheit über Beleidigungen vornehm hinwegzugehen, ab, um zu verhüten, daß
„Was geschah da, als er in den Stall kam?" fragte der Richter.
„Da stand die schwarze Kalbin der Baderann und schwitzte so stark, daß sie dampfte und um den Hals und im Maul hatte sie einen Roßzaum."
Die schon vernommenen Zeugen sahen sich verständnisinnig an und murmelten zu einander. Die Baderann lächelte halb verächtlich, halb schwermütig.
„Was habt Ihr auf diese gravierende Aussage zu antworten?" fragte der Richter.
„Daß das, was der Jakob Häberle aussagt, wahr ist und daß es das erste Wahre ist, was gegen mich vorgebracht wurde", entgegnete die Baderann.
Diese Antwort, ruhig und gelassen gegeben, rief große Bewegung hervor.
„So wollet ihr also eingestehen?" rief der Vizekanzler.
„Die schwarze Kalbin war krank, mein Mann, der Bader, der damals noch lebte, gab ihr am Abend einen Trank, worauf sie schwitzen sollte. Auch legte er chr mit Absicht einen Roßzaum an, damit sie sich ruhiger verhalte."
Die Miene Kirsingers verfinsterte sich wieder; er hatte etwas anderes erwartet. Bachgayer lachte höhnisch auf und rief: „Wer es glauben würde. Bis zum Roßbühl ist's ein weiter Weg in einer Nacht hin und zurück zu reiten. Da kann ein Tier schon schwitzen."
„Er will sagen, die Angeklagte fei auf der Kalbin zum Roßbühl geritten?"
„Da kommen die Unholde bei Nachtzeit zusammen, und wie es da zugeht, davon könnte die Baderann erzählen, wenn sie wollte und dürfte."
Die Umstehenden murmelten beiftimmenb.
Als weiterer Zeuge kam nun Paul Bachgayer, der Sohn des Maurers.
„Was hast Du zu sagen?" fragte der Richter.
Geläufig, wie ein gut eingeübtes Sprüchlein» floß di» Rede des kaum achtzehnjährigen Burschen.
sich in den Köpfen berufsmäßiger Hetzer die Idee festsetzt, es bestehe völlige Schimpffreiheit gegenüber den Parlamenten. Nur die Freisinnigen und Polen erhoben Widerspruch gegen die Strafverfolgung.)
Zu der dann beginnenden Stellungnahme deS Hauses gegenüber den Herrenhausbeschlüssen beim Schulgesetz lagen zahlreiche Anträge vor. Unter anderem beantragt das Zentrum, daß in
§ 35 die Bestimmung des Herrenhauses, daß nur bei Erledigung einer Stelle ein katholischer Lehrer an Stelle eines evangelischen treten kann unter den in § 35 angegebenen Voraussetzungen, wieder gestrichen wird, und ebenso, daß in
§ 36 die Bestimmung des Herrenhauses, daß die Begründung einer neuen Schule an das Vorhandensein von über 60 Kindern „während fünf aufeinander folgenden Jahren" gestrichen wird.
Sn § 45 soll entsprechend dem früheren Beschluß des Abgeordnetenhauses auch die Schulaufsichtsbehörde die Organe der Schuldeputation bestellen können. Ferner soll in
§ 47 Abs. 3 der vom Herrenhaus beschlossene Zusatz gestrichen werden, wonach int Falle, daß der Schulverband nur Schulen, die mit Lehrkräften ein und derselben Konfession besetzt sind, umfaßt, nur der Pfarrer dieser Konfession dem Schulder- bände angehören soll.
In der allgemeinen Besprechung erhält zunächst das Wort der
Abg. Dr. v. Dziembowski (Pole), welcher verfassungsmäßige Bedenken hat, unt> daher die Zu- rückverweisung an die Kommission beantragt.
Dieser Antrag wurde abgelehnt.
Abg. Dr. Porsch (Ztr.) betonte, daß die in beiden Häusern bereits zur Annahme gelangte lex Schiffer geeignet sei, alle verfassungsrechtlichen Bedenken auszuräumen.
In der allgemeinen Besprechung, die sich an den § 1 anknüpfte, erklärte
Abg. Dr. Hahn vom Bund der Landwirte, daß die Bürger und Bauern des Westens die Leidtragenden bei der Vorlage fein würden und daß er sich deshalb der Abstimmung enthalten werde.
Bei der Einzelberatung wurden eine Reihe von Anträgen, die von den Kompromißparteien gestellt waren, angenommen. Zunächst wurde in § 2 die frühere Bestimmung wiederhergestellt, daß größere Stadtgemeinden mit andern Gemeinden oder Gutsbezirken nur dann zu einem Gesamt- schulverbande vereinigt werden dürfen, wenn alle Beteiligten zustimmen.
Auch das Zentrum stimmte diesem Beschluss« zu. Weiter wurde im § 7 der Absatz 2 wieder ausgenommen, daß die Verpflichtung der StandeS- herren, die von der Gemeindesteuer befreit sind, zu den Schullasten beizutragen, durch ein besonderes Gesetz zu regeln ist. Das Herrenhaus hatte diese Gesetzesbestimmung durch eine Resolution ersetzt. Namens des Zentrums erklärte Abg. Dr. Porsch, daß er auf die Wiederherstellung des Absatz 2 entscheidendes Gewicht lege.
Der Antrag wurde angenommen. Ebenso eine Reihe von Paragraphen unter Ablehnung aller Anträge.
Zum § 47 beantragte das Zentrum die Wiederherstellung der Bestimmung, daß die konfessionellen Schulkomissionen einseitig durch die Schulauf- sichts-Behörde angeordnet werden dürfen.
Dieser Antrag wurde abgelehnt, dagegen ein Kompromiß-Antrag angenommen: „Umfaßt der Schulvorstand nur Schulen, die mit Lehrkräften ein und derselben Konfession besetzt sind, so gehört weder der Pfarrer der anderen Konfession noch der Rabbiner dem Schulvorstand an."
Die §§ 48 bis 57 wurden unverändert angenommen.
Die Frage der Lehrer- und Rektorenanstellung (§ 59) beantragt ein Kompromißantrag so zu regeln, daß in Gemeinden mit Mehr als 25 Schnlstellen das Wahlrecht durch die Gemeinde-
„Jn diesem Frühjahr habe ich der Baderann einen Hecht gebracht. Da hat sie mich auf der Stiege angesprochen und stark angehaucht. Mehrere Stmtde nachher hat es mich im Leib geschnitten, daß ich meinte, es zerreiße mich schier. Drauf bin ich ins Bett geschlupft und da hat's mich geschüttelt vor Frost und Kälte. Ich bin um meinen Verstand gekommen, habe getobet, wie ein Besessener, gerade so, wie ein Besessener" — ein verstand- nisvolles Murmeln erscholl wieder — „und wollte jedem an den Leib. Darnach habe ich einen starken Knüpfe! inwendig um die Herzgrube gespürt und mir ist vorgekommen, als wenn drei Blutstropfen von beiden Seiten her auf mein Herz zuführen und es abstießen. Geistliche Mittel von den Kapuzinern zu Riedlingen und eingenommenes Pnrgaz vom Schäfer zu Gammertingen haben mir wieder zum Verstand verholsen, aber seit bei Zeit bin ich noch ganz schwach, blöb unb elenb."
„Unb was soll die Baberann bazu getan haben?"
„Ich will braus leben unb sterben, daß es mit die Baderann durch Blasen angetan hat."
Es war schon Nachmittag geworden unb immer noch bauerten bie Aussagen ber Zeugen fort Aus jede auch noch so törichte Beschuldigung mußte die Köhlerin sich verteidigen. Aber ihre Verteidigung war nicht imstande, die Anklagen zu entkräften und zu widerlegen. Im Gegenteil vermehrten und steigerten sie nur immer mehr den Unwillen des Richters, ber hierin nichts als böswillige Verstocktheit erblickte.
Miibe von ber anstrengenden Sitzung wandte sich Kirsinger zu seinem Sekretarins und murrte verdrießlich.
„Wie ich ihm sogleich sagte, Wurmb, Jnkul- patin ist eine von der schlimmsten Sorte und von besonderer Halsstarrigkeit, maßen sie sich nicht un- gefchickt verteidigt unb das übrige ableugnet."
„Wird ihr aber nichts helfen; die Wahrheit muß an den Tag. Für heute wollen wir schließen.