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Solatf o«,druck x. Verlag der Huldaer Le» tfeudruckerei m Huld«, Fernsprecher Nr. 0.

M 147.

Fulda, Samstag den 30. Juni 1906.

33, Jahrgang.

Ausland.

* Im englischen Nnterhause regte Thorne nochmals an, den Besuch der englischen Flotte in Kronstadt zu unterlassen, weil in Rußland Juden hingemordet seien. StaatssekretärSirEdward Grey äußerte sich in derselben Weise ableh­nend wie bei den früheren ähnlichen Vorschlägen.

* Im russischen Heere herrscht eine große Neigung zur unbotmäßrgkeit. Neuerdings meldet die Petersburger Telegraphenagentur aus Batum: Am 24. Jüni machte sich bei der 2. Kompanie der Festungsartillerie eine große Erregung bemerk­bar. Die Mannschaften stellten Forderungen wirtschaftlicher und auch solche auf den Dienst bezüglicher Natur. Als die Ermahnungen der Vorgesetzten nichts fruchteten, wurde eine Ab­teilung Kosaken herbeigerufen, um die Kaserne zu besetzen und die Mannschaften zu hindern, daß sie sich der Gewehre und Geschütze be­mächtigten. Die Mannschaften beruhigten sich, doch flohen mehrere Soldaten in die Quartiere anderer Kompanien und zwar in Gesellschaft zweier Zivilpersonen, die das Gerücht aussprengten, von den Kosaken werde auf die zweite Kompanie geschossen. Infolgedessen kames auch bei mehreren andern Kompanien zu Ausschreitungen. Die aufsässigen Mannschaften wurden während der Nacht von Truppen umzingelt gehalten. Am nächsten Morgen gaben sie reumütig ihrem Be­bauern Ausdruck und taten wieder ordnungs­mäßig Dienst. — Englische und nach ihnen auch deutsche Zeitungen hatten die Nachricht gebracht, daß in Schitomir und in Beffarabien neue Masi terS ausgebrochen seien. Daraufhin hat sich der Hilfsverein der deutschen Juden telegraphisch an seine Vertrauensleute in ben in Betracht kommenben Stäbten in Rußland ge- wanbt. Die Antwort besagte, baß in Kiew unb Umgegenb unb in Schitomrr vorläufig ein Aus­bruch noch nicht erfolgt ist, und daß in ganz Beffarabien, insbesondere in Kischiniew unb Kamenta, Panik herrsche, daß aber blutige Zu­sammenstöße bisher glücklicherweise nicht erfolgt

* Die türkische Regierung hat von bet Kammer bet Insel SamoS bie telegraphische Mitteilung erhalten von ihrem einstimmig ge­faßten Beschluffe, bie Absetzung des Fürsten VithynoS wegen besten Unfähigkeit unb bie Er­nennung eine- neuen Fürsten zu verlangen.

spanischen Waren nicht länger die vertragsmäßigen Zolvherabsetzungen angewendet worden, die wir in den Verträgen mit Italien und anderen Ländern zugestanden haben. In Spanien wären unsere Waren voraussichtlich der ersten Spalte deS neuen Tarifs unterstellt worden, während die niedrigere zweite Spalte auf die Waren der meisten mit unS konkurrierenden Länder angewendet worden wäre. Zu diesen Ländern gehören inSbesonderer Eng­land und Belgien. Bis auf weiteres, jedenfalls bis zum 1. Oktober, gehört zu ihnen auch Frank- reich,deffen mit Spanien bestehende handelspoli­tische Verständigung bis dahin nötigt, auf Spa- nien den französischen Minimaltarif anzuwenden, anderseits aber auch Frankreich selbst ein Anrecht auf den Genuß der niedrigsten spanischen Zölle gewahrt. AuS einer wechselseitigen differentiellen Zollbehandlung hätte sich zwischen Deustchland und Spanien leicht ein wirklicher wirtschaftlicher Krieg mit gegenseitigen Kampfmaßregeln ent- wickeln können. Hierdurch aber würde für die Verständigung über einen endgültigen Vertrag eine ernste Gefahr erwachsen sein. Die Verlänger­ung deS MeistbegünstigungsverhältniffeS schließt allerdings in sich, daß deutscherseits zunächst der neue spanische Zollvertrag akzeptiert wird. Indes ist dies nur vorübergehend für einen kurz bemes­senen Zeitraum der Fall, und'es wird der AktionS- ireihest für die fernere Zukunft nicht borgegriffen. Sodann kommt in Betracht, daß der neue spanische Zolltarif, der bei seiner Veröffentlichung im ver­gangenen März durch die Höhe vieler Ansätze überraschte, inzwischen revidiert und hierbei wesent. lich gemildert worden ist. In seiner jetzigen Ge­stalt bietet er für verschiedene, für Deutschland wichtige Artikel eine namhafte Verbesserung deS bestehenden Zustandes in der bis zu einem gewißen Grade die Kompensation für die Zollerhöhung bei anderen Artikeln gefunden werden muß. Diese Begleiterklärung sieht einer Entschuldigung der Reichsregierung verzweifelt ähnlich. Der spanische Handelstarif, der vom 1. Juli ab in Kraft tritt, enthält auch nach seiner Revision weit mehr Er­schwerungen als Erleichterungen für den deutschen Handel. Das ganze Verhalten Spaniens legt die Ansicht nahe, daß die deutsche Regierung unbedingt eine ernstere Sprache als bisher führen muß, wenn sie in der jetzt gegebenen Frist einen definitiven Handelsvertrag mit Spanien zum Abschluß brin­gen will.

.'. Die barbarische Kriegsführung in Deutsch-Ostafrika unter Verwendung von Dyna­mit, ' auf bie wir kürzlich hingewiesen haben, bilbet natürlich für den .Vorwärts' — leibet — eine willkommene Gelegenheit zu scharfen Aus­fällen gegen unsere Kolonialpolitik unb ihre an­geblichen kulturellen Ziele. Das Blatt sagt nicht mit Unrecht, man habe gegen bie Eingeborenen in Deutsch-Ostafrika bie „Methode bet Raub- zeugvertilgung" zur Anwendung gebracht unb bemerkt weiter: „Eine solche Barbarei stellt benn boch alles in Schatten, was bisher auf dem Ge­biete kolonialer Kriegsführung überhaupt geleistet worben ist. Denn selbst bie Verwenbung von Dum-Dum-Geschoffen burch bie Engländer, über bie sich seinerzeit bie ganze gesittete Welt ent- rüstete, erscheint boch beinahe human gegen eine solch' tückische Methode hinterlistiger Menschen­vertilgung!" Man kann dem sozialdemokratischen Blatte nicht einmal Unrecht geben, wenn es solche starke Worte gebraucht.

*Aus Deutsch-Ostafrika. (Amtlich.) Nach einem Telegramm des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika hat Oberleutnant Abel auf dem Marsche nach Jraku den von dort nach Aruscha fliehenden regierungstreuen Häuptling Jsara getroffen. Jsara berichtete, es seien ihm von ben Aufständigen in Jraku über 3000 Rinder geraubt unb sechs Leute getötet worben; auch ehr Inder fei beraubt worben. Der Auf- ftanb sei von zwei Zauberern erregt unb von einem Mangi - Häuptling begonnen worden, andere Mangis hätten sich ihm inzwischen ange­schloffen. Der Viehhändler Uffert habe sich beim Viehhandel keine Ausschreitungen gegen Eingeborene zu schulden kommen laffen.

* Aus Deutsch-Slidwestafrika wird amtlich gemeldet: Die Hottentotten waren vor der verfolgenden Abteilung des Oberstleutnants von Estorff in bie Orangeberge nordwestlich Viols- brift zurückgegangen. Von bort zogen sie in norböstlicher Richtung an Büros vorbei, über­fielen eine Postpatrouille unb stahlen bei Warm­bad unb Gabis eine Anzahl Rinder unb Maul­tiere. Oberleutnant von Stocki mit 70 Mann aus Warmbad, Major Rentel mit einer Kom­pagnie, 2 Geschützen der Besatzung Kalkfontein marschierten dem Feinde entgegen, bet nach mehr­stündigem Kampfe wieder in südwestlicher Rich­tung zurückgeworfen wurde. Major Sieberg eilte mit 2 Kompagnien, 2 Maschinengewehren, 1 Ge­schütz, auf den Kanonendonner losmatschierend, heran. Et fand bei Erreichung des Gefechts- seweS ben Feind schon im Rückzüge begriffen, hartnäckig von Rente! verfolgt. Sieberg setzte diese Verfolgung fort. Es fielen im ganzen 5 Reiter, 3 sind verwundet, 1 wird vermißt. In den Kleinen KaraSbetgen überfiel Patrouille Genschow eine Werst. Sie fand habet ein Kleidungs« und NahrungSmittel-Lager, daS ver­nichtet wurde. Der Gefangenenbestand ist seit Anfang Februar um 4000 gestiegen unb beträgt jetzt 17,000 Köpfe.

* Altena, 28. Juni 1906. Nach bet vor- läufigen Feststellung beS Gefamt-Ergebniffes bet gestrigen Ersatzwahl im Reichstags-Wahlkreise

werke-. (1. Berichterstatter Herr Dux, II. Be­richterstatter Herr Trabert). 6. Beschlußfassung über Vornahme einer Ersatzwahl an Stelle deS ausgeschiebenen Stabtverorbneten Herrn Heller, töerr Jahn). 7. Bericht über ben Stand Der Einlagen unb Rückzahlungen her städtischen Sparkaffe. (Herr Goebel). 8. Genehmigung eines abzuschließenden Grundstückstauschvertrages. (Herr Eickenscheidt). 9. Beschluß des Magistrats wegen Einbeziehung des sog. Spatzenrains in ben Schloßgarten. (Herr A. Schwarz). 10. Ver­kauf eine- Grunbstückteiles. (Herr Fritz.) 11. Ausführung eines Regenwafferkanals in bet Wilhelmsttaße. (Herr Eschwege). 12. Anstellung eines weiteren Bauaufsehers. (Herr Fritz). 13. Aushebung einzelner Fluchtlinienpläne in bet inneren Stabt. (Herr Kircher). 14. Nachbe- willigung für Ueberflurhydranten. (Herr Wehner.) 16. Aufhebung bezw. Aenberung ber Fluchtlinie in ber Kanalstraße. (Herr Kapp). 16. Statut bet Oberrealschule. (Herr Goebel).

□ DaS Kuratorium der Richard Müller- Stiftung hielt vor einigen Tagen seine erste Ver­sammlung ab und wählte zum Vorsitzenden Herrn Dr. Kind-Fulda und zum Stellvertreter Herrn AmtsgerichtSrat Greib-Neuhof. Als Rechnungs­führer ist Verwalter Schöpf bestellt. In aller­nächster Zeit wird nun Aufforderung zur An­meldung „kränklicher Kinder unbemittelter Eltern aus dem Kreise Fulda" zur Ausnahme und Ver­pflegung in einer Kinderheilanstalt auf Kosten der Stiftung burch bie hiesigen Zeitungen vom Rechnungsführer ber Stiftung erlassen werden, lieber bie Berücksichtigung ber Anmeldungen ent­scheidet bas Kuratorium nach Maßgabe beS Stiftungszweckes. Ausgenommen werben Kinder aller Konfessionen. Mit ber Kinderheil- anstalt Soben-Salmünster ist bereits ein Abkommen wegen Aufnahme unb Verpflegung geeigneter Kinber getroffen. Auf besonderen Wunsch unb wegen ber großen Anzahl Angemeldeter sinb bereits 25 sogenannte Ferienkinber auf bie Stiftung übernommen worben. Künftig sollen jeboch in erster Linie jüngere, noch nicht s ch u lpflichtige Kinber berücksichtigt werben, ba bie Kinber nicht nur währenb ber Ferien, sondern zu jeder Zeit Aufnahme finden und so lange in ber An­stalt verbleiben sollen, bis vollständige Heilung, wenn überhaupt solche noch möglich, erfolgt ist. Es wirb fich also künftig währenb bes ganzen Jahres eine ben verfügbaren Mitteln ber Stiftung entsprechend Anzahl Kinber in ber Anstalt be­finden.

-7- Der Totenhof der israelitischen KuttuS- aemeinde ist feit gestern (29. bs. Mts.) ge­schlossen. Es ist bamit einem allgemeinen Bedürfnis ber hiesigen Einwohnerschaft Rechnung getragen worben.

+ Der städtische Beamtenverein machte gestern bei recht zahlreicher Beteiligung einen Ausflug über bie Ausspann nach Neuhof, wo bie Kaliwerke unter ber Führung bes Betriebsleiter» mit großem Interesse eingehenb besichtigt würben. Nachdem sodann in Neustadt eine kleine Stärkung eingenommen war, wurde die Rückfahrt nach Fulda angetreten, wo man im Hotel Wolf noch einige Stunden fröhlich zusammenblieb.

iqj Die „Typographia Fulda", OrtSverein des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, feierte gestern das 40jähr i ge Verb and sjubiläurn, verbunden mit ber JohanniSfeier. Zur Einleitung würbe Donnerstag abenb ein Kom­mers in ber „Hinterburg" abgehalten, an bem als Gäste auch bie Mitglieder bes Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen - Verbandes teil» nahmen. Gestern nachmittag vereinigte sich bann nach einer mehrstündigen Wanderung durch Flur unb Walb bie zahlreiche Gesellschaft am Leipziger­hof, wo es bei Musik unb Gesang halb sehr gemütlich würbe. Der Vorsitzenbe bes Ort»« Vereins, Herr Er ost, bewillkommnete bie An­wesenden unb wart einen Rückblick auf die Leistungen deS Verbände» in ben verflossenen 40 Jahren. Lustig unb fröhlich blieben die Jünger ber schwarzen Kunst noch einige ©tunben beisammen. ■- »

(*) DaS Sommertheater hat ben Spielplan in folgender Weise abgeänbert: Sonntag ben 1. Juli Kindervorstellung zu ermäßigten Eintritts­preisen: Der Schneider Fingerhut und dieHeinzelmännchen ober ®er guteFritz unb Der böse Franz. Märchenkomödie mit Gesang und Tanz in 17 Bildern von Oskar Klein. (Anfang 4 Uhr). — Abends 8V* Uhr auf Wunsch zum dritten Male, letzte Aufführung (Im Abonnement mit Auszahlung) Der Fa- milientag, Lustspiel-Novität in 3 Akten von Oskar Blumenthal. — Dienstag den 3. Juli Novitäten-Abend (Trotz hoher Kosten im Abon­nement) Die Siebenzehnjährigen. Schau­spiel in 4 Aufzügen von Max Dreyer.

Neue Telegraphenstellen. In Gläser­zell, Kämmerzell und Lüdermünd im Kreise Fulda sind Telegraphenanstalten mit Un­fallmeldedienst, und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

—* Dem „Städtischen Museum" hat Herr Buchhändler F. I. Reinhardt eine große und wertvolle Ansicht deS BonisattuSdenkmalS vor Anbringung her Reliefs (Photographie mit GlaS und Rahmen) als Geschenk überwiesen.

totales.

Fulda, ben 30. Juni 1906.

ö Die TageS-Ortznung für die regel­mäßige Sitzung ber Stadtverordneten-Beriamm- lnna am 2. Juli 1906, abenb» 71/» Uhr lautet: 1. Beschlußfassung über bie Ablehnung ber auf Herrn Dr. Kinb gefallenen Wahl als Beigeord­neter. (Berichterstatter Herr Dr. Raabe). 2. Gemeinschaftliche Sitzung mit dem Magi­strat zweck» Wahl eines Beigeordneten. 3. Löschung-- und Freigabe-Urkunden. (Herr Eickenscheidt). 4. Bewilligung eines Fehlbetrages für die Oberrealschule. (Herr Künstler). 5. Be­schlußfassung übet Errichtung eine» Etektrizitäts-

Altena-Jserlohn wurden 84,188 Stimmen abge­geben. Davon erhielten Haberland (Soz.) 10,547, Klocke (Zentr.) 7774, Müller (fretf. VolkSp.) 7678, Haarmaml (natL) 6552, Rueffer (Christi. Sog.) 1637 Stimmen. Zersplittert sind 5 Stimmen. E» wäre somit eine Stichwahl zwischen Haberland und Klocke erforderlich.

* Bocholt i. W., 28. Juni 1906. Die Ka­puziner hatten bie Absicht, für ihre Zöglinge der oberen Gymnasialklaffen (nicht für andere Gymnasiasten) hier ein Konvikt zu errichten, damit dies» Zöglinge die Prima deS hiesigen Gymnasium» besuchen und hier ihr Abiturienten­examen ablegen könnten. Eine andere Tätigkeit wollten sie nicht entfalten, keinen öffentlichen Gottesdienst halten, keine Seelsorge auSüben usw., sondern nur im Konvikt ihre Zöglinge beaufsich- tigen und leiten. Sie waren auf Anfrage nach Bocholt verwiesen worden, weil hier die Prima schwächer besetzt ist, als an vielen anderen An­stalten. Im Mai vorigen Jahres wurde daS Gesuch um Genehmigung nach Berlin gesandt; im vorigen Herbst wurden das Gymnasialkura­torium und die hiesige Stadtverordnetenversamm­lung um ihre Stellung zu dieser Angelegenheit befragt: in beiden Körperschaften wurde erklärt, daß hier keine Bedenken gegen den Plan vorlägen. Wie die ,Kö!n. Volksztg/ nun ver- nimmt, ist ba» Gesuch vom Ministerium ab­schlägig beschieben worben, weil eS ben be­steh enben Gesetzen nicht entspreche. Es wäre intereffant, zu erfahren, welche Gesetzesbe­stimmungen bie Genehmigung des Konviktes un­möglich machen.

* Stuttgart, 28. Juni 1906. Der König hat bas Adschiebsgesuch bes Ministers ber auswärtigen Angelegenheiten unb ber Verkehrs- Anstalten, Freiherrn v. Soden, genehmigt, unb zu seinem Nachfolger ben bisherigen Minister des Kirchen- und Schulwesens, Dr. v. Weizsäcker, ernannt. An dessen Stelle ist zum Minister des Kirchen« und Schulwesens Staatsrat v. Fleisch­hauer ernannt worden.

Deutsches Reich.

Berlin, ben 29. Imst 1906.

.-. Eine Begegnung zwischen bem Kaiser und dem Zaren soll tatsächlich Ende Juli statt» stnden. Einer Meldung aus Kiel zufolge werden die ersten größeren Manöver ber aktiven Schlacht­flotte nunmehr befinitiv in ben allerletzten Tagen bes Juli nach ber Rückkehr des Kaisers von ber Norblanbsreise bei ber Insel Rügen stattfinben und 4 dis 5 Tage bauern. Der Zar wird mit unserem Kaiser dem ganzen Manöver teil» an Bord des „Polarstern" bezw. ber „Hamburg", teil an Borb be» Flottenflaggsckiffe» „Kaiser Wilhelm n." beiwohnen. Von Dort au» wirb sich ber russische Kaiser zu längerem Aufenthalt nach Darmstadt begeben, wo er mit seiner Fa­milie zusammentrifst.

* Dem Anträge bes Gouverneurs von Putt» fflnter, der wie erinnerlich eine Disziplinär» Untersuchung gegen sich beantragt hat, wird, wie bie ,Preuß. Korr/ wissen will, „regierungs­seitig" entsprochen werden. Das ist recht nett von ber Regierung, zumal wenn man bedenkt, baß Herr Rose in seinem Bericht an ben Reichs­kanzler seiner Zeit erklärte: „Gegen Herrn von Puttkamer bürste ein Disziplinarverfahren nicht einzuleiten sein, ba es nicht im öffentlichen Jn- tereffe liege unb es Herr von Puttkamer selbst nicht für erwünscht halte. Nun haben sich also Heide Teile glücklich anders besonnen.

* Die drahtlose Telegraphie wirb nun auch oem Vorgehen des bayerischen Eisenbahn» rninisteriums folgend die preußische Eisenbahn­verwaltung bei den Eisenbahnzügen einführen. Es ist beabsichtigt, den Zügen Empfängerappa­rate und ben in betracht kommenben Bahnge- bäuden Gebeapparate zuzuteilen. Es kann bem» nach wohl von den Gebäuden an bie Züge tele­graphiert werden, nicht aber umgekehrt. Von besonderer Bedeutung ist die Taffache, daß die Senkapparate, bie von Bahnbeamten auf ben Stationen ober sonstigen Dienstgebäuben bedient werden sollen, so einfach konstruiert sind, daß zum Telegraphieren nur eine Taste bewegt zu werden braucht. Andere Handgriffe sind nicht auszuführen. Die Beamten müssen also lediglich telegraphieren können. Ebenso einfach sind auch die Empfänger, die auf ben Zügen zur Anwen­dung gelangen.

... Zum Bolksschulunterhaltungsgefetz bringt ,etzt auch bie ,Kreuzzeitung' eine Zuschrift, welche sich gegen bie Trennung ber Gemeinden mit mehr als 25 unb mit weniger als 25 Schul­stellen in bezug auf bie Besetzung ber Lehrer­und Rektorenstellen richtet. Da- führende kon­servative Organ nimmt aber noch nicht selbst Stellung zu ber Angelegenheit, sondern bemerkt nur, eine zusarnmenfaffende Besprechung ber Be­schlüsse ber Herrenhauskommission behalte es sich vor, ba ber gebrückte Bericht noch nicht er­schienen sei und biefer für bie Würdigung der Beschlüsse unentbehrlich sei.

* Die Frage des polittschen Massenstreiks scheint in der Sozialdemokratie noch weitere Kreise ziehen zu wollen. Die von uns inhaltlich wieder- gegebene Erklärung Bebels hat jetzt bie Gene­ral-Kommission ber sozialdemokratischen Gewerk­schaften auf den Plan gerufen. Dieselbe hat dem .Vorwärts' eine Gegenerklärung zugehen lassen, :bie ziemlich gesalzen sein muß, benn ber .Vor­wärts' teilt mit, baß er bie Gegenerklärung bem Parteivorstande zur Kenntnis gebracht, ber letz- tere aber gewünscht habe, bie Veröffentlichung bis zum Freitag zu verschieben. Angeblich, weil mehrere Mitglieder bes Parteivorstanbes abwesenb 'sind, in Wirklichkeit aber wohl, weil man Zeit gebraucht, um bie Gegenerkärung in einer Weise zu beantworten, welche den Gegensatz zwischen ber Partei unb ben Gewerkschaften ber Masse der Genossen gegenüber tunlichst verschleiert. Uebri- gen§ scheinen in der Sozialdemokratie auch sonst noch ausgedehnte Differenzen an der Tagesord­nung zu sein. Die General - Versammlung ber „Genossen" bes ersten Berliner Wahlkreises hat :im Widerspruche mit ben Mahnungen vonseiten ber Leitung ber Partei unb ber Gewerkschaften beschlossen, alle Wahlvereins - Mitglieber auszu­schließen, und zwar aus ber Partei, welche am 1. Mai gearbeitet haben. Von biefem Beschluffe würben viele Tausenbe von „Genossen" betroffen werben.

* Das deutsch-spanische Handelsabkommen ist vis zum Ende d. I. verlängert worden. Die i„Nordd. Allgem. Ztg." macht dazu folgende Be- rmerfungen: „Wie wir hören, enffpricht diese Mo- difikation der Kündigung einem Wunsche der spa­nischen Regierung, welchem deutscherseits ent­gegengekommen wurde, um nicht die schwebenden Verhandlungen über den Abschluß eines endgil- stigen deutsch-spanischen Handelsvertrages zu stö­ren, die schon eine gewisse Gestalt gewonnen haben und auf beiden Setten in dem ernsten Streben nach einer befriedigenden Verständigung geführt werden. Wäre nicht in dieser Weise da» bestehende Meistbegünstigungsabkommen verlängert worden, so ivürde vom 1. Juli an jedes der beiden Länder Vie Einfuhr aus dem anderen Lande differentiell Gehandelt haben. In Deuffchland wären auf die