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-r$d}et«t$slid), mit -«-nähme ter Sonn» s>i«ietlage. Dterttl» -t.Vezugrpreir ne Bringeclohn und ellgeldinMdaund swürtr 1 Ml. SV Pfg.

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Kotationrbruck u. Verlag der Fuldaer Ar« tiendrnckerei in Sntoa. Zernsprecher M. 9.

M 146.

Fulda, Donnerstag den 28. Juni 1906.

33, Jahrgan g

Zweites 'gSL'att.

Iortwäßrend nehmen alle Postanstalten, Briefboten, Zeitungs­träger und die Expedition (Harmonie) Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung' für die Monate Juli, August und September zum Preise von 1,50 Mark (ohne Bestellgeld und Bringerlohn) entgegen.

Vie Zigarettenfteuer

tritt, wie schon kurz mitgeteilt wurde, am 1. Juli cr. in Kraft. Das bezüglich der Zigaretten an­gewandte Steuersystem ist das sogenannte Ban­de r o l s y st e m, d. h., nach diesem System müssen sämtliche Zigaretten und auch der Zigarettentabak in amtlich verschlossenen Päckchen tn den Handel gebracht werden. Der amtliche Verschluß geschieht dadurch, daß die Verpackung mit einem Bande um­schlungen wird, welches das Steuerzei*?n trägt, wobei dieses so angebracht ist, daß es bei Ortung des Päckchens zerrissen werden muß. mar.

Für die Wahl des Banderolsystems den der Vorzug desselben, daß es die s o z i a l p t\ vHerM wünschenswerte Abstufung dew^Hren * nach der Güte des Tabaks und der hnrifd&^djen’ Lage des Rauchers gestattet. Die Ver'rw^ f tung, die Packungen mit dem Stenerzer verschließen, ruht auf den Fabrikanten unfcw 'lug= lern. Die Kleinverkäufer dürfen auch Zigärerten aus geöffneten Packungen verkaufen, nur ist das Nachfüllen von Zigaretten in die geöffneten Pack­ungen verboten. Im Falle des Steuerunterschlei- fes hat der Bundesrat das Recht, auch dem Klein- verküufer die Abgabe von Zigaretten nur in amt­lich verschlossenen Packungen vorzuschreiben.

Banderolsteuerpflichtig sind die Zigaretten selbst, der Zigarettentabak, die leeren Hülsen und die Zigarettenblättchen. Die letztere Bestimmung wurde getroffen mit Rücksicht auf die sogenannten Selbstwickler, d. h. auf die Raucher, die das Papier und den Tabak selbst kaufen und die Zigaretten selbst anfertigen. Daher mußte auch der Zigaret­tentabak im Kleinverkauf banderolpflichtig ge­macht werden. Als Zigarettentabak gilt feinge- fchnittener Tabak, der im Kleinverkauf mehr als 3 <4t das Kgr. kostet. Der Verkehr innerhalb der Fabrikation ist freigestellt, erst wenn das Fertig­fabrikat die Erzeugungsstätte verläßt, muß der Hersteller die Packung für den Kleinverkauf mit dem Steuerzeichen versehen.

Im einzelnen sei bemerkt, daß der Eingangs­zoll für den feingeschnittenen Zigaretteutabak 700 Mark für den Dz. beträgt. Die jetzt neben diesem zur Hebung kommende Steuer beträgt für Zigaret­ten int Klcinverkaufspreis bis zu 15 <41 das 1000 1,50 für 1000 Stück, über 15 bis 25 M 2,50 M, über 25 bis 35 <41 3,50 <41, über 35 bis 50 M 5 M, über 50 bis 70 M 7 <41, über 70 <41 10 M für 1000 Stück. Für Zigarettentabak im Klein­verkaufspreis über 3 bis 5 <44 das Kg. 0,80 <44, über 5 bis 10 <44 das Kg. 1,60 <44, über 10 bis 20 <41 das Kg. 3 <44, über 20 bis 30 <44 das Kg. 4,80 <44 und über 30 <41 das Kg. 7 <41 für 1 Kg. Für Zigaretten hülsen und zugeschnittene Zi­garren b l ä t t ch en 2 <4t für 1000 Stück. Die Steuerstufen bewegen sich also bei der Steuer für Zigaretten zwischen 1,50 bis 10 <41, für Zigaretten­tabak zwischen 0,80 bis 7 <44. Der Bundesrat ist ermächtigt, Tabakerzeuguisse von der Art und Form der Zigaretten, bei denen das Papierdeck­blatt fehlt oder durch ein anderes Deckblatt ersetzt ist, derselben Steuer zu unterwerfen.

Der S t e u e r a u f s i ch t unterliegen alle Fa- orikanten von Zigaretten, Zigarettentabak, Ziga­rettenhülsen und Von Blättchen zum Wickeln der Zigaretten. Au.ch die Heimarbeiter sind hier ein­begriffen. Alle müssen ihre Betriebe schriftlich an­zeigen, eine Beschreibung der Arbeits- und Lager­räume sowie der anschließenden Räume geben und dürfen nur in angemeldeten Räumen arbeiten. Jene Personen, die in einem Laden Zigaretten ver­kaufen und diese mit ihrer Familie selbst anferti­gen, müssen neben den Arbeitsräumen auch ihre Verkaufsräume angcben. Alle diese Betriebe un­terliegen jenen Maßnahmen, welche die Zollbe­hörde zur Sicherung des Steuereingangs für not- weitdig hält. Hersteller, Verkäufer und Händ­ler von Zigaretten haben die am 1. Juli in ihrem Besitz befindlichen Vorräte an Zigaretten, Zigaret­tentabak und Zigarettenhülsen und Blättchen un­ter Angabe des Kleinverkaufspreises sowie der Stückzahl der Hülsen und Blättchen innerhalb einer Woche vom vorgenannten Tage ab d e m z u- ständigen Steueramte anzumelden. Die angemeldeten Vorräte dürfen vom Hersteller 1 Monat, vom Verkäufer und Händler 2 Monate ohne Entrichtung der Zigarettensteuer verkauft werden. Nach Ablauf dieser Frist ist der noch vor­handene Teil der Vorräte nach dem oben angegebe­nen Satze zu versteuern. Der Bundesrat ist er­mächtigt, die Frist von 2 Monaten für Zigaretten­blättchen bei Kleinhändlern im Bedarfsfälle ent­sprechend zu verlängern. Die erfolgte Besteuerung wird durch Anbringung von Steuerzeichen an den Packungen kenntlich gemacht. Gegen Sicherheits­stellung ist die Steuer für eine Frist von 3 Mona­ten zu stunden.

Der Ertrag des netten Gesetzes wird auf 11 Millionen Mark, mit dem Eittgangszoll auf 14 Millionen <44 geschätzt bei einem Konsum von ge­genwärtig 5 Milliarden Stück Zigaretten. Zur Verhütung von Nnterschleifen sieht da? Gesetz Strafen von 50 <4t bis 100 000 <4i vor. Derartwe

Strafen sind nicht zu entbehren; sie sollen nicht bloß den Eingang der Steuer sichern, sondern auch die ehrlichen Fabrikanten gegen schwere Benach­teiligung schützen, die ihnen durch den unehrlichen Wettbewerb erwächst. Im Reichstage ist bei der Beratung des Zigarettensteuergesetzes an die Re­gierung das Verlangen gestellt worden, die Steuer­behörden möchten bei der ersten Durchführung der Steuerbestimmungen auf die einzelnen Verhält­nisse möglichst Rücksicht nehmen und Schonung üben. Von Regierungsseite wurden zustimmende Erklärungen abgegeben. Auf diese wird sich, wie in der soeben erschienenen Broschüre: „Die Reichs- sinanzreform und ihre neuen Steuern." (Tages­frage Nr. 34. M.-Gladbach. Volksvereinsverlag. 72 S. M 0,60, fr. 0,70) ausdrücklich hervorgehoben wird, die Industrie Vorkommendenfalls berufen können.

Welche besonderen Wirkungen das Zigaretten­steuergesetz im einzelnen Hervorrufen wird, läßt sich natürlich jetzt noch gar nicht sagen. Schnell fertig ist natürlich die Sozialdemokratie mit ihrem Urteil, deren Presse aus Anlaß des Gesetzes den Ruin der Industrie, Belastung der Aermsteu des Volkes und dgl. mehr prophezeit I Ueber die Art und Weise, wie die Sozialdemokratie das Gesetz für die A g i t a t i o n auszubeuten sucht, wird noch ein Wort zu sprechen sein! Jedenfalls geht es nicht an, hier von einer Verteuerung eines unentbehr­lichen Konsummittels zu reden. Die Zigarette ist ein ausschließliches Genußmittel und mit ihrer Be­steuerung wird es ergehen, wie mit derjenigen des Sektes. Man spricht einfach später nicht mehr davon; so sehr hat man sich an He Steuer ge­wöhnt! Und auch der Konsum wird kaum zurück­gehen. Beklagen kann sich von den Konsumenten nur derjenige, der etwa die Zigarette für ein ebenso notwendiges Volksgenußmittel hält, wie die Sozialdemokratie den Sekt als Volksgetränk!

[:] Der ProviNMkel.

Humoreske von Julie Landskron.

(Nachdruck nicht gestattet.)

„Bruderherz, rette mich, sonst gibt's ein Un­glück!"

Freund Leonhard zog die Brieftasche und fragte lächelnd: „Wieviel bedarfst Du?"

Dr. Heinrich Meistpumper machte jedoch eine Handbewegung, als wollte er damit tagen: „Stecke Dein Geld nur wieder ein", dann rief er mit einem Seufzer: „Diesmal — na, es ist kaum glaublich — handelt es sich nicht um den nervus rerum, son­dern um eine — Braut und zwar bis morgen, wenn auch nur für einige Stunden."

„Zum Kuckuck, nun setze Dich einmal ruhig hierher und rede vernünftig."

Dr. Meistpumper warf sich in einen Stuhl, und nachdem er nochtnals tief aufgeseufzt hatte, begann er: „Du weißt, ich bin kein Verschwender! Du scheinst anderer Meinung zu sein, aber Du irrst, ich spare sagar manchmal, doch das Geld läuft mir durch die Finger, weiß der Kuckuck, wo es hinkommt. Nun, mein Onkel in der Provinz, der alte Gries­gram, hilft mir ja manchmal aus, kann es ja leicht tun, hat weder Kind noch Kegel. Und so pumpe ich denn energisch und so oft als möglich, damit das Geld beim Onkel Fritz nicht schimmlich wird. Eine Zeitlang ging alles gut, plötzlich fällt es jedoch dem Onkel ein, mich solid machen zu wollen. Ich bitte Dich, als ob ich nicht solid wäre. Ja, er verlangt sogar, ich solle mir eine Braut suchen, heiraten, zu ihm aufs Land kommen usw. — Br! Eines Tages war wieder fast alles Geld verschwunden, rein ver­schwunden. Da kam mir der unglückliche Gedanke, mich scheinbar zu verloben. Das aber koste Geld, und der Onkel solle aushelfen. Der Onkel war sehr erfreut und schickte alles. Plötzlich aber kommt heute ein Telegramm: „Komme selbst, mir Deine Braut anzusehen, reise morgen früh wieder ab." Tableau! Woher die Braut nehmen?"

Ja, das war leichter gesagt als getan. — End­lich rief Freund Leonhard: „Ich hab es! meine Schwester Hella muß attshelfen."

„Und Du hoffst, sie wird für ein paar Stunden die Braut vorstellen?"

„Nun, mit der Wahrheit geht es natürlich nicht! Wir müssen ihr Mitleid zu erwecken suchen, etwas erfinden, etwa so: Du hast Dich mit einem armen Mädchen verlobt; das Mädchen ist zwar bildungsfähig, doch noch nicht so weit, um den Onkel gleich zu gewinnen. Es wäre zu gewagt, sie jetzt schon vorzustellen. Bis es zur Hochzeit kommt, hat der gute Onkel längst vergessen, wie die Brant aussah."

Dr. Meistpumper drückte dem Freude dankbar die Hand. Später konnte er jachem Onkel schrei­ben, die Verlobung war rückgängig gemacht wor­den, das ist sehr modern. — — — — — —

O, diese armen, jungen Verlobten, besonders das junge Mädchen, welches sich so sehr vor dem geldspendenden Onkel fürchtete. Und Hella wischte sich mit dem Taschentuche über die feuchten Augen. Ihr Bruder hatte fo rührend von dem jungen Liebespaar gesprochen, daß sie ganz Feuer und Flamme war, dem Pärchen zu helfen. Sie würde den alten Griesgram fchon herumkriegen!

Wie erschrak sie jedoch, als ihr am anderen Tage im Rathauspark der Provinzonkel vorgestellt ward. Eine Hünenfigur, von Gesundheit stro­tzend, die klaren blauen Augen treuherzig blickend wie Kinderaugen, fein dunkelblondes Mähnen- hanpt mit einem Vollbart geziert, in welches sich kein graues Härchen mischte. Nein, so hatte sie sich den alten Griesgram nicht vorgestellt. Er war von kindlicher Heiterkeit, dieser Provinzonkel, alles gefiel ihm, besonders jedoch schien ihm die Braut seines Neffen zu gefallen. Fräulein Hella sah ober auch reizend aus in ihrer rosa Musselin- toirfche, den lichten Strohhut auf dem dunklen Haar

„Na, heute gehört Deine schöne Braut mir, Du Schlingel!" Und er reichte Fräulein Hella den Arm. „Dieser Taugenichts verdient gar nicht solch ein Glück, also jetzt ins Theater! Will die schöne Braut ins Theater?"

Später beschloß man, den Nest des Abends im Rathauskeller zuzubringen. Heinrich, welchem On­kel Fritz seine Börse eingehändigt, mußte ein seines Menu bestellen. Die vier unterhielten sich präch­tig. Endlich wurde ein Wagen bestellt. Hella ver­abschiedete sich von dem Onkel, welcher morgen mit dem Frühzug ab reifen wollte. Gott sei Dank, daß er fortging, sagte sich Hella, obwohl sie lange nicht einen angenehmeren Abend verbracht hatte. Jedoch vor den klaren Augen des Provinzonkels den Betrug weiterzuführen, widerstand ihr gründ­lich. Sie sagte dies auch am nächsten Morgen ihrem Bruder, welcher ebenfalls eine sorgenvolle Miene machte. Soeben war sein Freund dage- wesen in heller Verzweiflung und hatte erklärt, daß Onkel Fritz noch hier bleibe, cr unterhalte sich zu gut; er wollte heute als Revanche die ganze Gesellschaft in ein Vergnügungslokal mitnehmen.

Bald trat Dr. Meistpumper bei Fräulein Hella mit wahrer Leichenbittermiene in Begleitung sei­nes Freundes Leonhard ein: „Ich danke Ihnen für das große Opfer, welches Sie mir gestern gebracht haben, leider war es umfbnft, denn ich fehe recht gut ein, daß Sie heute nicht mehr mittun werden! Nun bin ich verloren!"

„Das würde ich Ihnen beinahe gönnen!" sagte Hella, „aber nicht dem armen Mädchen." Und sie ließ sich leicht bereden.

Hella mußte sich wieder ganz dem Provinzonkel widmen, was keine schwere Aufgabe schien, da On­kel Fritz ein sehr angenehmer Gesellschafter war, obwohl er heute zuweilen recht ernst schien. Fräu­lein Hella war zerstreut. Als man abends im Saale eines Parkes Sperrsitze für eine Schauspie- lertruppe genommen hatte, schienen beide kaum zuzuhören. Zuletzt war Hella ganz nervös, sie wollte in den Park hinaus, die frische Abeudluft ge­nießen. Onkel Fritz behauptete, daß auch ihn die Hitze angreife und bat, sie begleiten zu dürfen. Dann trat eine lange Pause ein. Hella, die fort­während grübelte, wie sie sich aus ihrer fchiefen Lage dem Onkel gegenüber befreien könne, war noch zerstreuter als kurz vorher. Ja, wenn er der alte Griesgram gewesen wäre, wie ihn Dr. Meist­pumper geschildert hatte, aber diesem ehrlichen, seelenguten Mann gegenüber eine solche Rolle zu spielen, pfui!

Endlich sagte er: „Ich langweile Sie Wohl? entziehe Sie Ihrem Bräutigam? Sie lieben ihn Wohl sehr?"

„Nein!" sagte sie, noch ganz in ihren Gedanken vertieft.

„Nein? Nun, er ist doch Ihr Bräutigam?" „Ich bin nicht verlobt! O, verzeihen Sie, ich kann Sie nicht belügen, nicht mehr belügen."

Und sie erzählte alles, wie sie nur wegen des armen Mädchens sich herbeigelassen habe, diese Nolle zu spielen, um den jungen Leuten ihr Glück begründen zu helfen. „O, bitte, bitte, lassen Sie es dem armen verlobten Paare nicht entgelten!" So schloß Hella.

Aber der Betrogene mußte wohl sehr stark zür­nen, beim da Hella eben bittend feine Hände er­greifen wollte, sprang er von der Bank in die Höhe und rannte einigemale heftig vor dieser auf und ab, plötzlich hielt er inne. Jetzt wird Wohl der Sturm losbrechen, sagte sich Hella erschrocken. Aber Onkel Fritz fragte nur zögernd:

„Fräulein Hella sind — sind gewiß nicht mei­nes Neffen Braut, überhaupt nicht Braut? Sie sagten doch . . ."

Hella mußte unwillkürlich lächeln: „Es will mich vielleicht keiner."

„Will Sie keiner? Oho!" Und Onkel Fritz lachte herzerschütternd: „Ha, ha, ha, ha, und ob er will! Ha, ha, ha, ha! »Verzeihen Sie, es ist nur, weil ich so glücklich bin, ich alter Narr! Nicht feine Braut! Nun kann noch alles gut werden! Ja, liebe, liebe Hella, kann es?"

Und sich an Hellas Seite niederlasieiid, indem er ihre leicht zitternden Hände erfaßte, suchten seine klaren Augen ihr Inneres zu ergründen. Sie sah still zu ihm empor, und als seine Lippen die ihrigen streiften, sträubte sie sich nicht.

Am andern Morgen erschien Dr. Meistpumper wieder in heller Verzweiflung bei dem Geschwister- paar. „Es ist zum wahnsinnig werden. Der Onkel geht, scheint es, überhaupt nicht mehr fort. Sie waren zu liebenswürdig mit ihm, gute Hella! Er singt und pfeift feit sechs Uhr morgens wie eine Drossel. Jetzt ist er ausgegangen, um Ein­käufe für meine Braut zu besorgen. Ich habe diese Zeit benutzt, zu Ihnen zu eilen, aber ich wage es selber nicht mehr, Sie zu bitten . . ."

„Diesen Mann, die Aufrichtigkeit selber, weiter zu betrügen? — Nein, dazu gebe ich meine Hand nicht mehr her!"

Hier war nichts mehr zu machen, er mußte sich in sein Schicksal fügen. Plötzlich trat jedoch Hella auf ihn zu: „Alles gerettet!" rief sie, „das arme Mädchen, Ihre Braut, soll glücklich werden!"

Ach, richtig, er hatte ja eine „Braut".

„Der Onkel weiß alles", fuhr Hella fort, „er hat mir versprochen, Ihnen zu vergeben und willigt in Ihre Heirat mit dem armen Mädchen. Wir feiern heute abend bei »ns Ihre Verlobung. Ich lade Ihre Braut dazu ein und werde mich unendlich freuen, ihr dieses Glück selbst zu ver­künden." Und damit schwebte die schöne Hella stolz zur Tür hinaus.

Die Freunde brachen in ein krampfhaftes Ge­lächter aus. Na, da waren sie schön hereingefallen. Aber bald sollte Dr. Meistpumper das Lachen ver­gehen. Als er reuig dem Onkel gestand, daß es mit seiner Verlobung zu Ende sei und er ledig bleiben wolle, meinte der Onkel lachend: „Na, da werde halt ich die Verlobung feiern müssen, da sich Deine Exbraut dazu entschlossen hat, meine Frau zu werd-« "

Dr. Meistpumper war wie aus den Wolken ge­fallen. Der Onkel heiratete ihm die schöne Hella vor der Nase weg. Und da mußte ja auch die Geldquelle versiegen. „Nun ade, Du mein schönes Pumptalent!" jammerte er innerlich.

Doch Tante Hella war großmütig. Sie setzte bei Onkel Fritz durch, daß er seinem Neffen regel­mäßig jedes Quartal ein ansehnliches Taschengeld zukommen ließ.

Uer^lkhnls der Neuanschaffungen der Ständischen LandeMWothek zu Fulda im EtatsjcchrMS «April 1905-März 1906.) (Fortsetzung.)

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