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RatationrbruS u.

Fulda, Dienstag den 19. Juni 1906.

M 138.

(Nachdruck verboten.)

29]

Verantwortlicher

Schriftleiter: 3. Bannt;

unterworfen ist wie

Sein Glück war Glück.

Nicht der äußere

dahin, sein holdes, holdes 15.

Erfolg verleiht den Helden»

33, Jahrgang

Verlag der Fuldaer Ae- Üendruckerei in Zulda, Zernsprecher Nr. 9.

Vie Helden der vendee.

historische Erzählung aus den Tagen der ftanzö- “ fischen Revolution.

Von Gustav Jordan.

Monatrbeilage: „Zuldaer Gtschichirblätier"

erscheint täglich, «N p.nrnahme der Sonn« undHeiertage. Viertel» jährl.vezngrprei» ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Hulda und aurwiirtriMI.SVPsg.

Z. parzeller in Zulda. roodjeitbtnage: „ZlluftttetteSonntagrzeitung"

große Mann, der Held, Tränen, um erkennen zu lassen, daß er denselben Gesetzen des Empfindens der gewöhnliche Sterbliche?

„Ich hole einen Arzt!" sagte er.

„Soll ich allein sterben?" erwiderte sie. Aber Heinrich war schon an die Kirchentüre gelaufen, hatte dort einen seiner Gefährten getroffen und ihm gesagt, daß hier ein Schwerverwundeter liege, er solle sofort den Arzt hierherschicken. Dann kehrte er zu Lucie zurück. Die lag stumm, sinneitd da, ihre Augen hafteten mit träumerischen! Aus­druck an Heinrich. Plötzlich regte es sich in ihr.

„Heinrich," sagte sie stockend, als fürchte sie das, was sie sagte, „ich glaube, ich habe die heilige Jungfrau täuschen wollen, als ich mich vor Dich hinstellte. Sie werden Dich aus dem Hinterhalte morden, den sie im freien Kampffelde nicht er­legen können. Du fürchtest ja den Tod nicht, wir sehen uns bald wieder."

„Lucie!" Heinrich küßte ihre bleichen Lippen. Sie schloß ihre Augen. Heinrich lauschte auf ihren Atem, der langsamer und langsamer ging. Da begann die Glocke zwölf Uhr zu schlagen. Mit schwerem Klange erfüllten die mächtigen Töne den Raum. Beim letzten Schlage öffnete sie noch ein­mal die Augen, Heinrich beugte sich über sie — der Hall verschwebte, und mit ihm schwebte eine reine Seele zum Himmel empor.

Zwei Stunden blieb Heinrich bei der Toten, in tiefes Sinnen verloren, von wildem Schmerze durchzuckt. Niemand störte ihn. An den Arzt mochte der Auftrag nicht gekommen sein und er konnte jetzt auch nicht mehr helfen.

„Mein Glück ist hin, mein holdes Glück!" sagte er leise, indem er mit inniger Rührung die ge­brochene Gestalt vor sich sah, die einst vom Sonnen­schein des Lebens umglänzte Tochter des mächtigen Vicomte von Bressuires, tot, in ärmlichen Bauern­kleidern, zusammengesuchte Waffenstücke am Leibe, aber eine Heldin!

Sein Glück war hin! — Aber war es nicht auch ein Glück sondergleichen, eine hohe Begnadigung von Gott, daß er dies Heldenweib hatte sein nen­nen dürfen, sie, die durch alle Not des Lebens drang, um zu ihm zu kommen, um ihn zu retten?

Deutsches Keich.

Berlin, den 18. Juni 1906.

♦ Der Staatssekretär des Reichsmarine­amts Admirals von Tirpitz soll nach einer Blättermeldung nächstens aus dem Amte scheiden wollen. Dies Gerücht, das in erster Linie von den Hamburger Nachrichten' aufgebracht ist, stützt sich auf den Umstand, daß Admiral v. Tirpitz nach Erledigung des Flottengesetzes keinen Dank und keine Anerkennung vom Kaiser erhalten habe. Das genannte Blatt behauptet, der Staatssekretär habe bereits fein Abschieds­gesuch eingereicht, und in Marinekreisen werde der Vizeadmiral von Ahlefeld als sein Nach­folger genannt. Die ,Nat.-Ztg.' erklärt die Nachricht auf Grund einer Information „aus erster Quelle" als „jeglicher Begründung ent­behrend", und die Post' versichert, Herr v. Tir­pitz denke zur Zeit garnicht daran, sich von feier Stellung zurückzuziehen.

* Die Versetzung des Oberpräsidenten Freiherrn von Wilmowski von Schleswig nach Magdeburg ist, wie es in verschiedenen Blättern heißt, nunmehr genehmigt und die Ernennung des Geheimen Oberregierungsrats von Valentini im Geheimen Zivil-Kabinett zum Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O. vollzogen worden, ebenso die Bestallung des bisherigen Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O. von Dewitz zum Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein.

* Der Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. Paasche wehrt sich in der .Natt. Korr/dagegen, daß er auf dem nationalliberalen Parteitag in Kiel die Kolonien als „Abladestelle für ver-

kämpfen ihren Wert, und oft überstrahlt der Ruhm der Besiegten den der Sieger. Wer rühmt in der Schlacht von Thermopylä die Perser, welche nach dem Tode der Spartaner siegreich in Griechen­land eindrangen? Und der Ruhm des Leonidas unl» seiner Schar ist unvergänglich.

Die Vendeer setzten ihr Alles ein für Thron und Altar. Ihre Begeisterung für ihre Sache war groß, ebenso wie ihre Empörung über das Treiben der Republik.

Der sittliche Zorn der Vendeer über das frevel­hafte Tun der Jakobiner war sogar mehr die Triebfeder für ihre Erhebung, als etwa ein klar durchdachter, eigentlich staatlicher Zweck. Die All­gemeinheit ihrer Erhebung überraschte sie selber, ihre ersten Erfolge ließen sie an den endgiltigen Sieg ihrer guten Sache glauben. Aber das un­

„Jch darf, ich will nicht klagen," sagte er leise. Da trat einer seiner Hauptleute in die Kirche. „Was tut Ihr hier, General?" fragte er er­staunt.

„Ich denke über mein Glück nach", erwiderte Heinrich mit tränenerstickter Stimme; „es ver­wirrt mich. Alles kommt von Gott.

Und er ging mit dem Offizier hinaus, um zu den Pflichten seines Feldherrnarntes zurückzu­kehren.

Dem Heldenmädchen ward ein großartiges Be- gräbnis zuteil. An der Spitze der Leidtragenden schritt Heinrich, den Hut in der Hand, den die Heldin ihm geholt. Und als der Sarg unter den dumpfen Wirbeln seiner Trommler sich in die Erde senkte, da gab er ihr seinen Hut mit. Und jetzt zum erstenmale übermannte ihn eine Schwäche. Er brach in Tränen aus. Aber hat nicht auch der

„Ich hatte", sagte sie jetzt mit matter Stimme, s,die heilige Jungfrau gebeten, mir ein Zeichen zu geben, wie ich Dir und den Landsleuten nützlich isein könne, und fragte sie, was Dein Schicksal sein 'werbe. Im Traum sagte sie mir, Du werdest einst aus dem Hinterhalte getötet werden. Seit- Dem wollte ich schützend um Dich sein; heute wollte Dich eine Kugel aus dem Hinterhalte treffen ,ich Habe sie von Dir abgehalten. Ich sterbe für Dich, Erhalte Dich dem Vaterlande, ich sterbe für die Heimat!"

! „Lucie, sprich nicht so schreckliche Worte; Du sollst leben für mich und das Vaterland!"

i „Nein, nein, Heinrich, ich weiß das*besser. Glaube mir, ich lebte nur noch fo lange, um für Wich zu sterben. O, ich war so krank, so schwach, Du weißt es nicht. Tage und Nächte bin ich um- jhergeirrt, ohne Weg, ohne Nahrung, ohne Schuhe, Her Gedanke an Dich hielt mich aufrecht. Als die Miauen kamen, flüchtete ich mich in die Höhlung eines Baumes und wohnte dort zwei Tage lang. Frost und Fieberschauer schüttelten mich — aber die Kraft, zu Dir zu kommen, hatte ich, um Dich vom Tode zu retten. Und wenn mich nicht die Kugel getroffen hätte, meine Kräfte hätten an sich versagt."

- Heinrich suchte es der Verwundeten bequem zu Machen, er löste ihren Panzer, er nahm ihr den Helm ab, und von der Last befreit, fluteten ihre üppigen dunklen Haare in glänzenden Wellen herunter. Wie schön die Heldin aussah, aber auch wie bleich! Ein krankhafter Glanz strahlte aus lihren Augen, und ihr Atem ging unregelmäßig. Heinrich ward von einer tötlichen Angst erfaßt.

des Herrn Jesko von Puttkamer festgestellt sind. Diese Tatsachen genügen, um in den Augen aller rechtlich Denkenden die Unterlaffung eines Dis­ziplinarverfahrens gegen Herrn von Puttkamer als unmöglich erscheinen zu laffen, wenn nicht die Bestimmungen über das Disziplinarverfahren gegen Beamte zur Farce werden soll. Wie die Dinge jetzt liegen, steht bei dem „Fall Puttkamer" nicht mehr Herr von Puttkamer allein in Fra^e, sondern mit ihm sein Vorgesetzter, der derzeitige stellvertretende Kolonialdirektor Erbprinz zu Hohenlohe, der im Reichstage, d. h. vor dem ganzen deuffchen Volke erklärt hat, er werde „Ordnung schaffen" in der Kolonialver­waltung. In dem „Fall Puttkamer" ist die erste Gelegenheit für den Erbprinzen zu Hohenlohe gegeben, sein Wort einzulösen, und gleichzeitig zu zeigen, daß er das „Vertrauen" verdient, in welches er im Laufe der letzten Kolonialdebatten im Reichstage mehrfach gebeten hat. Wenn nicht Diejenigen Recht behalten sollen, welche die Besorgnisse hegten, es werde dem, Erbprinzen $u Hohenlohe nicht gelingen, die nötige Strenge ttt Personalangelegenheiten walten zu lassen, so muß der Erbprinz jetzt seine volle Autorität in die Wagfchale werfen. Andernfalls ist es unaus­bleiblich, daß der Fall Puttkamer sich zu einem Fall Hohenlohe auswächst. Dann aber ist es auch gründlichst vorbei mit jebentVer­trauen weiter Kreise der Volksvertretung und des Volkes zu der „Kolonial-Aera Hohenlohe", und was unter dem Schwinden dieses Vertrauens zu leiden haben wird, das sind schließlich die Interessen unserer Kolonien selbst.

*** Zum „Jan putttamer".

Als im Reichstage die Angelegenheiten des .bisherigen Gouverneurs von Kamerun, des viü- genannten Herrn Jesko v. Puttkamer, erörtert ^wurden, gab es wohl im Deutschen Reiche außer Herrn Dr. Arendt niemanden, der nicht der An­schauung gewesen wäre, daß Herr v. Puttkamer ein „ausgezeichnetes Okffett" für eine Disziplinär- Untersuchung mit nachfolgendem scharfen Urteil bilde. Alle Welt erwartete, daß Herr v. Putt­kamer zur Rechenschaft gezogen wurde für die vielfachen und zum Teil schweren Verfehlungen, 'bte er sich hat zuschulden komme« lassen. Seit» her sind Wochen auf Wochen ins Land ge­gangen, ohne daß man von der (Anleitung einer Di Zziplinaruntersuchung gegen den ehemaligen Pascha von Kamerun etwas hörte, und schließlich überraschte die ,®ermania' die Oeffentlichkeit mit der Nachricht, Herr v. Puttkamer sei ohne jede Belästigung durch ein Disziplinarverfahren auf seinen Wunsch mit einer Pension von rund 12000 Mark in den „Ruhestand" übergetreten. Diese letztere Nachricht scheint allerdings den Tatsachen etwas vorauszueilen, denn wie es jetzt heißt, ist die Pensionierung deS Herrn von Puttkamer zwar so gut wie sicher, aber noch nicht erfolgt.

Die f greifinnige Zeitung', welche von diesem Stand der Dinge Meldung macht, ist in der Lage igeroefen, die Angaben der ,Germania' über den pon dem Personalreferenten in der Kolonialab- seilung des Auswärtigen Amtes, dem Geheimen Legattonsrat Rose, erstatteten Bericht in der An­gelegenheit v. Puttkamer nicht nur vollinhaltlich zu bestätigen, fonbem noch in bemerkenswerter Meise zu ergänzen. Danach kann kein Zweifel mehr daran bestehen, daß die Unterlaffung deS Disziplinarverfahrens gegen Herrn v. Puttkamer unter anderem in dem Bericht mit der Bemerkung zu rechtfertigen versucht wird, Herr v. Putt­kamer selbst habe die Sinteitung des Diszi­plinarverfahrens als „nicht angebracht" be­zeichnet. Die .Freisinnige Zeitung' fügt hinzu, nach dem Bericht werde daS Disziplinarverfahren auch für „nicht im öffentlichen Interesse liegend" erklärt. Nach dem genannten Blatte 'geht der Bericht deS Geheimen LegationSratS Rose sogar soweit, noch jetzt für Herrn v. Putt­kamer in der bekannten Paßangelegenheit die „Gutgläubigkeit" in Anspruch zunehmen, obwohl es nach den Mitteilungen der freisinnigen Ztg.' feststeht, daß Herr v. Puttkamer selbst den falschen Paß ausgefertigt hat, weil er fürchtete, daß die Gouvernementsbeamten dem Befehl, der „Rouftne" einen Paß auf einen offensichtlich falschen Namen auszustellen. Widerstand entgegen­setzen würden. Der zuständige Gouvernements- Iekretär hat aber nicht unterlassen, die Verab- olgung eines gestempelten PaßformularS an ?errn v. Puttkamer in dem Paßregister zu ver­zeichnen. Schließlich fügt die freisinnige Zeitung' ihren Mitteilungen aus dem Bericht des Geheimen Legationsrats Rose noch die hinzu, Herrn v. Puttkamers Wiederhinaussendung nach Kamerun werde als untunlich bezeichnet, weil Herr v. Puttkamer bestimmten Gesellschaften anscheinend 'zuweitgehende Vergünstigungen eingeräumt habe.

Was diese letzte Bemerkung eigentlich besagt, ist noch nicht aufgeklärt. Es ist das auch zu­nächst belanglos gegenüber den Tatsachen, die bereits mit Bezug auf die Kameruner Laufbahn

beigeführt hat, am zweckmäßigsten begegnet wer­den könne.

* Ein neuer Metallarbeiterverband ist in­folge von Zerwürfnissen innerhalb der sozial­demokratischen Organisation der Berliner Metall­arbeiter am Sonntag in Berlin gegründet worden. Damit ist in der größten deutschen Arbeiterorganisation eine Spaltung eingetreten. Der ,Vorwärts' hatte noch am Samstag dringend vor einem solchen Schritt gewarnt. Der neue Verband trägt ein radikaleres Gepräge, da er im Unterschied vom alten Verband nicht unter allen Umständen für den Abschluß kollektiver Arbeitsverträge ist, sondern nur dort, wo sie für die Arbeiterschaft günstig wirken. Zur Be­gründung deS Abfalls führte der frühere zweite Berliner Ortsbevollmächtigte im Metallarbeiter­verband Wiesenthal die Rechtlosmachung ganzer Branchen im Verband, die verkehrte Streiktaktik und die Diktaktur der Ortsverwal­tung des Metallarbeiterverbandes an. Die neue Vereinigung führt den Namen „Allgemeiner deutscher Metallarbeiterverband" und hat ihren Sitz in Berlin. Sie erstreckt sich über das Zoll­gebiet des deutschen Reichs und hat den Zweck, die Ehren, sowie die materiellen und geistigen Interessen der Mitglieder nach Maßgabe des Paragraphen 152 der Gewerbeordnung zu wahren und zu fördern. Die Unterstützung der erwerbslosen Mitglieder ist höher als im alten Verband; bei großen Streiks und AuS- Sperrungen, die mehr als 10 Prozent der Mit­glieder treffen, kann die Unterstützung herab­gesetzt werden. Im Gegensatz zu dem alten Verband ist die Machtbefugnis des Vorstände- durch eine Beschwerdekommission eingeschränkt.

* Zigarettensteuer. Die,Nordd. Allg. Ztg.' meldet, das in Nr. 31 des Reichsgesetzblattes veröffentlichte Zigarettensteuergesetz vom 3. Juni tritt am 1. Juli in Kraft. Nach dem Gesetz« sind sämtliche Personen, die gewerbsmäßig Zi­garetten, Zigarettentaback, ZigarrettenhÜlsen oder Zigarettenblättchen Herstellen, ebenso sämtlich« Personen, die sich gewerbsmäßig mit dem Ver­kaufe der angeführten Waren befassen, verpflich­tet, dies der Steuerbehörde (Steueramt, Zollamt, in dessen Bezirk die Fabrik oder Verkaufsstelle liegt) sofort noch vor dem 1. Juli anju» melden. Die Anmeldung der Hersteller von Zigarettentaback, Zigaretten und Zigarettenhülsen hat schriftlich in doppelter Ausfertigung zu er­folgen. Sie muß auch die Bezeichnung der Waren, sowie eine Angabe darüber enthalten, ob und in welchen Räumenein Kleinverkauf statifindet. Der Hersteller hat gleichzeitig. mit der Anmeldung eine Beschreibung der Betriebs­und Lagerräume, sowie den damit in Verbindung stehenden, unmittelbar angrenzenden Räumen vor« znlegen. Ferner haben die Verkäufer und Händ­ler ein Verzeichnis der am 1. Juli in ihrem Be­sitze befindlichen Vorräte an Zigaretten, Ziga­rettentaback, Zigarettenhülsen und Zigaretten­blättchen unter Angabe des Kleinverkaufspreises des Zigarettentabaks und der Zigaretten, sowie der Stückzahl der Hülsen und Blättchen aufzu­stellen und spätestens bis 7. Juli ebenfalls in doppelter Ausfertigung der Steuerbehörde einzu­reichen. Für die Anzeigen und Anmeldungen ist ein bestimmtes Formular nicht vorgeschrieben.

.'. Die Schulgesetzkommission des Herren­hauses begann am Montag vormittag ihre Beratungen über das Schulunterhaltungsgesetz. Es wurde beschlossen, zwei Lesungen abzuhalten.

geheure Schicksal, das aus der französischen Revo­lution emporstieg und einer finsteren Wolke gleich sich über ganz Europa lagerte, vernichtete auch sie. In Strömen Bluts ward die Bewegung erstickt, nach verzweifelter Gegenwehr, nach krampfhaften Zuckungen erstarb sie. Der Genius der Mensch­heit verhüllt weinend sein Haupt, denkt er per unzähligen Menschenleben, die hier in einem mör­derischen Bruderkriege dahingeschlachtet wurden.

Die Vendeer bereinigten sich alle zu einer großen Unternehmung gegen Nantes. Cathelineau ward Oberbefehlshaber aller Heerhaufen. Er zog mit der Armee von Anjou auf dem rechten Ufer der Loire aus gegen Nantes, während Charette von der Küste aus gegen die Stadt vorrücken sollte. Zwölftausend Mann Linientruppen unter Canc- laux lagen in der Stadt, zum äußersten Wider­stand'enffchlossen. Der Sturm, den Cathelineau unternahm, schlug fehl, er selber ward tödlich ver­wundet, und die Vendeer mußten den Rückzug an­treten. Hiermit trat der Wendepunkt in der Ge­schichte dieses merkwürdigen Krieges ein. Zwar erfochten die tapferen Vendeer noch manchen ruhm­reichen Sieg, aber der Kampf nahm einen anderen Charakter an: die Vendeer leisteten nur noch einen verzweifelten Widerstand gegen die Republik, deren Truppen allmählich immer weiter vordran- gen, während sie vorher an der Wiederherstellung der monarchischen Staatsform gedacht hatten. Ihre frohe Zuversicht schwand, und die Führer setzten den Kampf fort, weil ihre Ehre e§ gebot, aus Hingebung für die Sache, aus Ehrgeiz uni Tatendrang, aber mit der immer sich steigernden Gewißheit, für eine verlorene Sache zu kämpfen.

Der Heldenmut Heinrichs des Larochejacque- lein zeigte sich in diesen furchtbaren Zeiten auf das glänzendste. In seinem Inneren fühlte er, daß jeder neue Tag, den er erlebe, nur eine Ver­längerung der Fr.ist sei, die ihm gegeben, aber beit inneren Glauben an die Wahrheit feiner Sache gab er nicht auf. Er sah sich als einen Blutzeugen an für das angestammte Recht. DaS gab feinem

krachte abelige Existenzen" bezeichnet habe. Er meint, fteifinnige unb sozialdemokratische Organe hätten diese Meldung gebracht und daran mehr ober weniger liebenswürdige Kommentare ge­knüpft. Er legt Gewicht darauf, festzustellen, daß er etwa- ganz anderes, als ihm unter­geschoben werde, gesagt habe. Nach einer Be- sprechung der traurigen Lage, in die unsere süd­westafrikanische Kolonie durch den Aufstand und die ungeheueren Verpflegungsfchwierigkeiten ge­kommen ist, habe er zum Schluß hervorgehoben, daß es Aufgabe der Kolonieverwaltung sei, nach Beendigung de- Kampfes die Kulturarbeit in der Kolonie zielbewußt zu fördern, namentlich Plan- tagewesen und Ansiedelung zu heben, und er habe bann hinzugefügt, daß man, um diese schwierige Aufgabe zu erfüllen, die besten Kräfte, die Deutsch­land unter seinen Beamten habe, hinausschicken solle, um den Verdächtigungen der Kolonialgeg­ner den Boden zu entziehen, als ob die Kolonien die Abladestelle für verkrachte adelige Existenzen seien." — Zunächst ist demgegenüber festzustellen, daß die von Prof. Dr. Paasche bestrittene Les­art seiner Ausführungen in Hamburg nicht aus reistnnigen und sozialdemokratischen Organen lammt, sondern aus einem der ,Natl. Korresp.' ehr nahe verwandten Blatte, nämlich der,Nat.» Ztg.' Die Version, welche Prof. Dr. Paasche selbst billigt, klingt übrigens dem Sinne nach nicht viel anders, als die bestrittene Lesart, denn wenn Prof. Dr. Pa.ssche für die Zukunft „die besten Kräfte" in die Kolonien geschickt wissen will, so gibt er indirekt zu, daß das bisher nicht geschehen ist. Und damit hat er, wie eben die Tatsachen bewiesen haben, vollständig recht.

* In der am 16. Juni unter dem Vorsitze des Staatsministers, Staatssekretär des Innern, Dr. Grasen v. Posadowsky-Wehner abge­haltenen Plenarsitzung des Bundesrates wurden, wie der,Reichsanz.' mitteilt, die Vorlagen betr. Verleihung der im § 11 des Schutzgebietes vor­gesehenen "Rechte an die „Deutsch-Ostafrikanische Kautschuk-Gesellschaft" und betr. die Verleihung der Rechtsfähigkeit an den Verein der Tempel- Gesellschaft in Jerusalem, den zuständigen Aus­schüssen überwiesen. Zustimmung fanden die Aus- chuß-Anträge betr. die Ausführungs- Be- timmungen zum Erbschaftssteuer - Ge- etze, zum Zigarettensteuer-Gesetze, zum Brausteuer - Gesetze, über die Stempel­abgabe von Erlaubniskarten für Kraftfahr­zeuge, über die Besteuerung der Vergütun­gen von Aufsichtsrats-Mitgliedern, über die Stempelabgabe von Personen-Fahr­karten und von Frachturkunden. Zuge­stimmt wurdd ferner den Ausschuß-Berichten über die Vorlagen betr. Abänderung der Vorschriften über die Herstellung der Quittungs - Karten für die Jnvaliden-Versicherung, betr. die Einrichtung und Ueberwachung öffentlicher Wasserversorgungs- Anstalten und betr. die Errichtung einer Jnva- liden-Witwen- und Versicherungs-Kasse der See- Berufsgenossenschaft. Der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß - Lothringen betr. das Beschlagwesen wurde angenommen.

* Der Apothekerrat ist unter dem Vorsitze des Ministerialdirektors Dr. Förster am Montag zur Beratung verschiedener Fragen aus dem Ge­biete des Apothekerwesens zu einer Sitzung im Kultusministerium zusammengetreten. Gegenstand der Beratung bildet u. a. die Frage, wie den Schwierigkeiten, welche das Warenschutzgesetz vom 12. Mai 1894 für den Arzneimittelverkehr her-

Maer W Zeitung