»rsch<Utt tS gtt», «d »«.nähme Ott Son» ubO Seiet tagt. Viertel» Mri. Bezug,pret, ohne Sringerlohn und vekellgeld in 8«lda und anrwärtr l M. 50 pfg.
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Rotationsdruck n. Verlag der 8«ldaer 2k* tie«*ruderet tu Hulda. Zernfprecher Ur. 9.
33. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch den 13. Juni 1906.
Jß 134.
Erstes WLcrtt
Ausland.
* Der Ehef des österreichischen General stabeS, Freiherr v.Beckh, feierte am Montag fein 25jLhrigeS Jubiläum tn diesem Amte und sein bOjähriges als Angehöriger der öfter»
MF* Wegen des hl. Fronleich» «««festes wird die nächste Nummer un- ferer Zeitung erst am Freitag ansgegeven.
reichisch-ungarischea Armee. AuS diesem Anlässe richtete Kaiser Franz Joseph ein Handschreiben an ihn, das seine Verdienste würdigt und ihn in Hn erblichen Adelstand erhebt.
* Die europäische Lage io österreichischer Verrichtung. In der Montagssitzung des Ausschusses ür auswärtige Angelegenheiten der ungarischen Delegation hielt der Minister des Aeußern G o • 1 uchowSki eine längere Rede, der wir die folgenden Sätze entnehmen: Durch engen Zusammenschluß mit unseren Verbündeten, gestützt auf daS zu einer erfreulichen Intimität sich verdichtende Verhältnis zu Rußland, und im vollen (3e- nuß der sympathischen Gesinnungen aller übrigen Mächte konnten wir unentwegt die Ziele unserer Politik verfolgen. Im Zeichen der vertrauens- vollen Uebereinstimmung bewegen sich ebenso tote e zuvor unsere Beziehungen zum deutschen Reiche. Nicht minder befrtedr- gend ist daS Verhältnis zu unseren i t a l i e n i - chen Verbündeten. Die durch unverant- wörtliche Kreise unternommenen Versuche, durch künstlich hervorgerufene Dissonanzen dieses gute Einvernehmen zu stören und Unfrieden zu stiften, cheitern sowohl an den beiderseitigen redlichen Bemühungen, die ab und zu zum Vorschein kommenden Verstimmungen baldigst aus der Welt zu schaffen, als auch an der korrekten Haltung der italienischen Regierung, die stets bestrebt ist, chre bundestreuen Gesinnungen loyal zu betätigen. Diesem festgefügten Unterbau gliedert sich wirkungsvoll die Verständigung mit Ruß- and über die Behandlung der nächsten, den Orient betreffenden Fragen an, eine Verständigung, die bereits viele gute Früchte getragen hat. Der Minister führte weiter auS, die auf Grund dieses Uebereinkommens eingeleitete R e f o r in - aktion in der Türkei lasse erhoffen, daß ’ie trotz vielfacher Schwierigkeiten und trotz der tendenziösen Bemühungen mißgünstiger Kritiker, welche dieselbe als eine aussichtslose Arbeit hm< stellen möchten, einem greifbaren Erfolge zuge- ugt werden kann. Bezüglich des griechisch-rumänischen Konfliktes erklärt der Minister: Man darf erwarten, daß in Kürze eine Verständigung zustandekommen wird, an der wir nötigenfalls hilfreiche Hand leisten. Längere Ausführungen widmet der Minister der Marokkofrage. Er erwähnt die Verhandlungen, die zu der Einberufung der Konferenz führten, und erklärt^ Oesterreich als stark mitintereffierter Faktor schloß sich der Auffassung Deutschlands an und vereinbarte mit ihm ein gemeinschaftliches aus Schaffung hinreichender Garantien zur Wahrung der internationalen Gleichberechtigung hinzielendes Vorgehen. Die Einberufung der Konferenz bedeute noch lange nicht die Lösung der Frage angesichts der schroff zutage getretenen, sich immer mehr zuspitzenden Gegensätze zwischen Deutschland und Frankreich, die schließlich einen so akute» Charakter gewannen, daß sogar optimistische Beurteiler der Sachlage sich nicht mehr der Gefahr eines refultatlosen Auseinandergehens der Konferenz verschließen konnten. Da hielt Oesterreich- llugarn mit Rücksicht auf das Bundesverhältitts zum deutschen Reiche und die langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zu Frankreich den Augenblick für gekommen, vermittelnd einzugreifen. Mit dem Ergebnisse dieser jede Parteilichkeit vermeidenden Tätigkeit dürfe Oesterreich-Ungarn sich schmeicheln, den Fri I enSinter- essen Europas einen erheblichen, Dienst geleistet zu haben. Mit Zufriedenheit könne man heute auf den Abschluß der Streitfrage zurückblicken zu deren Schlichtung das österreichisch-ungarische Kabinett in voller Ueberzeugungstreue redlich beigetragen habe.
* Demonstration gegen Ungarn. In der am Sonntag nachmittag abgehaltenen zweiten Vollversammlung der ungarischen Delegation wurden die Ansschußwahlen vorgenommen. Während der Wahlen erschienen Teilnehmer an einer im Rathause abgehaltenen christlich-sozialen Volksversammlung vor dem ungarischen Ministerpalais in der Bankgasse in Wien, wo die ungarische Delegation tagte,und demonstrierten vor dem Ministerpalais. Der Präsident hob deshalb die Sitzung auf. Nach Wiederaufnahme derselben führte der Delegierte Rakorozky Beschwerde wegen der Demonstration und beschuldigte die österreichische Regierung, mit im Spiele zu fein. Auch Barabas meinte, daß die Demonstration höheren Ortes in Szene gefetzt worden fei. Ministerpräsident Wekerle erklärte, man müsse die volle Freiheit der Beratungen nach jeder Richtung hin sichern; er halte eS für ausgeschlossen, daß solche Dinge unter Mitwirkung der österreichischen Regierung geschehen und fet überzeugt, daß die österreichische Regierung der Demonstration völlig fernstehe. Während der Demonstration wurde durch ein geöffnete- Fenster des Gebäude- ein offenes Messer geschleudert, das dicht am Kopfe deS Chefs deS ungarischen Preßbureaus, Ministerialrats Abranyi, vorbeiflog. I
* Die angebliche Verhaftung deutscher Offiziere in Frankreich klärt sich, wie auch von vornherein zu erwarten war, in durchaus barm» , loser Weise auf. Aus Straßburg wird nämlich gemeldet, daß der Luftballon von dort am Donnerstag voriger Woche aufstieg und nach 20» ! stündiger Fahrt in Cognac in Frankreich glücklich landete. Der Führer des Ballons war Oberleutnant-Lohmüller vom 132. Regiment, die ■ anderen drei Mitfahrer waren Zivilpersonen, । daoon sogar ein Schweizer. Die Ausfahrt wurde ! veranstaltet vom oberrheinischen Verein für Luft- . schiffahrt, also nicht in offizieller Mission. Ober«.
Presse veröffentlichten Ausruf de- Zentralkomitee- zweck- Werbung von ständigen Mitgliedern verwiesen und freundlichst gebeten, »ezügliche Anmeldungen an den Vorsitzenden der Anmeldekommission Buchhändler Körngen (ö fien» West), gelangen zu lassen. (Auch die Geschäftsstelle der ,Fuld. Ztg.', sowie sämtliche Mitglieder )es Zentralkomitee- nehmen Anmeldungen ent» jegen.) Die ständigen Mitglieder erhalten all» ährlich ohne weiteres von dem Lokalkomitee hre Mitgliedkarte gegen Zahlung von 7,50 Mk. zuzüglich Porto durch Nachnahme zugestellt und )afür später die Drucksachen, auch den steno» zraphischen Bericht, selbst wenn sie nicht ander Versammlung teilnehmen sollten. Wettere Der- iflichtungen entfielen durch die Anmeldung nicht. Es sei ferner darauf hingewiesen, daß bei vor» heriger Einsendung des Beitrages von 7,50 Mk. seitens der ständigen und nichtständigen Mitglieder 30 Pfg. für Bestellgeld und Porto der Üebersendung der Karte und Drucksachen beizufügen sind. Anträge, die auf der Versamm» lung zur Verhandlung kommen sollen, werden baldigst an den Vorsitzenden der Rednerkcmmissiou Rechtsanwalt und Notar Dr. Bell zu Essen, er- beten. Die Anmeldungen zum Arbeiterfestzuge müssen unbedingt bis zum 15. Juni d. I. erfolgen, weil die Ausstellung und Ordnung des Zuges und die Gestellung der Eisenbahnzüge für die'Teilnehmer lange Vorbereitungen erfordern, die durch verspätete Anmeldungen nicht gestört werden dürfen.
* Katholikeu-Versammlung 1908. Bekanntlich haben der Pfarr-Klerus Düsseldorfs und der Zentral-Verband der katholischen Männer-Vereinigungen für Düsseldorf und Umgegend den Beschluß gefaßt, die 55. General - Versammlung im Jahre 1908 in die gastlichen Mauern der rheinischen Kunst- und Gartenstadt zu bitten. Dieser Beschluß hat sich nun schon zu einem, auch von einer Reihe namhafter Männer aus den übrigen führenden Kreisen des katholischen Düsseldorf begeistert gutgeheißenen Antrag bei der demnächst in Essen tagenden 53. General-Versamm» lung verdichtet. Düsseldorf wird ja wohl nicht die einzige Stadt fein, welche sich um die Ehre der 55. Katholikeu-Versammlung bewirbt. Von anderer Seite ist für die Tagung im Jahre 1908 auch schon auf Koblenz hingewiesen worden, weil in diesem Jahre die Stadt am Zusammenflüsse von Mosel und Rhein den 100jährigen Gedenktag der Geburt ihres großen Sohnes August Reichensperger begeht. Trotzdem dürfen, wie es scheint, die Düsseldorfer sich der Hoffnung hin- geben, daß ihr Antrag bereits in Essen die besten Aussichten auf Annahme haben werde.
.. Graf Paul Hoensbroech veröffentlicht in den ihm gesinnungsverwandten Blättern nachstehende Bitte: „Um zwei jüngeren katholischen Geistlichen von tadelloser Lebenssührung und bedeutenden Anlagen die Wahl eines anderen Berufes und das dazu nötige Studium zu ermöglichen, bedarf ich der Unterstützung hochherziger Freunde und Gesinnungsgenossen. Beiträge für dieses eminente Befreiungswerk, das nicht geringe Kosten verursacht, bitte ich, an mich nach Groß-Lichterfelde, Drakestraße 79, zu senden." Die ,®ermania' bemerkt dazu: „Wie wäre es mit einem Heirats-Gesuche, Herr Graf?": „Zwei oorurteilssreie Kavaliere von tadelloser Lebensführung und bebeutenben Anlagen . . . Damen nicht unter 100 Mill. . . . Religion Nebensache." Uns zu verraten, wer die beiden Schützlinge seien, und wie er sie für das „Evangelium" gewonnen habe, wird der Herr Graf vermutlich wieder durch daS Beichtgeheimnis verhindert sein. Vergebens werden mir ihn wohl auch fragen, wieviel Entrüstung über „Seelenfängerei mittels Geld" er auszubieten hätte, wenn von katholischer Seite ein ähnlicher Ausruf für proteftan» tische Geistliche, bte „einen anderen Beruf" ergreifen wollten, veröffentlicht würde."
% Ein Kongreß der deutschen Heilsarmee findet vom 23. bis 28. d. M. in Berlin statt. Am Sonntag, den 24. Juni, wird ein großer Demonstrationsmarfch der Heilssoldaten durch die Stadt veranstaltet, zu dem die polizeiliche Erlaubnis bereits eiugeholt ist. Der Zug beginnt um 3 Uhr nachmittags vor dem Heilsarmeequartier in der Oranienstraße, dem ehemaligen Parodietheater. Es folgen ferner eine Massen- Versammlung auf dem Tempelhofer Felde und ein Gartenfest bei Kroll. Den Abschluß bilden die Kadettenbestallung und eine „Sozial-Demon- ftration." In der Einladung heißt eS: „Dieser Kongreß soll der Anfang einer großen geistlichen Erweckung durch das ganze Deutfche Reich fein." Allgemach nimmt der Tamtam der Hellsarmee doch einen etwas unbequemen Charakter an.
* Verschiedentlich ist in der Presse daran hingewiesen worden, daß eS möglich fein müsse, ruthenische Bauern für die deutsche Feldarbei zu gewinnen. Dieser Gedanke hat in Ostgalizien eine gute Ausnahme gesunden, die sich aus dem folgenden Aufrufe deS ruthenischen Äuswande- rungs-Kornllees ergibt: „Statt bei den polnischen Gutsherren für einen elenden Lohn zu fronden, möge jeder Ruthene, der Arbell sucht, nach Deutsch- land gehen, wo er gut bezahlt und als freier Mensch behandelt wird. Das Komitee kann 100,00' । Ruthenen Arbell in Deutschland verschaffen, und wer kein Reisegeld hat, wird auf Kosten des
Komitees bis zum Arbeitsort befördert. Wer nur ' Iber den Sommer in Deutschland arbeitet, bringt icherlich einige hundert Kronen als Ersparnis ■ nach Hause." Bewähren sich die Rutheiien als gute Arbeiter, so ist ihnen und unS geholfen. Dem polnischen Saison-Arbeiter wird kein Landwirt eine Träne nachweinen.
* Eine Zusammenstellung deutscher Gutsverkäufe au Polen in den Ostmarken wird von der ,Ostd. Korreip/ veröffentlicht. Danach sind in der Zeit von Anfang April bi- Mitte Mai nicht weniger als 37 Grundstücke aus deutschem in wlnischen Besitz übergegangen. Davon entfallen auf Westpreuften 6 städtische Grundstücke und 13 Güter. In Ostpreußen ging in Ortelsburg ein Grundstück an die Polen verloren. Es soll eine wlnische Zeitung ausnehmen, welche die Agitation unter den Masuren betreiben will. In der Provinz Posen war der Verlust an städtischen Grundstücken verhältnismäßig gering. In Posen gingen zwei Grundstücke über, in Schmiege! eins, tn Zinn ebenso. An Gütern gingen 13 verloren; davon 3 im Kreise Mogilno, unter diesen das Gut Winiec der Freisran v. Seydlitz. Auch sonst sind in der Provinz Posen wichtige Güter und Wirtschaften verloren gegangen. Diesen 37 Fällen, in denen im Lause von anderthalb Monaten deutscher Grund und Boden in polnischen Besitz überging, stehen genau sechs gegenüber, in denen das Umgekehrte der Fall war!
* Bei der Beratung des Postetats, die in diesem Frühjahr im deutschen Reichstage ftatt- fand, wurde dem lebhaften Bedauern darüber Ausdruckgeaeben,daß die deutschenStädte- namen in Ungarn aus den amtlichen Verzeichnissen völlig verschwunden seien, und daß die deutsche Regierung es nicht einmal ha'be durchsetzen können, daß diese Nomen neben den ungarischen in das internationale Verzeichnis der Telegraphenan stalten ausgenommen wurden. Immerhin aber nehmen die deutschen Telegraphenämter Telegramme nach deutsch bezeichneten ungarischen Orten an. Die Vertauschung des deutschen Namens des Bestimmungsortes mit dem ungarischen wird bann von der deutschen Verwaltung besorgt. Die deutschen Eisenbahnverwaltungen aber, so wird bet Information' geschrieben, Haden die deuffchen StLdtenamen in Ungarn ganz und gar preisgegeben. Einen traurigen Beleg dafür bieten die vom Verein Deutscher Elsenbahnverwc Itungen herausgegebenen UebersichtSkarten zum Verzeichnis der zusammenstellbaren Fahrscheine. Bisher war auf diesen Karten bei ausländischen Orten, die auch einen deuffchen Namen führen, dieser Name gleichfalls vermerkt. Neben Bruxelles war Brüssel, neben Annens war Antwerpen zu lesen. Und so war es auch bei den ungarischen Städten. Neben Kassa stand Kaschau, neben Brasso Kronstadt, neben Kolozsvar Klausenburg, neben Nagy- Szeben Hermannsstadt, neben Györ Raab, neben Zagrag Agram, neben Zimony Semirn u. s. w. Alle diese deutschen Namen sind jetzt auf den von der deuffchen Eisenbahnverwaltung heraus- gegebenen, mit deutschem Texte versehenen, für Deutschland und die Deutschen bestimmten Karten verschwunden. Brüssel heißt nur noch Bruxelles, Antwerpen nur noch Anvers, Kaschau nur noch Kassa u. f. w. Diese deutschen Namen sind ohne Ausnahme nur getilgt. Dagegen haben die deutschen Eisenbahnverwaltungen es zuge- laffen, daß neben dem deutschen Namen Trient noch weiter der italienische Name Trento steht. Trient ist, von einigen Stationen in der Schweiz abgesehen, der einzige Ort auf den Karten der doppelsprachig bezeichnet ist. Zu Gunsten des Italienischen wurde diese einzige Ausnahme ge- macht. Um so gründlicher sind die deutschen Namen ausgerottet, und der Verein Deutscher Eifenbahnverwaltungen hat diese Ausrottungen, wenn nicht besorgt, so doch gutgeheißen.
* Die günstige Lage des deuffchen Arbeits- Marktes im Monat Mai zeigte sich besonder- dadurch, daß die regelmäßige Verstärkung deS Angebots von April auf Mai geringer war, als in irgend einem Jahre feit 1897. Während selbst im Jahre 1900 der Andrang von Apri auf Mai um 4,5, im Jahre 1905 um 6,7 zu- nahm, ging er im laufenden Jahre nur um 1,2 Arbellsuchende in die Höhe. Im Vergleich zum vorjährigen Mai erfuhr 'die Lage deS Arbetts- markteS eine ganz erhebliche Verbesserung: tarnen doch im Mai 1906 an den öffentlichen Arbeit«- nachweisen auf je 100 offene Stellen nur 101,5 Arbeitsuchende gegen 117,8 im Mai 1905. Bezeichnend für die günstige Konjunktur ist es, daß der Arbeitermangel, von dem im allgemeinen während deS April berichtet wurde, auch im Mai keine Verminderung erfahren hat. Die Streikbewegung, die in den Vormonaten äußerst lebhaft gewesen war, flaute zwar im Mai etwas ab, desto mehr ober wurde die Arbeit durch Aussperrungen unterbrochen, die sich an die Maifeier knüpften.
(*) Die christliche Arbeiterbewegung findet auch in Kreisen Verteidiger, welche jenen Parteien im preußischen Abgeordnetenhause nahe- stehen, die seiner Zeit scharfe Angriffe gegen die christlichen Gewerkschaften gerichtet haben und dadurch eine Abwehr im Herrenhaus veranlaßten, die dann wieder den preußischen Handelsminister zu scharfen Worten gegen diese Gewerkschaften verleitete. In streng konservativen Blättern und Zeitschriften finden die Auslassungen deS Ministers Delbrück eine Zurückweisung, die weit über das hinausgeht, was von unserer Seite gegen dieselben getagt worden ist.
' In durchaus berechtigter Weise nimmt z. B. die Zeitschrift ,Der Deutsche' Stellung gegen den Minister und verteidigt die christlichen Ge- iverkschaften gegen die Unterteilung, als wenn ihre Gesinnung nicht könig -treu fei. Der Kern der christlichen Gewerffchasten sei ohne allen Zweifel gut christlich, deutsch und monarchisch. Was sich an ihn herankristallisiere, möge noch zu den unsicheren Kantonisten gehören, werde aber sicher umgewandelt werden. Umso mehr sei bei diesem zarten Werdegang Behutsamkeit nötig, und jede rauhe Bureaukratenhand müsse fern gehalten werden. Die Bemerkung des Ministers, daß die Art der Agitation der christlichen Gewerkschaften nicht immer mit dem Kaiserhoch übereinftimme, welches in den Versammlungen der christlichen Gewerkschaftler ausgebracht zu werden pflege, bezeichnet die genannte Zeitschrift als einen Peitschenhieb, der nicht am Platze gewesen sei. Den christlichen Gewerffchasten sei es mit ihren monarchischen Aeußerungen bitter ernst, iunb wenn man mit ihrer Taktik nicht einverstanden fei, so brauche man ihre Gesinnung nicht zu verdächtigen. Ein Staatsmann sollte froh fein, wenn sich wieder Hunderttausende deutscher Arbeiter zusammenfänden, die ein Hoch auf den Kaiser ausbringen, statt auf die internationale Sozialdemokratie.
Diese Ausführungen finden eine rückhaltlose Zustimmung bei dem konservativen .Reichs- boten', der den Minister Delbrück darauf auf» merkiam macht, man dürfe nicht vergessen, daß die christlichen Arbeitervereine und Gewerffchasten eben Arbeiterorganisationen feien, und 'als solche vor allem die Interessen der Arbeiter pflegen wollten. Dazu seien sie aber ebenso berechtigt, wie die Handwerker- Bauern-, Beamten- und Lehrervereme. Wenn man ihnen dieses Recht verschränken wolle, so würden sich die Arbeiter erst recht klassenmäßig abschließend verengen, worauf die Sozialdemokratie hinarbeite, indem sie eine feindselige Stimmung der Gesellschaft gegen die Arbeiterinteressen erfinde, auch wo sie nicht vorhanden fei. Diese verbitterte Verengung und der damit verbundene Klaffenhaß werde nur dadurch Überwunden, daß man den Arbeitern gesetzlich Raum und Formen für die Geltendmachung ihrer Interessen gewähre, und das seien die mit Rechten und Pflichten gesetzlich einzuführenden Gewerkoereine, welche durch die gesetzliche Einführung aus ihrer gehässigen Klaffenverengung herausgeführt und also von der Sozialdemokratie losgelöst werden könnten. Eine andere Ueberroinbung der Sozialdemokratie gebe es nicht.
Diesen Worten haben wir nichts weiter hinzufügen, als den Wunsch, daß sie in den konservativen Kreisen Beachtung finden möchten. Leider lassen gerade diese Kreise noch immer einen Mangel an rechtem Verständnis für die Bedeutung der christlichen Arbeiterbewegung erkennen, einen Mangel, der vielfach auch die christlichen Arbeitgeber in daS Lager der Gegner der christlichen Arbeiterorganisationen führt. Diese Organisationen können erst dann zu einer vollen Entfaltung ihrer Kräfte gelangen, wenn die Schranken hinweggeräumt sind, welche Unverstand unb teilweise auch böser Wille ihnen noch immer entgegenstellen. Solange nicht die Arbeitgeber erkennen, daß ihre Interessen sich im weiten Umfange mit denen der christlichen Arbeiterorganisationen becken, ist schwerlich daran zu denken, daß die Sozialdemokratie mit Hilfe dieser Organisationen besiegt wird.
Deutscher Reich.
Berlin, den 12. Juni 1906.
Der Kaiser hat für die Große Allge- imeine Deutsche Landwirtschaftliche Wanderausstellung der Deutschen Land- Wirtschafts-Gesellschaft eine kostbare Vase als Ehrenpreis für die beste Sammlung der schwarz- bunten Tieflandrinder, und der Kronprinz eine silberne Vase als Ehrenpreis für Privat- geftüte gestiftet.
* Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Essen, 19. bis 23. August d. I. Es wird nochmals auf den jüngst in der