«rscheMttSgllw, mit »«nähme der Sonn« u«d8«iertage. viertel- jShn.v«;«g»preir ohne vringerlohn ttnb veftellgeldinZnldaunh ««WSrtrlM.SVPsg.
< Verantwortlicher W
Schrtstleiter: 3. Beern;
3. patSt’ffÄe. Wochenbeilage: „IÜuMerK§01MtagZZtüU1lg"
Zeitung
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Se> tiendruckerei in Hulda, zernsprecher Nr. 9.
An;e igen: Die ei:r spaltige petitzeile oder deren Raum 15 psg. Reklamen die petitzeile 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entspr
Rabatt gewährt.
MmaKbeUag«: „8«ldaer Geschichtrblätter"
33, Jahrgang
Fulda, Dienstag den 12. Juni 1906.
JV5 133.
* „Merttalnarkose-.
Dieses Wort hat die Mational-Zeitung^ in /einem Aussätze neugeprägt, der fich mit dem Machweise beschäftigt, daß die Nationalliberalen nicht allein stehen im Kampfe 'gegen — das Zentrum. Dieser Auffatz ist im .Grunde genommen nur eine Aufwärmung der Kulturkampfsgelüste, welche je auf nationalliberaler Seite niemals ganz ausgestorben find. Um diesen Gelüsten einen starken Rückhalt zu geben, zieht die ,Nat.-Ztg/ jetzt die Konservativen, in erster Linie die konservative Presse als EideS- helfer für ihre Behauptung heran, daß das Zentrum jetzt wie früher „antinational" gestnnt sei. i Wir müssen der ,Nat.-Ztg/ mit Bedauern zugeben, daß einige konservative Blätter sich /tatsächlich neuerlich in einer Verunglimpfung des Zentrums gefallen, welche wenig gemein hat mit einer wirklich konservativen Gesinnung. /Den Anlaß dazu bieten diesen Blättern die Vor- /gänge im Reichstage in Bezug auf die Behandlung kolonialer Fragen. Nachdem schon vor ; einiger Zeit die parteioffiziöse ,Konserv. Korresp/ die Abstimmungen des Zentrums in kolonialen i‘ Angelegenheiten zum Ausgangspunkt heftiger An- ) griffe gegen das Zentrum genommen hatte, läßt /sich jetzt auch die Freuzztg/ verleiten, einer ganz ^ungerechtfertigten Mißstimmung gewisser konser- tvativer Kreise gegen das Zentrum einen Tribut szu zollen, den das Blatt bei einer ruhigeren Erwägung der Dinge später schwerlich zu seinen ehrenvolleren Leistungen zählen wird. Die '.Kreuzztg/ versteigt sich sogar zu der Behauptung, das Zentrum besitze für nationale Fragen nicht das gehörige Verständnis."
In einem späteren Artikel sucht die ,Kreuzztg/ allerdings diesen unerhörten Vorwurf etwas ab- z»schwächen, es tut das aber in einer so ungeschickten Weise, daß jener Vorwurf fast noch schärfer hervortritt. Das konservative Organ meint, es müsse vor dem Bestreben warnen, „das Zentrum als den alleinigen Feind eines lebendigen Nationalgefühls darzustellen." Mit dem Zentrum hätten auch die Sozialdemokraten und die freisinnige Volkspartei gegen den füdwestafrikanischen Eisenbahnbau gestimmt. Man Müsse sich also hüten, die Sache so darzustellen, „daß der Kampf der national gesinnten Deutschen sich ausschließlich gegen das Zentrum richte und aus diese Weise die Empfindung für die Notwendigkeit fortgesetzten Kampfes gegen die rote und blaue Demokratie abgeschwächt würde. Für .das deutsche Volk wäre es geradezu verhängnisvoll, wenn es dahin käme, und das Zentrum in die Stellung der unbedingten Reichsseinde ge- Drängt würde". Diese unqualifizierbaren Ausfälle gegen das Zentrum sucht die ,Kreuzzeitung' ihren liberalen Vettern gegenüber noch durch die Bemerkung zu decken, nicht „Liebedienerei gegen das Zentrum, sondern das „Gerechtigkeits- ^gefühl" lege ihr diese Worte in den Mund.
Dies Verhalten der ,Kreuzzeitung' läßt am besten erkennen, welche Verwirrung in den - Köpfen auch sonst ernster Politiker entsteht, so- 7,bald das Zentrum und die Zentrumspolitik in Frage kommt. Daß die Auslassungen des 1 führenden Organs der Konservativen für die L,Nat.-Ztg.' und ihre Gesinnungsgenossen „Honig auf's Brot" sind, ist selbstverständlich. Das nationalliberale Organ konstatiert denn auch freudig, daß es der ,Kreuzzeitung' „in allen Stücken
Die Helden der vendee.
Historische Erzählung aus den Tagen der französischen Revolution.
Von Gustav Jordan.
/<22] (Nachdruck verboten.)
, Ab und zu drang das Kriegsgetümmel auch bis an ihr Schloß. Einzelne Truppenzüge der Republikaner kamen vorder und machten hier Rast. ,Da war denn die Anwesenheit Pantins für die -Flüchtigen ein wahrer Segen. Die Blauen wufe- >ten, daß hier der Stammsitz eines der wenigen -Adeligen sei, der für ihre Sache das Schwert ergriffen, und waren schon darum geneigt, hier rücksichtsvoll aufzutreten; und wenn es hier und da ;äu Ausschreitungen oder allzu kecken Forderungen --kam, so zeigte Pantin seine Vollmacht vor, die maturgemäß respektiert wurde, da man die Anord» ^nungen eines republikanischen Offiziers auf feinem ^eigenen Grund und Boden wohl nicht unbeachtet Msen konnte. Vendeer Truppen kamen hier nicht durch, ab und zu aber baten einzelne versprengte Bauern um Einlaß, denen auch freundlich aufgetan, und die mit reichlicher Wegzehrung versehen entlassen wurden. Sie vervollständigten von ihrer /Seite die Berichte, welche die Republikaner gegeben.
: Unterdessen hatte der Frühling seinen Einzug gehalten. Sein milder Hauch ließ die Wiesen frisch Krgrünen und zauberte eine duftende Fülle von Blumen in Wald und Flur hervor. Die Bäume deckten sich mit neuem Laube, und die Vögel sangen jthre süßesten Lieder. ' Nirgends wirkte der holde jFriede des Frühlings entzückender, als in den ^schattigen Gängen des Parkes von Bonneval.
3 Lucie hatte auf Bonneval zuerst längere Zeit ^der Ruhe pflegen und das Zimmer hüten müssen. jJetzt, wo die Sonne mit ihren wärmenden Strah- ;ten überall neues Leben hervorrief, konnte sie auch 'nn Freien lustwandeln und die frische, würzige
beitreten könne." Nur wäre eS wünschenswert und „für die nationale Sache vortellhafter" gewesen, wenn die Konservativen diele klare Einsicht von dem „mangelnden Verständnis des Zentrums für nationale Fragen" schon früher sich angeeignet hätten. Wenn andere Parteien durch bie „scheinbaren Fortschritte des Zentrums in nationaler Gesinnung" sich nicht hättm täuschen lassen, wenn sie immer wieder darauf hingewiesen hättm, „daß die schwarze Partei nur ihre eigenen Herrschaftsgelüste kenne, sich jeden Deut eines Zugeständnisses in nattonalen Forderungen durch wertvolle, das protestantische Volk oft tief verletzende Gegenleistungen abkaufen lasse, und daß sie nach Erlangung der Macht die vorgebundene Maske sehr bald fallen lassen würde," dann seien die edlm Warner als Hetzer verdächttgt worden. Jetzt sei endlich der Vorhang weggerissen und das Zentrum sei erkannt.
In diesem Tone poltert die,Nat.-Ztg/ noch eine ganze Strecke weiter, immer die Nutzanwendung ihrer Auslassungen auf die Konservativen ziehend, die sie unter allen Umständen scharf machen möchte zur „Tat" gegenüber dem Zentrum. Aber nicht allein die Konservativen sind dem nationalliberalen Blatte zufolge bis heute in der „Klerikalnarkose" gewesen. Auch die Regierung lag in einer solchen, und die ,Nat.-Ztg.' spricht bte Erwartung aus, daß auch sie jetzt ein für allemal aus dieser Narkose erweckt sei.
Uns interessiert an allen diesen Angriffen gegen das Zentrum nur das offensichtliche Bemühen gewisser Kreise, das Zentrum unter allen Umständen als Feind der nationalen Gesinnung hinzustellen. Dieses Bemühen hat seinen lieferen Grund und bildet nur ein Glied in einer langen Kette, welche seit längerer Zeit um einen Teil unseres Volkes und die Regierung zu legen versucht wird. Ob es gelingen wird, diese „Klerikalnarkose" — wir wenden das Wort diesmal in einem anderen Sinne an — wirksam zu machen, bleibt abzuwarten
Deutsches Reich.
Berlin, den 11. Juni 1906.
* Professor Dr. Paasche über die Kolonial- polttik. Auf dem nationalliberalen Parteitage von Schleswig-Holstein, der am Sonntag in Kiel abgehalten wurde, hat der Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. Paasche auch über die Kolonialpolitik gesprochen. Nach einem Bericht der,National- Zeitung^, also einer unverdächtigen Quelle, hat Prof. Dr. Paasche sich unter anderem folgendermaßen geäußert: Das Ergebnis der Kolonialpolitik fei traurig. Zwei große Mißstände hätten unendliche Opfer an Blut und Gut gefordert und das Ende sei noch nicht abzusehen. Es sei Zeit, daß man endlich ans der Vergangenheit lerne, daß in den Kolonien eine konzentrierte wirtschaftliche Arbeit die bureaukratische Verwaltung ablöse und die Absatzgebiete nicht weiterhin die Ablagerungsstätte für ver- krachte adlige Existenzen sei. Das Zuviel- Regieren, das ewige Kommandieren, der häufige Wechsel der Beamten habe das Erziehungswerk der Eingeborenen erschwert. Unsere Kolonien stellten zum Teil sehr wertvollen Besitz dar, mit
Lust tat ihr sichtbarlich gut, auch wenn sie etwas ermüdete; aber das gab festen, kräftigen Schlaf, frei von den beängstigenden Träumen, die sie vorher bei all den erlebten Schrecknissen heimgesucht. Die Blässe wich von Luciens Wangen und eine zarte Röte belebte sie, zur innigen Freude Johannas, ihrer treuen Pflegerin, und Juliens und Pantins, die mit Bewunderung zu dem Fräulein aufftrauten, das all fein Leid ohne Klage ertrug.
Die Mädchen ergingen sich im Parke.
„Lieblicher als heute", sagte Johanna zu Lucie, die sich auf sie stützte, „ist mir die Well noch nie erschienen. Sieh nur, wie strahlend blau sich der Himmel von den Baumkronen abhebt, welch ein dämmernder Duft um die Stämme schwebt, und wie überall die Farben doppelt lebhaft spielen!"
„Du sprichst wie ein Dichter", erwiderte Lucie lächelnd.
„Ach", sagte Johanna seufzend, die „Güte der Natur wirkt umso tiefer auf unser Gemüt, je freud- und friedloser die Menschen sind. Mir erscheint der Krieg wie ein unseliger Frevel, der rücksichts- los den Gottesfrieden stört. Der Gedanke an die kriegführenden Menschen, die Bruderblut ver- gießen, ist mir in dieser Stimmung unerträglich, und ich kann jetzt keinem beistimmen, den Blauen nicht, den Unserigen nicht."
„Johanna!" erwiderte Lucie mit leisem Vorwurf, „ist Notwehr denn auch Mordlust, und konnten die Unferigen anders, als den Eindringlingen mit ihren neuen Satzungen mit den Waffen in der Hand entgegentreten? Ich kann Dir wohl nachfühlen, daß Dein Herz gespalten ist bei diesem Kampfe — ich aber, o, wenn ich nur könnte — nun, meine Glieder werden wieder erstarken, ich möchte mich in Eisen hüllen wie jene Jungfrau, die die Engländer bei Orleans vor sich hertrieb, o, wenn ich erst gesund bin, und jetzt, wo ich davon spreche, fühle ich mich erst gesund, dann eile ich zu Heinrich, besteige ich das Schlachtroß und streite mit, und wenn ich dann auch falle, — was tut es mir — laß mich jetzt von hier aufbrechen und zu HeinriL "
Säfen, wie z. B. in Ostafrika, allerersten Ranges, reife die richtige Kulturarbeit Platz, so würbe bie Freube an ben Kolonien wieder wachsen und sie würben in Wahrhell auch nutzbringend für Deutschland werden. — Das klingt etwas anders, als die Auslassungen der ,Ncll.- Ztg/ und verwandter Blätter, welche die Kolonialverwaltung als Unschuldsengel darstellen wollen und die berechtigten Ausstellungen, welche das Zentrum an dieser Verwaltung gemacht hat, als völlig grundlos erscheinen lassen möchten. Prof. Dr. Paasche hat auch nach der ,Nat.-Ztg.' die „Stellung des Zentrums zur Kolonialpolitik" besprochen, doch teilt daS Blatt den näheren In- halt der betreffenden Ausführungen Prof. Dr. Paasches nicht mit. Man darf einigermaßen gespannt darauf sein, wie diese Ausführungen gelautet haben. Sollte die ,National-Zeitung^ vielleicht Grund haben, dieselben zu verschweigen?
.-. Ueber die Behandlung der Schulaufsichtsfrage auf dem kürzlich in Berlin abgehal- tenen Verbandstage deS katholischen Lehrerverbandes Deutschlands sind Nachrichten durch die Presse gegangen, welche mit dem Verlauf der Angelegenheit keineswegs übereinstimmen. Verschiedene liberale Blätter haben versucht, den katholischen Lehrerverband und namentlich den Korreferenten, Herrn Lehrer Linnarz, als einen prinzipiellen Gegner jeglicher kirchlichen Schulaufsicht hinzustellen. Mit Rücksicht darauf sei kurz der wirkliche Sachverhalt festgestellt. Der Korreferent führte auf dem Verbandstage einleitend aus, daß er mit dem Referenten in der Achtung der uns von Gott vorgesetzten geistlichen und weltlichen Autorität vollkommen übereinstimme • er beabsichtige keineswegs, den schuldigen Respekt etwa dadurch zu verletzen, daß er dem Staate ober der Kirche vorschreiben möchte, welche Rechte beide bezüglich der Schulaufsicht zu fordern hätten. Er wolle lediglich die Wünsche zahlreicher katholischer Lehrer in dieser Angelegenheit zum Ausdruck bringen. Die weiteren Ausführungen des Herrn Linnarz schlossen sich eng an folgende Leitsätze an: 1. Jede Ordnung der Schulaufsicht muß das Recht der Kirche auf Erteilung und Leitung des Religionsunterrichtes und auch Ueber» wachung der ge" "unten religiös-sittlichen Erziehung, also auf ein kirchliches Mitaufsichtsrecht anerkennen. 2. Die gesamte Schularbeit muß vom christlich-konfessionellen Geiste getragen und durchdrungen fein. 3. Die unbeschränkte geift» liche Schulaufsicht folgt nicht aus dem Wesen des Christentums und des kirchlichen Lehr- und Hirtenamtes, L,e läßt sich nicht dogmatisch begründen. 4. Die jetzige Form der geistlichen Schulaussicht verdankt ihre Entstehung nicht sachlichen Gründen; sie ist vielmehr unter dem Zwange längst überwundener Verhältnisse entstanden. 5. Eine wirkliche Schulaufsicht kann nur von einem theoretisch und praktisch erfahrenen Fachmann ausgeübt werden. Theologen und Philologen sind nicht ohne weiteres Fachleute in der Volksschule. 6. Die Schulaufsicht ist so umfangreich und schwierig, daß sie nicht erfolgreich nebenamtlich geführt werden kann. 7. Die Zulassung der Schulaufsicht ist eine gerechte und billige Standesforderung des Lehrers. — Der Korreferent hat also keineswegs jede Ürchliche Schulaufsicht bekämpft; auch hat er diese durchaus nicht als des Lehrers un- würdig bezeichnet. Herr Linnarz ist vielmehr
Johanna machte eine bechswichtrgende Gebärde und wollte eben den begeisterten Worten Luciens erwidern, als sie Pantin herankommen sah, der aufgeregt auf die Mädchen zueilte.
„Was ist geschehen, Pantin?" fragte sie.
„Es ist eine Menge Bauern da", erwiderte er, „die ganz wirre Reden führen, sie feien einem groben Blutbade entronnen; ich dachte: wenn bte Fräulein irgend welche Nachricht haben wollten —
„Wir kommen", sagte Johanna, „fuhrt den Verständigsten auf unser Zimmer."
Die Mädchen eilten in das Schloß zuruck. Jedesmal, wenn eine Nachricht von außen erwartet wurde, gerieten sie in große Aufregung. Wie viel teure Wesen schwebten ja auch jeden Augenbltck tn Todesgefahr!
Der Bauer, der in das Gemach der Fraulem geführt wurde, schrak zurück, als er die Damen erkannte. .......
„Die gnädigen Fräulein von Bressutres hier? tief er und wich zurück, und es schien, als wolle er schleunigst wieder das Zimmer verlassen.
„Ihr wißt etwas von unferm Vater!" schrie Lucie auf. . .
„Großer Gott!" sagte der Mann, und etne Träne rollte ihm über die Wangen herunter.
Die Mädchen stürzten auf ihn zu. „Er ist tot!" kam es wie aus einem Munde.
„Großer Gott!" wiederholte der Bauer.
Die armen Waisen brachen in Weinen aus, aber sie nahmen sich bald zusammen und drangen in den Bauern, zu erzählen. Und er berichtete ihnen zuerst stockenden Mundes, dann aber immer lÄhaster und eindringlicher von der Todesnot der Gefangenen Rincourts und von des Vicomte Ende, und tote er im Tode seinen lange gesuchten Sohn toiebergefunben habe. , •
Nun hatte ber Krieg den ersten furchtbaren Streich gegen ihr Herz geführt. Der geliebte Vater tot, ber Bruder tot, um den ihr Vater in heißer Liebe gesorgt, und den sie seit Jahren nicht,gesehen Und die Mädchen beachteten es nicht, wie warm ~die FrübliuaÄonne in ibr Simmet bmeinfckien.
als Verteidiger der Konfessionsschule aufgetreten, und forderte deshalb in logischer Konsequenz ein kirchliche- Mitaufsichtsrecht in bezug auf den Religionsunterricht und die gesamte religiössittliche Erziehung.
* Aus der Kriminal-Statistik für das deutsche Heer und die Kaiserl. Marine, die kürzlich veröffentlicht wurde, ergibt sich für das Heer im Jahre 1905 ein erheblicher Rückgang in der Zahl der verurteilten Personen; auch bei der Marine hat eine Keine Abnahme stattgefunden. Im Heere sind 13,498 Angeklagte verurteilt worden gegen 14,047 im Jahre 1904, 14,339 im Jahre l°03 und 13,9u0 im Jahre 1902; in ber Marine 1244 gegen 1276 im Jahre 1904, 144 im Jahre 1903 und 1201 im Jahre 1902. Der Rückgang betrug also im Heere 1549 ober 11% und in ber Marine 32 ober 2,5%. Die Zahl ber Verurteilten zu Zuchthausstrafen ist von 83 auf 64 zurückgegangen. Die Zahl der wegen Mißhandlung Untergebener Verurteilten, die im Jahre 1903 773 und im Jahre 1904 669 betragen hatte, ist auf 433, also im letzten Jahre um 336 ober 35% gesunken. Auch die Verurteilungen wegen Beleidigung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener sind zurückgegangeu. Zugenommen hat die Zahl der Verurteilungen wegen unerlaubter Entfernung von 936 auf 1008 und wegen Fahnenflucht von 845 auf 862.
* Zmn Fall Schöne-Brockhnsen hatte ein amerikanisches Blatt die Meldung gebracht, bie ganze Angelegenheit sei lediglich eine von sozial- demokrattscher Seite der Berliner Polizei gestellte Falle gewesen. Man habe dem Polizeikommissar Schöne zu verstehen gegeben, der vielgenannte jüdische russische Kaufmann sei bereit, der Polizei Spitzeldienste zu leisten. Darauf habe sich der Polizeikommissar in die Wohnung des Kaufmanns begeben, um mit ihm zu verhandeln. Im Nebenzimmer hätte der Reichstagsabgeordnete Singer mit anderen Genossen und zwei Stenographen die ganze Verhandlung angehört und schriftlich aufgenommen. Etwas wahres scheint an dieser Meldung zu sein, wenn auch der,Vorwärts' die Behauptung, die Sache sei von den Sozialdemokraten eingefäbelt, mit großen Worten zurückweist. Das sozialdemokratische Organ läßt sich nämlich in der Polemik verleiten, mitzuteilen, int Falle eines Strafverfahrens werde „durch phonographisch getreue Beweismittel" dagetan werden, wie der Polizeikommissar Schöne in dem vom Minister ange- ordneten Vermittelungsverfahren sogar versucht habe, Zeugen zu einer falschen Zeugenaussage zu bewegen. Wir sind nach wie vor, und auf die letzte Meldung des ,Vorwärts' hin in verstärktem Maße der Meinung, baß ein gerichtliches Verfahren allein geeignet ist, Klarheit in bie{e Angelegenheit zu bringen. Klarheit aber sollten Regierung unb Polizei unter allen Um« stäuben in biefer Affäre schaffen.
* Ueber neue Kämpfe und Verluste in Südwestafrika liegt folgende amtliche Meldung vor: Major v. Freyhold war am 28. Mai vom Fischfluß her in Haib eingetroffen und hatte durch Pattouillen festgestellt, daß die Hottentotten in Stärke von etwa 250 Gewehren die Pad Haib - Warmbad nach Süden zu gekreuzt hatten. Am 30. Mai erhielt bie Patrouille des Leutnants v. Abendroth in der Gegend westlich Nore- chab Feuer. Major v. Freyhold setzte den Vormarsch auf der feindlichen Spur fort und er«
wie lustig die Vögel schmetterten, und wie schön die junge Erde sich schmückte. Lucie bezwang sich und suchte gefaßt zu sein, aber das bittere Weh, das ihr Herz durchzuckte, war stärker als sie, die ja erst auf dem Wege der Genesung war. Ein starkes Fieber warf sie auf das Krankenlager, und Johanna pflegte sie mit schwesterlicher Sorgfalt. Für Johannas Gemütszustand war es am besten, daß di« Pflege ihre Gedanken und Aufmerksamkeit in Anspruch nahm; sie hätte sich sonst ihr Gehirn zermartert mit der unablässig wiederkehrenden Frage: War denn Artur von Bonneval schuld daran, daß mein Vater starb?
So gingen einige traurige Tage auf Bonneval vorüber. Pantin und Julie suchten von den Schwestern so viel wie möglich alle Unruhe sernzu- halten. Die Bauern waren wieder weg und nur einmal noch hatte der Mann, der die Todesnachricht gebracht, vor Johanna gestanden ,die von ihm wenigstens die traurige Gewißheit erhielt, daß ihre teuren Toten ein ehrliches Grab gefunden. Ort und Stelle ließ sie sich genau beschreiben und entliefe den Manu mit reichen Geschenken.
Arn vierten Tage aber wurde es auf Bonneval lebendig. Ein grofeer Trupp Blauer rückte ein und nahm Stallung und Wohnräume in Beschlag. Ihr Kommandeur bat das Fräulein von Bressuires um eine sofortige Unterredung. Johanna liefe sogleich Julie an das Krankenbett Luciens rufen und begab fich tn ihr Empfangszimmer. Nach ntr- zem Harren vernahm fie einen fporenrasselnden Schritt, es klopfte, und auf ihr Herein! trat em Mann in das Gemach, bei dessen Anblick Johanna das Blut zu Eis erstarrte.
Leon Ferrapd machte eine höfliche Verbeugung vor ihr und sagte in der verbindlichsten Form: „Es freut mich, den Herrn und Gebieter von Bon- neval, in Euch, verehrte Kusine, die Herrin deS Schloffes zu begrüfeen. Das soll mir eine gute Vorbedeutung sein für die Zukunft."
(Fortsetzung folat.1