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Schriftleiter: 3. Baum;

ÄTi. w«che»bcuage:„3lluftrierteSonntag;zeit«ng"

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Botatisnebruck u. Verlag ber Sulbaer Ae» tlenbruderei in Sulba. Zernsvrecher Nr. 9.

Fulda, Freitag den 1. Juni 1906.

M 125.

33, Jahrgang.

Iweitss Matt.

„Legenden-Ztudien"

betitelt sich eine feit langem mit Spannung er» •wartete Schrift des Tübinger Historikers Dr. G. Münther, die eben erst im Verlage von I.P. Dach em-Köln erschienen ist. Dem Buche des Vollandisten Delehaye Les 16»endes hagiogra- phiques, das wir seiner Zeit als ein Muster ge­sunder Kritik an der Heiligenleben-Darstellung .begrüßt haben, tritt das Günther'sche Werk wür­dig zur Seite.

e Auf gründ eines umfassenden Materials zeigt Wünther, wie die Legendendichtung sich ihren Eigenen Heiligentypus in freiem Phantasiespiel geschaffen, einen Heiligentyp,

„der sich von den Heiligen der Geschichte möglichst — d. h. soweit es der Zwang ver­änderter Zeiten und Verhältnisse nur immer zuließ — unabhängig zu erhalten wußte, und der seinerseits fast sämtliche Heiligenbilder überfirnißte. Legende und Legendenträger sind durchweg zu trennen. Die Legende ist etwas von ihrem Träger sachlich, nicht blos begriff­lich verschiedenes . . . Der geschichtliche Heilige ist und bleibt ein Produkt wie des christlichen Gedankens so auch seiner Zeit. Die Legende ist die ererbte Brille, durch die man die Heiligenbilder anzusehen sich gewöhnt hat" (S. VIII).

Woher nahm die Legende ihre Stoffe, mit Ebenen sie das Leben eines Märtyrers oder Be- Eenners ausstaffierte, woher die Farben, mit denen ine ihr Heiligenbild malte? Da ist zunächst zu ßtennen die Nachwirkung der biblischen Wun- Derberichte. Das Wunder der Bibel, bis zum stleberwunder maßlos verzerrt, wird in das Heiligenleben hinein verarbeitet, um das Schema Des Mattyrerlebens, z. B für das in Verhaf­tung, Verhör, Tortur, Urteil und Hinrichtung der feste Rahmen gegeben war, zu beleben und abwechselungsreich zu gestalten. Wenn da zahl­lose Scheiterhausenszenen vorgeführt worden, wo das Feuer dem Verurteilten nicht schadet und nichts anhaben kann, so vergesse man nicht das im Buche Daniel erzählte Wunder der Jüng- finge im Feuerosen.

Wer wissen will, wessen die Phantasie der in diesem Genre Arbeitenden fähig ist, erinnere sich der Vitus-Legende, die so ziemlich alles ver­einigt, was die Phantasie den Märtyrern ange- längt hat. Dabei entstammt diese Legende dem Orient und für Vitus hat der Märtyrer PolituS Modell gestanden. (Vgl. Günther S. 15 ff. und S. 47 ff.) t Eine andere Quelle, aus welcher die Legende schöpft, ist das antike Sagenmaterial und endlich wird bestimmend für die Legende der Einfluß des Neuplatonismus aus die christliche Mystik des Pseudo-Dionysius um die Wende des 5. zum 6. Jahrhundert.

Was uns in den Märtyrer-Akten an Visionen swzählt wird, das will, worüber ein berechtigter Zweifel nicht mehr erhoben werden kann, zu­nächst psychologisch genommen sein (S. 9). •„Den späteren Bedürfnissen aber waren der­artige rein psychologische Vorgänge nicht drastisch, nicht wunderbar genug; so Hai man den seelischen Prozeß veräußerlicht, die Eriche nunq körperhaft.

Die Helden der vendee.

Historische Erzählung aus den Tagen der franzö­sischen Revolution.

Von Gustav Jordan.

42] (Nachdruck verboten.)

„In dieser furchtbaren Zeit darf man sich über ;nichts mehr wundern", sagte er nach einer Weile, '„und wir, von deren Geistesgegenwart das Leben pon Tausenden abhängt, haben kein Recht, uns nnferen persönlichen Empfindungen hinzugeben. Ach danke Euch und dem Grafen Morvelles für Buer edles Anerbieten, und werde Wohl davon Mebrauch machen. Doch jetzt zu meinen Kriegern." j Die Musterung ging weiter vor sich, sie ergab .bie stattliche Anzahl von 10 000 Mann, die alle *bnit Herz und Seele ihrer Sache ergeben waren Und für Herrn Heinrich durchs Feuer gingen. Alun prüfte Heinrich, umgeben von feinem Stab, den er sich aus den bravsten Pächtern und einigen jBbelleuten gebildet, die Bewaffnung seiner Ge- treuen. Nicht ganz zweihundert hatten Gewehre fctx sich, das war ein geringes Ergebnis, aber Heinrich ließ sich dadurch nicht anfechten. Er be­grüßte seine „Jäger" freundlich und sagte auf- fnunternb zu ihnen: „Das trifft sich gut, Ihr teben Jungen. Heute habe ich bei einem Maurer HO Pfund Pulver gesunden und konfisziert, die rr gekauft hatte, um Felsen zu sprengen. Ich ver­teile sie unter Euch, und Ihr sprengt damit die Blauen!"

„Die Blauenl" ging es durch die Reihen der Bauern, und alle freuten sich über diese B--zeich- /tung der republikanischen Truppen, deren blaue Blusen die Spottluft der Bauern erregt hatten. Unb fortan blieb der Name der Blauen an ihnen Hasten.

Larochejacquelin wußte, daß in Anbier feind­liche Truppen standen, bis dahin brauchte man

auch fremden Augen sichtbar gemacht" (S. 52). Da kommen bann jene Erscheinungen von Engeln ober Dämonen in ben Kerkern, bei ben Ver­handlungen wie bei den Exekutionen zustande.

Vielfach weiß die Legende zu erzählen von einem Lichtglanz, der die Heiligen umstrahlte, und einem wunderbaren Wohlgeruch, den ihre Leiber verbreitet. Das sind Wahrzeichen des Göttlichen.

Viel Verwendung in mannigfachster Ver­schiedenheft hat bas Tiermotiv in der Legende gesunden. Es hat etwas anziehendes, wenn in manchem Märtyrer-Leben erzählt wird, wie die wilden Tiere sich zu Füßen der Heiligen schmiegen; und es liegt das auch im Bereiche der Möglichkeit. Ader auch da hat die Legende sich nicht genügen lassen, sondern ein reichliches Quantum aus Eigenem dazu getan; manchmal drängt sich da bie Erinnerung an bie alte Or- pheus-Legenbe gerabezu auf.

Ein oft wieberkehrendes Motiv sei als Bei­spiel herausgegriffen: Der rebenbe Hirsch mit bem leuchtenden Kreuz zwischen den Geweih- ftangen, der durch die Hubertus-Legende allge­mein bekannt ist. „Der Kern des Gedankens ist altes Völkergut ... In der Völkerlegende ist der Hirsch Wegweiser zu Glück und Erfolg — in der Heiligen-Legende bedeutet er Christus und trägt als Führer zum Heil das Symbol der Er­lösung." (S. 38.)

Wie kritiklos die Legenden-D'chtung arbeitete, sei an einigen Beispielen illustriert. Im Jahre 258 oder 259 sollen in Ihtfo auf Befehl des Galerius Maximus 20ü Christen zusammenge­hauen, später in eine Kalkgrube geworfen worden fein, wo ihre Asche durch ein übernatürliches Leuchten sich kenntlich machte; daher foll ber9tarne für biefe Marlyrer-Gruppe „Massa candida“ kom­men. In Wirklichkeit entstaub die Legenbe durch Verwechselung mit bemOrtsnamen Massa Can­dida. Aus bie gleiche Weise ist aus dem Orts­namen Eumenia in Phrygien eine hl. Cuminia geworden und aus bem Ortsnamen Tripolis ein hl. Tribulus.

Auch Roman - Figuren nahmen Fleisch und Blut an und wurden leibhaftige Persönlichkeiten; so sind die hl. Siebenschläfer altgriechische und Barlaam und Joasaph buddhistische Sagenhelden. Da durch das Eingreifen Pius' X. jüngst der hl. Expeditns durch die Spalten der Tagespreffe wandelte, fei folgende Notiz aus Günthers Bud) angeführt:

„Von St. Expeditus wußten die Alten nichts als den Namen; heute ist er der gefeierte Not- Helfer in dringenden und verzweifelnden An­liegen der Heilige der elften Stunde, der expeditionnaire de la trds sainte Vierge de Lourdes, der Feind des „cras, cras" schreien­den Raben — alles um seines Namens willen." (<5. 72.)

Wenn uns Menschen der Gegenwart die An­häufung von Wundern, wie die Legendendtchlung sie liebt, befremdlich erscheint, so vergesse man nicht: Für das Mittelalter war das Wunder em Zeitbedürsnis, so sehr, daß auch der Beste der Zeit sich dem Bedürfnis nicht entziehen mochte, wie sich das bei Gregor dem Großen und seiner Lebensdarstellung des hl. Benedift zeigt. Gilt das für das 6. Jahrhundert, so nicht minder für bas 12. und 13. Jahrhundert, wo noch andere Faktoren mitwirken. Hatte dorr bie

etwa drei Stunden zu marschieren. Diese Trup­pen mochten die Verbindung zwischen den Scharen, die von Norden her anrückten, und denen, die südlich sich durch die Zerstörung des Schlosses Bressuires ausgezeichnet hatten, herstellen; viel­leicht war es möglich, diese Truppen zu schlagen und dann das Bauernheer zu teilen, damit die eine Hälfte sich gegen das Nordheer, die andere gegen die bei Bressuires stehenden Blauen wende. Ter letzteren konnten nicht allzu viele sein, sie warteten jedenfalls auf Unterstützung von AnbierS her; wenn ihnen diese nicht gewährt wurde, so befanden sie sich wie auf einer Insel im Ozean der' Empörung.

Heinrich gab den Befehl, zum Aufbruch zu bla­sen. Jetzt erst merkte er, daß er gar nichts gegessen habe. Er ließ eine dahin lautende Aeußerung fallen, und sofort liefen mehrere Bauern umher, um für ihren Feldherrn Weißbrot aufzutreiben; er aber ging zu einer Bauerngruppe heran, die eben noch an ihrem harten Zwieback kaute, er bat sie um ein Stück, setzte sich zu ihnen, plauderte mit ihnen und aß das harte Brot mit Wohlgefallen auf. Das alles tat er mit so natürlichem Anstand, als wenn ^s ganz selbstverständlich wäre, und er hatte keine Ahnung davon, daß ibm die Sauern- herzen jetzt doppelt warm entgegenschlugem

Der Zug begann. Schweigend gingen sie hin­ter den Hecken, von der Straße aus unsichtbar; < so zogen sie in langen Reihen, bis sie endlich in der Nähe von Nubiers waren. Dort ließ Heinrich sie Halt machen und befahl ihnen, zu warten, bis er ihnen bas Zeichen gebe. Er selber aber schlich ; sich mit etwa einem Dutzend guter Schützen in i einen Garten nahe der Stelle, ivo die Blauen i waren. Hinter der Hecke verborgen begann er zu schießen; sobald er einen Schuß getan, reichten ihm die Bauern ein geladenes Gewehr, so daß er nur abzudrücken brauchte. Er war ein, großer Jäger und von außerordentlicher Geschicklichkeit, und alle seine Schüsse trafen. Ebenso gewandt hantierte ein Förster, der neben ihm stand. Etwa zweihundert Schüsse gaben sie ab, und rings er-

Mystik eines hl. Bernhard und seiner Zisterzienser vorgearbeitet, so mußte die damals sich geltend machenden neuen Einflüffe eine hochgespannte geistige Erregung wachrufen, von der Günther (S. 178) schreibt:

„Die Wirkungen der Kreuzzüge mit ihrer Horizonterweiterung, die Geldumwertung, die arabische Philosophie und auf der anderen Seite die Erstarkung des christlichen Bewußt­seins, die kirchenpolitischen Kämpfe ber Staufer« zeit mit ihrem politischen und seelischen Zwie­spalt, die Territorialentwickelung mit ihren Fehden: die Einzelwirkung aller dieser Faktoren auf das Geistesleben der Zeit werden sich ja kaum anatomisch bloßlegen lassen, aber ihre großartige Gesamtwirkung ist handgreiflich: Für die Legendenentwickelung ist diese Zeit durch ihre tiefgehende Erregtheit und lieber« reiztheit bedeutsam geworden. Wer Heitigen- geschichte schreiben will, findet hier klassischen Boden. Aber wie die Heiligen nur als Kinder ihrer Zeit, von ihr getragen und im Kampf mit ihr, denkbar sind, so hat die Zeit auch den durch die Jahrhunderte mitgeschleppten Annex beeinflussen müssen. So sehen wir im 13. Jahrhundert die Legende im Zenith. Neben Franz von Assisi, Dominikus und Elisabeth von Thüringen ein Cäsarius von Heisterbach und Thomas von Chantimprs." So hat die Legende die geschichtlichen Per­sönlichkeiten unter einer dicken Tünche begraben. Diese Tünche wegzwchaffen muß die Aufgabe der gesunden Heiligenleben-Forschung sein im Interesse einer gesunden Heitigen-Verehrung. Günther Hal unstreiüg recht, wenn er meint: „Mir will schei­nen, als ob die Heiligen unter der Tünche mar­kiger und gesunder wieder herauskämen."

vermischtes.

* Für ihre Englandfahrt haben die den t- fchen Redakteure ein Programm festgesetzt, das den 19. Juni als Tag der Einschiffung in Bremen festsetzt. Am nächsten Tage erfolgt die Ankunft in Southhampton, und nach dem Em­pfang und Frühstück beim Londoner Komitee die Abfahrt nach London. Am 21. Juni besichtigen die Besucher die Westminsterabtei, das Handels­amt, das Parlament, das Haus der Lords. Abends ist ein Bankett. Am 22. Juni erfolgt der Besuch der City Guild Hall, der Gemäldegalerie, der Bank von England und der St. Paulskirche. Abends findet das von der Londoner Presse gegebene große Diner statt. Am 23. geht es nach Windsor, wo das Schloß besichtigt wird. Am nächsten Tag stattet Man dem natnrgefchichtlichen Museum einen Besuch ab. Die nächsten drei Tage find Ausflügen und Museumsbesnchen gewidmet.

* Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiff­brüchiger blickt, wie auf der Generalversammlung in Magdeburg mitgeteilt wurde, auf ein erfolg­reiches Jahr zurück. Die Rettungsstationen der Gesellschaft sind im letzten Rechnungsjahr 21mal mit Erfolg tätig gewesen und haben 82 Personen aus Seenot gerettet, davon 79 durch Rettungs­boote und drei durch Raketenapparate. Die Zahl der durch die Gesellschaft seit ihrer Begründung geretteten Personen ist damit auf 3267 gestiegen. Aus den Zinsen des im Jähre 1897 gebildeten Nnterstütznngsfonds, der am 31. März d. Js. 124 456 M betrug, sind int Berichtsjahre Unter­stützungen von insgesamt 3120 dl gezahlt worden. Die für Rettungen von Menschenleben auf hoher See gezahlten Prämien betragen zusammen 11 587 Mark. Die Zahl der Rettungsstationen beträgt

126 gegen 124 int Vorjahre, davon befinden sich 79 an der Ostsee, 47 an der Nordsee.

* Wegen hohen Kattenspiels ist die Stadt Varel und ihre Umgebung, in der besonders reiche Bauern wohnen, dem Oldenburger Lande bekannt. In Jade verlor erst vor einigen Monaten ein Bauernsohn in einer Nacht 40 000 Mark. Die Folge davon war, daß feine Verlobung mit einer reichen Bauern­tochter einige Tage vor der Hochzeit, als schon alles vorbereitet war, aufgelöst wurde. Jetzt hat vaS Spiel in Varel ein Opfer gefordert. Der Zahn­techniker Morisse ließ sich durch Spielverluste zu Wechselfälschungen verführen, wodurch er die Va­reler Filiale der Oldenburgischen Spar- und Leih­bank um ca. 11000 Mark schädigte. Er verschwand dann mit einer Schuldenlast von ca. 30 000 Mark.

* Drahtlose Telegraphie und Eisenbahnen. Infolge des Spremberger Eisenbahnunglücks werden jetzt auf den preußischen Bahnen Versuche mit drahtloser Telegraphie gemacht, durch die es ermöglicht werden soll, auch an fahrende Züge Telegramme zu ver­mitteln. Die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft in Berlin konstruierte die nötigen Apparate, von denen der eine in der Station, der andere auf der Loko­motive angebracht wird. Die bis jetzt gemachten Ver­suche sind als gelungen zu bezeichnen. Man konnte am Führerstande die vorher vereinbarten, von der Station ausgegebenen Telegramme bezw. Zeichen wie „sofort halten" oder „zurücksahren" deutlich ab­lesen. Ehe das Zeichen am Apparat des Lokomotiv­führers erscheint, wird dieser durch ein elektrisch ge­gebenes Glockensignal hierauf aufmerksam gemacht.

* Tabak für die englischen Parlamentsmitglieder. Ans London wird berichtet: Es ist der Vorschlag gemacht worden, in der Bibliothek des Unterhauses den Mitglie­dern des Hauses kostenlos Tabak zur Verfügung zu stellen. Es dürste nicht allgemein bekannt fein, daß die Volksvertreter bereits seit langer Zeit umsonst schnupfen dürfen. Der Schnupftabak befindet sich in einer großen Dose am Eingang des Hauses unter dem wachsamen Auge eines Polizisten. Die Par­lamentsmitglieder können ihre eigene Dose aus dieser Parlamentdose füllen. Zur Bestreitung der Kosten werden jährlich 200 Pfd. St. gezahlt. In den früheren Abrechnungen des Hauses erschienen diese 200 Pfd. St. unter der richtigen Bezeichnung „für Schnupftabak". Aus einem nicht mehr sestzustellenden Grunde ist diese Bezeichnung abge­ändert worden und der Schnupftabak figuriert seit­dem in den Rechnungen unter der merkwürdigen Bezeichnung „Lampenöl". Vielleicht schreibt man ihm eine Einwirkung auf das Geisteslicht zu, das die Herren Abgeordneten im Parlament leuchten lassen

* Humor vom Tage. „Weißt Du, lieber Freund — früher als Mädchen war meine Frau immer so eigen in ihrer Kleidung und, ach, in ihrem ganzen Wesen so sinnig — “ — „Na, und nu ?' — „Ist sie beides zusammen."

Reklamen- und Anzeigenteil.

BURGEFF.Grün* BURGEFF.Exrra Cuvte- BURGEFF,Jublläums Cuvfee* „Immergrün?

MM

tönte das Knattern der Gewehrschüsse auf bie überraschten Blauen. Diese gerieten in die größte Verwirrung, zumal ihnen der furchtbare Feind unsichtbar blieb und jeden Augenblick einer von ihnen getroffen niedersank. Endlich zogen sie sich auf einen Hügel zurück, der weiter rückwärts lag, um von da aus das Schlachtfeld, wenn man den Ausdruck hier anwenden darf, zu überschauen und sich dementsprechend zu verteidigen.

Heinrich aber rief mit lauter Stimme: „Ha, Freunde, sie fliehenI"

Sofort stürzten die Bauern von allen Seiten hinter den Hecken hervor und riefen: „Es lebe der König!" Es schien, als wären die Hecken lebendig geworden. Die Blauen aber wurden nun wirklich von einem panischen Schrecken ergriffen und flohen, so schnell sie konnten. Die Vendeer erbeuteten zwei Kanonen. Die Blauen liefen in der Richtung nach Bressuires, hinter ihnen aber raste die wilde Jagd der Bauern, unb erst kurz vor Bressuires ließen die Verfolger von ihnen ab, da sie nicht wußten, ob nicht dort eine größere Truppenrnenge stehe.

Als sich das Heer wieder gesammelt, trat Hein- rich in bie Mitte feiner Getreuen und sagte leuch­tenden Auges: „Erst jetzt,, da wir einen Sieg verzeichnen können, sind wir wert, des Königs Banner zu folgen."

Er winkte einem Burschen, der neben ihm stand unb eine lange verhüllte Stange trug. Der nahm die Hülle ab, und stolz flatterte das Lilien donner der Bourbonen in der Luft. Da sanken bie Bauern in bie Knie unb häuften Gott inbrünstig, daß er l ihnen so weit geholfen.

In Aubiers empfing man sie mit begeisterter i Freude. Es entwickelte sich eine reizende Sager- ! szene. Die Leute von Aubiers wußten nicht genug ; von der Wildheit bet Blauen zu erzählen, bie alles ; in Küche unb Keller kurz und klein geschlaaea ' hätten. Vor Schrecklicherem hätte sie nur der An­griff der Vendeer bewahrt. Was die biederen Leute noch an Vorräten austreiben konnten, bas brachten sie herbei und gaben es ben Siegern.

Am nächsten Tage kam ein Bote von Cache- lineau, ber brachte erfreuliche Kunde; auch Ca- thelineau hatte die Blauen geschlagen, unb sie be- finben sich alle auf der Flucht nach Norden zur Loire. Folgt meinem Rat, schrieb Cathelineau, unb geht nach Saumur, bas wir erst nehmen müßen, bie Festung ist stark besetzt; erst wenn wir Saurnur haben, können wir gegen Nantes vorgehen. Im gleichen Sinne habe ich an bie anderen Führer geschrieben, an d'EIbee, Bon- champs, Lescure. Wenn wir alle bas eine Ziel verfolgen, mutz es uns gelingen. Eine Ab­weichung, eine Uneinigkeit — und wir sind verloren.

Heinrich sah ein, daß er dieser Aufforderung entsprechen müsse, nur hätte er gern Sicherheit wegen des Schicksals bet Schwestern Bressuires gehabt, Sie in ber Fclsenburg Morvelles saßen und von denen er sich immer weiter entfernte, wenn er nach Westen ging. Und der Gedanke, Lucien und mit ihr auch ihre Schwester in Gefahr zu lassen, war ihm unerträglich. Er besprach sich mit Sem Vicomte.

„Daß ich es Euch gestehe edler Herr", sagte er, „mich fesselt ein zartes Band an Eure älteste Tochter; wären die Zeiten friedlich, ich würde eS wagen, um Eure Zustimmung zu unserem Bunde zu bitten."

„Edler Herr de Larochejacquelin", erwiderte der Vicomte feierlich, „ich habe wohl empfunden, daß Jbr meiner Tochter Lucie größere Aufmerk­samkeit eiitgegenbrachtet, als sie bie bloße ritterliche Artigkeit verlangt, unb unter gewöhnlichen Um­ständen würde ich sofort fröhlich eiiischlagen. Jetzt aber, junger Freund, erobert Euch Eure Braut in Nantesl" , . .

„DaS war ein Wort, Vicomte!" rief Hemrich aus, „in der Notre-Tame zu Nantes soll die Trauung sein!"' Bressuires umarmte Heinrich, der ihm bie Hand zu küssen versuchte, aber Vres- silires wehrte lebhaft ab. „Ihr vergeßt, Herr Ge- neral", fegte er lächelnd, „daß Ihr mein Borge

1 setzter seid." (Fortsetzung folgt.)