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Rotation,druck u. Verlag der.«uldaer Ar. tiendrnckerei in Hulda. $tntfprt .b«t Nr. 9.
M 125.
Fulda, Freitag den 1. Juni 1906.
33. Jakraani.
Krstes Matt.
* Das Zentrum in der Beleuchtung der.Post'.
Von der freikonseroativen ,Postt ist man gelohnt, wenn fie auf das Zentrum zu sprechen kommt, Ausführungen zu vernehmen, die jeder Logik bar sind, man müßte denn eine Logik in der Hartnäckigkeit erblicken, mit welcher das genannte Blatt sich bemüht, seinem Hasse gegen alle» Katholische Ausdruck zu verleihen. Wir haben schon angedeutet, daß auch in der Frage des Reichskolonialamts das führende Blatt iber Freikonservativen seiner Gepflogenheit in dieser Richtung durchaus treu bleibt. Die,Postt scheint an diesem Thema gar nicht genug bekommen zu können, und der Eifer, mit dem sie dasselbe verfolgt, verleitet sie zu geradezu widersinnigen Ausführungen.
Man würde von diesen kein Aufhebens zu machen brauchen, wenn sie nicht symtomatisch erschienen für die ganze Gesinnung, welche die ,Poftt und ihre Hintermänner dem Zentrum 'gegenüber beseelt. Während auf der einen Seite das Zentrum als die „regierende Partei" im Reiche hingestellt wird, ohne die und gegen die von der Reichsregierung nichts unternommen wird, muß sich das Zentrum auf der anderen ; (Seite von der ,Post' eine Charakterisierung ge- । fallen lassen, welche die Partei als völlig bedeutungslos hinstellt. Rach der,Postt hat daS Zentrum in der letzten Reichstagssession eigentlich .so gut wie gar nichts geleistet. Seine 'Zustimmung zur Mottenvorlage ist ebenso wenig ein Verdienst um das Reich, wie seine Zustim- jnung zu dem Militärpensionsgesetze. Lediglich h,Popularitätsrücksichten" haben dem genannten freikonservativen Organ zufolge das Zentrum veranlaßt, für diese Gesetze zu stimmen. Was aber die Steueroorlage anlangt, so trägt nach der ,Postt das Zentrum die Schuld an einer wesentlichen Verschlechterung" dieser Vorlage. WaS braucht also die Regierung Rücksicht auf das Zentrum zu nehmen? Zumal, da es durch die Diätenvorlage nach der ,Postt für seine Leistungen „in barer Münze bezahlt" worden ist!
Nach dem Gedankengange der ,Postt hat das Zentrum demnach aus der letzten Reichstagssession nichts von Erheblichkeit aufzuweisen, was ihm als Verdienst angerechnet werden müßte. Kein Mensch wird daher die Rücksichtnahme begreifen, welche die Regierung dieser Partei fortgesetzt angedeiben läßt. Diese Rücksichtnahme verkörpert sich für das fteikon- servative Blatt in erster Linie in dem Staatssekretär des Innern, Grafen Posadowsky, jbem vorgeworsen wird, daß er im Reichstage es an der nötigen Schneidigkeit gegenüber den An- jgriffen des Zentrums habe fehlen lassen, d. h. ^Angriffen gegenüber, die sich „weit höher hinaus" richteten, als in dem Vorstoß gegen !den Obersten von Deimling den Worten nach ' bargetan war. Graf Posadowsky, heißt es in der .Post', habe bewiesen, daß er sich trotz der „eifrigsten Verbeugungen vor den Wünschen des Zentrums" nicht entfernt den Einfluß auf diese Partei zu verschaffen gewußt habe, den sonst ijeber Staatsmann auf die Partei zu üben pflege, 'mit der er zusammen arbeite und auf die er sich be,anders stütze.
Der einzige Gedanke, der uns an diesem krausen Zeug intelessiert, ist das förmlich gewaltsame Hervorkehren der Abneigung der,Postt gegen den derzeitigen Staatssekretär des Innern. Graf Posadowsky kann sich rühmen, daß er im Hasse des freikoniervativen Organs ungefähr auf der gleichen Stufe mit dem Zentrum rangiert. Dieser Haß datiert ja nicht erst von heute. Er Hat noch kürzlich in der Diätenfrage einen besonders scharfen Ausdruck gefunden. Bedeutsam ist nur, daß die .Post' mit dürren Worten dm Staatssekretär ebenso wie das Zentrum an einer Stelle zu denunzieren sucht, die deutlich genug kenntlich gemacht ist, und von welcher sich daS freikonservative Organ ein Eingreifen zu versprechen scheint, wie es die Gegner des Zentrums seit langem wünschen. Unsinn und Perfidie deichen sich bei der .Post' wieder einmal die Hand. Daß dieses Zwiegespann zu einem Er- (folge führt, dürsten selbst die Anhänger der,Post' (bezweifeln.
Deutsches Reich.
Berlin, den 31. Mai 1906.
* Hebet daS Unwohlsein des Abg. Dr. ^Spahn in der Sitzung deS ReichitaoeS vom Montag wird der ,Köln. Bztg.' geschrieben:
ES ist verständlich, daß dieser Vorkommnis tae.roiffe Besorgnisse Hervorrufen konnte, nachdem Mon einmal der Abg. Dr. Spahn, und zwar in her letzten Sitzung vor den Osterferien am 7. April des vorigen Jahres, infolge von Ueberanstrengung einen Ohnmachtsanfall erlitten hat. Beide Anfälle ereigneten sich am Schluffe eines länger«,, höchst erbeiti- und anstrenaungsreichen Parlamentsabschnittes. DaS wirft em hckleS Bild auf den Grund dieser Anfälle. Doch war das Unwohlsein em
vorigen Montag nicht von Bedeutung und gibt zu keinerlei Besorgniffen Anlaß. Abg. Dr. Spahn war am Sonntag Abend sehr spät von Kiel in Berlin wieder angekommen. Er war dann früh aufgestanden und hatte sich sofort nach dem Frühstück an den Verhandlungen des Morgens in Komniis- sion und Plenum des Reichstages beteiligt. Bis gegen 3 Uhr war er nicht dazu gekommen, auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Bei der außerordentlich schlechten Lust, welche sich im Reichstage sofort entwickelt, wenn er gut besetzt ist, kann es daher eigentlich nicht wmrdernehnten, daß die Leerheit des Magens sich geltend machte. Abg. Dr. Spahn mußte den Sitzungssaal verlaffen, aber die beiden Aerzte, die Abgg. Dr. Mugdan und Dr. Ruegenberg, welche ihm sofort folgten, brauchten nicht in Tätigkeit zu treten. Ein Butterbrot und ein Glas Wein genügten, um das Unwohlsein in kurzer Zeit zu beseitigen. Nach einer halben Stunde konnte Abg. Dr. Spahn in den Sitzungssaal zurückkehren und sich an den Verhandlungen bis zum Schluß beteiligen. Auch nach Schluß der Sitzung und am Dienstagmorgen hat Abg. Dr. Spahn wieder an den verschiedensten Verhandlungen teilgenommen und ist dann am Dienstag um 1 Uhr nach Kiel zurückgefahren. Es steht drrrchaus zu hoffen, daß die ruhigere Zeit, welche auch für ihn jetzt beginnt, es mit sich bringen wird, daß dieses Unwohlsein keinerlei dauernde Folgen hat und er im Herbste wieder mit seiner alten ungewohnten Arbeitskraft in die parlamentarische Tätigkeit eintreten kann. .
* Auch bie ,Köln. Ztg.' meldet jetzt, daß der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg „mit hoher Wahrscheinlichkeit" auch unter den jetzt geschaffenen Verhältnissen an ber Spitze bes Kolonialamts verbleiben werde. Die ,Nat.-Ztg.' bezeichnet diese Nachricht als eine die augenblickliche Lage richtig kennzeichnende. Wenn auch endgültige Entschließungen noch nicht vorlägen, so scheine doch „erfreulicherweise" begründete Aussicht vorhanden zu fein, daß der Erbprinz der kolonialen Sache an leitender Stelle erhalten bleibe. — Wozu also der Lärm in der alldeutschen und nationalliberalen Preffe?
* Für das abgelaufene Etatsjahr haben aus den im Etat der Staatseisenbahnverwaltung zurPrämiierungnühlich er Erfindungen vorgesehenen Mitteln 34 Beamten und Arbeitern der Eisenbahnverwaltung Belohnungen im Gesamtbeträge von 15000 Mark, für Erfindungen und Verbesserungen, die für die Erhöhung der Betriebssicherheit ober in wirtschaftlicher Beziehung von Bedeutung sind, bewilligt werden können.
*** Eine Tuberkulosekonferenz hat am Donnerstag im Reichstagsgebäude ftaitgefunben. Das deutsche Zentralkomitee zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke hielt nämlich im Sitzungssaal des Reichstags feine 10. Generalversammlung ab. Staatssekretär Graf v Posa- dowsky hob in einer Ansprache hervor, daß noch viel mehr Volksheilstätten begründet werden müßten. Dem Volke müsse die Gesundheit erhalten werden, um es arbeitsfähig und wehrfähig zu erhalten. Je arbeitsfähiger und wehrfähiger ein Volk sei, desto mehr werde es seine Schwerkraft in dem Wettbewerb der Völker behaupten können. Er bitte, unablässig dahin zu wirken, neue Freunde der Bewegung zuzuführen und damit zu ermöglichen, daß der Stiftungszweck des Komitees weiter verfolgt werden könne. — Aus dem Geichäftsbericht entnehmen wir, daß in den letzten 10 Jahren 85 Volksheilstätten für Erwachsene mit 8000 Betten und 14 Heilstätten für Kinder mit 500 Betten begründet worden sind. Das Zentralkomitee hat zur Errichtung solcher Anstallen I V, Millionen Mark Beihilfen gewährt. ®ie Tuberkulose-Sterblichkeit in Preußen ist nach einer Zusammenstellung des preußischen statistischen Amts von 21 auf 19 von 1000 Einwohnern zurückgegangen.
* Abwälzung ber Biersteuer. Damit die von den norddeutschen Brauereien geplante, mit der Biersteuererhöhung in gar keinem Verhältnis stehende Bierpreiserhöhung von2Mk. leichter auf daS Publikum abgewälzt werden könne, schlägt die Deutsche Brauindustrie vor, die Brauereien sollten sich mit den Gastwirten dahin einigen, daß diese für das erste GlaS Bier 20 Pfennig, für jedes weitere, wie bisher, 15 Pfg. fordern. Bei 200 GlaS zu Via Liter mache der Wirt noch ein gutes Geschäft, denn ein Mehr komme schon durch das erste GlaS zu 20 Pfg. heraus. Er habe außerdem seßhaftere Gäste; denn wer gewohnt sei, die Lokale zu wechseln, werde dies unterlaffen, weil er in dem neuen Lokale für daS erste Glas würde 20 Pfg. zahlen müssen. Auch rechnet die Deutsche Brauindustrie damit, daß mehr getrunken werde, als bisher, well dadurch b:e Verbrauchsabgabe wieder herauSgeschlagen werden könne. Wer mehr als 5 GlaS trinke, habe die für das erste GlaS mehr gezahlten 5 Pfg. wieder eingebracht. Wenn denn einmal unter allen Umständen das Publikum geprellt und der Preis zum Vorteil der Wirte und Brauerei in geradezu unverschämter Weise in die Höhe geschraubt werden muß, so würden wie Vorschlägen, den Preis für daS erste GlaS noch viel stärker zu erhöhen, vielleicht um 10 Pfa. Das Publikum würde bann schon in dem Bestreben, die „Verbrauchs- abgobe" wieder abzukrieyen, sich anstrengen, mehr all 10 GlaS zu tonten, und der Profit
der Wirte wäre noch höher. Es fragt sich nur, ob das Publikum sich prellen lasten wird, und ob die Brauereien zum Zwecke der PreiS- schraubereien zusammenhalten werden. Man scheint denn auch in den Kreisen der Brauer und Wirte einige Zweifel zu hegen. Aus Königsberg in Pr. wird berichtet, daß dort über eine Verteilung ber Lasten ber neuen Brausteuer eine Konferenz von Brauereidirektoren und Vorständen ber Gastw irtsoereine verhandelte. Während die Brauereidirektoren dafür eintraten, bie Steuer auf bas konsumierende Publikum abzuwälzen, hielten die Gastwirte dies für unmöglich und erklärten sich bereit, für das Hektoliter Bier 1 Mark mehr an die Brauerei zu zahlen; die letzere sollte bann den Rest der Mehrbelastung tragen. Nach längerer Debatte gaben die Vertreter der Brauereien nach der ,Königsb. Hart. Ztg/ int allgemeinen ihr Einverständnis mit dem Vorschläge kund, doch sollen enbgiltige Abmachungen erst nach einiger Zeit getroffen werden.
* Eine lange Verlustliste über die schweren Opfer, welche die schon berichteten letzten Kämpfe mit Hottentotten-Abteilungen in Südwestafrika gefordert haben, ist eingegangen. Darnach sind am 23. Mai d. I. im Gefecht westlich Spring- pütz gefallen: Sergeant Otto Boas, geboren am 10. 2. 78 zu Rackith; Gefreiter Albert Ra- dicke, geboren am 30. 4. 82 zu Wriezen: S ch w e r- verwundet: Leutnant Ulrich von Kalckrenth, geboren am 19. 1. 81 zu Berlin, Schuß rechte Ferse, Prellschuß linken Fuß; Unteroffizier Leopold Weber, geboten am 9. 3. 84 zu Neunkirchen, Knochenschuß linken Oberarm; Unteroffizier Karl Droske, geboren am 28. 12. 82 zu Versmold, Schuß linken Oberschenkel und Unterleib; Gefreiter Karl Lehwald, geboten am 20. 7. 81 zu Groß-Bestendorf, Schuß rechte Wade; Reiter Karl Friedrichsen, geboren am 6. 5. 81 zu Schleswig, Schuß Unterleib; Re ter Heinrich Brück, geb. am 8. 8. 82 zu Aßlar, Schuß linke Schulter; Reiter Gerhard Bielke, geb. am 4. 11. 82 zu Neutomischel, Schuß Unterleib; Reiter Johannes Epringwald, geb. am 6. 3. 86 zu Bartenstein, Schuß rechten Unterschenkel; Reiter Robert Mehl, geb. am 12. 2. 85 zu Sulzfeld, Schuß linke Hüfte; Reiter Franz Myrczick, geb. am 4. 4. 83 zu Lassen-Strzebin, Schuß linkes Knie. — Leicht verwundet: Unteroffizier Karl Ilse, geb. am 17. 2. 82 zu Opperode, Schuß rechten Oberschenkel; Unteroffizier Wilhelm Springer, geb. am 26. 12. 81 zu Borgstedt, Schuß linke Wange; Gefreiter Alfred Dumme!, geb. am 3. 6. 83 zu Arien, Schuß rechte Hand; Gefreiter Friedrich Kirch, geb. am 19. 1. 83 zu Ehren- brcitftein, Schuß rechten Ringfinger; Reiter Felix Schubert, g b. 3. 3. 83 zu Gera, Schuß rechten Oberarm. — Am 23. Mai d. I. bei Dakaib: Leicht verwundet: Vizefeldwebel Alexander Eschberger, geb. am 12. 11. 79 zu Coswig, Streifschuß linke Hand; Unteroffizier Paul Göckel, geboren am 11. 1. 81 zu Burg, Steinsplitter linkes Knie. Am 25. Mai d. I. bei Nukais: Schwer verwundet: Ge- freiter Paul Howey, geboren am 23. 4. 83 zu Burg, Kopfschuß. Leichtverwundet: Leutnant Georg Zollenkopf, geboren am 14. 1. 81 zu Zittau, Schuß linker Unterarm, rechter, vierter und fünfter Finger; Reiter Paul Beyer, geboren am 11. 3. 83 zu Stargard, Schuß linken äußeren Knöchel; Reiter Friedrich Possekel, geboren am 6. 7. 83 zu Sausleszowen, Streifschuß rechten Fuß; Reiter Gottlieb Gläser, Streifschuß rechten Oberschenkel. Den Wunden erlegen: Reiter Karl Friedrichsen, geb. 6. 5. 8t zu Schleswig, infolge der im Gefechte bei Springpütz erhaltenen Verwundung am 25. Mai d. I. auf dem Transport nach dem Lazarett Kalkfontein gestorben. Gefreiter Eduard Globig, geb. 26. 7. 82 zu Altgolsen, am 23. Mai d. I. in Mamas am Herzschlag gestorben; Reiter Georg Treuschel, geb. am 7. 2. 77 zu Wangen, am 28. Mai ds. Js. im Lazarett Karibib an Typhus gestorben.
* Die Nachricht eines Berliner Blattes, der Bundesrat habe schon vorgestern die Börsengesetz-Novelle verabschiedet, wird von der Deutschen Tageszlg/ Gegenstand scharfer Aus- laffungen gegen eine Herabsetzung der Börsensteuer gemacht. Das Blatt wirst die Frage auf, weshalb trotz dieser frühzeitigen Erledigung der Vorlage im Bundesrate pin Gesetzentwurf nicht mehr in den Reichstag gebracht werde und meint, daß sie wohl mit Rücksicht auf die Lage der Börse selbst geschehe, da es zweifellos Heiterkeit erregt haben würde, wenn man zur Begründung der sogen. Börsenreform die Behauptung wieder- holt hätte, daS Börsengeschäft liege infolge des geltenden Börsenaesetzes darnieder. Eine solche Behauptung würde in einer Zeit, die den Ertrag der Börsensteuer auf das höchste bisher erreichte Maß gesteigert habe, dem Fluche der Lächerlichkett verfallen fein. Auf die Ankündigung hin, die Novelle werde dem Reichstage bei seinem Wieder- zusammentreten im November vorgelegt werden, erklärt das Blatt: „Will man den Versuch machen, so haben wir nichts dagegen. Wir werden ober alles tun, das Gesetz in dieser Form jum Schei- lern zu bringen und statt seiner eine wirkliche Börsenreform durchzuführen durch Einfügung von Strafbestimmungen und des Deklarationszwanges in daS geltende Gesetz "
* Die Novelle zum Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz wird, nachdem der preußische Landtag die Novelle in eine die Regierung zu- friedenstellende Form gebracht hat, demnächst veröffentlicht werden. Im Finanzministerium ist man nunmehr an die Slenberung der Ausführungsanweisung zu beiden Gesetzen herangegangen, um die Durchführungen der neuen Bestimmungen möglichst leicht zu gestalten. Man erwartet, daß diese Skbeiten so früh erledigt werden können, daß die neuen Bestimmungen bereits vor Beginn der nächsten Veranlagung zur Einkommensteuer vorliegen werden.
* Die Gemeindekommiffion des Abgeordnetenhauses hat Eingaben um Einführung einer Städteordnung im Regierungsbezirk Stkalsund beraten und beantragt, dieselben der Staats- regietung zur Erwägung zu überweisen.
.'. Die von uns am Mittwoch als unglaubwürdig gekennzeichnete Meldung, die Di-po- sitionen betr. die Beratung de3 Schnluitterhol- tungsgesetzes im Herrenhause feien dahin geändert worden, daß nach Pfingsten nur eine allgemeine Be'prechnng statifinden und die definitive Erledigung der Vorlage bis zum Herbst verschoben werden solle, wird auch von der ,Kreuzzeitung^ als unrichtig erklärt. Das Blatt stellt fest, daß jene Meldung „völlig aus der Lust gegriffen ist". An der Absicht, unmittelbar nach der allgemeinen Besprechung die Stern- misfionsberatung zu beginnen, werde sestgehalten werden, deshalb bestehe die begründete Hoffnung, daß das Herrenhaus die Beratung der Vorlage noch im Laufe des Juni zum Abschluß bringen und der Schluß des Landtages spätestens in den ersten Tagen des Juli erfolgen können werde.
.. Nach einer von einigen Blättern verbreiteten Nachricht sollen auch dir FahrrarrZ- toeife, deren Giltigkeit erst nach dem 1. August erlischt, besteuert werden. Von unterrichteter Seite wird der ,Vossischen Zeitung' mitgeteilt, daß hiervon keine Rede sein kann, da es sich bei der Besteuerung um einen Urkundenstempel handelt. Nur vorn 1. August ab giftige Fahrkarten werden daher besteuert, alle für einen früheren Termin gelösten nicht, wobei es natürlich gleichgiltig ist, ob diese die Fahrt für den Inhaber auch im August oder September auf der Bahn gestatten.
Ausland.
* Die französischen Bischöfe haben gestern vormittag wiederum eine Sitzung abgehalten. In Frankreich und Deutschland gibt es schon jetzt Blätter, die allerhand Einzelheiten über die Arbeiten und Abstimmungen der Versau mlung erzählen, die ober als Klatsch zu bezeichnen sind und nur die Tatsachen verbergen sollen, daß man gar nichts weiß. Der Preffe ist durch das erzbischöfliche Sekretariat eröffnet worden, daß die Beratungen ein vollständiges Geheimnis bleiben müssen. Man nimmt aber, wie ber ,Kölu. Volksztg/ geschrieben wird, an, daß eine Mehrheit von 15—20 Stimmen für die Annahme des Trennungsgesetzes vorhanden sein wird. Die Abstimmungen erfolgen schriftlich und in Kuverts, die erst in Rom geöffnet werden. Die Kardinalskommission besteht aus den Kardinälen Ferrata, Vives y Tuto, Vincenzo, Vanutelli, Merry del Val, Rampolla, Mathieu und Tagliani. Tnrinaz, der Bischof von Nancy, in dem viele das Haupt der Opposition sehen wollen, ist überhaupt gar nicht anwesend. An den Pforten des Palais hatten sich einige Neugierige angesammelt. Die Bischöfe — meist ohne Abzeichen und in gewöhnlicher Priesterkleidung — trafen teils in Droschken, teils zu Fuß ein. Den Vorsitz führen die drei Kardinäle Richard (Paris >, Lecot (Bordeaux) und Coullio (Lyon). Die Verteilung ber Plätze an den Tafeln hat der Erzbischof Richard selbst oorgenommen. Der Koadjutor A mette, der gestern nachmittag aus Rom eintraf, ist der Ueberbtinger eines päpstlichen Schreibens an Kardinal Richard, das erst in ber Versammlung geöffnet werden sollte. Das Schreiben bes Papstes roivbe von der Versammlung der Bischöfe sofort mit Hgenber Depesche beantwortet: ,.Jn dem Augenblicke, wo die Bischöfe Frankreichs sich versammeln, um in vollster Freiheit über die Bedürfnisse der gegenwärtigen Zeit zu beraten, beeilen sie iich, zu Füßen Eurer Heiligkeit die Hu digung ihrer kindlichen und vollständigen Ergebenheit nieder- zulegen, und die Versicherung auszusprechen, daß sie, waS immer sich ereignen werde, ebenso un- erschütterlich den Interessen des Glaubens rote der Größe und der Wohlfahrt des Landes treu bleiben werden, das sie heiß lieben und deut sie mit Eifer dienen wollen."
* DaS französische Parlament wird gleich nach feinem Zusammentreten reichlich Arden de- kommen. Der sozialistische Deputierte Görault Richard teilte dem Ministerpräsidenten mit, daß er ihn sofort zu Beginn bet Kammerfesfion über die innere und äußere Politik bei Kabinetts interpellieren werd«. De« »Sottck zufolge wollen mehrere sozialistisch-radikale Deputiere eine Interpellation einbringen über die beklagenswerte Stellung, welche den republikanisch gesinnten Offizieren in öielen Armeekorps be-