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Rotationsdruck «. Verlag der Fuldaer Rv tiendruckerei in KUda. Fernsprecher Nr. 9.

JV5 123.

Fulda, Mittwoch den 30. Mai 1906.

33. Jahrgang.

5 weites Matt.

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][ von -er Bayerischen Jubiläums» Landes-Ausstellung in Nürnberg 1906.

L

Die Stein-, Ton- und Glas-Industrie.

Welch' unerschöpfliche Schätze der Boden un­seres Landes birgt, zeigt sich bei Besichtigung der Gruppe VI: „Stein-, Ton- und Porzellanwaren, Zement-, Gips- und Glaswaren." Zunächst sei auf das prächtige Material aufmerksam gemacht, welches zum Hausbau, zu künstlichen Stenchauer- Ärbeiten, zu Schmuckzwecken, als Säulen für Brunnen rc. Verwendung findet. Da ist gleich Kiefersfelden, das einen farbenprächtigen Altar aus Marmor zeigt. Feinkörnige Sandsteine zu wetterbeständigen Steinmetz-Arbeiten kommen von den Ufern des grünen Mains, Marmor und marmorartiger Muschelkalk aus Franken, Ober- jbayern und Schwaben. Auch aus der Treucht- finger« und Solenhofer Gegend dienen die stär­keren Schichten des Kalkes ähnlichen Zwecken. Granit (weiß, grau, blau und gelb) zu Säulen ,unb Treppenstufen, Pflastersteinen und Brunnen­trögen liefert das Fichtelgebirge und der bayeri­sche Wald, Basalt, der hauptsächlich zur Herstel­lung einer dauerhaften Straßendecke dient, wird in großen Werken des Fichtelgebirges und der der Rhön zu Schotter in allen Größen des Klein- schlages verarbettet, während die Abfallprodukte mit Kalk, Zement und ähnlichen Bindemitteln zu Runfiftcinen geformt werden. Sehenswert sind die natürlichen mehrsettigen Basaltsäulen, wie sie aus den Brüchen kommen. Von dem Werke Markt­schorgast wird in Zeichnung und Modell einiges der Betriebs-Einrichtung zur Schau gestellt. Eine ähnliche Verwendung wie der Basalt findet der Dolomit und Jura-Kalk; die Brücke Hartmannshof und Rupprechtsstegen, die für den Jntereffenten leicht zu erreichen sind, führen ihre Erzeugniffe vor. Der Behringersdorfer Kunstsandstein — aus Keupersand und Kalk unter hohem Druck hergestellt — hat große Verbreitung gefunden. Mcht zu vergessen ist der wertvolle Solnhofer Stein, der sogenannte Solnhofer Schiefer, der als unersetzlicher Lithographiestein den Wett- Handel beherrscht. Geringere Sorten dieses Steins werden als Fußbovenplatten und zu ähn­lichen Zwecken benutzt. Ziemlich verbreitet ist die Herstellung von Zement, der von Schliersee, Waisenburg i. B., Ulm, Rothenburg o. T., Karlsstadt a. M. ausgestellt ist; teils seine Roh­materialien und Halbfabrikate, teils als fertige Ware, teils verarbeitet mit Sand, Serpentin- und anderen Steinsanden. Recht gut sehen die verschiedenen Aufbauten aus Kunststeinen — eS werden alle möglichen Gesteinarten nachgeahmt — aus, nicht minder verschißene Brunnen auS solchem Material, wie z. B. der des Bildhauers F. Gösche! mit den 4 philosophischen stelzbeinigen Vögeln und die Kittlersche Nachbildung deS Dach­gesimses vom Hirschvogelsaal. Aus Gips ist einiges hübsche von weißen und farbig getönten Figuren zu sehen.

Neben Mühlsteinen und Schleifsteinen in den verschiedensten Dimensionen find künstliche Bims- fieine zu Schleif- und Polierzwecken, sowie Del« steine und Wassersteine zum Abziehen für feine Werkzeuge, Rasstermeffer rc., vertreten.

Die Helden der vendee.

Historische Erzählung aus den Tagen der franzö­sischen Revolution.

Von Gustav Jordan.

9) (Nachdruck verboten.)

Bressuires aber und Morvelles hielten ernste Zwiegespräche. Was sollte in den nächsten Tagen geschehen? — Sollte Bressuires auf immer sein Schloß aufgeben oder es befestigen? Wann durfte er sich wieder aus der Burg herauswagen? Sollte er übermorgen in Nubiers erscheinen als Gefolg- mann des Herrn Heinrich? Wann sollte er seine Töchter einen anderen Zufluchtsort auftuchen llaften? Das waren alles Fragen, die sorgfältig hin und her erwogen werden mußten, über die aber insgesamt jetzt zur Entscheidung zu gelangen unmöglich war, da sie noch gar nicht überschauen konnten, was die nächsten Tage bringen würden. Jedenfalls nahm sich Bressuires fest vor, sich über­morgen in St. Aubin einzustellen, um durch seine Gegenwart eine möglichst allgemeine Beteiligung am Ausstande seitens der Leute zu bewirken, die irgendwie von ihm abhängig waren oder gewesen waren. Ob der Alte ihn begleiten würde, ward von den Umständen abhängig gemacht. Die beiden begannen dann auch einen Rundgang durch den altertümlichen Bau, um ihn auf seine Festigkeit zu prüfen. Sie waren mit dem Ergebnis ganz zu­frieden.

„Wenn die Kerle nicht mit Kanonen gegen uns heranrücken", meinte Morvelles, „so kann uns der Hunger allein zur Uebergabe zwingen — und ehe wir uns aus diesem Grunde ergeben, verhungern wir aber lieber oder schießen uns gegenseitig tot. Und was die Kanonen betrifft, wo wollen die Kerle die Batterien auffahren? Wo gibt es einen Punkt, von dem aus sie ihre Feuerkugeln zu uns herabwerfen können? In der Nabe ist glattes

Sehr erfreulich ist die Abteilung der Oefen und Chamottewaren der Porzellan und Fayencen, der Majolika-, Steingut- und Steinzeuggefäße. Wenn auch die Zahl der Aussteller gering ist. — was gezeigt wird, ist umso rühmenswerter. Besonders prächttg sind die Chamotteöfeu, Ka­mine u. s. w. aus Lauf, Nürnberg und Bay­reuth in den verschiedensten Ausführungen, Stil­arten und Farben. Für den Holztechniker, den Chemiker, den Fabrikanten sind die feuerfesten Steine, die Glashafen- und Schmelztiegeltone zu beachten; unscheinbare, aber wichtige Dinge, die ihren Wert in sich tragen. Der farbige Kiosk mit allerlei bunten Ziegeln ist aus Jockgrim ge­kommen.

Tafel- und Kaffee-Service, Geschirr für Gast­häuser und den Familientisch, Figuren und $eHer, Leuchter, Nippes und Grabsteinschmuck aus Porzellan, Steinzeug, Klinker, Herdkacheln, stehen in bunter Reihe da; für die Hausfrau ist eine Art von feuerfestem Porzellan zu Koch-und Gebrauchszwecken anziehend. Luxusgeschirr mit Unterglasur und Kobaltdekorationen, Erzeugniffe der Kunsttöpferei und Porzellanartikel für tech­nische Zwecke, wie z. B. für die elektrische In­dustrie, fehlen nicht. Ebensowenig Isolatoren und Gasbrenner aus Speckstein, Mosaik-Fuß- bodenplatten und Fayencen. Zu allen diesen Dingen liefert der vaterländische Boden die Roh­stoffe, wie er auch eine hochbedeutsame Glas­industrie erwachsen ließ. Nicht nur Hohlgläser, Flaschen und Gebrauchsgläser in allen gebräuch­lichen Formen und zu allen möglichen Zwecken erzeugen die Oefen des bayerischen Waldes der Oberpfalz, Oberfrankens und Oberbayerns, nein, auch die feinsten Krystall- und Farbenglas- Erzeugmffe entstehen dort. Das Weinglas, vom behäbigen soliden bis zum üppigen Muster, das Sektglas, gleichsam wie sein zukünftiger Inhalt, leicht und graziös in die Höhe steigend, oder als flache Schale dem Edelwein ein ruhigeres Bette bietend, das derbe Schnapsglas nicht minder als der zierliche Behälter für einen duftigen Damen­likör sind vor uns aufgestellt. Für das schöne Geschlecht kommt nun ganz besonders etwas, das wohl keine entbehren mag, und sollte sie ein Ladenfenster oder eine Wafferpfütze als Ersatz benützen müffen — Spiegel! Spiegel, wie man sie sich nur vor stellen vermag. Entzückend, reizend usw. Die bayerische Spiegelindustrie ist besonders in Fürth zuhause und versieht von dort ans viele, wenn nicht alle Länder.

Eine größere Anzahl der einschlägigen Firmen haben gemeinsam eine Sammelaus­stellung veranstaltet, die manche«! Wunschseufzer hören wird. Ganz in der Nähe sind auch Diamanten zu sehen, es find aber nur Glaser­diamanten, die unentbehrlichen Werkzeuge zur Verarbeitung des künstlichen Krystalls. Für technische Zwecke, für Schaufenster, für Kunst- verglasungen und Glasmalereim, für Firmen­schilder und ähnlichen Gebrauch sind die Ma­terialien zu sehen und laden den Interessenten ein, seinen Bedarf bei den Ausstellern zu decken.

Vermischtes.

* Der Prozeß gegen de« Oberst a. D Hüger wegen Beleidigung preußischer und württembergischer Offi­ziere sowie der mürttenibergischen Gerichts- und Ehreugerichtsbehörden in mehreren Petitionen an dm Reichstag und in zwei Broschüren hat in voriger Woche in Dortmund wieder begonnen.

Felsgestein, wo jede Kanone hinabrollt tote eine Billardkugel, und nachher fängt das elendeste Ge- sttüpp, das kein Mensch abrasieren kann, ihre Ku­geln tote Netze auf. Und wenn Euren Heinrich hält, was er verspricht, so hat er die Kerle in vier- zehn Tagen auseinandergesprengt."

So waren sie in die Nähe des Hauptturmes ge­langt, als lautes Rufen und Schreien von oben her erschallte. Sie schauten nach eben und sahen Jo­hanna und Lucte, die ihnen mtt großer Lebhaftig­keit etwas zuriefen, was sie aber nicht verstehen konnten.

„Die Mädchen haben Mut gezeigt," sagte Mor­velles, „wenn sie auf dieser Treppe bis nach oben gestiegen sind; sie scheinen auch ganz toll vor Freude über das Gelingen ihres Unternehmens zu sein."

„Sie scheinen etwas Außerordenliches zu be­obachten", sagte Bressuires, „denn sie zeigen mit der Hand unablässig nach der einen Richtung uitd rufen dann, leider tragt der Wind den Schall bei uns vorbei."

„Es könnte fein", sagte Morvelles. „Und die Mädchen machen mich aus ein Versäumnis auf­merksam, das in unserem zivilisierten Zeitalter nur zu leicht entschuldbar ist. Ich habe keinen Turmwächter hinaufkommandiert. Was haben die Fräuleins denn? Sie werden immer ungebärdi­ger. Herr Vicomte, gehen Sie nach oben, meine alten Beine können mich nicht mehr hinauftragen, ich halte unterdessen auf der Bastei Umschau, viel­eicht ersehe ich da dasselbe, wie Ihre Teufelinnen von Töchtern.

Der Vicomte eilte in den Turm und die Stufen hinauf. Eine unbestimmte Angst erfaßte ihn und beschleunigte seinen Schritt. Er achtete nicht da­rauf, daß er manchmal zwei Stufen auf einmal nehmen mußte, daß die steinerne Treppe plötzlich ein Ende nahm und er auf morschem Holzgerüst toeiterflettern mußte. Endlich war er auf der Plattform. Die Mädchen tiefen ihm gleichzeitig zu: „Es brennt, es brennt!"

Nachdem er am 18. Juli 1905 wegen nervöser Er­krankung des Angeklagten abgebrochen worden war. Ein Antrag auf Ablehnung des Vorsitzenden und dreier Beisitzer wegen Befangenheit wurde jon einem neu gebildeten Gerichtshof abgelehnt, ebenso von dem alten Gerichtshof einen Antrag auf abermalige Vertagung. Der Angeklagte bestreitet feine Schuld und die Absicht der Beleidigung. Bei der Ab- faffung seiner Broschüren habe er sich in einem Zustande befunden, der seine freie Willensbestimmung ausschloß, weil er allein von dem Gedanken beseelt gewesen fei, daß man ihm Unrecht zugesügt habe. Zn den weiteren Verhandlungen soll auf Antrag des Angeklagten ein ärztlicher Sachverständiger hin­zugezogen werden.

* Ein falsches Luther-Haus. Die „Thüringer Monatsblätter" schreiben: Vor einiger Zeit ist durch angesehene Tagesblätter und Zeitschriften die anonyme Notiz gegangen, daß das „Luther- Haus in Eisenach" mit seinem gesamten historifcheu Inventar für 70 000 M käuflich sei. Daran schloß sich die Behauptung, daß in diesem Hause Luther als Pflegesohn der Frau Cotta drei Jahre lang, von 1498 bis 1501 gelebt habe, und der Wunsch ,daß es gelingen möge, das ehrwürdige Wahrzeichen einer großen Zeit zu erhalten. Bis­her ist von der Stadt Eisenach, soviel wir wissen, nichts getan worden, den historischen Wahn, dem jährlich Tausende Opfer bringen, zu zerstören. . . Die Liebe zur Wahrheit aber fordert gebieterisch, den Versuchen, das in Frage kommende an sich überaus interessante und sehenswerte Haus zu einem Nationalheiligtum zu stempeln entgegen­zutreten. Da feit dem oben erwähnten Versuch, eine alte Mär aufzufrischen, zwei Gutachten be­währter Geschichtsforscher vorliegen, so dürfte es angebracht fein, behufs Aufklärung des Publikums einige Stellen daraus abzudrucken. In dem einen Gutachten heißt es: „Das sogenannte Luther- Haus in Eisenach zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Nach einer daran zu findenden Jah­reszahl läßt sich feine Erbauung in das Jahr 1563 setzen. Schließt einerseits die Zeitangabe schon aus, daß das Gebäude die Wohnung der Frau Ursula Cotta als Pflegemutter Martin Luthers gewesen sein kann, so weist andererseits Dr. E. Schneidewind in feinem Buche „Das Luther-Haus" (1883) zweifellos nach, daß wir hier noch einmal den Platz zu suchen haben, wo­rauf Frau Cottas Wohnung gestanden haben kann." Aus dem anderen gutachtlichen Schreiben werden besonders folgende Stellen intereffieren: „Als vor ungefähr 25 Jahren der damalige Be­sitzer des sogenannten Luther-Hauses in ihm einen Bazar einrichtete und außen die Inschrift „Luther- Hans" anbringen ließ (diesen Namen führte das altertümliche Gebäude schon im Volksmunde), ver­öffentlichte der inzwischen verstorbene Professor Schneidewind eine kleine Schrift „Das Luther- Haus in Eisenach", in der er klar nachwies, daß die Frau Cotta niemals dort gewohnt hat, sondern in der Gco-genstraße.

* Wo ist in Deutschland der Durst am größten? Nach einer Durststatisiik wird das meiste Bier in Bayern und Württemberg getrunken. Die größten Biertrinker besitzt nach dieser Statistik das Städtchen Creußen bei Bayreuth, wo sich 23 Wittschasten bei 962 Einwohnern befinden, es kommen mithin 42 Seelen auf je eine Wirtschaft. Es gibt aber noch andere Orffchaften, deren Bewohner ähn- lichen Durst haben so: Kasendorf bei Kulmbach, 605 Einwohner, 10 Wirtschaften mit je 60 Stammgästen, Riedlingen (Württemberg), 2300 Einwohner, 32 Wirtschaften mit je 72 Stammgästen, Löffingen (Baden), 1110 Einwohner und 15 Kneipen mit je 74 Stammgästen, Berching (Oberpfalz) mit 1395 Einwohner und 17 Wirtschaften mit 82 Stamm­gästen.

♦ Humor ans der Kinderstube. Bubi, ein Groß­stadtkind, ist zu Besuch bei auf dem Lande woh­nenden Verwandten, Mütterchen schickt chn zum

Kaufmann, Bubi eilt, den Auftrag zu erledigen. — Vorübergehende sehen den „kleinen Mann" am Rande der Dorfstraße stehen und warten, lange warten. Man fragt ihn nach dem Grund, unb Bubi antwortet: Mama hat gesagt, ich soll erst warten bis ein Wagen vorbei ist, nun wart' ich schon eine halbe Stunde, und es kommt kein Wagen

Kursor Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Lmrdwirtschaftsratd vom 22. bis 28. Mai 1906.

Die amerikanische Aufwärtsbewegung findet nur geringes Interesse, um so aufmerksamere Beachtung die infolge günstiger Ernteausfichten verkaufswilligere Haltung Rußlands, sowie die günstigeren Ernteuach- richten aus Indien. Zudem wirkte der vorteilhafte Witterungsverlauf in Westeuropa drückend auf Tendenz und Preis. Die günstige amtliche Beurteilung des deutschen Saatenstandes und die fruchtbare Witterung der letzteri Woche hat die ohnehin sehr bescheidene Kauflust noch weiter zurücktreten lassen. Demgegenüber war das mefft aus abfallenden Qualitäten bestehende Angebot fast an allen deutschen Märkten dringender. Besonders schwach war die Stimmung für Roggen infolge wesentlich ermäßigter Preisforderungen Rußlands, die zwar verschiedent­lich zu Abschlüssen führten, während die dagegen seitens der Importeure vorgenommenen Lieferungs­abgaben einen empfindlichen Preisdruck zur Folge hatten. Weizen, von der flauen Stimmung für Roggen mitgerifsen, konnte feinen Preisstand ver­hältnismäßig bester verteidigen, weil das Angebot darin weniger stark und Eigner sich nicht zu so großen Preisopfern herbeilasten wollen wie bei Roggen, zumal schwere Weizensorten nur noch in bescheidenem Maße verfügbar sind. Den Haferpreisen bieten die laufenden Bedarfsanfprüche bei mäßigem Angebot ausreichende Stütze. In Mixed-Mais ge­staltete sich das Geschäft wegen unbefriedigender Beschaffenheit schwierig, dagegen erfreut sich die in qualitativer Hinsicht zusagendere La Plata Ware guter Kauflust. Der Mehlabsatz ist schleppend, bei Roggemnehl nur unter Preisopfern möglich.

Es stellten sich die Getteidepreste am letzten Markt­tage in Mark pro 1000 Kilo je nach Qualität, wobei das Mehr (4-) bezw. Weniger t.—) gegenüber der Vor­woche m 0 beigefügt ist, wie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 184 (--1 ) 149 (—1 ) 165 ( )

Berlin 180 (—1 ) 158 (—2 ) 175 ( )

Magdeburg 180 ( ) 165 (—5 ) 176 ( )

Hamburg 186 ( ) 172 ( ) 176 ( )

Münster 185 ( ) 168 (—2 ) 167 (+2 )

Düsseldorf 185 (-2 ) 162 (—5 ) 166 ( 2 )

Köln 180 (—2Vi) 170 ( ) 175 (-j-2l/«)

Frankfurt 191‘M-212) 1812 ) 180 ( )

Mannheim 188l/.(—2 ) 168 (-3*/») 170 ( )

München 193 ( ) 176 ( ) 184 ( )

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Er schaute in der Richtung, nach der sie gezeigt; es erhoben sich dunkle Rauchmassen hinter dem Ge> Hölz und verlängerten sich am Himmel zu Weit ge­zogenen Wolken.

„Was brennt?" fragte er atemlos.

„Es ist unser Schloß!" sagte Lucie und brach in lautes Weinen aus. Johanna lehnte ihr Haupt an des Vaters Schulter und schaute großen, starren Auges in jene Gegend, aus der die Rauchwolken emporstiegen.

Dem Vicomte stand das Herz still.

„Es kann ein anderes Gebäude ein", sagte er beschwichtigend.

In dem Augenblick wirbelle dort hinten ein Wind den Rauch hinweg und ließ die Feuergarben sichtbar emporlodern. SDabei strahlte in flammen­der Glut ein Turm auf: et war ihnen allen nur zu wohl bekannt, es war der schlanke Seitenturm, der, mehr zur Zierde als zum Schutze geschaffen, ihrem Schlosse einen so prachtvollen architektoni­schen Abschluß gegeben. Es war fein Zweifel: ihr Schloß brannte. Schweigend hielten sich die drei umschlungen und schauten in das ferne Flam­menmeer. Ihr stattliches Väterschloß, ihr Heim, das ihnen von ihrem Dasein unzertrennlich schien, sank vor ihren Augen in Schutt und Trümmer. Und sie konnten nicht helfen, konnten nichts tun, als tränenden Auges dem Furchtbaren zusehen. So standen sie lange Minuten und keiner wagte den andern in feiner Betrachtung zu stören.

Endlich gingen sie hinunter, langsam, sie halfen sich gegenseitig bei schwierigen Stellen, aber sie prachen fein Work. Als sie unten waren, empfing sie der Gras wutschnaubend. Auch er hatte den Brand des Schlosses sestgestellt; er erging sich in einer Flut von Schimpfwörtern gegen das repu- blifanifche Mordbrennervolk. Der Vicomte, dessen Antlitz von einer Leichenblässe überzogen war, ließ ihn sich austoben. Zuletzt sagte der Graf, halb unwillig über diese Gleichgiltigkeit: „Und was sagt Ihr. den es doch am meisten angelst?"

„Ich sage", antwortete Bressuires mit stahl- harter Stimme, „wo sind die drei Geißeln?"

„Aber", antwortete Morvelles, „hat der Krieg schon jetzt alle Humanitätsgedanken aus Eurem Hirn vertrieben? Wollt Ihr di» drei erschießen lasten? Noch ist nicht die Zeit dazu, mein Freund. Wir haben die Kerle ja sicher in meinem Kröten- loch. Aber wir wollen sie nicht hier im geheimen abtun, eine öffentliche Hinrichtung wirkt besser, Laßt mich nur machen, ich spare sie für eine bessere Gelegenheit auf, und daß ich das nicht aus Mitleid für sie tue, das wißt Ihr. "

„Ich habe feine Heimat mehr", sagte der Vi­comte dumpf.

„Hier ist Eure Heimat", erwiderte der Gras, „und wir müssen uns beeilen, sie in Verteidigungs­zustand zu versetzen, denn die Teufelskerle können in zwei Stunden hier sein, und da gilt es wahr- hastig Tod und Leben. Und nun ans Werk! Drauf und dranl"

5.

Die konstituierende Nationalversammlung hatte aus der alten Provinz Poitou, die sich südlich vom Unterlaufe der Loire erstreckte, drei Departements geschaffen: Deux-Sevres, Vienne, Vendee. Die Bewegung, welche im Jahre 1789 begann und ganz Frankreich umgestalten sollte, hatte von Anfang an in diesen Gegenden keine Begeisterung gefun­den. Der Adel war durch die Aushebung seiner Titel und Ehrenrechte tief verletzt worden und be­hielt, wenn er sich sicher fühlte, alle alten Formen bei, die Geistlichkeit war empört über die Ein­ziehung der kirchlichen Güter und über den Zwang der neuen Verfassung, die eine Menge geheiligter kirchlicher Einrichtungen umstürzte, einen Eid zu leisten. Die meisten verweigerten den Eid und mußten auf ihre Stelle verzichten. Die vereidigten Priester, die nunmehr ihre Stellen einnahmen, wurden aber von der ganzen Bevölkerung als Abtrünnige gemieden, und heimlich ließ man alle heiligen Handlungen von den eidverweigernden Priestern vollziehen. (Forffetzung folgt.)