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M 118.

Fulda, Mittwoch den 23. Mai 1906.

33, Jahrgang.

3]

Von Gustav I, ord a. u.

(Nschdmck verboten.)

einfache. Ferrand^ der von Vater und Stiefmutter .mit. scheelen Augen, angesehen wurde, und Artur, der jüngere, war der zukünftige Herr und Mar- chuis. Wenn auch Artur van Jugend an lieb und gut gegen ihn war, Ferrand haßte ihn doch als iden vermeintlichen Räuber und Dieb des ihm zu­stehenden Erbes. Als der alte Marquis starb, trat Artur die Herrschaft an, aber er überhäufte Ferrand mit Aufmerksamkeiten, räumte ihm einen Flügel seines Schlosses ein und achtete streng, darauf, daß alle Bewohner Bonnevals, seine eigene Mutter nicht ausgenommen, dem Leon Ferrand mit gleicher Auszeichnung begegneten wie ihm selbst Ferrand nahnr das alles scheinbar dankend an, im Innern aber empfand er es als Schmach, der Gnade und Güte seines Bruders das ver­danken zu müssen, was sein war, wenn es. Ge­rechtigkeit in der Welt gab. Und wie ihm Artur I Hab und Gut und Rang und Ehren, gestohlen, so war er ihnr auch zuvorgekdmmen Bet' dem schönen Fräulein von Bressuires,. für das er in Liebe , entbrannt war. t

Mit diesen finsteren Gedanken schritt Ferrand im Saale aus und ab, ohne auf feine Umgebung zu achten. Der Vicomte von. Bressuires bemerkte sein sonderbares Wesen, und' da er fürchtete, Fer­ra uö sei noch verstimmt wegen seines unfreund­lichen Empfanges, ging er auf ihn zu, winkte einem Diener, der ihnen beide Wein brachte und stieß dann mit Ferrand an: „Auf Euer und Eures 'Bruders Wohl!"

Ferrand verbeugte sich, doch dachte er: immer wieder mein Bruder! und stieß so heftig an, daß sein Glus zerbrach. „Ich habe meinen Unglücks­tag!" rief er ärgerlich.

„Das ist noch kein Beweis dafür", erwiderte Bressuires lächelnd, und es ward ein neues Glas gebracht. Ferrand stürzte den Wein schnell her­unter.

„Was hinderte denn Artur, selbst zu kommen?" fragte der Vicomte.

„Er mußte nach Nantes doch weshalb, das hat er mir nicht anvertraut, aber ich weiß es." *

an jt i gen: Bit ein. spoltigt pttitztttt ober deren Raum 15 pfg. Reklamen die petitzrilt 25 pfg.; bei mietet- Holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

6 Millionen pro Jahr, so ergibt sich ein Gesamt­handel von rund 318 Millionen. Rundet man obige Zahl zu rund 750 Millionen ab, so ergibt sich eine Differenz von 432 Millionen. Demgegen­über ist die Anzahl Deutscher, welche in den Schutz­gebieten ihren Lebensunterhalt gefunden haben, eine minimale; 1894 waren es 1435 Deutsche: 1904: 5495.

Nachdem der Verfasser dieses Resultat konsta­tiert, fragt er nach den „Ursachen des kolo­nialen Fiasko s", und er unterscheidet Ur­sachen lokaler und Ursachen allgemeiner Natur. Die ersteren übergeht er und er behandelt nur diejenigen, welche allgemeiner Natur sind. Deren zählt er fünf auf: 1. Die Systemlosigkeit in der Kolonialpolitik. „Was wir in der Kolonialpolitik besonders vermissen", so sagt er, „das ist ein be­stimmtes Kolonialprogramm, eine einheitliche Ko- tonialpolitik . . . Darlegung der Grundsätze, nach welchen in den Kolonien gewirtschaftet werden soll." Die notwendige Folge davon war „die Sy­stemlosigkeit unferer Kolonialpolitik". „Jeder Kolonialdirektor hatte bisher sein eigenes System, und das des Nachfolgers stand sehr oft im größten Widerspruch mit dem des Vorgängers. Ja, der Nachfolger hatte oft einen großen Teil seiner gan­zen Arbeitskraft darauf zu verwenden, daß er die Fehler seines Vorgängers wieder gut gemacht hat." — 2. Auswahl der Beamten. Die in den Kolonien angestellten Beamten hatteu nicht immer den weiten, kolonialen Blick- frei von der klein­lichen Bureaukratie, noch besaßen sie die notwen­dige moralische Kraft und sittliche Gediegenheit. Für beides zitiert der Verfasser Beispiele aus dem kolonialen Leben. — 3. Ansiedler und Gesellschaf­ten. Beide trifft ein „großer Teil der Schuld", tote der Hinweis auf eine Broschüre der Fratt Sonnenberg und auf das „ungeschminkte Bild", welches die Gesellschaft „Süd Kamerun" von den

ist, er z. B. in Kamerun abgespielt: haben. In dieser Beziehung wurde bereits von dem Zentrumsab­geordneten Kalkhoff ein Antrag gestellt, der so­wohl in der Kommission als auch im Reichstage einstimmig angenommen wurde.

Eine Reform des Kolonialrechts muß sich 1. auf eine „erhöhte Mitwirkung des jReichsta ges bei d eu K o lo n i a lgesetz- -gebung" erstrecket!. „Wo Zuständigkeit des Reichstages" auf dem Gebiete der Kolonialgesetz­gebung ergibt sich klär aus Artikel 4 der Ver­fassung, wonach die Bestimmungen „über die Kolonisation" der „Beaufsichtigung und Gesetz­gebung" seitens Les Reiches unterliegen. Das ergibt sich auch aus Artikel 5 der Verfassung- dem zufolge die Reichsgesetzgebung durch ben „Bundes-

Die Helden tzer venüee.

Historische ErzähluuM aus den Tagen der ftauzü- ßschen Revolution.

:: Vie Uolomai-Vitanz.

Von Pater Robert Streit 0. M. I.

„Die Reichstogsverhandlungen im Winter 1905=06 waren für die deutsche Kolonialpolitik von weittragender Bedeutung; nachdem vor 20 Jahren das deutsche Reich in die Reihe der Ko­lonialmächte eingetreten ist, hat nunmehr der Reichstag die Bitottz der zwei verflossenen Jahr­zehnte gezogen." Mit diesen Worten begitmt der Zentrumsabgeordnete M. Erzberger seine kürzlich erschienene Schrift: „Die Kolonial-Bilanz-Bilder aus der deutschen Kolonialpolitik auf Grund der Verhandlungen des- Reichstages im Sessionsab­schnitt 1905-06." (Verlag der „Germania", Ber­lin.) Und diese Bilanz, so führt der Verfasier des weitern aus, „war in wirtschaftlicher Hinsicht nicht vielversprechend, wenn sich auch einige An­sätze auf eine bessere Zukunft zeigen; in morali­scher Richtung aber bedeutet die deutsche Kolonivl- politik kein Ruhmesblatt in der Geschichte unseres Volkes, und es ist ein herzlich schlechter Trost, sich sagen zu muffen, daß bei anderen Kolonialvölkern es auch nicht bester sei."

j fliegendem Atom- fort, „und meine Leidenschaft Ifür Euch, bringt mich, auch- den, Wahnsinn, nahe.

Nehmt mich zum Gemahl, ich will Euch hegen und pflegen und die höchsten bürgerlichen Ehrenämter solle« Ersatz bieten für den verlorenen Adel."

Johanna sah iAn verächtlich an und würdigte, ton. keiner Antwort; sie wandte sich zum Gehen. I Er aber näherte sich ihren» Ohr und flüsterte ihr !zw: „Hört auf meine Worte, Johanna, IHv macht mich zum Glücklichsten, der Sterblichen!" . „Hinweg l sagte sie und sah ihn mit unnach-

'ahml'icher Hoheit an, „Euch schützt das Gastrecht, sonst riefe ich um Hilfe."

FemMtS war bleich, vor Wut. „Ich gehe", kni-vschto er,, „doch mein seligster Tag wird sein, wenn ich Euren! Vater gebunden: auf der Guil­lotine sehe und Euch daneben, auch Euer Kopf soll fallen — nein, nicht, ich will Euch nicht töten —". Und lMverständbiches murmelnd, eilte er hinweg."

Johanna- atmete- tief auf. Ihr graute bei der scheußlichen Dwohungj;, dach bald ward es ihr leichter ums Herz, sie dachte an Artur, der sie vor feinem wilden Halbbruder' schützen werde..

2.

Ferrand war int aller Wtt gegen- Gott und , alle Welt, vornehmlich, gegen seinen Bruder, dem, das fühlte er sicher, das Herz jenes Mädchens ge­hörte, das er für sich begehrte. Was hatte dieser Bruder ihn» nicht schon geraubt? Alles, von Ge- i Burt an, und das alles in Form- Rechtens-, und die ganze Welt ehrte de« Bruder als einen der edelsten Männer in ter ganzen Landschaft. Fer­rand war der älteste Sohn des Herrn von Bonne- Val, entsprossen ans seiner Ehe mit einer Päch­terstochter. Als seine Mutter früh starb, ver­mählte sich der Marquis zum zweitenmale standes- gemäß mit einer der Töchter des höchsten Adels, und die Bemühungen der Marquise brachten es fertig, daß der Ehe Bonnevals mit der armseligen Bäuerin jede Giltigkeit abgesprochen wurde, was Vererburrg des- Adels- und der Feudalrechte betraf, und so war er, der älteste', nichts mrderes als 8er '

Als Johanna bei der Erwähnung seines Bru­ders- sofort seinen' Wünschen entsprach- verzerrte sich das Antlitz Ferrands zu einem boshaften Grinsen. Er eiche ihr nach und zwang sich, so freundlich wie möglich cmrszufthen; sein von bösen Leidenschaften entstelltes Gesicht erschien aber- da­durch noch abstoßender als sonst.

„Der Name meines Bruders- Meint Zauber­kraft auf Euch auszuüben", Begarnt er jetzt.

»Was will der Marquis vo» Wmueval?" ant­wortete sie kurz, möern ste ihre Augen auf, den Ba- (den heftete.

■ „Nichts", antwortete Ferrand hastig, und als ^ohanna erschrocken anfsah und den Fuß hob um m de» Saal zurückWschreiton- hielt er sm mit einer gebieterischen Armbeweguilg zurück und sagte: „Es war eine kleine Kriegslist, auf daß , ich Euch zwinge, mich auMhören. Freilich, schmei- ,'chelhast ist es für mich nicht, daß Arturs Name Euch so süß erscheint, aber, schöne Kusine, es sind andere Zeiten gekonuuen. Es gibt keine Mar- qirfs mehr und keine Komtessen, es- gibt nur noch Bürger und Bürgerinnen. Und wer von duukel- ster Herkunft ist, der mag in diesen seltsamen , Tagen hoher steigen durch seines Verstandes Kraft als irgend ein hirnverbrannter Herzog."

-Was soll das alles?" fragte Johanna streng. ,,^ch weiß, meine Rede ist rauh, muh wenn ich gut meine. Schöne Cousine, ich will kurz, fein ^Euch Aristokraten droht die fürchterlichste Gefahr, sich weiß es, ich will Euch retten —- werdet meine ^Gattin!"

Entsetzt wich Johanna zurück.

„Ihr haltet es für Wahnsinn", fuhr er mit

Vrraiikiv^rtlicher

Schriftleiter: 3. Bannt;

Wochenbeilage: ,,AuftrletteSonntG§zektung

Noch charakteristischer ist ein Fall aus Berlin, der in der Prefft schon kurz erwähnt wurde und hier im Zusammenhang noch einmal mitgeteilt sei: Dort Hatto die Belegschaft der Allg. Elekttr. Gesellschaft Brrnmsnstraßs. mit Majorität (4000 von 6000) für die Arbeitsuche gestimmt. Der Rest sollte sich diesem Beschlüsse unterwerfen und ebenfalls feiern. Am 1. Mai feierten nicht nur die letzteren 2000 nicht, sondern von den 4000, die dafür gestimmt hatten, gingen, noch 2500 ruhig, zur Weit. Dis Folge davon roar„ daß die 1500 Feiernden ausgesperrt wurden. Darob großes Geschimpfe gegen die „Treutosen", Sie? „Verräter'", die- samt und sonders zu. den „guten Berliner Genossen" gehörten. Sie waren alle ' wortbrüchig geworden, weil sie anfangs der Meinung nrarenp eS gäbe vom Metollävbefter- verband Unterstützung bei etwaiger Aussperrung. Ihr JSeaWmns wurde zu. Wasser, als sie er­fuhren, daß, ferne nicht so fei. Wer sie waren, zu feige, um das, in den. Versammlungen zu sagen ' und gingen, am k. Mai einfach zur Arbeit. Die 1500 büßten nun für sie. Und mit solchen Leuten will die SozialSemakrattie Massenstreik mr-

Batangafirmen entworfen, es darlegen. — 4. Falsche Eingeborenenpolitik. Ohne zu leugnen, daß auch die Eingeborenen ihre großen, schweren , ... , ....

Fehler haben, kennzeichnet der Verfasser das Prü- und Verbesserungen, zumal da f) die Art der gelunwesen, die Einführung des Arbeitszwanges seitherigen Ausführung des Verordnungsrechts imt dem unerhört niedrigen Tagelohne (pro Tag nicht befriedigen kann. In weiten Kreisen Herr- Ya Pfennig in Ostafrika) und die Hüttensteuer scheu heute ernste Bedenken über die Handhabung unter den schwersten Strafen als falsche Maß- des Verordnungsrechts und über die rechtliche nahmen. — 5. Endlich, verwahrt sich der Verfasser Giltigkeit dieser Gesetze.

gegen den ost gemachten Vorwinsi „angeblicher Nach dieser Begründung legt der Verfasser noch Knauserei des Reichstages Ern solcher Vorwurf „einige Wünsche zur Reform des Kolonialrechtes" er ungerecht, denn ine Budgetrechtverletzungen dar. Sie enthalten wertvolle Winke und erstrecken -seren bis letzt nur Bei Koloirraftorderungen aus- sich zunächst auf Fragen allgemeiner prinzipieller aetrefen. Aber felbstverstandlrch müssen wir bei Art, wie Verfassungsfragen und allgemeine Ver- allen GeldauSgaben immer darauf Rücksicht neh- waltungsfragen. Hier erwähnt er besonders die

Burger, deutsche Bauern,! Reform des Kolonialrates, die Neuorganisation deutsche Arbeiter sind, denen dieses Geld abge- der örtlichen Behörden und die Errichtung von irommen toirb, das für die Kolonie, verwendet Kommunalverbänden. Sodanri widmet er ein toeröen soll. kurzes Wort der Militär- und Finanzverwaltung

Soweit der erste Teil vorliegender Schrift, in den Kolonisr» dem Zollwesen, dem Bergt, Forst- Er zeigt m der harten, vielleicht unangenehuu n und Geld- und Bankwesen; endlich bespricht er spräche statistischer Zahlen und bekannter Tat- die Rechtspflege und streift kurz die Landfrage, achen das Resultat unserer 20 jährigen Kolonial- Eine Reform des Kolonialrechts muß sich 2. Politik und legt die tieferen Ursachen desselben auch auf „die Reform des Strafrechts dar. Er ist kritischer Natur. Aber nicht nur für die Eingeborenen" erstrecken. Das kritisieren will, der Verfasier. Im zweiten Teile, ,fordere energisch die letzten Vorgänge, welche sich „Reform-"des Kolon ia-lr echt s", ifl 1 “ - -

-bemüht, auch die Wege zu zeigen, die eine bessere Zukunft erhoffen lassen. Nur kurz wollen wir heute die einzelnen Punkte berühren.

Tatsächlich aber sind nach der „heutigen Ver­fassung der Schutzgebiete" die Rechte des Reichs­tages auf dem Gebiete der Kolonialgesetzgebung sehr bescheidene. Auf diesem Gebiete herrscht noch das Verordnungsrecht mit all seinen mißlichen Folgen. Aber „der Einführung einer ordentlichen Gesetzgebung für die Schutzgebiete" gelten stets die seitherigen Bemühungen des Zentrums. So das Gesetz betreffend die Rechtspflege aus dem • Jahre 1886. Und welches sind die Gründe für „eine Aenderung"? Der Verfasser zählt deren sechs auf: a) das Anwachsen von Wert und Be­deutung der Kolonien- sowohl in ideeller als mate­rieller und politischer Hinsicht. Es mutz also eine volle Garantie für Ordnung, Wohlfahrt und Rechtspflege geschaffen werden. — b) Die erhöhten Reichsznschüsse begründen die Forderung, daß die Volksvertretung hier ein gleichberechtigtes Wort mitzusprechen hat. — c) Die Stellung des Reichs­tages erfordert es, daß er nicht nur seine Wünsche äußern darf, sondern daß er auch das Recht hat, ein entscheidendes Wort über die Ausführung der­selben mitzureden. — d) Das Interesse der Reichs­leitung kann nur gewinnen, wenn sie sich in ihren Maßnahmen auf die Volksmeinung, die durch den Reichstag ihren Ausdruck findet, stützen kann. — e) Auch das Interesse der Kolonien selbst Würbe durch den Weg der ordentlichen Gesetzgebung den größten Vorteil haben, denn eine Mitarbeit des Reichstages böte sicherlich wertvolle Ergänzungen

rat und den Reichstag" ausgeübi wird. Das be­kräftigt ferner Absatz 3 zu Artikel 11, welcher be­stimmt, daß bei Verträgen über Gegenstände, die nach Artikel 4 in den Bereich der Reichsgesetz­gebung gehören, zum Abschluß die Zustimmuiig des Buirdesrates und zur Giltigkeit die Genehmi- guug des Reichstages erforderlich ist. Das end­lich lehrt auch die eingeschlagene Praxis; schon wiederholt hat sich der Reichstag mit Gesetzen für die Schutzgebiete verfaßt, so mit dem sogen. Schutz- gebietsgeseh von 1886 und mit der Neuredaktion desselben von 1900.

ferneren, gegebenenfalls Barikaden bauen?! Der Idealismus steht und fällt mit dem Brotkorb — --auch bei den Berliner Sozialdemokraten.

Nu« noch ein dritter Fall! Die Arbeiterund Arbeiterin«« der Berlmer Buchbindereien hatten ebenfalls dm 1. Mai frei verlangt. Der Ver­band Berliner Buchbindereibesitzer lehnte das auf immer ab und machte darauf aufmerksam, daß er das Nichterscheinen am t. Mai als Kontrakt­bruch ansehen und die in dem Gewerbe bestehende Tarif gemein schäft als aufgelSst betrachten würde. Die Arbeiter feierten trotzdem und die Arbeitgeber zogen die Konsequenzen. 1100 Buch­binder sind feit dem 2. Mai ausgesperrt, die Ar­beitgeber fühlen sich an den 5jährigen Vertrag nicht mehr gebunden.

Das sind die Früchte des diesjährigen Mai­feiertages, die Nachwehen, unter denen nun die von den sozialdemokratischen Phrasm betörtm und teilwesse von den eignen Genoffen Hinter­gangene« und schmählich im Stich gelassenen sozialdemokratischen Arbeiter zu leiden haben! Und was noch bedauerlicher ist, Borkommnisfe wie bei den Buchbindern sind Wasser auf der Mühle der Gegner der Tarifverträge. Für diese „Erfolge" mögen sich die Arbeiter bei der Sozial­demokratie bedanken!

-Erscheint täglich, mtt iAurnahme der Sonn, und Feiertage. Viertel- jährt, vezugrprei» ohne vringerlohn und Vefi«llgeldm5u1dau«d auswärts 1H». 3d 9^.

Am Schlüsse seiner Schrift Bietet der Verfasser „Bilder ans der Kolonialverwal­tung". Es sind die bereits Bekannten „Fälle", welche vor kurzem die Runde durch die Tages­blätter machten. Diese Bilder Bieten zur Kolo- nial-Bilanz das Jllustrationsmaterial. Sie be­weisen einerseits, wie berechtigt eine Kritik unse­rer Kolonialpolitik war und wo die tieferen Ur­sachen unseres kolonialen Fiaskos liegen und sie zeigen andererseits, wie unumgänglich notwendig : „Ich dränge mich nicht in die Geheimnisse meines Neffen", erwiderte Bressuires abwehrend.

„Und doch könnte es für Euch von der größten Wichtigkeit fein, sie zu wissen, und was macht's, in drei oder vier Tagen weiß es doch die ganze Landschaft."

Und ehe der Vicomte ihn hindern konnte, weiter zu sprechen, hatte er ihm schon zugeflüstert: „Er schwört in Nantes den Eid als Offizier der Linientruppen der einen und unteilbaren Re­publik."

Bressuires fuhr erschrocken zurück.

„Es ist unmöglich", sagte er, „Artur ein Ge­sinnungsgenosse jener Mörderbande!"

„Ihr kennt, Vicomte, sein ehrliches, philosophi­sches Gewissen. Er gehorcht der Republik, wie er seinerzeit dem König gehorchte."

L „Er. hat sich aber nie darüber geäußert."

„Er verschloß seine Ansichten in sich, als aber die Aufforderung an ihn, der einst aktiver Offizier Sr. Majestät gewesen, gelangte, sich zu stellen, da tat er es, ob mit oder ohne Begeisterung, das weiß ich nicht, aber als gehorsamer, zahmer Staatsbürger."

Der Vicomte sah Ferrand zornig an. „Und er hätte Euch hierher geschickt, mir das zu sagen?" ffuhr er heraus.

„Es wäre Lüge, wenn ich das behaupten wollte",, erwiderte Ferrand gelassen, „aber ich ver­diene Euren Dank für meine Mitteilung."

„Ich will Euch etwas sagen, Ferrand", sagte der Vicomte zu ihm so leise, daß niemand es außer ihm hören konnte. „Ihr habt Euch unter falschem Vorwand hier eingeschlichen, verleumdet Euren Bruder, belästigt meine Tochter, wie ich wohl ge­merkt habe, kurzum treibt Bubenstreiche, wie ich sie von Eurer Jugend her an Euch kenne. Und nun macht schnell, daß Ihr hinauskommt, und plaudert aus, was Ihr hier gesehen, uns schadet es nicht mehr, doch Euch geht es an den Kragen, ihr republikanischen Bluthunde! Und nun hin­aus, wenn ich nicht meine Hunde auf Euch Hetzen soll,"

Naifeiernach wehen!

Der ganze „Segen" sozialdemokratischer De- Tionsttationslust und Kunst hat sich wieder bei uer diesjährigen Maifeier offenbart. Gegenüber der auf dem vorigjährigen Kölner Gewerkschafts­kongreß zur Schau getragenen „Verwäfferungs» Politik ängstlicher Kassenmenschen in den Gewerk­schaften" sollte die diesjährige Maifeier nach der Absicht der soziaMemokrmifchen Parteifunktionäre wieder einmal eine glänzende Kundgebung echt sozialdemokratischer Gesinnung fein. Zu diesem Zwecke mußte mit besonders großen Zahlen Pa­rade gemacht werden, mit möglichst hohen Be­teiligungsziffern an den örtlichen Maifeiern. In diesem Sinne war auch die sozialdemokratische Presse in der Bearbeitung der Köpfe der „Ge­nossen'" tätig-, und die „Genoffertoführer verlegten Sh darauf, etwaige noch vorhandene Furcht und edenksn zu zerstreuen. Ging es mit der Wahr» heil allein nichts weshalb denn nicht den Schwin­del zn Hilft nehmens Die Hauptsache war doch: Wenn mir die Feier für den Tag klappte!

Auf, dieft Art „klappte" sie z. B. in Wrnbrrg. Die Belegschaft der großen Siemens-Schuckett- werke hatte um Freigabe des- 1. Mai nachgesucht. Die Direktion sagte nein und drohte durch An­schlag mit Entlassung. Das brachte Mutlosigkeit in die Kreise der „Genossen" uud gefährdete die „würdige" Demonstration aufs schwerste. Die Partei halle zehn große Versammlungen für dm Vormittag einberuftn. Was tun? Eine Kom­mission wird- zur Betriebsverwaltung geschickt und bittet um Zurücknahme der Drohung. Dieft beharrt auf ihrem Standpunkte. Jetzt wurde das Gerücht kolportiert, die Verwaltung hätte nachgegeben, der 1-. Mai wäre frei. Vor den Fabriktoren sammelten sich die „eifrigen Genossen"' und kommandierten „Kehrt Marsch"! Alle Be­fürchtungen warm zerstreut und 45 Prozent der Belegschaft feierten---und erhielten

die Entlassung. Was tutts auch, wmn Tausende in Notlage vWftht wurden? Die Mai­feier gelang, das genügt!

? Angesichts unferer heutigen kolonialen Lage dürfte dein. Loser, dem Sie ost erregten Kolvnwl- i Debatten im Reichstag noch in guter Erinnerung sind,, vorab eine kurze, übersichtliche Charakterisie­rung der genannten Schrift willkommen sein.

i Di« „Kolonial-Bilanz" beginnt zunächst mit dem „R ü ckb l ick au f die Ergebnis s e d e r 'deutschen Kolo ui alp o list i kl"' Seitdem Fürst Bismarck auf Veranlassung hanseatischer Kaufleute den Kurs des' Reiches in. das koloniale Fahrwasser gelenkt hat, sind 20- Jahre verstrichen. Aber dieses JubiLumi gibt keine Veranlassung -zur Festesfreude. Das Ergebnis, das wir zu buchen haben, lautet: Koloniales Fiasko. „Heute", fo sagt der Verfasser, „fitzen wir in der Kolonial- - Politik tatsächlich- ftft'" Uütfr zum Beleg hierfür läßt er die Zählen sprechen. Für Sie 20 Jahre Kotoirialpofstif ergibt sich, eine A u s g a b e von 753 542.360 Jf. Wie steht es demgegenüber mit der G e q-e.n l e i stn wg im Hand el? Das Statistische Jahrbuch gibt für Sen Handel der ! Kolonien mit dem. deutschen Zollgebiet von dein Jahre 1'891 biK 1964 die Summe von 282 063 100 \ M; rechnet man für die Jahre 1885—1890 je

Rotationsdruck u.

Verlag der Fuldaer Ac-

monakbeUage: „Zuldaer GeschichtsbMer". “SäZYT