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Monatsbellagr: „Krldaer Geschichtrblätter

Lrschtkittäglich, mit Ausnahme 6er §onn- und Seiertage. viettel- Wrt. vezugspreir ohne Vringerlsh« und vesrrLgelbinZulbaunb axrwürtsj Mk. 50 psg.

verantwortlicher Schriftleiter: 3. Baum; für dir Anreize» I. Parrrller in Sulbo.

An ;e i gen: Vie ein­spaltige Petitzeile ober deren Raum sS psg. Reklamen bie Petitzeile 25 psg.; bei wieder- Holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

Aotatlonrdruck n. Verlag der «iuldaer 8c- ttendrnckerei in Znlda.

Zernsprecher Nr. 9.

M 116,

Fulda, Montag den 21. Mai 1906.

33, Jahrgang.

Pump mir Moos und

Geben ist seliger als

find gar nicht auszudenken. Und wenn auch

das Portemonnaie der Frau FalliäreS.

Reklamen- und Anzeigenteil.

I]

Hervorragend bewährt bei rechtiurchFall, Darmkatarrh, Diarrhoe etc.

Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei* leiden nicht an

Verdauungs­störung.

schen seine 20 000 Francs eingesteckt hatte, befreit werde.

Nun lag der Inhalt des kostbaren Briefes offen vor ihren Augen: „Bester Freund! Du hast die Wette verloren. Der trüffierte Truthahn, den ich in der vergangenen Woche bei Dir aß, war nicht der größte seines Stammes. Ueberzeuge Dich da­von heute mittag bei mir, wo Du an einem wahren Wundertiere Dich erquicken sollst. Dein alter Freund Charles."

Vie Helden der vendee.

/Historische Erzählung aus den Tagen der franzö­sischen Revolution.

Von Gustav Jordan.

kl c. Begründeter Schadenersatz­anspruch.

Von Maro.

Nachdruck nicht gestattet.

(Nachdruck verboten.) 1.

):( Line wichtige Notiz.

Von P. v. Barme n.

(Nachdruck verboten.)'

„Was führt Sie zu mir, Herr Müller?"

Der Freund zog ein ZeiiungSblatt aus der Tasche. „Sie sind doch Herr Meier, der Fabri­kant deS Haarfärbemittels „Wauwol", das in diesem Zeitungsblatt offeriert ist?"

lachende Dritte —

!außer Deutschland. Trotz seiner Jugend kommt p recht wenig zum Lachen, und höchst selten Einmal zu tollen Streichen wie die Reichstags-

Vermischtes.

* Ein heiteres Festungsstücklein. Der platt­deutsche Dichter und Erbpächter Karl Gildemeister rn Wendorf bei Wismar hatte in dem Vorwort zu seinem Roman „Dorpschult un Senator" den dortigen Erbpächter Philippi angegriffen, da er annahm, daß seine Zeugen ihre Angaben auch be­schwören könnten. Dies war nicht der Fall. Als ec deshalb zu vier Wochen Gefängnis verurteilt wurde, kommen ungefähr 900 Bürger um seine Begnadigung ein und der Erfolg war der, daß diese empfindliche Strafe in 14tägige Festungs­haft umgewandelt wurde. Ehe aber die Begnadi­gung eintraf — die Verzögerung entstand durch eine mehrwöchige Reise des Großherzogs nach dem dem Süden —, hatte sich Gildemeister im Gefäng­nis einzufinden ,aus dem er von Schwerin aus telegraphisch am zweiten Tage wieder erlöst wurde. Dann erfolgte seine Abreise nach Dönicke, der ehe­maligen Festung Mecklenburgs, wo Zivilpersonen Festungshaft abzusitzen haben. Nun soll Gilde­meister, also nach einem Jahre, wieder dahin und noch einen Tag und drei Stunden Häftling sein. Er war nämlich, wie das „Hamburger Fremden­blatt" mitteilt, durch ein Versehen des Registrators damals um 27 Stunden zu früh in Freiheit ge­setzt worden.

ein schönes, schlankes Fräulein von achtzehn Jah­ren, dessen Augen von Tränen schimmerten. Als Mann von Welt wußte der Vicomte von Bressui- res beim Empfange fein zu unterscheiden: er war, wo er es für angemessen hielt, verbindlich oder zurückhaltend. Als der junge Heinrich Duver- gier, Marquis de Larochejacquelein vor ihn trat, empfing er den Jüngling, der dem vornehmsten Adel des Landes angehörte, mit Auszeichnung, auch die Augen seiner Tochter leuchteten auf einen Augenblick freudig auf, als sie dem Blicke des jungen Edelmannes begegneten.

Die Glocke verkündete ide vierte Stunde.

Der Vicomte ergriff das Wort unter lautlosem Schweigen seiner Gäste.

„Gestatten die Herrschaften, daß ich Sie ühre?" sagte er und wandte sich mit ritterlicher

Verbeugung an die Marquise von VeytempS, dis vornehmste der anwesenden Damen. Der Zug etzte sich in Bewegung. Als sie über die Schwelle >er Kapelle schritten, erbrauste die Orgel in feier- ichen Klängen. Auch auf die adeligen Gäste machte der Anblick der Kapelle einen gewaltigen Eindruck, und gar mancher wußte, als er den Katafalk gesehen, um was es sich handele.

Als die Orgel zu Ende gespielt, erhob sich der Vicomte von Bressuires und schritt zur Sakristei. Nach kurzer Zeit kehrte er mit einem Priester zu­rück, der seine tiefe Bewegung kaum bemeistern onnte. Es war ein ehrwürdiger Greis, dessen wankenden Schritt der Vicomte unterstützen mußte. Er trug einen schwarzen Rock, über dem vorn ein großes Kreuz hing, Kniehosen, die mit chwarzen Schnallen an den Knien befestigt wa­ren, schwarze Seidenstrümpfe und Schuhe.

„Ich stelle Ihnen", sagte der Viconrte mit le» er Stimme, „den hochwürdigen Herrn Edgeworth wr, Beichtvater weiland Seiner Majestät des hoch« eligen Königs Ludwig."

(Fortsetzung folgt.)

Es tvar im März 1793. Ein eisiger Wind Wehte von der Küste des Atlantischen Ozeans her vUnd hüllte die Landschaft in ein riesiges Schnee- tgewand. Der Sturm heulte, und die weißen Flo- jcken wirbelten in wildem Tanze hin und her.- L Trotz des Unwetters war der Feldweg, der Hu dem hochragenden Schloß von Bressuires führte, Ziemlich belebt. Schweigend zogen einzelne Trupps Bauern des Weges, Männer, Frauen und Kinder: sie hüllten sich in ihre weiten Mäntel, wie sie über ihren Kittel geschlagen, und stampften Huf ihren unförmigen Holzpantoffeln sicher auf gern teils holperigen, teils glatten Pfade. Die Kapuze reichte ihnen bis tief ins Gesicht, und wer wei diesem Aufruhr der Natur die abenteuerlichen Westalten gesehen hätte, ohne mit Landes Art und Witte bekannt zu sein, den hätte schier abergläu- Krsche Furcht vor diesen Schreckgespenstern befal­len können.

t Was aber die pilgernde Banernschar vorhatte, War so harmlos wie möglich. Der Herr von Bres­suires hatte sie auf heute zu sich entboten, und sie waren seinem Rufe gefolgt, denn was der Herr .sagte, das geschah — so wußten es die Bauern pder Vendee von Kindesbeinen an, und nichts konnte Än diesem Glaubenssatze rütteln — mochten auch wie Bauern der Vendee ebenso freie Bürger der Wnen und unteilbaren Republik sein, wie der Werr, den „Herr" anzureden jetzt eigentlich verbo­ten war

Es gibt nur eine ^ige^Milde, Fttnhech

»?ÄSnvÄ?eMjhirollnsßlfß.

Wie oft spielt an der Börse der Zufall seine Rolle! Die zufriedene Miene, die umwölkte Stirn o-.___„ - ™ i eines großen Bankiers kann den Kurs beeinflussen,

Diners nur mehr einBufett. Die Folgen ein falsches Gerücht — es mag unglaublich erschei- •“ ~~~ ":.t ..... —ch neu — kann Unglück auf Unglück herbeiführen,

Frankreich nichts dabei profitiert, dann doch sicher und welch unerlaubte, man möchte sagen verwerf- ■ •- ~ - liche Mittel zur Erzielung eines Preissturzes oft

angewendet werden, davon liefert von Zeit zu Zeit die eine oder andere Börse unserer Haupt­städte einen schlagenden Beweis. Bisweilen aber auch wird den Jobbern, die in unsauberer Weise einen Vorteil sich zu verschaffen suchen, vom Ge- I schicke ein tüchtiger Schabernack gespielt.

Es war zu Ende des Jahres 1840, kurz nach­dem Thiers die Welschen aufgerührt hatte", um mit Vater Arndt zu sprechen, da ließ Jakob oder wie er sich, nannte, James Rothschild eines Tages an der Börse in Paris tüchtig kaufen und ver­kaufen und die Spekulanten richteten sich wie im­mer nach ihm. Mitten in dem Getriebe wurde dem Börsenfürsten ein Brief überreicht, den er so­fort erbrach und las. Hohe Röte legte sich auf seine Wangen, finster runzelte sich seine Stirn, und lautlos, ohne seine Freunde eines Blickes zu würdigen, legte er das Schreiben in sein Notiz­buch. Welch wichtige Nachricht mochte das Blatt enthalten? Sollte es doch noch zum Kriege mit Deutschland kommen? Ei, da mußte man ja so schnell wie möglich verkaufen!

Während die Zeugen des Vorfalls nachdenklich noch den großen Mann umstanden, mußte dieser auf die Meldung eines seiner Agenten hin sein Portefeuille wieder aus der Tasche ziehen, wobei ihm der Brief entfiel. Schnell hatte ein Speku- mnt seinen Fuß auf das lose Blatt gesetzt; denn er gedachte im gelegenen Augenblicke sich desselben zu bemächtigen, aber er war von einem andern be­obachtet worden, der ihm zuraunte: „Wir teilen". Dies hörte ein dritter, der auch seinen Anteil an der Beute haben wollte und durch den wiederum andere aufmerksam wurden, sodaß bald ein dichtes Häuflein sich um den Mann scharte, der noch im­mer seinen Fuß auf dem wichtigen Blatte stehen hatte, und sich wie ein Löwe gegen seine Belagerer wehrte.

gegenstreckt und sagt:

sei mein Freund!" ______ __

Nehmen. Der Deutsche Michel war" bisher immer zum Geben bereit, und darum ist er so vertrauens—-„selig" geworden. Ich bin nun neugierig, wie der neue französische Präsident Falliöres sich bei diesen Extratouren ausnehmen wird. Sein Leibesumfang verträgt keinen Frack und seine „eiserne" Hand rührt vielleicht noch von feinen Altvordern aus der ehrsamen Schmiede­zunft her. Seine erste große Tat ist bereits vollbracht: Er gibt bei seinen parlamentarischen

»Spectatott veröffentlichter Brief zeigt aber, daß die Annahme unrichtig ist und daß die Schildkröte auch die Eifersucht und den Haß kennt. Ein Herr Barker in Kew bei London besitzt eine Schildkröte, die vor einigen Tagen au5 ihrem Winterschlaf erwachte, und als sie in den ©orten gesetzt wurde, dort eine andere Schildkröte fand. Bisher hatte sie den Gatten allein bewohnt, und als sie nun des Ein­dringlings ansichtig wurde, ging sie auf ihn zu und biß ihn mit aller Gewatt in den Kopf und in die Füße. Die andere Schildkröte wagte dann nicht, ihre Extremstäten wieder zu zeigen: wenn sie es tat, fuhr aber „Tommy" wieder auf sie los, um sie zu beißen. Als dies den Eindttngling nicht vertrieb, griff „Tommy" zu einem anderen Angriffsmittel und hämmerte mit seiner Schale von der Seite mit aller Gewalt auf die andere Schildkröte los. Diese Methode erwies sich als erfolgreich und die andere Schildkröte wurde halb tot aus dem Garten geschafft, wo „Tommy" nun wieder Alleinherrscher ist.

* Ablehnung. Hausfrau: „Arbeiten Sie doch, statt zu betteln; Arbeit tft die Würze des Lebens." Bettler: „O je Madame, ich mag nichts Gewürztes!"

und Bierphilister, vortreffliche Charaktere, die nicht durch die Politik verdorben werden. Die machen dann eine Handbewegung, und das heißt: Ideale — Gemeinwohl — abgestandene Phrasen — unser Ideal ist's Geschäft! Ueber Geschäfts­ideale läßt sich viel sagen; aber je weniger man davon sagt, desto besser ist'«. Das ist immer so bei vielsagenden Dingen, als das sind Men­schen- und Nächstenliebe. Wir Jüngern, die /wir unfern Jargon reden — da man reden soll, wie einem der Schnabel gewachsen ist und der unsere noch grün ist, heißt er „Jargon" — werfen uns nicht an folche Lappalien des Lebens weg. Unser Menschentum ist: Karriere machen, i Korpsstudententum, Judenhetze, Reserveleutnant, los von Rom, Lose der Braunschweigig-Mecklen- burger Lotterie, und reiche Heirat! Anders als in Durchschnittsköpfen malt sich in den unsrigen die Welt. Bierphilister, die den Wett klassischer Zitate nicht kennen, weil sie beim Skat nicht '„gedroschen" werden, verstehen das nicht. (Sie brauchen keine Helden zu sein, weil man diese nur in der Weltgeschichte hat! das genügt. Aber I man kann beinahe ein Held fein, wenn man sich an patriotischen Festen fürs Vaterland begeistert. -Das sind dann Vorbilder für den jugendlichen Nachwuchs und wenn sie später im Kalender stehen, muß man sich an den Gedenktagen für sie begeistern, z. B.

diäten. Nachher füllen sich die „KerlS" den Säckel und gesellen sich auch zu den lachenden Dtttten. Das hat man von den tollen Streichen. Man soll sie nur in der Jugend verüben; nut im Alter darf man davon erzählen, und dann ist das eine schöne Erinnerung und man spricht von goldenen Zeiten. Es ist aber nicht alles Gold was glänzt. In Rußland sieht's gar nicht glänzend aus, und doch haben sie dott das Gold wie Heu. Das kommt von den „Extratouren", die man hinter dem politischen Rücken Deutsch­lands macht. Auch an den Bankier Herrn von Mendelssohn erging die Aufforderung zum Tanz, und da er dankend ablehnte, war er der „Jud Mendelssohn". Daher soll man nicht schnöde zurückweichen, wenn jemand uns die Arme ent«

völlig unschädlich ist. Jedem, der einen körper­lichen Schaden durch den Gebrauch von „Wau­wol" erleidet, zahle ich 1000 Mark Schadenersatz.

Herr Müller ließ das Blatt sinken und meinte mit großer Ruhe: „Darf ich Sie um die sofortige Auszahlung der 1000 Mark bitten?"

„Waaas? ... Ja, wieso denn? Haben Sie etwa durch mein „Wauwol" körperliche Nachteile erlitten ?"

„Gewiß, Herr Meier. Schauen Sie doch nur mein Gesicht an!"

„Wie, an diesen Kratzwunden, diesen blnt- unteriaufenen Stellen — an Ihrem „blauen" Ange soll mein „Wauwol" die Schuld tragen ?"

„Jawohl, Herr Meier. Denn kaum ein Vierteljahr färbte ich mein Haar mit „Wauwol", so bekam ich infolge meines verjüngten Aussehens endlich eine Ehefrau .... und bie hat mich so zugerichtet."

ö llioüyz weltanfichten.

Von Ruth.

' Lanzen zu brechen für seine Ideale ist eine schöne, wenn auch nicht nutzbringende Beschäfti­gung. Am einträglichsten ist jetzt noch die Don Quichotte-Lanze, die wenigstens einen Heiter­keitserfolg erzielt. Die Lacher sind

Die Schöppleinschlürfer

Man bot ihm erst tausend, daun zwei-, drei-, fünf-, ja zehntausend Francs, bis endlich ein Han­del zustande kam, bei dem festgesetzt wurde, daß jeder der auf zehn Personen angewachsenen Gruppe dem standhaften Verteidiger seiner usur­pierten Rechte zweitausend Francs zahlen solle. Aber noch mußte man warten, bis Rothschild sich entfernte und atemlos harrte man darauf, daß dieses endlich geschehe und das kostbare Blatt von dem Elefantenfuße seines Usurpators, der inzwi- Schloßkapelle führte. Verwundert schauten sie sich in der Kapelle um. Von der Mitte des Gewölbes hing ein Kronleuchter herab, dessen Kerzen den Raum mit Licht durchdrängten, auch an den Sei­ten waren Kerzen angezündet, sodaß der Raum glänzend hell erleuchtet war. Auch auf dem Altar­tische brannten mächtige Lichter. Im Gegensatz zu dieser Lichtflut aber stand die weitere Aus­stattung des geheiligten Raumes. Von den Decken hingen schwarze Decken herab, der Altar war mit einer schwarzen Decke versehen, die Stufen, die zu ihm fühtten, waren mit schwarzen Teppichen be­legt, die Fenster waren mit schwarzen Vorhängen verhüllt. Vor dem Altar stand ein prächtiger Katafalk, mit herrlichen Kränzen überhäuft, von seltenen Gewächsen umgebeü, und um den Katafalk brannten auf mächtigen Leuchtern eine große An­zahl flackernder Kerzen. Die Bauern wagten kaum zu atmen bei diesem Anblick und drängten sich scheu in die Ecken.

Aber noch andere Gäste erwartete der Schloß­herr, Herren aus der Umgegend mit ihren Damen. Sie kamen zu Pferd oder in der Sänfte. Diese auserlesenen Gäste führten die Diener in die Halle, die sich rechts gleich dem Eingang anschloß, und in der der Herr des Schlosses seine Besucher er­wartete.

In der Mitte des Saales stand der Herr de la Nahe, Vicomte von Bressuires. Er hatte die Klei­dung angelegt, wie man sie noch vor wenigen Jahren am Hofe des unglücklichen Königs Ludwig XVI. zu tragen pflegte; von dem leichten, barett- artigen Hute, den er auf dem Kopse behalten, wehte ein Trauerflor hernieder. Der Vicomte war ein stattlicher Mann von etwa 50 Jahren, heute sah er ernst und bleich aus. Er bewillkomm­nete die Gäste mit stummer Verbeugung oder schweigendem Händedruck und Handkuß. In sei­nen ernsten Zügen vereinigte sich Stolz mit fin­sterem Trotz. Dicht hinter ihm stand seine Tochter,

* Ein Schildkrötenkmnpf. Die Schildkröten gelten als leidenschaftslose Tiere, welchem Umstande man ihre Langlebigkeit zuschreibt. Ein im Londoner »Spectatott veröffentlichter Brief zeigt Annahme unrichtig ist und daß die E

Herr Meier, Inhaber einer Fabrik für Par­fümerien, verbunden mit kosmetischem Labora­torium, saß in seinem Arbeitszimmer und über- ßeinridi Seine I re$nete mit vergnügtem Schmunzeln seine jüngsten

™ , an , tYV' , . . Einnahmen. Er durfte zuftieden sein, das Ge-

Wenn man 4 Mark 50 Reichspfenmg, rote schäft blühte.

;in Darmstadt, gesammelt hat, kann man ein Den Löwenanteil seines Gewinnes verdankte .Denkmal errichten. Das t|t dann „von der Liebe er seinem Haarfärbemittel „Wauwol." Kein des deutschen Volkes" getragen und braucht nicht Wunder, ließ er sich doch die Reklame für dieses .enthüllt zu werden. Die Enthüllungen können für kosmetische Produkt Riesensummen kosten. — em Hemedenkmal gefährlich werden, weil es dann Der jüngste Lehrling erschien auf der Schwelle 1« 6kstellt wird, und das tft für einen sa- des Kontors und meldete, daß ein fremder Herr fttrtschen Dichter ebenso unangenehm wie für den Pttnzipal zu sprechen wünsche.

/einen polnischen Abgeordneten. Wenn man beide „Führen Sie ihn herein!"

Hres Witzes entkleidet, schlafen ihre Lacher ein. Mit schnellprüfendem Blick überflog Herr

Mas tnbeffen sehr für em Hemedenkmal spricht, Meier die Erscheinung des Fremden. Das Ge- ole Ueberzeuguiig, dag er — wenn er diesen sicht verriet nichts weniger als Intelligenz und ^Gedenktag erlebt hatte — auf seine eigene Toten- war obendrein durch eine Anzahl Kratzwunden jfeier ein ^chelmenstuck gedichtet hätte. Ein Mann und Flecken, die in verschiedenen Nüancen schil- Mle Graf Pückler müßte sich diese Gelegenheit letten, entstellt; das linke Auge war, augenschein- ^nicht entgehen lassen, um nun auch die Literatur lich infolge eines Schlages, halb verschwollen und von der „Sequbung" zu reinigen. Aberder Graf braun und blau umränbert.

Hat jetzt seine eigene liebe Not. Sein Erbsitz ist „Wollen Sie bitte Platz nehmen, Herr--?"

'hm in Brand geraten, und da ist es für jeden „Müller ist mein Name."

halbwegs nnvernünfttgen Menschen feststehend, --------- ' ------

daß die Juden das Feuer gelegt haben. Es ist immer empfehlenswert, irgendwen in petto zu haben, den man gegebenenfalls vorschieben kann.

Wenn zwei sich streiten, lacht der Drille. Nach

■'J-bet Marokkokonferenz gab es nur

„Ganz recht."

Herr Müller tippte mit dem Zeigefinger auf die „Wamvol"-Annonce und laS: ... Ich über­nehme auf gründ sorgfältiger, zuerst an Tieren, dann an Menschen angestellter physiologischer Versuche die Bürgschaft dafür, daß dieses Mittel

Was der Herr von ihnen wollte, das wußten sie I nicht, aber daß es etwas Ernstes und Trauriges I war, das er ihnen mitzuteilen hatte, das war I ihnen in diesen schrecklichen Zeiten gewiß. Die ganze Welt schien sich ja umzudrehen und das Oberste nach unten zu kehren: alles, was ihnen Gewohnheit und Glaube geheiligt, toar angegrif­fen und beleidigt worden. War nicht der Adel ab- geschafft und verboten worden, in der Kirche beim Eintritt des gnädigen Herrn das Weihrauchfaß zu schwingen? Waren nicht die Priester Vertrieben worden, die an den alten Satzungen hingen und sich den Neuerungen nicht fügen wollten, weil ihr christliches Gewissen sie nicht anerkennen konnte? War nicht der allergnädigste Herr selber, der aller- christlichste König von seinem goldenen Thron her- abgestoßen und in einen Turm gesetzt worden, wie ein gemeiner Verbrecher, dem der peinliche Prozeß gemacht wird? Und noch schrecklichere Ge- | rächte schwirrten in der Luft herum und erfüllten die einfältigen Bauenherzen mit Entsetzen. Aber sie konnten es nicht glauben, es durfte nicht wahr 1 sein, das konnte der liebe Gott nicht zulassen und die Jungfrau und der heilige Joseph. Und doch bestätigte jeder, der von Osten kam, die fürchterliche Kunde. Die Blutmänner in Paris hatten den König wirklich wie einen Verbrecher vor Gericht gestellt und — o Schmach und Schande — auf das Blutgerüst geschleppt und enthauptet. Aber das konnte nicht wahr fein, behaupteten die Bau­ern. Und wenn auch überall ein gedruckter An­schlag von dem fürchterlichen Ereignis Kunde gab, die Bauern schlugen ein Kreuz vor dem Satans­bogen und hielten alles für eitel Lug und Trug.

In der geräumigen Empfangshalle des Schlos­ses von Bressuires herrschte viel Leben. Eifrige Diener, die aber keine Livree trugen, sondern in bürgerlicher Kleidung waren, gingen hin und her, die Ankommenden zurechtzuweisen. Die Bauern wurden in den Gang links gewiesen, der in bie j