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Fulda, Samstag den 19. Mai 1906.
m 115.
33. Jahrgang.
Krstes Matt.
Zum preußischen volkrschulgesetz.
Eine Berliner Korrespondenz, die den Namen >,Information" trägt, hatte die Mitteilung in die Welt gesetzt, es werde an einem neuen Kompromiß in der preußischen Volksschulfrage gearbeitet, an welchem die beiden konservativen Fraktionen, die Nationalliberalen und — daS Zentrum beteiligt sein sollten. Dieses Kompromiß sollte dahin gehen, den strittigen § 40 der Vorlage aus dem Gesetz herauszulassen, und die Frage der Anstellung der Rektoren einer späteren Regierung durch ein besonderes Gesetz vorzubehalten. Der Wert dieser „Information" wurde schon allein durch die Hereinziehung des Zentrums in die angeblichen Kompromißverhandlungen charakterisiert. Es bedarf kaum der besonderen Versicherung, daß das Zentrum nichts mit solchen Kompromißverhandlungen zu tun hat und zu tun haben kann, nachdem es sich seine Stellungnahme zu den -Beschlüssen der Schulgesetzkommission, von denen die bedeutsamsten und entscheidendsten natürlich auf dem Ge- biete der Frage der Konfessionalität der Volksschule liegen, ausdrücklich für die weitere Behandlung der Sache im Plenum des Abgeord- netenhauses Vorbehalten, und dies in der Kommission durch Stimmenenthaltung bekundet hat. Die Beteiligung des Zentrums an den angeblichen Kompromißverhandlungen ist denn auch bereits von der „Germania" als unrichtig erklärt worden. Man könnte daher die „Information" mit ihrer Information sich selbst überlassen, wenn -dieselbe nicht der Presse der anderen Parteien Anlaß gegeben hätte zu Aeußernngen, die ein gewisses Interesse verdienen, da sie Rückschlüsse auf die Stellung dieser Parteien zulassen.
Auf konfervativer Seite hat das berufenste Organ, die „Kreuzzeitung", aller- dings bisher geschwiegen. Aus verschiedenen früheren Aeußerungen dieses Blattes darf man aber wohl annehmen, daß es die in Rede stehende Information nicht einer Beachtung wert gehalten hat. Ein anderes konservatives Blatt, die „Deutsche Tageszeitung", hat die Beteiligung der Konservativen ait dem gedachten Kompromiß nachdrücklich in Abrede gestellt und die Meldung von den Kompromißverhandlungen selbst als unglaublich bezeichnet mit dem Hinzufügen, daß es ein Nachgeben der Konservativen den Nationalliberalen gegenüber beim § 40 der Vorlage als durchaus untunlich betrachte. Die freikonservative „Post" erklärte die Meldung mit dürren Worten als „freie Erfindung", von freisinniger Seite lanciert, uni die Nationalliberalen durch den Hinweis auf die Mitwirkung des Zentrums kopfscheu zu machen. Trotzdem hielt sich das freikonservative Organ für bemüßigt, eine geharnischte Erklärung dahin abzugeben, daß „jede Aenderung der Kommissionsbeschlüsse im klerikalen Sinne die freikonservative Fraktion in die entschiedenste Opposition bringen würde." Die „Post" hat damit wieder einmal verraten, daß ihr Herz in der Schulfrage weit mehr zu den Nationalliberalen hinneigt, als zn den Konservativen.
Daß die freisinnige Presse die angeblichen Kompromißverhandlungen zum Ausgangspunkt von hämischen Bemerkungen gegen die Nationalliberalen ausbeuten ivürde, war Vorauszusehen. „Voss. Ztg." und „Berl. Tageblatt" lassen es denn auch an solchen keineswegs fehlen. Diese freisinnigen Organe beweisen damit nur,
daß diejenigen auf dem rechten Wege find, welch« aus der schroffen Stellungnahme der Nationalliberalen gegen den § 40 den Eindruck gewonnen hatten, daß es den Nationalliberalen zunächst nur darauf ankomme, auf jeden Fall und um jeden Preis mit Rücksicht auf die von jungliberaler Seite inszenierte Opposition hin von dem jetzigen Kompromiß frei zu kommen. Auch die Haltung der SoziaDemokratie zu den angeblichen Kompromißverhandlungen war vorauszusehen. Der „Vorwärts" überschüttet die Nationalliberalen wegen ihrer „Drehscheibenhaltung" förmlich mit Hohn und Spott.
Den interessantesten Punkt mußte naturgemäß die Stellungnahme der Nationalliberalen selber bilden. Die „Nattonal-Zeitung" er- klärt die Meldung von den Kompromißverhandlungen als „falsch", als „vollständig falsch", aber wohlgemerkt nur die Meldung der „Information". Daß tatfächlich Verhandlungen schweben, die den Namen Kompromißverhandlungen dienen, leugnet die „Nat.-Ztg." ebensowenig, wie die Beteiligung der Nationalliberalen an denselben. Neben dieser Bemerkung sind die Schlußsätze der Aeußerungen des nationalliberalen Hauptorgans von besonderer Bedeutung, denn sie stehen in einem unverkennbaren Gegensätze zu der bisherigen Haltung der Nationalliberalen und zu der wiederholten Ausgabe der Parole „Unannehmbar!". Wese Schlußwendungen lauten: „So verfehlt es wäre, irgendwie auf ein materielles Zurückweichen der Nationalliberalen von ihrem klaren Standpunkt bezügl. des § 40 zu rechnen, ebenso verfehlt ist das Bemühen, die Sache so darzustellen, als ob jetzt die Fraktion alle Brücken abgebrochen hätte und in eine bedingungslose Opposition einge- schwenkt wäre."
Der Sinn dieser Auslassungen geht dahin, daß die Furcht vor einem Zustandekommen des Schulgesetzes mit Hilfe des Zentrums die Nationalliberalen veranlassen wird, Auswege zu suchen, welche ihren Anschluß an die beiden konservativen Fraktionen wieder ermöglichen. Mit welchem Erfolge, bleibt abzuwarten.
Deutsches Reich.
Berlin, den 18. Mai 1906.
Behauptungen und Dementis wechseln in üblicher Weise hinsichtlich einer angeblich bevorstehenden Begegnung des Kaisers mit dem Zaren ab. Während eine allerdings nicht gerade sehr zuverlässige Korrespondenz von „gut unterrichteter Seite" erfahren haben will, daß die Begegnung im Prinzip beschloffen sei und nur noch ihr Zeitpunkt und ihr Ort unbestimmt sei, versichert die .Deutsche Tageszeitung', daß man in Kreisen, die von einem Begegnungsplan unterrichtet sein müßten, nichts davon wisse. Man wird gut tun, vorläufig allen diesen Meldungen Zweifel entgegenzusetzen, doch wird man nicht außer acht kaffen dürfen, daß gerade Begegnungen des Kaisers mit dem Zaren nicht lange vorher angekündigt zu werden pflegen. Jener Korrespondenz, der .Information' zufolge, soll auch eine Begegnung zwischen dem Kaiser und dem König Eduard von England im Prinzip beschlossen sein. Auch hier sind unseres Erachtens starke Zweifel wohl am Platze.
.-. Kirchliche Fürbitten für die Kronprinzessin. Einer Bestimmung des Kaisers gemäß hat der Evangelische Oberkirchenrat angeordnet, daß nunmehr mit der Abhaltung kirchlicher Mr-
Alls des Todes Amen.
Novelle von Marg. Schlichter.
28] (Nachdruck verboten.)
(Schluß aus dem zweiten Blatt.)
„Habe Dank, tausend Dank, Elisabeth, ach -wäre ich einige Jahre eher mit dieser Frage vor Dich hingetreten, wie glücklich hätten wir sein -können. Aber als ich diesen Brief erhielt, glaubte ich dennoch, es sei nicht zu spät für uns beide, noch glücklich zu werden. Ich wollte zu Dir eilen, Dich um Verzeihung bitten und Dich anflehen, es trotzdem mit mir zu versuchen. Mein ganzes Sein sollte Dir gehören, mein ganzes Streben sollte sein. Dir ein schönes, neues Glück zu schaf- Isen, Dich reich zu entschädigen für alles, was Du jm den letzten Jahren an Leid und Schmerz meinetwegen getragen hast. "
»lind warum sollte es heute zu spät sein, haben toir nicht, so Gott will, noch noch ein langes Leben vor uns, um miteinander glücklich zu sein?"
„Ich habe es mir gedacht, daß meine schöne, edle Antigone von ehemals so sprechen würde. Nein, jetzt ist ein unabwendbares Verhängnis zwischen uns getreten, als Krüppel darf ich nicht daran denken, Dein Leben mit dem meinigen zu verbinden. Ich würde mich tagtäglich zu tief in Deiner Schuld fühlen. Aber ich ertrage es nicht, stets die Vision eines Glückes vor Augen zu haben, 'das mir unerreichbar ist, und deshalb will ich fort von hier, je eher desto besser; ich fühle mich stark genug, eine Reise aushalten zu können; zudem möchte ich auch nicht länger die Gastfreundschaft Deines Onkels in Anspruch nehmen."
„O Joseph, wie niedrig denkst Du von der Liebe eines Weibes, daß Du glaubst, das Mißgeschick, das ihren Geliebten getroffen hat, könne dieselbe ertöten. Aber es ist nur der Stolz, der aus Dir redet, Du willst nur geben, nichts annehmen. Nun, gibst Du mir nicht Dein großes, ■eble§ Herz, das alle äußern Vorzüge aufwiegt? ..Gibst Du mir nicht den Ruhm Deines Namens, ’Mnen Anteil an den künstiaen Schöpfimgen Dei
nes Genius, der sich um so herrlicher entfalten wird, je enger die Grenzen, die Deinem äußern Leben fortan gezogen sind? Nein, Du gibst mir viel mehr, als ich Dir zu bieten habe."
„Ach, Elisabeth, mache mich nicht wankend in meinem Entschluß, jedes Wort aus Deinem Munde vermehrt meine Reue, daß ich Deinen Wert sogar nicht zu würdigen gewußt habe. Aber Dein Leben soll keine Kette von Entsagungen sein; nein, Du verdienst ein schönes, inneres und besseres Los, als ich Dir zu bieten vermag."
„Und wenn ich Dir nun sage, daß ich nichts anderes begehre, als mit Dir vereint zu sein, willst Du dann noch diese Hand, die ich, ein Weib, allem Herkommen zum Trotz, Dir, dem Manne biete, willst Du sie zurückweisen aus falschem Stolz?"
Stürmisch ergriff er die ihm dargebotene Hand und küßte sie. „So ist es denn wahr, Du willst mein sein, mein für immer?" Und er nannte sie bei den süßesten Namen, seine ganze Liebe, seine Reue und Selbstanklage schüttete er vor ihr aus. Elisabeth suchte ihn zu beruhigen; auch ihr flössen die Worte immer erregter von den Lippen. Sie hatten es nicht gehört, daß die Nebentüre sich geöffnet hatte und Doktor Schmitz und ihr Onkel eingetreten waren.
„Mir scheint, als wir in der Kirche waren, ging ein Friedensengle durch dieses Zimmer und zwei Herzen haben sich geftmden, die lange von einander getrennt waren."
„Onkel, wußtest Du es —", sagte Elisabeth, abermals errötend.
„Na, es gehört doch nicht viel Scharffinn dazu, um zu begreifen, wie die Sachen standen."
„Und denke Dir, lieber Onkel, er will mich eigentlich auch jetzt noch nicht!"
„Das sieht ihm ähnlich", sagte Doktor Schmitz, „er wird jetzt natürlich allerlei sentimentale Redensarten Vorbringen, als, er könne kein Opfer annehmen, und er wolle möglichst bald von hier fort, um nicht weiter zur Last zu fallen, und was dergleichen mehr ist."
„Ich sehe, daß Sie ihn richtig beurteilen", lächelte Elisabeth.
„Es würde mich aber sehr betrüben, wenn Sie
bitten für eine glückliche Entbindung der Kronprinzessin Eecilie in sämtlichen Kirchen der preußischen Landeskirche begonnen werde.
* Der Bundesrat wird morgen (SamStag) wiederum eine außerordentliche Plenarsitzung abhalten, in der noch die beiden ErgänzungSetatS erledigt werden sollen, die der Reichstag noch vor der Vertagung verabschieden soll. In dem einen werden außerordentliche Ausgaben von rund 19 Millionen Mark, in dem anderen von rund 17 Millionen angefordert. Außer den bereits bekanntgegebenen größeren Summen für koloniale Zwecke werden 4 Millionen für Zwecke der Heeresverwaltung und etwa 12 Millionen Mark für die südwestafrikanische Expedition beantragt. 800,000 Mk. werden zwecks Ansiedelung von Mitgliedern der Schutztruppe gefordert. Die Rate, welche für die Bahnlinie Kubub-Keet- mannshoop gefordert wird, beläuft sich auf 5 Millionen Mk.
* Von einer angeblich beabsichtigten Teilung des preußischen Kultusministeriums in der Weise, daß das Unterrichtswesen vom Kultusministerium abgezweigt und ein besonderes Unter- richtsministerium geschaffen werden soll, ist in einem Blatt die Rede. Der Gedanke ist ja nicht neu. Er ist bereits vor Jahrzehnten aufgetaucht und seitdem wiederholt erörtert worden. Die ,Deutsche Tageszeitung' bestreitet aber auch wohl mit Recht auf gründ eingezogener Erkundigungen, daß er letzt in maßgebenden Kreisen wieder ausgenommen worben sei. Nicht minder richtig dürfte die Bemerkung des genannten Blattes sein, daß ein solcher Plan weder im Herrenhaus, noch im Abgeordnetenhaus auf eine Mehrheit zu rechnen hätte.
* Der Versuch des deutschen Flottenvereins bezw. seiner Hintermänner, die Teilnahme des Prinzen Heinrich von Preußen an den Verhandlungen der Hauptversammlung des Flottenvereins in Hamburg gegen den Staatssekretär des Reichs- Marineamtes auszuspielen, ist mißglückt. Wie mitgeteilt wird, hat Prinz Heinrich von Preußen bereits dem Vorstand sein Bedauern darüber ausgedrückt, daß er an den Verhandlungen und Festlichkeiten nicht teilnehmen kann. Der äußere Grund dafür ist allerdings die Hoftrauer um die verewigte Prinzessin Friedrich Karl. Die Matadors des Flottenvereins sind überhaupt schon etwas bescheiden geworden. Sie begnügen sich jetzt damit, die Teilnahme des Großadmirals v. Köster an dem Festessen, das der Hamburger Senat dem Flottenverein veranstaltet, hervorzuheben. Die Aufmerksamkeit wird ebenso, wie weitere, die in der Entsendung von zwei kleinen Kreuzern und einigen Torpedobooten für die Zeit der Tagung des Flottenvereins nach Hamburg liegt, selbstverständlich dem Flottenverein als solchem zuteil und kann unmöglich als eine Billigung der Quertreibereien gelten, welche von einer Minorität im Flottenverem ausgeht. Wenn diese Minorität des FlottenvereinS versuchen sollte, den Tatsachen eine andere Deutung ju geben, so würde sie sich zweifellos der Gefahr aussetzen, sehr bald und entschieden rektifiziert zu werden.
* Ueber Gouverneur von Puttkamer bringt ein Berliner Blatt eine angeblich aus parlamentarischen Kreisen stammende Meldung, wonach der Genannte „beabsichtigen soll, nicht nach
daran dächten, mein Haus verlassen zu wollen", sagte der Konsul.
„In diesen Unglückstagen rechnet es sich jeder, den die Gottes Hand vor schwerem Geschick behütet hat, zur Ehre an, einen der Betroffenen pflegen zu dürfen, und als Bräutigam meiner Pflegetochter haben Sie doch das erste Anrecht auf den Schutz dieses Hauses."
„Danke, danke, lieber Onkel, ich weiß ein gutes Mittel, den Konflikt zu lösen und allen seinen Ausreißergelüsten ein Ende zu machen."
„Und das wäre?"
„Daß Herr Doktor uns so bald tote möglich miteinander verbindet. Als seine Frau erlange ich dann auch das unbestrittene Recht, für ihn zu sorgen und ihn zu pflegen."
„Eine gute Idee, mein Kind", sagte der Kon- sul, „und ich schlage vor, daß die Trauung gleich morgen früh stattfinde."
„Einverstanden", erklärte Doktor Schmitz, und obschon Brandau noch einige schwache Einwendungen machte, so gab er doch nur allzugern seine Einwilligung.
Am folgenden Morgen prangte ein improvisierter Altar neben seinem Lager. Elisabeth im schlichten, schwarzen Kleide, mit Kranz und Schleier geschmückt, kniete an seiner Seite, und nachdem beide die hl. Kommunion empfangen hatten, sprach Doktor Schmitz den Segen der Kirche über sie aus. Reine, heilige Freude glänzte in den Augen der Liebenden, während der Konsul sich abwandte, um seine Rührung zu verbergen. Durch das Fenster aber blickten die goldenen Strahlen der Herbstsonne hell und freundlich in das mit Blumen dekorierte Krankenzimmer, als ob sie den glücklichen Vereinten nach langen, trüben Tagen eine sonnenbeschienene, wolkenlose Zukunft in Aussicht stellen wolle.
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Seitdem ist ein Jahr dahingegangen. Brandau sitzt an seiner Staffelei und arbeitet an seinem Gemälde „La Virgen del mar". Von Zeit zu Zeit wirst er einen zärtlichen Blick auf Elisabeth, die mit einer Handarbeit beschäftigt neben der Wiege sitzt. Leise summt sie ein Schlummerlied
Kamerun zurückzukehren, da „seine Gesundheit durch die langwierige Tropendienstzeit angegriffen sei"; es verlauttt vielmehr, daß er seinen Abschied „erbitten" wolle. — Wenn das nicht Hohn sein soll, muß man über die Naivität ftaunen, die sich in den „parlamentarischen Kreisen" breit macht, auS der angeblich die Nachricht flammt.
.'. Gegen die Darstellung des Falles Schöne-v. Brockhausen, wie sie die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg.' lieferte, hat der Rechtsanwalt deS in Frage kommenden russischen Kaufmanns, der sozialdemokratische Rechtsanwalt Dr. Liebknecht, eine Entgegnung veröffentlicht, welche neue schwere Anschuldigungen gegen den Polizeikommifsar Schöne enthält. Fast sämtliche Berliner Blätter sind darin einig, daß die preußische Regierung jetzt noch weniger als früher umhin kann, eine wirkliche emwandsfreie Aufklärung des Tatbestandes herbeizuführen. Die ,Freie Deutsche Presse' meint, der einzige Weg wäre der einer gerichtlichen Klage, sei es gegen den .Vorwärts', sei es gegen den Rechtsbeistand des russischen Kaufmanns. Freilich müßte bann auch Kriminalkommissar Schöne von dem Richter gezwungen werden können, unter seinem Eid über seine Beteiligung an der Angelegenheit erschöpfende Auskunft zu geben. Sollte die vorgesetzte Behörde des Kriminalkommissars eine gerichtliche Aussage Schönes verhindern, bann freilich würbe jebermann wissen, „wie der Hase läuft".
* Zum Schulunterhaltungsgesetz hat die freikonservative Fraktion die Einbringung nachstehender Resolution beschlossen, zu deren Unterzeichnung auch die beiden anderen Kompromißparteien aufgefordert werden sollen: 1) „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die königliche Staatsregierung zu erflrchen, unter Bereitstellung der dazu erforderlichen Staatsmittel ohne VeMg in eine Revision des Lehrerbesol- dungsgesetzes zu dem Zwecke einzutreten, durch Festsetzung auskömmlicher Grundgehälter und Alterszulagen, sowie durch Eröffnung einer Laufbahn im Schuldienste für alle Lehrer die gegenwärtig im Lehrerbesoldungswesen bestehenden Mißständen und ungerechten Ungleichheiten zu beseitigen." 2) „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die königliche Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die staatlich« Schulverwaltung nach den für die Organisation der allgemeinen Landesverwaltung maßgebenden Grundsätzen möglichster Dezentralisation und Mitwirkung von Organen der Schulverwaltung, sowie wirksamer Rechtskontrolle umgestaltet wird."
* Die Verkehrs - Einnahmen der deutschen Eisenbahnen für April 1906 betrugen nach der im Reichs-Eisenbahnamte aufgestellten Uebersicht für alle Bahnen aus dem Personenverkehr 57,965,565 Mark (+ 5,704,570 Mark gegenüber April 1905), aus dem Güterverkehr 113,327,393 Mark (4- 10,679,241 Mark); für die Bahnen mit dem Rechnungsjahre April bis März in der Zeit vom 1. April bis Ende April 1906 aus dem Personenverkehr 50,436,866 Mark (-f-5,051,675 Mark), aus dem Güterverkehr 100,944,128 Mk. (4- 9,620,769 Mark); für die Bahnen mit dem Rechnungsjahre Januar bis Dezember in der Zeit vom 1. Januar bis Ende April 1906 aus dem
eben, um den Kleinen zu beruhigen, der tn energischen Tönen sein junges Dasein bekundet. Jetzt tritt der Konsul ins Zimmer, nimmt sein Patenkind auf den Arm und macht mit ihm einige Rundgänge durchs Zimmer, worauf der klein« Schreihals alsbald verstummt.
„Da hat er wieder seinen Willen bekommen , sagt Elisabeth lächelnd. „Du wirst ihn noch ganz verwöhnen." , ,, ,
„Das tun alle Großpapas", lächelte rhr Onkel; er ist nämlich eifersüchtig darauf bedacht, daß man ihm diesen Titel beilege. In diesem Augenblick ertönen die Glocken der Kathedrale und gleich darauf fallen die Glocken der andern Kirchen em. Wir schreiben nämlich heute den 3. November, das Datum des verhängnisvollsten Tages tn den Annalen der Stadt Santander. Der Konsul und Brandau begeben sich zum Dom. Von hier aus setzt sich ein imposanter Zug in Bewegung. Voran der Bischof, im vollen Ornat, der Domklerus, di« Pfarrgeistlichkeit, der Magistrat, die Stadtverord- neten, die Marinebehörde und eine ungeheure Menge von Teilnehmern. Unter letztern ist Brandau nicht der einzige, der, sich mit einem kunstlrchen Gliebe fortbewegend, die Spuren der furchtbaren Katastrophe an seinem Körper trägt. Sie halten auf dem Maliano-Hafen, der Stelle gegenüber, auf der im vorigen Jahre der Machichaco vor Anker lag. Hier erhebt sich, von den Meereswogen umflutet, auf schlichtem Steinsockel ein eisernes Kreuz, Jahreszahl und Datum des Unglückstages bezeichnend. Um 5 Uhr, genau um die Stunde, in der im vorigen Jahre das Furchtbare geschah, knieen alle nieder, und der Bischof betet mit lauter Stimme für die Seelenruhe der Verstorbenen. Alsdann geht der Zug zum Dome zurück, wo ein Tedeum gesungen wird zum Danke für die Errettung der Stadt. Brandau dankt Gott aus heißem Herzen für die Erhaltung seines Lebens, und in aufwallende'm Glücksgefühl gedenkt er des geliebten Wesens, dem er, nächst Gott, seine Errettung verdankt. Zu Hause angenommen, schließt er sie stürmisch in seine Arme. „Heute ist der Tag, an dem Du mich errettet hast aus des Tode- Armen, um mich einest neuen, schönern Dasein entgegenzuführen."