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Huldaer M Zeitung
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Rotationsdruck u. Verlag der Huldaer 2k« tieudruckerei in Hulda. Hernfprecher Nr. 9.
Fulda, Samstag den 19» Mai 1906.
J\ß 115.
33, Jahrgang.
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Drittes WLcrtt.
Wochen-Rundschau.
Fulda, den 12. Mai 1906.
(Nachdruck verboten.)
Die vergangene Woche sah im Süden des Rei- Hes begeisterte Kundgebungen für den Kaiser, Aer Karlsruhe, Straßburg und Metz besuchte. Iln diese Kaiserreise schließt sich bekanntlich demnächst der Besuch Kaiser Wilhelms in Wien an. Während die österreichische Presse diesem Besuche sehr freundliche Worte widmet, hat ein Teil der ungarischen Presse ihn zum Anlaß von scharfen Ausfällen gegen Deutschland benutzt. Der ungarische Ministerpräsident Dr. Wekerle hat dieses Gebühren allerdings in einer Rede, die er vor seinen Wählern in Tensesvar hielt, nachdrücklich getadelt und gleichzeitig den Dreibund als eine Bürgschaft des Friedens und als die Unterlage für die auswärtige Politik Oesterreich-Ungarns gefeiert. In England bemüht man sich au" der einen Seite, der deutsch-feindlichen Stimmung durch Entgegenkommen gegenüber den Vertretern Deutscher Städte, die augenblicklich in England weilen, entgegen zu treten, doch zeigt sich auf der anderen Seite diese deutsch-feindliche (Stimmung in Ausfällen, die im englischen Unterhause anläßlich der Erörterung der Abrüstungsfrage gegen Deutschland laut wurden. Auch in vollständig haltlosen Gerüchten über gewisse Pläne Deutschlands hinsichtlich der Errichtung einer Flottenstation in der Nähe der Insel Borneo ist jene Stimmung zum Ausdruck gekommen, ein Beweis dafür, das Deutschland trotz der Besserung der internationalen Lage im allgemeinen allen Grund hat, fortgesetzt auf der Hut zu sein.
Das Befinden des F ü r st e n Bülow hat sich schon soweit gebessert, daß der Reichskanzler mit einer Reihe von Staatssekretären, Ministern und Parlamentariern Besprechungen über die schwebenden innerpolitischen Fragen abhalten konnte.
Der Reichstag wurde fast vollständig von Steuerfragen in Anspruch genommen. Rascher als mau es erwarten konnte, ist die zweite Lesung der Reichsfinanzreform beendigt worden. Die Steuervorlagen sind nach den Beschlüssen der Kommission zur Annahme gelangt. Zwischendurch erledigte der Reichstag die dritte Lesung der Diätenvorlage, welche ebenfalls mit einer geringen Abweichung, die aber ohne grundsätzliche Bedeutung war, nach den Beschlüssen der Konnnission genehmigt wurde, und zwar ohne ernstlichen Widerspruch seitens der Verbündeten Regierungen, sodaß die Diätenfrage einer glücklichen Lösung zugeführt ist.
Das p r e u ß i s ch e A b g e o r d n e t e n h a us hat sich gleichfalls mit Steuervorlagen beschäftigt, außerdem aber die Eisenbahnvorlage in zweiter und dritter Lesung erledigt. Bei dieser Gelegenheit stellte sich der zum Nachfolger deS verstorbenen Ministers von Budde ernannte Minister der öffentlichen Arbeiten, Breitenbach, dem Hause vor. Die Programmrede, welche der Minister hielt, und in der er die energische Weiterführung der wirtschaftlichen und sozialen Reformen, die sein Vorgänger angebahnt hat, znsagte, fand lebhaften Beifall. Zu einer lebhaften Debatte führte die Interpellation der Freisinnigen über die Russenaus- weisnngen aus Berlin und den damit in Zusammenhang stehenden Fall einer angeblichen Verleitung eines russischen Staatsangehörigen zum Landesverrat durch die Polizei, den der Abgeordnete Bebel im Reichstage vorgebracht hatte. Daß der Minister des Innern dabei besonders gut abgeschnitten hätte, läßt sich trotz der Anerkennung, die seine prinzipielle Stellung fand, nicht behaupten. Die weitere Tagung des Abgeordnetenhauses wird zweifellos durch die Beratung des Volksschulunterhaltungsgesetzes charakterisiert werden. Bis- her hat es nicht den Anschein, als ob die zwischen Konservativen und Nationalliberalen aufgetauchten Differenzpunkte durch ein Kompromiß erledigt würden. Wie sich unter diesen Umständen das .Schicksal der Vorlage gestalten wird, ist durchaus (zweifelhaft, wie es auch noch zweifelhaft ist, ob die ganze Durchberatung der Vorlage zu ermög- lichen ist.
In Deutsch-Südwestafrika ist es un- lerer Schuhtruppe gelungen, den Hottentotten- jführer Morenga zu fassen und zu schlagen. Aller- : dlngs jenseits der Grenze, auf englischem Gebiete, wohm sich der Führer der Aufständischen wieder zuruckgezogen hatte, um seine Kräfte von neuem 311 sammeln. Die deutsche Regierung hat selbst- werstandlrch diese Grenzüberschreitung getadelt, -aber im deutschen Volke wird man sie umsomehr entschuldigen, als die Ohnmacht der Kappolizei gegenüber Morenga mehr als einmal erwiesen ist. An die erfreuliche Nachricht dieses Erfolges unterer Schutztruppen in Südwestafrika reihen sich -nicht minder erfreuliche Nachrichten aus unserem ost afrikanisch en Schutzgebiete, wo Durch kräftige Vorstöße, kombinierte Märsche und wohlgelungene Ueberfälle den Aufständischen weitere empfindliche Verluste beigebracht worden sind. . . Der österreichische Reichsrat hat am Arenstag ferne Sitzungen wieder aufgenommen. -Der neue Ministerpräsident, Prinz zu Hohenlohe, -hat dabei seine Programmrede gehalten, welche be- fsonders zwei Punkte berührter die Wahlreform jirnd die Regelmrg des Verhältnisses Oesterreichs 'äit Ungarn. Was das Letztere anbetrifst, so sollen zwischen den Ministerien Szell und Körber zustande gekommenen Ausgleichsvereinbarungen .'ton beiden Regierungen fallen gelassen werden c pnd an ihre Stelle eine noch zu vereinbarende Regelung der wirffchaftlichen Beziehungen treten. -Nach den Aeußenrngen Prinz Hohenlohe's soll
eine Verständigung auf der ganzen Linie angebahnt werden, nicht bloß eine Multifikation der bestehenden Verträge. Die Wahlreform soll au: der Basis einer Verständigung zwischen den verschiedenen Nationalitäten durchgeführt werden. Der Gesamteindruck, den die Erklärungen des Ministerpräsidenten machten, war ein ziemlich günstiger.
Der englisch-türkische Konflikt wegen der türkisch-ägyptischen Grenze auf der Sinaihalbinsel ist beigelegt. Die Pforte hat klein beigegeben und die englischen Forderungen bewilligt. Die türkischen Truppen sind auf den strittigen Orten zurückgezogen worden und eine besondere Grenzkommission soll die genauere Regulierung der Grenze vornehmen.'
In Frankreich finden am kommenden Sonntag die Stichwahlen für die Deputiertenkammer statt. Angesichts des Ausfalls der Haupt- Wahlen scheint sich der Opposition eine gewisse Mutlosigkeit bemächtigt zu haben und man rechnet damit, daß die Stichwahlen der gegenwärtigen Regierung noch einen weiteren Zuwachs an Mandaten bringen wird.
Der in der vergangenen Woche von Turin aus angeregte Generalausstand in I t a l i e n ist ziemlich rasch zu Ende gegangen. Es hat zwar nicht an Demonstrationen der Arbeiter in verschiedenen Städten gefehlt, die teilweise zu Zusammenstößen zwischen der bewaffneten Macht und den Arbeitern führten, aber die Streikversuche sind in den Anfängen stecken geblieben. Eine besondere Episode dieser Streikbewegung beldete die Stel- lungnahme der sozialdemokratischen Abgeordneten in der Deputiertenkammer, welche den allgemeinen Ausstand nicht billigten und ihr Mandat niederlegten.
Mit dem 10. Mai ist Rußland in die Reihe der konstitutionellen Staaten eingetreten. An diesem Tage wurde die Reichsduma durch den Zaren persönlich unter großem Prunk eröffnet. Die Thronrede wiederholte nochmals in feierlich- fter Form das Versprechen des Monarchen, die von ihm gewährten Institutionen unerschütterlich aufrecht zu erhalten und knüpfte daran die Hoffnung, daß die Volksvertretung alle Kräfte in den Dienst des Vaterlandes stellen werde. Die ersten Sitzungen der Duma haben erkennen lassen, daß eine ziemlich radikale Strömung in derselben die Oberhand hat. Die erste Forderung der Duma war die einer ausgedehnten Amnestie für alle politischen Verbrechen. Bevor diese Frage zum Austrag gebracht ist, will die Duma nicht in ihre eigentlichen Arbeiten eintreten. Es steht zu be- fürchten, daß es zwischen der Duma und der Regierung bald zu ernsten Konflikten kommen wird, wenn nicht die besonnenen Elemente und der Einfluß des Reichsrats, der einen Tag später als die Duma eröffnet wurde, einen günstigen Einfluß ausüben. Leider wird die Situation durch weitere Ausschreitungen der Revolutionäre verschärft. Auch in der letztvergangenen Woche ist es zu verschiedenen Attentaten gekommen. In Warschau wurde ein Polizeikommissargehilfe, der sich durch seine Verfolgungen der Revolutionäre besonders verhaßt gemacht hatte, durch eine Bombe getötet. Auch die Maifeier der russischen Arbeiter ist nicht ohne Blutvergießen abgelailfen. In Petersburg wurde der Vizeadmiral Kusmitsch getötet, als er treffenden Werftarbeitern entgegentreten wollte.
1(1. o. Christoph Kolumbus.
Von L. Gert.
Mit bem 21. Mai dieses Jahres sind fünfhundert Jahre seit dem Tage verflossen, an-dem )er große genuesische Entdecker der neuen Welt, Christobal Colon, wie er eigentlich hieß, oder Christoph Kolombus, wie er sich aus unbekannten Gründen in Spanien nannte, in Valladolid die Augen zum ewigen Schlummer schloß. Vergrämt und zerrüttet, gebrochen an Körper und Geist tarb der große Entdecker nach einem 60jährigen Zeben, das, wie selten eines, ebenso reich an Enttäuschungen, wie an blendenden Glanzpunkten, an Zeiten höchster Ehrung und an bangen Stunden tiefster Erniedrigung war.
Christoph Kolumbus gehört zu den großen Männern, die sich durch ihre Wirksamkeit nicht nur Verdienste um ihr Vaterland, fondern um )ie ganze Menschheit erworben haben. Dazu ritt uns in ihm ein Selfmademan entgegen, in )em sich Talent und eiserne Willenskraft aufs nnigste vereinten. Als Sohn eines Tuchwebers 1446, nach anderer Meinung 1436 zu Genua geboren, ergriff Kolumbus mit 14 Jahren den Seemannsberuf und machte Reisen, die ihn bis England führten. Von dort ging er nach Por- ugal, wo er sich mit der Tochter eines italieni- chen Edelmannes verheiratete, der Gouverneur >er Insel Porto Santo und ein tüchtiger Seemann war. Kolumbus siedelte mit seiner Gemahlin nach der Besitzung seines Schwiegervaters auf Porto Santo über und fand hier Zeit und Muse, das reiche Kartenmaterial und die Tage- fficher seines Schwiegervaters, der an früheren Seefahrten tätigen Anteil genommen hatte, zu kubieren. Dieses Studium und das Bekanntwerden einzelner Tatsachen, die vermuten ließen, )aß westliches Gestade sich in nicht allzuweiter Entfernung befinde, ließen in Kolumbus allmäh- ich die Ueberzeugung entstehen, es müsse ein westlicher Weg nach Indien zu finden sein. Ihn zu finden, war von nun an das Ziel seines Streben- und mit eiserner Willenskraft, getragen von einer nrehr zu Schwärmerei hinneigenden religiösen Begeisterung, suchte er Mittel und Wege zu finden, seinen Plan, Indien auf einem west
lichen Wege zu erreichen, durchzuführen. Sowohl am portugiesischen Hofe, wohin er ich zuerst wandte, wie in Spanien, blieben eine Bemühungen erfolglos. Statt Unter» tühung fand Kolumbus Hohn. Man hielt feine Pläne für Träumereien eines überspannten Gehirns. Erst im Jahre 1492 sollte sein sehnlichster Wunsch der Erfüllung entgegengetragen werden. Isabella von Spanien ließ den bis dahin wenig beachteten Kolumbus, als er sich auf einer Reise nach Frankreich befand, zurückrufen, und am 14. April 1492 konnte er einen Vertrag mit der spanischen Krone unterzeichnen, in dem ihm der Titel eines Admirals und erblichen Vizekönigs aller von ihm entdeckten Länder zuerkannt wurde. Am 3. August 1492 verließ er mit 3 Schiffen den Hafen von Palos und 3 Monate
Christoph Columbus
später, am 12. Oktober desselben Jahres, konnte er seinen Fuß auf den Boden einer neuen Welt setzen, die er freilich für jenen Teil der alten hielt, zu der er nur einen neuen Weg zu finden hoffte. Bei seiner Rückkehr wurde er in Portugal, noch mehr aber in Spanen, mit königlichen Ehren empfangen. Seine unermüdliche Ausdauer in der Verfolgung seines großen Planes hatte glänzend gesiegt und der Sohn des Tuchwebers von Genua sah sich auf der goldumstrahlten Höhe königlicher Gunst und Ehrung. Auf drei weiteren Entdeckungsreisen hat bann Kolumbus bie Größe seines Ruhmes als Entdecker noch um ein Bedeutendes vermehrt, aber das Maß der Anerkennung, daS ihm von seinem Königshause zuteil wurde, minderte sich. Die Angst vor der zunehmenden Größe der Erfolge Kolumbus', der grimmige Neid derer, die an Ansehen und Gunst zu verlieren bangten, erstickten das Bewußtsein der Dankes- pflicht und ließen es zur schmachvollen Wirklich- feit werden, daß Kolumbus von der dritten feiner Entdeckungsreisen mit Ketten nach Spanien zurückkehrte. Wie man ihm so seine Ehre genommen hatte, so erachtete man es in Spanien, auch nach seiner vierten Entdeckungsreise nichts ur notwendig, ihn in feine Rechte und Würdenr einzusetzen und ihm bie versprochenen Einkünfte^ und Anteile an den Kolonien auszubezahlen.^ Der Moor hatte seine Schuldigkeit getan, baS, tolze Spanien war reich durch ihn geworden!
und unbeachtet siechte Kolumbus dahin, im Innern zernagt von Schmerz über die Undankbarkeit des Landes, dem er mehr gegeben hatte als je ein Mensch zuvor. Am Himmelfahrtstage des Jahres 1506 verschied der große Entdecker mit bem Sterbewort des Heilandes: „In manus tuas Domine, commendo spiritum meum". Zuerst im Franziskanerkloster zu Valladolid, bann in Sevilla begraben, wurde seine Leiche später im Dom zu St. Domingo und 1795 tn Havanna beigesetzt. Kolumbus starb, ohne bie Größe und tiefgehenden Folgen seiner Entdeckungen nur geahnt zu haben. Mit ihm ging ein Mann von großer Begabung und eiserner Ausdauer hin und wenn auch über bet welthistorischen Größe bes Entdeckers manche Schatten menschlicher Schwäche lagern, wenn wir auch bei ihm auf der einen Seite seine überspannte, mit anmaßender Enffchiedenheit von ihm vertretene Behauptung, ein Gesandter GotteS zu sein, verwerfen, auf der anderen Seite seine S Achtung der Rechte seiner neuentdeckten ffchen verurteilen müssen, so bleiben doch seine Verdienste als, freilich unbewußter, Entdecker einer neuen Welt, als Pfadfinder zu der Aera einer neuen weltgeschichtlichen Entwickelung ungeschmälert. Er war ein Mann, der aufging in der rücksichtslosen Verfolgung eines großen Zieles, ein Kind seiner Zeit, in der just wie heutigen Tags, das Streben nach materiellen Gütern, nach Gold und anderen Schätzen, bie Rücksicht 'auf menschliche Rechte, die Betonung idealer Gesichtspunkte in den Hintergrund drängte.
vermischtes.
* Die Eröffnung des TimplontnnnelS für den allgemeinen Verkehr, nach der offiziellen Feier Ende dieses Monates, ist mit Sicherheit für den 1. Juni zu erwarten. Bei der Probefahrt legte die erste elektrisch betriebene Zugmaschine die 20 Km. lange Tunnelstrecke mit einer Geschwindigkeit von 70 Km. in der Stunde zurück.
* Auch in Kamerun schon „Genossen" ? Der .Vorwärts' schreibt: „Ein Maifeiergruß aus Kamerun ist dem ,Hamb. Echo' zugegangen. Es wurde ihm aus Duala geschrieben: „Ein Hoch zum 1. Mak senden die Genoffen von Duala. Auch wir werden >en 1. Mai würdig begehen." Ob sich nicht jemand mit dem Genoffenblatte einen Scherz erlaubt hat?
* 256 000 Telephone. Dem „New-Uork Her« alb" zufolge teilt die New-Kork Telephone Comany mit, daß tn den fünf Stadttellen von New-Iork 256 000 Telephone in Betrieb seien, d. h. zwerein- halbmal soviel tvie in London.
* Durch die Blume. »Wollen Sie mir ein Plätzchen in Ihrem Herzen gewähren, liebes Fräulein ?" — „Warum nicht — wenn Sie die Miete erschwingen können."
Reklamen- nnd Anzeigenteil.
IV E M B 3mbiiiijäMh
Altbewährte Nahrung Bi££is*6Msä ur Kinder, Kranke,Gsnesends. Verhütet i.bessitigtiDiarriioe, Brechdurchfall, Darmkatarrh.J
Ebenso alt wie die Erfindung des Luftballons 1783) ist auch das Bestreben, ihm eine Eigen- »ewegnng zu verleihen, ihn lenkbar zu machen, wie man gewöhnlich sagt. Um diese- Ziel zu ereichen, at man alle mögllcheu Versuche gemacht. Aus- chtslos waren bie Versuche, das Luftschiff durch Rudern vorwärts zu treiben; geradezu töricht war das Experiment, eS durch Segeln antreiben zu wollen, da ein mit der Luftströmung treibendes Luftschiff keinen Wind verspüren kann. Auch Dampf- unb Gasmotoren erwiesen sich als unbrauchbar. Aber auch der elektrische Motor versagte insofern, als bie Eigenbewegung von 6 Metern in bet Sekunde, bie auch nur eine halbe Stunbe vorhielt, keineswegs zu praktischer Berwenbbarkeit auSreichte. Erst dem in Paris tebenben Brasilianer Santos Dumont
gelang e«, bie Eigengeschwindigkeit auf 8 Meter ht oer Sekunde zu steigern. Er umfubr bekanntlich den Eiffelturm. Graf Zeppelins Riesenlustschiff erbrachte bei seinen Fahrten über ben Bodensee, die allerdings unter allerlei Störungen und Havarien litten, ben Beweis, daß es überhaupt möglich ist, derartige Riesenlustschiffe nicht nur zu erbauen, sondern sie auch zum Aufstieg zu bringen. Das Problem der Luftschiffahrt hat heute schon aufgehört, nur ben Gedankenkreis von Phantasten und törichten Stümpern zu beschäftigen. Ernste Männer, geschickte In» genieure und praktisch burchgebildete Lustschiffer sind an bet Arbeit, es weiter zu entwicklm. Der Erfolg kann nicht ausbleiben, wenn ihnen bie ersorberlichen Mittel jur Verfügung gestellt werden.