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Rotation,druck M. Verlag der fiuldaer Ae> tiendruckerei in Hulda. Zernsprecher Nr. 9.

M 114.

Fulda, Frettag den 18. MaL 1906.

33. Jahrgang.

Krstes Matt.

§ Der zlottenverein und das Reichs- marine-Amt.

In den nächsten Tagen findet in Hamburg die diesjährige Hauptversammlung des deutschen Flottenvereins statt. Diese Versammlung wird von besonderer Bedeutung sein, denn wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird es in Hamburg zu einer Auseinandersetzung zwischen den ge­mäßigten Elementen des Flottenvereins und den sogenannten Flottenschwärmern kommen, welche seit langem in unverantwortlicher Weise bestrebt sind, die Autorität des Reichsmarineamts zu untergraben und Forderungm zur Geltung zu bringen, die weit über den Rahmen dessen hinausgehen, was die berufenen Vertreter unserer Kriegsmarine in Uebereinstimmung müder Mehr­heit des Reichstags in MarineftaAen als not­wendig und erreichbar betrachten. Die Gegensätze, welche diese verschiedene Strömungen im deutschen Flottenverein darstellen, beschränken sich aber keineswegs auf marinetechnische bezw. strategische Fragen, sondern haben auch einen sehr bedeut­samen politischen Hintergrund,und gerade mit Rücksicht darauf wird die Tagung in Ham­burg von Bedeutung sein.

In zahlreichen Kundgebungen, welche direkt oder indirekt vom Deutschen Flottenverein aus­gingen, ist schon früher dem Reichsmarineamte der Vorwurf gemacht worden, daß es sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Zen­trum begeben habe, und aus Rücksicht auf dieses dringende Forderungen für die Marine zurück­gestellt, also wichtige Interessen deS Reiches preiS- zegeben habe. Die Gegnerschaft zum Zentrum bildet überhaupt seit geraumer Zeit den Grundzug der Tätigkeit der Leitung des Deutschen Flottenvereins, die sich damit in einen schroffen Widerspruch zu den Satzungen des Flottenvereins und seiner ausgesprochenen Auf­gabe stellt, welche bekanntlich in einer Auf­klärungstätigkeit hinsichtlich der Marinefragen be­stehen soll. Dieser Widerspruch hat bereits vor einiger Zeit im Flottenverein zu einer Spaltung geführt, die durch den Austritt des früheren Staatssekretärs des Reichsmarineamts, Admirals von Hollmann, aus dem Präsidium charakterisiert wurde, und in neuerer Zeit zu dem Ausscheiden der beiden bayerischen Mitglieder aus der Leitung des Vereins, nämlich des Reichsrats Freiherrn von Würtzburg und des Generalkonsuls von Oldenbourg. Diese Vorgänge scheinen aber die Leitung des Flottenvereins über ihre verfehlte Politik ebenso wenig aufgeklärt zu haben, wie die Kritik, welche im Reichstage von feiten des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes, von Tirpitz, und Mitgliedern verschiedener Parteien an dem Verhalten des Flottenvereins, oder viel­mehr eines Teiles desselben geübt worden ist.

Neuerdings zieht der Flottenverein gegen das Zentrum zu Felde und versucht gleichzeitig einen scharfen Angriff gegen den Staatssekretär von Drpitz. Die Urheber dieses Feldzuges bedienen sich einer in politischer Hinsicht wenig gut be­leumundeten Korrespondenz. Dieselbe nimmt die Nachricht zum Vorwande, Staatssekretär v. Tir- vitz werde zu der diesjährigen Hauptoersamm- iluug des Flottenvereins in Hamburg keinen

W i>6 Todes Armeii.

Novelle von Marg. Schlichter.

26] (Nachdruck verboten.)

Jetzt flog die Türe auf und mit dem Rufe: „Tas Ende der Welt", stürzte Donna Antonia, die 'eilte Haushälterin, ins Zimmer. Ihren Rosen- kranz mit den dürren, braunen Fingern umkral- stend, kauerte sie am Boden nieder, zitternd und zagend der neuen Schrecken harrend, die der von -ihr erwartete Weltuntergang noch mit sich bringen werde. Dreimal mußte der Konsul sie fragen, wo das übrige Personal des Hauses fei; sie verstand jüju nicht, so verwirrt waren ihre Sinne. Schließ- slich erfuhr er, daß Josö, der Hausknecht, unten sei, von der Köchin und dem Stubenmädchen wußte sie nichts. Jetzt blickten der Konsul und Elisabeth auf sdie Straße und sahen eine Menge Menschen, die -meisten mit zerrissenen Kleidern und triefend von Blut in wahnsinniger Eile einherlaufen. Viele »waren tatsächlich wahnsinnig geworden. Alle aber waren bestrebt, möglichst schnell vom Orte des Schreckens fortzukommen. Sie liefen unaufhör­lich und wußten selbst später nicht, wie weit und wie lange sie gelaufen waren. Die meisten brach- ren die folgende Nacht auf freiem Felde zu.

' Aber auch viele andere Bewohner der unglück­lichen Stadt verließen ihre Häuser und fliichteten ins Freie, weil man jeden Augenblick eine neue Explosion befürchtete.

I. . Der Anblick dieser fliehenden Menschen brachte Elisabeth plötzlich eine furchtbare Vermutung zum Bewußtsein. Auch ex mußte sich unter den Zu- Hauern befunden haben, hatte sie ihn doch vor .einer Stunde den Weg zum Maliano nehmen sehen.

s , „Onkel, ich kann nicht anders, ich muß Gewiß­heit haben, vielleicht ringt er mit dem Tode" — Pamir stürmte sie fort, noch ehe ihr Onkel recht

Vertreter entsenden, um dem Staatssekretär zu unterstellen, er beobachte diese Haltung nur aus Liebedienerei dem Zentrum gegen­über, in dessen Hände er sich völlig begeben habe, und „von dem er allein Rettung seiner gefährdeten Stellung erhoffe". Um diesen Pfeil noch zuzuspitzen, weist die in Rede stehende Korrespondenz darauf hin, daß PrinzHeinrich von Preußen in Hamburg wahrscheinlich als Vertreter des Kaisers anwesend fein werde, und um den Zweck dieses Hinweises auch den Dümmsten klar zu machen, fügt sie hinzu, wenn der Staatssekretär „diesem Beispiele durch Entsendung seines Vertreters nicht folge, so könne selbst ein Laie merken, daß etwas hinter den Kulissen vorgehe, an dem das Zentrum nicht ganz unschuldig fein dürfte. Man behauptet daher auch, daß an machgebender Stelle die innige Freundschaft des Staatssekretärs mit dem Zentrum und die daraus resultierende Flotten­vorlage nicht gerade freudig begrüßt worden fei."

Wer nach solchen Auslassungen noch zweifel­haft fein könnte, wohin die Absichten der Drahtzieher int Flottenverein zielen, müßte mit Blindheit geschlagen sein. Durch alle diese Treibereien hat sich der Deutsche Flotten­verein, insbesondere feine gegenwärtige Leitung, vollständig auf das Gebiet der politischen Jntrigue verloren, und es ist wirklich an der Zeit, daß endlich einem Unfug ein Ende bereitet wird, der nicht nur die berechtigten Ziele der im Flottenverein vereinigten Freunden unserer Marine beeinträchtigt und unser innerpolitisches Leben zu vergiften droht, sondern auch das An­sehen unserer Marine im Auslanve und damit die Interessen des Reiches schädigt.

Wir wünschen und hoffen, daß in Hamburg von berufener Seite aus dem Flotten­verein selbst heraus die nötigen Schritte geschehen, um eine Gesundung der Verhältnisse in diesem Vereine herbeizuführen. Das kann allerdings nur dadurch geschehen, daß sich die Mehrheit des Flottenvereins energisch lossagt von dem das Ganze schädigenden Treiben einiger „Größen" im Flottenverein und sich wieder auf die Hauptaufgaben des Vereins besinnt, an deren Förderung alle staatserhaltenden Parteien Mitarbeiten können.

Deutsches Reich.

Berlin, den 17. Mai 1906.

Der Reichskanzler Fürst Bülow hat auch am Donnerstag eine Reihe von Personen empfangen, so den japanischen und türkischen Botschafter, ferner verschiedene Parlamentarier, u. a. den Präsidenten des Herrenhauses, Fürst zu Inn- und Knyphausen.

* Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag die Diäien-Vorlage in der Fassung, wie sie der Reichstag in der dritten Lesung be­schlossen hat, angenommen. Die Publikation des Gesetzes soll bereits am Freitag erfolgen.

* Zu der Frage der Entlastung des Reichs­kanzlers, die gelegentlich der Ertränkung des Fürsten Bülow lebhaft erörtert wurde, wird neuerlich die Meldung verbreitet, diese Entlastung solle durch die Ernennung eines Vizepräsidenten del preußischen Staatsministeriums herbeigeftihrt werden und für die Stellung eines solchen sei der Minister des Innern von Bethmann-Holl- weg in Aussicht genommen. Diese Meldung

wußte, als sie wollte. Aber sie bebte doch zurück bei dem entsetzlichen Anblicke, der sich ihr bot, als sie die Mendez-Runez-Straße betrat. Nicht grausiger konnte ein Schlachtfeld ansfehen, aus welchem die mörderische Gewalt des Todes ihre reiche Ernte gehalten hatte. Da lagen sie, wie der tödliche Stoß sie getroffen hatte, Mädchen und Frauen, Jünglinge und Greife, Kinder jeden Alters. Einige beschmutzt durch die schlammige Flut, die sich über sie ergossen hatte, andere ganz entstellt durch die gräßlichen Brandwunden, andere wieder friedlich schlummernd, ohne irgend ein Zei­chen vorhergegangenen Todeskompfes. Alle lagen sie dort, die fo plötzlich dem Leben entrissen waren, denen die Geheimnisse einer anderen Welt sich plötzlich und unvermittelt aufgetan hatten. Und zwischen ihnen die große Zahl derer, welche blutend und hilflos mit dem Tode rangen.

Tagelang noch glaubte Elisabeth ihr qualvolles Stöhnen zu hören. Aber da waren sie auch schon zur Stelle, die Herolde der christlichen Nächsten­liebe. Ueberall zwischen den Verwundeten beweg­ten sie sich, die schwarzen Gestalten der Priester, der Bischof von Santander an der Spitze, den Sterbenden die heiligen Sakramente zu spenden, die wohl nirgends passender als bei solchen Ge­legenheiten den Namen Tröstungen der hl. Reli­gion verdienen. Da lag mancher, der fein langes Süudenleben hindurch unferm Herrgott den Rü­cken gekehrt hatte und jetzt mit beiden Händen die Hand seines Stellvertreters ergriff, damit er ihm die Brücke baue über den dunklen Abgrund, vor dem feine Seele zitterte. Elisabeth prüfte jedes Gesicht der dort Liegenden, aber sie fand nicht, wen sie suchte. Ein altes, mit dem Tode ringendes Mitterchen mußte die lichte Frauengestalt mit dem in Spanien so seltenen, hellblonden Haare wohl für ein überirdisches Wesen halten. Sie streckte ihre Hand nach ihr aus und flüsterte:

„Und Gott sandte seinen Engel."

Elisabeth eilte indessen weiter, aber das kind­liche Vertrauen der Alten sollte dennoch nicht ge-

dürste lediglich eine historische ReminiSeenz auf­frischen. Bekanntlich hat die Einrichtung eines Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums früher einmal bestanden. Wir glauben nicht, daß man fie von neuem einführen wird. Halb­amtlich wird die oben erwähnte Nachricht denn auch bereits dementiert.

* Oberst von Deimling soll nun doch, wie von einer Seite gemeldet wird, das Kommando über die Schutztruppen in Deutsch-Südwestafrika übernehmen. Während die ,Köln. Ztg/ meldete, Oberst von Deimling werde vorübergehend in Deutsch-Südwestafrika tätig fein, um die lieber« leitung der bortigen Truppen in dauernde Ver­hältnisse zu bewerkstelligen, wird nach einer anderen Meldung das Kommando von dauernder Natur fein. Als Nachfolger des erkrankten Obersten Ohnesorge ist Major Quade als Kom­mandeur der Schutztruppe in Aussicht genommen.

* Dem konservativen Antrag betr. den angeblichen Eingriff in die Verfassung der Einzelstaaten ist, wie die,Poftt mitteilt, auch die sreikonservative Partei des Abgeordnetenhauses beigetreten. Dem genannten Blatt zufolge ist aber die Meldung, dieser Antrag werde bereits in den nächsten Tagen zur Verhandlung gestellt werden, nicht zutreffend. Es liegt vielmehr in der Absicht, abgesehen von der zweiten Abstimmung über die Aenderung der Artikel 26 und 112 der Verfassung, die Zeit vom 22. Mai bis zur Psingstpause ausschließlich für die zweite Lesung des Schulunterhaltungsgesetzes zu reservieren. Nur wenn diese, was vorerst noch unwahrschein­lich erscheint, vor dem 30. Mai zum-Abschluß gebracht werden kann, würde eine Verhandlung dieses Antrags vor der Psingstpause in Frage kommen können. Ebenso scheint die Meldung einer Korrespondenz, daß bei der Verhandlung über diesen Antrag auch der Fahrkartenstempel und die Tantiemensteuer eine besondere Rolle spielen werden, recht unwahrscheinlich, weil beide konser­vativen Fraktionen im Reichstag im Interesse des Zustandekommens der Steuervorlage im Ganzen für beide Maßnahmen gestimmt haben.

* Das Herrenhaus tritt am 25. ds. Mts. zusammen und wird an diesem Tage die Wahl­rechtsvorlagen beraten. In den nächsten Tagen werden zur Beratung gestellt werden: Arbeiter­wohnungsgesetz, Denkschrift über die Entwicklung der Kleinbahnen, Sekundärbahngesetz, Einkommen­steuernovelle, Kommunalabgabennovelle, Knapp- schaftsnovelle, Hercynia-Vorlage und kleinere Vorlagen. Dieser Stoff wird vor Pfingsten vom Herrenbause erledigt werden, sodaß nach Pfingsten nur noch die, Schlußabstimmung über die Wahl­rechtsreform stattzufinden hat.

* Stimmungsbild aus dem Reichstage. Das Interesse der Mitglieder des Reichstages gatt am Donnerstag weniger den Verhandlungen des Plenums als einer Beratung, die sich im Bun- desratszimmer des Reichstages vollzog. Hier stand die Diäten-Vorlage zur Entscheidung. Wenn man auch von vornherein wußte, daß sie zu Gunsten des Reichstags-Beschlusses ausfallen würde, fo rief die Kunde, daß die Vorlage an­genommen fei, doch überall lebhafte Befriedigung hervor. Wie ein Lauffeuer verbreitete sie sich etwa um die dritte Nachmittagsstunde im Sitzungs­saale und in den Wandelgängen des Reichstages. Die Folge des Bundesrals-Beschlusses dürfte sein/ daß schon gleich nach der Bekanntmachung des Gesetzes die Präsenzlisten ausgelegt werden.

täuscht werden. Ein Priester neigte sich zu ihr nie­der, hörte ihre letzte Beichte und segnete fie. Ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen ging fie hin­über. Als der Geistliche sich erhob, sah Elisabeth, daß es Doktor Schmitz, ihr Landsmann, war.

Sie wandte sich zu ihm mit der hastigen Frage: „Haben Sie ihn nicht gesehen?" „Wen, Ihren Onkel?" „Nein, Joseph."

Es war fo natürlich, daß fie ihn in diesem Augenblicke bei seinem Vornamen nannte, und sie dachte auch nicht daran, daß fie damtt einem Frem­den ihre Liebe verriet.

„O Gott, sollte er auch unter den Zuschauern gewesen fein?"

„Ja, ich sah ihn eine Stunde vorher hierher­gehen."

„So will ich Ihnen suchen helfen."

Das war aber nicht möglich, denn die Hilfe des Priesters wurde jeden Augenblick anderweitig in Anspruch genommen. Mittlerweile spielten sich auf der Unglücksstätte die herzzerreißendsten Sze­nen ab. Eine Menge Leute waren herbeigeeilt, ihre Angehörigen zu suchen. Elisabeth sah einen asten Herrn, der feine sterbende Tochter auf den Armen trug. Bei seinem Hause angelangt, fand er dasselbe tn hellen Flammen ; er trug seine teure Bürde zu einer nahe gelegenen Kirche. Zu den Füßen des Aitares hauchte fie ihren Geist auS. Jammernde Mütter suchten ihre Kinder, weinende Kinder ihre Ettern. Inzwischen war die Sonne untergegangen, aber die Flammen der brennenden Häuser beleuchteten schauerlich die Stätte, auf der Tote und Verwundete, zersprengte Steine und Trümmer aller Art, blutige Glieder und Fetzen abgerissener Kleidungsstücke im wüsten Chaos durcheinander lagen. Niemand dachte daran, den Brand zu löschen, hatte man doch genug mit den Verwundeten zu tun. Schon befürchtete Elisabeth, ihr Suchen sei nutzlos, da erblickte sie ganz am Ende der Meudez-Nunez-Strahe eine Gestatt, die niemand anders als ihr Geliebter fein konnte.

Die Vorbereitungen dazu find von der Reichs­tags - Direstion bereits getroffen. Die Präsenz­listen werden im Foyer zwischen den beiden Ein­gängen zum Sitzungssaals, die dem Hauptpor­tale der Wandelhalle gegenüberliegen, ausgelegt werden. WaS die Beratung des Plenums an­belangt, so wurde die Kommissions - Resolution auf Beseitigung der Ausnahme-Tarife im Orts­und Nachbarverkehr angenommen, dagegen der Antrag Arendt, das Porto für Postkarten nur auf 3 Pfg. zu erhöhen, abgelehnt. Da die wei­teren Kommissions-Resolutionen von der Tages­ordnung abgesetzt wurden, konnte der Reichstag einmal ausnahmsweise schon um 5 Uhr nach Hause gehen.

* Zum Zigarettenstener-Gesetz. Der Antrag Dr. Jäger (Zentr.) und Held (natl.) zur Zigarettensteuer, dessen Tendenz wir bereits dar­gelegt haben, lautet: „Der Reichstag wolle be­schließen: 1) In Z 1 Absatz 1 den zweiten Satz „Außerdem" bis „Stück" zu streichen (d. h. den Stückzoll von 5 Mark pro Mille Zigaretten fal­len zu lassen); 2) in § 2 Abs. 1 treten anstelle der Ziffern 1, 2 und 3 folgende Vorschriften: 1) für Zigaretten: a) im Kleinverkaufspreise bis zu 15 Mark das Tausend: 1 Mark 50 Pfg. für 1000 Stück; b) im Kleinverkaufspreise über 15—25 Mark das Tausend: 2 Mark 50 Pfg. für 1000 Stück; c) im Kleinverkaufspreise über 25—35 Mark das Tausend: 3 Mark 50 Pfg. für 1000 Stück: d) im Kleinverkaufspreise über 35—50 Mark das Tausend: 5 Mark für 1000 Stück; e) im Kleinverkausspreise über 50—70 Mark das Tausend: 7 Mark für 1000 Stück; f) im Kleinverkaufspreise über 70 Mark das Tau­send: 10 Mark für 100 Stück; 2) für Ziga- retten-Tabak: a) im Kleinverkaufspreise über 3—5 Mark das Kilogramm: 80 Pfg. für ein Kilogramm; b) im Kleinverkaufspreise über 5 bis 10 Mark das Kilogramm: 1 Mark 60 Pfg. für 1 Kilogr.; c) im Kleinverkaufspreise über 10 bis 20 Mark das Kilogr.: 3 Mark für ein Kilogr.; d) im Kleinverkaufspreise über 20—30 Mark das Kilogr.: 4 Mark 80 Pfg. für einKilogr.; e) im Kleinverkaufspreise über 30 Mark das Kilogr.: 8 Mark für ein Kilogramm; 3) für Zigaret« ten-Hülsen und zugeschnirtene Zigaret- ten-Blättchen 2 Mark für 1000 Stück. Der gleichen Besteuerung unterliegen neben dem im § 1 festgesetzten Eingangszoll auch die aus dem Auslande eingeführten Erzeugnisse der in Ziffer 1—3 bezeichnete» Art. Die übrigen Anträge sind Konsequenz - Anträge. Der Grundgedanke der Zigarettensteuer ist demnach geblieben, nur ist die Steuerstaffel bedeutend ermäßigt und gleich­mäßiger gestaltet worden.

* Die Kommission des Reichstags für die Aenderung en des Handelsgesetzbuchs (§ 63) und der Gewerbeordnung (§ 133) beendete heute die erste Lesung. Einstimmig an­genommen wurde ein von Vertretern verschie­dener Parteien, darunter auch des Zentrums, vorliegender Antrag, wonach der Reichskanzler ersucht werden soll, dem Reichstag baldigst Ge­setzentwürfe vorzulegen, durch welche: 1) die Vorschriften der G. O. über das Dienstverhält­nis der technischen Angestellten (§ 133 a ff.) die Bestimmungen deS Handelsgesetzbuchs übet das Dienstverhältnis der Handelsgehülfen angepaßt werden. 2, Die so oerbeffeiten Vorschriften des § 133 ff. G O. auf alle technischen Angestellten (insbesondere diejenigen in landwirtschaftlichen 91 ebenbetrieben) ausgedehnt werden. Ziffer 3 deS

Ja, sie irrte sich nicht. Er lag besinnungslos auf dem Trottoire, den aus einer tiefen Wunde bluten­den Kopf gegen die Mauer eines brennenden Hau- fes gelehnt. Auf dem linken Beine aber lag das Ende einer Eisenschiene, die dasselbe vollständig zerschmettert hatte. In namenloser Angst faßte sie sein Handgelenk und fühlte nach feinem Pulse. Gott Dank, er lebt noch. Aber von dem brennen­den Hause fielen Steine und Balken auf die Straße, hier durfte er feinen Augenblick länger liegen bleiben. Umsonst rief sie die Hilfe der Vorübereilenden an. Die Angst und Sorge um ihre eigenen Angehörigen war zu groß, als daß sie sich um einen Fremden hätten bekümmern kön­nen. Aber die Angst verdoppelte ihre Kräfte: es gelang ihr, die fchwere Eifenschiene zu heben, und nun schleifte sie den leblosen Körper vorsichtig aus dem Bereiche der Gefahr. Ein schmerzliches Stöhnen entrang sich der Brust des Verwundeten, aber feine Augen blieben geschlossen. Ratlos sah sich Elisabeth nach Hilfe um, da sah sie Doktor Schmitz, der sich mühsam bis zu ühr Bahn ge­brochen hatte. Dieser winkte ihren Onkel und den Hausknecht herbei, die ihr auf dem Fuße ge­folgt waren, aber sie bis jetzt nicht hatten finden können. Ersterer hatte gleich an das Nächstlie­gende gedacht. JosS trug eine wollene Decke; man legte den Verwundeten darauf, und die drei Män­ner trugen ihn langsam zum Hanse des Konsuls. Dieser schickte sofort den Hausknecht zurück, einen Arzt herbeizuschaffen. Derselbe kehrte aber nach zwei Stunden unverrichteter Sache zurück; alle Aerzte waren vollauf beschäftigt, die meisten im städtischen Krankenhause, wo man die Verwundeten sogar auf die Gänge hatte beten müssen, weil alle Zimmer überfüllt waren. Viele starben während der an ihnen 'vorgenommenen Operation. In­zwischen hatte man sich mit Erfolg um Brandau bemüht, das Bluten der Kopfwunde zu stillen. Nach einiger Zeit schlug er die Augen auf und richtete einen Blick des Erkennens auf Elisabeth; gleich darauf aber zuckte er schmerzlich -usaWmen.