frt|<het*ttägHd?, mit »«»nähme Ott Sonn» undZeiertage. Viertel» jährt. Vezugrpreir ohne Bringerlahn nnb SefteSgeldinZuldannb anrwärtsiMk.sopfg.
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8»t«ti»n,druck u. Verlag der Zuldaer Ae- tiendruckerei in Zulda. Fernsprecher Nr. 9.
M 113,
Fulda, Donnerstag den 17. Mai 1960.
33. Jahrgang.
neu.
Regierung ersucht wird, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den eine Reform der Branntweinbesteuerung herbeizuführen.
Die erste Resolution wird angenommen.
Es folgt die Beratung der zweiten Resolution, in der die Beseitigung der im Orts- und Nachbarverkehr bestehenden Ausnahmetarife für Postkar- ten, Drucksachen, Warenproben und Geschäfts-
Au§ dem Reichstage.
104. Sitzung vom 16. Mai 1906.
Eröffnung 114 Uhr.
Fortsetzung der zweiten Beratung betr. die Ausgabe von Reichskassenscheinen.
Die Beratung beginnt mit der Abstimmung über § 1.
Abg. Graf Kanitz (k.) beantragt, während die Regierungsvorlage eine Äenderung an dem Gesetze von 1874 vornimmt, eine solche auch an dem Gesetze von 1900 vorzunehmen, und zwar durch Ein- fügung folgenden § 3: „Der Gesamtbetrag der Reichssilbermünzen soll bis auf weiteres 20 31 (bisher 15 3C) für den Kopf der Bevölkerung des Reiches betragen. Zur Neuprägung dieser Münzen find Landessilbermünzen nicht zu verwenden." In Konsequenz dieses Antrages beantragt Abg. Graf Kanitz die Ueberschrist des zur Beratung stehenden Gesetzes zu ändern.
Abg. Dr. Arendt (Rp.) beantragt die Einfügung folgender Bestimmung: „Solange Reichs- kassenscheine im Umlauf sind, ist die Hälfte des Münzgewinnes aus der Ausprägung von Reichsscheidemünzen zur Einziehung der Reichskassen- scheine zu verwenden."
Abg. Graf Kanitz zieht seinen Antrag zurüch. weil der Präsident Bedenken gegen den Antrag hat.
§ 7. Gemeinden (Gutsbezirke), in denen eine Wanderarbeitsstätte eingerichtet worden ist, sind auf Erfordern des Kreisausschusses zur Mitwir«
von Flammen getaucht. Ach, keiner ahnte das furchtbare Unglück, das ihrer wartete i
Da indessen die Anstrengungen, den Brand zu löschen, erfolglos blieben, hatte die Behörde angeordnet, der „Machichaco" solle aus dem Hafen bugsiert und ins Meer versenkt werden. Es war aber keine Barkasse in der Nähe, die das große Schiff hätte ins Schlepptau nehmen können. In diesem Augenblicke fand sich unerwartete Hilfe. Gerade war der große Postdampfer „Alfonso 13." aus Cuba im ersten Hafen angelangt. Die Angehörigen der zahlreichen Mannschaft standen in ungeduldiger Erwartung auf der Landungsbrücke: andere ruderten gar an den Dampfer heran, um sich keinen Augenblick des frohen Wiedersehens verkürzen zu lassen.
„Ist es nicht", sagte Elisabeth, die mit großem Interesse vom Balkon aus »die Szene beobachtete, „als wenn der Seemann den Seinen jedesmal neu geschenkt würde, wenn er nach weiter, gefahrvoller Reise zu ihnen zurückkehrt."
Indessen Menschenpflicht geht dem Seemanns über alles. Wer selbst so oft dem Tode ins Auge schaut, zögert nicht, wenn es gilt, eine Gefahr abzuwenden, bedrohte Menschenleben zu retten. Sie alle folgten bereitwillig der Aufforderung des hochherzigen Kapitänf, die Hand zum Rettungs- werke zu bieten. Es waren ihrer achtzig, alle bis auf wenige Gatten und Familienväter, welche sich auf das Auxiliarschiff begaben, das den „Machichaco" aus dem Hafen ins Meer bugsieren sollte. Es war die höchste Zeit, da es nicht mehr möglich war, das Petroleum von dem brennenden Schiffe zu entfernen. Schon sind sie beim „Machichaco" angelangt und im Begriffe, denselben anzuketten; da fragt Gomez Moreno, der Führer des Ozeandampfers, den Kapitän des Frachtschiffes:
„Haben. Sie auch keine Explosivstoffe an Bord?"
„Nein", erwiderte dieser kurz; doch mit seinem bleichen, verstörten Antlitze, seinen unheimlich glühenden Augen und den fest zusammengeknisse- nen Lippen ist er das verkörperte Bild des von I
I Grauen erfaßten, bösen Gewissens. In diesem | Augenblicke stürzt ein Matrose heftig mit beiden Händen abwinkend, aufs Deck und ruft aus Leibeskräften:
„Fort, fort, das Feuer hat das Dynamit erreicht."
Im selben Momente ertönt ein Knall, so gewaltig die Lust erschütternd, so laut und entsetzlich, wie er wohl seit der Erfindung des gefährli- I chen Sprengstoffes nicht mag gehört worden sein. ! Eine haushohe Flutwelle entstieg dem Hafenbecken, ergoß sich über die Zuschauer und zog eine Menge derselben in die Tiefe hinab. Wohl an die hundert fanden ihren Tod in den plötzlich erregten Wogen. Dies tvar die nächste Wirkung der Explosion des Dynamits, bei der bekanntlich der Schlag immer zuerst nach unten erfolgt. Zugleich flog der „Machichaco" r/:t allen, die darauf waren, die sämtliche Mannschaft, die Behörden der Stadt, die Feuerwehrleute und die Polizisten, mit ihm flogen das Auxiliarschiff mit der ganzen Bemannung und eine Menge größerer und kleinerer Fahrzeuge, die sich im Maliano-Hafen befanden, in die Luft. Nur zwei Matrosen des „Machichaco" wurden wie durch ein Wunder gerettet. Sie wurden eine halbe Stunde weit ins Meer geschleudert, wo sie sich auf umherschwimmenden Schiffstrümmern übe» Wafier hielten, bis man sie gegen zehn Uhr abends, fünf Stunden nach der Explosion, ans Land brachte. Sie erklärten, von dem Dynamite int Schiffsrumpfe nichts gewußt zu haben. Ander« Schiffe wurden durch umherfliegende Trümmer in Brand gesetzt, mehrere aber waren durch den Druck nach unten in die Tiefe gebohrt. Die brennenden Petroleumfässer des zersprengten Schiffes wurden auf die Dächer.der gegenüberliegenden Häuser geschleudert, und in Zeit von ein paar Sekunden stand die ganze Mendez-Runez-Straße von einem Ende bis zum andern in Flammen. Einige baufällige Häuser in der Stadt waren im Momente der Explosion eingestürzt, zu diesen gehörte auch die Taverne, in der die drei Genossen noch hinter ihrer Branntweinflasche saßen. Sie wurden spä-
In diesem Augenblicke kam ein vierter Genosse atemlos hereingestürmt.
„Wie, Ihr sitzt hier und zecht in aller Ruhei Wißt Ihr denn nicht, daß der Machichaco brennt?"
Die drei sahen ihn sprachlos, mit offenem Munde an.
„Im Kohlenraume ist das Feuer ausgebrochen, und man fürchtet, seiner nicht Herr werden zu können. Die Behörden sind alle an Bord, haben aber nichts entdeckt. In den untersten Lagerraum sind sie natürlich nicht gekrochen. Aber es wäre doch schlimm für unfern Plan, wenn dem Feuer nicht beizukommen wäre. Wir haben acht gesunde Arme, die doch auch was leisten können. Drum folget mir, alles steht auf dem Spiele."
„Bist Du verrückt?" sagte Gasparito. „Ich bringe meine Haut lieber in Sicherheit, anstatt sie zu Markte zu tragen. Mag der Kapitän sehen, wie er fertig wird."
„Das meine ich auch", stimmten die beiden anderen bei. „Wenn Dir Deine Knochen so wohl- feil sind, kannst Du sie ja riskieren."
„O, Ihr Memmen", rief German, so hieß er, außer sich vor Zorn. „So werde ich allein gehen; aber der Teufel wird Euch schon zu finden wissen, wenn heute nicht, dann Bet einer anderen Gelegenheit."
Am Maliano-Hafen angelangt, überredete er einen Fischer, ihn gegen ein gutes Trinkgeld an )as brennende Schiff heranzurudern, und hier entwickelte er bei den Löscharbeiten einen Mut und eine Umsicht, die alle in Erstaunen setzte. Aber rotz aller Mühe machte das Feuer riesige Fort- chritte. Aus den dichten Rauchwolken loderten >ereits helle Flammen empor und mächtige Fun- engarben fielen in die Flut. Die Zahl der Zu- chauer am Ufer wuchs von Minute zu Minute, Leute jeden Standes, jeden Alters und Geschlechts eilten herbei, um das seltene Schauspiel zu be- obachten. Es war auch in der Tat ein großartiger Anblick, das brennende Schiff mit dem vom Pur- mr der Abendsonne beleuchteten Himmel im Hintergründe. Der ganze Hafen schien in ein Meer
rung bei deren Verwaltung und zur Hergabe passender Räumlichkeiten, soweit solche schon bisher einem gleichen Zwecke dienten, verpflichtet. Die Kreise haben den Gemeinden (Gutsbezitten) hierfür eine angemessene Entschädigung zu gewähren, über.deren Höhe im Streitsalle der Bezirksausschuß beschließt.
§ 8. Die Bezirksverbände der Provinz Hessen- Nafiau und der Landeskommunalverband der Hohenzollernschen Lande gelten im Sinne dieses Gesetzes als Provinz.
In der Begründung lehnt die Staatsregie« rung grundsätzlich eine gesetzliche Verpflichtung zur Mittragung, insbesondere zur anteiligen Mittragung, der Kosten dieses Zweiges der ordentlichen Armenpflege nach wie vor unbedingt ab. Sie ist indessen bereit, die Einrichtung von Wanderarbeitsstätten dadurch zu unterstützen, daß sie denjenigen Provinzialverbänden, welche sich zu dieser Maßregel entschließen, für die mit den Wanderarbeilsstätten organisch zu verbinden Arbeitsnachweise eine besondere Unterstützung gewährt.
Deutsches Reich.
Berlin, den 16. Mai 1906.
* Der Reichskanzler Fürst v. Bülow empfing am Mittwoch morgen den Staatssekretär des Innern Grasen v. Posadowsky in längerer Unterredung. Im Laufe des Mittwoch vormittags empfing der Reichskanzler den amerikanischen Botschafter Herrn Charlemagne Tower und hatte am Nachmittag eine längere Besprechung mit dem österreichisch-ungarischen Botschafter Herrn v. Szögyöny-Marich.
* Der Bandenführer Morengo, der in Südwestafrika den deutschen Truppen so viel zu chaffen gemacht hat, ist am Dienstag, wie schon ürz gemeldet, von der englischen Kappolizei mit 7 Orlogleuten bei Reinwastmaak gefangen genommen worden und soll nach Uppington am Orange gebracht werden. Hoffentlich lassen die Engländer, die in so wenig deutschfreundlicher Werse bisher die „Neutralität" beobachtet haben, den gefährlichen Bandensührer nicht wieder laufen und kommt nun endlich wieder Friede in unsere schwer geprüfte Kolonie.
* Mit einem Truppentransport anS Süd- westasrika traf am Mittwoch vormittag in Hamburg der Dampfer „Professor Wörmann" mit 21 Offizieren, 4 höheren Militärbeamten ein, darunter Major Meister, die Hauptleute Meerwein, Brentano, Winterseldt, v. Wolf, nebst 97 Unteroffizieren und Mannschaften, darunter 26 vom Typhus Genesene und 4 Verivundete.
* Der Entwurf eines Hebammengefetzes, durch welches die zutage getretenen Mißstände
Der Antrag Arendt wird zur Debatte gestellt. § 1, welcher die Reichskassenscheine in Höhe von 20 und 50 31 durch Reichskassenscheine von 10 3t ersetzt, wird angenommen. § 2, welcher den Bundesrat ermächtigt, die zur Einziehung der Reichskassenscheine erforderlichen Vorschriften zu erlassen, wird ebenfalls angenommen. Der Antrag Arendt ist als ein neuer § gedacht.
Nach langer Debatte wird der Antrag Areudt abgelehnt, der Rest der Vorlage angenommen.
Es folgt die Beratung der zum Gesetzentwurf über die Ordnung des Reichshaushalts und die Tilgung der Neichsschuld gestellten Resolution
ren Kreisen derselben Provinz eingerichteten Wanderarbeitsstätten in besonders hervorragendem Maße zugute kommen, können durch Beschluß des Provinziallandtages verpflichtet werden, zu den Kosten dieses Wanderarbeitsstätten beizutragen.
§ 5. Die Provinzen haben den Kreisen zwei Drittel der Kosten der Wanderarbeitsstätten zu erstatten. Zu diesen Kosten gehören auch die Kosten, welche durch die Beförderung von Gästen der Wanderarbeitsstätten innerhalb der Provinz erwachsen. Ueber die Höhe der zu erstattenden Kosten beschließt im Streitfälle der Provinzialrat.
§ 6. Mit Zustimmung des Provinzialaus- chusses können sich die Kreise bei der Einrichtung, > »«.... Interhaltung und Verwaltung der Wanderarbeits- Zunächst steht zur Beratung die erste von der tätten der Mitwirkung Dritter bedienen. Die Kommission vorgeschlagene Resolution, in der die Zustimmung kann nur versagt oder zurückgenom- ™ men werden, wenn und insoweit die Mitwirkung Dritter die Erfüllung des Zweckes der Wander- arbeitsstätten gefährdet. Im Streiffalle entscheidet der Provinzialrat.
(*) Die Abhaltung einer deutschen Katholikentages in Berlin,
welche neuerdings in Anregung gebracht worden ist, hat, soweit wir sehen, in der Presse keine sonderliche Erregung heroorgemsen mit Ausnahme eines Organs im Königreich Sachsen, der .Dresdener Nachrichtens In An« knüpsung an einen ganz konfusen, von Wider« sinnigkeiten und falschen Angaben strotzenden Artikel einer Korrespondenz schreibt das genannte Blatt in Nr. 133 vom 16. Mai:
Sollte der U l t r a m 0 n ta ni s m u s die Dreistigkeit tatsächlich so weit treiben, den nahezu unglaublichen Plan, seine große Parade in Berlin abzuhalten, ruverwirklichen, so wäre das eine Herausforderung des Protestantismus der allerschlimmsten Art, die den furor protestanticus mit elementarer Gewalt auf der ganzen Linie entfachen und den konfessionellen Frieden aus das äußerste gefährden würde. Man stelle sich nur einmal vor, waS -passieren würde, wenn der Gustav Adolf- Verein es sich einfallen ließe, in einem katho- lifchen Zentrum zu tagen! DerUltramonta- nismus aber darf sich so etwas nach seiner Meinung gegenüber der Zweidrittelmehrheit der evangelischen Bevölkerung Deuffchlands ruhig herausnehmen! Dafür ist er ja Trumpf im Reiche! Es scheint, daß nachgerade auf unsere lllttamontanen der Satz zuirifft: „Wen Gott verderben will, den verblendet er vorher."
Wenn das Organ der „Hellen" Sachsen davon überzeugt wäre, daß die Anwendung des letzten Satzes gegen uns in diesem Falle zutreffend fein würde, so könnte es ja sehr zufrieden sein. Aber die.Dresdener Nachrichten' scheinen uns umgekehrt vorher geblendet worden zu sein, wenn sie in dieser Weise verderbenkün- deud in die Lärmtrompete stoßen. Da sind noch andere Blätter, die dem Katholizismus oder Nltramontanismus gewiß ebenso unfreundlich, ja ebenso feindselig gegenüberstehen, wie die »Dresdener Nachrichten', in der Beurteilung des Planes, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Berlin abzuhalten, wesentlich ruhiger und noch viel mehr vernünftiger gewesen. So schrieb u. a. die ,Tägliche Rundschau', das Organ des .Evangelischen Bundes, zu der von der.Germania' gebrachten Anregung:
Hoffen wir, daß sich die Reichshauptstadt dieser großen Auszeichnung würdig erweisen wird. ES kann jedenfalls nur von Nutzen sein, wenn auch einmal eine überwiegend protestantische Bevölkerung mit eigenen Angen sieht, wie das Zentrum unter dem .Deckmantel der Religion politische Propaganda im großen Stil treibt.
Gewiß, es wird sehr von Nutzen fein, wenn die evangelische Bevölkerung in Berlin oder wenigstens bereit Presse sich davon überzeugt, daß die,Tägliche Rundschau' mit ihrer letzten Insinuation die Katholikentage ganz falsch beurteilt Die ,Vossifche Zeitung' gibt zweifelsohne dem Empfinden weiter Kreise der liberalen Bevölkerung Berlins Ausdruck, wenn sie zu dem ' Plane eines Katholikentages in Berlin bemerkt: „Warum auch nicht, Berlin ist für Neuheiten ' sehr empfänglich. Es hat schon viele Paraden : gesehen, eine schwarze aber noch nicht." Und die ,Natztg.' bemerkt u. a.:
Man besorgt, die Berufung des Katholikentages" nach Berlin hätte bisher als Herausforderung" mißdeutet werden können, und der Evangelische Bund „würde natürlich auch jetzt noch Lärm zu schlagen versuchen, wie er das bei jeder Aeußerung des katholischen Lebens gewerbsmäßig tut." Weitgefehlt! Wir wissen zwar nicht, mi: welchen Gefühlen der Evangelische Bund den Katholikentag in Berlin begrüßen würde, aber da wir sonst in unseren Anschauungen jedenfalls dem evangelischen Bunde näher stehen als den ultramontanen Konventikeln, so sind wir überzeugt, daß der Plan einer ultramontanen Heerschau in Berlin ihn gerade so kühl lassen wird, wie uns. Ja, wir versprechen uns sogar manche ersprießlichen Wirkungen von einem Berliner Katholikentage auf die Milderung der konfessionellen Gegensätze und die Aufklärung großstadtfeindlicher Fanatiker, sofern diese nicht überhaupt von Natur aus unempfänglich für den modernen Geisteszug sind.
Die protestantischen Fanatiker der ,Dresd. NaHr.' werden hiernach wohl einsehen, daß sie bei diesem Anlaß ihren Beruf als Kapitols- wächterinnen vollständig verfehlt haben. Nicht minder verfehlt ist die Analogie, die sie hier in Anwendung bringen zu können glauben, wenn sie schreiben: „Man stelle sich einmal vor, was passieren würde, wenn der Gustav-Adolf- Verein sich einfallen ließe, in einem katholischen Zentrum zu tagen?" Mit der Geschichte insbesondere des Gustav-Adolf-Vereins scheinen die ,Dresd. Nachr.' sehr schlecht bekannt zu sein, denn sonst würden sie wissen, daß der Gustav- Adolf-Verein erst vor wenigen Jahren tatsächlich in Köln getagt hat und — es ist nichts „passiert"!
im Hebammenwesm beseitigt und insbesondere auch eine möglichste Sicherstellung der Lebensweise der Hebammen herbeigeführt werden sollt wird nach der .Post' tunlichst so beschleunigt werden, daß er bereits in nächster Session dem Landtage zugehen kann. DaS gesetzgeberische Vorgehen bedarf gerade bei dieser Materie einer vorsichtigen und umso gründlicheren Vorbereitung, weil eine zweckentsprechende Regelung für den ganzen preußischen Staat die große Verschiedenheit der Verhältnisse zwischen Stadt und Land und namentlich auch die Schwierigkeiten berücksichtigen muß, welche dicht und dünn bevölkerte Gegenden hierbei in ben Weg legen.
* Die Vorlage über die Entschädigung der Ansiedler in Südwestafrika in Höhe von 10^/2 Millionen Mark soll in nächster Zeit dem Reichstag zugehen und, wie dem ,Fränkischen Kurier' aus Berlin berichtet wird, noch vor der Vertagung Ende dieses Monats erledigt werden.
* Verluste in Südwestafrika. Nach amtlicher Meldung ist am 11. März 1906 gestorben: Gefreiter Adam Mikloweit, geboren 20. 7. 1883 zu Lapallen, früher im Garde-Pionierbataillon, int Lazarett Swakopmund an Nierenentzündung und Wassersucht. Reiter Georg Seibel, geboren am 11. 6. 1882 zu Traisa, früher im 2. Hessischen Dragonerregiment (Leib-Dragonerregiment) I Nr 24, im Lazarett Keetmanshop an Typhus.
* Entwurf eines Wanderarbeilsstätten gesetzes. Ein Entwurf eines Wanderarbeitsstättengesetzes, welcher Resolutionen des Landtages von 1904 bis 1095 entspricht, ist dem Abgeordnetenhause zugegangen. Derselbe lautet:
§ 1. In Provinzen, welche das Wanderarbeits- kvefen zu ordnen unternehmen, können Land- und Stadttreise durch Beschluß des Provinziallandtages verpflichtet werden, Wanderarbeitsstätten nach bestimmten Vorschriften einzurichten, zu unterhalten und zu verwalten. Der Beschluß erfordert eine Mehrheit von wenigftens zwei Drittel der abgegebenen Stimmen.
§ 2. Wanderarbeitsstätten haben die Aufgabe, mittellosen arbeitsfähigen Männern, die außerhalb ihres Wohnortes Arbeit suchen, Arbeit zu vermitteln und vorübergehend gegen Arbeitsleistung Beköstigung und Obdach zu gewähren.
§ 3. Der Provinzialausschuß bestimmt nach Anhörung der beteiligten Kreisausschüfse die Orte, in denen Wanderarbeitsstätten einzurichten sind.
§ 4. Kreise, in denen keine Wanderarbeits- stätte eingerichtet wird, denen aber die von ande»
Novelle von Marg. Schlichter.
25] (Nachdruck verboten.)
Elisabeth hatte über ihre Arbeit geneigt gemessen; jetzt blickte sie auf und ein warmer, sehnsüchtig bittender Blick aus Brandaus Auge traf sdas ihre. Was sollte das nur heute? Hatte sie nicht gesehen, wie er vor einigen Wochen in flucht- ! artiger Eile fortgestürmt war, ohne sie nur zu begrüßen. Sie errötete tief, als sie seinen Gruß erwiderte, und beugte sich noch tiefer als zuvor über ihre Arbeit. Der Konsul aber konnte sich nicht enthalten, fernem Unmute Lust zu machen.
Zu derselben Zeit faßen in einer schmutzigen, von Gesindel aller Art besuchten Taverne am jenseitigen Ende der Stadt drei unheimlich aussehende Männer, die sich leise flüsternd miteinander unterhielten.
L .„Wißt Jhr's schon", sagte einer, den sie seiner Riemen Figur wegen Gasparito (Diminutiv von ^Gaspar) nannten, „der Machichaco ist eingelaufen ;Und hat, wie mir unser Genosse Guillaume aus .Bordeaux schreibt, die ganze Lieferung an Bord, Z00 Kilogramm. Haltet Euch also bereit für diese Nacht. Der Kapitän ist verständigt und wird uns den Stofs auslrefern, aber nicht vor ein Uhr. Er furchtet die Spürhunde hier herum, die ihre Nase in alles stecken."
i . „Wird das ein Spaß werden", sagte Pagutto, ein Mann mit einem abstoßenden, vom Alkoholge- nusse gedunsenen Gesichte. „Letzten Sonntag hat Padre Minervino, der rabiateste von allen Geistlichen hier in der Stadt, im Dome eine donnernde Rede gegen den Anarchismus losgelassen. Na, es tut nicht gut, den Teufel an die Wand zu malen, And sie werden sich wundern, wenn's demnächst kracht an allen Ecken und Enden. Hier, in Burgos, ^ss^öarzelona, in Madrid." —