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Zernsprecher Nr. 9.
11L
Fulda, Dienstag den 15. Mai 1906.
33, Jahrgang.
Zweites Matt.
[ | Sommeratlaub für Privatbeamte.
Zu den sozialpolitischen Wünschen der Privat« beamten gehört auch die Gewähnmg emeS genügenden Sommeruckaubs. Einzelne Organisationen dieser Angestellten haben die Forderung nach einer staatlichen Regelung dieser Frage so- 'gar in ihr Pvogramm angenommen. Eine solche, die überhaupt fraglich ist, dürfte aber jedenfalls noch in weitester Ferne liegen. Auf dem Wege Der Selbsthilfe läßt sich hier aber schon viel erreichen. Deshalb haben an einzelnen Plätzen fast 'sämtliche in Betracht kommende Organisationen sich zur Erreichung des Sommerurlaubs zusam- 'Mengeschlossen. So z. B. in Mannheim, wo sich schon vor einigen Jahren eine „Vereinigung tznr Erwirkung von Somrnerurlaub und Beschaffung geeignetenSommeranfrnt- haltes für kaufmännische und technische lAu gestellte* gebildet hat. Im April sanden deren 4 ordentliche Mitglieder - Versammlungen statt. In derselben waren 11 kaufmännische Vereine, sowie die Prmzipalität erschienen. Noch dem Jahresberichte stieg Die Zahl der körperschaftlichen Mitglieder von 11 Vereinen mit 2872 Mitgliedern auf 13 Vereine mit 3270 Mitgliedern. Die Bestrebungen wurden wie bisher auch im abge- lausenen Jahre einerseits durch den in regelmäßiger Folge in Tageszeüungen veröffentlichten Aufruf, anderseits durch die Versendung des Jahresberichtes an alle Mannheimer und Ludwigshafener Firmen nachdrücklich gefördert.
Das Vorgehen der Mannheimer Interessenten verdient volle 2lnerkermung und erscheint geeignet, weiten Kreisen der Prioataugestellten zur Beach- tung und praktische« Nacheiferung anempfohlen ^u werden. Die Gewährung oon Sommerurlaub ist durchaus noch nicht so verbreitet, wie manche Kreise wohl glaubm mochten. (InFulda haben ! verschiedene Firmen in anerkennenswerter Weise den Sommerurlaub für ihre Angestellten eingeführt.) Wenn aber in einem angefdjenen Organe der Tagespreise jüngst ausgeführt wurde, «während trüb« ein Urlaub nur im Ausnahmefalle i gewährt wurde, jetzt die Nichtbewilligung von , Urlaub an die kaufmännischen Angestellten den Ausnahmefall bittre/" so reden die amtlichen und 'andere einwanvtreie Statistiken eine andere Spr ache. ; Nach der im Jahre 1902 vorgenommenen Reichs-Enquete wiube nur in rund 34 v. H. der «befragten Betriebe ein regelmGiger Urlaub, in 6 v. H. ein solcher „auf Wunsch" gewährt; €0 ,'v. H. daqegeu g^ren überhaupt keinen Urlaub. (Don den befragten kaufmämMcheu Angestellten ( erhielte« nur 39 v. H. regelmäßigen Urlaub, 8 ' v. H. nur auf Wunsch. Der große Verein für Handlmigs - Lommis von 1858 kam mit einer Rundfrage unter feinen Mitgliedern zu ähnliche« jE-gebnisieu. Urlsub erteilten 3134 Betriebe, bedingten Urlaub 307, keinen Urlaub 4152 Betriebe. > Aus den angeführten Ziffer« ergib: sich mit- shiu zur Genüge der etnroartb-freie Beweis, daß bei weitem noch nicht die Hälfte aller kaufmännischen Angestellten sich alljährlich 'eines regelmäßigen llrlanbes erfreut Aehnlich dürfre es beiden technischen Angestellten .'sein. An eine Berechtigung eines angemessenen
Sommeruttembs kamt aber namentlich in der heutigen Zeit mit ihren hohen Anforderungen an geistige Spannkraft und Nerven wohl ntemanb ernstlich zweifttn. Sache der Privatbeamten selbst ist es, in der hier in Rede stehenden Frage sich kräftig zu rühren: der Erfolg dürfte, wie bei so manchen früheren Gelegenheiten, hier auf die Dauer nicht ausbleiben.
vermischtes.
* Rm'nberg, 12. Mai 1906. Die Bayerische Jubiläums-Land es aus stell« ng ist am Samstag im Beisein des Prinzen Ludwig eröffnet worden. Dem Festaftr wohnten das gesamte Staats- rnrnisterimn mit Ausnahme des erkrankten Miuister- präsidenten Freiherrn von Podenüls, die Mitglieder beider Kammern, die Spitzen der Militär- und Verwaltungsbehörden rmd zahlreiche Ehrengäste aus ganz Bayern bei. Die Ausstellung bietet ein glänzendes Bild der industriellen, gewerblichen und rünstterischen Tätigst in Bayern. Unter den emgeütat Abteilungen treten besonders die staatlichen Ausstellungsgnqrpen hervor.
(*) Kleine Nachrichten. Düsseldorf. Em hiesiger Schreibsachverständiger begutachtete in einem Prozeß wegen anonymer Briefe, daß der Angeklagte der Verfass« sei. Wahrscheinlich wäre die Verurteilung «folgt, wenn sich nicht einer der Zeugen hinterher unter Eid zur Urheberschaft der Briese bekannt hätte. Lehrreich! — Greifswald. Die Strafkammer »«urteilte den 13jährigen Schulknaben Krotz Meinem Jahr Gefängnis. D« Junge hatte eine Weiche auf einem kleinen Bahnhof umgestellt, „nm zu sehen, wie ein Zug entgleist". Der Unfug war aber noch rechtzeitig be- rneM worden. — Hamburg. Auf dem Dampfer „Auguste BKtoria", der auf ber Unterelbe liegt, wende durch eine herabsttirzende Kiste ein Italiener getötet. Da die Landsleute des Getöteten glaubten, die Kiste sei abfichtlich von den auf Deck arbeitenden Engländern heruntergeworfen worden, entspann sich zwischen beiden Parteien eure b l ut ig e Schl agerei; 11 Teilnehmer wurden so schwer verletzt, daß sie nach Hamburg in da§ Hafenkrankenhaus gebracht werden mnßttm. — Augsburg. Das lenkbare Luftschiff des Majors v. Parscval ist fertiggeftetit Der erste Aufstieg soll in der nächsten Woche in Berlin stattfinden. — Viersen. Eine ganze KorPoralschaft holländischer Husaren ist aus der nahen holländischen Grenzstadt Venlo desertiert. Die tapferen Vat«landsverteidiger verkauften ihre Montur und fanden bei dem herrschenden Arbeitermangel in der hiesigen Gegend sehr schnell Besch ästigung. Ae safanften Uniform« stücke wurden durch Vermittlung der holländischen MftitmchehordewirirerindieGarnisonzurückgeschafft.— Göppingen. Eine brutale Tat begmgengestern früh auf der Stuttgart« Landstraße zwei hiesige Pferdeknechte. Sie zogen einen Autorikobitisten, dessen Fahrzeug die Pferde scheu gemacht hatte, vom Sitze herunter und schlugen derartig mit. ihren kurzen Peitschen auf ihn em, baß cr bewußtlos liegen blieb. — Halle <t d. S. In dem hiesigen Harlptpoftgebände wurden omDienstageinemBureauboten drei Tcmsend- marffchenie gestohlen. Aus die Wefererlangmu; des Geldes ist eilte Belohnung von 400 M. ausgesetzt. — Chemnitz. Auf einem Ritt bei Chemnitz streß der Ulanenleuinant v. Zehnten gegen einen Baum. Er eEteemeu SchLdelbruch und starb im Lazarett.— Meschede (Westfalens. Einen hundertjährigen Mitbürger lischt die Stadtgemeinde Meschede in der Person des Rentners Wilhelm Rausester. Der Jubilar beging seinen Geburtstag in geistig« und körperlicher Frische, et liest und schreibt noch ohne Brille. — Münster i. W. Mit Arsenik vergiftete sich am Sonntag nachmittag ein hiesiger
M te TM Amen.
Novelle vou Marg. Schlichter.
23s (Nachdruck »erboten.)
«Ich Tor", schrie es in Branbau auf, „meine Siebe noch an sie zu verschwenden! Hermine hat recht, fie ist eine Kokette, die für jeden zu haben ist."
Und wie von Furien gepeitscht, floh er aus dem Garten und eilte, ohne sich Rast zu gönnen, auf dem sonnenbeschienenen, staubigen Wege der Stadt wieder zu. Elisabeth sah noch eben seine Gestalt zwischen den Bäumen verschwinden, und tätliche Blaffe bedeckte ihr GefiM. Sollte denn der Becher des Mücks, immer in dem Augenblick, wenn sie fifet an die Lippen führen wollte, ihr durch die Hand eines andern entrissen werden? Sie hatte sich seit gestern in süßen Träumen gewiegt, aber jetzt waren alle ine holde« Bilder wieder verschwunden, und es war wieder freudlos und düster um sie her, und so sollte es bleiben, ihr Leben lang. Nach einigen Tagen erfuhr sie durch Doktor Schmitz, daß Brandan nach Burgos gereist sei, und er hoffe, diese Neffe werde eine neue, herrliche Sc^pfstng des Künstlers zeitigen. Er fügte diese Bemerkung bei, um die Abreise seines Freundes in etwa zu rechtfertigen.
Dieser wanderte unterdessen innerlich zerfahren und zerrissen zwischen den Baudenkmälern der altehrwürdigen Steckst umher. Wohl schritt er in stummer Verwunderung durch die stillen Hallen d« gotische« Kathedrale und blickte empor zu den inmmelanstrebeuden Säule« mit ihrem künstleri- chen Blumen- und Blätterschmuck. Er sah die chlarwen Türme ,die wie Finger Gottes in den 'lauen Duft des Himmels tagen, im goldenen Lichte des Tages und sah ihre zierlichen Gewebe durchleuchtet von dem Purpur der untergehende« Sonne; aber der Geist, der aus diesem herrlichen Denkmal deutscher Baukunst hinüberweht, weckte
keinen Funken in seiner Seele. Zwar nahm er wohl, in sein Hotel zurückgekehrt, den Stift zur Hand und versuchte zu skizzieren; schleuderte ihn aber gleich darauf mißmutig fort, warf sich auf die Chaiselongue und stöhnte:
„Launisch und veränderlich sind sie alle, die Steifer, die Muse nicht ausgenommen. Küßt sie einem heute die Stirn, so darf man darauf ge- strßt sein, daß sie einem morgen den Rücken kehrt."
Und siehe, nach vier Wochen faß er eines Morgens wieder in der Eisenbahn, welche ihn nach Saittander zurückbrachte.
„Es wird in Santander besser gehen", sagte er sich. „Ich will die Virgen del mar aufnshmen. In Abendbeleuchtung bietet sie ein selten schönes Motiv für ein Gemälde."
Damit entschuldigte er seine Reise vor sich selbst nach Art derjenigen Menschen, die immer eine Entschuldigung bereit haben, wenn sie sich den eigentlichen Grund ihrer Handlungsweise nicht eingesteheu wollen. Aber es ging hier nicht besser als in Burgos. Der Genius des Künstlers be- ansprncht efen ein freies Gemüt, um seine Schwingen entfalten zu kömren. Und so führte Brandon längere Zeit hindurch ein ziel- und zweckloses Dasein.
Einmal sah er Elisabeth, als am Sardinero, so benannt nach dem reichen Sardinenfang an diesem Teile des Strandes, groß« Korso Ivar. Sie faß mit ihrem Onkel auf einer Bank und ließ den Strom der reich geputzten Damen mit ihren Kaballieren an sich vorüberziehen.
„Wie fade »md langweilig doch solch ein Korso ist", dachte sie bei sich. „Tausende von Dtenschen bewegen sich da auf einem verhältnismäßig kleinen Terrain, und ohne Sinn für die sie umgebende Pracht der Natur haben sie nur Augen für die wandelnde« Kleiderpuppen ringsum."
Brandon bemerkte, daß sie müde und abgespannt oussah. Aber was ging das ihn an? Der Klimawechsel mochte sie wohl mitgenommen haben. Uebrigens konnte sie zufrieden sein; denn an ihrer Seite saß Rueda, in dessen Augen sie die Macht ihrer Schönheit lesen konnte. Aber auch manches
Student. Als Motto wftd angeführt, er fei vor kurzem wegen Ablehnung zweier Forderungen aus einer schlagenden Verbindung auSge- st oße» und seither bei jeder Gelegenheit von seinen früheren Kommilitonen belästigt worden. — Göppingen. Wegen groben Unfugs war ein Musik- birettor in Göppingen angeklagt, well er bei einer Beerdigung den Choral „Nun danket alle Gott* hatte spielen lassen. Das Amtsgericht Göppingen hat den Musikdirektor verurteilt, auf eingelegte Berufung aber sprach die Strafkammer des Ulm« Landgerichts ihn frei und übernahm die Kosten ans die Staatskaffe. — Hamburg. Das Viehhaus des Majors Schulze in Ludorf ist durch Blitzschlag eingeäschert worden. Zweihundert! Kühe sind in den Flammen umgekommen. — Neustadt e. d. Hardt. Der Weinhändler Emil Koppel aus Neustadt a. d. Hardt wurde wegen Vergehens gegen das Weingesetz und Betrugs zu einer (strafe von drei Wochen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft verbüßt ist, und zu 4000 Mark Geldstrafe verurteilt. — Essen. Die älteste Tochter Krupps, Berta Krupp, wird sich demnächst ckerloben. Die junge Dame hat seit dem Tode ihres Vaters, fer sie zur Universalerbin eingesetzt hatte, üb« 120 Millionen Mark Vermögen.
* Eines fast unglaublich erscheinenden Vc- trnges Hat sich in Siel ein Agent schuldig gemacht, ber einer Witwe vorredete, i« Wilna liege eine Quantität Goldstaub, die wegen der in Rußland herrschenden Zustände für ein Drittel des Wertes, nämlich für 25000 M käuflich sei. Die Frau fiel richtig auf den Schwindel herein und gab die N 000 M her. Der erwartete Goldstaub traf auch richtig ei«, hatte sich aber unterwegs in Messing- späne verwandelt. Der Agent, der, wie die Polizei vermutet, eine Reihe Komplizen hat, ist verhaftet taorben.
* Eine teuere Vorlesung. Eine Vorlesung, die 12 000 Mk. Unkosten verursachte, hat der bekannte, engüsche Physiker Str W. Crookes in Kimberley 1
vor ber British Association über Diamanten gehalten Bei dieser Gelegenheit erwähnte er eine besondere Eigentümlichkeit des Diamanten, die darin bestcht, daß « für Röntgenstrahlen außerordentlich durchlässig ist, während nachgemachte Diamanten diese Strahlen fast garnicht durchlassen. Es sei dies ein anß«ordentlich gutes Mittel, echte Steine von Nachahmungen zu uitterscheiden. Bei dieser Vorlesung verflüchtigte Sir S. Crookes für 12 000 Mark Diamartten.
* Der Konkurs des Lehrlings Es ist gewiß eine Seltenhell, daß sich ein jung« Mensch als Lehrling schon ein V«mögen erwirbt, aber es ist noch viel merkwürdiger, wenn über das, was er erworben hat, der — Konkurs verhängt wird. Das Kunststtick hat vor einigen Tagen ein Dresdener Junge zustande gebracht. D«m im Reichsanzeiger lesen wir: Ueber das Vermögen des Lehrlings Otto Krellmair ans Dresden wirb heute, nachmittags 3/<5 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Konkursverwalter: Kommff- stonsrat N. N. Anmeldefrist bis zum 25. Mai. Wahltermin, Prüfungstermin, offen« Arrest mit Anzeigepflicht, nichts ist vergessen. Es liegt etwas Tragikomisches in biefem Lehrlingskonkurs.
* Der Erzieher. Vater (feinen Kindern die Mondfinsternis zeigend): „Seht Jungens, auf die Sekunde ist ber Mond in den Schatten der Erde getreten . . .solche Pünktlichkeit müßt Ihr Euch amh angewöhnen."
* Höchste Zerstreutheit. Professor: „Jetzt habe ich schon wieder mein Schnupftuch vergessen. Ich werde mir doch gleich einen Knote« hinein machen!"
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Gesamtertrag pro Jahr: Lasten prv topf der Berö/herirng:
Frankreich
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30,29 Mi/L ML
20,28 MM. ML
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®8,93 Mitt ML
Poraussicht/icher Ertrag in deutsch/and
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Österreich
Nach den bisherigen Verhanddmgen üb« die Erbschaftssteuer im deutschen Reichstage ist anzunehmen, daß sich der Ertrag derselben auf nicht weniger als 80 Millionen Mack pro Jahr belaufen soll. Bon diesen 80 Millionen Mark würden, falls 20 v. H. dies« Steuer den Einzelstaaten verbleiben stille», 64 Millionen auf das Reich entfallen. Es ist dos ein Betrag, der sich unter allen Umständen sehen taffen und mit dem auch gerechnet werden kann. Es ist nun gewiß nicht echne Interesse, zu sehen, inwieweit sich die Erbschastssteu« in den Staaten, wo sie bereite eingeführt rst, dem allgemeinen Interesse nutzbar gemacht wird. In Großbritanien und Irland brachte sie bei einer Bevölkerung von 39,61 Millionen
andere glühende Männerauge flog zu ihr hinüber und neidete dem Rueda das Vorrecht, bei der schönen Fremden sitzen zu dürfen. Mittlerweile zog der Herbst ins Land. Sturm und Regen entklei- deten die Natur ihres Schmuckes und trieben die zahllosen Badegäste, welche der Sardinero im Somm« zu beherbergen pflegt, in ihre Heimat zurück. Oede und verlassen lag er jetzt, eine trübselige Mnstration der Wandelbarkeit alles Irdischen. Der Konsul hatte feine Stadtwohnung bezogen. Das schlechte Wetter hatte ihm einen heftigen Anfall seines alten Feindes, des Rheumatismus, gebnxfe. Aber so groß seine Schmerzen auch waren, dieses Mal wurden sie gemildert durch die zarte Sorge, mit der Elisabeth ihn umgab. Heute war das Wetter umgeschlagen. Es war der 3. November, ein Tag, der in den Annalen der Stadt Santander ewig unvergeßlich bleiben wird. Es war, als ob der Sommer vergessen habe, sich von der Erde zu verabschieden, und nun noch einmal znrückgrkehrt sei, das Versäumte nachzuholen. Warmer Sonnenschein lag auf dem blauen Meere und den schroffen nackten Felsen an seiner Küste. Er bergoläcte die Masten und Takelagen der im Hafen ankernden Schiffe und belebte das bunte Bild feines geschäftigen TrechenZ. Er kroch in die entlegensten Winkel der engen Straßen und Gassen der Stadt, in welchen das rege pulsierende Leben eines vielbesuchten See- und Handelsplatzes hin und her flutete. Brandan hatte einen Gang durch die Stadt gemacht, war eine Zeitlang am Quai hin und her geschlendert und müde und gelangweilt in sein Hotel zurückgekehrt. Auf feinem Zimmer angelangt, fand er einen Brief vor, der inzwischen für ihn angekommen war. Nur mit Mühe erkannte er in den unsicherem zitternden Zügen die Handschrift feiner Schwägerin, von der er lange nichts gehört hatte. Aber indem er las, weiteten sich seine Augen, seine Pulse stockten, und eine unbeschreibliche Aufregung bemächtigte sich seiner. Er wußte wohl, daß Hermine kränkelte, seit dem Tode ihres Lieblings war es rnft ihr bergab gegangen; daß es aber so schlimm mit ihr stand, hatte er nicht geahnt. Aber das war es nicht allein, was
264.64 Millionen Mark pro Jahr, in Frankreich bei 38,52 Millionen Einwohner 15253 Millionen Mack, in Italien sind diese ZiffernZl.lO Millionen Bewohn«, 30.29 Millionen Mark, in Deutschland unter Zugrundelegung einer Bevölkerungsziffer von 52.28 Millionen Einwohner bisher 21.80 Millionen Mark, in Oesterreich bei 24.97 Millionen Einwohner 20.28 Millionen Mark, in Ungarn bei 18.34 Mill. Bewohner 8,93 Millionen Mack, in Dänemark bei 2.30 Millionen Einwohn« 1.61 Millionen Mack. Die Ursachen dies« auß«ordentttch Verschiedenen Erträgnisse pro Kopf ber Bevölkerung liegen hauptsächlich in dem verschiebens« Umfang der @teaer= Pflicht, in der Höfe bes Steuersatzes und in der Wohlhabenheit der verschiedenen Lander.
ihn so erregte, sondern eine Mitteilung, die ihn persönlich traf, ihn und Elisabeth.
„Ich bin dem Tode verfallen", schrieb sie; „die Krankheit, an der meine Mutter gestorben ist, hat auch mich ergriffen, und es wäre töricht, wollte ich mich Illusionen über meinen Zustand hingeben. Mer wenn wir im Begriff sind, dorthin zu gehen, wohin nichts als unsere Handlungen uns folgen werden, sehen wir dieselben in einem andere« Lichte als in den Tagen, da wir mitten in den Interessen und Irrungen des Lebens stehen. O, wenn Du wüßtest, wie meine Handlungsweise mich auält und martert, Du würdest mir Deine Verzeihung nicht vorenthalten! Doch ich will sühnen, was noch zu sühnen ist. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Höre also, daß ich, die ich mich Elisabeths Freundin nannte, mich nicht entblödete, sie bei Dir zu verleumden und in Deinen Singen herabzusetzen. Erlaß mir aber das beschämende Geständnis, weshalb ich es getan habe. Genug, Elisabeth hat Dir nie, auch nur mit einem Gedanken, die Treue gebrochen. Ihr ganzes Verhalten, so manche Aeußerungen ihrerseits haben es mit bewiesen. Sie hat sich nicht bemüht, Haller an sich zu ziehen; sondern er liebte sie wahrhaft und hat um ihre Hand angehalten. Er Hat es in seiner Trostlosigkeiten meinem Manne erzählt, daß sie ihn abgewiesen habe. Und Ludwig und ich sind der Ueberzeugung, daß es Deinetwegen gewesen ist, daß sie Dich nicht vergessen konnte. Das Schicksal hat Dich in ihre Nähe geführt, und Du liebst sie noch, dessen bin ich sicher. Benutze also die Gelegenheit, Dich ihr wieder zu nähern, und suche eine Verständigung mit ihr herfeizuführen. Eure endliche Vereinigung ist mein sehnlichster Wunsch und würde mir das Sterben leichter machen.. Indem ich den Himmel'anflehe, daß er Euch beiden noch eine lange Reihe glücklicher Jahre gewähren möge, bitte ich Dich um Verzeihung für das, was ich getan, und durch Dich meine gute Elisabeth, die Deiner Liebe so würdig ist. Hiermit sage ich Dir „Lebewohl" für dieses Leben. Deine betrübte Schwägerin Hermine.*
(Fortsetzung folgt.!