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RotationrdruL u. Verlag der Fuldaer Ar» tiendruäerei in Hulda. Kerufprecher Nr. 9.

M 109«

Fulda, Samstag den 12. Mai 1906.

33. Jahrgang.

Zweites Matt.

Natholilen veutschlands!

Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands haben für die katholische Kirche in unserem Vaterlande und für unsere Stellung tnt öffentlichen Leben eine außerordentlich hohe Be­deutung gewonnen. Sie sind der Brennpunkt katholischen Geisteslebens und katholischer Tat, ein Hort der kirchlichen Freiheit, eine reichspru­delnde Quelle segenwirkender Kräfte für Gesell­schaft und Staat, eine hohe Schule praktischer Ver­wertung gemeinsamer Erfahrungen, ein hervor­ragendes Mittel unserer Einigung und eine nracht- volle Kundgebung unserer Ueberzeugung in reli­giösen und kulturellen Fragen geworden.

Durch die Not der Zeiten ins Leben gerufen, I'-ben sich die Generalversammlungen aus kleinen Anfängen zu Kundgebungen aller kirchentreuen Katholiken Deutschlands entfaltet, die wegen chrer glänzenden äußeren Größe und ihrem schwer- Wiegenden sachlichen Gehalt die Achtung und An­erkennung selbst unserer Gegner in hohem Maße gefunden haben und für die öffentliche Wirksam­keit der Katholiken des Auslandes vorbildlich ge­worden sind. ... _

Es ist Ehrensache und Gebot der Selbfter- haltung für die Katholiken Deutschlands, die Gene­ralversammlungen in ihrer Größe und umfassen­den Tätigkeit zu erhalten und soweit als möglich Wüter zu entwickeln. Eine große, aber keine T te Aufgabe!

Den Lokalkomitees, welchen die Vorbereitung der Generalversammlungen obliegt, erwachsen von Jahr zu Jahr mehr Schwierigkeiten, die nur durch das einmütige Zusammenwirken aller ver­fügbaren Kräfte und durch große Opfer an Zeit, Arbeit und Geld überwunden werden können. Mittleren und kleineren Städten ist angesichts der ins Riesenhafte auswachsenden Generalversamm­lungen — besonders mit Rücksicht aus die Woh- (Nungs- und Verpflegungsfrage und im Hinblick auf die notwendige Erwerbung oder Herstellung genügend großer Versammlungslokale — die Uebernahme und Vorbereitung der Generalver­sammlung fast unmöglich geworden. Besondere Schwierigkeiten verursacht in diesen Städten fast immer die geldliche Sicherstellung des Unter­nehmens, wenn nicht reiche und opferbereite Ka­tholiken von vornherein die entsprechenden Ge­währleistungen bieten. Und doch ist es von nicht z -nterfchätzender Bedeutung, daß die Ge»eral- 1 mmlungen auch in mittleren und kleineren Städten abgehalten und nicht auf die Großstädte beschränkt werden.

Aus dieser Sachlage ergibt sich die Notwendig­keit, Mittel zu suchen, die geeignet erscheinen, einerseits den Fortbestand und die weitere Ent­wickelung der Generalversammlungen zu begün­stigen, anderseits wenigstens einen Teil der ‘ Schwierigkeiten ihrer Vorbereitung aus dem Wege zu räumen.

Als ein Mittel dieser Art wurde in Nr. 798 der „Kölnischen Volkszeitung" vom 25. September 1904 von einem Mitglied des Lokalkomitees der R '^ensburger Generalversammlung die

Schaffung einer ständigen Mitgliederliste in Vorschlag gebracht. Da diese Anregung von der katholischen Presse beifällig ausgenommen wor­den ist, hat das Zentralkomitee in seiner Sitzung bom 19. August 1905 zu Straßburg dieselbe aufge­griffen, gründlich beraten und die Einführung der ständigen Mitgliederliste durch einen Zusatz zum § 4 der Satzungen zum Beschluß erhoben. Wäh­rend der Straßburger Generalversammlung ist in der letzten geschlossenen Sitzung bereits praktisch der Anfang in der Sache gemacht worden, mit dem fr* '■ ~-Wg, daß eine große Anzahl katholischer

W les Todes Armen.

Novelle von Marg. Schlichter.

SO] (Nachdruck verboten.)

Aber was war das? Hatte jetzt wirklich eine Stimme zu ihr gesprochen? Sie raffte sich auf und trocknete sich die Tränen von den Wimpern. Hastige Schritte näherten sich, und im nächsten Augenblick stand Brandau vor ihr. , Elisabeth war aufgesprungen und blickte, äußerlich ruhig, mit Wühler Gleichgiltigkeit zu ihm auf.

„Haben Sie Lethe getrunken oder Lotossrucht genossen? So sagen Sie mir doch, wo sie wächst, damit ich auch davon genießen und vergessen könne, was hinter mir liegt."

„Oh, es gibt ein einfacheres Mittel, sich der Erinnerung an die Vergangenheit zu entschlagen, und das heißt: „Genieße die Gegenwart." Und blicken Sie doch um sich! Habe ich nicht Grund, mit meinem jetzigen Lose zufrieden zu sein? Die Güte meines Onkels überhäuft mich mit allem, was mein Herz begehren kann, und schneller als ich dachte, habe ich mich an die hiesigen Verhält­nisse gewöhnt."

„Ja, das scheint sürwahr. Und glücklich der- lenige, der allen sentimentalen Anwandlungen fremd, sich an Aeußerlichkeiten genügen läßt und der sich nicht allein so leicht neuen Verhältnissen anzupassen weiß, sondern auch für neue Bekannte eine unwiderstehliche Liebenswürdigkeit in Bereit­schaft hat. Fürwahr, Sie verstehen es, sie alle zu Ihren Füßen zu zwingen, nur nicht diejenigen, die durch frühere Erfahrungen gewitzigt sind."

„Was habe ich getan, daß Sie es wagen dürfen, mir eine solche Beleidigung entgegen zu schleu­dern?" sagte Elisabeth mit hoch geröteten Wan- een, und stolz wie eine Königin schritt sie an ihm

Männer sich als ständige Mitglieder der General­versammlungen in die rundgehende erste Liste ein­gezeichnet hat. In der Frankfurter Sitzung des Zentralkomitees vom 28. Dezember 1905 wurde alsdann die Veröffentlichung des gegenwärtigen Aufrufs einstimmig beschlossen.

Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit einer ständigen Mitgliederliste liegen auf der Hand, und die Ein­führung derselben ist ohne besondere Schwierig­keiten zu bewerkstelligen. Wer sich schriftlich als ständiges Mitglied anmeldet, erhält jedes Jahr vom Lokalkomitee ohne weiteres seine Mitglieds­karte gegen eine Nachnahme von 7,50 durch die Post zugestellt, später sämtliche Drucksachen (auch den Stenographischen Bericht) und wird in der ständigen Liste des Stenographischen Berichts jedes Jahr aufgeführt. So werden dem jeweili­gen Lokalkomitee und den Freunden der General­versammlungen Schreibereien und Portoauslagen erspart nnb das Lokalkomitee kann von vornherein mit einer bestimmten Einnahme rechnen. Dadurch wird ihm die Erledigung seiner Vorbereitungen sehr erleichtert.

So erwünscht es nun auch ist, wenn alle ständi­gen Mitglieder alljährlich zur Generalversamm­lung erscheinen, so sind doch nicht alle jedesmal in der Sage, zu kommen. Eine Verpflichtung zum Besuche jeder Generalversammlung soll daher aus der Anmeldung als ständiges Mitglied nicht fol­gen; aber jedes ständige Mitglied gewährt damst allen weiteren Generalversammlungen eine wert­volle Unterstützung und Förderung. Es muß in kurzem Ehrensache aller Katholiken sein, die sich in der entsprechenden Lage befinden, den ständigen Mitgliedern anzugehören.

Wenn die Liste der ständigen Mitglieder als­dann, was wir zuversichtlich hoffen, demnächst einige Tausend Namen deutscher Katholiken aus- weisen wird, können und werden auch mittlere und kleinere Städte die Generalversammlungen gerne zu sich einladen und vorbereiten, weil dann finan­zielle Bedenken ausgeschlossen sind.

Für selbstverständlich halten wir, daß künftige Generalversammlungen neben ständigen auch je­desmal zahlreiche nichtständige Mitglieder und Teilnehmer in ihrer Mitte begrüßen werden.

Katholiken Deutschlands! Unsere Bestrebungen gelten dein großen Werke der Förderung und Er­haltung religiöser Freiheit der katholischen Einig­keit und Tatkraft. An Euch alle richten wir daher hiermit die dringende Aufforderung: Meldet Euch als ständige Mitglieder unserer Generalversamm­lungen an!

Im besonderen bitten wir die hochw. Geistlich­keit und die Vorstände katholischer Vereine, eifrig Mitglieder dieser ständigen Liste zu werben.

Das jährliche Opfer von 7,50 M ist wahrlich ein geringes int Vergleich zu dem Nutzen und Segen, der durch die Generalversammlungen für die höchsten katholischen Güter gewirkt wird.

Anmeldungen nehmen entgegen:

1. Der Vorsitzende und sämtliche Mitglieder des Zentralkomitees.

2. Ter Vorsitzende des Lokalkomitecs der Essener Generalversammlung, Landgerichtsdirektor Tr. Laarmann, Essen-Ruhr.

3. Die Geschäftsstelle der Fuldaer Zeitung.

Ferner werden demnächst an die V o r st ä n d e katholischer Vereine Listen gelangen, mit der Bitte, dieselben zur Einzeichnung ständiger Mitglieder auslegen bezw. rundgehen zu lassen.

Im Frühjahr 1906.

Das Zentralkomitee

;ur Dorbereitung der Seneraloersammlungen der Katholiken Deutschlands:

Graf Droste zu Vischering, Erbdrosre, Darfeld i. W., Vorsitzender,

Prinz Franz von Arenberg, Berlin, Fabrikbesitzer Franz Brandts, M.-Gladbach, Dr. med. Burguburu, Straßburg i. Els.,

vorüber und suchte auf einsamen Wegen das Haus zu erreichen. Als sie sich bald darauf wieder den Gästen zeigte, merkte man nichts von den Ge­fühlen, die ihr Inneres durchwogten. Aber sie war doch froh, als jene sich verabschiedet hatten und sie sich allein überlassen war.

Mit brennenden Augen saß sie bis tief in die Nacht am offenen Fenster und starrte empor zum sternenhellen, tiefblauen Himmel. Und als si* sich am andern Morgen nach kurzem Schlummer erhob, war ihr Kopfkissen feucht von Tränen. Ihr Onkel sah voll Sorge ihre bleichen Wangen und die Schatten unter ihren Augen, und sie hatte Mühe, ihn über ihr Befinden zu beruhigen. Er ahnte, daß sie wegen Brandau leide und grollte dem Künstler, den er im Stillen einen ungenieß- baren Menschen nannte. Dieselbe Titulatur hatte DoM»r Schmitz seinem Freunde bereits mit ge­wohnter Offenheit beigelegt, als sie miteinander auf der mondbeschienenen Landstraße der Stadt zuschritten.

„Durch Dein Verhalten ertötest Du, was noch an Liebe für Dich in ihrem Herzen leben sollte", sagte er, „und gleichst jenem gezähmten Bären, der den Schlaf seines Herrn zu bewachen hatte. Er wollte ihm die Fliegen von der Stirne ver­treiben, schlug aber so kräftig zu, daß er ihm das Lebenslicht ausblies mit einem Schlage. Die Flie­gen, die Du siehst, sind die Gebilde Deiner Eifer­sucht, die Du auf andere Weise vertreiben solltest als durch schroffes, unliebenswürdiges Benehmen."

„Ich bin überzeugt, daß sie sich nichts mehr aus mir macht; sie wird sich dem ersten besten an den Hals werfen, der um ihre Hand anhält, und das Gescheiteste ist, ich trete morgen meine Reise nach Burgos an."

Brandau war aber noch lange nicht überzeugt davon, daß dieses das Gescheiteste wäre, und am andern Morgen erinnerte er sich, daß er dem Kon­sul das' Versprechen gegeben habe, ihn und feine

Kommerzienrat P. P. Cahensly, Limburg a. L., Justizrat Karl Custodis, Köln, Amtsgerichtsdirektor Gießler, Mannheim, Landgerichtsrat Gröber, Heilbronn, Professor Dr Pitz«, Münster L W., Prälat Dr. Hulskamp, Münster t. W., Erbprinz Alois zu Löwenstein, Kleinheubach, Prälat Probst Racke, Paderborn, Reichsgraf von Oppersdorfs, Schloß Oberglogau, Oberstudienrat Dr. von Orterer, München, Beigeordneter Verleger H. Otto, Krefeld, Justizrat Dr. Porsch, Breslau, Kommerzienrat Pustet, Regensburg, Domdekan Prälat Dr. Schädler, Bamberg, Reichsrat Freiherr von Sode«, München, Erbgraf zu Waldenburg-Wolfegg, Waldsee, Prälat Dr. Werthmaun, Freiburg i. Br., Fabrikbesitzer Mathias Wiese, Werden, Ruhr.

Unpolitische ZeMäuse.

® Berlin, 10. Mar 1906.

(Nachdruck verboten.)

Maienlust und Frühlingssonire, Fliederduft und Vogelsang — das sind recht liebliche Dinge. Aber, wenn einer drinnen hinter geschlossenen Fenstern in der verstaubten und verräucherten Ofenecke hocken bleibt, was nützt ihm dann die ganze Herrlichkeit?

Aber, wer wird denn so unvernünftig fein? Nun, die Stubenfenster mögen ja meistens dem natürlichen Frühling geöffnet werden; doch die Herzensfenster bleiben leider vielfach dem geistigen Frühling verschlossen.

Alles neu, macht der Mai, macht die Seele frisch und frei." So heißt es in dem Liede. T. h.: wenn die Seele sich dem Mailüfterl und dem Maienglanz öffnet. Draußen grünt und blüht alles, weil es muß; drinnen grünt und blüht es nur, wenn wir wollen. Der Frühling bringt die Kräfte der Natur in neue Gährung und Be­wegung ; auch im Herzen kann er wie ein Sauer­teig des Heiles wirken. Dann muß aber erst, wie Paulus so schön sagt, der alte, schlechte Sauerteig ausgefegt werden.

Die Männer werden oft ärgerlich, wenn die rührigen Hausfrauen zum Groß-Reinemachen schreiten. In der Tat, während dieser Neinmache- ret ist es nicht lieblich, aber nachher um so lieb­licher. Wir sollten allzumal in unseren inneren Gemächern, in dem Hirn- und Herzenskämmerlein, auch ein Groß-Reinemachen veranstalten und zwar am besten in dieser Jahreszeit der Auffrischung und des neuen Aufblühens.

„Ach was!", denkt da mancher angehende Pha­risäer, „ich bin doch kein Bösewicht, und der un­politische Onkel braucht mir keine Sittenpredigt zu halten". Gemach, lieber Leser; ich halte dich nicht für einen Verbrecher und mich nicht für einen Bußprediger. Aber wir sind allzumal Adams- und Evaöinder, die an Schwächen und Torheiten leiden und uns dadurch das Leben verbittern. Zu jetziger Jahreszeit singt man gern: „Freut euch des Lebens", weil sich das Leben so hoffnungs- frisch und blütenfroh anläßt. Darum können wir ja ein wenig plaudern über die Dummheiten, durch die sich die Menschen das Lebensgliick ver­derben.

Geldschränke haben dicke Türen, durch die kein Strahl der Frühlingssonne und kein Hauch Mai­luft bringt. Wenn dem Herz ein Geldschrank ge­worden ist, so wirst du keine Lenzessreuden kosten. Du sollst schaffen für dein und der Deinigen täg­liches Brot; auch etwas Butter drauf kannst du besorgen. So eine frische flotte Berufstätigkeit macht Freude. Die Lust schlägt aber in Last und die Freude in Essig um, wenn du von Habgier und Geiz besessen wirst. Das Geld soll dein Diener fein; warum läßt du es zu deinem Herrn werden? Und was für ein grausamer Herr ist der Mammon! Er peitscht dich wie ein unerbittlicher

Nichte in der nächsten Woche zum Stiergefecht zu begleiten. So wollte er sich beim noch einmal beit schmerzlich-süßen Genuß verschaffen, in ihrer Nähe zu weilen; bann aber wollte er ©antanber den Rücken kehren und freudlos wie bisher durchs Leben gehen. —

Ein spanisches Stiergefecht! Wie romantisch das klingt. Nicht im Traume hätte Elisabeth sich einfallen lassen, daß sie jemals Gelegenheit haben werde, ein solches zu sehen. Und wie würde sie sich früher auf ein solches Schauspiel gefreut ha­ben! Heute waren ihre Gefühle sehr gemischter Natur. Das Fremdartige und Interessante des Schauspiels reizte sie auch heute noch. Aber es war doch eine Qual für sie, einen ganzen Nach­mittag an der Seite eines Mannes sitzen zu müs­sen, den sie einst geliebt )tnd schnöde verlassen hatte und sie jetzt mit Verachtung behandelte. Aber leise regte sich in ihr die Hoffnung, sein Benehmen ihr gegenüber fei nichts anderes als der Ausfluß einer durch nichts gerechtfertigten Eifersucht. Und in diesem Gedanken betrachtete sie ihr Bild im Spie­gel; der sagte ihr, daß sie mit ihrem Aeußern zufrieden fein könne und daß cs ihr heute vielleicht gelingen werde, ihren Geliebten aufs neue an sich zu fesseln. Ihr Onkel hatte nämlich gewünscht, daß sie sich der spanischen Sitte gemäß besonders schmücken möge. Das hatte sie beim auch getan, und ihre hohe, stattliche Figur rwhin sich prächtig aus in dem eng anliegenden, hellblauen Seiden- kleide, das so gut zu ihrem rosig überhauchten, feinen Gesicht, zu ihrem goldlockigen Haare paßte. Dazu trug sie den graziös tradierten, weißen Spitzenschleier auf dem Haupte, der leicht übet dre Schultern fallend auf der Brust durch eine blaß- rote Rose gehalten wurde.

„Du siehst aus wie eine Königm", sagte ,hr Onkel, als sie neben ihm im Wagen Platz ge­nommen hatte. Derselbe hielt vor dem Hotel, um Brandau aufzunehmen, der nicht allein mit dem

Fronvogt; er läßt dich am Tage nicht satt essen und in der Nacht nicht ruhig schlafen; er bringt dich um die Liebe der Deinigen. Wie behaglich und gemütlich könntest du leben, wenn du zu­frieden wärst mit dem, was dir beschieden, und das Errungene vernünftig verwendetest zur Pflege bet Gesunbheit unb zur gedeihlichen Erziehung bet Kinbet an Leib unb Seele! Damit kann man di« gebotene Sparsamkeit unb Vorsorge für die Zu­kunft sehr wohl vereinigen. Auf der mittleren Linie, da ist die Weisheit und das Gliick; immer nur auf der mittleren Linie.

In das andere Extrem fallen die Verschwender. Die wollen auch nicht zu den groben Sündern und Bösewichtern gerechnet werden; sie geben ja „nur" etwas mehr aus, als sie gerade haben. Nur!? Die angeblich kleinen Luxusausgaben häufen sich sehr schnell und können sich wie ein erdrückender Alp auf das Lebensglück und auf das Familien­wohl lagern. Hier ein Groschen und da eine Mark für sogenannte Vergnügungen oder für Glanz und Staat. Was hat man davon? Aerget und Sorgen. Nachher fehlt's am Notwendigen. Hinter dem kurzen und zweifelhaften Spaß erhebt sich der Katzenjammer; sei es ein körperlicher oder moralischer oder ein finanzieller oder ein gemisch­tes graues Elend. Wenn sich mal eine Gelegen­heit bietet zu einem wirklich großen, edlen, nach­haltigen Genuß, so muß man verzichten, weil die Mittel in minderwertigen Alltagsgenüssen ver­pulvert sind. Und wer in eitler Gefallsucht oder Protzerei sein Geld vergeudet, hat schließlich die unangenehme Erkenntnis, daß die argwöhnische Mitwelt doch hinter seine Schaumschlägerei kommt und ihn verspottet, statt ihn zu bewundern.

„Mitmachen", heißt die Parole der Leute, die sich gern vom Strome der sog. Vergnügen ober der Mode fortreißen lassen. Das unselige Mit­machen ohne besonnene Auswahl führt zur Skla­verei. Wenn der Mai die Seele frisch und frei machen soll, so muffen wir diese Sklavenketten der täppischen Genußsucht und der läppischen Auf­spielerei brechen. Die Welt ist schon; wenn nur nicht der Mensch durch seine törichten Gewohn­heiten sich das Leben unnötigerweise häßlich unb lästig machen wollte.

Mit dem Wort „Naturhettniethode" wird viel Unfug getrieben, indem schwindelhafte Heilkünst­ler unter der Fahne der „Natur" die Menschen in ihre angeblichen Gesiindheitsfabrikeu locken. Wer klug ist, kann aber selbst ohne alle Apl wate und Unkosten eine Natnrheilmethode sich zugute kommen lassen, indem er zu einer einfachen, na­türlichen, gesunden, biederen und gemütlichen Lebensweise zurückkehrt. Und dazu ist der Früh­ling, der uns die Natur so schon unb erfrischend vorführt, der beste Anfangstermin. Der Mai ruft uns zu: Hinaus aus den Kneipen, den Schau- häusern, den Tanzlokalen zc.l Hinaus aus der Stickluft in den freien Himmelsdom! Hinaus aus dem menschlichen Firlefanz in die Herrlichkeit, welche die steigende Sonne bestrahlt und fort­während mehrt! Hinaus aus dem Schmollwinkel des Eigensinns und des Eigennutzes in dic be- seligende Unendlichkeit, die sich von dem sproßen- den Halm und der schwellenden Knospe über di« Erde und die Milliarden der Gestirne hin dis an den Thron des allgütigen Schöpfers spannt.

Der Frühling erweitert den Blick und die Ge­fühle. Er muß unsere sozialen Triebe und Tugen­den neu beleben. Oder in einfachem Deutsch be­sagt: wir müssen uns zu Leuten machen, die in die Welt passen. Vor allem aber in die kleine aber feine Welt, deren Mittelpunkt der häusliche Herd ist: in die Familie.

Nicht blos der Fußboden und die Wände unb die Möbel des Hauses bedürfen zeitweilig des Groß-Reinemachens, sondern auch der Familien­geist. Haben sich da nicht im häuslichen Leben schlechte Gewohnheiten eingenistet? Bedürfen nicht die Zucht und der Frieden einer Aufbesserung? Ja, sagst du, die anderen könnten sich in diesem unb jenem Punkte bessern! Bitte, erst faß mal

Auge des Liebenden, sondern auch mit dem eines Künstlers ihre strahlende Erscheinung erfaßte. War es denn nicht ein Traum, daß sie jetzt neben­einander in der Loge saßen und heiter und un­gezwungen wie in alten Tagen miteinander plau­derten? Wer wäre aber auch nicht angesteckt wor­den von der allgemeinen Erregung, welche sich des spanischen Volkes bemächtigt in der Erwartung eines Stiergefechtes! Welch ein bunt bewegtes Bild echt spanischen Volkslebens bietet sich bei die­ser Gelegenheit dem Beschauer! Jung unb alt arm unb reich, alle Stanbesklassen sind bei einem Stiergefecht vertreten. Da sieht man die in kost­bare Seide gekleideten Frauen und Töchter reicher Häuser, sowie das arme Weib aus dem Volke, das seinen Sonntagsstaat hervorgeholt hat, um sich für die „corrida de torres" zu schmücken. Jene, über­aus graziös und vornehm aussehend in ihren Spi- tzenmantillen, diese mit den in grellen Farben leuchtenden, um den Kopf geschlungenen Tüchern, der gebräunten Gesichtsfarbe und der bunten Klei­dung lebhaft an die Zigeunerinnen erinnernd, wie wir sie in manchen unserer Opern auf der Bühne (eben. Um das ganze Bild in sich aufzunehmen, müßte man sich in der Mitte der Arena aufstellen und seine Blicke die schräg aufsteigenden Sitzreihen emporgleiten lassen. Von den Damen in den Lo­gen, welche ihre zierlichen Fächer mit vieler An­mut handhaben, bis zu den Insassen der nuteren Plötze, welche Fächer von riesigen Dimensionen in allen Farben des Regenbogens in Bewegung se­tzen. Ja, die Zuschauer sind genötigt, sich gegen die sengenden Strahlen der Sonne ^u schützen; denn nur die Logen sind überdacht. Der übrige Raum aber hat keine andere Decke als das strahlende, lachende, blaue Himmelsgewölbe. Solch ein Zir­kus erinnert lebhaft an ein römisches Amphithea- ter alter Zeit.

(Fortsetzung folgt.)