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Fuldaer W Zeitung

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wodienbfi'o«: „ZlluftrierteSonntagrzeitung" m««atrbtiiagr: „Znldaer GeschichtrblStter".

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votationsdrutl u. Verlag der Fuldaer Ae» ttendruckerei tu 5ulda. Zernfprecher Nr. 9.

M 109.

Fulda, Samstag den 12. Mai 1906.

83. Jahrgang

Kvstes Mcrtt.

Deutsches Reich.

Berlin, den 11. Mai 1906.

\ Die ,Nordd. Allg. Ztgck bestätigt nun- mehr, daß der Reichskanzler Fürst Bülow in den letzten Tagen Besprechungen gehabt hat mit verschiedenen Staatssekretären und Parlamen­tariern. Das offiziöse Blatt nennt unter denen, .mit welchen solche Besprechungen erfolgt sind, die Staatssekretäre Grafen von Posadowsky und von Tschirschky und Bögendorff, sowie den preußischen Finanzminister Freiherrn von Rhein- baden.

* Der neue preußische Eisenbahnminister. Zum Nachfolger des verstorbenen Ministers v. Budde ist nunmehr der Präsident der Eisen- bahndirektion Köln, Breitenbach, ernannt. Der bisherige Präsident Breitenbach ist am 16. April 1850 in Danzig geboren. Im Jahre 1877 wurde er Gerichtsassessor und Hilfsrichter in . “ rlin. 1878 trat er zur Preußischen Staats« t imbahnverwaltung über und war demnächst bei den Eisenbahndirektionen in Hannover, Breslau, Altona im Verkehrs- und Tarifdezernat als Mit- glied tätig. Von 1893 bis 1895 war Breiten­bach Direktor der Eisenbahndirektionsämter in Hannover, dann in Hamburg, und 1895 wurde er zum Oberregierungsrat in Altona ernannt.

1896 bekam er als Kommissar des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten den Aufttag der Uebernahme der Hessischen Ludwigsbahn, und am 1. April 1897 erhielt er die Ernennung zum Präsidenten der Königlich Preußischen und Großherzogtich Hessischen Effenbahndttektion in Mainz. Die sehr schwierige Arbeit der Ver­staatlichung der Hessischen Ludwigsbahn und ihrer Ueberleitung tn den Verband der Preußi- schen Staatsbahnen führte Breitenbach glatt und sicher durch. Als Beamter und Organisator ist er sehr geschätzt. Gegen seine Untergebenen sehr gerecht, ist er im Verkehr von gewinnenden Formen.

Aus i>es Todes faien.

Novelle von Marg. Schlichter.

21] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Elisabeth lächelt, wie sie sieht, daß ein keckes Bürschchen einen grell-roten Regenschirm auf­spannt zum Schutze gegen die lästigen Sonnen­strahlen, und wie gleich darauf eine Anzahl von puffen und Schlägen ihn zwingt, zwischen zwei Nebeln das kleinere zu wählen und seinen Schirm wieder zuzuklappen. Immer ungeduldiger er- wartet man unterdessen den Beginn des Spieles. Halbwüchsige Burschen jodeln und pfeifen oder blasen auf ihren Blechhörnern, daß den Umsitzen­den die Ohren grellen. Andere trampeln mit den Fußen oder schlagen mit ihren Stöcken gegen die hölzerne Umzäunung, welche die Schutzwehr zwi- schen Kampfplatz und Publikum bildet. Endlich lreten sie auf, die eigentlichen Kämpfer oder tor- reros, sechs schlanke, kräftige Männer von echt andalusischem Typus. Rotseidene Strümpfe, schwarze Kniehosen, weiße Westen, breite, mit blitzenden Steinen besetzte Gürtel und kurze, schwarzseidene Jäckchen bilden ihre Bekleidung, die vervollständigt wird durch den großen, breit- krämpigen Hut und das leicht von der Schulter herabfallende, rotseidene Mäntelchen, die soge­nannte capa. Indem sie sich vor der Loge des Alkaden oder Bürgermeisters berneigen, bittet der Matador um den Schlüssel zum Stierkeller, der m>t einem seidenen Bande verziert, ihnen zuge­worfen wird. Die Tür geht auf und mit wilden Sätzen stürmt der erste Stier in die Arena. Eine mit einem Nagel auf die Stirn geheftete Schleife von lilla Farbe, die sogenannte Devise, hat seine Wut entfacht, die sich stets weigert beim Anblick der feuerroten Tücher, die überall vor ihm aufleuchten,

* Das preußische Staatsministerium hat am Freitag eine Sitzung abgehatten. Ts liegt nahe, anzunehmen, daß daS VolksschulunterhaltungSge- setz in dieser Sitzung zum Gegenstand von Er­örterungen gemacht worden sind.

*. Der Bundesrat hat tn seiner letzten Sitzung befchlossen, den Anträgen, betreffend Er­höhung des VergütunqSsatzes für die Natural­verpflegung der Truppen während der vorjährigen Herbstübungen im Kreise Saalfeld und im V. Verwaltungsbezirk des Großherzogtums Sachsen, stattzugeben. Zugestimmt wurde ferner der Vor­lage vom 30. März 1906, bett, den Entwurf von Besttmmungen über Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe. Danach sollen die früher vom BundeSrat zuge­standenen Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit in den Glashütten zu gunsten der Arbeiter wesentlich eingeschränkt werden, da es sich herausgestellt hat, daß die Ausnahmen in dem bisherigen Umfange nicht mehr erforder­lich find.

* Konfessionelle Begriffsverwirrung. Es ist nicht zu glauben, wie falfch und verworren oft die Begriffe sind, die viele Andersgläubige von der katholischen Kirche sich gebildet haben. Die schlimmste Folge dieser Unwissenheit und Be­griffsverwirrung ist es aber, wenn solche ver­drehte und unklare Anschauungen in Schul- und Uebungsbüchern bei der Jugend fortgepflanzt werden. Ein Mitarbeiter der ,K. Vztgck schreibt dazu: Vor mir liegt ein Repetitorium in Tabellen und Gliederungen. EinHilfs- mittel für Präparanden bei der Vorbereitung auf die Seminaraufnahmeprüfung. (Leipzig, Ed. Peters Verlag.) Darin sind 22 „Unter­scheidungslehren der römisch - katholischen Kirche gegenüber der evangelischen Kircke" zu­sammengestellt und dabei u. a. aufgeführt: die Bibelentziehung, die Rechtferttgung durch gute Werke, die Anbetung der Heiligen und Engel, der Rosenkranz, die Wallfahrtsstationen, die weltliche Macht des Papstes. Es ist wahrlich notwendig, solchem U n s i n n in jedem Falle durch öffentliche Mitteilung zu steuern, damit diese Art von Volksverdummung wenigstens nicht unangefochten und widerspruchslos um sich frißt." — Es ist beachtenswert, daß dieser Unsinn sich in einem Buche für angehende Volksschullehrer findet; es ist schon mehrfach festgestellt worden, daß in keinem anderen Stande falsche Anschauungen über katholische Lehren so stark verbreitet sind, wie gerade unter den protestantischen Volksschullehrern. Kein Wunder, wenn sie ihre Kenntnisse aus solchen Büchern, wie das oben genannte, geschöpft haben.

* Eine Massendemonstration gegen das oolksschulunterhaltnngsgesetz beabsichtigt die Berliner Sozialdemokratie in Szene zu setzen. Am Dienstag, den 15. Mai sollen in allen Stadtgegenden der Reichshauptstadt Protestver- sammlungen veranstaltet werden gegen die „Ver- kirchlichung der Volksschule" und die „Vernich­tung der Selbstverwaltung". Selbstverständlich wird auch der Agitationsausschuß der freireli­giösen Gemeinde dabei in Aktion treten, um den üblichen Appell zum Austritt aus der Landes­kirche aufzufordern. Für die Sozialdemokratie ist und bleibt natürlich trotzalledem „Religion Privatsache".

10000 Mark für die notleidenden Deutschen in Rußland zu spenden, hat der Berliner Magistrat beschlossen. Die bett. Summe soll dem Hilfsfonds für die Deutschen

wohin er sich auch wenden möge. Damit aber noch nicht genug, treten die picardores oder Lan­zenträger in Tätigkeit. Es sind ganz von Stahl umpanzerte Reiter, welche die Spitzen ihrer Waf­fen in das Fleisch des Tieres bohren. Die Tätig­keit der terreros im ersten Akt ist ein stetes Laufen und Springen. Während der Neuling jeden Augenblick glaubt, der Stier werde ihn mit seinen Hornern erfassen, sieht er ihn im nächsten Augen­blick sicher hinter der Barrikade, die er gewandt übersprungen hat. — Elisabeth war bald blaß, bald rot vor Aufregung und einmal, als das Spiel sich besonders gefährlich ansah, legte sie unwill­kürlich ihre Hand auf den Arm des neben ihr sitzenden Brandau. Im nächsten Augenblick, der ihn dabei traf, kam ihm vor wie ein süßes, längst verklungenes Lied aus alten Tagen. Aber auch ihn versetzten die verschiedenen Phasen des Spie­les in fieberhafte Aufregung. Selbst hinter der Umzäunung schien der Kämpfer nicht sicher vor der Wut des Tieres. Ein Stoß seines mächtigen Harnes und eine schwere Latte hatte sich gelöst, eine andere war zersplittert wie eht dünnes Rohr. Hn solchen Momenten muß der picardor wieder einsetzen. Seine Lanze in das Fleisch des Tieres bohrend, lenkt er dessen Aufmerksamkeit von der gefährlichen Stelle ab. In Todesangst bäumt das Roß sich auf; ein wütendes Brüllen erschüttert die Lust; denn der Stier kehrt sich gegen seinen Angreifer, stößt seine Hörner in den Bauch des zitternden Pferdes und hebt es mitsamt dem Reiter in die Höhe. Welch eine Kraft muß solch einem Stier innewohnen 1 Es sind in der Wildnis aus­gewachsene Tiere, die niemals in ein Joch gespannt worden sind. — Aus zwei tiefen Wunden blutend, liegt das Roß am Boden. Die Kämpfer lassen ihre roten Tücher flattern, und der Stier läßt für den Augenblick fein Opfer fahren, indes der Reiter, der in seiner Rüstung ganz unbeholfen ist, auf ein anderes Pferd gehoben wird. Fünf bis sechs Pferde werden bet einem Stierkampf bor^

in Rußland überwiesen werden. Es sollen nur bedürfttge und wirklich notleidende Deutsche, die ihre Äellungen oder ihre Arbeit verloren haben rc., mit diesem Beittage unterstützt werden.

Zwischen der zweiten und dritten Lesung der Reichsfinanzreform bezw. der Steuergesetze sollen die Finanzvertreter der Einzelstaaten im Bundesrate, wie in verschiedenen Blättern mit« geteilt wird, noch Gelegenheit nehmen, in beson­deren Verhandlungen die Beschlüsse des Reichs- tages in zweiter Lesung zu erörtern, um die Grundlage für bindende Erklärungen des Reichs- schatzsekretärS in der dritten Lesung zu schaffen.

* Neue Verluste in Südwestafrika. Reiter Georg Ernemann, geboren am 1 7. 80 zu Hötensleben, früher im Infanterieregiment Nr. 92 am 6. Mai 1906 in Windhuk an Typhus ver­storben. Gefreiter Hennann Schmidt, geboren am 23. 11. 81 zu Braunsdorf, früher im 2. Gardeulanenregiment, Fletschschuß rechten Unter­arm. Am 5. Mai 1906 im Gefecht am Löwen- fluß südlich Gawachab gefallen: Gefreiter Gustav Weiß, geboren am 4. 8. 81 zu Rottweil, früher im Pionier-Bataillon 9, Reiter Friedrich Dorsch, geboren am 30. 11. 84 zu Siebeneich, früher im Dragoner-Regiment 21, Reiter Hermann Hubrig, geboren am 7.8. 85 zu Luzine, früher im Jäger- Bataillon 6. Schwer verwundet: Leutnant Wil­helm v. Oppen, geboren am 15. 8. 82 zu Bres­lau, früher im Dragoner-Regiment 2, Schuß linken Oberarm, lmke Brustseite. Leicht ver- wtmdet: Oberarzt Dr. Walter von Haselberg, geboren am 30. 1. 75 zu Stralsund, früher im Infanterieregiment 151, Fleischschuß Rücken, Streifschuß Kopf; Gefteiter Bruno Köhler, ge­boren am 29. 9. 82 zu Obercolmnitz, früher im sächsischen Garde-Reiterregiment, Weichteilschuß linken Oberarm; Reiter Edwin Müller, geboren am 27. 1. 82 zu Langenleuba, früher tm In­fanterieregiment 153, Streifschuß linke Hand; Reiter Karl Runter, geboren am 17. 4. 85 zu Stadthagen, früher im Husarenregimeot 10, Streifschuß Hinterkopf.

* In einigen Blättern ist die Rede davon, daß der Reichstag schon vor dem Himmelfahrts­feste auseinander gehen wird. An einen so frühen Schluß der Arbeiten des Reichstags ist jedoch unter keinen Umständen zu denken, selbst wenn die Militärpensionsgesetze in einer Sitzung erledigt würden

* Die Budgetkouimiffion des Reichstages hat am Frettag die Beratung der Militärpen- sions-Gefetze beendet. In dem Gesetzentwürfe betr. die Unterklassen des Heeres und der Marine, sowie der Schutztruppen wurden ver­schiedene Bestimmungen nach Anträgen des Ab­geordneten dLrzberger geändert, u. a. die Be­stimmungen über das Ruhen der Rente. Hin- sichtlich der Verstümmelungszulage wurde die Regierungsvorlage wieder hergestellt. Die Tropen­zulage wurde auf 25 Mark monatlich bemessen gemäß einem Antrags der Abgeordneten Erz- berger und Graf Oriola. Am nächsten Mitt­woch soll die Festsetzung des Berichtes erfolgen.

Was die Beschlüsse der Diäten-Kommis- sion des Reichstages anbelangt, so ließen die Verhandlungen in der Kommission erkennen, daß die Verbündeten Regierungen höchstens gegen den Beschluß betr. die Ausdehnung der freien Eisen­bahnfahrt für die Abgeordneten auch auf die Zeit der Vertagungen des Reichstages Widerspruch er­heben würden. Aber auch hier scheint der Wider­spruch fallen gelassen zu sein. Wie verlautet, ha sich der Staatssekretär des Innern, Graf von

jedem der sechs Stiere erlegt. Hieraus kann man ersehen, daß eine corrida de torros ein kostspieliges Vergnügen ist, abgesehen von dem hohen Preise der Stiere und der bedeutenden Gage der Kämpfer.

Die Zuckungen der verendenden Pferde, deren Blut die Erde rötet, gewähren einen grauenhaften Anblick; aber die meisten her Zuschauer weiden sich an ihren Qualen, nicht gerade aus ^Grausamkeit, sondern weil der Spanier alles liebt, was die Nerven reizt und die Sinne kitzelt. Nach einiger Zeit ziehen die Reiter sich zurück, und das Spiel gewinnt neues Interesse, das heißt, es wird ge­fährlicher. Die Kämpfer nehmen mit Blumen und bunten Bändern umwundene Eisenstäbchen, die an einem Ende mit scharfen Häkchen versehen sind, die sogenannten handarillas. Diese müssen sie dem immer wütender 'werdenden Stiere auf den Rücken stecken, was natürlich ein großes Maß von Gewandtheit und Geistesgegenwart erfordert. Die genaue Kenntnis der üblichen Bewegungen und Wendungen des kämpfenden Stieres bildet das Hauptstudium eines Mannes, der sich in der Kunst des Stierkampfes ausbildet. Bald hat das Tier gegen ein Dutzend solch' schmerzerregender Dekorationen an feinem Körper hangen und be­müht sich vergebens, dieselben abzuschütteln. Aber damit ist auch das Ende feiner Qualen nahe ge­rügt. Ein einziger Kämpfer, der matador, bleibt in der Arena, und in der nun folgenden Szene er­reicht feine Kunst den Höhepunkt. Seine mit dem roten Tuch umhüllte, todbringende Waffe in der Hand, läßt er den Stier an sich herankommen, weicht durch ein gewandtes Hin- und Herspringen dessen Angriffen ans und erspäht den geeigneten Moment, in welchem das Tier aufs neue die schreck­lichen Hörner senkt, um es mit einem Stoße tn den Nacken niederzustrecken. Manchmal ist nun das Tier nicht beim ersten Stoß an der empfindlichen Stelle getroffen und rafft sich zu neuem Angriff lieber auf während dem Kämpfer für feine Un-

PosadowSky, mehreren Parteiführern gegen über dahin geäußert, daß der Bundesrat die Diätenvorlage so, wie sie sich nach den Kommis­sions-Beschlüssen gestaltet habe, annehmen werde. Die Diätenvorlage kann demnach wohl als ge­sichert betrachtet werden.

.'. Die Kommission für das Automobil­haftpflichtgesetz hat heute vom § 1 des Ent­wurfs den Absatz 1, und vom Absatz 2 den ersten Satz der Regierungsfassung entsprechend angenommen. Die Bestimmungen lauten: „Wird bei dem Betriebe eines Kraftfahrzeuges ein Mensch getötet oder körperlich verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Betriebsunternehmer verpflichtet, den Verletzten den daraus entstehen­den Schaden zu ersetzen. Als Kraftfahrzeuge in Sinne dieses Gesetzes gelten Wagen ober Fahr­räder, welche durch elementare Triebkraft bewegt werden, ohne an Bahngeleise gebunden zu sein. Die Ersatzpflicht ist ausgeschlossen, wenn der Unfall durch höhere Gewalt und durch eigenes Verschulden des Verletzten verursacht worden ist." Die nächste Sitzung findet Dienstag, den 15. Mai statt.

Aus dem Reichstage.

100. Sitzung vom 11. Mai.

Aus Anlaß der 100. Sitzung ist der Präsiden- tentisch mit einem großen Blumenstrauß ge­schmückt.

Eröffnung V/4 Uhr.

Die Beratung der E rb s ch a f t sst e u er totrb fortgesetzt bei § 13 (Befreiungen).

Auf Antrag desAbg. v. Savigny (Ztr.) werben bis §§ 13 unb 14 gemeinschaftlich zur Beratung gestellt. Nach § 13 bleiben von ber Erbschaftssteuer unter andern befreit: Kinber unb Ehegatten, Erb­schaften von nicht mehr als 500 M, Erbschaften bis zum Betrage von 3000 <M, wenn ber Erbe zur Person bes Erblassers in einem Dienst- ober Ar­beitsverhältnis gestanben hat.

Nach § 14 sollen Erbschaftssteuern von 5 Proz. erhoben werben / ..

1. von allen Erbschaften, die inlänbischen Kir­chen anheimfallen;

2. für einen Erwerb ober eine Erbschaft, hie anfällt solchen inlänbischen Stiftungen, Gesell­schaften, Vereinen ober Anstalten, die ausschließlich kirchliche, mildtätige ober gemeinnützige Zwecke verfolgen, sofern ihnen bie Rechte juristischer Per­sonen zustehen; .

3. für Zuwenbungen, bie ausschließlich kirchli­chen, mildtätigen ober gemeinnützigen Zwecken in­nerhalb des Deutschen Reiches oder der deutschen, Schutzgebiete gewidmet sind, sofern bie Verwen­dung zu dem bestimmten Zwecke gesichert unb die Zuwendung nicht auf einzelne Familien ober be­stimmte Personen beschränkt ist. Dabei sollen bte Vorschriften des § 12 (staffelförmige Steigerung der Erbschaften ober Erwerbe im Betrage von mehr als 20 000 Anwendung finden.

4. für einen Erwerb, der anfällt Kassen oder Anstalten, welche bie Unterstützung der zu dem Erblasser in einem Dienst- ober Arbeitsverhalt­nisse stehenden Personen sowie der Familienange­hörigen solcher Personen bezwecken. Das Gleiche gilt, wenn der Erwerb anfällt Kassen oder An- stalten, welche bie Unterstützung von Personen so­wie bereu Familienangehörigen bezwecken, die zu einem wirtschaftlichen Unternehmen, bei dem der Erblasser beteiligt war, in einem Dienst- ober Ar- beitsverhältnifse stehen.

Hierzu liegen eine Reihe von Abänderungs­anträgen vor: . . .

Ein Antrag Albrecht (Soz.) will nur bteicmgen Erbschaften und Erwerbe freilassen, die nicht über 2000 cH bezw. nicht über 3000 M hinausgehen.

geschicklichkeit eine Menge Wurfgeschoße an den Kops fliegen, als Zigarrenstummel, faule Früchte, Brotrinden rc. Dem Sieger hingegen werfen be- sonders begeisterte Zuschauer aus dem Volke ihre Mützen zu, fchöne Damen ober Blumenspenden, welche häufig einen kostbaren, aus Gold und bli­tzenden Steinen bestehenden Schmuck bergen.

Ist bas Tier erlegt, so rast ein Sechsgespann von reich verzierten Maultieren durch die Arena, eine Bahre hinter sich her schleifend. Man legt den Stier darauf, läßt die Maultiere in fausendem Galopp durch bie Runde jagen unb vergönnt Käm­pfern unb Publikum eine Pause, während welcher die toten Pferde fortgeschafft und die Spuren des Kampfes durch Aufharken des Sandes verwischt werden. , . ,

Elisabeth atmete auf, als bie Pause eintrat, und ihr Onkel sagte lächelnd:

„Nun, habe ich Dir nicht gesagt, man müsse zu einem Stierkampf starke Nerven mitbrtngcn?"

„Ja, lieber Onkel, so nervenerregenb unb grau­sam hätte ich mir das Spiel nicht gedacht, unb ich werde auch kein zweites Mal ein solches besuchen. Aber ich hatte Otto versprochen, ihm einen genau­en Bericht eines Stierkampfes zu senden, und zu­dem meine ich, in Spanien leben und keine corrida de torres kennen lernen, ist gerade soviel, wie in Rom sein und den Papst nicht sehen. Was sagen Sie dazu, Herr Brandau?"

Vorläufig-war es letzterem nicht möglich, seine Meinung zu äußern; denn die Türe öffnete sich, und Albaro Rueda trat in die Soge. Mit feinem Erscheinen aber war mit einem Schlage die glück­liche Stimmung verschwunden, die für kurze Zeit von Herz zu Herzen eine goldene Brücke geschlagen hatte, auf welchem bie Zukunft in ihrem rosigsten Gewände einherspazierte unb bald bem einen und halb bem anbern ein glückverheißendes Wort in» Ohr flüfterte. Ein Zug von Unwillen glitt über Elisabeths Antlitz, als sie Albaros Gruß erwiderte. Das ober sah Brandau nicht; er maß mit einem