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Verantwortlicher

SchriftleiterBaum;

iS-Pat^neHtt^uib«. Wochenbeilage: „ZlluftrierteSonntagrzeitung"

Mchetattü-tt», mH Msnahme der Sonn«

Stiertest. Viertel' DhU. Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Sulda und : «urwärtr! Ml. 50 Pfg.

Zeitung

Monatrbeiiage: „Fuldaer GeschichKblätter".

Au;e tgtn: Vit tin- spaltige Petitzeile oder deren Baum 15 pfg. Reklamen die petitzeile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr.

Babat1»LewSIrrt.

Botati ons druck n. Verlag der Suldaer Ac< tiendruckerei in Sulda. Zernsprechrr llr. 9.

M 109.

Fulda, Samstag den 12. Dtai 1906.

33, Jahrgan f.

t!

Haftbefehl erlassen habe. Das Silber trägt als Monogramm ein O mit der Krone darüber, das Zeichen eines großen Pariser Hotels, des Hotels d'Orsay. Die übrigen Funde, werden auf das Palasthotel und den Kaiserhof in Berlin, sowie auf das Hotel Bayerischer Hof in München zurück­geführt. Die Anzeige über diesen auffallenden Zuwachs der fürstlich Wredeschen Silberkammer in Basedow ist von einem Diener erstattet worden, der wegen eines Zankes mit der Hausdame in Madrid von dem Fürsten Mitte April entlassen worden ist. Der Entlassene hat sich nun kurzer­hand revanchiert. Er ist von dem Untersuchungs­richter in Güstrow vereidet worden, nachdem er ein 15 Seiten fassendes Protokoll unterschrieben hat. Der Wert des stark mit minderwertigem Metall versetzten Silbers ist wenig erheblich. — Ferner wird aus Berlin berichtet: Der Diener Glase, auf dessen Anzeige tm fürstlich Wredeschen Schloß zu Bafedow aus Hotels entwendetes Sil­ber aufaefunden wurde, wurde in Berlin unter der Anschuldigung der versuchten Erpressung ver­haftet Bevor er die Anzeige erstattete, hatte er in einem Briefe an den Fürsten Wrede von diesem 50 000 M Schweigegeld verlangt. — Fürst und Fürstin Wrede sollen in einem Hotel bei Madrid ermittelt worden fein, wohin sich angeblich ein Schweriner Negierungsbeainter zur Vernehmung begeben hat. Von zwei Berliner Gasthöfen sollen der Polizei Anzeigen über Silberdiebstähle mit Hinweis auf die Fürstin als mutmaßliche Täterin erstattet worden sein. Der verhaftete Diener be­streitet die Erpressung und will nur ironisch ge­fragt haben, wie es mit 50 000 für die Armen sei. — Der erste Staatsanwalt aus Güstrow, der in Schloß Basedow mit dem Untersuchunasrichter weilte, hat das Schloß versiegeln lassen. An allen Eingängen haften die Siegel der Gutspolizei; es sollen Aenderungen im Innern verhütet und besonders der Fortnahme irgendwelcher Gegen­stände vorgebeugt werden.

* Der kluge Verrückte. Glühend brannte die Sonne. Seit dem frühen Morgen stand Mr. Brown an einem Flüßchen in Schottland unent­wegt auf seinem Platze und jetzt war es schon spät am Nachmittage; aber er wich nicht von der Stelle. Er angelte. Der Schweiß rann ihm in Strömen von der Stirn, er kehrte sich nicht daran, mochte ihm die Sonne auch das Hirn verbrennen. Ein blendender Reflex traf seine Augen; man hat ein Fenster in der gegenüberliegenden Irrenan­stalt geöffnet. Durchs Gitter lehnte sich ein Kopf; es war einer der Insassen, der ihm zurief: „Hey, was machst du da?" — „Ich angele." — „Hast du schon was gefangen?" -- „Nein." — „Wie lange stehst du schon an der Sonne?" — „Acht Stunden." — „Komm zu uns herein", winkte der Verriickte.

* Gin seltsamer Kirchenstreit ist in Nied ausge- brachen, wie aus Frankfurt a. M. berichtet wird. Die dortige Kirche soll erweitert werden, und zu zu diesem Zweck müßte eine kleine knorrige Eiche, die bei irgend einer Feier vor die Kirche gesetzt wurde, und den Namen .Kaisereiche" trägt, einen anderen Platz erhalten. Hiergegen erhebt die Auf­sichtsbehörde aber angeblich Einspruch. Um den Baum soll jetzt schon fast ein halbes Jahr gesttitten worden fein.

Drittes Sälatt

hat sich bereit finden laffen, etwa 20 gute

tungsgesetz noch in dieser Tagung zu erledigen, erscheint nach wie vor als zweifelhaft. Die Kom- Mission hat allerdings am vorigen Mittwoch

.von Droschken an den in Betracht kommenden Punkten aufzuftellen.

ralen auf die Seite der Gegner schlugen, weil ihren Ansprüchen hinsichtlich der Bestimmungen über die Anstellung der Rektoren keine Folge gegeben wurde. Zur Zeit sind dem Anschein nach Ver­handlungen im Gange, welche den Nationallibe-

53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Efsen-Ruhr 1906.

Anträge, die auf der Versammlung zur Beratung kommen sollen, werden zu Händen des Unterzeichneten erbetm. Anträge, welche später als 4 Wochen vor der am 19. August beginnen­den Versammlung emgehen, können auf Beratung nicht rechnen.

Essen, den 10. Mai 1906.

Der Vorsitzende der Redner-Kommission: Bell, Rechtsanwalt und Notar.

ralen eine Brücke bauen sollen zur Aeuderung ihrer Stellungnahme. Es heißt, die Rektoren- frage solle ganz aus dem Gesetz herausgelassen werden.

Großes Aufsehen erregte der Ausgang der Reichstagsersatzwahl in Darmstadt- Großgerau, wo tatsächlich die Mitglieder der freisinnigen Vereinigung den Ausschlag zugunsten des Sozialdemokraten gaben. Die unterlegenen Nationalliberalen haben daraufhin durch il, en Zentralvorstand der freisinnigen Vereinigung grimme Fehde angesagt. Kein Nationalliberalec soll einem Kandidaten der freisinnigen Vereini­gung mehr seine Stimme geben, so lange nicht Sicherheit dafür geschaffen ist, daß ein derartiger „Verrat an der liberalen Sache" sich nicht wieder ereignet.

In D e u t s ch - O st a fr i k a haben unsere Truppen den Rebellen wiederum blutige Gefechte geliefert. Hunderte von Aufständischen sind ge­fallen, aber auch die deutschen Schutztrnppen hat­ten schwere Verluste zu verzeichnen. Diese Vor­gänge stehen in einem gewissen Gegensätze zu den bisherigen Meldungen, welche von einer fort­schreitenden Pacrfizierung des Landes berichteten.

Der neue österreichische Minist er­st r ä s i d e u t, Fürst Hohenlohe, entwickelt eine rege Tätigkeit, um sich zunächst mit den Füh­rern der verschiedenen Parteien auseinander zu fetzen, ehe er an die Lösung seiner Hauptaufgbe, die Durchführung der Wahlreform herantritt.

Der Erfolg der Kossuthpartei in Ungarn bei den letzten Wahlen stellt sich nach den jetzt vor­liegenden definitiven Resultaten als noch größer heraus, als bisher angenommen wurde. Von 413 Mandaten sind nicht weniger als 240 der Kossuthpartei zugefallen. Es werden bereits Stimmen laut, welche Zweifel daran äußern, daß es gelingen werde, eine so große Partei auf die Dauer zusammen zu halten, zumal die Umstände

wochen-Rrmdschau.

Fulda, den 12. Akai 1906.

(Nachdruck verboten.)

Als einen Nachklang zur Marokkofrage, und zwar als einen sehr bedeutsamen Nachklang, sieht die Presse die Ankündigung an, daß Kaiser Wilhelm in den ersten Tagen des Juni als Gast des K a is e rs Franz Joseph in Wien bezw. Schönbrunn weilen wird. Wenn auch von offiziöser österreichischer Seite bemerkt worden ist, daß dieser Monarchenbegegnung keine besondere politische Bedeutung beizumessen sei, so läßt sich doch kaum bestreiten, daß die Reise Kaiser Wil­helms nach Wien im Hinblick auf die politischen Vorgänge der jüngsten Zeit eine Kundgebung ist, die über die Grenzen eines bloßen Privatbesuchs hinausgeht. Man braucht nur an das Telegramm des Kaisers an den Grafen Goluchowski zu er­innern, um sich davon zu überzeugen, daß die be­vorstehende Monarchenbegegnung in Wien ein neuer Ausdruck „politischer Intimität" zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ist, deren Be- deuttlng in Algeciras so scharf hervorgetreten ist.

Die parlamentarische Hochsaison, die zur Zeit im Reiche wie in verschiedenen Einzelstaaten int Gange ist, äußerte sich im Reichstage an­dauernd in wichtigen Sitzungen. Die ganze ver­flossene Woche wurde auf die Weiterberatung der Stenervorlagen verwendet, von denen bis heute die Brausteuer, die Zigarettensteuer, der Fracht­urkundenstempel, die Fahrkartensteuer, die Auto­mobilsteuer und die Tantiemensteuer erledigt sind. Mit Ausnahme der Fahrkartensteuer wurden die sämtlichen Vorlagen durchweg nach den Vorschlä­gen der Steuerkommisiion genehmigt. Bei der Fahrkartensteuer wurden die Kilometerzuschläge durch einen Fixstenipel ersetzt, der nach den ver­schiedenen Wagenklafsen rind nach verschiedenen Entfernungen gestaffelt ist.

Auch das preußische Abgeordneten­haus hat eifrig seine Arbeiten fortgesetzt. Nach Erledigung der zweiten Abstimmung über Wahl- reforrn wsetze wurde die Vorlage betr. die Ein­führung einer Verschuldungsgrenze für land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke in erster Lesung beraten. Darauf wurde in mehrtägiger Debatte die Kleinbahnvorlage diskutiert. Schließ­lich gelangte noch die freisinnige Interpellation betr. den Schauspielbausumbau in Berlin zur Er­ledigung, wobei die Regierung in der Lage war, nachzuweifen, daß die Angelegenheit von freifin-

Wagen zur Vermehrung unterer geringen Anzahl "iger Seitestark aufgebauscht worden war.

- --- ■ • — - 9 » Ob es möglich fein wird, das Volksschulunterhal-

Die für den

Festzug

eine Delegierten-Verfammlung der Arbeitervereine des Stadt- und Landkreises Essen unter Ab­weisung der dagegen vorgebrachten Bedenken sich einstimmig für diese machtvolle Kundqebung katholischen Glaubens ausgesprochen und das Zentralkomitee in der in Frankfurt abgehaltenen Sitzung vom 23. Dezember 1905 seine Zu­stimmung gegeben hatte. Auch Se. Eminenz der Herr Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer hat seine Freude über diesen Plan ausgedrückt. Um einem unübersehbaren Ändrange, besonders mit Rücksiäst auf die verhältnismäßig geringe Zahl größerer verfügbarer Säle vorzubeugen, hat die Kommiffion die Beteiligung am Festzuge be­schränkt und zwar örtlich, indem nur Arbeiter-, Knappen- und Gesellenvereine des rheinisch-west- fäliichrn Industriegebiets mit voller Mitglieder­zahl zngelassen werden, von Vereinen außerhalb dieses Bereiches nur Fahnenabordnungen, und zeitlich, indem alle Anmeldungen, bei Vermei­dung des Ausschlusses, bi« zum 15. Juni er­folgt sein müssen. Die Königliche Eisenbahn- birektion beabsichtigt für die Hin- und Rück­beförderung der Vereine Sondei^üge einzulegen, für die teilweise besondere Haltestellen außer­halb des Bahnhof» eingerichtet werden sollen. Die Aufstellung der Vereine soll in zwei Zügen erfolgen, von denen der eine ans der Friedrich­straße, der andere auf dem Kronenberg sich sammelt. Beide Züge treffen sich am Burgplatz und marschieren nebeneinander den Platz hinauf an einer Tribüne vorbei, welche am Kaiser Wilhelm-Denkmal für kirchliche Würdenträger und sonstige hervorragende Gäste errichtet werden soll. Dann wenden sich die Vereine ihren Der- sammlungslokalen zu.

Zum Schluffe sei noch auf den Aufruf in der heutigen Nummer dieser Zeitung hingewiesen.

Die larbtrtitHHgt» für die

55. General-Versammlung

Krr Katholiken Dentschlaakr in Gen a. d.Ruhr, |bie vom 19. bis 23. August in Esten stattfinden -soll, nehmen einen ungestörten Fortgang. Jnte- tteffe und Entgegenkommen sind überall lobens- sivert. Die Rednerkommission hat ihr Programm [fertiqqeftellt. Hervorragende Redner haben schon Gugesagt, mit anderen schwebe« die Unterhand- -lungen noch. Die Wohnungskommission ist in Eifriger Tätigkeit. Sämtliche Hotels der Stadt mnd für unsere Gäste belegt. Zur Ermittelung ;oer zur Verfügung stehenden Privatwohnungen ;fmb für die einzelnen Stadtteile besondere Kom- -miffionen gebildet. Es ist zu hoffen, daß ein Wohnungsmangel nicht eintreten wird.

DaS Programm ist schon im wesentlichen festgestellt entsprechend demjenigen der letzten Tagungen. Als Besonderheiten sind hervor­zuheben eine Wallfahrt zu dem in der Nähe an Der Ruhr romantisch gelegenen Werden, wo sich in der Abteikirche das Grab des hl. Ludgerus ^befindet, und ein Bolksunterhaltungsabend in her Festhalle mit Liebem und Chören katholischer Dichter und Komponisten.

Die Festhalle

die nach dein Plane des Architekten und Unter- mehmerS Joh. Hawig zu Effen-Rüttenscheid won diesem errichtet wird, ist schon im Bau be­fristen. Sie tvird 80 Meter lang und 41 Meter breit und übertrifft damit an Größe noch die .Kölner und Straßburger Halle. Sie faßt 9000 Personen. Die architektonisch ausgestattete Front wird sich auf dem 7 Morgen großen Grund- stück an der Friedrichstraße, das die Firma Friedr. Krupp und die St. Johannis-Pfarr- 'gemeinde in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt haben, 35 Meter hinter der Straßen-j Ducht erheben. Der Vorplatz wird mit gärtne­rischen Anlagen versehen, zu deren Ausschmückung Kaiser Komiteemitglied Herr Freiherr v. Vitting- doff-Gchell mehrere hundert lebende Tannen ge­schenkt hat. — Zur Ordnung des Eisenbahn-, Straßenbahn- und Wagenverkehrs ist eine be­sondere

Verkehrskommissiou

eingerichtet, die überall das bereitwilligste Ent- tzegenkommen findet. Die Königliche Elfenbahn­direktion will für Sonntag, den 19. August Sonderzüge und für die übrigen Tage nach Be­darf Vorzüge zu den fahrplanmäßigen Zügen einlegen. Die Straßenbahnverwaltung wird ein neues, direkt zur Festhalle führendes Geleise ausbauen. Ein leistungsfähiger Unternehmer

abends ihre Arbeit beendigt, die mit der Annahme

, . der Vorlage nach den Beschlüssen der zweiten Korn-

gewählte besondere Kommtssio» hat unter dem missionslcsung durch die beiden konservativen Vorsitze des Herrn Kaplan Pütz ihre Arbeiten ! Fraktionen abschloß. Das Zentrum enthielt sich aufgenommen, nachdem am 26. November 1905 ' der Abstimmung, während sich die Nationallibc-

dazu nötigen, den Hanptcinigungs- und Pro- grammpunkt der Kossuthianer, die Herbeiführung der bloßen Personalunion mit Oesterreich, zunächst in den Hintergrund zu stellen.

In Italien drohen neue Arbeiterunruhen. In Turin ist es zu einem Zusammenstoß zwischen streikenden Arbeitern und dem Militär gekommen, wobei es Tote und Verwundete gab. Die Turiner Arbeiter fordern jetzt sämtliche Arbeiter Italiens auf, in einen Generalstreik einzutrctcn.

Die allgemeinen Wahlen zur fran­zösischen Deputierte nkammer, die am Sonntag stattgefundeir haben, haben mit einem Siege der radikal-sozialistischen Negierung geendigt. Abgesehen von Uneinigkeiten der Op­positionsparteien, hat zu diesem Resultat zweifel­los vor allem der Einschüchteruugsbersuch beige­tragen, den die Regierung dadurch verübte, daß sie auf angebliche Verschwörung gegen die Repu­blik hin zahlreiche Haussuchungen und Verhaf­tungen vornehmen ließ. An die Wirklichkeit sol­cher Komplotte hat natürlich kein Mensch geglaubt, aber die Gerüchte darüber haben bei den Wahlen ihre Wirkung fleUr.

Der Konflikt zwischen England und der Türkei wegen des Besitzes einiger Ortschaften auf der Sinai-Halbinsel ist in der vergangenen Woche erheblich verschärft worden. England hat an die Türkei ein Ultimatum gerich­tet, und dasselbe durch Flotteumaßnahmen und Truppenverschiebungen verstärkt. Die Türker scheint jetzt gewillt zu sein nachzugeben. Da in der englischen Presse Gerüchte verbreitet waren, Deutschland stecke in dieser Angelegenheit hinter der Türkei, so Hot die englische Regierung im Unterhause eine Erklärung der deutschen Negie­rung bekannt gegeben, welche diese Behauptung nachdrücklichst Lügen straft.

In Rußland ist der lange befürchtete Sturz des Grafen Witte eingetreten. Gleichzeitig mit dem Grafen Witte ist aber auch der bisherige Minister des Innern Durnowo verabschiedet wor­den. Trotzdem betrachten Kenner der Verhältnisse die Verabschiedung Wittes als einen Sieg der Reaktion. An Stelle Wittes ist Goremykin zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Am 10. d. Mts. wird die Duma feierlich eröffnet werden. Ein langes Leben gibt man ihr unter den obwal­tenden Umständen nicht, zumal die Nevolutio- närc wieder schärfer an der Arbeit sind. Gegen zwei Generalgouverneure wurden Attentate ver­übt; der Gouverneur in Iekaternoslaw wurde dabei getötet. Alles das deutet darauf hin, daß i Rußland noch lange nicht am Ende der Wirren angelangt ist, die es seit langem erschüttern.

vermischter.

* Der „Silbrrschatz" im Schlöffe Basedow. Im fürstlich Wredeschen Schlosse zu Basedow bei Malchin in Mecklenburg ist man einer ganz selt­samen, fast rätselhaft erscheinenden Affäre auf die Spur gekommen: es wurden dort bei einer in­folge von Anzeigen bei Gericht erfolgten Haus­suchung in der Silberkammer zahlreiche Tischge­räte usw. vorgefunden, die offenbar riicht dem fürstlichen Haushalt angehören, sondern aus ver­schiedenen ersten Hotels stammen. Die Staats- > anwaltschaft hat die Untersuchung eingeleitet. ; Auch fand in Abwesenheit der fürstlichen Familie eine Haussuchung auf Schloß Basedow statt. Der Erfolg war überraschend: Es wurde silber­nes Tafelgerät ans sechs und Tisch­wäsche a u § neun Hotels gefunden. Die Masse des gefundenen Silbers ist so groß, daß es in mehreren Kisten und Körben nach der : Pfandkammer ges Landgerichts Güstrow gebracht i werden mußte, wo es als beschlagnahmt anfbe- j wahrt wird. Zum Teil sind die Originalstempel der Hotels abgeschlagen und durch andere ersetzt worden. So weit der nicht zu erschütternde Tat­bestand. Der innere Zusammenhang ist noch nicht aufgeklärt. Es verlautet jedoch, daß der Unter­suchungsrichter gegen den Fürsten und die Fürstin Wrede und die Hausdame Fräulein Weidig einen

Reklame- und Anzeigenteil.

Hohenlohesches afermehl verhütet Erbrechen und Durchfall. Kinder, die

Milch allein nicht vertragen, oder an eng­lischer Krankheit leiden, gedeihen vorzüglich, sobald der Milch Hohenlohe'sches Hafermehl zugesetzt wird.

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Wo vor nun zweihundert Jahren Fürst Po- temfin, Katharinas II. bevorzugter Günstling, im Beisein der Herrscherin seine märchenhaften Feste gab, die Unsummen verschlangen und die Bewun­derung der Zeitgenossen hervorriefen, da wird jetzt das russische Parlament, die Reichsduma, tagen, um über das Wohl und Wehe des russischen Volkes zu beraten. Tas „Taurische Palais" — Potemkin führte den Titel „Fürst von Taurien" — ist für feine neue Bestimmung einem ganz, lieben Umbau unterzogen worden. Der russische Hofbaumeister Bruni hat in verhältnismähtg kur­zer Zeit die Riesenarbeit bewältigt und den rus­sischen Parlamentariern ein würdiges und zweck­entsprechendes Heim geschaffen. Der amphithea- tralische Saal mit seinen 564 Sitzen für die Ab- geordneten macht einen prächtigen Eindruck. Das

gesamte Holzwerk besteht ans Eiche und ist mit zartem, blangrauem Leder bekleidet. Gegenüber den Abgeordnetensitzen erhebt sich die Redner­tribüne, rechts und links davon sind die Plätze der Würdenträger, als Fortsetzung die Journa­listentribüne, vor dem Redner ist der Stenogra­phentisch plaziert, hinter dem Redner, erhöht, der Präsidentensitz, dahinter das lebensgroße Bild deS Zaren. Für das Publikum ist nur ein kleiner Raum für höchstens 70 Personen reserviert. Die Wände des Sitzungssaals sind in matten Farben gehalten, beleuchtet von den alten, herrlichen Kron­leuchtern ans Potemkins Zeit, die jetzt im moder- nen Glühlicht erstrahlen werden. Hoffentlich tragen die Verhandlungen in diesem Saale dazu bei, daß in Rußland bald wieder geordnete Zu­stände Platz greifen.