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Kotationrdruck u. Verlag der Fuldaer Ac- tiendruckerei in «julda. ijernsprecher Nr. 9.
M 105.
Fulda, Dienstag den 8. Mai 1906.
33. Jahrgang.
Zweites Wtcrtt.
[] Lin sozial - charitatives Apostolat der Laien.
ii.
Ein Laienapostolat, d. h. eine Ergänzung der Bemfstütigkeit der Geistlichen durch Laien, ist (vergl. die Mittwochnummerlv.W.in derGegenwart ein absolutes Bedürfnis, Mitwirkung der Laien ernste Pflicht. Prof. Faßbender weift auch auf die Vorteile hin, die eine solche Mitwirkung von Laien mit sich bringt. Sie haben manchmal eine bessere Kenntnis von den in Betracht kommenden Verhältnissen und dann, was sicher nicht zu unterschätzen ist: der religiöse Zuspruch aus Laienmund wirkt auf einen der Kirche entfremdeten Menschen oft viel heilsamer, als wenn der Geistliche direkt kommt; die Laien haben dem Geistlichen so gleichsam den Weg bereitet, das Werk ,'begonnen, das der Geistliche vollenden soll. Warum sollen nun Laien diese Hilfskräfte stellen, nicht etwa OrdenSleute, die sich die Werke der Nächstenliebe zur Aufgabe gemacht haben? Wir weisen die Mithilfe der Orden nicht zurück, manche, z. B. die barmherzigen Schwestern, leisten hier äußerst viel Gutes. Aber einmal haben wir nicht überall Ordensleute und werden sie nicht überall erhalten, dann können sie nach ihren Statuten schließlich nicht allen Aufgaben sich widmen, die notwendig wären, endlich sind sie bei unS vielfach noch von Regierungs-Gnaden abhängig, können nicht so frei wirken wie Laien; auch das Ordensgewand wird von manchen ebenso wenig gern gesehen, wie das Priesterkleid.
Wie soll nun die Organisation des Landapostolats gestaltet, eingerichtet werden, um ihren Zweck zu erfüllen? ' Prof. Faßbender hatte Gelegenheit, aus eigener Anschauung hervorragende Anstalten zur Ausbildung protestantischer Diakone und Töchter kennen zu lernen, über die er in feiner Broschüre interessante Mitteilungen macht; auch die Art des Betriebes bei Ausbildung von Kadetten und Propaganda für die Heilsarmee, deren soziale Tätigkeit eine recht erfolgreiche ist, hat er sich genau angesehen. Er wünscht nun auch bei uns Katholiken die Einführung berufsmäßiger Charitashelfer als Gegenstück zur protestantischen Inneren -Mission. Diese müßten natürlich unterhalten werden. Woher die Mittel nehmen? Faßbender weist hier darauf hin, daß die preußische Generalsynode */< Prozent der Kirchensteuern in Höhe von jährlich 215000 Mark für kirchlich- ssoziale Zwecke genehmigt habe, die hauptsächlich zum Unterhalt von Gemeindehelfern dienten, für ibie bis 1500 Mark gewährt werden könnten. Mehnliches, meinte er, könnte auch auf katholischer Seite möglich sein.
i Die Einführung katholischer berufsmäßiger Charitashelfer nach protestantischem Muster hat, aber ganz abgesehen von der Geldfrage, ihre großen Schwierigkeiten, die vielleicht in abseh. charer Zeit nicht zu Überwinden sind. Nehmen iwir aber berufsmäßige Charitashelfer nicht an, tbann fällt auch das Bedürfnis besonderer Mh arita sschulen für uns weg, denen der Verfasser in seiner Schrift besondere Aufmerk-
Alls i>es Todes Armen.
Novelle von Marz. Schlichter.
16] (Nachdruck verboten.)
„Da höre ich den Spötter wieder", sagte der .Geistliche. „Wenn Sie an die Wunder von Lour- Hes nicht glauben wollen, so zwingt Sie niemand dazu, ebensowenig wie zum Wallfahrten. "
„Das fehlte auch noch, daß ich mich unter die Betschwestern mische, die sich an solchen Orten ein Rendezvous geben. Ebensowenig würde ich mich als an die letzte Instanz dorthin wenden, wenn sonst^nirgends Hülfe in Aussicht ist."
„Sie hegen überhaupt die Meinung, man müsse nur beten, wenn man vom lieben Gott etwas nötig hat, und da es Ihnen augenblicklich an nichts ge- bricht, suchen Sie ihn auch nicht auf. Aber warten Sie nur, Herr Konsul, unser Herrgott wird Sie eines Tages beim Schopf nehmen, mu Sie in sein heiliges Haus zu ziehen. Ich hoffe wenigstens, daß er es tun wird, weil er diejenigen liebt, die Barmherzigkeit üben, absonderlich, Wenn deren linke Hand nicht Weitz, was die rechte gibt."
„Na, beim Schopf, das wird Wohl schwer halten", lachte der Konsul, indem er, den Hut lüftend, auf seinen Scheitel deutete. Der hatte allerdings Aehulichkeit mit einer polierten Elfenbeinschale, die unten mit dünnen Fransen garniert ist. Jetzt lachten alle, selbst Albaro und Enriqueta, die von her auf deutsch geführten Unterhaltung nichts ver- standen hatten.
„Uebrigens lebe ich so ganz bequem", fuhr der Konsul fort, „und wenn's mit mir zu Ende geht, können Sie ja kommen, und mir den Paß nach oben ausfertigen."
„Darauf verlassen Sie sich lieber nicht. Es Bunte Ihnen gehen, wie so manchem einen, der m Leben keine Zett hatte, an den Himmel zu den- t! en, und dem der Tod schließlich als unangemelde- er Gast über den Hals gekommen ist."
„Sehe ich denn aus, als ob ich an einem Schlaganfall sterben würde? Doch wozu jetzt Ge-
samkeit widmet. Dagegen hindert gar nichts, daß nebenberuflich besondere Organisationen für Männer und Frauen sich intensiv der Ausübung der Charitas widmen. Ganz richtig weist Prof. Faßbender darauf hin, daß es hier durchaus nicht immer der Gründung neuer Vereine bedürfe. Die bestehenden Vincenz- und Elisabeth- vereine, auch die christl. Müttervereine könnten, richtig angeleitet, hier treffliche Dienste tun. Aber eS muß Plan und Ziel in der Sache herrschen. Darum bedürfen die Mitglieder solcher sozialtätiger Vereine einer gewissen Schulung auch in theoretischer Hinsicht. Daher legt Faßbender auch einen sehr großen Wert auf soziale Ausbildungsturse, wie sie der Volksverein für das katholische Deutschland in einer größeren Ausdehnung abhält; Städte mit zahlreichen humanitären Anstalten seien für solche Kurse besonders geeignet. Auf den Zusammenkünften dieser Vereine sollten auch seziale Vorträge und Belehrungen stattfinden. Ein Blatt, das sich das ganze Gebiet der Volkspflege zum Gegenstand nehme, wäre sehr zu wünschen. Von großem Vorteil wäre ein Chari- taShandbuch, das zusammenfaffend die gesamte Tättgkeit der Katholiken unter Berücksichtigung der nichtkatholischen Humanitären Bestrebungen schilderte.
Vor allem sind natürlich die Geistlichen berufen, wenn nicht als Leiter, so doch als Beiräte in charitativen Vereinen tätig zu sein. Darum ist für sie eine intensive Ausbildung in der sozialen Frage immer notwendiger. Wünschenswert muß es aber weiterhin sein, daß auch die übrigen tätigen Teilnehmer einigermaßen geschult sind durch entsprechende Unterrichtskurse, durch Studium einschlägiger Schriften:c. Daher ist die Teilnahme von gebildeten Laien, von Leuten von Einfluß und Erfahrung überaus schätzenswert. Faßbender glaubt nun, daß diesen Personen dann auch in der Leitung der Vereine ein entsprechender Anteil eingeräumt werden solle, daß nicht der Geistliche allein alles anordne, damit nicht diese Personen sich zurückziehen. Dies kann um so lieber zugestanden werden, als eine solche Verfassung auch in schon bestehenden Vereinen, z. B. den Vincenz- und Elisabethvereinen, sehr zum Segen derselben besteht. Die Geistlichen sind es schon längst gewöhnt, im Vereine mit Laien die Vermögensangelegenheiten der Kirche zu verwalten; um so eher werden sie deren Rat und Erfahrung in Sachen freiwillig geübter Nächstenliebe sich zu Nutzen machen. Mögen die Hauptlehren der Faßbenderschen Broschüre, Studium und Organisation, bei vielen für das Wohl der Mitmenschen besorgten Chariiasfreunden die gebührende Beachtung finden.
k. Katholiken rührt euch!
Wir stehen mitten in dein heißen Kampfe um das Hobe Gut einer chri st lichen Schule, und unsere Gegner legen darin eine Rührigkeit, Ausdauer und Gewandtheit an den Tag, die uns vorbildlich fein sollte. Versammlungen werden abgehalten, Proteste erhoben, Broschüren und Schriften unter das Volk geworfen und selbst die sogen. „Intellektuellen": Professoren, Gutsbesitzer, Industrielle und alles was Namen hat, mobil gemacht. Kurz, die öffentliche Meinung wird auf spenster heraufbeschwören? Kommen Sie, wir wollen unser leibliches Selbst ein wenig restaurieren, das ist das beste, was wir jetzt tun können."
Sie verließen das Felsplateau, auf welchem die Kapelle lag, und in einer Aufwallung von Trotz nahm Elisabeth jetzt Albaros bargebotenen Arm an. Was hatte sie doch getan, um ein solches Verhalten ihres früheren Verlobten zu recht- fertigen? Aber sie wollte Brandau zeigen, daß sie sich durch sein Benehmen nicht verletzt fühle, daß er ihr gleichgültig geivorden war, obschon sich ihr Herz zusammenkrampfte und sie die aufsteigenden Tränen mit Gewalt zurückdrängen mußte. Man setzte sich auf einen mit Moos bewachsenen Felsen, der eine herrliche Aussicht auf das weithin schimmernde Meer gestattete. Elisabeth bot die mitgebrachten Erfrischungen an, etwas Kuchen und Konfekt, dazu mit Wasser gemischten Rotwein. Als sie Brandaus Glas füllte, zitterte sie so heftig, daß einige Tropfen auf seine Hand fielen.
„Das bedeutet Tränen", sgte Albaro, der Elisa- beth unausgesetzt beobachtete und den Grund ihrer Erregung zu ahnen schien.
Dafür- schleuderte Brandau ihm einen Blick zu so wütend und feindlich, daß Elisabeth ordentlich erschrak. Der einzige Unbefangene bei der ganzen Szene war Doktor Schmitz, denn auch Enriqueta stellte ihre Betrachtungen an. Der Doktor hatte mit dem Konsul eine lebhafte Meinungsverschie- denheit über den Ursprung der Kapelle. Ersterer war der Ansicht, dieselbe stamme aus dem dreizehnten, letzterer behauptete, sie stamme aus dem vierzehnten Jahrhundert, und begründete seine Behauptung mit der Ansicht des Domherrn, der eine dahin lautende Chronik im Domarchiv von Santander aufgestöbert hatte. Uebrigens knüpfe sich eine Sage an den Ursprung der Kapelle und auf allgemeines Bitten trug Doktor Schmitz dieselbe vor.
„Es war im fünften Jahrhundert, zur Zeit, als die Westgoten, welche damals die heutigen Provinzen Alt-Kastilien und Asturien innebatten, im Kampfe lagen mit den Sueben, welche den Nord-
jede nur denkbare Weise bearbeitet. Daher auch ihre relativ großen „Erfolge" und ihr Eindruck, den sie auf die weiten Volksmassen ausüben.
Sollte uns Katholiken die Erkenntnis dessen abgehen, was für uns auf dem Spiele steht? Das ist nicht gut anzunehmen. Oder sollte man so sehr auf seine „gute Sache" und die „Pflicht deS Staates" vertrauen, daß man glaubt, sie allein müsse den Sieg davon tragen? Dann gäbe man sich einer gefahrvollen Täuschung hin. Oder endlich soll man alles unseren Abgeordneten überlasten in dem Bewußtsein, daß sie schon für die Interessen des katholischen Volkes eintreten werden? In allen diesen Fällen unterschätzt man die Macht der öffentlichen Meinung, bereit Bedeutung uns gerabe bie Gegner so lebendig durch ihre Agitation und Erfolge vor Augen führen. Selbst die Abgeordneten der Simultanschulfrennde haben sich in den Dienst der Agitation gestellt und sind im Lande von Versammlung zu Versammlung gezogen. Auch ihre Werbung um die Professoren der Universitäten und Hochschulen, mag sie noch so kläglich ausgefallen fein, ist ein Beweis dafür, daß sie keine Mittel unversucht lassen, auf die öffentliche Meinung einzuwirken.
Und wir Katholiken sehen dieser Agitation mit ruhiger Miene zu und lasten in dem Kampfe, der über den christlichen Charakter unserer Volksschulen enffcheiden soll, ruhig die Hände im Schoß liegen. Was bedeutet es schließlich, wenn bie und da ein schüchterner ober meinetwegen auch scharfer Artikel in irgend einem Blatte gegen die Simultanschule erscheint? Was soll es verschlagen, wenn einmal auf irgend einem Dörfchen die Schulfrage in einer Volksvereinsversammlung behandelt wird? Das rettet uns nicht. Das mag zur lokalen Aufklärung dienen, mehr nicht. Nein, unser Volk muß mobil gemacht werden. Es muß systematisch und zwar in großen Volks- verllamtnlungen, an denen sich hervor- ra^nde Parlamentarier aktiv beteiligen, über die Folgen der Simultanisierung unserer Volksschulen aufgeklärt und zum entschiedenen Protest aufgefordert werden. So geschieht es auch z. B. augenblicklich in England, wo die neue Birrel'sche Unterrichtsbill, durch welche der Religionsunterricht aus der Staatsschule entfernt werden soll, eine gewaltige Aufregung des ganzen gläubigen Volkes, der Katholiken wie Anglikaner hervorgerufen hat. Bischöfe der anglikanischen und katholischen Kirche, Hochadel und Abgeordnete, sie alle nehmen in feierlichen Protesten und Er- laffen Stellung gegen bie Entchristlichung der Schulen.
Und wo bleibt das katholische Volk Preußens? Selbst die positiven Protestanten übertreffen uns in diesem Kampfe, bei dem wir doch noch mehr zu verlieren haben als sie. Unter den Protestanten hat sich sogar feit Jahren ein eigener Verein gebildet „zur Erhaltung der evangelischen Volksschule" mit einem eigenen Organ „Monatliche Mitteilungen des Vereins znr Erhaltung der evangelischen Volksschule". (Berlin. Fr. Zillesscn, Past. a. D.) Dieser Verein hat nun jüngst eine eigene E i n g a b e a n d e n K u l t u s m i n i st e r zu dem Entwurf des neuen Schulgesetzes ansgearbeitet und am 6. Februar ein gereift, worin er feine großen Bedenken gegen bi» im Gesetzentwurf enthaltenen Bestimmungen zur Einrichtung von Simnltanschulen ausspricht und um Abänderung bittet. Etwas derartiges haben wir Katholiken aber bislang nicht auszuiveisen. Sollte es zu schwierig fein?
Aber wozu haben wir denn den V o l k sv e r- e t n für das katholische Deutschland, wenn er hier nicht eiligreifen sollte, wo es sich um die heiligsten Güter der Katholiken, um die christ- katholische Erziehung der Kinder in der Volksschule handelt. Daran hat doch jeder katholische westen Spaniens, das heutige Galicien, bewohnten. In einem jener Kämpfe wurde Askarich, der Sohn des Gotenführers Leovigild, von den Sueven gefangen genommen und sollte nebst anderen Gefangenen seines Volkes den Götzen geopfert werden. Afraga aber, die Tochter des Suevenhäuptlings, entbrannte in Liebe zu dem schönen und tapferen Gotenfürsten, und sie sann auf Mittel, ihn vor einem so schrecklichen Lose zu bewahren. In zwei Tagen sollte d-zf blutige Opferfest gefeiert werden, unb noch timt -es ihr nicht gelungen, ihr Vorhaben auszuführen. Trauernden Herzens ging sie wie alltäglich hinunter an den Strand des Meeres, von woher sie die ersehnte Hülfe erwartete, und diesmal wurde ihre Hoffnung nicht betrogen. Ein Schiff nahte von Osten her, welches sie als ein feindliches erkannte. Es war eine Botschaft von Leovigild, welcher für die Befreiung seines Sohnes ein bedeutendes Lösegeld bot. Der Suevenfürst lehnte dasselbe stolzen Sinnes ab; er lechzte nach dem Blute seines Gegners, der ihn in so manchem Kampfe seine Ueberlegenheit hatte fühlen lassen.
Die blondlockige Afraga aber setzte sich heimlich mit dem Führer des Schiffes in Verbindung, unb es wurde verabredet, daß sie ihm die Gefangenen in der folgenden Nacht zuführen wolle. Die Gelegenheit war günstig; denn von einem Festgelage berauscht lagen ihre Stammesgenossen in tiefem Schlummer, als sie in das Zelt der Gefangenen trat und deren Fesseln löste. Aber Fesseln anderer Art hielte nden jungen Gotenürsten in ihrem Bann; die Liebe Afragas Ivar nicht ohne Gegenliebe geblieben, und Askarich erklärte, er wolle die Freiheit nur unter der Bedingung annehmen, daß seine schöne Retterin ihn auf der Flucht begleite. .Diese war nur zu gern bereit, alles zu verlassen, um dem Manne, den sie liebte, zu folgen. Ungefährdet gelangten sie aufs Schiss, und obwohl von den Sueven verfolgt, kamen sie doch glücklich bis an die Küste, wo Leovigild zurzeit seinen Wohnsitz hatte. Da aber erhob sich einer von den Stürmen, von denen der Biskayische Golf so häufig heimgesucht wird und die ihm nicht mit Unrecht
Mann ein Interesse und freudig wird er teilneh- men, wenn er zu einem allgemeinen Proteste gegen ein Gesetz aufgerufen wird, das zur Untergrabung der christlich-konfessionellen Schule die Wege ebnet und den Eltern eine unchristliche Erziehung ihrer Kinder aufzwingt. Dazu gehört aber zunächst Aufklärung über die Ziele der Simultanschule, und hierfür bietet eben der Volksverein die beste Gelegenheit. Man glaubt gar nicht, welch eine Unkenntnis im allgemeinen über biefeu Gegenstand im Volke herrscht, und deshalb darf man sich nicht Wundern, baß das Sprichwort zutrisft: was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß! Soll aber eine Aktion Erfolg haben, bann muß sie g e m e i n- schaftlich sein. Und beshalb möchten Wir wünschen, daß von einer Zentrale aus eine g e- meinsame Aktion der Katholiken in die Wege geleitet würde. Der Erfolg wird unzweifelhaft großartig sein und Resultate der Gegner ganz gewaltig in Schatten stellen.
Durch ihr Geschrei haben bie Liberalen im Jahre 1892 das Zedlitz'sche Schulgesetz zu Fall ge* bracht, durch ihre Agitation haben sie auch jetzt wieder den Schulgesetzentwurf ungünstig beeinflußt und selbst die Konservativen in wichtigen Punkten zum Umfallen gebracht. Soll uns bas nicht nachdenklich stimmen? Wenn wir uns auch ihre Mittel nicht zu eigen machen wollen und ihren Erfolg nicht erhoffen dürfen, so erfordert es doch die Pflicht 6er Selbsterhaltung und die Wichtigkeit der Sache, öffentlich zu zeigen, daß das ganze katholische Volk einmütig die Konfessionsschule verlangt.
Ganz besonders möchten wir uns an die katholischen Lehrer wenden mit der Bitte, jebe Zurückhaltung in der Schulfrage abzule- g e n. Legen doch unsere Gegner die Zurückhal- tung so aus, als Wären die katholischen Lehrer mit ihnen einverstanden. Als beispielsweise der Vorstand des über 100 000 Mitglieder zählenden „Deutschen Lehrervereins" sich im vorigen Jahre gegen das Schnlkompromiß aussprach, hat er entweder die vielen tausend katholischen Lehrer seine? Vereins einfach ignoriert oder ihre stillschweigende Zustimmung vorausgesetzt. So etwas dürften sich die katholischen Lehrer nicht gefallen lassen. Gegen beibes müssen sie energisch auftreten. Deshalb erläßt auch das „N. Münch. Tagbl." einen Ausruf an die gutgesinnten christlichen Lehrer, an dem zu Pfingsten d. I. in München stattfindenden „Allgemeinen deutschen Lehrertage" des obigen Vereins nicht bloß zahlreich teilzunehmen, sondern auch ihren rechtlichen Einfluß energisch geltend zu machen gegen die Simultanschule und alle religionslosen Programmpunkte. „Hoffentlich ist die Simultanschule", so schreibt das Blatt, „noch fein Dogma des Bayerischen Lehrervereins fauch nicht des Preußischen. D. V.s, gegen das kein Vereinsmitglied Einspruch erheben darf, ohne vom Verein ausgeschlossen zu werden. Auf diesen Gedanken könnte man aber kommen, wenn sämtliche, auch die u n ch r i st l i ch st e n I d e e n o h n e Widerspruch btngenonuneii würden. Es handelt sich darum, daß wenigstens einer den Maniies- mut besitzt, jene Bedenken, die ihm sein Gewissen diktiert, offen und frei auszusprechen, an Unterstützung Wirb es ihm wohl bann trotz allen Widerspruchs nicht fehlen. Wir freuen uns schon, endlich einmal aus beit Reihen der wahrhaft christlich gesinnten Männer einen kräftigen Einspruch zu vernehmen gegen die Entchristlichung der Schule. Dann wirb man mit Recht sagen können: auch im Bayerischen Lehrerverein sind wahrhaft gut-christliche Männer." Diese Mahnung ist in Bayern doppelt angebracht, denn eS gehören dort dem liberalen Dentfchen Lehrerverein 8000 katho- Lehrer an. Aber auch in Preußen hat er viele katholische Lehrer zu Mitgliedern; ihnen gilt dieselbe Mahnung.
mrnmnnrni ■— —■■■■■■— den Namen „Die windige Ecke von Europa" eingetragen haben. Leovigild mit den Seinen stand auf eben biesem Felsen und beobachtete in Furcht und Grauen das Schiff, dessen Jusafseti vergeblich bemüht waren, sich auf hoher See zu halten. Hoch vor allen ragte Askarich, der jugendliche Held, unb feine befehlende Stimme schien selbst das Brausen der Wogen zu übertönen. Zu seinen Füßen kauerte feine holde Braut, deren goldene Locken im Winde flatterten. Unterdessen suchte Leovigild durch heiße Gebete, durch unzählige Gelübde die Götter des Meeres zu befänftigen, und kurze Zeit schien es, als ob das Flehen eines geängstigten Vaterherzens die Dämonen der Tiefe bewogen habe, ihre schon sichere Beute fahren zu lassen. Aber dann brachen sie los mit erneuter Wut. Eine turmhohe Welle hob das Schiff empor und schlenderte es im nächsten Augenblick gegen diesen Felsen. Masten und Planken zersplitterten wie dünne Rohrstäbe und nicht einer der Gestrandeten erreichte das rettende Gestade. Bis zuletzt sah man Askarich, seine Braut umschlungen haltend, bald auftauchen, bald verschwinden, vergeb- lich bemüht, bas Leben zu retten, das ihnen so schön und rosig lächelte. Noch einmal glanzte Afragas Goldgelock über die schäumenden Wogen; dann schlossen sich diese über ihr Opfer und es War, als ob bas Meer, mit seiner Beute zufrieden, sich beruhigen wolle. Der hohe Wogenschlag ging in ein immer sanfteres Gekräusel über, die Wellen fangen den Unglücklichen ihr Totenlied. Jahrhunderte lebte das Andenken an diese Begebenheit in dem Herzen des Volkes. Zur Zeit der Aequi- noktialstürme ließ der Aberglaube die Geister der Gestrandeten aus der Tiefe erstehen und beim hellen Lichte des Mondes ihren nächtlichen Reigen halten. Allen voran schwebte Askarich mit seiner goldlockigen Brant ob der spiegelklaren Flut. Aber der Gotentünz, wie ihn die Fischer nannten, war ihnen ein böses Omen; er verkündete Sturm, und innerhalb der ersten achtundvierzig Stunden nach demselben wagte sich feiner von ihnen auf die See, seinem «gefährlichen Gewerbe nachzugehen.
(Fortsetzung folgt.)