Maer
M 100.
Fulda, Mittwoch den 2. Mat 1906.
Zweites Matt.
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verantwortlicher Schriftleiter: 3. Bau»;
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33. Jahrgang.
er sich das Weihnachtsfeft gedacht. DaS durch eigene Schuld verlorene Glück schien ihm wieder greifbar nahe gerückt, und jetzt war es für immer dahin. Als in der Morgenfrühe festliches Glocken- gelernte zur Feier des lieblichsten aller Kirchen- feste einlud, erschienen ihm die Klänge, die am Abend vorher fein Herz beseligt hatten, wie Grab- geläute; mußte er doch all seine schönen Hoffnungen für immer begraben. Aber dennoch wollte er sich von der Wahrheit dessen, waS seine Schwägerin gesagt hatte, selbst überzeugen. So stand er denn, sobald es dunkel geworden war, auf der Straße, Elisabeths Wohnung gegenüber, und blickte zu | ihren Fenstern empor. Dieselben waren hell erleuchtet, und deutlich konnte er die sich im Zimmer bewegenden Gestalten unterscheide«. Woher kamen doch die Kinder, die so freudig erregt ihre Geschenke in den Händen hielten? Jetzt gruppierte« sie sich ■ alle um den Ehristbaum und „Heiligste Nacht, i heiligste Nacht" tönte es mehrstimmig zu chm herüber. Sein Herz krampfte sich zusammen in unbeschreiblicher Schuf richt. Wie gerne hätte er dort zwischen ihnen weilen mögen, um froh zu sei« mst den Fröhlichen. ES waren Sinder der Armut, die dort beschenkt wurden. Ihr Vater, ein Eisenbahnschaffner, war seit drei Monaten schwer krank. Die Mutter hatte früher bei Fräukei« Werner gedient, sie war eine Nichte DinaS, der asten Magd des Hellwichschen Hauses, welche wie früher Elisabeths Elter« jetzt den Geschwistern chre treuen Dienste widmete. Die Not der guten Leute hatte Elisabeths Herz gerührt, und Fräulein Werner war gerne auf ihren Vorschlag ««gegangen, und I als fie jetzt die seligen Gesichtchen dec Kinder j sahen, fühlten sie, daß fie fich durch die Gaben, | die der Kleinen Herz entzücken, selbst die größte Freude bereitet hatten. Jetzt öffnete sich die Haus-1 tiir; die alte Magd ließ ihre Nichte mit den Kindern hinaus.
horte einem andern. JeH bereute sie fast, daß fie Otto nicht davon abgehalten hatte, ihn für diesen Abend einzuladen.
„Er faittt doch den heiligen Abend nicht alle»« auf seiner Bude fitzen", hatte jener erklärt, und
«rscheiot täglich, mit Ausnahme Ott Son». imd,«feier lagt. Viertel« firn. Bezugspreis ohne Bringer loh» und Beheflgelb in Hulda und auswärts 1 int. 50 Pfg.
„Ist das Christkindchen irtet in dem andern I nun er da war, nahm Eiisabeth sich vor, die deroen , • . ■ ,. § Haust hier gegenüber?" hör! Joseph ein kleines im Verlaufe des Abends allein zu lasse«. Ihre
Wie o ganz ander, hatte Mädchen sagen, das ein Büppchen in der Hand I Müdigkeit nach der Anstrenguna der vorberawen-
vermischtes.
* Die neue« deutschen Fünfmarkscheine. Die neuen Reichskaffenscheine zu fünf Mark gelangen jetzt zur Ausgabe. Eie sind 8 Zentimeter hoch und und 12* l t Zentimeter breit und in blauem Kupjer- stichdruck auf geriffeltem Hanfpapstr hergestellt.
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Literarisches.
Die christliche Frau", Zeitschrift für höhere weibliche Bildung und christliche Frauentätigkett in Familst und Gesellschaft. Zugleich Organ des Katholischen Frauenbundes. Jährlich 12 Hefte zum Preise von 4 M (bei direkter Zusendung 4,60 <MY Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, sowie von der Geschäftsstelle des Charitasverbandes in Freiburg i. Br.
Clara Linzen-Ernst gibt im 7. Hefte des 4.
Jahrganges dieser Zeitschrift einen sehr beachtenswerten und allgemein orientierenden Aufsatz über Heimarbeit und Anknüpfung an die vor kurzem in Berlin stattgefundene Heimarbett-Ausstellung. — Weiter finden wir eine von F. Wienstein verfaßte Biographie der Fürstin Amalie von Gal- litzin, jener interessanten Frau, deren 100. Todestag am 27. April war. — Eine geistreiche individuelle Plauderei bringt M. Herbert über „die Forderung der geschlossenen Handlung im Roman". — Fra« Emy Gordon berichtet uns über die Bedeutung der englischen Settlements, jener eigenartigen sozial-wohltätigen Schöpfung dec Neuzeit, wobei die Verfasserin sich als gründliche Kennerin der englischen Verhästnisse erweist. — Unter „Beiträge zur Literatur der Frauenfrage" werden gewürdigt: Bd. V. des von Helene Lange und Gertrud Bäumer herausgegebenen Handbuches der Frauenbewegung: ..Die deutsche Frau im Berufe"; ferner „Beruf und Ehe" von Marianne Weber und „bic Beteiligung der Frau an der Wissenschaft" von derselben Verfasserin; alsdann „die neue Frau" von Dr. Schmidt-Jena, „Katechismus der Frauenbewegung" von Dr. Karl Wolf und endlich „Fingerzeige für die katholische Frauenbewegung" von Emy Gordon. — Einen anregenden kurzen Aufsatz bringt A. Berg über „den fröhlichen Geber hat Gott lieb", ferner, verdient Erwähnung eine anmutige kurze Unterhaltung über „Weiblichkeit". — Mehr ins literarische Gebiet schlägt die Besprechung der im Herderschen Verlage zu Freiburg i. Br. in neuer Auflage herausgegebenen „Bibliothek deutscher Klassiker für Schule und Haus". — Auch der novellistische Teil kommt zu seinem Rechte und unter der Rubrik „Aus Frauenkreisen" wird wiederum eine reichhaltige Ueberschau geboten. — Die Beilage ,,AuS dem Katholische« Frauenbünde" bringt einen orientierenden Aufsatz über die Erziehung i« der weiblichen Fortbildungsschule von H. Heinze. Sodann berichten die Zweigvereine von München, Düffeldorf, Lippstadt, Aachen, Mündt- Titz über ihre zum Teil recht vielgestaltige Tätig- keft auf der. verschiedensten Gebieten der Frauenbewegung.
* Es ist erreicht. Arzt: „So, jetzt hab« ich auch das letzte Examen überstanden und bin zum Doktor promoDirt worden. Jetzt brauche ich mir nur noch meine schöne Schrift abzugewöhnen, dann kann ich mit der Praxis beginnen."
„Nur nicht so hitzig, mein Herr Schwager. Ich rate Dir nur, Dich selbst von der Wahrheit meiner Aussagen zu überzeugen. Elisabeth hat mir überglücklich erzählt, daß Haller morgen abend zur Be- ftherung zu ihnen kommen wollte, was ich, nebenbei gesagt, recht unpassend finde."
Joseph wurde ganz blaß bei dieser Eröffnung. Mr verhielt sich den Abend über recht schweigsam, «nb da auch fein Bruder in der Sorge um feinen Liebling nicht zum Sprechen aufgelegt war, verlies bet heilige Abend recht ungemütlich in der Branbasl'schen Familie.
I« bet Rächt wälzte er sich unruhig aus seinem M»ger hin und her. Kein Schlaf wollte sich auf Mne Angen senken. Wie fo ganz anders hatte
hielt. Da, wo wir wohnen, kehrt eS gewiß nirgends ein, da ist eS so eng und dunkel."
Die junge Mutter aber sagte zu ihrer Tonte: „Fräulein Hellwich ist doch ein wahrer Engel; der Mann, den fie noch mal kriegt, ist wirklich z«
I beneiden. Aber die Männer sehen mehr auf Gelb ; und Gut als auf ein gutes Herz."
„Nun, ich kenne einen, der unser Fräulein ihrer selbst wegen Hebt; ob sie ihn aber wieder liebt, weiß ich nicht; ich werde nicht recht klug aus ihr. Manchmal scheint mir, als ob sie es nicht mal gern sähe, wenn er kommt, »nb es ist doch ein so netter Herr."
Hiernach entfernte fich die junge Frau, nrb Joseph, dessen Herz mächtig klopfte vor toietet- erwachter seliger Öffnung, überlegte, ob er »er alten Magd inS HanS folgen und um eine Unterredung mit Elisabeth bitten solle, als er einen Herrn gewahrte, der sich eilig dem Haufe näher».
„Dina, schließen Sie mir nicht die Türe vor ter Nase zu", sagte er lachend. Wie vertraut daS Hang! So konnte nur einer sprechen, ter sich hier zu Haufe fühlte. Der Herr war kein anterci, al» Assessor Haller. Er trug in Seidenpapierumhüllung ein Buket m ter Hand. ES waren lartter schone frische Stofen. Joseph sah bald darauf, wie et es Elisabeth überreichte. Er begleitete die Gabe mit einem flehenden Blick seiner Ätt^en, die um endliche Erfüllung seiner Wünsche zu bitte» schienen. Elffabeth aber erwiderte feinen Blick nicht; sie nahm die kostbare Blumenspente mit der »hr eigenen gelassenen Freundlichkeit entgegen. Tie treue Hingebung des Assessors tat ihr leib, sie konnte ihm nichts dafür bieten, chre Liebe ge-
Die linke Seite der Vorderhälste zeigt den Oberkörper einer weiblichen Figur mit ausgelöstem Haar und einer Kaiserkrone aus dem Kopf. Sie trägt eine Fahne über der linken Schulter uud hält mst der Rechten einen nicht ganz sichtbaren Schild mst einem heraldischen Adler. Vor der Figur sitzt ein I Knabe auf einem verschnürten Ballen, der auf feiner rechten Hand eine Taube hält. Außerdem find die Sinnbilder der Schiffahrt, des Maschinenbaues, des Handels und der Landwirtschaft dargestellt. Die I Rückseite zeigt den bekannten Srraffatz, daun einen Sflirgelten Drachen, dessen Rachen Dampf ent« ömt und der ein urnenartiges Gefäß mit Kleino- I dien bewacht. Die Vorderseite des Scheins erscheint grünlichblau, die Rückseite hellblau.
* Zwei Helden. Der sechsjährige Sohn tes Rangiermeisters Struckmeyer in Elberfeld liegt feit Oktober v. I. an schweren Brandwunden im Krankenhause barnieter. Die Aerzte gaben neuerdings wieder Hoffnung auf Wiederherstellung, wenn sich jemand bereit finden würde, mit einem I Stück der eigenen gefunden Haut auszuhelfen. Die 1 16jährige Schwester erklärte sich dazu bereit; die Operation ist glücklich verlaufen. — Der Kanonier Hugo Sirr vom Feldartillerie-Regiment Nr. 36 lag eines Beinbruches wegen im Danziger Garnison-Lazarett. In demselben Krankenzimmer lag auch ein junger Husar ans Stolp, dem durch einen Pferdebiß fast das ganze Fleisch von dem einen Bein gerissen war. Eines Tages hörte der Kanonier vom Stabsarzt, daß die Wunde beS Husaren gar nicht heilen wolle, daß er aber gerettet werden könne, wenn jemand ein Stück gesunder Menschen- baut bergeben wolle. In der Betäubng wurde ihm von seinen Beinen eine sechs Zentimeter breites Stück Haut abgetrennt und auf den Husaren übertragen. Der wackere Kanonier, der augenblicklich schon in einem Genesungsheim weilt, hat dieses große Opfer nicht umsonst gebracht, denn | die Wunde des Husaren ging in schnelle Heilung über.
* Künstliche Schmisse. In einem Berliner Lokalblatt findet sich folgende Anzeige: »Welcher Heil- kundige macht einem jungen Studenten hübsche Schmiß gegen hohe Gratifikation? Diskretion erbeten. Offerten unter A. 8. 6520 befördern Daube 4 So. Berlin W. 8, Leipzigerstraße 26.* — Kommentar überflüssig.
* Der Tapfere. .Du darfst Dich im Dunkel« nicht fürchte«,* sagte die Mutter zum kleinen Willy, „wenn Du auch allein bist, die lieben Engelein sind stets bei Dir.* Nach einer Stunde erwachte der Kleine „Btama!* „Was denn, ment Kind?* „Mama, find jetzt die Engel bei mir in der Stube?* »Ja, mein Liebling." — „Sind fie auch in meinem Bett?* Ganz gewiß." „Ach, Mama — da beißen mich die Engel.*
* Sa«« schon sei«. Schriftsteller: „Was wird wohl der Redakteur für daS Wertvollste meiner Einsendung halten?* — Freund: »Hm, vielleicht die Retonrmarkei*
I Illusionen würden dann erfahrungsgemäß verschwinden ; das Nebel zumal in den größeren Städten würde sich in seiner ganzen Größe darstellen — nicht zu unserem Schaden.
Soll matt nun diese ungezählten Scharen dem religiösen und politischen Mhittsmus ruhig zu- fteuem kaffen? Gleichgiltig darf man da nicht sein; hoffnungslos und mutlos auch nicht; es gilt, Irrenden nachzugehen, eine, wenn auch ver- wahrlofte, aber doch immer Menschenseele zu retten. Alle diese leiblich und geistig Armen aufzusuchen, diese Versuche vielleicht monatelang zu erneuern, dazu fehlt insbesondere in unseren stets anwachsenden Städten bei ihrer fluktuierenden Bevölkerung den durch ihre Berufspflichlen meist übermäßig in Anspruch genommenen Geistlichen einfach Zeil und Kraft. Wenn hier die Laien nicht für sie einspringen, dann bleibt manche Arbeü ungetan.
Also die Mithilfe der Laien auch in dieser Art Seelsorge ist unentbehrlich. Aber bedeutet diese nicht einen Eingriff in die Rechte des KleruS, in die Verfassung der katholischen Kirche? Der altkatholische Professor Götz hat vor kurzem in seiner Schrift „Äleritaliimu» und Lai«? zismus", deren Behauptungen Faßbender S. 41 f. widerlegt, den Satz aufgestellt, eine selbständige Laienkulturarbeit sei in der katholischen Kirche ausgeschloffen; wo man Laientätigkeit zulasse, fei diese nur geduldet und als Nothilfe gedacht; diese Tätigkeit bleibe aber immer eine ganz unselbständige und vom Klerus i abhängige, so daß bei katholischen Laien, die sich in dieser unselbständigen Rolle nicht gefallen könnten, eine Unlust, an sozial-kultureller Arbeit mitzuwirken, sich zeige. Diese Behauptungen enthalten ein kleines Körnlein Wahrheit, nämlich, daß der katholische Klerus gegenüber der Laienwelt eine autoritativere Stellung einnimmt, als die protestantische Geistlichkeit gegenüber ihren Glaubensgenossen. Die katholische Geistlichkeit verlangt für sich unbedingt eine Direktivgewalt auf dem Gebiete der eigentlichen Seelsorge; bezüglich der Werke der Barmherzigkeit hat sie die Freiheit der einzelnen nicht im mindesten eingeschränkt. Wenn sie die Ratschläge und Weisungen erteilt, wenn Klerus und Orden in cha- ritatioer Tätigkeit vielfach die ersten auf dem Plane sind, dann kann nur Unkenntnis ober Böswilligkeit hierin ein Zeichen klerikaler Herrsch- sucht suchen. Gerade dadurch gibt ja der KleruS der Laienweit auf charitativem Gebiete ein gutes Beispiel, dessen Nachahmung ihm nur willkommen ist. Und wenn katholische Laien bei Ausübung guter Werke gern Rat und Weisung bei der Geistlichkeit suchen, so ist daS seitens dieser Laien ein Akt weiser Vorsicht, damit sie in der Erfüllung einer guten Aufgabe auch sicher gehen.
Aber auch auf dem eigentlichen seelsorg- lichen Gebiete nimmt bte Kirche recht gerne die Dienste der Laien. Wo kämen wir hin, wenn nicht das christliche Elternhaus, wenn nicht katholische Lehrer die Geistlichen unterstützen würden? Warum sollte es die Geistlichkeit nicht mit der höchsten Freude aufnehmen, wenn Laien durch private Belehrungen verirrte Seelen der Kirche wieder zuführen wollen? Daß sich der Klerus hier eine gewisse Aufsicht Vorbehalten muß, damit nicht etwa aberglÄchjfche, schwärmerische Ideen verbreitet werden, versteht sich ja von selbst. Aus das Wie? des LaiSapostolatS kommen wir Samstag zurück. 11
Hohenlohesehe» afermehl verhütet Erbrechen und Durchfall. Kinder, die
Milch allein nicht vertragen, oder an englischer Krankheit leiden, gedeihen vorzflglidt, toOtid der Milch Hohenlohe'sches Hafermehl xugesetzt wird.
[] Sin sozial - karitatives Apostolat ter Laien.
i.
Unsere Zeit ist sozial interessiert, nicht nur in dem Sinne, daß man sich (vornehmlich auch auf katholischer Seite) in intensiver Weise um Wohl un Wehe der ärmeren Volksklaffen bekümmert, sondern auch mit Erfolg bemüht hat, weitere Kreise für deren Fragen zu interessieren und durch «eignete Organisation in den Dienst der guten Sache zu stellen. Gleichwohl erhebt sich die Frage: ^Erfüllen die deutschen Katholiken in der Gegenwart überall und in vollem Maße an den der Jilfe bedürftigen Mitmenschen jene Pflichten, welche ihnen der Glaube und die Rot der Zeit auserlegen?"
Im Verlage des Charitas-Verbandes zu Freiburg ist vor kurzem aus der Feder des Pros. Dr. Faßbender ein beherzigenswertesSchrist- chen erschienen (eine Erweiterung eines auf dem Charitastage zu Dortmund am 5. Oktober 1905 gehaltenen Vortrages), das den Titel führt: „Laien-Apostolat und Bolkspflege auf Grundlage der christlichen Charitas." Die hier niedergelegten Gedanken und Anregun-1 {en haben bereits unter berufenen Charitasfreun- en zu lebhaften Diskussionen geführt, und in der nächsten Zeit werden weitere Bemühungen einsetzen, um allenthalben für diese Ideen Propaganda zu machen und deren Verwirklichung nach Möglichkeit anzubahnen. Zur Aufklärung in dieser hochwichtigen Frage sollen auch die nachfolgenden Ausführungen dienen.
„Laien-Apostolat" ist ein Wort, das in unseren Sagen einen gut katholischen Klang hat. Wir haben das „Gebets-Apostolat", in welches Millionen Katholiken eingeschrieben sind; warum sollten nicht auch ungezählte Scharen von Laien als Apostel in sozial - charitativem Sinne wirken! Apostel sein heißt aber nicht bloß gelegentlich, sondern dauernd sich der Charitas widmen als Glied einer die Arbeit leitenden und verteilenden Organisation.
Welche Zwecke und Ziele soll nun dieses „Laienapostolat" sich setzen? Faßbender möchte darunter die Charitas im weitesten Sinne, die Werke sowohl der leiblichen als der geistlichen Barmherzigkeit, einbegriffen wissen. Es soll sich handeln um die Armen im allgemeinen, die Kranken, dann die besonderer Sorge Bedürftigen, I die Waisen, Gefährdeten, Krüppelhaften, Ge- sallenen, Strafentlassenen rc.; aber ganz besonders soll das Werk eine Art Seelsorge darstellen. Das größte Elend im Lichte des Glaubens ist bie sittliche und religiöse Verwilderung; aus diesem Elend einen Menschen entreißen, ihn dem Glauben und ter Tugend zurückgewinnen, das bedeutet mehr als Hungrige speisen. Und diese geistige Vlot ist mindestens so groß wie jene materielle. Nicht überall werden genaue Fest-1 Stellungen gemacht, wie viele Katholiken vom kirchlichen Leben fernbleiben, ihre Kinder einem andern Glauben zuführen ober religionslos heran wachsen lassen. Es wäre zu wünschen, wenn die kirchlichen Behörden allerorts, wie es bei den Protestanten Sitte ist, Zahl der Kirchenbesucher xnö Kommunikanten rc. feststellen ließe. Biele
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Verlag der siuldaer 2k»
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Aus öes Mes Armen.
Novelle von Marg. Schlichter.
(Nachdruck verboten.)
„Nun, wenn es ihr mit der Zurückweisung ernst wäre, so dürfte sie auch kein kostbares Ge- schenk von Haller annehmen, wie sie das kürzlich «och getan hat. Er hat ihr nämlich ein kostbares Armband geschenkt, wie ich zufällig erfahren habe."
Das war nun größtenteils gelogen. Elisabeth hatte dem Assessor nämlich ein Vielliebchen abgewonnen. Da hatte er ihr am folgenden Tage Ebers Roman „Der Kaiser" in sehr kostbarem Einbande gebracht. Nach vielem Sträuben hatte sie das Buch angenommen.
„Es mag ja fein", fuhr Hermine fort, „daß sie Haller noch ein wenig hinhält, weil fie hofft, Du kehrtest zu ihr zurück ,und Du bist doch jetzt die teffere Partie. Berechnend ist Elisabeth ja immer gewesen."
„So sprichst Du, ihre beste Freundin l — Elisabeth tut mir leib. Wenn fie berechnend wäre, würde sie anders gehandelt haben, als fie getan hat."
den Tage bot ihr einen Borwand, fich zeitig zurück- zuziehen. Joseph stand noch auf seinem Poste« und kam sich vor wie einet, der sich durch eigene Schuld auS einem glückumwobenen Eden hinausgestoßen ficht. Seine Stelle nahm ei« anderer ein; denn jetzt sah er, wie eine männliche Gestalt Elisabeth umarmte und zärtlich an sich zog. ES war nicht ter Affeffor, sondern Otto, ter feine Schwester umarmte. Wie unglücklich würde dieser gewesen fern, wenn et gewußt hätte, wie teuer seiner Schwester diese Liebkosung zu stehen kam. Joseph konnte ter Umarmung nur eine Deutung geben; und mit ter GewißheÜ, daß Elisabeth ihm unwiederbringlich verloren sei, stürmte er davon und suchte durch zielloses llncherirren in den jetzt stillen, menschenleeren Straßen feiner inneren Unruhe Herr zu werden. Man würde aber dennoch bei seiner Rückkehr im Hause seines Brüters bemerkt habe«, daß etwas Außergewöhnliches ihn erregte, tonte man dort nicht selber in großer Aufregung gewesen. Klein Elsbeth, die am Morgen wieder Wohler gewesen war, hatte am Nachmittag über starke Halsschmerzen geklagt, und der sofort herbeigerufene Arzt hatte erklärt, es Rege ei« allerdings noch schwacher Anfall von Diphteri- tii vor. Unter diesen Umständen konnte Joseph nicht, wie er vor hatte, schon am folgenden Tage wieder abreifen: er wollte vielmehr erst den Berkaus ter Krankheit abwarten. Indessen schrieb er noch am selben Abend eine Karte an Konsul Hiller in Santander des Inhalts, daß das Gemälde „Adams Gesicht" zu seiner Verfügung stehe, und acht Tage später trat dasselbe die Steife nach Spanien an.
AlS Elisabeth an andern Morgen zur Kirche ging, begegnete ihr Klein Elsbeths Wärterin, von der sie erfuhr, daß üjr Patenkind schwer erkrankt sei. Sie erklärte, daß sie im Kaufe des Nachmittags kommen wolle, um sich nach ter Kleinen Nni-u sehen.
(Fortsetzung folgt!