ari»ei*t täglich, mit Ausnahme oet Sonn« uni ^eititogt. Viertel» jä:,?L Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Hulda und auswärts i Uli. 50 pfg.
Verantwortlicher Schriftleiter:3 Baum;
Zul-aer
3. parlier in Hulda. wochenberlage:„Jllustrierte§onntagszeitllNg"
In zeigen: Vie ein spaltige petitzeile »der deren Kaum 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird eutfpr. Rabatt gewährt.
Retatlousbrnd tu Verlag der Huldaer Le- tienorurierei tu Hulda. Herufprecher to.
i JV3 99.
!
Fulda, Dienstag den L Mai 1906.
33, Jahrgang.
Erstes Matt
veuisches Reich.
Berlin, den 30. April 1906.
* Eine Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard von England wird wieder einmal in englischen Blättern angekündigt und zwar für den Monat September. Tie Begegnung soll angeblich in Darmstadt stattfinden, was den Schluß nahelegt, daß auch der Zar sich an dieser Begegnung beteiligen würde. Bon halboffiziöser Seite wird versichert, daß diese Meldung nur eine Kombination sei, und daß irgend eine Fühlung zwischen den beteiligten Höfen hinsichtlich einer Monarchenbegegnung noch nicht eingeleitet sei. Die Meldungen über eine Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard scheinen in der englischen Presie nachgerade nur noch zu dem Zweck ausgebracht zu werden, um nachher als falsch bezeichnet zu werden.
* Für das diesjährige Kaisermanöver sind folgende Bestimmungen getroffen: Freitag den 7. September findet die Parade des 6. Armeekorps auf dem (Sanbauer Exerzierplätze bei Bres-1 lau vor dem Kaiser statt. Samstag den 8. bleibt der Kaiser m Breslau. Sonntag den 9. wird dort em Feldgoltesdienst abgehalten. Montag den 10. rücken die Truppenteile des 6. Korps im Krtegsmarsche nach dem Manöoergelände aus, auf welch«» Dienstag den 11., Mittwoch den 12. und Donnerstag den 13. die Feldmanöver veranstaltet werden. Daran schließt sich aiq 14. und 15. September die Entlassung der Reserven.
* Das Leichenbegängnis des Ministers von Budde, das morgen (Dienstag) mittag statt- findet, wird sich zu einer imposanten Kundgebung I
I leistung herangezogen werden soll oder nicht, kann schon jetzt als im bejahenden Sinne entschieden betrachtet werden. Die Einwendungen und Lamentationen der Großbrauereien haben im Reichstage ebensowenig Eindruck gemacht, wie die Prophezeihungen über eine drohende Beeinträchtigung des Bierkonsums und die daraus sich ergebende Steigerung des Schnapsgenuffes. Die Verbündeten Regierungen waren in der Lage, den schon geführten Nachweis über die Gewinne der Großbrauereien und der Wirte am Bier noch zu verstärken, und wer heute noch von der Not- wendigkeit einer Abwälzung der in Aussicht genommenen Mehrbelastung der Brauereien auf das Publikum spricht, oder gar von einer unge- rechten Belastung eines einzelnen Gewerbezweiges, macht sich zweifellos einer bewußten Unwahrheit schuldig.
Der Nachweis der Tatsache, daß von einer Belastung des Bierkonsums durch die neue Steuer keine Rede sein kann, weist auch die Redereien über eine Verleugnung des § 6 des Flottenge- setzeS durch das Zentrum in das Gebiet der Er- findungm ober der Verleumdungen. Keine Partei hat es bei der Gestattung der Brau- fteuer mit der sozialpolitischen Forderung einer Entlastung der minderleistungS- fähigen Schultern ernster genommen, als das Zentrum, und dadurch, daß eine Form der Steuer gefunden wurde, welche die Abwälzung der Mehrbelastung auf daS konsumierende Publikum ausschließt, hat daS Zentrum den § 6 des Flottengesetzes in voller Wirksamkeit erhalten.
kleinen Paketen beladen, darauf bedacht, möglichst schnell seine Behausung zu erreichen. Jetzt stand Joseph vor Elisabeths Geschäft. Ihr Geschäft! Seine Stirne umwölkte sich bei dem bloßen Gedanken daran, auf welche Weise seine schöne, angebetete Elisabeth sich diese Jahre hindurch ihr Brot verdient batte. Welch ein prosaisches Dasein, dachte er, gegenüber seinem auf das Ideale gerichteten Künstlertum 1 Aber dennoch konnte er ihr j feine Buwundernng nicht versagen; ste hatte ge» j bandelt, wie wohl weinige in ähnlicher Lage gehandelt haben würden. Er sah, wie die Kunden kamen
| und gingen. Tie Auslagen im Schaufenster ließen i Spalten genug frei, durch die er beobachten konnte, I wie man sich geschäftig hin und her bewegte.
| Jetzt tret eine Pause ein. Nur zwei Säuferin- | neu waren im Lokal anwesend, die von einer der Gehülsinnen bedient wurden. Hochaufgestapelt lagen die Waren auf dem »Ladentisch. Und jetzt sah er auch diejenige, die fein Auge suchte. Müde und matt ließ sie sich auf einen Stuhl nieder und hielt die Hand an die schmerzende Stirn. Tie Arbeit der letzten Tage batte ihre Kräfte fast überstiegen. Aber sie durfte nicht ruhen. Joseph glaubte den Seufzer zu hören, der sich ihren halb geöffneten Lippen entrang, wie sie jetzt damit begann, die Sachen zu ordnen. Unverwandt ruhte sein Blick auf ihren geliebten Zügen. Wie gerne hätte er sie auf seine Arme genommen, sie hinweg- getragen über die Dornen des Lebens zu einem stillen, weltentrückten Eden des Friedens, wo, beschützt von seiner Liebe, Leid und Schmerz sich nimmer erreichen könnten. Gewaltsam riß er sich los und kehrte zur Wohnung seines Bruders zurück. Man hatte bereits auf ihn gewartet, und gleich darauf verkündete die durchs ganze Haus tönende Schelle, daß das von klein Elsbeth so ungeduldig erwartete Christkindchen gekommen sei. Wie reizend sah das Kind aus mit seinen vor Aufregung und Freude glühenden Bäckchen und den großen strahlenden Augen! Des Künstlers Auge ruhte voll Entzücken auf dem holden Ge
i I der Teilnahme für den Verstorbenen gestatten, i Der Kaiser hat den Kronprinzen mü seiner Ver- 1 tretung bei der im Konferenzsaal des Eisenbahn- i Ministeriums stattfindenden Trauerfeier beauftragt. - Der Reichskanzler Fürst Bülow, der an die Gemahlin des verstorbenen Minister- ein in warmen Worten gehaltenes Beileibschreiben richtete, wirb bei ber Trauerfeier durch den Chef der Reichskanzlei, Wirkl. Geheimen Oberregierungsrat von Soeben vertreten werden. Die Beteiligung der Beamten und Arbeiter der Eisenbahn an der Leichenfeier dürfte ungewöhnlich groß sein. Die 21 Eisenbahndirektionen werden Deputationen nach Berlin entsenden, die Kränze Überbringen. Von dem Eisenbahndirektionsbezirk Berlin sind 3200 Beamte und Arbeiter an dem Leichenbegängnis beteiligt Beamte und Arbeiter bilden Spalier in den Straßen, die der Leichenzug vom Etsenbahnministerium nach dem Anhalter Bahnhof passieren wird. Der Sarg mit den sterb- lichen Ueberresten des Minister- wird mit dem fahrplanmäßig nach Köln abgehenden Zuge um 3 Uhr nachmittags befördert Er soll in BenS- berg bei Köln, dem Geburtsort Buddes, beigesetzt werben.
* Heber den Nachfolger des verstorbenen Eisenbahnministers von Budde ergehen sich die Blätter in den verschiedenartigsten Kombinationen. Vielfach nimmt man an, der neue Minister werde wiederum aus den Kreisen der militärischen Eisenbahner genommen werden. Vor I allem sollen in Betracht kommen der frühere Kommandeur ber Eisenbahnbrigade, General- leutnant z. D. von Schubert, der Schwiegersohn des verstorbenen Abgeordneten Freihr. von Stumm, der zur Zeit dem Abgeordnetenhause angehört, ferner der Inspekteur der Verkehrstruppen, Generalleutnant von Werneburg. Außerdem werden genannt der Landrat von Stubenrauch, der Generaldirektor des 9lorbb. Lloyd Dr. Wiegand und Kapitän zur See a. D. Grumme.
* Der frühere russische Botschafter in Berlin, Graf Schmvaloff, der sich, wie erinnerlich im Dezember v. I. tu Berlin einer Operation unterzogen hatte und bann an bie Riviera gereift war, ist mit sehr gekräftigter Gesunbheit aus Nizza wieder in Berlin eingetroffen. Er wird zunächst etwa vier Wochen hier verweilen unb später voraussichtlich bauernden Aufenthalt hier nehmen.
* Zu dem Professoren-Protest gegen daS preußische Volksschulunter haltungsge- setz wacht die ,Nat.-Zlg/ eine Bemerkung, die | von einem gewissen Interesse ist, weil sie von nationa l liberaler Seite stammte. Die ,Nat.-Ztg/, welche den Protest mit sämtlichen Unterschriften zum Abdruck bringt, hält es nicht der Mühe wert, sich mit dem Protest noch näher zu befassen. Ja, sie gibt sogar zu erkennen, daß sie mit dem Protest nicht übereinstimmt. Das Blatt schreibt nämlich: »Es hätte in dem j Stadium, in welchem sich der Kampf um das Schuluisterhaltungsgefetz heute befindet, keinen Zweck mehr, wenn wir früher Getagtes wiederholen und z. B. in eine Prüfung darüber ein« treten wollten, ob uns bte Kritik des Protestes an den konfessionellen Bestimmungen der Vorlage in allen Teilen berechtigt erscheint." Im Munde der,Nat.°Ztg/ ist das eine bemerkenswerte Kritik an den Auslassungen der Professoren über die „partikular-konfessioneüen Bestrebungen", denen das Volkstchulunterhallungsgefetz angeblich dienen soll. ।
iDie Sleilergejetze im Reichstage.
Tie Steuerkommission ist mit der Beratung ber Steuergesetze dis auf das sogenannte Mantelgesetz fertig. Die Berichte über die einzelnen Eteueroorlagen sind zum Teil bereits ausgegeben, ^um Teil werden sie in den nächsten Tagen von der Kommission festgestellt werden. Der Reichs- tag hat die vollständige Beendigung der Kom- missionsarbeiten nicht abgewartet, sondern, um keine Zeit zu verlieren, schon jetzt mit der Beratung der einzelnen Steuernovellen begonnen, und zwar zunächst mit der Beratung der Brau st euer.
Die Debatten darüber waren am heuttgen ersten Verhandlungstage ziemlich matt, aber trotzdem von einer gewissen Bedeutung, da sie vor allem die Stellungnahme der Verbündeten Regierungen zu der Arbeit der Kom- Mission erkennen ließen. Nichts kann den Wechsel in den Anschauungen der Verbündeten Regierungen zu der Steuerfrage im ganzen besser kennzeichnen, als ein Vergleich zwischen dem Auf- treten de- Reichsschatzsekretärs bei der ersten Lesung der Steuervorlagen und der jetzigen zweiten Beratung derselben. Wenn auch die, Reoewendung von einem „Ultimatum" der Verbündeten Regierungen bereits früher zurückgenommen worden ist, so hat sich doch das Wort von dem „unteilbaren Ganzen", das die Steuervorlagen im Sinne der Verbündeten Regierungen darstellen foHten, auS der Begründung der Vorlagen recht lange noch in die öffentliche Dis- ktission hinübergerettet. Aber auch dieses Wort ist jetzt vollständig nergessen. Freiherr von Stengel brachte es in der Reichstagssitzung vom Montag nicht nur fertig, ber Steuerkom- mission den offiziellen Dank der Verbündeten Regierungen für ihre Arbeit auszusprechen, sondern trat selbst als der eifrigste Verteidiger der Komnttssionsbeschlüffe in die Schranken. Einem Anträge des Zentrumsabgeordneten Speck gegenüber, der durch eine anberroeite Fassung der Brausteuerstaffel eine weitergehende Entlastung der mittleren und kleinen Brauereien herbei,ühren will, berief sich der Staatssekretär direkt auf bas „Kompromiß ber Parteien in der Kommission". Er bezeichnete ben in bem Antrag Speck enthaltenen „Abfall von bem Kompromiß" al- weit bedenklicher noch, als den Ausfall von 4'/t Millionen Mark, den der Antrag herbeiführen würbe.
Dieie Stellungnahme des Staatssekretärs und der Verbündeten Regierungen läßt daraus schließen, daß von Regierungtzsette den Vorschlägen der Kommission im großen unb ganzen keine besonderen Schwierigkeiten mehr werden entgegen zesetzt werden. WaS die Stimmung im Reichstage selbst arJangt, so darf man wohl hinsichtlich der Bi au, teuer annehmen, daß sich eine starke Mehrheit für die Vorschläge der Kom- mtiftoH mit oder ohne die durch ben Antrag Epeck gewünschten Aenberungen ergeben wirb, te« fehlt gewiß nicht an prinzipiellen Gegnern j-oer Mehrbelastung bis Brauereigewerbes, aber l ie Zahl dieser Gegner ist zu gering, als das sie ertittlich noch tn Betracht kommen könnte. Die i Hauptfrage, ob das Bier stärker zur Steuer- '
ber lichten Engelsgestalten glich, die auf den Dar- stellungen ber Geburt des göttlichen Kindes bü Krippe umschweben unb in himmlischen Gesängen den Tribut ihrer Anbetung barbringen. £), wer doch noch bie Fähigkeit hätte, sich wie ein unschuldiges Kinb zu freuen l dachte Joseph immer wieder. Don dem Kinde schweifte sein Auge zur Schwägerin hinüber, die sich gar keine Mühe gab, eS ihrem Gatten zu verhehlen, wie übel gelaunt sie war, weil er es mit ber Auswahl der Geschenke für sie wieder gar nicht getroffen hatte. Die Brosche mit bem großen Solitair in der Mitte war zu steif, das kostbare Seidenkleid hatte nicht die gewünschte Farbe unb waS dergleichen Ausstellungen mehr waren. Dabei war sie ungezogen genug, sich sehr enthusiastisch über ein Paar japanischer Vasen zu äußern, die ihr Schwager ihr geschenkt hatte. Ihr armer Mann, hatte er es ihr überhaupt wohl je einmal nach Wunsch gemacht? Er beachtete aber I nicht die üble Laune seiner Frau. Sein Blick ruhte vielmehr doll Sorge aus Klein-Elsbeth; des Kindes Bäckchen glühten jetzt wie vom Fieber gerötet, unb die kleinen Beinchen hatten schon längst attfgehört, so geschäftig hin und her zu trippeln.
„Papa, Elsbeth müde, Elsbeth und Püppchen schlafen!" sagte das Kind, und ber besorgte Vater hob es auf unb wiegte es eine Seit lang auf den Knieen.
»Sink» Sie heute mit bem Kinde ausgewesen?" fragte er die Wärterin.
Diese nickte. „Nur ein Weilchen in der Mittagszeit."
„Das hätten Sie lieber nicht tun sollen bet dieser Kälte. Bringen Sie die Kleine jetzt zu Bett und sollte sie in der Nacht unruhig werden, so wecken Sie mich."
Des Vaters Sorge um feinen Liebling war nicht so ganz- unbegründet. Die DiphterttiS herrschte zur Zett wie ein verheerender Würgengel unter ber Kinderwelt. So manche kleine Leiche
aber angeführt werden, daß er damals selbst ber- I mögenslos und feine Zukunft noch unsicher war.
Daß er aber seine alte Liebe noch nicht vergessen hat, beweist dies Bild."
„Sie muß ihn aber auch noch nicht vergessen I haben, sonst würde sie die Bewerbungen meines Freundes Haller nicht so hartnäckig zurückweisen. Der arme Kerl ist ganz unglücklich darüber, daß seine Liebe nicht erwidert wird."
Hiernach entfernten sich die beiden, den stillen Lauscher in unbeschreiblicher Aufregung zurück- lassend. Ach, wenn es doch Wahrheit wäre, was er soeben vernommen! Demütig wollte er sie um Set- zeihung bitten und von ihren Lippen das Geständ- nis hören, daß sie ihm treu geblieben, trotz der Härte, mit der er sich von ihr gewandt hatte. Noch । am salben Abend schrieb er seinem Bruder, daß er seiner freundlichen Einladung folgen unb das Weihnachtsfeft mit ihnen verleben wolle. Zwei Tage darauf traf er in M. ein. ES war der I heilige Abend. Natürlich konnte er sich vor dem I Feste Elisabeth nicht nähern, deshalb mußte er seine Ungeduld zügeln. Es litt ihn aber nicht zu House; bis zu der für den Abend angesetzten Bescherung hatte er noch eine Stunde Zeit, unb diese toonte er benutzen, den Weg zu ihrer Wohnung ein- zuschlagen. Bielleicht gelang es ihm, sie von der Straße aus zu sehen, und damit wollte er sich I wr heute zufrieden geben. Nur gut, daß seine Schwagerm die Hilfe ihres Bruders bei ber Her- richtuna des Weihnachtstisches in Anspruch nahm; so würde man seine Abwesenheit nicht vermißen. Es war fünf Uhr abends. Von Turm zu Turm kündeten die Weihnachtsglockne den Frieden Gottes dem nach Frieden unb Glück hungernden Menschengeschlechte. Einen Augenblick verweilte Joseph auf feinem Wege in der dämmernden Halle des hohen Domes, an dem ihn sein Weg vorüber- führte. Wie ruhig, friedlich unb still war es hier, während draußen die Menge in hastiger Eile hin und her wogte, bald den Geschäften zustrebend, wo man die bis zur letzten Stunde verschobenen Einkäufe besorgen wollte, bald mit großen unb
I *» Der unerlaubte Handel mit Militär- > gewehren, der von Spandau au5 betrieben war« > den ist, hat zu einer neuen Verhaftung geführt.
Ein angesehener Kaufmann in Spandau ist in 1 Untersuchungshaft genommen, well cr den 23er» l trieb von Vertrieb von Jnfanteriegewehren, 1 Modell 71, jahrelang betrieben hat. Bei dem Verhafteten sind zahlreiche Schriftstücke, die sich aus : den unerlaubten Waffenhandel beziehen, beschlag, ' nahmt worden. Ein kürzlich in derselben Sach« verhafteter Zeugoffizier der Spandauer Garnison ist jetzt wegen Geisteskrankheit in das Lazarett ausgenommen. Mit der Führung der Untersuchung ist ein Landrichter aus Posen beauftragt, welcher bereit- in Spandau eingetroffen ist. Der Verkauf aller Waffen au» den Depots ist seit geraumer Zett gänzlich eingestellt.
L. A. „CathoUoa sunt, non leguntur.* (WaS katholisch ist, wird einfach nicht gelesen.) Nach diesem Grundsätze handelt man leider meistens in nichtkatholischen Kreisen; selbst solche, die Anspruch auf höhere Bildung machen und so sehr auf ihre freie Forschung pochen, glauben alle Erzeugniffe der katholischen Literatur einfach unbeachtet lasten zu müssen. Das ist der Grund der troffen Unwissenheit, die man fast durchgehend- bei Protestanten, selbst sonst gutgesinnten und gläubigen findet, wo es sich um katholische Dinge handelt. Daran- erklärt sich ober auch die immer wiederkehrende Behauptung, die Katholiken seien „rückständige" und „inferiore" Leute. DaS wird so oft unb so laut in die Well hlnausgemfen, daß schließlich selbst viele Katholiken darauf hereinfallen und glauben, um „ge- bildet" zu sein dezw. zu scheinen, müsse man sich nur mit nichtkatholischer Literatur umgeben, weil wir Katholiken „nicht- Entsprechende-", «nicht- EbenbürtigeS", nicht- „auf der Höhe Stehende-" haben und wie die anderen EntschulbigungS» Phrasen sonst noch heißen mögen. Da ist eS doch interessant, wenn man auf einmal eine Ausnahme von diesem System de- TodschweigenS feststellen kann. ES betrifft daS Werk deS Bischofs von Rottenburg, Paul v. Keppler: „Aus Kunst und Leben." Da- Litrar. Zentraldlattt, eine hochangesehene kritische Zeitschrift, die, wie man sich leicht denken kann, für den „UltramontaniS- muS" nur wenig übrig hat, schreibt über diese- schöne Buch des geistreichen Verfasser- am Schluffe seiner Rezension: „Der Bischof von Rottenburg ist einer unserer gelehrtesten und geschmackvollsten Männer." Noch gar mancher katholische Schriftsteller würde ein j gleiche- Lob verdienen; aber meisten- werden sie totgeschwiegen unb dann lästert unb verkleinert man, was man nicht kennt bezw. nicht kennen will.
’ Die polnische Landtagsfraktion beabsichtigt, wie eS heißt, im Abgeordnelenhause eine Interpellation roegen des Boykotts polnischer Geschälte durch bte Behörden, insbesondere durch die Ansiedelungskommisfion einzubringen. Von ber Ansiedelungskommisson, hat die Parteileitung ein Rundschreiben an sämtliche fiskalischen Gutsverwalter in Händen, worin diese aufgeforbed werben, ihrer nationalen Pflicht bewußt zu sein, nur beutsche Geschäfte unb Handwerker in Nahrung zu setzen und nicht Polen zu unterstützen. Damit die deutschen Geschäfte bekannt würden, werbe dem amtlichen Anzeiger eine Tafel empfehlenswerter deutscher Geschäfte beigegeben und allen Guts vermal» ern zugestellt werden. DaS Schreiben
Ass -es Todes Armen.
Novelle von Marg. Schlichter.
(Nachdruck verboten.)
, „Sa, Sie haben recht, e- ist ein großartiges fSemalbc; man wird nicht müde, es anzuschauen. Milton durfte mit der Interpretation seines @e- AanfenS zufrieden fein."
„Ja aber er würde es doch nicht sehen können, der große Dichter, der an einer Stelle feiner Dich- rl'9 JVü(,renb über den Verlust seines Augen- ttchres klagt, aber dankbar anerkennt, daß feiner Seele dafür em soviel hellerer Mick in eine Welt gegeben ,er. bie erhaben über die sinnlichen Dinge ^'Eser Erde, die Heimat des Schönen und Jdea- len i|t.
Der Assessor hatte bag letzte kaum gehört: sein «uge ruhte aus dem Antlitz des Engels, als ob er ftd) auf etwas beiinnen müsse; aber sein Gcdächt- suis liefe ihn im Stich.
„Aber Berthold, helfen Sie mir doch mal auf «Sprünge: der Engel erinnert mich an ein Besicht, das ich noch kürzlich gesehen habe; es will iJnir aber gar nicht einfallen, wer es ist." , . -Der Engel? - Wahrhaftig sie ist eS. Fräu- j lein Hellwich ist es, die schöne Elisabeth Hellwich, mnb nun kann ich mir auch die Achnlichkcit erklären.
. .Potztausend, Doktor, baß ich nicht gleich daran sichte; ich bin ja noch vorige Woche bei ihr im Geichaft gewesen. Aber waZ für eine Bewandnis hat es nut dieser Aehnlichkeit, die Ihrer Meinung »ach also feine zufällige ist?"
i -ßrine andere, als daß Brandau früher sterblich verliebt in Fräulein Hellwich war; man meint jogar, sie seien heimlich bericht gewesen." Mädchen'? W ste aufgegeben, das schöne , «Ja, und zwar zur Zeit, als sie ihr Vermögen sverloren batte. Zu seiner Entschuldigung mag
„ ........------ — war in den letzten Tagen hinausgetragen toorben
scheuchen, das tn feinem Weißen Kleidchen einer zuin ftiEen Friedhof; so manches füfee, liebe Ge-