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Rotati onztzrnck n. Verlag der Fuldaer Ae> tienbrutterel in Xulba.

Sernipre.ijer Nr. 9.

M 98.

Fulda, Montag den 30. April 1906.

33. Jahrgang.

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MdieMmteMiLFM nehmen alle Postanstalten, Brrefträaer nnd ZeitungstrSg« Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung' entgegen. Preis für diese beiden Monate

kl c. Vater fieht'r |a nicht.

Bon Henr. Becher.

Nachdruck nicht gestattet.

Nur wenige Besucher waren erst in dem hüb­schen, kleinen Theater, das ehedem, zu des ge­wesenen Serenissimi Zeiten, als prunkvolles Schloßtheat« im Barockstil erbaut worden war. Mit dem Logenschlteß« war schon die schlichte, Ulte Frau mit dem müden, von vielen Sorgen- kalten durchrunzelten Großmuttergesicht herem- gekommen und saß nun erwartungsvoll im Hinter- "gründ der Parterreloge. Es lag ein Ausdruck festlicher Vorfreude um die guten grauen Augen, um den eingesunkenen Mund, der daS vergrämte Antlitz verjüngte. Festlich war auch die, wie man wohl merken konnte, der Trägerin ungewohnte reiche Kleidung, die schwarze Seidenblouse, der Samt-Capote-Hut, der aber einen hübschen Kon- traft zu dem weißen Scheitelhaar abgab. DaS hatte Snila so habe« wollen; sie müsse anständig und nobel auftreten als Mutter der Künstlerin.

Der Künstlerini Stolz leuchtete es wieder auf in den tiefliegenden Augen. Das wußten die ja alle nichtz die nach und nach die Plätze füllten, daß die einfache, stille Frau, die sich so bescheiden im Hintergrund hielt, die Mutter der gefeierten Künstlerin war, die daS Gastspiel gab. Sie selbst hatte es kaum glaube« wollen, daß das ihre Emilie, ihre Snila war, die elegante, vornehme Dame, die sie gestern besuchte. Ge­schrieben hatte sie der Mutt« ja imm«, daß es ihr gut gehe und daß sie bewundert und ge- feieit werde, hatte wohl auch Geld geschickt, daß die Mutt« sich'S in ihren allen Tagen gut sein kaffen könne, ab« sie hatte doch kaum ihren Augen trauen wollen, als der Wagen vor dem -Häuschen hielt, in dem sie die Parterrewohnung inne hatte. Und die seidenrauschende Dame mit den schleppenden Gewändern war ja wirkUch und wahrhaftig die Snila, und doch wieder anders, ganz anders wie früh«. DaS brünette Gesicht war so schmal und fein geworden, die Augen so groß, und das schwarze Haar so meriwürdig tief in Scheiteln in die Stirne gekämmt und mit Brillantagraffen zurückqehalten, dazu der große Federnhut und die silbernen Halbmondohrringe — bw Snila war eS wohl, und doch eine an­dere als das frische, junge Kind, das vor Jahren von ihr gegangen.

Aber a!S sie inS Lachen und Plaud«n kam und manchmal vergaß, so nobles Hochdeutsch zu sprechen und von früher sprach, als Vater noch lebte, da ging bet Alten doch daS Herz auf. Heimlich, ganz heimlich zog sie die Brille aus, daß sie alles das nicht sah, was sie störte und verwirrte und nur die Stimme ihr so traulich in den Obren klang, die Stimme, dte ihrem lieben Kinde gehörte.

Und lustig war sie die Snila, konnte lachen, daß es einem fast ein bischen in den Ohren gellte und so viel «zähte« von Anbetern und Vergnügen, von schönen Geschenken und fidelen Souperschen, daß es Mutter Feldmann ganz toll im alten Kopfe wurde. Und so fein, so feint Wenn sie durch die einfache, aber peinlich saubere Stube ging, hob sie ihr reiches Kleid überhoch und staunte die schlichten Möbel so ungläubig naiv an: „In so etwas fühlte man sich einmal zufrieden und behaglich!" Ein bischen leid tat daS doch d« Mutt«; e- gab ihr einen Stich in gute Herz, das so treu an d« Bergangen- hett hing. Ab« freilich; die Snila war jetzt eine große Künstlerin; mit der durste man nicht rechten wie mit gewöhnlichen Bürgersleuten; und ihr Kind, ihr liebes Kind war fie doch, wenn sie auch nobel im Hotel wohnte und in Equipagen fuhr, daS zeigte ihr d« herzliche Abschiedskuß, üb« dem sie die Kohlenstriche an den Augen, Pud« und das auffälllge Benehmen, das wohl Hur Künstlerin gehört, vergaß.

»Gelt, Mutt«! dar hättest Du nicht geglaubt, daß ich eS einmal so weit brächte" hatte Snila neckisch in ihr« alten lustigen Art gefragt, und fie mußte ihr Recht geben. Zur Modistin hatte sie das Kind bestimmt, weil es solch ein Geschick in bat Fingern hatte und aus ein paar Lappen etwas zurecht stutzen konnte, was ihrem hübschen Gesicht allerliebst stand. Vat« war damals schon pensioniert gewesen; die Kind« mußten alle etwas lernen.

Die Snila! Der Vater war nicht zufrieden sgewese« mit d« Putzmacherei: das Mädel be­

Zweites Mtatt.

käme nur dumme Töne in den eitel« Kopf, imm« eine andere Frisur, immer einen neuen Hut und imm« leichtfertige Melodien. Ganz Unrecht hatte er ja nicht; ab« das Kind war doch nun einmal jung, unb so duldete sie denn, wenn auch mit schlechtem Gewiffen, allechand Heimlichkeiten, um den Gatten, d« in Manchem etwas altmodische Ansichten hatte, nicht aufzuregen. Das Mädel hatte eine solche unwiderstehliche Art, ihr etwas abzuschmeicheln, daß sie öfter nachgab, als ihr lieb: nur wenn Snila in einer so merkwürdigen Werft: „Vat« sieht's ja nicht" sagte, ärgerte sie sich, obwohl diese ihr versicherte, daß das in einem schönen Theaterstück vorkomme und gar- nicht unfein sei. Und gestern hatte Snila ihr gesagt: „Und wenn Du morgen ins Theater gehen willst, kamst Du mich als Dame in einer mein« Glanzrollm sehen. Weißt Du, das ist die Heldin, die immer „Bat« sieht's ja nicht" sagt, was Du früher gar nicht haben konntest."

Natürlich wollte sie. Und wenn das Stück auf dem Theat« gegeben wurde, mußte es auch schön und fein fein. Gott ja; dir Welt ist heut­zutage and«s wie vor vierzig Iahten. Schade nur, daß Vat« nicht mehr «leben durste, wie gut es feiner Jüngsten ging?

Das Theat« hat sich mehr und mehr gefüllt; die hohen Lustres leuchten intensiver auf; die glänzende Gold- und Farbenpracht blendet die einfache Frau; es ist ja wie im Märchen.

Die Vorderplätze sind schon alle besetzt; nun nimmt ein eleganter Herr auf dem Rückplatz neben ihr Platz und begrüßt die beiden vor ihm sitzenden Damen. Freundlich winken diese zurück.

„Wollen Sie sich auch die Felmandi ansehen, Harry, fragt die Stottere, eine hübsche Blondine lächelnd.

„O ja, interessiert mich sehr!" «widert dieser mit ausländischen Akzent, seine blonden Schnurr- bartenben emporzwirbelnd.

„Nun, Sie haben Sie ja wohl gut gekannt!" Die Blondine zwinkert verständnisinnig zu ihm h«auf, während die dunklere Nachbarin scherz­haft entrüstet mit dem Fächer nach ihr schlägt: „Pfui, Line, wie indiskret! Ab« d« tadellose Elegant zwinkert vergnüglich wied«. Beteu«nd legt « die Hand auf seine prächtige Brokat weste: „Ich war immer Beschütz« der Jugend und Unschuld."

Die brünette Dame droht dem Engländ« mit dem Fächer: „Sie sind ein Schrverenöter." Frau Feldmann versteht zwar nicht weshalb; ab« mit einem Male fühlt sie sich ganz behaglich mit dem fremden Herrn, d« ihre Snila gut gekannt hatte. Und die Damen schienen auch so freundlich; die Blonde sagte jetzt wird«: „Sippat ist großartig als d« junge Herzog. Sie muffen ihn in seinem Mienenspiel einmal beobachten, einfach großartig." Da suchte sie auch aus dem Zettel nach dem Namen und nahm sich vor, diesen Lippert zu beobachten.

Während der Vorstellung saß sie ganz mäuschenstill. Sie brauchte nicht das Glas an die Augen zu halten wie die and«n. Ihre alten Augen waren weitsichtig und folgten jeder Bewegung ihres Kindes mit Aufmerksamkeit: fast hätte sie Snila nicht erkannt. Das machte bte rotblonde Perücke, die aber zu den schwarzen Sammetaugen und dem geschminkten Gesicht vor­züglich stand. Bildhübsch sah sie aus, die Snila, Aber die Toilette und das Benehmen! Glutheiß war es d« Frau ein paarmal ins welke Gesicht geschoffen; so zeigte sich ihr Kind vor allen Augen? Ab« das war »vohl der Ton der großen Wett. Snila hatte ihr gesagt, das Stück spiele in ben ernsten Kreisen. Nein, daran würde sie sich nie gewöhnen können. Diese Dame von ......D« Vorhang fiel. Der junge He« beugte sich vor: „Nun, was sagen Sie, meine Damen? Schließlich hat meine alte Flamme doch Talent."

„Talent?" H«be fiel "e3 von den Lippen her Blonden. Nein, Talent hat sie nicht; wohl ab« ein freies, dreistes Auftreten, eine Sicher- heit, die ein« befiern Sache wert wäre. Und dann — sie spielt eben sich selbst in dieser . .. na! Damenrolle!!"

„Hübsch war sie immer", ergänzte bte brü­nette; „entzückend hübsch, aber ebenso dreist und kokett und — frech. Ich kannte sie von b« Straße, ein infames Ding. Dabei soll sie von anständigen Eltern stammen. Lipp«t hat wohl ihr sogenanntes Talent entdeckt. Er war ja ein« von den Vielen, b« sich ihr« Gunst rühmen konnte." Wied« hob sich d« Vorhang und fiel. An der alten Frau zit erte nnd bebte alles vor Schmerz und Erregung. Unbarmherzig sprachen die Stimmen weit«: „Woher sie nur die fabel­haften Toilietten hat?"

„Man munkelt hi« von dem Banki« Stein«; andere nennen einen reichen Berlin« Juden. Natürlich schließt daS eine das andere nicht auS. Eine Person wie die Feldmann muß ja an jedem Fing« einen haben, um ihre Wünsche zu befrie­digen. Sie funkelt ja von Brillanten. Steiners 5rau ist verreist; da kamt « ungeniert den Galanten bei fein« früheren Geliebten spielen. Sahen Sie ihn im Hintergrund der Loge, und sahen Sie, wie ihre Blicke imm« zu ihm gingen? Die arme, junge Frau!"

Steiner?Hatte so nicht b« „väterliche Freunb" geheißen, b« sie damals überredet hatte, das

vermischtes.

6 Brüssel, 28. April 1906. Der ehemalige Dolmetscher der westfälischen Retter in Cour- riereS, der Schweizer Heierlei, ist infolge Ver­sagens seines Apparates bei den Bergungs-Ope» rationen im Schacht 4 erstickt.

* Ei« Besuch bei ein« Hundertachtzehnjähri­gen. Vor einigen Wochen vollendete in einem ab­gelegenen Dörflern des unteren bayerischen Wal­des, in Spitzendorf bei Fürsteneck, eine Frau ihr 118. Lebensjahr. Josepha Eder, so heißt das alte Mütterlein, dürfte wohl die älteste Frau Deutsch­lands, vielleicht Europas, sein. Es ist ja «richt selten, daß man von recht alt gewordenen Leuten hört, aber in den meisten Fällen ist es nicht ge­lungen, auch ben authentischen Beweis für dieses hohe Alter zu erbringen. Anders bei Josescha Eder. Hier weisen Kirchenbuch und gemeindliche Bestätigungen aus, daß sie am 19. März 1788 ge­boren ist. Eilt Mitarbeiter der Augsburger Post- zeitung besuchte vor einigen Tagen die Greisin in ihrem bescheidenen Heim und fand sie — es war ein sonniger Tag — vor ihrem Häuschen fitzend und sich der warmen Frühlingssonne erfreuend. Sje ist «roch recht rüstig, das alte Mütterlein mit dem verrunzelten hageren Gesicht und der mittel­großen, noch wenig gebeugten Gestalt, so rüstig, daß fie vor einem Jahre noch, wie ihre Angehöri­ger« erzählen, nach dem über eine Stunde beschwer­lichen hügeligen Weges entfernten Psarrdorf Titt­ling ging, um dort ihrer österlichen Pflicht zu ge­nügen. Heuer freilich wird fie in der nur eine halbe Stunde entfernte „Brünnl"°Kapelle beichten gehen. Dabei mag als Beweis ihrer gesunden Natur gelten, daß sie Sommer wie Winter mit bloßen Füßen geht und Port ihren Angehörigen nicht zu bewegen ist, eine Fußbekleidung anzu­legen. Seit sie denkt» hat das alte Weiblein in kümmerlichen Verhältnissen gelebt. Seit 68 Jah­ren lebt sie in dem Witwenstand, nachdem ihr Mann, ein Holzhauer, gestorben und ihr die Kin­der, die sämtlich noch am Leben sind, hinterließ. Bei dem ältesten dieser „Kinder", einer 85-jähri­gen, auch schon feit 18 Jahren verwitweten Tochter, verlebt sie den Rest ihrer Tage. An Beschwerden des Alters hat sie nicht sonderlich zu leiden, nur daß ihr die „Augen manchmal weh tun", klagt sie und das Gedächtnis laffe ein bißchen nach. Sie genießt die gleiche einfache ZPaldlerkost wie ihre Angehörigen, wobei Milchfuppe, Kraut, Knödel und Kartoffeln die Hauptrolle spielen, und kann sie auch ohne Beschwerden vertragen. Nur den ge­liebten Kaffee in der Frühe mag sie nicht missen; „wenn er nur nicht so teuer käme", meinte ihr Enkel. Im übrigen halten die Kinder, Enkel und Urenkel, deren eine stattliche Zahl vorhanden ist, die alte Urahne in Ehren und sorgen nach Kräften für ihre Bedürfnisse, deren ja nicht viele sind. In ihren dürftigen Verhältnissen ist daS alte Mütter­lein froh und zufrieden, „wenn's nur g'snnd bleibt". Tiefgerührt wird jeder, den sein Weg einmal noch Spitzendorf führen wird, — es ist eine gute halbe Stunde von der Lokalbahnstation Fürsteneck, Linie Passau—^Frsysiug entfernt — von dem Häuschen scheiden, in dem er ein einfaches alter Weiblein kennen lernte, das in feiner urwüch­sigen Lebenskraft, aber auch in seiner bediirfnis- lofett, gottvertrauenden Zufriedenheit so recht etn Bild unseres WaldlervolkeS ist. Fast wehmuttg aber stimmt beim Scheiden das herzliche „Vergelts Gott, tausendmal!" des greifen Weibleins, wenn ihr der Besucher ein kleines Geschenk hinterläßt, um ihr eine Freude zu machen.

Mädchen zur Bühne gehen zu laffen? Seine Geliebte war sie gewesen, bte Geliebte eines verheirateten Mannes, unb er war nicht einmal b« einzige! Wie Keulenschläge treffen die Worte ba4 Herz ber alten Mutter, bte doch nicht zweifeln kann an der Wahrheit des Gehörten. Zu vieles steht in ihrem Gedächtnis auf, zu deutlich hatte sie Snilas Mienenspiel nach der Loge beobachtet, unb ihr Spiel, das an Dreistig­keit bietet, was noch keine ihrer Vorgängerinnen gemacht hat, redet auch seine Sprache. Unb ist sie — die Mutter — nicht selbst schuld an allem, durch ihre törichte Nachsicht, ihre Leicht­gläubigkeit, ihre schwächliche Güte . . .

Ungeweinte Tränen brennen auf ihrer wunden Seele, während sie gerade unb wie versteinert bem Spiele folgt. Sie leidet mehr als in ihrem ganzen Leben, tnehr als am Sterbebette des ge­liebten Gatten, ihr Inneres wendet sich unter folternd« Seelenqual, und doch hält fie still unb schweigend stand, unb doch kommt ihr nicht der Gedanke, fortzugehen, sich der Pein zu entziehen, ben ihr Kmd ihr bereitet. 9htr ein tief« Seufzer steigt aus dem gemarterten Herzen; aber er ver­liert sich unter dem Beifall d« Leute, welcher der dreisten Darstellerin applaubiert; ab« nie­mand hört ihn, niemand ahnt, daß einer Mutter Herz gebrochen, baß eine Mutier den Glauben an ihr Kinb mloren hat.

Aber als der Vorhang fallen will, als toben- der Applaus Snila Felmandi s gewagtes Spiel belohnt, als Blumenkörbe, Kränze, Bukets auf die Rampe gereicht werden uns fie, augefeuert von dem Beifalle, noch einmal dreist und bimen« hast ihr Motto wiederholt, strömt das Publikum aus dem Theater, und die Insassen der Loge sehen verwundert auf die schlichte, alte Frau, bte mit einem merkwürdigen Lächeln die Worte nach­spricht. Nnd auf ber Straße angelangt, wo die kühle Nachlluft ihre herße Stirn fächelt, löst sich ihr verhaltenes Weh in befreiende Tränen auf und bitter schluchzt sie in ihr Tuch: Gottlob, Vat« sieht's ja nicht!

* 50 Iichre in derselben Wohnung und — nicht gesteigert, diese märchenhaft klingende Nach- richt kommt aus Berlin. Die „Berk. Ztg." be­richtet: Das Ehepaar Golz in der Anholtstratze 3 feierte am 6. April ein dreifaches Jubiläum. An diesem Tage waren es fünfzig Jahre, daß die Eheleute ben Bund fürs Leben geschlossen haben, fünfzig Jahre, daß sie ihre gegenwärtige Wohnung bezogen haben, und fünfzig Jahre, seitdem Herr Golz Schuhmachermeister geluorben ist. Die Ehe­leute sind jetzt beide 76 Jahre alt, aber noch sehr rüstig. Jur „Viertel" des Anhalter Bahnhofs ist das Golzsche Ehepaar die älteste Partei. Als es seine Wohnung bezog, war die Gegend noch sehr wenig bewohnt. Das Haus stand gairz vereinzelt in ber Nähe des Stadttores, das von Militär und Steuerbeamten bewacht wurde. Die nächsten Häuser touren ziemlich wett entfernt. Während ber fünf Jahrzehnte, die das Ehepaar die Woh­nung, die aus dem Laden, ber Werkstätte, einem Zimmer und einer Küche besteht, inne hat, ist es nie gesteigert worden. Die erste Jahresmiete be­trug 100 Tal« und dabei ist es bis heute ge­blieben.

* Die Zuternatiouale Ausstellung in Mailand, wird von der Deutichen Maschinenindustrie in her­vorragender Weise beschickt werden. Die Deutsche Abteilung steht unter der Leitung des Geh. Ober- Regittungsrates Herrn Lewa Id unb erhält ein eigenes Ausstelluilgsgebäude, mit dessen künstleri­sch« Ausschmückung der Berliner Architekt He« Möhring betraut wurde. Als größter der Deut­schen Aussteller wird die Lokomobilsabrik von Heinrich Lanz in Mannheim mit ihren neuen Heißdamps-Lokomobilelt vertreten sein. Eine solche Lokomobile mit einer maximalen Leistung von 100 eff. Pferdestärken wird -n Verbindung mit emem Elektromotor als Beispiel ein« elektrischen Kraftzentrale für einen modernen landwirtschaft­lich«! Großbettieb funktionieren unb im Anschluß daran stellt die Fttma Lanz eine komplette Dampf- dreschgarnitur und eine größere Kollektion ander« Maschinen aus, welche a««S ihrer weltbekannten Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen hervor» gegangen sind. England, welches bisher ben Maschinenmarkt Italiens zum größten Teil für sich in Anspruch nahm, bürste hi« in d« Deutsch«« Maschinenindustrie ein« stark«! Konkurrenz be­gegnen.

* Heitere» aus d« Schule weiß der „Berl. Lok.-Anz." zu berichten: Die siebenjährige Mieze kommt vor einigen Tagen mit rotgeweinten Augen nach Haufe. „Na, toaS ist ’n los, Mieze? Warum haste 'n allwedd« jeslennt?" „Fräulein hat mtt so derbe auf die Finger jehaut!" stößt Mieze schluchzeird hervor. „Wieso denn?" „Och, ich habe Lene Hartmann bloß an ’n Zopp jeziept, un des is doch nich jefährlich, nich wa, Mutter?" „J«n jeringften jar nich", pflichtet die Mutter bei, und am anderen Tage erhält die schlagfertige Lehrerin nachfteh«rde, uns im Wortlaut vorliegende Zei­len: „GeerteS Freulein! Sie haben jesteru meine Mieze um ja nichts jehauen. Des is doch man noch ’n unmündiges Kind. Sie haben ja 32 in de Klaffe zum Verhauen, warum muß es denn jrabe auägeredjnet meine Mieze fein?!" Die Klaffenlchrerin Fräulein Sch. sendet uns nach­stehenden Entschuldigungszettel ein, den sie An­fang dieser Woche erhiett: „W«d'n gütigst ent- schuldchen, aber was mein Sohn Karl is, d« konnte nich piinttlich kommen, indem daß wir eine Leiche hatten, bte sich zu sehr in die Länge ge­zogen hatte. Schneidermeister W."

* Ei« guter Vater. „ . . . Ist es Ihnen gleich, welche von meinen Töch’ern ich Jhnnt zur Fran gebe?" „Ganz egal!' „Dann nehmen Sie die Ael- teste — bei d« ist die Freud' am größten!"

Lourdes m» die ««fit. Von Dr. F. de Back«, Direttor eines physiologischen Laboratorium» in Paris. Autorisierte deutsche Uebersetzung. 80 Pfg. Paulinus-Druckerei, G. m. b. H. m Trier.

Der Autor ist in der französischen medizinischen Welt fett einem Menschenalt« bekannt durch seine bahnbrechende Unt«suchungen ans dem Gebiete d« Fermente und ihrer Anwendung bei Erkrankungen. In diesem Buche prottamiert « seinen Glauben an die Uebernatürlichkeit der Wund« von Lourdes, in- dem « eine Reihe derselben bespricht. Die Broschüre ist anregend unb modern wissenschaftlich. An Lourdes mit einem Achselzucken vorbeigehen, «st ja bei vielen Gebildeten heutzutage Mode. Dann freut es einen, daß ein Gelehrter und Arzt seine Meinung darüb« so offen und rückhaltlos äußert

Literarischer.

Lexik»»« der gesamtei» HanbelSwiffeuschaften. Ei« Rachschlageduch für alle Fragen au3 dem Ge­biete deS kaufmännischen Lebens. Un ter Mit- wirkung von Fachgelehrten beerb eitet und redigiert von Bruno Bolger, Handelsschriftsteller, früherem Do­zenten für Handelswissenschaften. 20 Lieferungen zu 50 Pf. A. Hartleben's Verlag in Wien und Leipzig-

Die an dieser Stelle schon besprochenen fünf ersten Lieferungen dieses Werks umfaßten auf 240 Seite« die Buchstaben A bis F» (Falliter). Die jetzt vorl,egende« Lieferungen 6 bis mit 10 erstrecken sich über weitere 240 Seiten und über die Worte Fallitmasfe bis Kauf« (arglistig getäuscht« Käufer). Da nunmehr die Hälfte der Werkes vorliegt, ist ein abschließendes Urteil mög­lich. Das Lexikon der gesamten Handelswiffenschaften ist, was es sein will: ein universales Wörterbuch üb« da? gesamte Gebiet der Handelsnnssenschaften; Handelswiffenschaften im weitesten Sinne de- Wortes genommen. Bisher gab es kein, welches alle neuen Verhältnisse, die zahlreichen neuen veränderten Gesetz- destimrnimgen enthielt; Nachschlagewerk, essültt em e Lucke a«S, «setzt eine Reihe von Büchern und rst eme bienenfleißige, zuverlässige Arbeit.