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JV3 90.
Fulda, Frettag, den 20. April 1906.
33. Jahrgang.
Ausland
in weiten
im vol- fei, wird behaupten
Daß das Oberkriegsgericht in Münster jetzt 'ttdlich den beschimpfenden Charakter der wahrhaft haarsträubenden Auslassung des Di- oisionspfarrerS Bachstein erkannt hat, kann ernt- gernraßen zur Genugtuung für das durch die vorhergehenden Freisprüche verletzte Rechtsbewußtsein dienen, aber eine Ehre kann das Oberkriegsgericht in diese nachträgliche Erkenntnis umsoweniger setzen, als das Reichsmilitärgericht ihm diesäbe nahegelegt hatte. Auch der Verzicht aus die Heranziehung des in den früheren Verhandlungen eine so famose Rolle spielenden „fehlenden Be- lvußtseinS" gereicht aus demselben Grunde dem Oberkriegsgericht nicht zur Ehre. Der Umstand, daß trotz der Schwere der Beschimpfungen, die sich der Drvifionspfarrer Bachstein hatte zu Schul- den kommen lassen, nur auf das Mindestmaß an Straft erkannt worden ist, legt den Schluß! nahe, daß überhaupt eine Verurteilung nur ausgesprochen worden ist, weil man in Münster nach den Rechtsbelehrungen des Reichsmilitärgerichts gar nicht anders mehr konnte.
Deutsches Reich.
Berlin, den 19. April 1906.
** Die Erdbeben-Katastrophe in Kalifornien veranlaßt die ,Nordd. Allgem. Ztg/ zu einer Beileids-Kundgebung an der Spitze ihres Blattes, die augenscheinlich von leitender deutscher Seite herrührt. Das offiziöse Blatt schreibt: ,Ln ganz Deutschland ruft das folgenschwere Naturereignis, von dem die amerikanische Nation betroffen worden ist, wärmstes Mitgefühl wach. Die verheerende Wirkung ungeheurer Naturgewalten, denen wir sterblichen Wesen ohnmächtig gegenüberstehen, regt mit besonderer Lebhaftigkeit das Bewußtsein der menschlichen Gemeinschaft an, das sich in erhöhtem Grade geltend macht, wenn durch solche Schicksalsschläge tiefe Trauer sich auf eine Nation herabsenkt, die durch so unendlich mannigfaltige Beziehungen des Blutes, des Geistes und des Verkehrs mit unserem Volle eng verbunden ist."
Frage und der Kürze der Zeit kein im einzelnen ausgearbeiteter Gesetzentwurf, sondern ein allgemeines Programm unterbreitet werden, gleichzeitig aber auch die von den verschiedenen Ministerien bereits fertig gestellten, die Agrarfrage betreffenden Entwürfe.
Poincaro gaben bekannt, die Vorbesprechungen wegen Zulassung der neuen russischen Anleihe au der Börse seien abgeschlossen. Die Anleihe würde ausschließlich zur Liquidation der im Budget von 1905 und 1906 vorgesehenen Ausgaben ver-i wendet werden, die Emission werde gleichzeitig m Rußland, Frankreich, England, Oesterreich- Ungarn und Holland statthaben. — Die streikenden Postbeamten haben auf keine Gnade beim Ministerium zu rechnen. Ministerpräsident Sarrien weigerte sich, die Abordnung der ausständigen Poftunterbeamten zu empfangen; er erklärte, er wolle nicht Beamte bei sich sehen, die sich im Aufruhr befänden.
* Infolge eines Ausstands kam es nach einem Telegramm aus Rom in C a l i m e r a (Provinz Lecce) zu Ruhestörungen. Die Streikenden warfen eine Bombe gegen das Gemeindehaus. Mehrere Polizeibeamte und der ^>ohn des Bürgermeisters wurden verwundet. Als Karabinieri mehrere Verhaftete nach dem Gefängnis bringen wollten, versuchte die Menge die Verhafteten zu befreien und warf mit Steinen. Die Karabinieri schossen. Mehrere Personen wurden verwundet.
Das Gerücht über einen bevorstehenden Rücktritt des Kultusministers Dr. Studt wird von der »Magdeburger Zeitung' wieder einmal aufgewärmt. Nur die Krankheit des Reichskanzlers solle den Wechsel mt Kultusministerium aufgehalten haben. Die .Deutsche Tageszeitung' bemerkt dazu, die ganze Meldung, insbesondere die letzte Bemerkung, sei vollkommen unbegründet. | Was der Zweck der Uebung sei, darauf deutet die Tatsache hin, bemerkt das genannte Blatt mit Recht, daß es besonders nationalliberale Blätter seien, die diese angeblichen Gerüchte verzeichneten und weitertrügen.
* Germanisierung und ProtestauLisierung Unter diesem Titel veröffentlicht die,Germ/ folg, ihr aus Crone an der B. zugegangene Zuschrift: Am Karfreitag kamen Leute " von dem staatlichen Ansiedelungsgute Buschkowa in hiesige katholische Geschäfte und erzählten, es sei ihnen vom Herrn Verwalter ausdrücklich anbefohlen, bei keinem Katholiken, sondern nur in evangeli- schen Geschäften zu kaufen. Mit Recht bemerkt die ,Germ/ dazu, daß jetzt von staatlich angestellten Beamten ein derartiger Befehl gegeben wurde, werde gewiß nicht dazu beitragen, die deutschsprechenden Katholiken für die Polen- politik zu gewinnen.
* Der Vaterländische Frmrszrversin hielt am Donnerstag in Berlin seine 40. Delegierten- Versammlnng ab, welcher die Kaiserin beiwohnte.
Rechtsbewußtsein in tendenziöser Weise seine Partei ergriffen. Schaden gelitten an Ansehen und Vertrauen hat aber auch die Militärgerichtsbarkeit durch die Behandlung, die sie dem „Fall Bachstein" hat angedeihen lasten. Der Umstand, daß vonseiten des jeweiligen mllitäri- schen Gerichtsherrn gegen die verschiedenen Freisprüche Berufung eingelegt worden ist, kann diesen Schaden nur zu einem geringen Teile ausgleichen.
Wenn die liberale Preste meint, das Zentrum werde jetzt ob der Verurteilung des Divisions- Pfarrers Bachstein „triumphieren", weil wieder ein Gegner unschädlich gemacht sei, so irrt sich dieselbe stark. Abgesehen davon, daß das Urteil keineswegs derart ist, daß es einem Katholiken Anlaß zu einem „Triumphe" geben könnte, verwechselt, wie schon oben angedeutet, diese Auffassung Person und Sache. Was das Z e n t r u m mit der Angelegenheit zu schaffen haben soll, ist uns unerfindlich^ Wir können nur wünschen, daß so wenig als möglich Verurteilungen ausgesprochen werden müssen, wie sie der Fall Bachstein jetzt gezeftigt hat.
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Rabatt gewährt.
Staatsminister Dr. Schönstedt eröffnete die Versammlung, Geheimer Medizinalrat Dr. Dietrich, sprach über die auf Wunsch der Kaiserin aufgenommene Wirksamkeit des Frauenvereins auf dem Gebiete der Säuglingspflege. Stadtschulrat Dr. Neubert hielt einen Vortrag über die Waldschulen.
* Die Ratifikatirms - Urkunden für den Staats vertrag zwischen Preußen und den bei der Hessisch - Thüringischen Lotteriegemein- schaft beteiligten Staaten zur Regelung der Lotterieverhältniffe vom 17. Juni v. Js. sind bei der Großherzogl. sächsischen Regierung in Weimar hinterlegt worden. Ein in Artikel 14 Absatz 2 des Vertrags vorgesehenes Protokoll über die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden ist am 12. d. Mts. in Weimar ausgenommen worden.
.'. Die Kolonialgeographie in den Volksschulen betreffend hat der Kultusminister eine Verfügung erlassen, wonach in Zukunst von den Schulbehörden darauf geachtet werden soll, daß in den Lesebüchern der Volksschulen die falschen Angaben über die überseeischen Teile des Deutschen Reiches berichtigt, bezw. die unvollständigen ergänzt werden. Die Lehrer sollen schon jetzt diese falschen Angaben in den Büchern beim Unterricht berücksichtigen.
* Der Gesetzentwurf betreffend die Be- willigung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten ist dem preußischen Abgeordnetenhaus zugegangen.
* Köln, 19. April 1906. Die Redaktion der »Kölnischen Volkszeitung' hat einen tiefschmerzlichen Verlust erlitten: Herr Dr. theol. et phil. Philipp Huppert ist gestern abend nach nur viertägiger Krankheit gestorben. Der Verstorbene, in weiten Kreisen als ausgezeichneter Priester wie durch seine schriftstellerische und gemeinnützige Tätigkeit geschätzt und beliebt, hatte kaum das 49. Lebensjahr vollendet (ge-! boren zu Sauer-Schwabenheim am 7. April 1857). (F. V.')
Schriftleiter: 2. Baum; für die Anzeigen
3. parier in 8«ida. Wochenbeilage: „ZllnftrietteSonntagrzeitung
Herrn und Heiland Jesus Christus . . . Mild und voller Gnade erscheine Dir sein Antlitz! Er löse Dir die Bande des Leibes und sei Dein Licht in der Nacht dieser Stunde! Er sei Deine Hilfe, wenn Dich alle sichtbare Hilfe verläßt! . . .
Es mögen Dir entgegenkommen die Engel Gottes und Dich geleiten in die Gemeinschaft der heiligen Patriarchen und Propheten, aller Apostel und Blutzeugen des neuen Bundes, alle Bekenner Christi, alle Mitgenossen des ewigen Lebens!
Geleite, o heiliger Schutzengel, die scheidende Seele hin in die Gemeinschaft aller Heiligen, in den Schoß der ewigen Liebe." . . .
Der Priester schwieg, er glaubte einen leisen Laut von Maria Felices Lippen vernommen zu haben ; er beugte sich über ihr Haupt und es wehte ihn an wie Engelsrauschen: „Jesus . . . Je—sus"
Ein leiser Glockenton wiegte sich in den Lüften: er tönte von der Basilika herab, wie eine Stimme vom Himmel: „Komm, meine Tochter, komm, meine Braut."
Es war noch früh am Morgen. Rosige Dämmerung lag über dem Tale, und auf den bewal- >eten Bergen, die es ringsum einschlossen, flammte die Morgenröte wie heiliges Opferfeuer. Der junge Tag stieg herauf, schön und strahlend wie ein Maienmorgen. Und immer noch klang die Glocke. . . und andere antworteten ihr vom Tale und von den Höhen: Ave Maria!
Inmitten dieses rosigen Lichtes und dieser rommen Klänge, die sich wie Sphärenmusik auf- östen, enffchwebte Maria Felices Seele .. .
Ein süßer Rosenduft drang durch die geöfftreten Fenster und erfüllte das Gemach, worin eben der • -od eingekehrt war. Maria Felice lag ganz still >a, wie eine Lilie, keusch und rein; ein überirdi- cher Glanz lag auf ihrem Gesichte, sie war im Tode noch schöner als im Leben, schien ganz aufgelöst in Andacht und Liebe. Wie ein Glorienschein legte sich die reiche Fülle ihres Haares um die reine Stirne und um das alabasterne Gesicht, l
□ ver Zall Vachstein.
Am Mittwoch hat das Oberkriegsgericht in Münster in Wests., wie schon telegraphisch gemeldet, den protestantischen Divisionspfarrer V a ch st e i n in Minden aus dem § 166 des Strafgesetzbuches wegen öffentlicher Beschimpfung von Einrichtungen der katholischen Kirche zu einem )Tag Gefängnis verurteill.
Das ist die neueste Phase in dem vielbesprochenen „Fall Bachstein", der jetzt zum fünften- male ein militärisches Gericht beschäftigt hat. Die Gründe des Urteils liegen uns noch nicht vor, ' es heißt in den Mitteilungen der Blätter nur, daß das Gericht eine Verurteilung ausgesprochen habe, weil es die von Bachstein gebrauchten Worte Kling-Klang, Firlefanz usw. als beschimpfend angesehen habe. Daß diese zahme Auslegung des Urteils nicht den Kernpunkt der Sache trifft, können sich leicht alle diejenigen sagen, die nur einigermaßen mit dem Hergänge der Dinge, die sich bei der bekannten Rede des Divisionspfarrers Bachstein vor den Mttgliedern und Gästen des Evangelischen Bundes in Osnabrück abgespielt haben, vertraut sind. Divisionspfarrer Bachstein, der bekanntlich ftüher katholischer Priester war, hat sich in jener Rede in den g r ö b l i ch st e n Beschimpfungen des hl. Altarsakramentes, des hl. Meßopfers, der Muttergottes, der Päpste usw. ergangen. „Kling-Klang" und „Firlefanz" ivaren dft gelindesten Ausdrücke, die er dabei gebrauchte.
* Zu den portugiesischen Matrosemneute- reien berichtet die »Agence Havas' noch vom Mittwoch aus Lissabon: Heute gegen 4 Uhr morgens machte der Panzer „Vasco da Gama" am Kai fest. Die Besatzung wurde ausgeschifft; unmittelbar darauf wurden 164 Mann mit der Eisenbahn nach der Festung Caxias gebracht. Don der Ausschiffungsstelle bis zum Bahnhofe und von dem Bahnhofe bis zur Festung wurden sie durch ein Infanterie Regiment sowie durch Kavallerieabteilungen begleitet. Diejenigen Leute, die zu den Insubordinationen an Bord der „Dom Carlos" angestiflet haben, sind ebenfalls heute nach der Festung San Barra gebracht worden, wo sie kalerniert werden. In ganz Portugal herrscht vollständige Ruhe.
* Aus Rußland wird gemeldet, daß der Reichsrat in seiner Sitzung am Mittwoch die Zulassung der deutschen, lettischen und esthnischen Unterrichtssprache in den nicht subventionierten Privatschulen der Ostseeprovinzen beschlossen hat, während für die Literatur, Geschichte und Geographie Rußlands die russische Unterrichtssprache obligatorisch bleiben soll. — In Moskau sind wählend des Osterfestes aus dortigen Haftlokalen 14 politische Gefangene entwichen.
/ Der russische Ministerrat hat sich dafür ausgesprochen, daß sofort nach dem Zusammen- t'itt der Reichsduma die Bauernfrage auf die Tagesordnung gesetzt werden soll. Es wird
stillen Friedhof der Deutschen ... im Schatten von Sankt Peters Dom! Und kommet auch manchmal ... an mein Grab! . . . Lebet Wohl, Ihr Lieben !., . Auf Wiedersehen . .. dort oben!" . .
Die Hände losten sich und tasteten nach dem Kreuz, das auf ihrer Bnrst ruhte. Sie umspannte es und stammelte: „Mein Jesus ... ich komme"
Die beiden Männer knieten nieder und jeder ergriff eine brennende Kerze und hielt sie zp ischen den gefalteten Händen.
m ein leiser Hauch kam es noch einmal aus Marra Felices Munde: „Lebet wohl! . . Auf Wiedersehen!" — —
Diese Worte klangen so geisterhaft, so erschür- ternd, als tönten sie schon aus der Ewigkeit herüber.
Der Atem der Sterbenden wurde immer leiser, ihre Hände umklammerten das Kreuz und auf rhrem erblassenden Gesichte lag es wie Engels- lacheln. Dann begann der Todeskampf; er war s?. leicht, wie der eines Kindes, das die irdische Hülle langsam abstreift und als ein strahlender Engel zum Himmel emporsteigt.
-5er ^Aat betete mit leiser Stimme die erschütternden und doch so wunderbar ttöstenden und erhebenden Sterbegebete der katholischen jvtrcpc.
»Ziehe hin, christliche Seele", sprach er unter verhaltenem Schluchzen, „ziehe hin aus dieser gebrechlichen Hülle: im Namen des allmächtigen Gottes, des Vaters, der Dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für Dich gestorben ist; im Namen des Heiligen Geistes, der sich über Dich ergossen hat.
Alle Engel und Heiligen freuen sich Deiner Aufnahme in chre Gesellschaft . . .
Ich empfehle Dich, liebe Seele, dem allmächtigen Gott, dessen Geschöpf Du bist . . .kehre zu lhm zurück, dessen Gebilde Du bist!
Ich empfehle Dich, geliebte Seele, unserem I
«rschetilttäglich, mit Ausnahme Oer Soim» uud Feiertage. Werte!» Mrt.Bezugrprei, ohne Bringer lohn und BeSeHaelbinSulOaunb „rwSrtrirM.NM.
verantwortlicher
* Die Vollversammlung der französischen Bischöfe zur Beschlußfassung über die gegenüber dem Trennungsgesetz einzunehmende Haltung ist nach- dem Blatt .Croix' auf den 30. Mai ein» berufen worden. Die Versammlung werde wahrscheinlich nur zwei Tage dauern. '.Die Beschlüsse der Bsschofsversammlung sollen dem Papst unter------—----
breitet werden, von welchem die endqilliqe Ent- ~ wegen des großen Umfanges der
scheidung abhängt. ' ,mh
* Die Ausstmrdsöewegmtg in Frankreich. 3500 Maschinenarbeiter der hiesigen großen Buch- druckereien traten am Mittwoch in den Ausstcnd, weil ihnen die verlangte Lohnerhöhung, sowie der Neunstundentag nicht bewilligt worden sind. 40 Druckereien, darunter besonders die Zeitungs- druckereien bewilligten die von dem Syndikat der Druckereiarbeiter aufgestellten Forderungen. Es heißt, daß mehrere Großdruckereibesitzer ihre Druckereien aus der Stadt in die Provinz zu verlegen beabsichtigen. Auch in Lille, Cambrai, Valenciennes und anderen Provinzstädten sind zahlreiche Druckereiarbeiter in den Ausstand getreten. — Der französische Ministerrat beschloß Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung in dem Streikgebiet. Bourgeois und i
Aus lürche und Zchule.
(*) Fulda, 20. April 1906. Das Bischöfliche Generalvikariat erläßt im Kirchlichen Amtsblatt' folgende Verordnung: „Furchtbar sind die Verheerungen, die, wie aus den Berichten der Zeitungen bekannt ist, der feuerspeiende Berg Vesuv bei Neapel durch wiederholte Ausbrüche von unerhörter Heftigkeit im Ihntreife von mehreren
I Stunden in diesen Tagen angerichtet hat.
das so rein und verklärt war, wie dasHmesicht eines Engels.
.Der Prälat machte das Kreuzzeichen auf die Stirn der Toten und besprengte sie mit geweihtem Wasser.
Gabriel brach ein weiße Rose von dem kleinen I Strauch, den Maria Felice so sehr beliebt hatte, und legte sie auf ihre Brust.
I "Lebe wohl, Maria Felice!" flüsterte er und legte sein Haupt an ihre falte, todesstarre Wange, „lebe wohl ! Dein Leib ist tot, aber Deine Seele schwingt sich auf zum ewigen Lichte. Dort oben werden wir uns Wiedersehen . . . Maria, süße Blume . . . lebe wohl!"
Die Größe des Verlustes kam ihm erst jetzt so recht zum Bewußtsein, da Maria Felice aufgehört hatte, zu atmen, da er das schmerzliche Lächeln um ihre Lippen und den erloschenen Blick ihrer Augen sah . . .
Er vergrub sein Gesicht in beide Hände und [ schluchzte leise; so hielt er Totenwache bei seiner ! verlorenen Braut.
Als sich Gabriel endlich erhob, war sein Gesicht so bleich wie das der Toten. Er küßte ihre reine Stirne und dann drückte er die Hände auf die Brust und senkte das Haupt in demütiger Ergebung tn Gottes heiligen Willen. „So mußte eä kommen", sagte er wie in stillem Zwiegespräch nnt Maria Felice. „Ich mußte alles, was mir auf Erden lieb und teuer war, verlieren, damit mich nichts mehr an die Erde fesselte, damit ich ganz der Kirche angehören kann."
Und wieder tauchte vor seinem Geiste der Dom von St. Peter auf, und er sprach: „Dort will ich fortan leben, sobald ich Maria Felice, mein Liebstes auf Erden, auf dem stillen Friedhof der Deut- schen begraben habe. Im Schatten des Domes von St. Peter soll mein Leben "baDtnfliefcen. Die Kirche soll mir alles ersetzen, was ich verloren habe: Vater und Mutter, Geschwister und Freunde
wollen. Immerhin ist anzuerkennen, daß im Prinzip jetzt die Auffassung derer zur Gellung gebracht worden ist, welche eine Verletzung des § 166 als vorliegend erachteten. Der katholischen Kirche hat Divisionspfarrer Bachstein nicht geschadet und nicht schaden können. Schaden zugefügt hat er lediglich sich selbst und allen Denjenigen, welche ohne Rücksicht auf den Tat- bestanü und ohne Rücksicht auf das allgemeine
An einer harten Bestrafung des Divisions- prarrerS Bachstein an sich war den durch den Mann in ihren heiligsten Gefühlen schwergekränkten Katholiken Deittschlands von vornherein wenig gelegen. Nur die augenfällige Verletzung jedes Rechtsbewußtseins, die in den früheren wiederholten Freisprechungen lag, Hot es mit sich gebracht, daß der „Fall Bach- stein" so viel besprochen und erörtert worden ist. Die Verletzung des Rechtsbewußffeins wurde aber nicht nur auf katholischer Seite empfunden, sondern auch, wie zahlreiche Aeußerungen konservativer Blätter bewiesen haben, in weiten Kreisen der Protestanten. Daß durch dis jetzige Verurteilung diesem Rechtsbewußtsein " tcn Umfange Genüge geleistet schwerlich ein unbefangen Urteilender
Auferstehung.
Roman von Felix Nabor.
491 (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
„Auch Du, Maria?" rief Gabriel erstaunt.
„Ja, Gabriel, auch ich! Aber es wird nicht so weit kommen, ich muß sterben. ES ist auch bester f®, — W* mich und für Dich. Aber um eines bitte uh Dich Gabrrel: Wenn Du einmal am Altäre ^ch meiner^ ^d‘8e Opfet darbringst, so gedenke ©abnel »ermohte «üht zu sprechen, ein heftiges Schluchzen erschütterte fernen Körper. „O Mmia Felice," stammelte er und drückte ihre Hände an seine Brust, „Du zerreißest mir das Herz" . . .
Die Kranke blickte mit verklärtem Blicke auf Gabriel. „Ein Priester . . . ein Priester," flüsterte sie mit süßem Lächeln. „Komm', laß mich Dir die Hände küsse«" . . .
Sie richtete sich ein wenig aus und neigte das Haupt vor. Aber da ergoß sich eine dunkle Shit» wefle über ihre Lippen und legte sich wie eine rote .Mose auf ihre Brust. Gabriel umschlang Maria Felrce und üeß sie sanft in die Kissen zurückgleiten. Dan« nef er den Prälaten herbei, beim er sah, »aß es mit der Kranken zu Ende ging.
Maria Felice wischte sich das Blut von den sLrppen und lächelte unsäglich traurig. „Mir ist 'Lanz wohl", sprach sie mit erlöschender Stimme. I ^Mrr ist, als schwebe ich empor zu den Wolken ... Mm Himmel . , .so frei und leicht wie eine Taube."
Eine Weile lag sie ganz ruhig. Dann tastete fte nach den Händen ihres Oheims und Gabriels, Älmspannte sie mit ihrer letzten Kraft und hauchte: »Nh danke Euch ... daß Ihr mich so sehr geliebt Aadtl . . . Begrabt mich zu Rom ... aus dem |
Roiati ons druck h.
Verlag der Fuldaer Sc-
Monatsbeilage: „Sulbacr Geschichtsblätter". Fernsprecher Lr. y.