M 89.
Fulda, Donnerstag, den 19. April 1906.
An zetgen.vleei«' spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 psg. Heil amen die Petit;eile 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entspr. Rabatt gewährt.
33. Jahrgang.
Daß Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kanzler und Herrn von Holstein bez. zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler in dieser und jener politischen Frage bestanden haben und noch vorhanden sein mögen, wird man ruhig zugeben dürfen. Es würde sonderbar sein, wenn solche Meinungsverschiedenheiten nicht gelegentlich austreten würden. Es heißt aber die Stellung, die Herr von Holstein im Auswärtigen Amt eingenommen hat, vollständig verkennen, wenn man annehmen würde, abweichende Anschauungen des Genannten hätten die Bedeutung einer politischen Frage gewinnen können. Nach unserer Kenntnis der Verhältnisse ist Herr von Holstein von jeher und immer nur der „Theoretiker der deutschen Diplomatie" gewesen, dem es auf gründ seiner umsaffenden geschichtlichen und politischen Kenntnisse oblag, alle irgendwie möglichen Kombinationen i in einer internationalen Angelegenheit vorweg zu j erörtern, zu beleuchten und in Denkschriften dar-1 zulegen. Zweifellos war diese Aufgabe von sehr hoher Bedeutung zudem in manchen Fällen für die Haltung der deutschen Politik, wenn auch nicht von entscheidenden, so doch von wesentlichem Einflüsse, aber von einer selbständigen Politik des Herrn von Holstern konnte dabei niemals die Rede sein. Aufgabe und Stellung des Genannten brachte es mit sich, daß auch Entscheidungen, die ge.wn seine Auffassung getroffen rvurden, weil bei ihnen Faktoren und Jrnpondera- bilien mitsprachen, die nicht in den Konzepten des Herrn von Holstein enthalten waren, von ihm ruhig hingenommen werden konnten und mußten. Andernfalls hätte Herr von Holstein wohl kaum die Stellung, die er bekleidete, unter vier Reichskanzlern beibehalten können. Das Ge- sagte läßt aber auch erkennen, mit wie wenig Recht man von politischen Gegensätzen zwischen
Deutsches Reich.
Berlin, den 18. April 1906.
* Das Befinden des Reichskanzlers läßt nach wie vor nichts zu wünschen übrig. Aus der Tatsache, daß Fürst Bülow das Krankenzimmer noch nicht verlassen hat, ist hie und da geschlossen worden, daß die Erkrankung doch ernster sein müsse, als zuerst angenommen sei. Dieser Schluß ist aber ein Fehlschluß. Die ärztlichen Anordnungen sind nur deswegen getroffen, damit die erforderliche Schonung, die sich Fürst Bülow andernfalls wohl kaum gegönnt haben würde, unbebin^t durchgeführt werde. Anzeichen einer Krankheit oder irgend eines krankhaften Zustandes sind nicht vorhanden.
I Herrn von Holstein, dem Kaiser und dem Reichskanzler spricht.
Eine Verkleinerung der Verdienste des Herrn v. Holstein liegt in diesen Ausführungen keineswegs. Diese Verdienste sind unbestreitbar und es wird nicht ganz leicht sein, die Lücke auszufüllen, [ die das Scheiden des Genannten in der Zusammensetzung des Auswärtigen Amtes hervorbringt. Die Bedeutung der Tätigkeit und der Stellung des Herrn v. Holstein mußte mit den Jahren mehr und mehr wachsen, und tatsächlich hatte man sich fast daran gewöhnt, ihn als die lebende Tradition der auswärtigen deutschen Politik zu betrachten. Das hohe Alter des Herrn v. Holstein ist unseres Erachtens ein ausreichender Grund für seinen jetzt erfolgenden Rücktrüt, wenn wir es auch nicht für ausgeschlossen halten, daß gewisse Personenfragen bei seinem Entschlüsse mitgewirkt haben. Wogegen wir uns mit Vor- stehendem wenden möchten, ist nur die Art und Weise, wie man in einem Teile der Presse untergeordnete Angelegenheiten rein persönlicher Natur zum Ausgangspunkte weit greifender politischer Kalkulationen und Kombinationen nehmen zu dürfen glaubt. Die Holsteinfrage ist eine Personenfrage und nichts weiter.
** Die Verkehrs - Einnahmen der deutschen Eisenbahnen im Monat März 1906 beliefen sich für alle Bahnen aus dem Personmverkehr auf 45,101,160 Mark (gegen das Vorjahr mehr 3,009,564 Mark), aus dem Güterverkehr auf 127,724,508 Mark (+ 16,505,439 Mark). Die Bahnen mit dem Rechnungsjahre April • März vereinnahmten in der Zeit vom 1. April 1905 bis Ende März 1906 aus dem Personenverkehr 534,918,252 Mark (+ 37,607,183 Mark). Aus dem Güterverkehr 1,275,557,543 Mark (4~ 96,496,356 Mark). Die Einnahmen der Bahnen mit dem Rechnungsjahre Januar-Dezember betrugen für die Zeit vom 2. Januar 1906 bis Ende März 1906 aus dem Personenverkehr 16,145,938 Mark (-s- 1,246,702 Mark), aus dem Güterverkehr 38,350,115 Mk. (-s- 3,772,456 Mk.) Die Gesamtlänge der Bahn betrug 48,585,53 km (-f- gegen das Vorjahr 772,15 km).
Kiel stationierte Boot dient vorläufig privaten Zwecken der Germaniawerft."
Zur Frage der Unterseeboote wird der ,Vossischen Zeitung' geschrieben: „Die Nachricht eines Marineberichterstatters, wonach die Marineverwaltung beabsichtigt, die Zahl der Unterseeboote zunächst auf 20 zu bringen, bestätigt sich, wie uns von kompetenter Seite mitgeteilt wird, nicht. Man erwartet vorerst Die Indienststellung des ersten Unterseebootes für die Marine im Laufe des Sommers. Die Versuchs; ährten werden voraussichtlich dann sofort vorgenommen werden. Die Fertigstellung des Fahrzeuges hätte dann verhältnismäßig viel Zeit in Anspruch genommen, was sich aber auch aus der ganz besonderen Gründlichkeit und Genauigkeit erklärt, mit der man bei der Konstruktion und Zusammensetzung des Bootes, insbesondere auch der Maschinenteile, vorgeht. Von den Ergebnissen der Probefahrten wird es abhängen, wie man die in der neuen Marinevorlage jährlich für Unterseeboote vorgesehene Pauschalsumme von 5 Millionen Mark zunächst verwenden wird. Es läßt sich zurzeit nicht vorhersehen, wie viel Boote man bauen wird, zumal man erst Versuche machen will und es von dem Ergebnisse dieser Versuche abhängt, wie sich d?e Größe oder Konstruktion dieser Fahrzeuge gestalten soll. Zudem können die Bedürfnisse angesichts der fortschreitenden Technik wachsen und neue An- sorderungen hinzutreten. Das gegenwärtig in
der Schlesische Bädertag zu Rheinerz bei» preußischen Abgeordnetenhause erbeten. Der Entwurf zu einem solchen Gesetze ist einer Berliner Korrespondenz zufolge bereits seit längerei Zeit in Ausarbeitung begriffen, wann er fertig gestellt und wann er in legislatorische Behandlung genommen wird, ist nicht zu übersehen. Daß er noch in der laufenden Tagung an den Landtag gebracht wird, ist wohl so gut wie ausgeschlossen.
Langsam durchwanderte Gabriel die fünfzehn 1 Kapellen, die fünfzehn Sinnbilder der Geheim- nisse des Rosenkranzes. Ein sanftes Licht fiel aus der Hohe herab, weiß wie Schnee in die Kapellen des freudenreichen Rosenkranzes; in die des schmerzhaften Rosenkranzes rosenrot wie Blut, und golden wie das der Sonne in die des glorreichen.
Die Altäre flammten alle auf im Lichte der Kerzen, sie schienen zu leben, zu atmen, sich zu freuen» Hrer war strahlende Helle, hier war Licht, Freude und selige Wonne!
Auf den Altären wurde das heilige Geheimnis gefeiert und der süße Opferduft stieg in silbernen Wölkchen zu der gewaltigen Kuppel empor. Hier stärkte sich die Seele an dem Genüsse des heiligen Sakramentes, hier stammelte sie heiße Gebete, hier atmete sie Wonne und gab sich ganz ihrem göttlichen Schöpfer zu eigen!
Hier war die Seele der Erde entrückt Dieser ganze Raum schien von Liebe, Glaube, Andacht I HB®, b°n Bitten zu erglühen, wie ein feuriger "Eosen, rn dem die Menschen geläutert, verklärt und geheiligt wurden.
Gabriels Herz zitterte vor Freude und Glück, wie eine brennende Flamme schlug es zum Himmel empor; er kniete am Tische des Herrn nieder und starnmelte: „Domine non sum dignus"
Und dann hielt der Herr feierlichen Einzug in sein Herz!
Zehntes Kapitel.
Als Gabriel zu Maria Felice zurückkehrte, lauschte sie voll Freude seinen Worten, sie war überglücklich, als sie vernahm, daß er den Leib des Herrn empfangen habe.
Aber es stand schlimm mit ihr; der andere Morgen fand eine Sterbende. Als Gabriel bei ihr eintrat, verließ eben der Priester mit dem Ziborium das Krankenzimmer und auf dem Tische flimmerten noch die Kerzen mit zitterndem Schein.
niemand störte — an einen blauen See in den Albanerbergen. ... Ich wollte sterben, Gabriel! . . . Ach, ich dachte es mir so schön, auf dem Grunde des Sees Vergessen und Frieden zu suchen. Er ist schön, dieser Seel So blau, Gabriel, so blau wie der Himmel! Goldene Flocken schwammen auf seinem leichtbewegten Spiegel, und die Sonne winkte aus der Tiefe wie ein goldenes Auge! Und er rauschte leise, und lockende Stimmen tönten von seinem Grunde herauf an mein Ohr! Da tat ich das Entsetzliche . . . und lief in den See." . . .
Gabriel schrie leise auf und faßte ihre Hand, als möchte er sie festhalten, daß sie nicht versinke. Wie schrecklich war das alles! . . . Auch er hatte ja an diesem See gestanden, und die Versuchung wäre beinahe Herr über ihn geworden. Aber seine Liebe und Maria Felices Augen hatten ihn gerettet!
Und wer hatte Maria Felice gerettet? — Der Zufall? — Nein: die Liebe und Barmherzigkeit Gottes!
Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, der diese große Seele nicht für ewig verlieren wollte.---
»Ein Fischer zog mich aus Land", fuhr Maria Felice fort, .ich war gerettet, um langsam zu sterben, denn an jenem Tage fing meine Krankheit an. Ich trug sie mit Ergebung, weil ich wußte, daß sie Die Strafe für meinen Frevel war. ... Da ttatest Du wieder in mein Leben, und ich lebte auf . . . das Glück war bei mir eingekehrt, und all die heißen Wünsche des Herzens wurden wieder lebendig! Deine Liebe, Gabriel, hat mich glücklich und reich gemacht. Ich war so töricht, an eine neue Zukunftz an ein neues Glück zu glauben, ich wollte gesund werden, weil ich Dich liebte. Ich war so vermessen, ein Wunder von Gott zu erbitten, um meiner Leidenschaft willen. War das nicht ein neu« Frevel, Gabriel? Wen der Finger Gottes berührt hat, darf der noch an irdisches Glück denken? — Nein, er gehört ganz Gott zu eigen! Darum bin ich rmwürdia. daß Gott an mir ein Wunder tut
U?.eEich beglückt stieg er dann in die Rosen- kranzkirche hinab. Da. fielen ihm zunächst die Hunderte von goldgravterten Marmortafeln auf in welche Glaube und Liebe ihre Dankbarkeit in rührenden Worten eingeschrieben hatten.
Gabriel las die ihm zunächst in die Augen fallenden Worte. Da stand:
_ .,77 »Dank Maria! Sie hat mein Kind geheilt!" —
, Da? war ohne Zweifel der Aufschrei eines erlösten Mutterherzens.
Und weiter las er:
— »Ich habe gebetet und geweint: und Maria hat mich erhört."
— „Der Unbefleckten Jungfrau dankt ein Familienvater für die wiedergeschenkte Gesund-
— „Maria, schütze meinen Gatten!" —
«v —,mb bm nun geheilt. Dank -Dir, Unbefleckte!" —
Diese Tausende von Danksagungen waren eine marmorne Litanei auf die Unbefleckte Jung-1 • trau, ste leuchteten wie feurige Flammen, sie tönten gleich jauchzenden Hhmnen und verkündeten
Lob der wunderbaren barmherzigeir Gottes- mutier. —
ErscheintiSgiim. mit Wg Wr
ss Möller
verantwortlicher
Schriftleiter: 3 Baum;
für Ne Anzeige«
J.paeidi« in sniba. Wochenberlage. „)llustnerte§onntagszettung
* Die Erkrankungen an Genickstarre beim Elisabeth-Regiment in Charlottenburg, von welchen wir kürzlich berichteten, haben leider weitere Fortschritte gemacht. Beim ersten Bataillon sind 4 neue Erkrankungen vorgekommen. Es sind die weitgehendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen, um jeder Weiterverbreitung der Genickstarre vorzubeugen.
** Mreditbewilligung der Itivalidenversicherungsträger für gemeinnützige Zwecke. Die öffentliche Meinung ist gewöhnt, das Jnvaliden- versicherungsgesetz im allgemeinen nur nach den direkten Leistungen der Versicherungsträger an die Versicherten zu beurteilen. Sie beachtet wenig, daß die angesammellen Kapitalien viele gemeinnützige Einrichtungen durch Verleihung von Geldern gegen einen mäßigen Zinsfuß erst ermöglicht haben. Bis zum 31. Dezember 1905 haben die 40 Versicherungsträger (31 Landesversicherungsanstalten und 9 andere zugelaffene Kasseneinrichtungen) zum Bau von Ar beit er- wohnungen 150987145,16 Mk. mit einem durchschnittlichen Zinsfuß bis zu 4 Prozent an Wohnungsgenossenschaften rc. ausgeliehen. Für den Bau von Kranken- und Genesungshäusern, sowie Volksheilstätten, für Gemeindepflegestationen, Herbergen zur Heimat, Arbeiterkolonien, Volksbäder, Blindenheime, Kleinkinderschulen, für Schlachthäuser, Wasserleitungs-, Kanalisations- rc. Anlagen, für Spar- und Konsumvereine und andere ähnliche Wohlfahrtseinrichtungen sind 210 632127,84 Mk. ebenfalls zu einem Zinsfuß von durchschnittlich 3 bis 4 Proz. verliehen worden. Zur Beftiedigung des I and wirt- sch aftlichen Kreditbedürfnisses, wie Hypotheken, für Kleinbahnen, Land- und Wegeverbesser ungen, Hebung der Viehzucht, Linderung der Feuernot re, sind 75873498,56 Mk. zu demselben Zinsfuß wi< oben ausgeliehen. Das gibt die gewaltig« Summe von 437492771 86 Mark, die die In- validenversicherungsträger zur Befriedigung des Kreditbedürfnisses für Wohlfahrtseinrichtungen hergegeben haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß viele Arbeiterwohnhäuser, wenn der billige Kredit der Versicherungsträger nicht zur Verfügung gestanden hätte, nicht gebaut worden wären. Nicht zu unterschätzen ist ferner, daß die gemeinnützigen Wohnungsgenossenschasten durch den billigen Kredit überhaupt eine lebhafte Förderung erhalten. Dies ist im Interesse unserer so sehr unter mißlichen Wohnungsverhältnissen leidenden Arbeiterschaft nur zu begrüßen. Auch, daß für andere gemeinnützige Zwecke, wie Kranken- und Genesungshäuser, Volksbäder, Kanalisationsanlagen rc. Gelder zu billigem Zinsfuß hergegeben werden, ist löblich. Daß auch dem landwirtschaftlichen Kreditbedürsnis Rechnung getiagen wird, ist selbstverständlich. Alles dieses aber beweist, was aus dem Jnvcv lidenversicherungsgesetz gemacht werden kann und wie segensreich es nach den verschiedensten Richtungen hin, die vielfach gar nicht einmal bekannt sind, wirkt.
* Neue schwere Verluste in Südwestafrika. Im Gefecht bei Fettkln t am 8. April sind gefallen : Gefreiter August Jokisch, geboren am 27. 12. 82 zu Groß-Tillendorf, früher im Infanterieregiment 45. Reiter Adolf Bolle, geboren am 13.1. 81 zu Sieversdorf, früher im Infanterieregiment 24. Reiter Karl Armbrecht, geboren am 3. 10. 83 zu Dorste, früher im Infanterieregiment 79. Reiter Karl Bienas, geboren am 7. 4. 84 zu Klein-Stanowitz, früher im Ulanen- regiment 4, Reiter August Draeger, geboren am 16.4. 84 zu Cziernien, früher im Infanterieregiment 132, Reiter Adolf Meyer, geboren am 7. 6. 82 zu Kraksdorf, früher im Infanterieregiment 44. Schwer verwundet: Leutnant Arthur Gaede, geboren am 12, 2. 81 zu Stettin, früher im Infanterieregiment 84, Streifschuß über linkes Auge, rechten und linken Zeigefinger, rechten Arm und linke Schulter. Unteroffizier Joseph Machner, geboren am 4. 5. 80 zu Saarau, früher im Jn- anterieregiinent 23, Schuß linke Brust. Reiter Joseph Äußmann, geboren am 27. 4. 84 zu ?amm, früher im Infanterieregiment 176, Schuß Unterkiefer, rechten Oberarm, linke Ferse. Reiter Ernst Neumann, geboren am 1.1. 84 zu Niko- laifen, früher im Infanterieregiment 144, Schuß Unterleib. Reiter Johann Gruber, geboren am 25. 5. 84 zu Bruck, früher im 6. Bayerischen Infanterieregiment, Schuß rechten Oberarm, weiter Friedrich Ärnnenberger, geboren am 28.
80 zu (SongFen, früher im Infanterieregiment 46, Schuß linkes Auge. — Im Gefecht an der Onchaßschlucht am 10. April: Leicht verwundet: Oberleutnant Leo von Baehr, geboren am 6. 2. 72 zu Wittigwalde, früher im Dragonerregiment 0, Geschoßsplitter im linken Oberschenkel und inker Seite. Sergeant Paul Wiese, geboren am 21. 12. 80 zu Laukermühle, früher im Infanterieregiment 128, Fleischschuß Rücken, linke Schulter. — Unteroffizier Erich von Hohendorff, geboren am 27. 3. 79 zu Jnowrazlaw, früher im Infanterieregiment 59, ist am 13. April im Lazarett Warmbad an Typhus gestorben.
* Ein Kursus für Gefängnisweseu wird wie im Vorjahre auch in diesem Jahre und zwar vom 7.-19. Mai in Berlin staltfinden. Er wird von dem Geheimen Justizrat Plaschke geleitet werden und soll neben Vorträgen über die Justizpflege und den Strafvollzug auch Besichtigungen von Strafanstalten bringen.
* Den Erlaß eines Gesetzes zum Schutze der öffentlichen Mineral- und Heilquellen hat Eine feierliche Ruhe lag über dem Gemache, durch das der Todesengel mit leisem Flügelschlag gegangen war . . .
—tMice lag bleich und schön wie eine Silte tn ihren blühend Weißen Kissen, mit geschloßenen Augen, die Hände gefaltet — wie ein Marmorbild I
Ju der Nacht hatte sie einen schweren Anfall bon Bluthusten gehabt und darauf nach dem Priester verlangt. Sie wußte, daß es für sie keine Rettung mehr gab, das dttnkle Blut aus ihrem Munde hatte es ihr gesagt. Aber sie war gefaßt und lächelte, als jetzt Gabriel zu ihr trat — ein unendlich süßes und zugleich ein unsäglich trauriges Lächeln!
Er warf sich vor ihrem Bette auf die Knie nieder und küßte ihre bleichen Hände. „O Maria Felice . . . Maria Felice!" stammelte er.
Maria Felice sah ihn mit einem Blicke an, in dem alle Liebe ihres Herzens vereinigt war und sagte mit stiller Ergebenheit: „Es ist gut so, Gabriel, es ist gut so" —
„Ach", seufzte dieser, „es tut so Weh, so furchtbar ^weh"...
_ Sie lächelte schmerzlich und faßte seine Hand, während er sich erhob und sich an ihrer Seite nie« derließ. „Gabriel", sagte sie mit leise zitternder Stimme, „es muß so fein, und wir wollen uns darein fügen. Ich weiß, daß ich nicht mehr gesund werden kann, und Gott wird auch kein Wunder an mir tun, denn ich bin dessen nicht würdig — ich bin eine Sünderin!"
„Du", schrie Gabriel auf, „Du — Maria?!"
„Ja", sagte sie betrübt. „Als Du mir durch Deine Verlobung mit Viola verloren wärest, nachdem sich mein Vater dem Wunsche meines Herzens mit aller Strenge und mit seinem ganzen Stolze entgegenstellte — da erfaßte mich Verzweiflung. Ich floh heimlich und sah, wie mein Vaterhaus ein Raub der Flammen wurde; und dann eilte ich durch die Wett, bis su einem Orte, wo mich
[] Die Verabschiedung der Herrn von Holstein.
In der üblichen Form: „Wie wir hören", teilt die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg/ nunmehr mit, daß das Abschiedsgesuch des Wirkt. Geh. RatS und vortragenden Rats im Auswärtigen Amt von Holstein vom Kaiser genehmigt worden ist. Nach dieser Ankündigung wird man wohl morgen oder übermorgen im .Reichs- und StaatSanzeiger^ die offizielle Meldung von dem Rücktritt des Herrn von Holstein lesen können.
Selten hat eine Personenfrage in der Diplomatie eine derartige Aufmerksamkeit erregt, wie die Frage des Bleibens oder Gehens des genannten Mitarbeiters der vier Reichskanzler, die das neue deutsche Reich bisher gehabt hat. Ein ganzer Rattenkönig von Vermutungen und Kombinationen hat sich allmählich an diese Frage geknüpft, Vermutungen und Kombinationen, die lief hineinreichten nicht nur in das Gebiet der hohen j Politik, sondern auch in die persönlichen Beziehungen zwischen den hervorragendsten Faktoren im Reiche. Auf der einen Seite wurde behauptet, zwischen Herrn von Holstein und dem Reichs- kanster beständen starke Differenzen in verschiedenen politischen Fragen, namentlich in der Auf- fassung der Marokkoangelegenheit; von anderer Seite wurde die Behauptung vertreten, zwischen dem Kaiser und Herrn von Holstein beftänben Differenzen, denn der Kaiser wisse, daß Herr von Holstein der Lieferant des Materials'sei, auf das der Reichskanzler seine von den Anschauungen des Kaisers abweichenden Ansichten zu stützen pflege.
Rotationsdruck u. vertag der Fuldaer Le«
monatsbellage: „Sulöaer Geschichtsblätter". Sernlpr.di« Nr. 9.
Auferstehung.
Roman von Felix Nabor.
(Nachdruck verboten.)
Gabriel riß es förmlich auf die Knie nieder an dresem herligen Orte. Seine Lippen stainmel- unö ?ann trat auch er in einen Ai" chtstuhle' um ferne Seele von den letzten reinigen. @tWen' b,e noch an ihr hingen, zu