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JV5 87.

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Fulda, Dienstag, den 17. April 1906.

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33. Jahrgang

Vie rkausmannsgerichte in Gefahr?

Wer sich des lebhaften Drängens erinnert, das feinerzeit im Reichstage für die Errichtung von besonderen Kaufmannsgerichten sich fast bei allen Parteien betätigte, wird es kaum verstehen, wie ein einzelstaatlicher Mi­nister dazu kommen kann, fast unmittelbar nach dem Inkrafttreten dieser Einrichtung chr wieder die Berechtigung abzustreiten. Das ist aber, wie die Zeitschrift ,Das Gewerbe» und Kaufmannsgericht' mit Recht hervorhebt, von feiten des preußischen Justizministers in der Sitzung des preußischen Abgeordneten­hauses vom 20. Februar ds. Js. geschehen. Der Justizminister Beseler äußerte sich nach dem stenographischen Berichte über jene Sitzung folgendermaßen: „Ich habe für meine Person die Hoffnung, daß die Abzweigung der Kauf» mannsgerichte demnächst einmal wieder beseitigt werden wird."

Diese Aeußerung ist geeignet, lebhafte Beunruhigung in unsere kaufmännischen Streife zu tragen, namentlich in die Kreise der kaufmännischen Angestellten, bei welchen sich die Kaufmannsgerichte bereits trotz ihres kurzen Da- stins große Sympathien erworben haben. Der ^ustizminister Beseler hat sich weiter über die in Rede stehende Einrichtung dahin geäußert, die Amtsgerichte würden, wenn sie nach den Normen der Kaufmannsgerichte Recht zu sprechen hätten, wohl ebenso rasch arbeiten, wie die letzlere». Wenn der Minister damit hätte an- deuten mollert, daß er ein Freund jener Theorie fei, welche die Kaufmannsgerichte an die be­stehenden Amtsgerichte angegliedert wissen wollte, dr.b wenn er von diesem Gesichtspunkte aus von dem demnächstigen Verschwinden der Kauf­mannsgerichte gesprochen hätte, so würden seine Aeußerungen vielleicht weniger bedenklich er­scheinen können. Diese Einschränkung kann man aber unmöglich gelten lasten für den höchsten Justizveamlen in Preußen, denn es kann auch Herrn Beseler nicht unbekannt fein, daß die Rücksicht auf eine schnellere Erledigung der kauf­männischen Streitsachen nur einer der Gründe gewesen ist, welche zu der Errichtung von Kauf­mannsgerichten geführt haben.

Der entscheidende Puntt in dieser An­gelegenheit war der von allen Seiten als be­rechtigt anerkannte Wunsch, die kaufmännischen Streitsachen Gerichten überantwortet zu sehen, welche vermöge ihrer Zusammensetzung eine engere Fühlung mit dem täglichen

Leben, bezw. dem Handel und dem Verkehr

gewährleisteten, und zugleich durch die Heran­ziehung von kaufmännischen Sachver­

ständigen die Garantie böten, daß auch die llsancen des Handelsstandes eine genügende Be- »ücksichtigung fänden. Gerade mit Rücksicht darauf hat man schließlich auch davon abgesehen, die Kaufmannsgerichte den Amtsgerichten anzu- siiedern, obwohl man anfangs schwere Bedenken gegen die Erweiterung der Sondergerichte hegte. Mit Rücksicht auf diese Vorgeschichte der Kauf­mannsgerichte kann man nur annehmen, daß der preußische Justizminister bei der oben erwähnten Aeußerung nicht eine Aenderung der Organi­sation der Kaufmannsgerichte im Auge gehabt hat, sondern ihre völlige Beseitigung.

Diese Beseitigung würden wir für ein.n schweren Fehler erachten. Sie würde in einem schroffen Gegensätze zu den Bestrebungen . stehen, den Besonderheiten großer Volks- und

Auferstehung.

Roman von Felix Nabor.

46] (Nachdruck verboten.)

Die beiden fuhren erschreckt zusammen bei dem ^furchtbaren Anblick. Das Gesicht des Marquis tuar blauschwarz, der Mund weit geöffnet, die Zunge hing dick angeschwollen und schwarz gefärbt aus dem Munde; die Fingernägel hatten sich tief in das Fleisch gebohrt und dunkle Blutflecken be­deckten die Hände. Gabriel erinnerte sich unwill­kürlich der furchtbaren Szene, die er zu Rom im Salon der Principessa mitangesehen hatte. „Ist dieser Mann ermordet worden?" fragte er den Polizisten.

„Seine Schwester hat ihn erwürgt", erwiderte \ber Wächter des Gesetzes.

Gabriel fühlte, wie ein Schauder über seinen Rücken lief. „Und die Mörderin?"

„Ihr Bruder stieß ihr den Dolch in die Brust;

-sie ringt mit dem Tode."

„Wo ist sie?" fragte Gabriel. „Ich — ich kannte sie früher. Kann ich sie sehen?"

Der Polizist führte Gabriel in ein kleines, mit Rosaseide ausgeschlagenes Boudoir, das eine Bronzelampe matt erleuchtete.

Zwei Polizisten standen hier Wache, ein junger Mrzt faß an dem Ruhebette, auf das man die Principessa gelegt hatte. Bei Gabriels Eintritt er­hob sich der Arzt und kam ihm entgegen.

„Ist keine Rettung möglich?" fragte Gabriel.

„Nein", sagte der Arzt. „Innerliche Ver­blutung. Es kann jeden Augenblick z« Ende gehen. Es ist auch besser so — sie käme sonst als Hochstaplerin ins Gefängnis und das wäre für diese stolze Natur noch furchtbarer als der Tod. Hch kannte sie früher — sie war ein schöne» Weibl"

Gewerbeklassen auch in der Rechtspflege Rechnung zu tragen, und in einem nicht minder schroffen Gegensätze zu der mehr und mehr sich Bahn brechenden Anschauung, daß die moderne Rechts­pflege notwendig der Mitwirkung her Säten in einem erweiterten Umfange bedarf, um nicht nur engere Fühlung mit den tatsächlichen Ver- hältniffen zu gewinnen, sondem auch um das Vertrauen des Publikums zur Justiz zu kräftigen.

Nachdem nach langem Zaudern der mit den Gewerbegerichten in dieser Richtung betretene Weg eine Fortsetzung in den Kaufmannsgerichten gefunden hat, und zwar in einer Weise, die nach allem, was darüber bis jetzt bekannt geworden ist, in den beteiligten Kreisen Befriedigung hervorgerufen hat, sollte man eS doch unterlassen, das Errungene wieder in Frage zu stellen. Die Zeit des Bestehens der Kaufmannsgerichte ist noch viel zu kurz, als daß man ein au» schließendes Urteil über dieselben nach irgend einer Richtung abgeben könnte, am wenig­sten aber reicht sie aus, um eine Verurteilung der jungen Institution zu rechtfertigen. In kaufmännischen Kreisen wird man auf alle Fälle gut tun, ein wachsames Auge auf die weitere Entwickelung der Dinge zu richten.

Deutsches Keich.

Berlin, de» 14. April 1906.

* Der Reichskanzler Fürst Bülow wird, wie wir ans sicherer Quelle erfahren, zunächst nur einen kürzeren Urlaub antreten, der sich schwerlich über drei Wochen misdehnen dürste. Auch wird der Reichskanzler während dieser Zeit die Leitung der Geschäfte in der Hand behalten. Für die dritte Lesung des Etats, die voraussicht­lich Mitte Mai im Reichstage beginnen wird, gedenkt der Reichskanzler auf. alle Fälle dem Parlament zu Verfügung zu stehen, um eventuell seine Ausführungen über die auswärtige Politik, die er bei der ziveiten Etatsberatung machte, zu ergänzen und zu erweitern. Später wird der Reichskanzler dann einen längeren Urlaub an­treten.

* Der Landwirtschaftsmimster b. Podbielski soll nach einer Meldung der ,Voss. Zig/ und anderer liberaler Blätter, die von diesen selbst als „interessante Aitfklärung" bezeichnet wird, bis zum 1. April Mitglied des der agrarischen Milchzentrale feindlichen Verbandes Berliner Milchhändler gewesen fein. Die Blätter meinen dazu: der Minister v. Podbielski habe also der Milchzentrale wohl sein Ohr und seinen Arm geliehen, sein Portemonnaie aber nicht, und knüpfen an die Geschichte weitere hämische Be­merkungen gegen den Minister. Die,Kreuzztg/ bemerkt darauf u it Recht: „Interessant" an diesen Zeitungsäußerungen ist nur die Spekulation auf die Gedankenlosigkeit der Leser. Wir sind über den Sachverhalt nicht unterrichtet, er ist auch ganz gleichgiltig. Jene beiden Organisationen be­herrschen den Milchmarkt in Berlin, an eine von beiden muß sich also ein märkischer Großgrund­besitzer anschließen, wenn er in Berlin seine Milch abfetzen will, die Redaktionen der obigen Blätter werden sie ihm doch schwerlich abnehmen. Wäre der Minister der agrarischen Milchzentrale beigetreten und hätte ihr nicht blos „seinen Arm und sein Ohr", sondern auch sein „Portemonnaie" geliehen, so würde die liberale Presse um Glossen darüber nicht verlegen gewesen fein. Aber, man

Die beiden sahen sich in die Augen und ver­standen sich. Nun drückten sie sich die Hände.

„Armes, gefallenes Weib", sagte Gabriel, „Deine Schönheit war Dein Fluch!"

Er beugte sich über sie und sah ihr ins Gesicht; es war furchtbar bleich, leichter roter Schaum stand auf den erblaßten Lippen.

„Egeria" ._. . sagte er leise.

Sie hob mühsam den Kopf mit dem herrlichen Haar und stöhnte. Gabriel fah, daß der Tod be­reits seine furchtbaren Runen in dieses schöne Ge­sicht geschrieben hatte. Pfeifend kam der Atem aus der Brust, wie ein gurgelndes Röcheln. Lang­sam hob sie die Hand, eine feine, schlanke Hand, an der noch ein kostbarer Brillantring blitzte, ihre Finger waren gespreizt. „Wer . .. wer ruft mich? . . . Diese Stimme . . . Ach, diese Schmerzen, nun kommen sie wieder . . . wie Feuer brennt es in der Brust, wie Höllenfeuer!... Und vor meinen Augen . . _ ein blutiger Schleier" ... — Stoß­weise kamen die Worte aus der Brust, langsam bäumte sich ihr Körper auf, ihre Augen starrten furchtbar groß auf Gabriel.

„Egeria", sagte dieser schmerzlich, „arme Egeria, kann ich Dir einen Wunsch erfüllen . . . oder Dir irgendwelche Erleichterung verschaffen?"

Da zuckte ein Blitz des Erkennens in ihren halbverschleierten Augen auf. Sie stützte sich auf die zitternden Hände, das schöne Haupt mit der blau-schwarzen Haarflut hob sich höher und höher, unheimlich starrten die Augen. Ein leiser Schrei kam aus ihrer Kehle.

„Du, Gabriel? ... Du hier?" ... Es klang wie schmerz und Jubel zugleich.

„Ich möchte Dir den Frieden bringen", sagte Gabriel mitleidig und ernst. „Bereue" . ..

Sie unterbrach ihn, ihre Finger tasteten nach seiner Hand. „Gabriel . . . Dich . . . nur Dich hab' ich ehrlich . . . geliebt. Verzeih'" —

Dann sank sie plötzlich, wie von einem Blitz­schläge niedergeworfen, zurück; die Arme sielen

sicht, es geht auch so! Es versagt auch die Ausrede, jene Mitteilung sei deshalb imereffant, weil sich ein abfälliges persönliches Urteil des Ministers über die Milchzentrale daraus ergebe. Denn nur bis zum 1. April soll ja der Minister Mitglied des Milchhändlerverbandes gewesen sein, er würde also gerade zu einem Zeitpunkte ausgetreten sein, wo der Sieg des VerbandeS über die Milchzentrale nach triumphierenden Be­richten der liberalen Presse über einen von der Zentrale verlorenen Prozeß enffchieden gewesen wäre. Es bleibt also nur das Bestreben übrig, einem verhaßten politischen Gegner, wie es der in konservativen Kreisen und darüber hinaus hochgeschätzte Minister v. Podbielski für jene Blätter ist, eins anzuhängen. Aber die Meihode des „semper aliquid haeret“ ist diesmal doch zu plump angewendet, um zu verfangen "

* Parlamentarisch« Studienreisen in die Kolonien werden in diesem Jahre nicht weniger als drei unternommen. Eine Reise nach Kiaut- schou (mit Abstecher nach Japan) machen zehn Abgeordnete mit. Nach Ostafrika haben sich zwölf, nach Südwestafrika sechzehn Abgeordnete gemeldet. Nächstes Jahr ist eine Reise nach Neu-Guinea geplant. Die,Rat.-Ztg/, der wir diese Meldung entnehmen, behauptet, au h „Herren vom Zentrum" würden sich an den Studienreisen beteiligen. Uns fft bisher von einer solchen Be­teiligung nichts bekannt.

** Die ungewöhnlich starke Entwickelung des Eisenbahn-Güterverkehrs in den letzten Monaten kennzeichneten die Wagengestellungsziffer« des Monates März für den ganzen Bereich der preußischen Staatseisenbahnen. 9hinmebr liegen die Zahlen für die Entwickelung des Kohlenver­kehrs im März in den einzelnen Kohlenrevieren vor. Auch diese ergeben einen starken Mehrver­sand an Kohlen und Braunkohlen. Gegen März 1905 sind im vergangenen Monat im Ruhrbezirke 13,5 per Zt. mehr Wagen gestellt und verladen worden, in Oberschlesieu 16,2 per Zt. und in den mittleren Brannkohlen-Revieren 17,3 per Zt Gegen März 1903 beträgt die Steigerung im Ruhrbezirke 32,8 per Zt., in Oberschlesien 44,5 per Zt., allerdings bei 27 Arbeitstagen 1906 gegen 25V» bezw. 25 in 1903. Werden für 1903 ebenfalls 27 Arbeitstage eingesetzt, so er­gibt sich immerhin noch eine Steigerung von 25,4 per Zt. im Ruhrbezirke und von 33,7 per Zt. in Oberschlesieu

% Der polnisch Ostmarke»-Verein „Straz" hat, wie der ,Dziennik Poznanskck meldet, seine Organisation für Oberschlesien auSqebout, indem er 22 Bezirksoorsteher ernannte. Die Folge soll angeblich ein gewaltiger Mitglieder-Zuwachs sein.

* Der Gouverneur von Deutsch-Ost-Afrika, Gras v. Götzen, hat nunmehr feine Heimreise angetreten und kurz vorher einem ZeitungS- berichterstatter erzählt, er reife lediglich ans Ge­sundheitsrücksichten heim, und werde aus diesem Grunde nicht mehr auf seinen Posten zurück­kehren können. Ein Gesandtenpoften sei ihm niemals angeboten worden, er gedenke vielmehr zunächst ausschließlich feiner Gesundheit zu leben und sich vorläufig nach Meran zu begeben. Die ,Deuische Tageszeitung^ bemerkt dazu: Die be­dauerliche Tatsache, daß der Gesundheitszustand des Grafen Götzen ihn zwingt, auf fernere amt­liche Tätigkeit in Deutsch-Ost-Afrika zu verzichten, war bereits seit geraumer Zeit bekannt. Im Interesse des Schutzgebietes würde man das tief beklagen müssen. Gouverneur von Götzen war unbestritten einer der tüchtigsten Gouver-

schlaff herab, ihr ftierer Blick streifte Gabriels Ge­sicht und ein leichtes Zittern lief über ihren Kör­per. Sie war tot.

Erschüttert stand Gabriel an der Leiche. Ihm war es, als sei plötzlich eine glänzende Welt vor ihm herabgesunken in einen finsteren, schauer­lichen Abgrund.

Gleich einem segnenden Priester, der weder Haß noch Rache, sondern nur Liebe und Ver­zeihung kennt, legte er den Toten die Hände auf das Haupt und sprach ein stilles Gebet.

Dann ging er, Tränen tn den Augen. Die Stätte, wo soeben ein furchtbares Drama aus dem Leben einer falschen, glänzenden Welt seinen schauerlichen Abschluß gefunden hatte, war ihm unheimlich.

O, diese eitle, hohle Abgründe bergende Welt! . . . Vanitahun vanitas?

Neuntes Kapitel.

Die letzte Kette war nun zerbrochen, welche Gabriel an die Welt gefesselt hatte — alles war hinter ihm versunken, was ihn ehemals gelockt, was seine Sinne betört hatte.

Run stand ihm aber noch daS allerschwerste be­vor — der Abschied von Maria Felice! Sie schien ihm um Jahre gealtern, als er sie nach zwei Tagen wiedersah; der Tod hatte bereits seine furchtbare Runenschrift in ihr bleiches Gesicht gegraben.

Gabriel war doppelt liebevoll gegen sie, um ihr die letzten Tage ihres Lebens durch seine Jtiebe zu verschönern; er wich nicht von ihrer Seite. Wenn ihn Maria Felice fortschicken wollte, daß er in die Sonne und unter Menschen gehe, so faßte er ihre Hände und sagte lächelnd: „Du mußt mich schon an Deiner Seite dulden, Maria! Sieh', ich habe Dich jahrelang entbehrt und mit Sehnsucht nach Dir geforscht. Jetzt, seitdem ich Dich wieder­gefunden habe, gehört jeder Augenblick meines Le­bens Dir, Maria Felice! Du ersetzest mir die ganze Welt" . . .

«eure, die wir bisher in den Schutzgebieten ge­habt haben. Daß er den Ausstand nicht ver­hindern konnte, war nicht seine Schuld. Hätte er seinen Posten einige Jahre früher angetreten, so würde nach menschlicher Voraussicht den Schutzgebieten der blutige Aufruhr erspart ge» Wieben fein. Graf von Götzen hinterläßt bet seinem Scheiden aus seinem schweren und wenig dankbaren Amte bei allen Kennenr und Freande-r der deutschen Kolonien eine bl übende dankbare Erinnerung. Daß ihm bis jetzt irgend ein Posten hn diplomatischen Dienste nicht angeboten worden ist, wird richtig fein. Es ist aber wohl mit einiger Sicherheit anzunehmen, daß die hervor­ragende Kraft des bisherigen Gouverneurs in irgend einer entsprechenden Stellung dem Reiche erhalten bleibt ober wiedergewonnen wird.

Ausland.

* Der Pariser Briefiragerstreik dürfte die Entlaffung zastreicher Briefträger zur Folge haben. Der in einer Nachtverlammlung gefaßte Beschluß von 6000 Postbeamten, in einen all­gemeinen Ausstand einzutreten, scheint übereilt gewesen zu sein. Die mit Der Druckfachen­bestellung betrauten Briefträger haben am Sonn­tag Die Arbeit in verstärktem Maße wieder auf» genommen Die Verwaltung glaubt, daß der Ausstand so gut wie vorbei ist.

* In Belgrad ist es am Freitag zu blutigen Raufereien zwischen streikenden und arbeits­willigen Kanalisationsarbeitern gekommen. Das ,Wolff'fche Bureau' berichtet darüber: Die sozial- demokratischen Arbeiter hielten hier eine Ver­sammlung ab, um ihre Unzufriedenheit Darüber kunozugeben, daß Die Gemeinde die Lohnforde­rungen der ausständigen Kanalisationsarbeiter nicht erfüllen will, Nach Schluß der Versamm­lung machte eine Arbeitergruppe einen Angriff auf ein Kaffeehaus, in welchem einige fremde, nicht am Ausstand beteiligte Arbeiter saßen. Bei der sich darauf ent wickelnden großen Rauferei zwischen den beiden Arbeitergnippen fielen auch mehrere Reoolverschüsse; acht Arbeiter wurden schwer, drei leicht verwundet. Gendarmerie unD Militär stellten nach Vornahme zahlreicher Verhaftungen die Ruhe wieder her.

* Der Hafen Weihaiwei von bett Englän­dern aufgegeben? Die Londoner ,$rtbuna' meldet aus Peking: Der Befehlshaber der britischen Truppen General Ventris und Der älteste Ingenieur Blair haben sich nach Weihaiwei begeben, an» geb sich um das dortige Chinesenregiment au zu- lösen, in Wirklichkeit aber, wie angenommen werden darf, um den Hafen an China zurückzu- zeben.

* Dem Präsidenten Roosevelt stellte am Donnerstag der deutsche Botschafter Speck von Sternburg eine Abordnung des Zentralver- bandes deutscher Kr ieaerbundesmit- glieder vor. Bei dieser Gelegenheit gab der Präsident feinen herz ichen persönlichen Em- findungen für Kaiser Wilhelm Ausdruck. Er bemerkte, keine Nasse habe den Amerikaner« beffere Eigenschaften gegeben, als die Männer deutschen Stammes und BluteS. Der Präsident kam sodann, auf das in Algeciras vollbrachte Werk zu sprechen und gab der Hoffnung Aus­druck, daß das Ergebnis der Konferenz die Beziehungen zwischen Den beiden mächtigen Staaten Frankreich und Deutschland freundlicher gestalten werde.

Dann lächelte sie und war glücklich, ach so glück­lich!

Am anderen Tage in der Frühe klang vielstim­miger Glockenklang in das Gemach. „Was be­deutet das?" fragte Maria Felice die Kranken­schwester.

„ES ist der Abschluß einer Pilgernovene", er­widerte diese, „und nun findet die große Pro­zession statt. Zum Schlüsse wird von der Balu­strade der Basilika herab der Segen mit der Mon­stranz erteilt."

„Ach, Gabriel", sagte Maria Felice und faltete bittend die Hände, „willst Du icicht daran teilneh- men und mir nachher alles erzählen?"

„Aber mit Freuden", sagte dieser und machte sich auf den Weg zur Basilika. Schon von ferne erblickte er die Prozessioil; das Prozessioirskreuz leuchtete unter dem Bogengewölbe der Rampe wie ein großer, blutroter Rubin, so oft die Sonnen­strahlen darauf fielen. Hinter ihm kamen die Pilgerzüge mit ihren Fahnen und Standarten, mit Den leuchtenden Heiligenbildern auf den seidenen, goldbefransten Flaggentüchern.

Eine große Zahl von Priestern in weißen Chor- rücken gingen 31t zwei und zwei nebeneinander und trugen brennende Kerzen in den Händen; manche trugen goldgestickte Rauchmäntel ,die in Der Sonne wundersam flimmerten. Diese Priester, gegen dreihundert, sangen mit lauter Stimme den Hym­nus „Lauda Sion Salvatorem", der sich wie ein Siegeslied zum , Himmel schwang.

Hinter den Priestern folgte in königlicher Pracht der Traghimmel aus purpurfarbener Seide, mit goldenen Treffen besetzt. Unter die­sen, prächtigen Traghimmel schritt der Priester mit dem allerheiligsten Sakramente, das in einer kostbaren Monstranz aus Gold, Brillanten und Rubinen thronte. So oft ein Lichtstrahl auf sie fiel, begann sie aufzuleuchten und wie eine goldene Sonne zu erglänzen.

(Fortsetzung folgt?