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Sd)tiftleiter:3 Baum;

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rnonatsbeilage: „gulöaer Seschichtsblätter".

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RotationrdrnS n. Verlag der Sulbaer He« tienOruaerei in Sulba. $emfptej}er Nr. 9.

JV2 84.

Fulda, Mittwoch, den 11. April 1906.

33, Jayrqanq.

Grstes Malt.

Kottenverein und Reichsmarineamt.

Man hätte erwarlen sollen, daß die Zurück» wrisungen, welche der Fiottenveretn mit seinen Ncbrriretvungen sowohl in der Budgettommission w'.s im Plenum des Reichstages bei der dies­jährigen Etatsberatung erfahren hat, genügen würden, um den genannten Verein wenigstens etwas bescheidener in seinem Auftreten zu machen. Diese Erwartung scheint indessen ent­täuscht werden zu sollen.

Der Flotten verein tritt jetzt mit einer Äritit des ReichSmarineamtes hervor, die einen per­sönlichen Charakter trägt, weil sie gegen eine Auslassung des Staatssekretärs v. Tirpitz gerichiet ist, die dieser bei Verteidigung der Flvtteuvorlage im Reichstage gemacht hat. Herr ron Tirpitz hat in der Reichstagssttzung vom 27. März sich bekanntlich dahin geäußert, es sei durch das Flottengesetz mit geringen Mitteln und in verhältnismäßig kurzer Z«t seiner persönlichen Ansicht nach gelungen, unsere Flotte der fran­zösischen gleichwertig zu machen. Diese Aus­lassung hübet oen Ausgangspunkt zu scharfen Angriffen des Flottenvereins. Derselbe sucht allerdings den Schein zu erwecken, als seien die Angriffe mcht gegen den Staatssekretär des Reichsmarineamtes, bezw. gegen das letztere, sondern gegen einen Teil der Presse gerichtet. In den Auslassungen deS MottenvereinS wird nämlich der Nachweis versucht, daß die deutsche Flotte weit hinrer Frankreich und der fran­zösischen Flotte zurückgeblieben sei. Im An­schlüsse daran beißt es dann in den vom Flotten- verein ausgehenden Verlautbarungen: hiernach erLdr-gt es sich, die auch in einem Teil der deutschen Presse gemachten Versuche, eine Gleichwertigkeit der deutschen und französischen Fi orte, was das Schiffsmaterial betrifft, heraus» - »rechnen, noch näher zu beleuchten.

Wie schon aus dem oben Gesagten hervor-

*)t, ist diese Gleichstellung aber nicht etwa von einem beliebigen Blatte gemacht worden, sondern von keinem Geringeren alS dem verant­wortlichen Leiter des deutschen Marine­rv e' e n s, beir Staatssekretär des Reich -Marine- mntes. Daß die Urheber der Auslassung deS Flotten Vereins diese Tatrache nicht gekannt Hai en wlllen, können wir umsoweniger annehmen, alS sie schon durch den Gang der Verhandlungen tm Reichstage vom 27. März veranlaßt sein mußten, sich mit den Reden, die damals gehalten wurden, und die sich auch zu einem wesentlichen Teile mit öen; Flottenverein beschäftigten, zu befassen. ES ist kennzeichnend für die Art und Weise, wie die Macher des Flottenvereins chre Ausgabe auffassen, daß sie chre Angriffe nuv»indirekt gegen den Staatssekretär des ReichS-MartneamteS zu richten wagen. Sie yaben jedenfalls geglaubt, ihre Zwecke, bi» sich mit einer Untergrabung der Autorität der Leitung unseres Flottenwesen« decken, besser er- reichen zu können, wenn sie ihre Angriffe ver­schleierten. Die Autorität des Reichs - Marine- amtes ist im Bewußtsein unseres Volkes doch wohl so fest gewurzelt, daß eS den unverant- worflrchen Machthabern im deutschen Flottenverein kaum gelingen würde, im direkten Kampfe gegen di selbe Erfolge zu erzielen.

Auferstehung.

Roman von Felix Nabor.

(Nachdruck verboten.)

ES war ganz stille hier: nur die Platanen rauschten ein leises, traumhaftes Sieb, ein Sieb Ium Preise der Hochgeöenedeiten.

Es befanden sich kaum fünfzig Personen vor der Grotte; arme Leute, die irgend ein schweres Herzensanliegen hatten und während der Nacht die Ehrenwache hielten bei der Madonna.

.Bringe mich ganz nahe an das Gitter ', flü- fterte Maria Felice, »ganz nabel*

Gabrtrl tat es Maria Felices Gesicht nahm einen süßen, glücklichen Ausdruck an. Ihre Augen strahlte» wie tn Verzückung, chre Arme streckten sich der heiligen Jungfrau entgegen, ihr Mund lächelte, tote ein Kind seiner Mutter zulächett, die sie nach langer Trennung wiedersieht. „£> Ma­donna, Madonna" ...

„Wirst Du Dich nicht erkälten?" fragte Gabriel besorgt und hüllte sie fester ein.

»Störe mich nicht", sagte Maria Felice, ohne ihn anzublicken. „Ich möchte ganz allein mit ihr ... . ganz allein I ... Ich möchte mit ihr sprechen, tote man mit einer Mutter spricht" . . .

Da trat er zurück, und Maria Felice streckte flehend die Arme empor zu der Unbefleckten . . . ihr ganzes Herz flog ihr entgegen . .. ihre Sippen stammelten heiße Bitten . . .

Dicht neben Gabriel befand sich bet lahme Knabe; die Mutter lag mit ausgebreiteten Armen auf dem Boden. Der arme Krüppel vermochte kein äußeres Zeichen seiner Andacht an den Tag zu legen, nicht einmal die Hände konnte er falten; aber feine ganze Seele lag in feinen Augxn, die stehend auf das Bild der Unbefleckten Empfäng­nis gerichtet waren und in feuchtem Schimmer glanzten.

Allmählich aber belebten sich auch feine erstarc-

Jn sachlicher Hinsicht verdient die neueste Treiberei des FlottenvereinS die gleiche Ver­urteilung, wie alle früheren Machenschaften, die von dieser Seite ausgegangen sind und mit Recht im Reichstage die Bezeichnung eines ^ge­meingefährlichen Tretbens" gefunden haben. Die Herabsetzung des Wertes unserer Flotte, die vom Flottenoerein systematisch be­trieben wird, kann auf die Dauer nicht ohne Einfluß bleiben auf daS Urteil des Auslandes über unsere Seewehr. Wie bedenklich eine der­artige Beeinflussung des Urteils fremder Mächte sein kann, hab sich erst in jüngster Zeit bei den Marokkowirren gezeigt. Wenn die Dinge in AlgeciraS nicht den günstigen Ausgang ge­nommen hätten, den sie tatsächlich genommen haben, so wäre Europa zweffellos über kurz oder lang wohl in sehr ernster Weise vor die Frage gestellt worden, ob Krieg oder Frieden. In der Entscheidung über diese Frage würden jedenfalls auch Momente mitgespiett haben, die mit den vom Flottenverein berührten Angelegenheiten nahe verwandt sind. Man sollte doch meinen, daß derartige Erwägungen auch den Flotten­verein bestimmen müßten, endlich aufzuhören mit Ausstreuungen und Kritiken, die unsere Flotte in den Augen deS Auslandes nur herabsetzen können.

Deutsches Keich.

Berlin, den 10 April 1908.

*Jn Betreff der Frühjahrsreisen deS Kaisers verlautet, daß der Kaiser Ende Mai einen Aus­flug nach Ost- und Westpreußen uniernehmeu wird. Au; der Rückfahrt, von Prökelroitz, wo bet Kaiser mehrere Tage sich bei dem Fürsten zu Dohn' zu Jaqdzwecken aufhalten wird, wird der Kaiser Marienburg und Danzig berühren. In beiden Städten ist ein kurzer Aufenthalt vorge­sehen.

* Die Gesamtverluste des bereits 27 Monate dauernden südwestafrikanischen Aufstan­des betragen einschließlich der ermordeten Civil- bevölkerung 2179 Seelen. Die militärischen Ver­luste belaufen sich vom 1. Dezember 1903 bis zum 1. April 1906 auf 1957 Mann. Davon find gefallen 1226 und verwundet 731 Manu. Wegen Krankheit oder in Rekonvalesenz befind­lich resp. wegen Rückübertritt ins Heer sind rund 1200 Mann in die Heimat zurückgeschickt, währ end 800 Mann noch krank in der Kolonie darnieder­liegen. Der GefechtSverlust der Truppe beläuft sich auf 1239 Mann (Tote. 541, Verwundete 698), davon 118 Offiziere. Bor dem Feinde find gefallen an Offizieren und höheren Beamten 57, an Unteroffizieren 98, an Mannschatten 386. Verwundet wurden 73 Offiziere und höhere Be­amte, 139 Unteroffiziere, 481 Mannschaften. An Wunden gestorben sind 34 Personen.

*** lieber den Protest der 27 Professoren gegen das preußische Nolksschulunterhaltungsgeketz äußern sich die ,Berl. VoL Nacht.' folgender­maßen: Wenn mit dem Pronunziamenlo der 27 Unioerfitätsprofessoren gegen das Schulumerhal- tungSgesetz immer noch gearbeitet wird, so liegt der Grund darin, daß man sehr wohl weiß, welchen Eindruck eS auf gewisse parlamentarische und außerparlamentarische Kreise machen würde, wenn man ihnen den Glauben beibringen könnte, daß die »Intellektuellen" untere! Volkes auf der Seite der Gegner dteseS gesetzgeberischen Werkes

ten Züge, die Lippen öffneten sich, und leise Baute entströmten ihnen, bis so zart und schüchtern klangen, wie bas Gezwttscher eines Bogels!

Gabriel verstand einzelne Worte und lauschte wie gebannt dem Schmerzenserguß dieses unglück­lichen Kinderherzens, daS vor Siebe zur himm­lischen Mutter überfloß.....

„£) Jungfrau, mächtige Jungfrau", betete der Knabe, „erbarme Dich meiner Mutter!... Mutter bet Gnade . . . laß sie nicht sterben vor Jammer . . . erhöre fiel . . . Süße Mutter, reine . . . laß sie nicht verderben! . . . Mache mich gesund, mich Elenden . . .barmherzige Mutter, daß ich ihr per- gelten kann, was ste für mich leidet! Du vom Schwert des Schmerzes durchbohrte Mutter . . . bitte für mich! . . . Du kennst den Schmerz einer Mutter, die ihr liebes Kind verliett . . . bewahre meine Mittler davor! Jungfrau . . . Reine . . . Mutter des Heilandes, des Erlösers . . . hilf uns Armen!"

Gabriel war erstaunt ob der Größe und Er­habenheit der Gesinnung dieses Kinde-, das für sich selber nichts begehrte, sondern nur um seiner Mutter willen geheilt sein wollte.

Als ihm die Worte versagten, betete der Knabe eine Bitanei, die er wohl zu Hause hundertmal von seiner Mutter vernommen hatte oder vielmehr — er schlnchzte sie, beim die Worte kamen abge- rissen, wie schwere Seufzer, von seinen Sippen.

Maria, süße Mutter: wir lieben Dich!

Maria, unsere einzige Hoffnung: rette uns! Hilfe der Christen: bitte für uni Heil der Kranken: bitte für uns!

Du Zuflucht der Sünder: bitte für unS!

Du Trösterin der Betrübten: bitte für uns! ..

Gabriel vergaß über der Betrachtung dieses Knaben beinahe Maria Felice. Als er nach ihr blickte, sah er sie noch in der gleichen Haltung, die Hände gefaltet, das verklärte Gesicht in stummem Flehen der heiligen Jungfrau zugewandt.

Wie bleich war sie und wie hinfällig! Wie eine

stehen. Zur Vermeidung einer solchen Legenden- bildung mag indessen darauf hingewiefen werden, daß sich die Urheber jener Kundgebung an alle Hochschullehrer Deutschlands mit der Bitte um Beitritt gewandt hatten und daß demzufolge im Hinblick darauf, wie leicht aus Kollegialität und anderen Rücksichten dieser Att eine solche Unter­schrift zu erlangen ist, man zu dem Schlüsse be­rechtigt erscheint, daß die Mehrzahl der deutschen Professoren sich aus bem Grunde an der Kund­gebung nicht beteiligt haben, wetl sie die darin vertretene Auffassung nicht teilen. Schon diese Tatsache allein beweist mehr als ausreichend, daß die Stellung der großen Mehrzahl der „Intel­lektuellen" und zwar auch der Lehrer an den deutschen Hochschulen im Gegensätze zu der Stellung­nahme beim Volksschulgesetze von 1892 gegen­über dem Schulunterhaltungsgesetze eine keines­wegs gegnerische ist. Was insbesondere die Ber­liner Universität anlangt, so mag darauf hinge­wiesen werden, daß Professor Paulsen, zweifellos eine unserer ersten Autoritäten auf dem Gebiete des Erziehungswesens und ein Mann von ent­schieden liberaler Auffassung, sich bereits h Jahre 1894 sehr entschieden für das Schulkompromis ausgesprochen hat. Ebenso stehen die Professoren der evangelischen Theologie, Pfleiderer und ins­besondere Harnack, die doch sicher hochkirchlicher Steigungen nicht verdächtig sind, mit voller Ent­schiedenheit auf der Seite der Konfessionsschule und haben die Ermächtigung erteilt, dies für sie zu erklären. Wer sich nicht »rreführen lassen will, wird daher gut tun, die Kundgebung der 27 Professoren dahin zu werfen, wo sie hmgehört, nämlich in den Papierkorb. — Dieser Meinung sind auch rott.

* Die Einführung eines Ausfuhrzolles auf Kohlen bildete bekanntlich den Gegetistand eines Antrags, den der Abgeordnete Graf Kamtz in der Steuerkommlision des Reich-tags ein gebracht halte. Ter Antrag ist in der ersten Leimig der Steuervorlagen von der Kommission abgelehnt worden. Graf Kunitz hat den Antrag jetzt in ausgedehnterer Form wieder in der Kommiision eingebracht und zwar m Gestalt eines Gesetzent­wurfes mit angehängtem Tarife. Der Gesetzent- rourf soll folgende Fassung haben: § 1. Bei der Ausfuhr von Waren werden Zölle nach Maß­gabe deS nachstehenden Tarifs erhoben werden. § 2. Der Verzollung wird das B.uttogewicht zu Grunde gelegt. § 3. Die Zölle können auf An­trag gegen Sicherheitsleistung für eine Frist bis zu dreiMonaten nachÄnordnung des Bundesratsge- gestiindet werden. § 4. Dieses Gesetz tiitt am 1. Juli 1906 m Kraft. In dem angehängten Taris ist ein Steuersatz von 0,!0 Mk.türden DZ. Steinkohle vorgesehen, von 0,05 Mk. für den DZ. Braun­kohlen, von 0,15 Mark für den DZ. Koks und koksartige Rückstände, von 0,02 Mark für den DZ. Kuli-Rohialre und daraus hergestellte Pro­dukte, von 5 Mark für den DZ. Abfälle von Gespmstroaren, von 5 Mark für abgenutzte fieber* stücke und Lederwaren, sowie Lederabfälle und ebenfalls von 5 Mark pro DZ, Abfälle von rohem und gereinigtem Kautschuk. Der Antrag wird in der ersten Sitzung der Steuerkommission nach den Osterferien beraten werden. Die in dem Antrag vorgrichlagenen AnSfuhrzölle würden eine Einnahme von über 30 Millionen Mark erzielen, also die Differenz zwischen dem mur- maßlichen Ergebnis der Regierungsvorschlä e und dem der Kommsssionsbeichlüffe beseitigen.

geknickte Sitte. „Werden diese welken Glieder je $u neuer Kraft und Schönheit erblühen?" fragte er sich schaudernd.

Zugleich aber machte ihn ein furchtbarer Ge­danke erbeben. War er hierher gekommen, um sich von der Wunderkraft dieses Ottes zu über­zeugen? — Nein, er wollte, daß Matta Felice ge­sunde. Das war an und für sich gut, war erlaubt. Aber warum sollte Maria Felice gesunden, wa­rum? . . . Daß sie ihm angehöre, daß er von ihr Besitz ergreife, daß sie sein Weib werde! War das nicht Sünde? Ein Wunder zu begehren, bloß um einer irdischen Neigung willen? . . .

Dieser Gedanke riß ihn auf die Knie nieder. Er falttte die Hände und flehte: ,^err, mache Maria Felice gesund, aber nicht um meinetwillen, sondern daß sie Dir angehöre. Wirke ein Wunder zu Deiner Ehre. Ich verzichte auf Maria Felice, wenn Du sie gesund machst! AuS Siebe zu Dir will ich selbst dieses teuerste Wesen, das ich auf Erden besitze, hingeben und ganz Dir angehören! Ich biete mich Dir zum Opfer an, Herr, laß mich sterben und laß jene leben, wenn es Dein heiliger Wille ist. Und wenn Du das Opfer meines Lebens nicht annimmst, so gelobe ich Dir an diesem heiligen Orte, im Angesichte der Unbefleckten, der Reinen, der strahlenden Himmelskönigin, ernst­lich und feierlich: ich will allem irdifchen Genuß entsagen und mich Dir in freiwilliger Enthaft- santtttt weihen. Du, o strahlende, leuchtende Königin, trage mein Gelübde empor zum Himmel und lege eS Dement göttlichen Sohne zu Füßen."

Gabriel jubelte in seiner Seele; die Grotte hatte in Wahrheit ihre Wunderkraft bewährt, sie hatte ihn geläutert und völlig bekehrt, so daß er wie ein neuer Mensch, der vom Grabe der Sünde auferfteht, an den Altar Gottes tritt und das höchste Gut, das er besitzt, als Opfer darauf nieder­legt — fein Beben!

Es ward ihm wunderbar woül. nachdem er den großen Entschluß gefaßt hatte, auf Maria Felice zu verzichten und fein Beben < wtt zu roetuen.

* Eine neue Seestraßenordnung wird am ersten Mai d. I. in Kraft treten. Sie enthält namentlich Aenderungen der Verordnung zur Ver­hütung von Zusammenstößen der Schiffe au Hoyer See und der Verordnung betreffend die Licht« und Signalführung der Ftfcherfahrzeuge und der Lossen dampfer.

* Die ZeugniszivangShaft ist zwei Re- dakteuren der „Westfäl. Volksztg." in Bochum angedroht worden, da sie sich ge­weigert haben, den Gewährsmann einer Notiz zu nennen, die ein anhängig gemachtes Verfahren wegen Mordes betraf. Zunächst sind sie des­wegen zu je 150 Mk. Gel dstrafe verurteilt worden. Der Verband der rheinisch-westfälischen Presse hat einstimmig eine Entschließung gefaßt, in der das durchaus standesgemäße, mannhafte Verhalten der beiden Kollegen gebilligt und die bestimmte Erwartung ausgesprochen wird, daß die Justizbehörde die angedrohte Strafe nicht zur Anwendung bringen werde.

* Für die mittleren und unteren Staats­eisenbahnbeamten tritt nach einem Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten am 1. Mai b. 3. eine neue Prü fungSordnung in Kraft. Gleichzeitig sind neue Bestimmungen über die An­nahme und Ausbildung der Eisenbahnzivilsuper- numerare getroffen. Danach soll, wer als Zivil- supernumerar in den Staatsdienst eintreten will, u. a. 1. bei der Aufzeichnung tn der Bewerberlifte das 17. Lebensjahr zurückgelegt und darf beim Diensteiniritt das 25. Jahr nicht überschritten haben; er muß 2. das Reifezeugnis einer preußi­schen ober außerpreußischen deutschen, öffentlichen gymnasialen oder realistischen Lehranstalt mit sechsjährigem Lehrgänge (Progymnasium, Real­gymnasium, Realschule) oder einer preußischen Landwirtschaftsschule ober bas Zeugnis einer preußischen neunstufigen, öffentlichen höheren Lehr­anstalt über bie Verletzung nach ber Cberefunba besitzen. (Die Zeugnisse gerotffer Pnvatanstalten unb bie Zeugnisse ber Prüfungsausschüsse für Einjährig Freiwillige berechtigen nach den maß- gebenben Bestimmungen nicht zum «Eintritt als Zivissupemumerar.) Bewerber, welche die Reife für Oberprima einer neunflaifigen höheren Lehr­anstalt erworben haben, werden vorzugsweise be- rücksichtiat.

.'. Die Begründung der Sekundiirbatznvorlage ist dem Abgeordnetenhauie nunmehr zugerangen. Inder Begründung wird hervorgehoben, daß für die vean- ttagten Bahnbauten teils allgemeine Berkehrsinieressen, teils die Notwendigkeit einer Erhöhung der militärischen Leistungsfähigkeit maßgebend gewesen fei. Durch die beantragten eigentlichen Sekundärbahnlinien soll einer­seits eine durch wichtige Jntereffen gebotene Ergän­zung und Erweiterung des Staatseisendahnnetzes, an­derseits die Erschließung verschiedener, mit Schienen­verbindungen noch nicht bedachter Landesteile berbei- gesührt werden. Für die Provinzen Posen und West­preußen sind, rote in den letzten Jahren, Mittel zum schleunigen Ausbau notwendiger Bahnen vorgesehen, um die Verbindungen mit dem deutschen Hinterlande zu verbessern und die deutsche Ansiedelung nach Mög­lichkeit zu fördern. Hiervon verspricht sich die Re­gierung eine weitere wirksam« Unterstützung und Kräftigung deS Deutschtums in diesen Provinzen. Sämtliche neue Linien sollen nach den für Nebenbahnen bestehenden Bestimmungen hergestellt und betrieben werden. D-e Herstellung der einzelnen Limen ist wie bisher von einer angemessenen Beteiligung der In­teressenten abhängig gemacht. Hinsichtlich der For­derungen für zweite Geleise und für Betriebsmittel heißt eS im Gesetzentwurf: »Die außerordenttiche Ent­wickelung des Eisenbahnverkehrs in den letzten Monaten forbert dringend, daß für die geordnete Abnncketung deS Verkehrs d« Staatsbahnen über die Etatsmittel hinaus alsbald noch außerordentliche Geldmittel bereik-

Er liebte Maria Felice nicht wem.:er olS vorher, jo er liebte sie jetzt nur noch mehr; aber feine Siebe war gereinigt, geläutert, gefwii t, er firote ihre Seele I Um der Seligkeit bitter Seel» -imlen hätte er gerne fein Beben und fein Blut hinge- geben; damit Maria Felice gesund unb >elig würde, hatte er sich selber dem Himmel geopfert. .

Gabriel war so versunken in feine Betrach­tungen, daß er alles um sich her vergessen fi.ttre. Plötzlich aber schreckte er zusammen' er fühlte- einen eisigen Hauch über sein Hcurpt Hinwegen, es war ihm, als habe der Odem Gctt s ibn an« geweht, als hätte der Finger Gottes feine Stirne berührt. ...

Ein lauter, freudiger Schrei ertönte dicht neben ihm. Und als er den Blick zur Sette wandte, sah er das bleiche Gesicht des lahmen Knaben, da­vor Freude strahlte, der Mund stieß in einemfort laute Jubelrufe aus.

Der Knabe selbst aber stand hochaufgerichlet in feinem ärmlichen, zerbrechlichen Wagen und streckte die Arme zu dem Bilde der Jungfrau empor. Seine Glieder waren gerade und beweglich, sein ganzer Körper dehnte und streckte sich. „Heilige Jungfrau", rief er ohne Unterlaß, „heilige Jung­frau, ich bin geheilt!" . . .

Gabriel schaute betroffen den Knaben an. War das noch derselbe Krüppel, dessen Arme und Füße gekrümmt und verbogen gewesen waren, dessen ganzer Körper zu einem unförmlichen Klumpen erstarrt gewesen war? — der bewegungs- und hilflos in feinem Karren gelegen hatte, wie ein Sebenbifltoter?!

All die Beter, die in Andacht, in heißem Neben versunken vor der Grotte knieten, sprangen bet dem Rufe des Knabe« empor und schauten ihn an. Sie alle hatten ihn gesehen in feiner Gebrechlich­keit und Hilflosigkeit. Und nun war er gesund! Süße Freude erfüllte alle, und sie riefen wie au»' einem Munde: „Ein Wunder! Ein wahrhaftiges Wuiider!"

Das Wunder war klar tote die Sonne: der Knabe aina mit langsamen, aber festen Schritten