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Eotuti onsSrud 11. Verlag der CtUbaer Ac> tiendruckerei in Snlbn. $ernfpreiset Nr. 9.

JV§ 83.

Fulda, Dienstag, den 10. April 1906.

33. Jahrgang.

Zweites Mt'cttt.

)( Vie Folgen der Trennung von Uirche und Staat in Frankreich

machen sich namentlich für den dortigen Klerus in betrübender Weise fühlbar. Waren schon vor­her die Besoloungs - Verhältnisse der Geistlichen keineswegs glänzend, so hat das Trennungsgesetz mit seinen schroffen, rücksichtslosen Bestimmungen den Klerus in die gedrückteste Lage versetzt. Einen interessanten Einblick in diese bedauerlichen Zu­stände gewährt ein Artikel, welcher der ,Germ/ aus Paris zugeht. Es heißt dort:

Unter dm Konkordat bezahlte der französische Staat etwa 60,000 Geistliche je mit Gehältern von 900—1200 Franken. Bis zur Stunde sind bei der Regierung etwas mehr als 15,000 Ge­suche eingegangen, welche ungefähr zur Hälfte eine zeitwetlige Unterstützung beanspruchen. Rur 8 Departements, in denen diese Schriftstücke von der Diözesan-Verwaliung, wohl aus kirchenpoliti- schen Gründen, zurückdehalien wurden, stehen noch aus. Die Zahl von 15,000 Gesuchen dürfte sich also wohl um 2500—3o00 auf alle Fälle vor Jahresschluß vermehren, denn ein Gesuch, das vor dem 31. Dezember 1906 nicht eingereicht worden ist, findet auf Grund des Gesetzestextes keine Beachtung mehr.

Seit dem 1. Januar 1906 hat die Republik die Zahlung sämtlicher Geistlichen - Ge­hälter eingestellt. Alle G.istlichen, welche am 31. Dezember 1905 vom Staate irgend ein Gehalt bezogen, haben das Recht eines Gesuches um Geldunterstützung, dem auch stattgegeben wer­den muß. Eine Lebensrente, deren Betrag ’Z* des bezogenen Einkommens erreicht, kommt den Priestern zu, welche das 60. Lebensjahr über­schritten haben und 30 Amtsjahre Nachweisen können. Die Pfarrverweser und Vikare erhalten demnach 675 Frks., ein Betrag, der gerade noch vor dem Hungertod« schützt, denn die Wohnung muß damit auch bestritten werden. Kleriker im Alter von 45 Jahren und mit 25 Dienstjrhren bekommen die Hälfte ihrer früheren Bezüge an­gewiesen, was auf den gewöhnlichen Pfarrer dieser Abteilung genau 45O Frks. ausmacht. Das Maximum der Lebensrente beträgt 1500 Frks., also ein Achtel eines Konkordats-Erzbischofs-Ge- Halles. Bezüglich der zeitweiligen Unterstützung muß man zwei Kategorien von Geistlichen unter­scheiden. Alle jene, welche am 1. Januar 1906 im Amte waren, ohtte Anspruch auf einen dauern­den Ruhegehalt erheben zu können, beziehen im lausenden Jahre ihr Gehalt ganz weiter, im Jahre 1907 zwei Drittel davon, im darauffol­genden Jahre die Hälfte und im Jahre 19u9 noch ein Drittel; nachher bleiben sie unbezahlt. In den Gemeinden von weniger als 1000 Ein­wohnern wird jeder dieser genannten Zeiträume verdoppelt, vorausgesetzt, daß der Geistl che im Amte bleibt. Die Vikare und Hilfspriester der kleinsten Gemeinden erhalten also 90O Frks. wäh­rend 2 Jahren unb haben während 4 Jahren Anspruch aus eine freie Amtstvohnung.

Diese gesetzlichen Bestimmungen erscheinen auf den ersten Blick noch ziemlich loyal. Bei näherer Betrachtung enthalten sie jedoch gewaltige Härten. Das Gesetz übergeht (dem Wortlaute nach) alle jene, welche am 31. Dezember 1905

Auferstehung.

Roman von Felix N a b o r.

42J (Nachdruck verboten.)

Gabriel dachte in diesem Augenblicke an eine andere Sonne, welche die Welt überstrahlte: an den ehrwürdigen Dom von Sankt Peter in Rom! Diese zwei leuchtenden Flammen schienen in ge- hetmnisvoller Beziehung miteinander zu stehen. Dort, in Sankt Peter, die Wurzel und der spros­sende Stamm des Wunderbaumes, der Welten be­herrschte, Reiche überdauerte — hier, in der Grotte zu Lourdes, die leuchtende Krone dieses Baumes, aus der die wunderbare Himmelsstimme ertönte und der zweifelnden, in Irrtum versunkenen Welt zuzurufen schien: .Noch lebt der Allmächtige, der Allgewaltige, deffen Odem die Schöpfung durch­braust, dessen Wille neue Welten ins Dasein zu ru­fen vermag, der Wunder wirkt, wann und wo ec will!"

Dort das Herz und das Haupt der Kirche — hier die leuchtende Krone, die Gott selber im Auge sichte der ungläubigen Welt seiner geliebten Toch­ter auf das Haupt gesetzt hat!

Dort das unerschütterliche Fundament der Kirche Gottes — hier der Ausfluß seiner unendli­chen Liebel Beide vereint in seliger Umschlingung auf ihren leuchtenden Fluten eine himn tipros- sene Blume tragend: die ewige Wahr r

Maria Felice hatte inzwischen ihren Oheim be­stürmt, daß sie zur Grotte gebracht werde, und dieser gab endlich nach; ihr Verlangen war so heiß und dringend, daß eine Verweigerung ihrer Bitte ihr neue Aufregung bereitet und ihr ge­schadet hätte.

Gabriel wollte Einwendungen machen. Da umspannte sie seine Hände und flehte: „Bring mich hin zur Grotte, Gabriel, ich bitte Dich! Ach, ich bin so ungestüm, ich mache Eitch soviel Sorge! Verzeihet mir! Ich bin zu ungeduldig, und viel­leicht wird deslvegen mein Gebet nicht erhört. Aber

noch staatliches Gehalt beziehen. Am schwersten be­troffen werden die Emeritierten, d. h. hochbetagte oder aus Gebrechen dienstuntauglich gewordene Greise, welche die Diözesankaffen besser unter­stützen konnten, als sie es künftig in der Lage st»), da diese Kaffen von nun ab allerseits in Anspruch genommen werden. Es gibt auch eine Reihe von Klerikern, die das 60. Jahr bereit­überschritten baden, aber dennoch kein Anrecht auf Pension nachweisen können, weil sie erst ein paar Jahren staatliches Gehalt beziehen. Man­chen fehlen nur einige Wochen oder Tage, um die Bedingungen zum Bezug der lebenslänglichen Rente zu erfüllen. In diesen Fällen wirkt das Gesetz, wie Jean de Bonuefou sagt, unbarm­herzig scharf wie eine Guillotine.

Eine Menge unbemittelter Land geistlich en, welche bisher ausschließlich von ihrem ma­geren Gehalt lebten, werden unter den neuen Verhältnissen sehr schwer zu kämpfen haben, hauptsächlich in den Departements wie Savoie, Cevennes, Marne, Seine-et-Marne, Marne-et- Otse usw., wo die Annut der Bewohner oder deren religiöse Gleichgiltigkeit fast jede Nebenzüge unmöglich macht. Die Härten des Trennungs­gesetzes treten umso deutlicher hervor, wenn man bedenkt, daß sich die Geistlichen auf gründ des Konkordats bezüglich ihres Gehaltes ge­sichert glauben mußten und vielfach deswegen ihren Beruf gewählt haben. Ein Gesetz soll keine Bombe sein, die plötzlich ein Loch in die Mauer schlägt. Das Parlament hat zwar noch ein Türchen offen gelassen, um allzu großen Un­gerechtigkeiten vorzubeugen. Der Artikel, welcher die Geistlichenpensionen behandelt, schließt näm­lich mit dem Satz: „Ausnahmen zugunsten der dauernden und zeitweiligen Unterstützungen der Kultusdiener können statthaben, wenn die dies­bezüglichen Ansprüche begründet erscheinen." Hierbei kommt es natürlich völlig auf die Ge­neigtheit des jeweiligen Ministers an.

Nun ist im letzten Mmisterrat auf Anttag des Unterrichtsministers Briand die Aufhebung des Kultusdepartements beschlossen worden. Die Erledigung der Geistlichenunter- stützungssrage wird dann vom Finanzministerium besorgt werden. Bedeutungsvoller ist jedoch das Rundschreiben des Unterrichtsministers Briand an die Präfekten, das auf die Pension und Unterstützung der Kleriker bezug nimmt und die rechtlich noch dunkel gebliebenen Punkte in der liberal sten Wetse deutet. Man bekommt auf's neue den Eindruck, daß der gegen­wärtige Unterrichtsminister, der sich schon als Berichterstatter über das Trennungsgesetz als der weitherzigste Mann der Linken vorstellte seine politische Laufbahn nicht im sozialistischen Lager beenden wird.

Der Artikel 11 des Trennungsgesetzes erlaubt den Gemeinden, den von ihnen bezahlten Geistlichen unter genau denselben Bedingungen wie der Staat Pensionen oder Unterstützungen zu gewähren. Anderersetts bestimmt die staatsrätliche Ausführungsordnung vom 19. Jan., daß die genannten Geldbezüge nach den aus der Gemeindekasse früher entrichteten ständigen „Ge­hältern" zu berechnen seien, wobei die „Ent- schäd gungen unberücksichtigt bleiben sollen. Hier wird das Gesetz unklar. Was ist Gehalt und was Entschädigung? Das ist von großer Wichtigkeit. Laut einer Verordnung vom 6. November 1814 bezahlt der Staat eine Ent­

iehst Du, Gabriel, ich möchte gesund werden um Deinetwillen, weil ich Dich über alles liebe. Das ist vielleicht Sünde! Ich sollte meine Gedanken einzig nach dem Hintmcl und auf die heilige Jnug- rau richten und an nichts Irdisches denken, nichts anderes wünschen. Aber jetzt bin ich so gesammell, jetzt möchte ich zur Grotte und beten . . . beten."

So heißem Flehen vermochte Gabriel nicht zu widerstehen und er schlug den Weg zur Grotte ein. Tie meisten Pilger hatten sich jetzt entfernt; über sie einsamen Wege huschten dunkle Schatten, die etzten Beter, die in die Stadt zurnckkehrten.

Als er eine Weile gegangen war, legte sich ihm stötzlich ein Hindernis in den Weg; er vernahm einen lauten Angstschrei und hörte ein Geräusch, wie wenn jemand zu Boden gestürzt wäre. Und dann klang dicht vor ihm durch die Dunkelheit eine zitternde Stimme: O heilige Jungfrau, welch ein Unglück! ... Er wird hier sterben und ich bin zu schwach, ihn aufzurichten. Hilf mir, Himm- iische!"

_ Gabriel ließ den Wagen stehen und lief vor­wärts. Da sah er dicht vor sich ein umgestürztes Wägelchen, neben dem eine alte, zitternde Frau kniete und die Hände rang. Sie suchte vergebens ein großes Bündel aufzuheben, aus dem ein leises Aechzen drang.

„Was ist gescheh»?" fragte Gabriel. „Habt Ihr Euch Schaden getan, gute Frau? Ich bitte nm Verzeihung — ich sah Euch nicht in der Dunkel­heit."

Die Frau weinte und küßte das bleiche Gesicht eines krüppelhaften Knaben, der in zerrissene Tep­piche gehüllt war. Es war eine wahre Jammer­gestalt, fein Glied dieses gekrümmten, zusammen- gerollten Körpers bewegte sich, die Füße waren an -)en Leib emporgezogen. Die Knie lagen so dicht bei einander, als ob sie zusammengewachsen wären, Die Hände einwärts gebogen, sodaß die Spitzen der Fingör die fleischlosen Arme berührten.

„Er spürt ja nichts davon, mein armer Louis", agte die Frau auf Gabriels Entschuldigungen, „er ist lahm, ganz lahm. Ich danke Euch, wenn Ihr

schädigung an Geisttich«, welche in zwei Kirchen zugleich Dienst tun. Derselbe Modus bestand in manchen Gemeinden. Konnte die kommunale Entschädigung als Gehalt betrachtet werden? Man hätte das im Grunde genommen verneinen können. Das Briandsche Rundschreiben läßt jedoch die gegenteilige Auffassung zu. Gleich­zeitig bestimmt der Minister, daß das vom § 9 des Art. 11 des Trennungsgeietzes verordnete Verbot der Ausübung mehrerer Aemter nicht an­wendbar sei auf den Fall in dem eine kirchliche Amtsleistung vom Staat und der Gemeinde zu­gleich bezahlt worden ist. Der Unten ichts- minister verfügt ferner: Sobald eine Gemeinde im Prinzip bestimmt hat, auch die genannte „Entschädigung" zur Grundlage einer Pension oder Unterstützung zu machen, so wird ihre Ver­pflichtung allen auf diese Weise in Betracht kommenden Geistlichen gegenüber verpflichtend. Eine Wahl einzelner ist ausgeschloffen. Damit ist jeder Willkür und politischen Beeinflussung ein Riegel vorgeschoben.

Wir möchten uns dem,Temps' anschließen, der über das Rundschreiben sagt: Es gereicht dem Minister zur Ehre, der es gezeichnet hat.

vermischtes.

* Idyll vo» der — Staatsbahn. Nicht immer ist es die Kleinbahn, in deren Bereich sich ein Idyll abspielt. Auch der stolzen Staatsbahn pas­siert ab und zu ein Malheurchen. Auf Station Neuhausen bei Rathenow, Strecke Berlin—Lehrte, erwartete man das Durchsausen des Schnellzuges. Zur Verwunderuilg aller hielt der Schnellzug aber, die Schaffner rissen die Türen auf und brüllten: „Rathenow, Rathenow!" Verschiedene stiegen im Dunkeln der Nacht aus. Tie Gegend kain ihnen ein wenig fremd vor, und schließlich rief auch eine Dame: „Das ist ja gar nicht Rathenow!" Der Schnellzug hatte versehentlich in Neuhausen ge­halten.

* Von Berlin nach Böhmen im Ballon. Ein Berliner Luftballon ist nach glücklicher Fahrt in Böhmen gelandet. In Fünfhunden bei Soeben ging gegen sieben Uhr abends ein großer Ballon zur Erde, dessen Gondel zwei preußische Offiziere,! ein Leutnant und ein Stabsarzt von der ersten Kompagnie des Berliner Luftschifferbataillons^ entfliegen. Der Aufstieg des Ballons war um 9 Uhr morgens bei Berlin erfolgt. Nach Angabe der beiden Luftschiffer hatten sie bei günstiger Fal>rt in einer Höhe von 4000 bis 5000 Meter un­ter außerordentlicher Kälte zu leiden. Nachdem das Luftschiff ordnungsmäßig verpackt worden war, traten die Offiziere über Komotau-Aussig die Rückreise nach Berlin an.

lieber ein Beispiel unerhörter Korruption wird der „Berl. Ztg." aus Petersburg berichtet. Vor Jahresfrist erstach ein Kosakenoffizier im Eisenbahnkupee einen Herrn, weil dieser sich über die Regierung abfällig geäußert hatte. Mit Rsick- icht auf das edle Motiv wurde der Offizier nicht iestraft, sondern nach dem Kriegsschauplätze ge- chickt. Dort zeichnete er sich durch wilde Tapfer­keit aus, erhielt zwei hohe Orden und schließlich den Vertrauensauftrag, für 200 000 Rubel Remonte- jferbe zu kaufen. Der Edle entledigte sich feines Auftrages so, daß er die 200 000 Rubel in feine , Tasche steckte, den russischen Grenzwachen auf« lauerte, sie erschlug und ihnen die Pferde weg- nahm. Die Freude über den Erwerb der prächti­gen Remonten wurde der russischen Militärbe­hörde getrübt, als bekannt wurde, auf welch' ori­ginelle Art und Weife ihr Vertrauensmann sich in

ibn nur aufhebt, ich vermag es nicht, ich bin zu schwach. O Gott, ich danke Euch!"

Die Frau war in der Tat so abgemattet, daß Gabriel fürchtete, sie möchte zujammenbrechen. Er hob also den Knaben, der ihn ans großen Augen anftarrte, in das Wägelchen und fragte teilnahms­voll: „Ist das Euer Sohn, gute Frau?"

. Ja, es ist mein Kind", seufzte die Arme, „mein Schmerzenskind! Er ist seit drei Jahren lahm. Die Leute sagten, Louis habe sich im Bade erfüllet, aber das ist nicht wahr. Es liegt im Blute. Sein Vater war auch ein Krüppel. Es kam mit einemmal: die Glieder krümmten sich und wurden steif, da konnte kein Arzt helfen. Ach, mein armer Junge, ee war früher immer so mun­ter! Er hütete die Ziegen und verdiente so viel, daß wir leben konnten. Als das Hebel begann, war er zwölf Jahre alt, jetzt zählt er bald sechzehn. Es war eine schreckliche Zeit, .Herr! Ich konnte keine Stunde von seinem Bette weg und konnte nichts verdienen. Ta kam der Hunger, der furcht­bare Hunger" ....

Dieses eine Wort erzählte eine ganze Leidens­geschichte der armen Mutter, eine ganze Kette von Elend, Armut, Qualen, Entbehrungen, Schmerzen.

Gabriel nahm eine Banknote aus seiner Tasche und drückte sie der Frau in die Hand. „Schweigt", sagte er, als sie sich bedanken wollte, „schweigt und erzählt mir, wie es weiter ging."

„Eines Tages sagte mein Knabe plötzlich, er wolle zu Unserer Lieben grau von Lourdes. Die- fen Gedanken ließ er nicht mehr los. Denken Sie, Herr, sechzig Stunden weit war der Weg; wie sollte ich den mit meinen schwachen Füßen zurück­legen können! Und keinen Sou im Vermögen! Und da ging ich in meiner Not zum Herrn Pfarrer und fragte ihn, ob wir gehen follten. Freilich sollen wir gehen, sagte er. Und er gab «ns zwan­zig Franken, denken Sie, zwanzig Franken — das ist ein Vermögen für uns arme Leute. Und er sagte: Gott und die heilige Jungfrau werden wei- ter helfen. . .. Gott segne den guten Pfarrer tau­endfach! Dann brachen wir auf, eine Nachbarin

den Besitz der Pferde gesetzt hatte. Der würdigt Kosakenoffizier sitzt jetzt hinter Schloß und Riegel.

* Tie Zahl der Selbstmorde in Deutschland hat im Jahre 1904 etwas abgenommen; sie betrug 12 468 gegen 12730 im Jahre 1903 darunter 9704 männ­liche Selbstmörder, deren Zahl übrigens nur allein zurückgegangen ist. Die wenigsten Selbstmorde tarnen, wie stets, mit 9,9 und 11 auf 100 000 Einwohner in Posen und Westfalen vor, die meisten mit 41,8 und 41,5 in Koburg-Gotha und in Altenburg. Der Reichsdurchschnitt war 21 und in Preußen ereigneten sich 20 Selbstmorde auf 100000 Personen.

* Schlau. „Teuf Dir, Fran, beut’ Nacht ist meine Kasse ansgeranbt worden Mein ganzes Geld, 5000 Mark, sind fort!" — „Soll ick gleich die PoNzei vor­ständigen?" — „Nein, aber an die Zennng roe’.oe ich eine Notiz schicken, daß der Einbrecher die in einem Fach befindlichen 30,000 Mark glücklicherweise nicht bemerkt hat, wenn sie in Wirklichkeit auch n cht existiren. Da ärgert sich der Dieb gehörig und .ch verschaffe mir einen größeren Srebit!"

• Gedankensplitter. Der Edelstein bleibt ein Edel­stein, auch wenn er die Fassung verliert. — Hage­stolze und alte Cylinderhüte bringt keine Bürste s latt. — Wer weise sein will zu jeder Zeit, der hcn zur wahren Weisheit noch weit. — Eine Mutter hört hundert Meilen weit. — Den schlechtesten Finderlohn hat oft, wer ein Herz findet. — Die schlimmsten Ver- leumdimgen werden von bett Mens Heu — gelächelt.

* Unter Freundinnen. „Ich begreife nicht, wie Du so lange schlasen kannst — twr genügen vier bis fünf Stunden vollständig." — „Mit zunehmendem Alter fall ja allerdings das Bedürfnis zum Schlaf abnehmen."

* Einfaches Mittel. „Meine Frau weint noch immer, wenn ich ihr etwas nicht kaufen will." — „Da macht es meine Frau schon anders: sie lacht mich ans und kauft sichs selbst."

* Im Dorswirtshaus. Wirt: „Wann soll ich morgen früh wecken?" — Schwerhöriger: „via, so vor sechs bis acht!"

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lieh uns ihren Handkarren, da hinein fetzte ich den Knaben. Aber es ging nur langsam, weil ich nicht mehr als sechs Wegstunden int Tage zurücklegen konnte. Wir brauchten elf Tage zur Reise, aber nun sind wir hier. Ach, wir sind so glücklich, wie haben noch acht Franken für den Heimweg."

„Aber wovon habt Ihr denn hier gelebt?" fragte der Prälat.

„O, das macht uns keine Sorge", sagte die Frau beinahe fröhlich. Bei Tag beten wir vor der Grotte und Nachts schlafen wir in einem gro­ßen Saale, ohne einen Sou zu bezahlen. Es ist ein großer Saal und heißt „Zuflucht der Pilger."

„Und wo eßt Ihr?"

„Wir brauchen wenig, Herr! Was wir nötig haben, geben uns die Blauen Schwestern."

„Und wie lange seid Ihr schon in Lourdes?"

„Es ist heute der neunte Tag. Wir schließen eine Novene. Mein Sohn fastet feit drei Tagen, er ißt fast gar nichts mehr und betet in einemfort. Mein Gott, wenn er mir nur nicht stirbt vor Schwäche!" Sie umarmte den Knaben, der sie mit Blicken unendlicher Zärtlichkeit ansah.

„So geht Ihr also auch zur Grotte?" fragte Gabriel.

„Ja, wir gehen zur Grotte", sagte die Fran und zog das Wägelchen, während sie bei jedem Schritte voll mütterlicher Sorge rückwärts blickte nach ihrem armen Kinde.

Siebentes Kapitel.

Je näher die kleine Prozession der Grotte kam, umso größer wurde Maria FeliceS Aufregung, ihre Hände, ihr ganzer Körper begann zu zittern. Jetzt traten sie in den Lichtkreis der Grotte.

Wunderbar strahlte der Schein der Kerzen aus der Dunkelheit heraus und erfüllte die Grotte nut blendendem Glanze. Das dunkle Gestern flammte auf und in dem leichten, flimmernden Nebel, der von den Kerzen aufftieg, schien die blendendweiße Gestalt der Madonna wie in einer goldenen Wolke zu schweben.

(Fortsetzung folgt!