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Zerniprecher Nr.».

M 82,

Fulda, Atontag, den 9. April 1906.

33, Jahrgang.

* Vie kommende Reichrtagssesston.

In einem Neberdlicke über den verfloffenen Tagungsabschnitt des Reichstags bemerkt die offiziöse,Nordd. Allg. Zig/, die Antwort auf die Frage, was der Reichstag in dem arbeits- und mühereichen Abschnitt seit Weihnachten ge­schaffen und geleistet habe, könne nicht allzu ermutigend ausfallen. Dieser Ansicht sind auch roin Nur meinen wir, daß die Auftrag­geber des offiziösen Blattes nicht ganz unschuldig sind daran, daß das Resultat nicht ganz be­friedigend ist.

Gewiß hat der Reichstag in dem verflossenen Tagungsabschnitt außerordentlich viel ge­arbeitet; kaum ein Tag, der für die Sitzungen verwandt werden konnte, ist sitzungsfrei geblieben, und die Sitzungen selber haben eine Ausdehnung erreicht, die fast Uebermenschliches an Arbeits­kraft erforderte. Trotzdem kann man dem ver­flossenen Tagungsabschnitt im aÜgemeiren nur einen vorbereitenden Charakter . uerlennen, denn die Entscheidung üoer die wichtigsten Fragen, welche der r'Lc.chstag in dieser Session zu er» leözsn naf, steht noch aus. Wir erinnern nur an die Reichsfinanzreform und die Steuergesetze, von welchen die Entscheidung anderer Fragen beeinflußt wird, an die Militärpensionsgesetze und die dritte Lesung des Etats, sowie der Flotten- vorlage.

Die Verbündeten Regierungen sind von dem Vorwurfe nicht frei m sprechen, daß sie mangels einer ausreichenden Fühlung mit den Hauptparteien des Reichstags verschiedene Vor­lagen in so unzulänglicher Welfe vor­bereitet haben, daß ihre Erledigung notwendig verzögert werden mußte. Es gilt das in erster Linie von den Steuervorlagen, deren gänzliche Umgestaltung in der Steuerkommission nicht er­forderlich gewesen wäre, wenn ihre Urheber etwas besser über die Anschauungen der ausschlag- 'gebenden Parteien sich unterrichtet hätten. Es gilt das weiterhin von manchen Etatsforderungen und zahlreichen Positionen in den verschiedenen Nachtragsetats, deren unzureichende Begründung zu ernsten Klagen in der Budgetkommifsion Ver­anlassung gab.

Die größere Hälfte der Schuld ander unerquicklichen Lage, die dadurch geschaffen rvorden ist, daß der Schwerpunkt der ganzen diesmaligen Tagung auf den kurz«» Sessionsabschnitt nach Ostern verlegt erscheint, trügt aber zweifellos der Reichstag felbst. Einesteils wegen des schlechten Besuches der Plenarsitzungen und anderenteils wegen der Zeitvergeudung, welche durch viele Reden bewirkt wurde. Unbe­schadet der Anerkennung der Redefreiheit der Reichstagsmitglieder wird man doch sagen dürsen, daß ungemein viele überflüssige Reden gehalten worden sind, und daß die Länge mancher Reden int umgekehlten Verhältnis zu der Be- detituiig der besprochenen Gegenstände stand. Wir haben schon früher die Erwartung ausge­sprochen. daß die Gewährung von Dläten—die betreffende Vorlaq ist am Donnerstag im Bundesrat dem zuständigen Ausschuß überwiesen worden — den beiden oben gekennzeichneten Uebclsränden, die ja in einem inneren Zusammen- hc-tg miteinander stehen, wenigstens bis zu einem gewissen Grade ein Ende machen wird. Diese Hoffnung findet jetzt auch merkwürdiger Weise in der ,Ncrdd. Allg. Ztg/, also an einer Stelle,

Auferstehung.

Roman von Felix Nabor.

41] (Nachdruck verboten.)

-Ja", sagte Gabriel, „das ist die Grotte."

Maria Fclice streckte sehnsüchtig die Arme nach ihr aus und flüsterte: „Ach, daß ich dort wäre und । beten könnte."

„Morgen, meine Liebe, morgen", tröstete sie Gabriel.

, „Aber Ivar um nicht jetzt, Gabriel?" sagte fie flehend und schaute ihn mit tränenvollen Augen an.

„Du würdest tn dem Menschenstrom erdrückt werden", erwiderte er, „und dann ist es in der Nacht zu kalt für Dich. Gedulde Dich bis morgen."

Sie stieß einen Seufzer aus und schwieg. Aber ihre Augen hingen wie gebannt an der glänzenden Lichtflut, die aus der Grotte wie aus den geöff­neten PforbUl des Himmels hervorbrach.

Inzwischen war es völlig dunkel geworden. Ans Der Finsternis zu ihren Füßen stieg ein leises Summen empor, das immer lauter und lauter wurde.

Einzelne Lichtpunkte blitzten auf, immer mehr und mehr, und wuchsen zu leuchtenden Lichtbogen an, die wie ein Heer von Sternen wette Kreise zogen und immer breitere Wellen schlugen. Ehe eine Viertelstunde vergangen war, flammten mehr als zehntausend Kerzen auf, die ein wunderbar strahlendes Lichtmeer in die schweigsame Nacht emporwarfen.

Es wurde so hell wie am Tage. Das Laub der Bäume erschien in glanzendem Grün und die Lichtwellen zogen gleich goldigen Wölkchen durch die Wipfel der Platanen. Aus diesem feurigen See, der in der Tiefe seine flammenden Wellen ffckstug, tauchten allenthalben freudig erregte Ge­eichter auf und man vernahm jauchzende Rufe, laute Gebete und Gesänge.

Tarnt ergoß fick auch Pott der Höhe herab ein

an der man bisher jene Wirkung der Diätenge» währung zu bestreiten pflegte, Ausdruck. Ange­sichts der zahlreichen und wichtigen Aufgaben, die dem Reichstage in dem kommenden Tagungs­abschnitte noch vorbehalten sind, kann man nur den dringenden Wunsch hegen, daß die Diäten- vorlage so rasch als möglich erledigt wird, damit sie ihren Einfluß sofort geltend machen kann.

Daß an die Aufarbeitung aller Aufgaben, die des Reichstages noch in den unerledigten Vorlagen harren, nicht zu denken fein wird, hal­ten wir für eine ausgemachte Sache. Man müßte die Session bis in den Herbst verlängern, wenn man auch nur die wichtigeren Gesetzentwürfe er­ledigen wollte. Der Reichstag wird sich nach Ostern auf das Notwendige beschränken müssen, und selbst zur Erledigung diese; Wot« wendigen wird es erforderlich fein, Selbstbefchrän» iung m den Reden zu üben. Jnitiativ-An- träge und Petitionen werden woyl fast tanz unter den Tisch fallen. Hoffentlich ist es das letzte Mal, daß das Reichsparlament an eine Notlage versetzt wird, die weder mit der eigenen Würde, noch mit den Interessen des Reiches im Einklänge steht.

Deutscher Reich.

Berlin, den 7. April 1906.

* Botschafter v. Radowitz hat in Algeciras ein Telegramm des Kaisers erhalten, in dem ihm unter anerkennenden Worten mitgeteilt wird, daß er ihm den Orden vom Schwarzen Adler, ferner dem Grasen Taltenbach die Brillanten zum Roten Adlerorden 1. Klaffe und dem Geh. Lega- tionsrat Kl e hm et die Krone zum roten Adler­orden 2. Klasse verliehen habe.

* Der Reichskanzler Fürst Bülow hat die Nacht von Freitag aus Samstag wieder gut ver­bracht. Der behandelnde Arzt ist sehr zufrieden. In feiner näheren Umgebung erscheint der Fürst ganz wieder als der Alte. Am Samstag morgen überreichte im 9lamen des Kaiser-Paares der Flügeladjutant von Friedeburg einen Blumen- strauß. Krankheitsberichle sollen nicht mehr aus- gegeben werden. Die Nachricht, daß der Kaiser und Graf Posadowsky die Abgeordneten Dr. Mugdan und Dr. Becker zu einem Bericht über den Krankheitszustand des Fürsten Bü'ow auf» gefordert hätten, bezeichnet die ,Nordd. Allgem. Ztg/ als unzutreffend.

* Der Gouverneur v. Puttkanter wird auf seinen Posten nicht mehrzurückkehren. Der,Neuen Milit.-Polit. Korrespondenz zufolge ist nämlich von einer Rückkehr v. Puttkamers nach Kamerun endgiitig Abstand genommen warten. Die Korre­spondenz erzählt in Verbindung hiermit, über den Gouverneur v. Puttkamer sei an besonderer Stelle in Bezug auf die Paßangelegenheiten folgender Ausspruch gefallen: „Cassio, ich liebe Dich, allein mein Offizier bist Du gewesen".

/. Professor Robert Koch hat in Begleitung seiner Gemahlin am Samslag vormittag seine auf IVe Jahre berechnete Reise nach Aftikr zur Erforschung der Schlafkrankheit angetreten. Pro­fessor Koch wird von Tanga aus an der Spitz, der vom Deutschen Reiche ausgerüsteten wiffen- schaftlichen Expedition den Marsch ins Innere antreten. Sein nächstes Ziel sind die Uferland­schaften des Viktoria-Nyanzasees.

Strom von Licht uttö mündete in das Feuermeer der Tiefe ein; von der Balustrade der Basilika herab leuchteten hnitderte von Flammen und er­gossen ihre blendende Lichtflut über das milchweiße Gemäuer der Kirche, welche schlank in die Lüfte emporstieg und mit der zierlichen Spitze ihres Turntes in den Himmel hinein zu ragen schien.

»Wie entzückend schön, wie wunderbar!" stam­melte tief ergriffen die Kranke.

„Schau, Maria Felice, dort — dort", sagte Gabriel und deutete nach der Niesenstatne der Ma- donna, die von einem doppelten Flammenkranze umstrahlt war.

Maria Felice weinte vor Entzücken.

Es war in der Tat ein wundervoller Anblick. Die Höhen ringsum ivaren in sanften Schimmer gehüllt, die Fassaden der Häuser traten aus der Dunkelheit hervor. Die Lichtfluten, welche von der Grotte, der Basilika, der Statue der Madonna und von -biefer aus zehntausend Flammen gebil» beten Prozession ausslrömten, mündeten in der Tiefe in ein ungeheueres Feuerbecken, das seinen Flammenscktein triumphierend zum Himmel em­porschleuderte.

Nach einiger Zeit erlosch der flammende See; er schien langsam in der Dunkelheit zu versinken, nur ein matter Lichtschein blieb zurück.

„Ach", sagte Maria Felice, „nun entfernen sie sich."

„Sie komnten wieder", tröstete sie der Prälat. „Sie ziehen zur Basilika hinauf, der Serpentin- weg entzieht sie unseren Blicken. — Schau, da kom­men sie schon."

Wirklich erschienen die ersten Kerzen unter den dunklen Laubkronen, die inwendig erleuchtet zu sein schienen. Jeder Zweig und jedes Blatt war erkennbar und tn grünlich-flimmerndes Licht ge­hüllt.

Die eiitzelnen Flämmchen schwebten in sanftem Fluge durch die Dunkelheit dahin, gleich Sternen, die ihre Bahnen ziehen; all die Tausende von Lichtern glichen einer schimmernden Milchstraße, die in beit Himmel hineinmündet.

* Der Landrat des Kreises Pletz, Herr v. Heyking, der bekanntlich in den letzten Sitzungen des preußischen Abgeordnetenhauses wegen Maß­regelung eines katholischen Geistlichen vom Ab­geordneten Glowatzki (Zentrum) scharf angegriffen wurde, sollte Blättermeldungen zufolge wegen der Meinungsverschiedenheiten mit den Geistlichen seines Kreises sein Landrat-arnt niederzulegen beabsichtlgen. Die,Dentsche Tageszeitung' bezeichnet die Nachricht als vollkommen unbegründet.

* Die Anti-Polenpolitik der Regierung führt zu immer merkwürdigeren Maßnahmen. Wie jetzt ans Posen gemeldet wird, ist einem feil. Domänenpächter im Poien'schen, der kürzlich sein Gut an die polnische Landesbank verkauft hatte, und von der evangelischen Schulgemeinde seines Ortes zum Mitgliede des Schulverbandes wieder gewählt wordm war, seitens des zuständigen Landratsamtes die Bestätigung versagt worden. Liegt ein anderer Grund als der Kuts- verkauf nicht vor, so ist das Verhallen des Land­rats ein Uebergriff, der scharfe Verurteilung ver­dient.

* Die Bedeutung, welche die liberale Presse dem angeblich „neuen Kurs" im Justizministerium beigelegt bat, hat auf konser­vativer Seite Widerspruch hervorgerusen. Die Ernennung eines jüdischen Amtsgerichts- rats zum Kammergericbtsrat und eines jüdischen Assessors zum Amtsrichter wird in der,Deut- scheu Tageszeitung' mit folgender Bemerkung begleitet: „Bisher hat man es allerdings in Preußen, wenn auch nicht immer, so doch tn der Regel vermieden, Juden als Einzelrichter zu beschäftigen und anzustellen. Sollte das künftig anders werden, so würde man mit einem ge­wissen Rechte von einem „neuen Kurse" sprechen können. Gleichwohl möchten wir aus tiefen einzelnen Vorgängen noch keinen allgemeinen Schluß ziehen. Es wäre vielleicht recht zweck- dienlich, wenn man imAbqeordnetenhause bei einer paffenden Gelegenheit den neuen Justizminifler über diese Angelegen­heit befragen würde."

.-. Zur Frage der Herabsetzung der Be­schlußfähigkeitsziffer des Reichstages äußert sich in emer Polemik mit der .Liberalen Kor­respondenz' die ^reuzzeilung' folgendermaßen: „Die ,L. K/ übersteht, daß die Beschlußfähig- keitsziffer durch Artikel 28 der Reichsverfaffung festgesetzt ist, also nicht durch eine Aendermig der Geschäftsordnung berabgemrndert werden kann. Eine solche Herabsetzung ist auch nicht ganz unbedenklich, da sie unter Umständen einer entschlossenen Um ft ur spartet zugute kommen würde. Etwas anderes wäre es, wenn der Ar­tikel 28 der Verfassung auf solche Beschlüsse be­schränkt werden könnte, die staatsrechtliche Be­deutung haben, also auf die Schlußabst mmungen. Die dieser vorhergehenden Abstimmungen sind nicht eine eigentliche „Beschlußfassung", sondern Vorbereitungen zu einer wichen. Daher ist auf sie der Artikel 28 eigentlich nicht anwendbar. Eine Entscheidung des Reichstages in diesem Sinne wäre eine Angelegenheit der Geschäfts­ordnung, nicht der Verfassung selber, könnte aber auch der Obstruktion erheblichen Ab­bruch tun."

* Zum neuen Gouverneur von Deutsch- Ost-Afrika sollte Blättermeldungen zufolge der Generalkonsul Dr. Jrrner in Genua ausersehen sein. Diele bereits von uns als unwalmchetn-

Wie eine freudige Wolke stiegen die Gebete und Gesänge der Pilger zum Himmel empor. Die einen fangen einen Hymnus, der in langge­zogenen Tönen ernst und feierlich zum Himmel stieg; andere Gruppen beteten eine Litanei, deren einzelne Anrufungen man deutlich vernahm und auf welche ein taufendstimmiger Chor antwortete: „Bitte für unsl"

Dann verschwand die Prozession wieder. „Sie wird auf der anderen Seite der Basilika wieder sichtbar werden", erklärte der Prälat auf Maria Felices Frage.

Maria Felices Augen hingen voll Spannung an dem Punkte, wo die,Prozession wieder erschei­nen mußte. Plötzlich stieß sie einen lauten Schrei aus. „Da sind sie! Da" —

Wirklich traten nun je zwei und zwei glühende Lichtpunkte aus' der Dunkelheit hervor, die sich langsam zu einer Kette von zitternden Sternen aneinanderrcihten. Tie Lichtfülle wuchs mit je­dem Augenblicke, das Sternenheer vermehrte sich; die schlanken Linien der Bauwerke erhellten sich, die Umrisse traten scharf hervor und das Licht strömte gleich einer goldenen Flut an den weißen Mauern der Basilika empor und übergoß sie mit magischem Glanze.

Die Doppelreihe der Lichter streckte sich gleich glühenden Armen um die Basilika aus; sie war wie in einen zauberhaften Feuerkreis eingeschlos­sen, der von ihrer strahlenden Balustrade, wo sich die Lichtträger eng zusammendrängten, wie von einer flammenden Krone überragt wurde.

Langsam zog die Prozession auf der anderen Seite der Basilika herab; und jetzt umschlang der Feuerkreis nicht nur die Kirche, sondern umspannte auch die gewaltigen Rampen, da auf der anderen Seite immer neue Scharen von Lichtträgern sich anreihten.

Es war ein gewaltiges Schauspiel, das sich inmitten einer großartigen Natur, an einem ewig denkwürdigen, gesegneten Orte vollzog.

Auf der Blattform der Basilika schien ein feuri­ger Quell z« entspringen, der seine Fluten wie

lich bezeichnete Nachricht wird jetzt von Dr. Jrmer selbst als völlig aus der Luft gegriffen bezeichnet; ihm selbst wenigstens ist nichts davon bekannt. Der ,Deuffchen Tageszeitung' zufolge wird die Entscheidung erst nach Ankunft des Grafen Götzen getroffen werden.

* Bon neuen siegreichen Kämpfen unserer Schutztruppe in Ostafrika weiß der .Berliner Lotalanzeiger' zu berichten. Danach hat Haupt­mann v. Hassel den Wapogoro der Lorenr- boro-Ebene einen Verlust von über 200 Toten beigebracht. Eine amtliche Meldung hierüber steht noch immer aus. Wtr finden darin wieder einmal den Beweis, daß die amtliche Bericht­erstattung üher die Vorgänge in unseren Kolo­nien eine, wie wir schon wiederholt hervorgehoben haben, durchaus mangelhafte ist.

/. Auf eine milde Behandlung der Ein­geborenen zielt eine vom Gouverneur von Deutjch-Südwestafrika erlassene Randverfügung hm. Die Nachgeordneten Dienststellen werden aufgefordert, ein wachsames Auge darauf zu haben, daß die gefangenen Eingeborenen ge­recht behandelt werden, namentlich auch dafür zu sorgen, daß die an Zivilpersonen zu Arbeits- verrichlungen abgegebenen Kriegsgefangenen nicht fchlecht behandelt werden. Gleichzeitig wirt darauf hingewieien, daß ungerechte Behandlung eines Eingeborenen für den betreffenden Arbeit­geber außer den gesetzlichen Strafen die Ent­ziehung dieser Arbeiter zur Folge haben wird.

* Dresden, 7. April 1906. Der Landtag ist heute mtt einer Thronrede geschlossen worben. In berlel6en gedenkt der König deS erfolgreichen Schaffens während dcc letzten Tagung, wenn es auch nicht gelungen fei, über alle Re­gierungsvorlagen und insbesondere über die wich­tige Frage der Aendernng der Zusammensetzung der Ersten Kammer eine Einigung zu e»zielen, und schließt nut dem Wunsche, daß das gemein­same, auf Vie Wohlfahrt des teueren Sachien- landes gerichtete Streben von dem göttlichen Segen beqlettet sein möge.

* München, 7. April 1906. Der Prinz, regent hat an den Kaiser die Einladung gerichtet, im kommenden Herbste der Eröffnung des deutschen Museums in den hierfür provisorisch überladenen Räumen des alten bayerischen Nationalmuseums und der Gruadsteinlegung für das neue Museumsgebäude beizuwohnen. In der nunmehr eingetroffenen Antwort hat der Kaiser diese Einladung mit dem größten Danke begrüßt und der befiimmten Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es ihm möglich iein werde, an der geplanten Feier persönlich teilzunehmen.

Ausland.

* Der französische Senat begann am Freitac die allgemeine Beratung des Budgets. Rion erhob Einspruch gegen die beständige Steigerung der Ausgaben. Finanzminister Poincars wie- bu Kritiken venchiedener Redner zurück und ver­sicherte, daß die Lage des Budgets nicht beunruhigend sei. Die Emnahnen blieben allerdings 1906 hinter den Ausgaben um 92 Millionen zurück, aber die aussteigende Bewegung der Ausgaben sei allen Ländern gemein, und gtückllcherweise hätten auch die Einnahmen seit 188o ohne neue Steuern zugenommen. Die Re­publik habe stets die nationale Wohlsahrt esör» deck. Der Senat beschloß, die Rede Poincarös

zwei glühende Backe über die gewaltigen Rampen herab in den ungeheuren Vorhof der Rosenkranz» kirche ergoß, welcher wie ein goldschimmernder See blitzte und funkelte und in feiner Mitte einen ge­waltigen Lichtwirbel erzeugte, der seine Funken nach allen Seiten hin und bis zur Höhe der maje­stätischen Basilika hinauf schleuderte, die in der Dunkelheit tote ein Tom ans Sonnenlicht empor­ragte. Zu seinen Füßen aber brandete ununter­brochen dieses Feuermeer mit seinen Millionen zitternder Lichtwellen.

Allmählich verschtoanden die äußersten Licht­kreise, die Ränder des feurigen Beckens sanken in Dämmerung und dann in Dunkelheit, die Feuev- strahlen verkürzten sich, der Lichtwirbcl ward zu einem ruhig leuchtenden Punkt, der kleiner und kleiner wurde, bis er mit einemiimte erlosch, tote wenn ihn die Dunkelheit anfgefaugt batte.

Auch der Gesang der Pilger rvnrde schwächer, er klang immer entfernter und leiser und glich schließlich nur mehr einem sanften Echo, das wie ein schwacher Hauch durch die Nacht hinschwebte.

Dor der Rosenkranzkirche hatten die Pilger den Jubelgesang des Salve Regina angestimmt . . . jetzt tönte es süß und zart wie Engelsgcsang durch das Schweigen der Nacht hin: „O Clemens . . . o pia . . . o dulcis Virgo Maria!"

Mit dem Erlöschen der letzten Kerze entschwebte auch der letzte Ton des Gesanges und stieg wie ein klingendes Gebet zum Himmel empor.

Maria Felice stieß einen Seufzer aus. „Ach, nun ist es schon zu Ende!"

„Es hat ja tast drei Stunden gedauert," sagte Gabriel, „und es ist Zeit, daß wir inS Hotel zu- rückkehren. Du könntest Dich erkalten."

„Aber ich will nicht", sagte die Kranke, „ich will zur Grotte! Seht, seht!"

Die Grotte leuchtete inmitten der Dunkelhert wie eine glühende Sonne. Es war auch in der Tat eine Sonne: die Sonne der Wahrheit und der Liebe, die in die düstere Nacht der Sünde und des Unglaubens hineinstrahlte.

(Fortsetzung folgt.)