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wochenbeiiage: „IlluftrietteSomitagrzeitiing"
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Betati »nsered «. Verlag 6« <n!6oer $e» tknftnurem in Xetoa.
Zern ipre der llr. 4.
JW 81.
Fvlda, Samstag, den 7. April 1906.
33. Jahrclan^
Drittes Ätatt.
Wocheu-Runvschau.
(Nachdruck verböte,:.) gulba, den 7. April »906.
Das wichtigste Ereignis der vergangenen Woche ist ohne Zweifel die glückliche Beendigung der Marokkokonferenz. Nachdem man eine Einigung in der Polizeifrage erzielt hatte, wurden die noch ausstehenden Schwierigkeiten in Algeciras leicht aus dem Wege geräumt, und es bandelt sich jetzt nur noch um die Annahme des Protokolls. Tiefer glückliche Ausgang befestigt nicht nur den Weltfrieden hoffentlich auf lange Zeit hinaus, son- dern wird auch dazu beitragen, das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich wieder zu einem besseren zu gestalten. Absolut unrichtig ist es, von einer Niederlage Deutschlands auf der Marokkokonferenz zu sprechen. Die grundsätzliche Stellung, welche Deutschland von Anfang an eingenommen hat, ist schließlich von allen Mächten, auch von Frankreich, anerkannt worden. Auf Einzelheiten hatte die deutsche Politik sich niemals festgelegt.
Der Reichstag hat flotte Arbeit geleistet. Es wurde nicht nur der Marineetat erledigt, sondern auch das Flottengesetz. Dasselbe wurde mit großer Mehrheit angenommen. Geringer war die Mehrheit, die stch für das vielumstrittene Reichs- kokonialamk zusammenfand, was im Plenum vom Reichskanzler selber vertreten wurde. Fürst Bülow hat dabei nicht nur erklärt, daß die Gerüchte über eine Kanzlerkrifis völlig unbegründet seien, sondern er hat auch dem Zentrum eine Art Ehrenerklärung abgegeben, indem er bemerkte, daß er bei keiner Partei andere als sachliche Gründe für die Stellungnahme in der Frage vorausfetze. Schließlich hat der Reichstag auch noch den Mili- täretat in zweiter Lesung durchberaten. Dabei hat der Kriegsminister eine Erklärung des Reichskanzlers verlesen, welche die Auslassung des letzteren zur Duell frage wesentlich im Sinne der Dueü- gcQiier einschränkt und interpretiert. Auch das Etatsnotgesetz ist vom Reichstage verabschiedet worden; Vie Hauptkommissionen des Reichstages, die Budgekkoumiisston und die Skeuerkommisfion sind noch an der Arbeit. Die letztere ist augenblicklich mit der Erbschaftssteuer beschäftigt.
Das preußische Abgeordnetenhaus ist schon am Dienstag in di? Osterferien gegangen, nachdem es die dritte Etatsverotung erledigt, die Wahl- rechtsvorkagen der Regierung in zweiter und dritter Lesung angenommen, die Ansiedlungspolitik in den polnischen Landesteilen kritistert und die „Hercynia^-Vorlage genehmigt hatte. Die Schul- kommission des Abgeordnetenhauses hat die erste Lesung der Schutgesetzvorlage beendet. 4luch das Herrenhaus ist auf längere Zeit vertagt worden, nachdem es den Etat erledigt hatte. Die D i ä- tenfrage für den Reichstag ist jetzt so gut wie entschieden. Das preußische Staatsministerium hat einer Vorlage zugestimmt, die für jeden Abgeordneten 3000 M für jede Session auswirft. Man hat also die Form des Pauschale gewählt. Für jeden Tag unentschuldigten Fehlens sollen dem betreffenden Abgeordneten 30 <M abgezogen werden. An der Zustimmung des Bundesrats zu dieser Vorlage ist nicht zu zweifeln, ebenso- wenig an der Zustimmung des Reichstags. Damit wird endlich die leidliche Diätenfrage und der auf ihr beruhende Gegensatz zwischen Reichstag und Verbündeten Regierungen aus der Welt geschafft.
Während in unserer ostasrikanischen Kolonie die Beruhigung der Bevölkerung erfreuliche Fortschritte macht, namentlich nach Festnahme der Haupträdelsführer, scheint d« Niederwerfung unseres Gegners Morenga in Deutsch -S« d - Westafrika noch längere Zeit aus sich warten
ki. c. Avwarten!
Eine Frühlings-Geschichte mm Sark Sontt Scapmelli.
Nachdruck nicht gestattet)
Ter Herr Offiziant Schergel war ein still- vergnügter Beamter. Wenn sich m der Frühe die Bureau-Räume mit den Herren füllten, dann klang s in «Guten Morgen grüß' am freundlichsten von allen; am freundlichsten wohl, doch nie am lautesten. Denn er «ar em gar ruhiger, zufriedener Mann, der längst für sich dos RLlsei wahrer Lebenskunst gelöst hatte, das für ihn in dem Spruche gipfelte: „Alles abwarten" und sich in der grausam langen Wartezest auf „alles vorzubereiten."
Darum konnte Scherge! durch nichts aus feiner Ruhe gebracht werden, denn für ihn war die ganze Zeit eine Wartezeit; die Bureauzeit: eine Wartezeit auf die nächste Zulage, die nächste Ausbesserung, das nächste Avancement; freilich behaupteten feindselige Kollegen. dre Buranzert sei für ihn eine Wartezeit auf das Mittag- und Abendesten, auf den Vormittags- und Dämmer- schoppen. Doch so materiell war Scherge! trotz seiner behäbigen Körnerrundung nicht.
Man hätte ihu fast einen Idealisten neunen können, wenn er nicht ein so ausgesprochener Lebevchchilosoph gewesen wäre.
Sein äußeres Leben floß langsam und eintönig dahin und nnterschied sich wenig von dem seiner übrigen Kollegen.
Rur fein Temperament war anders; seine Ruhe war sprichwörtlich.
„Nur alles abwarten, 's kommt alles zu feiner Zeit", — so pflegte er immer zu sagen und zu
lasst» zu wollen. Neuerlich haben die Banden Morengas unserer Schutztruppe bei einem Hebet- falle einen empfindlichen Verlust zugefügt.
Im österreichischen Abgeordnete » h a m i e hat die Regierung mit der Ableh- nung der Dringlichkeitsanträge in der Frage der Sonderstellung Galiziens durch eine Mehrheit des Hauses einen Erfolg errungen, der freilich durch die Geringfügigkeit der Majorität stark beeinträchtigt wird. Für Ungarn ist jetzt dst Frage, eb die Neuwahlen z» dem ordnungsmäßigen Termin — 11. April — ausgeschrieben werden sollen oder nicht, in verneinendem Sinne entschieden. Die Wahlen sollen, das ist das Ergebnis der Konferenzen des Baron Fefervary mit dem Kaistr Franz Joseph, zunächst bis zum Herbste verschoben werden. Es läßt sich nicht leugnen, daß damit eine Art Absolutismus in Ungarn etabliert wird, aber man darf auch nicht übt rieben, daß die Opvo- sition dieses Resultat stlbst durch ihr obftrnfti- mistisches Verhalten herbeigeführt hat. Tie Opposition erntet nur, was sie gesät hat.
In der französischen Deputiertenkammer hat das Grubenunglück in Coirrrieres zu einet Interpellation Anlaß gegeben, bei der bet Deputierte Barly scharfe Kritik an der Gruben Verwaltung und den staatlichen Ingenieuren übte. Tie Kammer notierte aber schließlich der Regierung ihr Vertrauen. Die wunderbare Rettung einer Anzahl der verunglückten Bergleute hat die Bevölkerung in den @nt hingegen ben noch mehr gegen die Grubenverwaktung aufgebracht, die brichmkdiot wird, notwendige Rettimgsnmß- nahmen berfämnt zu haben. Es ist bereits zu Zusammenslöfie» »wischen den Arbeitern und der zur Aufrechterhaltung der Ordnim-g herbeigezoM- nen bewaffneten Macht gekommen.
Das englische Unterhaus hat sich in den letzten Tagen mit der Frage befckäftigt, ob und wie weit die Slrbeiterorganifationen, speziell die englischen Gewerkschaften, mit ihrem Vermögen haftbar gemacht werden sollen für Schäden, die bei Ausständen durch die gesetzwidrigen Hand- hingen seitens ihrer gewählten Vertreter herbei- geführt olstr veranlaßt werden. Eine dabingchen- be Vorlage der Regierung wurde, weil vonfeiten der Arbeiter Widerspruch erhoben wurde, in gründlicher Weise ab«ändert. Das liberale englische Ministerium leistete sich dabei einen förmlichen Umfan. Ob das Oberhaus diesem Beschluß zuftinnnen wird, ist freilich zweifelhaft.
Die WahkenzurReichsdumamRnh- land nehmen im allgemeinen einen ruhigen Fortgang. In Petersburg selber find sie mit einem Erfolg hinsichtlich der Beteiligung der Wahlberechtigten vollzogen worden, der stde Erwartung übertrifft. Neuerdings machen sich Be- sünUungen bezüglich einer erneuten Judenverfolgung geltend. Allem Anschein nach hat man in Regietungskreisen Andeutungen erhalten, welch« diese Befürchtimgen berechtigen. An Bank- Einbrüchen und Raubf allen bat es auch in der vergangenen Woche nicht gefehlt.
In Serbien verursacht die Berschwö - rerfrage Mißhelligkeiten. Die Regierung wünscht die Wiederberstellung der nach dem Königsmorde abgebrochenen Beziehungen $u England. Dieses hat als Vorbedingung dafür die Entfernung der Verschwörer aus der Armee gelt eGt Tie Regierung ist dieser Maßregel nicht abgeneigt, während der König angeblich vorlänftg noch auf Seite der Offiziere steht. Das gegenwärtige Ministerium hat deshalb mit seiner Entlassung gedroht.
Ein ausgedehnter Kohlenarbeiterstreik ist in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ausgebrochen. Nicht weniger als eine halbe Million Arbeiter ist an diesem Streik, der durch Lobnfragen hervorgerusen wurde, beteiligt. Ein Teil der Grubenbesitzer hat die Forderungen der Arbeiter bereits bewilligt und man hofft auf eine baldig« Beendigung dieses Riesenausstandes.
denken, und das gab seinem ganzen Leben einen eigenen Ton. Er blickte bedacht'am fort in die Zukunft, er bereitete sich immer auf die kommenden Dinge vor, damit die Zeit bis zum großen Moment ihm nicht zu lange wurde.
„Ist das ein Hunde werter, jetzt im April," rief j. B. ein sanguinischer Kollege. Zu solchen Wutausbrüchen lächelte Schergel nur überlegen. Er konnte das schöne Wetter schon noch erwarten, und wenn es erst im Juni daherlame. Derweilen bereitete er sich eben gründlich auf die schöne Zeit vor. Der neue Frühjahrs-Anzug hing schon im Schranke, der gelbe UeberzieHer war aus- geputzt und um den Strohhut hatte er sich ein neues Band schlingen laffen. Kam endlich ein richtiger Frühlingstag, dann war er znm Empfange desselben gerüstet.
Die Ehe, das war auch so ein Ding, die alle seine Kollegen nicht erwarten konnten. Auch damit pressierte es Herrn Offizianten Schergel nicht sonderlich. Freilich, vorbereitet Hatte er sich schon darauf. Er Hasst sich schon ein bißchen eigene Möbek angeschafft, ein bißchen Geld erspart und kochte sich schon täglich morgens feinen dünnen Kaffee. Vorbereitet war er also, nun konnte er weiter warten, denn auch das Glück wollte erwartet fein und mußte einen bereit finden.
Einmal freilich vor Jahren, da war rs an bereits vorn bergegangen, und es hatte ihm ganz gut ge allen. Zwei frische blaue Augen hatte es gehabt und gokd 'loude Haare und dann und wann batte es ein wenig griächett, daß es Schergel ganz warm um's Herz geworden war.
Ja damals, damals war er freilich noch nicht der überlegene Lebensphilosoph gewesen.
TchNjchtWschMtmArheitskgAAer«.
Tie Forderung einer staatlühen Interessenvertretung der Privatangestellten war bis vor wenigen Monaten im wesentlichen lediglich aus den Kreisen der organisierten Haudluugsgehilfen an die gesetzgebenden Faktoren gestellt worden. Bis zu einem gewissen Grade ist diese Forderung bereits durch das Gesetz über die Kaufmannsgcrichte erfüllt worden, indem durch § 18 dieses Gesetzes den Kaufmannsgerichten die gleichen Befugnisse tote den Gewerbegerichten in Bezug auf Abgaben von Gutachten, Stellung von Anträgen an Behörden rc. übertragen worden find. Auf dieser • Grundlage wollen mm die Handlungsgehilfe» weiter bauen. So hat der 96. deutsche Handlungs- gehilfeutag im vorigen Jahre in Hamburg einem Anträge zugestimmt, an den Bundesrat und an das Reicksamt des Innern das Ersuchen zu richten, den § 18 des Gesetzes über Kaufmcmnsgerickite zu einem besonderen Gesetze über Handlungsgehilfenkammern auszubauen.
Auch die technischen Privatbeamten find nun mit einer ähnlichen Forderung auf dem Plan erschienen. In einer Eingabe des Bundes der teck- nifch-mdustriellen Beamten an den Reichstag zu . Beginn dieses Jahres wird die Bitte vorgetragen: der Reichstag möge dahin wirken, daß den stck- niscken Pridatangestellten bei der Schaffung gesetzlicher Interessenvertretungen der Arbeitnehmer in diesen Sitz und Stimme eingeräumt werde. Tie Aufgaben dieser Kalmmern sollen sich auf folgende Gebiete erstrecken:
1. Fortlaufende staatliche Erhebungen über die Sage der Arbeitnehmer; 2. Begutachtung von Gesetzentwürfen der Rcgierimgen und von Vorlagen der Konmrnmrlbehörden; 3. Stellung von Anträgen an die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches und der Bundesstaaten und an die Komnin* nalbehörden; 4. Schlichtung von Jntereffenstreitig- feiten; 5. Begutachtung von Fahrikordnungen und Anstellungsverträgen: 6. Prüfung der Satzungen van Wohlfahrtseinrichtungen der Fabrik- betriebe; 7: Vorbereiruug van Tarifvereinbarungen; 8. Einrichtung paritätischer Stellennachweise; 9. Mitwirkung bei der Regelung des Lehrlings- und Fachschulwesens; 10. Förderung der Wohrnmgs- und Geftmdheitsverhäktn ifse. Ttrrch Statut soll der Arbeitskammer ermöglicht werden, auch andere Ausgaben in den Bereich ihrer Tätigkeit $u ziehen.
Für die Organisation dieser Kammern werden folgende Richtlinien aufgcstcllt :
Die Gewerbegerichte werden zu Arbeitskain- mern ausgebaut. Zu diesem Behufs ist gleichzeitig eine kkmgestakkrmg der Gewerbegerichte vorzuneh- men. Tie Zuständigkeit der Gewerbegerichte wird nämlich aus die Streitigkeiten aus dem Dienstver- hältniffe aller technischen Angestellten ausgedehnt, gum mindesten derjenigen, die em Jahreseinkom- \ men bis zu 5000 jtl bezichcn. Ferner finden die Dcisitzerwahlen zu den Gewerbegerichten an vier Wcchktagen statt und zwar getrennt für folgende vier Kategorien: Arbeiter, Arbeitgeber der Arbeiter, Angestellte, Arbeitgeber der Angestellten. Auf jede Kategorie fällt die gleiche Anzahl Beisitzer. Toppelmandate der Arbeitgeber find nicht statthaft. Besoldete Angestellte der Berufsvsreine find eben!» wie berufstätige Arbeiter und Ange- stellte wählbar. Das Provortioualivstem ist obligatorisch einzusühren. Ans den Beisitzern der Gewerbegerichte werden im gleichen Wahlversahren die Mitglieder der Arbeitskammern gewählt. Für Arbeiter und Angestellte sind besondere Abteilungen der Kammern zu bilden. Der Vorsitz in den Abteilungen wird einem unparteiischen Beamten des Gewerbegerkchts übertragen.
Die Forderung einer gesetzlichen Interessenvertretung der Privatangestellten allgemein hat im Reistage im großen und ganzen eine wohlwollende Aufnahme gesunden. Nock bei Beratung des Etats des Reichsamts des Innern hat der Abg Trimborw insbesondere die Berechtigung der For
derung der Privatbeamten nach Schaffung einer Interessenvertretung im Sinne der Arbeitskammern ganz besonders betont.
Ich erkläre namens meiner politischen Freunde, so führte er ans, daß wir uns dieser Bewegung von Herzen freuen, daß wir tbr die größten Sym- vathien entgegen!) ringen, wir akzeptieren auch das Programm, welches sie ausgestellt hat, in feinm Gnmdzügen, ohne uns, wie es selbstverständlich ist, auf jede Einzelheit festzulegen, und wir werden an der Verwirklichung des Programms mit Freuden Mitarbeiten.
Zu diesen Einzelheiten möchten torr vor allem -die Frage rechnen, ob es zweckmäßig ist, etwa die Gewerbegerichte zu Interessenvertretungen auszubauen — van den Gewerbegerichten wird dieser Vorschlag fast durchweg abgclehnt, weil eine Vs»- biudung von Rechtsprechung und Jntercssenver- ■ tretung auf die Objektivität der ersteren, wenn auch unberechtigt, einen ungünstigen Schein werfen- könnte — oder selbständige Kammern für alle Kategorien der Privatbeamten zu schaffen, wie Horm vorickkägt. Doch über diese und ähnliche Punkte weiteres Licht zu verbreiten, ist in criter Linie Sache der beteiligten Kreise, von denen man vor allem auch wünschen möchte, daß sie in Sen verschiedensten Kategorien zur Verfechtung ihrer Wünsche einträchtig zusammenaeheu und sich möglichst einigen möchten. Nur die Geschlossenheit des Zusammengehens aller Prwatbeamten wird auf die öffentliche Meinung und die Verbündeten Regiermigen von enffchiedenem Eindruck sein.
x Der deutsche, der englische und der amerikanische Arbeiter.
In einem groß angelegten Werke, das der Engländer Dr. Arthur Sh ad well unter dem Titel „Jndiistriel Ejficiency" kürzlich veröffentlicht hat und in dem eine oergleichende Betiach- timg des industriellen Lehens in England, Deutschland und Amerika gegeben wird, handelt einer der interefianteften Abschnitte von den Arbeitern in den drei Ländern. An dem englischen Arbeiter ist dem Verlasset besonders ausgefallen, wie sehr er an den Wochentagen sein Aeußeres vernachlässigt. „Die englischen Arbeiter/' schreibt et, „smd mit einer gewissen Vorliebe die ganze Woche über schmutzig; sie scheinen ihren Stolz darin zu setzen, recht wüst anszuseh n. Sie erblicken darin ein Zeichen ihres Berufes, das eoyenroette Merk- mal der Arbeit, gewissermaßen ein Privilegium des Mannes mit 'bet „schwieligen Faust". Am Sam tag abend, am Sonn- und Feiertage dagegen kann niemand sauberer fein als der englische Arbeiter, und nur wer es sich leisten kann, einen sehr teueut Schneider zu haben, mag bester gekleidet gehen . . . Dieoft geäußerte Anschauung, daß die Ausländer im Vergleich mit den Engländern schmutzig wären, ist eine Täuschung, die den Tatsachen keineswegs entsprecht.
Ich bin iu die elenden Hütten der Pariser Lumpeniammler gekommen, in die Nachtasyle St. Petersburgs, in die Boueruhütte» Ungarns und in die Behausungen der Armen in Südeuropa; aber nirgends Habe ich Leute gesehen, die an ihrem Leibe so schmutzig sind und so sehr im Schmutze bahinleben, rote ich sie in England gefunden Habe." Der Engländer gibt auch einen viel größeren Teil feines Einkommens für Getränke aus als der Deutsche oder der Amerikaner Allerdings kann man in allen drei Ländern viel Tiunl sucht beobachten. In einigen amerikanischen Staaten Hat man das Trinken zu bekämpfen ver» iucht, aber die Maßregeln, welche man dagegen erlassen hat, werden Häufig nicht beobachtet. SHadwell erzählt z. B. folgende Erfahrung, die
baji» hatte er zu sehr Hunger unb zu viel Liebe im Hetzen. Damals hatte er geglaubt, nicht warten zu können. Damals, als zroeiunbzwanzig- jähriaer Schreiber; und jetzt war er fifbenunb-- drerßig und konnte so gut warten.
Im Frühling war's gewesen, so um Ostern hernm, im Englischen Garten, — da hatte er sie kennen gelernt. Frühling war's jetzt und um Dünn herum, — und er romr auch zu einem Spaziergang durch de», Englischen Garten oe- rüstet. Der neue Sommeranzug schmückte seine Fgur, des Strohhuts neues farbenprächtiges Band glitzerte keck mm feinem Haupd, unb der gelbe UeberzieHer hatte trotz des lange« Winters von ferner „Leuchtkraft" nichts verloren.
Nun war es doch endlich Frühjahr geworden, non sahen doch endlich d« zarten Blätter aus den Knospen — imeder hatte Scherge! etwas erwarte«könne«. @tnen Frühling mehr freilich.
„Warum eigentlich nur in der Natur jährlich sich alles erneuert, indes Mensch unb Tier herum altern", bachte er. Die Jugenb, bas war das einzige, was man nicht mehr erwarten konnte, die kam nie wieder.
Aber die goldene Sonne lachte ihm solche muffige Gedanken bald weg,
Sonntag nachmittags im Frühling im Englische» Garten! Da fühlte sich Schergel selbst wieder ganz jung. Den UeberzieHer ließ er weil oste», so lauwarm war die Lust, da durfte auch er nicht „zugeknöpft" fein. Und wie er im jungen Grün die ersten liefen Atemzüge machte, ba war es ihm, als erwachte sein Herz ebenfalls aus einem langen Winterschlaf, den« es fing ganz deutlich zu pochen au.
Ganz ängstlich unb beklommen war ihm zu Mule, er raub sich doch kein Fettherz in den langen Bureaustunden während des Winters er» festen haben l Doch nein, batür sorgte er ja schon burch ausgiebige Bewegung tm Winter.
Aber was hätte denn fein Herz? Konnte e8 de« Frühling nicht ruhig auf sich heran kommen lasten, nicht „abwarten" rote sonst, mußte es ihm so stürmisch entgegenschlagen? Er war ganz aus feiner Ruhe gekommen. Sollte hoch etroaS fon inen können, bas er nicht abwarten konnte, für bas er sich nicht vorbereitet hatte? — Sollt« so ein laues Frühlingswehen fein festgesügtes Lebensgebäube umstoßen können?
„Nur abwarten?" sagte er sich roteber und unwillkürlich blieb er flehen unb lehrte sich um, wenn da etwas kam, was ihn erst einholen mußte, da wollte er bem zwar nicht entgegen gehen, eS abwarten, aber stehen bleiben wollte er wenigstens, baß es ihn eher erreiche.
Was würbe kommen? Was? Und wieder pochte sein Herz saft hörbar, unb roieber schien es ihm, als ob er bueti auf etwas warten wollte. Drum setzte er sich unwillkürlich auf bie nächste Bank. Wenn man auf etwas wartet, wenigstens war es so bei bem Publikum seines Bureaus, bann mußte, man eben Platz nehmen. Es war einmal so Sitte, unb bamit war freilich — wenigstens beim Publikum — die Unsitte verbunden, daß es ungeduldig und ungebulbiget würbe, sich nach rechis unb links wanbte und brebte, auisvrang unb sich wieder setzte.
Osfuiant Schergel begnügte sich von seiner Bank ans damit, nur in alle möglichen und unmöglichen Richtungen zu spähen. Er wollte, wie er ück vormachte, die Leute etwas muftein, irr